Aktuelle Pressemitteilungen

DFG Förderatlas 2021: Uni Würzburg mit deutlichem Plus

Beim Einwerben von Drittmitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die Universität Würzburg überdurchschnittlich stark und in einem Bereich führend: Forschungsstark in Biologie und Medizin. Das belegt der neue DFG Förderatlas.

Im jüngst erschienenen Förderatlas 2021 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kann sich die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) erneut als besonders drittmittelstarker Forschungsstandort platzieren: Mit einem Gesamtvolumen an DFG-Bewilligungen von 143,5 Millionen Euro in den Jahren 2017 bis 2019 nimmt die JMU (einschließlich Universitätsklinikum) bundesweit Platz 25 und bayernweit Platz 4 ein.

Im Vergleich zum letzten Förderatlas 2018, der die Jahre 2014 bis 2016 berücksichtigte, kann sich Würzburg somit im bundesweiten Vergleich um einen Platz verbessern und die DFG-Bewilligungen um über 20 Prozent steigern.

Forschungsstark in Biologie und Medizin

eben einem Vergleich ganzer Universitäten dient der DFG Förderatlas auch als Indikator für die Drittmittelstärke der jeweils an den Universitäten vertretenen Wissenschaftsbereiche, Fachgebiete und Forschungsfelder. Bei den DFG-Bewilligungen in den Jahren 2017 bis 2019 erreicht die Universität Würzburg vor allem in den Fachgebieten Biologie (Rang 11) und Medizin (Rang 15) hervorragende Platzierungen.Zudem belegt der Förderatlas eindrucksvoll die besondere Forschungsstärke einiger Forschungsfelder, die den beiden lebens- und naturwissenschaftlichen Forschungsprofilbereichen der JMU – „Moleküle, Zellen und Organismen“ und „Molekulare Chemie, Neue Materialien und Quanteneffekte“ –  zuzurechnen sind.

Platz 1 im Forschungsfeld „Physik der kondensierten Materie“

Im Forschungsfeld „Physik der kondensierten Materie“, dem sich auch der gemeinsam mit der TU Dresden eingeworbene Exzellenzcluster „Complexity and Topology in Quantum Matter“ (ct.qmat) zuordnen lässt, verfügt die Universität Würzburg mit über 18 Millionen Euro in den Jahren 2017 bis 2019 bundesweit über die meisten eingeworbenen DFG-Mittel.In den Forschungsfeldern „Molekülchemie“ sowie „Physikalische und theoretische Chemie“ rangiert die Würzburger Forschung auf den Plätzen 4 beziehungsweise 5. Bei den DFG-Bewilligungen im Forschungsfeld „Zoologie“ belegt die JMU bundesweit Platz 6, im Forschungsfeld „Mikrobiologie, Virologie und Immunologie“ Platz 7.„Die Tatsache, dass die JMU in den vergangenen Jahren jeweils zur Gruppe der Top 15 Universitäten gehört, die in den Natur- und Lebenswissenschaften besonders häufig von Geförderten und Preisträgerinnen beziehungsweise Preisträgern der Alexander von Humboldt-Stiftung, des European Research Council sowie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes als Gastinstitution gewählt werden, ist ein weiterer Beleg für die Anziehungskraft und internationale Reputation des Forschungsstandorts Würzburg“, freut sich Unipräsident Paul Pauli.  

Steigende Einnahmen auch bei Bundes- und EU-Fördergeldern

Insgesamt liegen die Drittmitteleinnahmen der JMU inklusive Universitätsklinikum aktuell bei rund 154 Millionen Euro pro Jahr − mit klar steigender Tendenz. Wie der Förderatlas 2021 zeigt, ist die DFG mit durchschnittlich 48 Millionen Euro Mittelzuweisungen pro Jahr der wichtigste Drittmittelgeber für die JMU.Doch auch andere Fördergeber spielen bei der Finanzierung von Forschungsvorhaben an der Universität eine gewichtige Rolle: So konnten in den Jahren 2017 bis 2019 im Schnitt rund 27 Millionen Bundesmittel pro Jahr eingeworben werden (gegenüber jährlich ca. 20 Millionen Euro in den Jahren 2014 bis 2016). Die Förderungen aus Mitteln der Europäischen Union sind im gleichen Zeitraum von durchschnittlich rund neun auf über zwölf Millionen Euro pro Jahr angewachsen.

Pressemitteilung der JMU Würzburg zum Förderatlas 2021 als PDF.

Uniklinikum Würzburg: Zentrum für genetische Innenohrstörungen eingerichtet

Als Teil des Comprehensive Hearing Centers des Uniklinikums Würzburg widmet sich jetzt ein neues Zentrum noch intensiver der Forschung, Diagnostik und Behandlung von genetisch bedingten Hörstörungen.

Rund zwei Drittel aller Hörstörungen sind genetisch bedingt. „Vor diesem Hintergrund arbeitet unser Comprehensive Hearing Center schon seit mehr als einem Jahrzehnt intensiv mit dem Institut für Humangenetik der Universität Würzburg zusammen“, berichtet Prof. Dr. Dr. h. c. Rudolf Hagen. Laut dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des Uniklinikums Würzburg (UKW) nahm in den letzten Jahren die Relevanz von genetischen Untersuchungen als Teil der personalisierten Medizin immer weiter zu. Auch die entsprechenden Nachfragen von Patientenseite stiegen. „Deshalb haben wir nun die zu diesem Themenfeld bestehende Sprechstunde zum Zentrum für genetische Innenohrstörungen, kurz ZGI, weiterentwickelt“, schildert Prof. Hagen. Das neue Zentrum wurde der Öffentlichkeit Anfang Juli beim diesjährigen Internationalen Kurs der Mikrochirurgie des Mittelohres in Würzburg vorgestellt. 

Genetische Ursachen frühzeitig erkennen und kompetent behandeln

Geleitet wird das ZGI von Frau Prof. Dr. Wafaa Shehata-Dieler und Herrn Priv.-Doz. Dr. Kristen Rak aus der HNO-Klinik des UKW. „Unser wesentliches Ziel ist es, bei der Beratung, Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Begleitung von Patientinnen und Patienten mit einer angeborenen oder dauerhaft bestehenden Hörminderung den Schwerpunkt der Genetik weiter auszubauen“, beschreibt Prof. Shehata-Dieler. Konkret bedeutet das: Die Betroffenen sollen erfahren, ob ihre Schwerhörigkeit erblich bedingt ist. Anschließend werden sie von den Expert*innen über ihre Prognose beraten und erhalten die bestmögliche Versorgung mit Hörhilfen. „Außerdem können wir – beispielsweise bei möglichen schwerwiegenden Begleiterkrankungen – zu einem sehr frühen Zeitpunkt zusätzliche Therapien einleiten“, betont die Professorin.

Aussichtsreiche Forschung

Auch in der Forschung sowie in der Aus- und Weiterbildung soll das ZGI wichtige Beiträge leisten. „Zentrale Forschungsfragen sind zum Beispiel: Können neben den über 130 bekannten weitere Gene für Hörstörungen identifiziert werden? Mit welchen Untersuchungsverfahren? Und wie können wir dafür die Kooperation mit den Spezialdiagnostiken anderer Fachdisziplinen und Kompetenzzentren weiter verbessern?“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Rak. Nach seinen Angaben könnten Fortschritte in der Gentherapie in einigen Jahren möglicherweise dazu führen, dass eine genetisch angelegte Hörstörung behandelt werden kann, eventuell sogar vorbeugend vor ihrem ersten Auftreten. 

Fächerübergreifend breit aufgestellt

Um diesen vielfältigen Eigenansprüchen gerecht zu werden, ist das Zentrum interdisziplinär breit aufgestellt. So bringen neben HNO-Ärzt*innen und Humangenetiker*innen auch Spezialist*innen aus der Pädiatrischen Neurochirurgie, der Pädiatrie, der Augenheilkunde sowie der Diagnostischen und Interventionellen Neuroradiologie ihre jeweiligen Kompetenzen ein. „In einem ersten Schritt arbeiten wir aktuell vornehmlich daran, standardisierte Abläufe sowie feste Strukturen in der Zusammenarbeit zu etablieren“, verdeutlicht Prof. Shehata-Dieler. 

Strukturell ist das ZGI dem am UKW angesiedelten Zentrum für Seltene Erkrankungen, kurz ZESE, Nordbayern zuordnet. Als Fachzentrum betreut es dort seltene HNO-Erkrankungen und beteiligt sich an großen, übergeordneten Studien. Über das ZESE ist das ZGI ferner mit nationalen und internationalen Netzwerken verbunden. 

 

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4. Tag der Allgemeinmedizin in Würzburg am Mittwoch, 13. Oktober 2021

Im Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums (D15), in den Seminarräumen der Lehrklinik (D5), der Dermatologie (D8) und im Institut für Allgemeinmedizin (D7) am UKW.

Wir laden Sie herzlich zu unserem vierten „Tag der Allgemeinmedizin“ am Institut für Allgemeinmedizin des UKW ein.

Wie auch im vergangenen Jahr wollen wir die Veranstaltung in Präsenz durchführen und weichen nur im Notfall auf virtuelle Formate aus. DMP und CME-Punkte sind für alle Workshops beantragt. Nach nun schon bewährtem Muster bieten wir auch in diesem Jahr Themen für das komplette Team an – lassen Sie sich inspirieren!

Für die Key-Lecture konnten wir Prof. Dr. Norbert Donner-Banzhoff aus Marburg gewinnen. Wir schätzen seinen „Blick über den Tellerrand“ schon lange: In seinem Vortrag beschäftigt er sich mit dem Kausalitätsbedürfnis bei uns ÄrztInnen und bei unseren PatientInnen.

Anmeldeschluss war bereits der 17.09.2021

 

Flyer zum 4. Tag der Allgemeinmedizin in Würzburg herunterladen

Schärfere Bilder durch künstliche Aminosäuren

Dr. Gerti Beliu leitet seit September eine neue Forschungsgruppe am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg. Er setzt die neue Technik der „Click-Chemie“ ein, um die Auflösung der Mikroskopie noch besser auszuschöpfen und neue Anwendungen für die Biomedizin zu entwickeln.

Mit der Technologie der „Click-Chemie“ will Dr. Gerti Beliu am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging die Möglichkeiten der Mikroskopie verbessern und Details sichtbar machen, die momentan noch nicht erkennbar sind. „Diese Technik hat das Potential die Mikroskopie zu revolutionieren, ihre biomedizinische Anwendbarkeit steckt aber im Moment noch in den Kinderschuhen“, erklärt Beliu. Hier möchte er mit seiner Forschungsgruppe ansetzen, die Grundlagen der Methode besser verstehen und sie breiter einsetzbar machen. In der Zukunft hält Beliu eine Anwendung im medizinischen Bereich für möglich.

Neue Technik ermöglicht bessere Auflösung

In der hochauflösenden Fluoreszenzmikroskopie ist inzwischen eine Auflösung von unter 10 Nanometern (ein Nanometer (nm) ist ein millionstel Millimeter), und damit rund 50-mal schärfer als die herkömmliche Lichtmikroskopie, möglich. Um ein bestimmtes Protein sichtbar zu machen, wird es in der Mikroskopie meistens mit zwei aneinanderbindenden Antikörpern, an die ein fluoreszierender Farbstoff gekoppelt ist, markiert. Ein Antikörper ist zwischen 10 und 15 nm groß, wodurch das Fluoreszenzsignal bis zu 30 nm neben der eigentlich markierten Stelle liegt. Bei der von Beliu verwendeten Click-Chemie wird eine bestimmte chemische Struktur an ein einzelnes Biomolekül, z.B. eine einzelne Aminosäure (die Bausteine eines Proteins) angehängt. „An diese künstliche Aminosäure kann nun der Farbstoff direkt, ohne Antikörper, wie ein passendes Puzzleteil binden. Dadurch werden viel schärfere Bilder möglich und man kann zum Beispiel kleine, direkt nebeneinanderliegende Proteine einzeln erkennen, die man mit Antikörpern gar nicht hätte unterscheiden können“, sagt Beliu.

Medizinische Anwendung denkbar

Die Verwendung der Click-Chemie hat neben der besseren Auflösung noch weitere Vorteile. So ist die Bindung der beiden „Puzzleteile“ sehr spezifisch und stört durch ihre spezielle chemische Struktur die normalen Abläufe in der Zelle nicht. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine nebenwirkungsarme medizinische Anwendung. Krebszellen nehmen zum Beispiel auf Grund ihrer schnellen Zellteilung bestimmte Verbindungen stärker auf als andere Zellen. An diese, in den Krebszellen gehäuft vorkommenden, Verbindungen könnten die „clickbaren“ chemischen Strukturen angeheftet werden. Wird das zweite „Puzzleteil“ der Click-Chemie an einen medizinischen Wirkstoff gebunden, so könnten die Krebszellen damit sehr effektiv bekämpft werden. „Bevor es zu einer medizinischen Anwendung kommt sind allerdings noch einige Fragen der Grundlagenforschung zu klären. Genau das wollen wir angehen“, erklärt Beliu.

Zur Person

Dr. Gerti Beliu studierte an der Universität Würzburg Biologie und promovierte anschließend in der Forschungsgruppe von Prof. Markus Sauer. In seiner Zeit als Postdoktorand am Biozentrum der Universität Würzburg spezialisierte er sich weiter im Bereich der Hochauflösenden Fluoreszenzmikroskopie, bevor er jetzt am Rudolf-Virchow-Zentrum seine eigene Forschungsgruppe startete.

Weitere Informationen zum Rudolf-Virchow-Zentrum und zur Arbeitsgruppe von Dr. Gerti Beliu finden Sie unter: https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/forschung/forschungsgruppen/ag-beliu/ 

Kontakt

Dr. Gerti Beliu (Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg)
Tel.: +49 931 31-89733, gerti.beliu@ uni-wuerzburg.de 

Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel.: +49 931 31-85822, judith.flurer@ virchow.uni-wuerzburg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 07.10.2021

Uniklinikum Würzburg: Mit drei spannenden Terminen bei der Wuerzburg Web Week dabei

3D-Bauplanung, Künstliche Intelligenz in der Diagnostik und IT-Verfahren im Zentrallabor – das Uniklinikum Würzburg beteiligt sich mit drei öffentlichen Infoveranstaltungen an der Wuerzburg Web Week 2021. Die Aktionswoche zu Themen der Digitalisierung findet im Oktober dieses Jahres zum vierten Mal statt.

Die Wuerzburg Web Week ist eine Dachveranstaltung, die in der Region Würzburg alle gesellschaftlichen Gruppen zusammenbringen will, die mit der Digitalisierung zu tun haben: Firmen und Start-up-Unternehmen, Schulen und Hochschulen, Institutionen und Vereine sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. Bei der diesjährigen Neuauflage der von der gemeinnützigen Regionalmarketinggesellschaft Würzburg AG veranstalteten Aktionswoche vom 22. bis 29. Oktober ist auch das Uniklinikum Würzburg (UKW) wieder dabei – diesmal mit drei höchst unterschiedlichen und natürlich kostenlosen Angeboten.

Vom 3D-Modell zur Baustelle

Die erste Veranstaltung am Freitag, den 22. Oktober, richtet sich an alle, die sich für Digitalisierungsprozesse im Planungs- und Bauwesen interessieren. Diese spielen eine wichtige Rolle bei den aktuell laufenden Sanierungsarbeiten an den Ver- und Entsorgungsleitungen des UKW. Die Planungsbüros führen die dabei erforderliche Tunnelplanung anhand von 3D-Modellen durch. Bei dem um 12:00 Uhr beginnenden Ortstermin werden im Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums 3D-Pläne gezeigt sowie die Herausforderungen des Einsatzes dieser Modelle in der Infrastrukturplanung und beim Bauen im Bestand erläutert. Danach können die Teilnehmer*innen bei einem Blick in die Baugrube einen Tunnelabschnitt in der Entstehung betrachten. Zum Abschluss gibt es eine Führung durch einen der Medientunnel, der zuvor als 3D-Modell gezeigt wurde.

Online-Veranstaltung: KI in der Radiologie

Am Montag, den 25. Oktober, lädt dann Prof. Dr. Thorsten Bley, der Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des UKW, um 17:00 Uhr zu einem Zoom-Meeting ein. Dabei wird er aufzeigen, wie Künstliche Intelligenz zunehmend Teil moderner diagnostischer Strategien wird – zum Beispiel bei den häufigen Erkrankungen Herzinfarkt sowie Brust- und Prostatakrebs. 

Online-Veranstaltung: Zentrallabor digitalisiert

Ebenfalls als Zoom-Meeting organisiert ist eine Veranstaltung des Zentrallabors des Klinikums am Mittwoch, den 27. Oktober, um 17:00 Uhr. Zielgruppe sind alle, die wissen wollen, wie Automation und IT-Verfahren zur Prozessunterstützung in der Krankenversorgung genutzt werden – und dabei schon immer mal einen Blick hinter die Kulissen eines medizinischen Labors werfen wollten.

Weitere Details zum Ablauf der drei Veranstaltungen und der teilweise erforderlichen Anmeldung gibt es im Programmteil unter www.wueww.de.

Pressemitteilung über den Beitrag des Uniklinikums Würzburg zur Wuerzburg Web Week als PDF.

Uniklinikum Würzburg: Prof. Dr. Heike Rittner mit dem Franz-Koehler-Inflammation-Award geehrt

Prof. Dr. Heike Rittner, Schmerzexpertin am Uniklinikum Würzburg, wurde für ihre herausragende Forschung auf dem Gebiet der Entzündungen mit dem Franz-Koehler-Inflammation-Award 2021 ausgezeichnet.

Prof. Dr. Heike Rittner, die Leiterin des Zentrums interdisziplinäre Schmerzmedizin an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Uniklinikums Würzburg, erhielt im September dieses Jahres von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) den Franz-Koehler-Inflammation-Award 2021. Die Preisträgerin ist eine international renommierte Expertin für die Rolle des Immunsystems bei entzündlichen und neuropathischen Schmerzen. Dabei konnte sie unter anderem zeigen, dass Immunzellen mit ihren Botenstoffen Schmerzen auslösen, diese aber auch über körpereigene Endorphine lindern können. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr ihre neuere Forschung zur Bedeutung des Zusammenbruchs von schützenden Barrieren nach Nerventrauma und entsprechenden Entzündungsprozessen sowie zu den Ursachen des komplexen regionalen Schmerzsyndroms – einer seltenen Schmerzerkrankung nach Verletzungen der Extremitäten. 

Über den Preis

Der mit 5.000 Euro dotierte Franz-Koehler-Inflammation-Award wird seit dem Jahr 2010 jährlich verliehen. Die DGAI zeichnet damit herausragende Verdienste auf dem Gebiet der Erforschung von Pathophysiologie, Prophylaxe und Therapie von Entzündungen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen im Umfeld von Operationen aus. Das Preisgeld stiftet die Dr. F. Köhler Chemie GmbH.

 

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Fakten oder Furcht

Was motiviert Menschen dazu, sich an Coronaregeln zu halten: Fundierte Informationen oder die Angst vor der Ansteckung? Diese Frage hat ein Team der Uni und des Uniklinikums Würzburg untersucht – mit einem überraschenden Ergebnis.

Bleiben Sie zu Hause! Verlassen Sie Ihre Wohnung nur für wirklich dringende Erledigungen! Treffen Sie sich nicht mit Freunden und Verwandten! Mit diesem eindringlichen Appell an die Bevölkerung wollten Verantwortliche aus der Politik in Deutschland in der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus verhindern. In Kombination mit den entsprechenden Vorschriften und Bußgeldern sorgten sie dafür, dass Busse und Bahnen leer blieben, in Parks nur noch Pärchen unterwegs waren und Familienfeiern reihenweise abgesagt wurden.

Doch nicht alle waren dazu bereit, sich an diese Vorschriften zu halten. Maskenverweigerer und illegale Partys hielten die Polizei auf Trab und sorgten für Schlagzeilen in den Medien. Wie Menschen dazu motiviert werden können, sich an Regeln zu halten, die ihrem eigenen Schutz und dem der Gesellschaft dienen: Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg in dieser Zeit untersucht. Die Ergebnisse ihrer Studie haben sie jetzt in der Fachzeitschrift Preventive Medicine Reports veröffentlicht.

Angst ist nicht die wesentliche treibende Kraft

„Eigentlich könnte man erwarten, dass Menschen, die Angst davor haben, sich mit dem neuen Coronavirus zu infizieren und schwer zu erkranken, sich eher an die Vorschriften zur Eindämmung der Coronapandemie halten, verglichen mit Menschen, bei denen weniger Emotionen im Spiel sind“, sagt Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Universität Würzburg. An der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums erforscht sie, welche Motive menschliches Verhalten in welcher Weise beeinflussen.

Wie die Würzburger Studie jedoch zeigt, waren es im Fall der Coronapandemie andere Aspekte, die den Ausschlag dafür gaben, dass sich die Befragten an die Regeln hielten: das Wissen um die potenziellen Gefahren einer Covid-19-Erkrankung sowie Informationen über die Möglichkeiten, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. „Wir konnten nachweisen, dass Personen, die während der Pandemie stark gefühlsbetont reagierten, nicht unbedingt eher dazu bereit waren, die Sicherheitsvorschriften einzuhalten“, erklärt Matthias Gamer, Professor für Experimentelle Klinische Medizin an der Uni Würzburg. Hein und Gamer sind Erstautoren der jetzt veröffentlichten Studie.

Wichtiger als Emotionen seien demnach kognitive und soziostrukturelle Variablen. Aus diesem Grund sollten sich nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher politische Maßnahmen in Zukunft darauf konzentrieren, gesicherte Informationen und die gesellschaftliche Relevanz des jeweiligen Problems in den Vordergrund zu stellen, wenn sie Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen wollen, sich verantwortungsbewusst und vorsichtig zu verhalten.

Umfrage unter rund 4.100 Studierenden

Für seine Studie hat das Forschungsteam die Antworten einer Online-Umfrage unter rund 4.100 Studierenden ausgewertet, an der sich diese im April 2020 beteiligt hatten. Gut zwei Drittel der Befragten waren weiblich, das Durchschnittsalter betrug 22,3 Jahre.

„Inwieweit sind Sie besorgt, bei einer Infektion mit dem Coronavirus schwer zu erkranken? Fühlen Sie sich den Herausforderungen durch die Coronapandemie gewachsen? Werde Sie ängstlich und nervös, wenn Sie Nachrichten über das Coronavirus-19 auf sozialen Medien sehen?“ Auf diese und viele weitere Fragen sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie Antwort geben. Dazu kamen Fragen zum Informationsverhalten – den Quellen, aus denen sich die Befragten informierten, ihren bevorzugten Social-Media-Plattformen, der täglich dort verbrachten Zeit – sowie Fragen zur Befindlichkeit und zu ihren Erwartungen und Befürchtungen für die Zukunft.

Konkurrierende Erklärungsmodelle

„Den Hintergrund unserer Studie bildet die Tatsache, dass es in der Psychologie konkurrierende Modelle dazu gibt, welche Aspekte menschliches Verhalten, speziell das Gesundheitsverhalten, steuern“, erklärt Grit Hein. So geht das Emotions-Motivations-Modell davon aus, dass emotionale Reaktionen eine wesentliche treibende Kraft darstellen. Oder, vereinfacht gesagt: Wer Angst vor einer bestimmten Situation hat, wird diese tunlichst meiden.

Im Gegensatz dazu gehen sozial-kognitive Modelle davon aus, dass das Sicherheitsverhalten durch eine andere Gruppe von Variablen bestimmt wird, die hauptsächlich kognitive und soziostrukturelle Aspekte widerspiegeln. Das können eigene Erfahrungen sein, Beobachtungen Anderer sowie Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen.

„Wer die Risiken bestimmter Verhaltensweisen für die eigene Gesundheit kennt, wer informiert ist über den Verlauf einer Krankheit und deren Auswirkungen auf das Alltagsleben, wer sich darüber bewusst ist, dass er mit seinem eigenen Verhalten kontrollieren kann, welchen Risiken er sich aussetzt, der verfolgt mit einer größeren Wahrscheinlichkeit konkrete Pläne und Strategien, um dieses Risiko zu minimieren“, sagt Matthias Gamer.

Weitere Studien sind erforderlich

Ist die Frage nach dem gültigen Modell damit also geklärt? Nicht ganz. „Auf praktischer Ebene deuten unsere Ergebnisse zwar darauf hin, dass sich junge Erwachsenen eher an Sicherheitsvorschriften halten, wenn sie über die Auswirkungen einer Krankheit für den Einzelnen und seine Angehörigen sowie ihre gesellschaftliche Bedeutung gut informiert sind“, sagt Grit Hein.

Weil an der Umfrage allerdings ausschließlich Studierende teilgenommen haben, könne es sein, dass das Bildungsniveau einen relevanten Einfluss ausübt. Dementsprechend schlägt das Würzburg Team vor, dass zukünftige Studien untersuchen sollten, ob die jetzt beobachteten Zusammenhänge auch für Personen mit niedrigerem Bildungsniveau gelten. Für eine Fortsetzung der Studie konnten Hein, Gamer und der ebenfalls beteiligte Professor Paul Pauli bereits Geld bei der Volkswagenstiftung einwerben.

Publikation

Social cognitive factors outweigh negative emotionality in predicting COVID-19 related safety behaviors. Grit Hein, Matthias Gamer, Dominik Gall, Marthe Gründahl, Katharina Domschke, Marta Andreatta, Matthias J. Wieser, Paul Pauli. Preventive Medicine Reports. https://doi.org/10.1016/j.pmedr.2021.101559

Kontakt

Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-77411, hein_g@ ukw.de

Prof. Dr. Matthias Gamer, Lehrstuhl für Psychologie I der Universität Würzburg, T: +49 931 31-89722, matthias.gamer@ psychologie.uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung "Fakten oder Furcht" als PDF