KIPS: KI-basierte Patientensimulation in der Lehre

Universitätsklinikum Würzburg startet mit KIPS ein Leuchtturmprojekt

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) festigt seine Position als Innovationstreiber in der medizinischen Ausbildung und startet das Projekt „KIPS” (KI-basierte Patientensimulation). In einer multizentrischen Kooperation zwischen dem Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW, der Technischen Universität München (TUM) am Campus Heilbronn sowie Experten für medizinische KI vom Inselspital Bern (Schweiz) wird eine skalierbare Trainingsplattform auf Basis von Large Language Models (LLMs) entwickelt. Mit KIPS sollen Studierende die Gelegenheit erhalten, ihre Kommunikationsfertigkeiten zu trainieren und gleichzeitig die klinische Entscheidungsfindung schulen. 

Würzburg / Heilbronn / Bern. Simulierte Patientengespräche sind ein fester Bestandteil der medizinischen Ausbildung. Dabei schlüpfen Schauspielpersonen die Rolle von Patientinnen und Patienten und führen Konsultationsgespräche mit Medizinstudierenden. Neben der medizinischen Gesprächsführung lernen die Studierenden, Empathie zu zeigen, aktiv zuzuhören und nonverbale Signale zu deuten. Sie üben, auf unterschiedliche Persönlichkeiten, Emotionen und kulturelle Hintergründe einzugehen, und lernen, schwierige Situationen wie das Überbringen schlechter Nachrichten, Unsicherheit oder Konflikte professionell zu bewältigen. Zudem erhalten sie strukturiertes Feedback, das ihnen hilft, ihr eigenes Auftreten zu reflektieren und kontinuierlich zu verbessern. Das Training mit menschlichen Schauspielenden ist jedoch kostenintensiv und schwer skalierbar.

Vom Hackathon zum Forschungsprojekt

Das Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW stellte sich deshalb die Frage: „Kann KI das Arzt-Patienten-Gespräch trainieren?” Hacker, die sich im März 2025 zum zweiten Healthcare-Hackathon in Würzburg versammelten, suchten nach einer Antwort. Innerhalb von 24 Stunden entwickelte ein interdisziplinäres Team im Zentrum für Digitale Innovationen (ZDI) einen Proof of Concept, der das Potenzial generativer KI für die medizinische Gesprächsführung aufzeigte. Mithilfe fortgeschrittener Methoden der Spracherkennung und -wiedergabe sowie eines speziell modifizierten Large Language Models (LLM) kam man einem Arzt-Patienten-Gespräch auf der verbalen Ebene bereits sehr nahe. Das formalisierte Projekt KIPS (KI-basierte Patientensimulation) überführt diesen Prototypen nun in eine wissenschaftlich validierte Lehranwendung zur systematischen Vermittlung ärztlicher Gesprächsführung. 

Simulation in der medizinischen Ausbildung braucht neue Ideen und moderne Werkzeuge. Dass Studierende mit virtuellen Patientinnen und Patienten echte Gespräche führen können, war bislang nicht möglich. Genau hier setzt unser Projekt an“, sagt Prof. Dr. Sarah König, Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung.

Objektives, metrikbasiertes Feedback zu Empathie, fachlicher Korrektheit und Gesprächsstruktur ist Alleinstellungsmerkmal

Ein Large Language Model (LLM) ist ein System der künstlichen Intelligenz, das darauf trainiert ist, Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und zu erzeugen. Im Rahmen von KIPS kann es daher realistische Arzt-Patienten-Dialoge in Echtzeit simulieren. Die KI übernimmt dabei die Rolle des Patienten, reagiert auf verbale Eingaben der Studierenden und generiert anschließend ein objektives, metrikbasiertes Feedback zu Empathie, fachlicher Korrektheit und Gesprächsstruktur. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal. 

Neu ist zudem der longitudinale Aufbau: Studierende können die virtuellen Patienten innerhalb eines stationären Aufenthaltes über mehrere Visiten hinweg begleiten und die Auswirkungen von Maßnahmen, wie etwa die Anordnung eines neuen Medikaments, erkennen und reflektieren. 

„Bei KIPS geht es nicht darum, Gespräche mit (Schauspiel-)Patienten in der medizinischen Ausbildung zu ersetzen – diese werden immer die wichtigste Säule des Anamnesetrainings bleiben. Wir wollen jedoch aufzeigen, welche zusätzlichen Möglichkeiten die Technologie bietet, insbesondere in Bezug auf Skalierbarkeit, strukturiertes Gesprächsfeedback und das Bewusstsein für die Auswirkungen des eigenen Handelns“, erklärt Alexander Zamzow, ärztlicher Projektleiter „KIPS“ an der Lehrklinik Würzburg, die didaktische Innovation. 

Erweiterung des Trainingsangebots für zusätzliche Berufsgruppen

Die Relevanz kompetenter Gesprächsführung erstreckt sich jedoch nicht nur auf die ärztliche Tätigkeit, sondern auf alle akademischen und nicht-akademischen Gesundheits- und Heilberufe. Daher ist im weiteren Projektverlauf eine Erweiterung des Trainingsangebots für zusätzliche Berufsgruppen vorgesehen. So soll das System beispielsweise an die Bedürfnisse der Hebammenwissenschaft angepasst werden, um auch in diesem Bereich frühzeitig interprofessionelle Synergien zu entwickeln.

Maßgebliche Förderung durch die Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp

Die Realisierung dieses zukunftsweisenden Vorhabens am Standort Würzburg wird durch eine Förderung der Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp ermöglicht. „Wir unterstützen die wirkungsvolle Nutzung von KI in der medizinischen Anwendung und allen voran in der Ausbildung, weil wir hier sehr große Chancen sehen, schnell und flächendeckend erhebliche Fortschritte umzusetzen. Gerade KIPS ist ein Paradebeispiel für Geschwindigkeit und kompetente Innovation“, erläutert Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp. Parallel dazu wird der Projektarm am Campus Heilbronn durch den TUM Incentive Fund gefördert. Diese Unterstützung unterstreicht die Relevanz des Projekts für die ärztliche Qualifizierung über die Region hinaus. Im Januar 2026 startete das Projekt mit der Weiterentwicklung des Prototypen, gefolgt von einer Pilotstudie zur Evaluation der Nutzbarkeit und des Trainingserfolgs im Herbst 2026.

Collage einer Gesprächssituation- links ein Student, rechts die Ansicht des Monitors mit KI-Patient und Benutzeroberfläche mit Gesprächsstruktur und digitalen Unterstützungsmöglichkeiten.
Im Projekt KIPS führen Studierende die Gespräche vor einem PC, Tablet oder Smartphone mit virtuellen Patientinnen und Patienten, die den Eindruck erwecken, per Video zugeschaltet zu sein. © Projekt KIPS / Alexander Zamzow

Im Projekt KIPS führen Studierende die Gespräche vor einem PC, Tablet oder Smartphone mit virtuellen Patientinnen und Patienten, die den Eindruck erwecken, per Video zugeschaltet zu sein. © Projekt KIPS / Alexander Zamzow