Roboterhund HELIA im Klinikalltag: Ethische Forschung und erste Updates
Im Verbundprojekt HELIA – Helfender Roboter im Klinikalltag erforschen Partner*innen aus Medizin, Informatik, Robotik und Ethik gemeinsam, wie ein KI-gestützter, sprachgesteuerter Assistenzroboter sinnvoll, sicher und verantwortungsvoll in klinische Arbeitsabläufe integriert werden kann. Koordiniert wird das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Weitere Projektpartner sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das FZI Forschungszentrum Informatik sowie das Forschungszentrum Jülich (FZJ).
Ziel von HELIA ist es, medizinisches und pflegerisches Personal bei zeitintensiven Routineaufgaben zu entlasten und so mehr Raum für die unmittelbare Patient*innenversorgung zu schaffen. Der vierbeinige Roboter soll langfristig über natürliche Sprache bedient werden können und flexibel auf unterschiedliche Anforderungen im Klinikalltag reagieren.
Teamvorstellung: Forschungszentrum Jülich (FZJ)
Die Arbeitsgruppe „Neuroethik und Ethik der KI“ des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich übernimmt bei HELIA die Leitung des Arbeitspakets 9 „ELSA-Betrachtungen“. In enger Zusammenarbeit mit den anderen Teilprojekten untersuchen wir die forschungs-, technik- und medizinethischen Fragen, die mit der Entwicklung und Erprobung des KI-gestützten Assistenzroboters im Klinikalltag verbunden sind.
Das Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-7) am Forschungszentrum Jülich ist auf die Integration multimodaler Neuroimaging-Daten spezialisiert. Ziel ist es, auf dieser Basis maschinelle Lernmodelle zur Vorhersage komplexer Phänotypen zu entwickeln.
Die Arbeitsgruppe „Neuroethik und Ethik der KI“ befasst sich mit den ethischen und philosophischen Fragen, die sich aus der neurowissenschaftlichen Forschung und der Entwicklung KI-basierter Technologien ergeben. Sie arbeitet interdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Philosophie, Neurowissenschaft und Informatik. Ein zentrales Anliegen ist es, einen Rahmen zu entwickeln, der verantwortungsvolle Forschung und Anwendung neuer Technologien ermöglicht. Dabei wird untersucht, wie klassische ethische Prinzipien – etwa Autonomie, Nichtschaden und Gerechtigkeit – im Kontext moderner KI-gestützter Verfahren angemessen interpretiert und umgesetzt werden können. Neben der Analyse forschungsethischer Fragen liegt ein Schwerpunkt der Gruppe auf der Technikethik und der Entwicklung von Kriterien für eine ethisch vertretbare Implementierung von KI-Systemen in Medizin und Gesellschaft. Über HELIA hinaus ist die Arbeitsgruppe in mehrere nationale und internationale Verbundprojekte eingebunden. Ein zentraler Knotenpunkt ist der vom BMFTR geförderte Research Hub Neuroethics (RHUNE), der den interdisziplinären Austausch in der Neuroethics Community stärkt, die internationale Sichtbarkeit deutscher Neuroethik fördert und Forschende, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt; die Projektkoordination liegt dabei bei Mitgliedern der Arbeitsgruppe. Zudem ist die Gruppe an weiteren Projekten beteiligt, darunter BrainTree, ein internationales Projekt zur ethischen Begleitung von Brain-Age-Prediction-Verfahren, das kürzlich abgeschlossene Projekt AI-PHCA zur KI-basierten Gesundheitsvorsorge bei Kindern und Jugendlichen sowie VINNIE, das den Einsatz virtueller Technologien zur Unterstützung von Kindern mit psychosomatischen Beschwerden erforscht. Diese Erfahrungen fließen in die ethische Arbeit im Projekt HELIA ein.
Im Rahmen des Beitrags zu HELIA werden zunächst forschungsethische Anforderungen an KI-basierte Assistenzsysteme identifiziert. Dazu identifizieren und bewerten wir mögliche Sicherheitsrisiken, die insbesondere aus der Flexibilität des eingesetzten Systems resultieren könnten (z. B. Missbrauchsoptionen und Dual Use Risiken etwa bei der Nachprogrammierung), sowie Risiken bei der Erprobung des frühen Demonstrators in Forschungssituationen, in denen menschliche Proband*innen beteiligt sind.
Zudem analysieren wir aus technikethischer Perspektive, wo die Verantwortung für KI-Handlungen liegt und wie transparent beziehungsweise erklärbar die verwendeten KI-Modelle sind und sein sollen. Zudem erheben wir die Diskriminierungs- und Datenschutzrisiken und setzen die benötigten Ressourcen ins Verhältnis zu den Forschungszielen (Kosten-Nutzen-Analyse).
Ein weiterer Fokus liegt auf der medizinethischen Evaluation des robotischen Systems, wenn es einmal in die klinische Praxis übernommen wird. Dabei werden Fragen der Akzeptabilität, der Vertrauensbildung, der Inklusivität und der Auswirkungen auf die Ärzt*in-Patient*in-Interaktion untersucht, insbesondere in Hinblick auf vulnerable oder technikferne Patient*innengruppen. Die Ergebnisse fließen in die iterative Gestaltung und ethische Bewertung des Systems ein.
Wir begleiten das Projekt von der Planung, über Evaluation, Durchführung/Produktion und Vermarktung, sodass bei jedem Schritt die jeweiligen ethischen Aspekte berücksichtigt werden können. Das Forschungszentrum Jülich berät die anderen Teilprojekte in Bezug auf ethische Aspekte und erforscht dabei die Praxis verantwortlicher Forschung und Entwicklung im hochsensitiven Bereich KI-gestützter medizinischer Robotik.
Text: Dilara Diegelmann
