Würzburg. Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Reiners leitete von 1994 bis 2010 die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW). Außerdem lenkte er von 2001 bis 2015 als Ärztlicher Direktor die Geschicke des unterfränkischen Krankenhauses der Maximalversorgung. Neben den Erfolgen in diesen Führungsrollen war seine Karriere von vielen wissenschaftlichen, klinischen und humanitären Leistungen geprägt. Das UKW nahm den diesjährigen 80. Geburtstag des Mediziners zum Anlass, sein Lebenswerk mit einem eintägigen Symposium zu ehren. Auf Einladung von Prof. Dr. Andreas Buck, Reiners Nachfolger als Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, kamen am 21. März dieses Jahres rund 100 Gäste im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) des UKW zusammen. Während in den Vorträgen des Nachmittags namhafte Fachleute – viele von ihnen langjährige berufliche Weggefährten des Jubilars – zu aktuellen nuklearmedizinischen Themen referierten, setzten die Grußworte und Vorträge des Vormittags Schlaglichter auf Reiners Wirken und seine Persönlichkeit.
Als Ärztlicher Direktor für das Uniklinikum Würzburg prägend
Laut Prof. Dr. Stephan Hackenberg wurde das heutige Bild des UKW in zahlreichen Aspekten maßgeblich von Christoph Reiners geprägt. „Viele unserer infrastrukturellen und inhaltlichen Schwerpunkte entstanden in der Zeit, in der Sie Ärztlicher Direktor des Uniklinikums waren“, unterstrich der aktuelle stellvertretende „ÄD“ in seiner Ansprache. Sehr hilfreich seien hierbei – neben der guten internen Vernetzung – oft auch Reiners außergewöhnlich gute Kontakte in die Politik gewesen. Dazu passend zitierte Prof. Dr. Markus Luster, ehemaliger nuklearmedizinischer Oberarzt des UKW, in seiner Laudatio die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die dem Geehrten hohes diplomatisches Geschick und Charme bescheinigte.
Konsequenter Einsatz für Strahlenschutz
Für die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin konstatierte deren Präsident Prof. Michael Schäfers: „Wenn wir heute auf Ihr Leben und Wirken schauen, dann sehen wir einen Menschen, der unser Fach über Jahrzehnte hinweg geprägt hat – mit intellektueller Klarheit, klinischer Verantwortung, internationalem Weitblick und nicht zuletzt mit menschlicher Zuwendung.“ Besonders hob Schäfers Reiners Einsatz für den Strahlenschutz hervor. In Gremien wie der Strahlenschutzkommission habe er immer wieder dafür geworben, Strahlenanwendungen weder zu bagatellisieren, noch zu dämonisieren.
Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder
Internationale Anerkennung erwarb sich der Würzburger Nuklearmediziner insbesondere für seine Arbeiten zum Schilddrüsenkarzinom. Mehrfach kam in den Laudationes auch sein humanitäres Engagement zur Sprache: So wurde auf Reiners Initiative 1996 am UKW der gemeinnützige Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder“ gegründet. Dessen Ziel war es, in Folge der Nuklearkatastrophe von 1986 über 250 an Schilddrüsenkrebs erkrankten Kindern eine möglichst gute Therapie und Nachsorge zu bieten. Als Beleg der erfolgreichen, mittlerweile abgeschlossenen Arbeit zeigte Dr. Johannes Biko, Nuklearmediziner und Reiners zentraler Wegbegleiter bei diesem Hilfsangebot, auf dem Symposium ausgewählte Beispiele aus weit über 200 Geburtsanzeigen und Babyfotos, zugeschickt von ehemaligen Kinderpatientinnen und -patienten, die jetzt ihrerseits dankbare Eltern sind.
Ein Motor der Digitalisierung
Prof. Reiners selbst erinnerte in seinem Vortrag an weitere Aspekte aus seiner Zeit als Ärztlicher Direktor des UKW, die ihm rückblickend besonders wichtig erscheinen. Dazu zählt sein Einsatz für eine fortschrittliche, patientenorientierte nuklearmedizinische Station im 2009 eröffneten ZIM. Außerdem trieb er, selbst ein früher Experte für medizinische Informatik, ab dem Jahr 2002 mit Nachdruck die schrittweise Digitalisierung am UKW voran. Mit messbarem Erfolg: Beim Digitalradar-Score 2024, der die digitale Reife der deutschen Krankenhäuser misst, kam das Würzburger Uniklinikum auf den ersten Platz. Auch als Seniorprofessor war seine IT-Expertise gefragt. So koordinierte Reiners von 2018 bis 2023 das von der Bayerischen Staatsregierung geförderte Projekt „Digitalisierungszentrum Präzisions- und Telemedizin (DZ.PTM)“.
Text: Pressestelle / UKW