Klinische Studien über Leukämie und Prostatakrebs starten

Mit 5,2 Millionen Euro fördert das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) erstmals eigene klinische Studien. Sie drehen sich um die Behandlung von Leukämie und die Diagnostik bei Prostatakrebs.

Beide Studien laufen standortübergreifend an allen sechs BZKF-Standorten: Augsburg, Erlangen, München (LMU und TUM), Regensburg und Würzburg. Ziel der BZKF-Förderung ist es, Krebspatientinnen und Krebspatienten in Bayern so früh wie möglich Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapie-Verfahren zu ermöglichen.

Dazu Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume: „Seit sechs Jahren kämpfen unsere bayerischen Uniklinika im BZKF gemeinsam gegen die große Geißel der Menschheit. Nach dem Motto ‚Wissen teilen, Menschen heilen‘ bringt jedes Klinikum seine Stärken ein – von KI bis Immuntherapie.“

Der Freistaat habe das Krebsforschungszentrum seit dessen Gründung mit über 72 Millionen Euro unterstützt. Mit dieser leistungsfähigen und vernetzten Infrastruktur werde onkologische Spitzenmedizin in allen Regionen Bayerns ermöglicht.

Neue Zelltherapie gegen aggressive Leukämie

Die Studie ERASE-AML richtet sich an Patientinnen und Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs. Trotz moderner Therapieverfahren sind die Heilungschancen noch begrenzt: Nur 3 von 10 Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Für viele Patientinnen und Patienten ist eine Übertragung fremder Stammzellen die einzige Chance auf Heilung. Dennoch kommt es häufig zu Rückfällen – und wirksame Behandlungsoptionen sind dann begrenzt.

Die Studie prüft eine neuartige Form der personalisierten zell-basierten Immuntherapie. Dabei werden die T-Immunzellen eines Stammzellspenders im Labor gezielt mit mehreren Leukämie-spezifischen Eiweißbausteinen stimuliert. Auf diese Weise entsteht eine breit wirksame, gegen verschiedene Leukämie-Merkmale gerichtete Immunantwort. Zusätzlich werden die T-Zellen mit einer künstlichen Andock- und Aktivierungsstruktur (CARs) ausgestattet, welche die Aktivität der T-Zellen im Körper verstärken soll.

Die derart „trainierten“ und gezielt gestärkten T-Zellen werden bei Patientinnen und Patienten mit hohem Rückfallrisiko oder bei einem frühen Rezidiv nach einer Stammzelltransplantation eingesetzt. Ziel ist es, verbliebene Leukämiezellen dauerhaft zu eliminieren und Rückfälle zu verhindern.

Die Leitung der Studie liegt bei Dr. Veit Bücklein und Professorin Marion Subklewe (LMU Klinikum München). Das Fördervolumen beträgt rund drei Millionen Euro.

Bessere Diagnostik für Patienten mit Prostatakrebs

Die PRIME-Studie untersucht, wie sich Prostatakrebs – eine der häufigsten Krebsarten bei Männern – präziser und patientenschonender erkennen lässt. Bisher folgt bei einem erhöhten PSA-Wert im Blut und einer auffälligen Kernspintomographie meist eine Biopsie. Für viele Betroffene ist das eine große körperliche und seelische Belastung – unangenehm, schmerzhaft und mit möglichen Infektionen verbunden.

In der Studie soll geprüft werden, ob eine zusätzliche Bildgebung mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie (CT) die Diagnostik weiter verbessern kann. Mit dem PSMA-PET/CT lassen sich Prostatakrebszellen durch eine sehr geringe Menge eines radioaktiven Medikaments noch genauer sichtbar machen.

In der Studie erhalten 150 Männer mit auffälliger Kernspintomographie zusätzlich diese Untersuchung. Je nach Ergebnis sollen dann weniger oder gezieltere Biopsien für die sichere Diagnose eines behandlungsbedürftigen Prostatakrebs nötig sein. Ziel ist es, aggressive Tumoren früh und zuverlässig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Eingriffe zu vermeiden.

Die Studienleitung liegt bei den Professoren Matthias Eiber (TUM Klinikum München) und Matthias Heck (Universitätsklinikum Augsburg). Die Fördersumme beträgt 2,2 Millionen Euro.

Wichtiger Meilenstein für das BZKF

„Die Studien markieren einen wichtigen Meilenstein für das BZKF“, so Professor Andreas Mackensen, Direktor des BZKF. „Patientinnen und Patienten in ganz Bayern können daran teilnehmen, ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen.“

Patientenvertreter Ortwin Thiel: „Für Betroffene bedeutet der Start dieser Studien vor allem Hoffnung – Hoffnung auf wirksamere Therapien bei Hochrisiko-Leukämie und auf schonendere, treffsichere Diagnostik bei Prostatakrebs.“

Kostenfreie Beratung am Bürgertelefon

Das BZKF verfolgt das Ziel, allen Bürgerinnen und Bürgern in Bayern unabhängig von ihrem Wohnort Zugang zu bestmöglichen und innovativen Therapien zu ermöglichen. Mit dem BürgerTelefonKrebs bietet das BZKF unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 85 100 80 eine unkomplizierte Möglichkeit, sich individuell zu allen Fragen bezüglich einer Krebserkrankung beraten zu lassen.

 

einBlick das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 10.03.2026

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume übergab die Förderschecks für die ersten eigenen klinischen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung.
Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume übergab die Förderschecks für die ersten eigenen klinischen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung. (Bild: Matthias Merz Fotografie)

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume übergab die Förderschecks für die ersten eigenen klinischen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung. (Bild: Matthias Merz Fotografie)