Magersucht: Studie untersucht familien-basierten Therapieansatz

Studie will untersuchen, ob die familien-basierte Therapie in telemedizinischer Form eine alternative Behandlungsoption zur vollstationären klinischen Versorgung für die Betroffenen und deren Familien darstellt.

Würzburg. 23 Kliniken in Deutschland untersuchen derzeit neue Wege in der Behandlung von Magersucht. Die Studie „FIAT - familien-basierte telemedizinische vs. Institutionelle Anorexia nervosa Therapie“ vergleicht eine alternative, familien-basierte Therapie von Magersuchtbetroffenen mit einer klassischen stationären Therapie. 100 Jugendliche erhalten die familien-basierte Therapie, weitere 100 eine stationäre Regelversorgung. 

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) beteiligt sich an der Untersuchung, für die derzeit Betroffene eingeschrieben werden können. Gemeinsam mit neun weiteren Krankenkassen unterstützt die Techniker Krankenkasse (TK) das Projekt „FIAT“. Die Studienleitung liegt bei der Berliner Charité. 

In Deutschland wird Magersucht ab einem gewissen Schweregrad vollstationär behandelt, also in einer Klinik außerhalb des gewohnten familiären Umfeldes. Die Studie will nun untersuchen, ob die familien-basierte Therapie in telemedizinischer Form eine alternative Behandlungsoption zur vollstationären klinischen Versorgung für die Betroffenen und deren Familien darstellt. 

Prof. Dr. Marcel Romanos, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Würzburg, erklärt: „Bei dem familien-basierten telemedizinischen Ansatz wird die ganze Familie während der zehnmonatigen Therapie engmaschig eingebunden. In regelmäßigen Therapiesitzungen per Videoanruf finden beispielsweise Beratungen statt, um gemeinsam neue, gesunde Essgewohnheiten und Verhaltensweisen im Alltag zu etablieren und zu festigen.“ Gelingt dies nicht, begleiten die betreuenden Ärztinnen und Ärzte den sofortigen Übergang in die stationäre Regelversorgung. 

Dr. Gabriele Gonschor, Leiterin Regionales Vertragswesen bei der TK in Bayern, sagt: „In Ländern wie Großbritannien, USA, Kanada, Neuseeland und Australien hat sich die familien-basierte Therapie bereits bewährt und gilt als Standardverfahren für die Behandlung von Magersucht. Wenn die Studie zeigt, dass die Behandlung über Video und Telefon genauso gut funktioniert wie die Behandlung im Krankenhaus, hätte das für die Patientinnen und Patienten viele Vorteile: sie könnten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, weiter zur Schule gehen und ihre Freundinnen und Freunde treffen. Außerdem müssten sie nicht lange auf einen Behandlungsplatz warten.“

Die Einschreibung läuft bis Ende 2026. Teilnehmen können Versicherte im Alter von 8 bis 17 Jahren mit einer Anorexia Nervosa, die eine stationäre Aufnahme erforderlich macht. In der Regel befinden sich die Versicherten bereits in Behandlung bei den teilnehmenden Kliniken oder stehen auf einem Warteplatz. Weitere Informationen gibt es hier: https://www.tk.de/techniker/versicherung/tk-leistungen/weitere-leistungen/igv-vertraege/fiat-ambulante-magersucht-therapie-fuer-kinder-und-jugendliche--2190078

Laut statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2023 rund 12.000 zumeist jüngere Menschen in Deutschland aufgrund einer Essstörung stationär behandelt. Darunter leiden besonders viele an Magersucht. Doch auch nach einem Klinikaufenthalt bleibt die Erkrankung für viele Betroffene präsent. Rund 42 Prozent der Betroffenen erleiden nach der Entlassung einen Rückfall.

Weitere Informationen zur Studie und zur Teilnahme gibt es online:

FIAT :: Familien-Basierte telemedizinische versus Institutionelle Anorexia nervosa Therapie HOME - FIAT STUDIE