Neuer Hybrid-Operationssaal erfolgreich im Einsatz

Mehr Sicherheit, kürzere Wege und präzisere Eingriffe: Hybrid-OP des UKW vereint Bildgebung und operative Therapie

Würzburg. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) wird nun in einem neuen Hybrid-Operationssaal operiert. Der 66 Quadratmeter große Raum vereint modernste hochauflösende radiologische Bildgebung und voll ausgestattete operative Infrastruktur.

Ein konkretes Beispiel: Bei einem Aortenaneurysma, einer potenziell lebensbedrohlichen Erweiterung der Hauptschlagader, ist die exakte und zügige Platzierung eines Stents zur Stabilisierung der Arterie und Ausschaltung des Aneurysmas entscheidend für den Behandlungserfolg. Gefäßchirurginnen und -chirurgen implantieren diesen Stent im Hybrid-OP. Dank integrierter Echtzeit-Bildgebung lassen sich dessen Platzierung und der Blutfluss unmittelbar kontrollieren – ohne Umlagerung des Patienten und ohne Zeitverlust zwischen Diagnostik und Therapie.

„Mit unserem neuen Hybrid-OP setzen wir Maßstäbe in der intraoperativen Diagnostik und Behandlung. Er stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit und ermöglicht hochkomplexe Eingriffe auf universitärem Spitzenniveau“, sagt Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW.

Die parallele Durchführung von Diagnostik und Therapie hat spürbare Vorteile für Patientinnen und Patienten sowie für die Behandlungsteams, darunter kürzere Eingriffszeiten, maximale Präzision durch Echtzeit-Bildgebung, der größtmögliche Erhalt gesunden Gewebes und zusätzliche Sicherheit durch direkte intraoperative Kontrollmöglichkeiten. 

Umbau und Modernisierung in Eigenregie

Im April 2025 begann unter der Leitung des Geschäftsbereichs „Technik und Bau“ des UKW der Umbau des spezialisierten Operationsbereichs. Dabei wurde der Hybrid-OP in den zentralen OP-Bereich des Zentrums für Operative Medizin integriert. Zudem wurde auch ein großer Teil des Operationstrakts modernisiert und reorganisiert. Nach einer Bauzeit von neun Monaten ging der neue Hybrid-Operationssaal am 19. Januar 2026 erfolgreich in Betrieb.

Mit dem Umzug wurde die technische Ausstattung des Hybrid-OP‘s modernisiert und deutlich erweitert. Die Bildgebung erfolgt nun über einen flexibel steuerbaren, bodengebundene Roboterarm, während früher eine fest an der Decke montierte Anlage genutzt wurde. „Die neue Bauart ermöglicht eine optimale Flächennutzung, optisch ähnelt der Hybrid-OP einem konventionellen OP-Saal“, erläutert Dr. András K. Szabó, Leiter des OP-Managements am UKW. „Dadurch finden sich die unterschiedlichen chirurgischen Teams schnell zurecht und der Saal kann sehr flexibel für verschiedene Eingriffe genutzt werden.“ 

Flexible Nutzung für mehrere Fachdisziplinen 

Der Hybrid-OP wird für Eingriffe der Gefäßchirurgie sowie gemeinsame Eingriffe der Kardiologie und Herzchirurgie genutzt. Perspektivisch wird auch die Unfallchirurgie des UKW im Hybrid-OP operieren.

„Bei kathetergestützten Herzklappentherapien werden die Herzklappen in der Mehrzahl der Fälle über die Leistenarterie eingebracht. Wir haben also bei der Implantation keine direkte Sicht auf die zu ersetzende Klappe, sondern sind auf präzise Bildinformationen angewiesen. Gleichzeitig wird aber das komplette Arbeitsumfeld eines OP-Saals benötigt; in seltenen Fällen muss auch einmal auf einen offenen Eingriff gewechselt werden. Der Hybrid-OP ist also das ideale Arbeitsumfeld, um modernste Herzklappen exakt und sicher zu implantieren“, betont Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I.

„Mit dem neuen robotergestützten Angiografie-System im Hybrid-OP können wir unsere Patientinnen und Patienten noch gezielter und schonender behandeln. Insbesondere bei komplexen arteriellen Erkrankungen wie Aneurysmen unterstützt die Anlage wie ein Navigationssystem dabei, die notwendigen Prothesen punktgenau an den betroffenen Stellen einzusetzen. Die neu angeschaffte Röntgenanlage lässt sich sehr präzise steuern und liefert hervorragende Bilder. Diese exzellenten Rahmenbedingungen tragen wesentlich zu einer gesteigerten Patientensicherheit bei“, ergänzt Privatdozent Dr. Frank Schönleben, Leiter der Gefäßchirurgie in der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des UKW.

Verbesserte Arbeitsbedingungen für OP-Pflegekräfte

In der OP-Schleuse wurde im Zuge der Umbauarbeiten ein deckenmontierter Patientenlifter installiert. Dieser erleichtert das Umlagern narkotisierter Patientinnen und Patienten zwischen Klinikbett und OP-Tisch. „Der Lifter ermöglicht den Pflegekräften rückenschonendes und sicheres Arbeiten und gewährleistet zugleich ein hohes Maß an Patientensicherheit“, erklärt Kristin Uhl, Gesamtleitung der OP-Pflege im Zentral-OP.

Weitere Informationen zum Zentral-OP und weiteren OP-Bereichen des UKW

Im Zentral-OP des Zentrums für Operative Medizin operieren fünf Kliniken des UKW in 18 Operationssälen:

  • die Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie,
  • die Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie,
  • die Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie,
  • die Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie und
  • die Medizinische Klinik I.

Weitere OP-Bereiche des UKW befinden sich in der Kopfklinik (Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Neurochirurgie und Augenklinik), der Frauenklinik, der Dermatologie sowie in der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie.

Weitere Stimmen zum neuen Hybrid-OP 

  • „Wie der Name schon sagt, vereint der Hybrid-Saal die Vorteile einer chirurgischen Operation mit denen einer röntgengeführten Intervention. Dadurch können unsere Patientinnen und Patienten noch schonender und effizienter behandelt werden.“ – Dr. Khaled Hamouda, Stellvertretender Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie
  • „Aus anästhesiologischer Sicht ist der Hybrid-OP ein zentraler Baustein moderner Hochleistungsmedizin. Die Kombination aus Raum, Technologie und interdisziplinärer Zusammenarbeit schafft die Grundlage für eine individualisierte, hochpräzise Patientenversorgung.“ - Privatdozent Dr. Maximilan Kippnich, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie
  • „Da der OP-Betrieb uneingeschränkt weiterlaufen musste, wurden die Bauarbeiten für den neuen Hybrid-Operationssaal während des laufenden Betriebs realisiert. Das erforderte eine präzise Abstimmung aller Beteiligten sowie ein hohes Maß an Flexibilität. Zusätzlich zu den ausführenden Gewerken waren phasenweise mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden unserer Bauabteilung parallel im Projekt eingebunden.“ – Bertram Bräutigam, Leiter der Abteilung „Bau“ im Geschäftsbereich Technik und Bau
  • „Für die erfolgreiche Neugestaltung des Hybrid-OP‘s war vor allem das fachübergreifende Miteinander während der gesamten Projektdauer entscheidend. Nur durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Vorstand, Ärzteschaft, Pflege, Einkauf, Planern und Technikern konnte das Projekt im vorgesehenen Zeitplan umgesetzt werden.“ – Jörn Braungardt, Leiter des Geschäftsbereichs Technik und Bau
  • „Die minimalinvasive, Katheter-basierte Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen gehört zu den großen medizinischen Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre. Gerade ältere, aber zunehmend auch jüngere Erkrankte profitieren maximal von einer stetig wachsenden Anzahl hocheffektiver, schonender Therapieverfahren. Der neue Hybrid-OP setzt hier neue Maßstäbe, um in diesem wichtigen Behandlungsfeld auch für die Zukunft die bestmögliche Therapie für unsere Patientinnen und Patienten am UKW zu ermöglichen.“ – Privatdozent Dr. Peter Nordbeck, Leiter der Kardiologie und des Herzkatheterlabors in der Medizinischen Klinik I

 

Text: Annika Wolf / UKW

Einblicke in den neuen Hybrid-OP am UKW

Der 66 Quadratmeter große Hybrid-OP wird von verschiedenen Klinikbereichen des UKW genutzt. Auf dem Bild: Dr. Khaled Hamouda, Prof. Stefan Frantz, Privatdozent Frank Schönleben, Kristin Uhl. © Kim Sammet / UKW

OP-Pflegekraft Ayse Ceylan steuert die neue Röntgenanlage im Hybrid-OP des UKW. © Kim Sammet / UKW

Einblicke in den neuen Hybrid-OP am UKW