Aktuelles aus Studium und Lehre

Ein 3D-gedruckter Zahn, der alles kann

Die Zahnärztliche Prothetik am Uniklinikum Würzburg druckt Zähne, die den Studierenden eine neue, realistische, faire und kosteneffiziente Übungsmöglichkeit bieten. Die innovativen Übungszähne vereinen alle wichtigen Behandlungsschritte – von der Kariesentfernung über die Wurzelkanalbehandlung bis hin zur Kronenpräparation. Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen den hohen Lerneffekt, die Akzeptanz bei Studierenden und den didaktischen Nutzen des universellen Übungszahns.

Vier Ärzte und eine Assistenzärztin der Zahnärztlichen Prothetik stehen in weißer Kluft vor der Glasfassade der Zahnklinik
Das Team der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Uniklinikum Würzburg druckt innovative Übungszähne für die Lehre, v.l.n.r.: Prof. Dr. Marc Schmitter, Johannes Schrenker, Dr. Michael del Hougne, PD Dr. Christian Höhne und Assistenzärztin Isabella Di Lorenzo. © Belinda Sauer / UKW
insgesamt 3 Bilder, davon eine Übersicht eines Zahnes, ein Querschnitt und Pulpa mit Wurzelkanäle
Rekonstruktion eines echten Zahnes basierend auf einer Mikro-CT-Aufnahme; v.l.n.r. Übersicht des ganzen Zahnes, Querschnitt des Zahnes; Wurzelkanäle und Pulpa. © Christian Höhne / UKW
2 Ansichten eines 3D-gedruckten Zahnes und eines Querschnitts
Konstruktion eines Übungszahnes basierend auf der Rekonstruktion eines echten Zahnes; v.l.n.r. Übersicht des ganzen Zahnes bestehend aus Schmelz und Dentin, Querschnitt des Zahnes, kompletter im 3D-Druckverfahren hergestellter Zahn. © Christian Höhne / UKW
Zwei Röntgenaufnahmen des 3D-gedruckten Zahns
Der gedruckte Zahn besitzt ein realistisches Röntgenverhalten. Links Aussehen des Zahnes bei einem Zahnfilm mit allen erkennbaren Innenstrukturen und rechts bei einer dreidimensionalen Röntgenaufnahme in Form eines so genannten DVT´s. © Christian Höhne / UKW

Würzburg. Wer in Würzburg Zahnmedizin studiert, benötigt im Schnitt 300 Übungszähne, um die verschiedenen Techniken und Behandlungen zu üben und später Patientinnen und Patienten sicher, effizient und erfolgreich behandeln zu können. Diese künstlichen Übungszähne müssen die Studierenden selbst erwerben und darüber hinaus Echtzähne in Zahnarztpraxen und bei Chirurgen sammeln. Dies bringt jedoch zahlreiche ethische, hygienische und rechtliche Herausforderungen mit sich. So ist beispielsweise eine Zustimmung zur Weiterverwendung durch eine aufwendige Dokumentation erforderlich, und es besteht ein geringes Infektionsrisiko durch diese Echtzähne. Zudem sind diese Zähne in der Regel stark vorbehandelt oder beschädigt, sodass sie sich nicht immer für Übungszwecke eignen und vor allem keine einheitlichen Lernbedingungen bieten. Kommerziell hergestelltes Übungsmaterial ist ebenfalls keine ideale Alternative, da es oft nicht den realen Bedingungen entspricht.

3D-gedruckter kariöser Zahn basierend auf dreidimensionaler Röntgenaufnahme

Deshalb stellt die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) ihre Übungszähne seit 2020 selbst her. „Dadurch können wir nicht nur Kosten sparen, sondern auch möglichst viele Lerninhalte in einen realitätsnahen Zahn zusammenfassen und den Studierenden ein intensiveres Training ermöglichen“, sagt Privatdozent Dr. Christian Höhne. Der Oberarzt ist unter der Leitung von Prof. Dr. Marc Schmitter, dem ärztlichen Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, für die vorklinische Lehre der Abteilung zuständig. Neben seinem Zahnmedizinstudium und seiner Habilitation zum 3D-Druck in der Zahnmedizin hat Höhne Wissen im Bereich des Maschinenbaus erworben, hierbei vor allem in der Konstruktion und Herstellung von Prototypen sowie Nanostrukturtechnik. Bereits im Jahr 2019 hatte er basierend auf einer dreidimensionalen Röntgenaufnahme eines kariösen Zahnes einen ersten 3D-gedruckten Zahn hergestellt. Um den harten Zahnschmelz, das darunterliegende Dentin, die kariöse Substanz und den empfindlichen Zahnnerv (Pulpa) realistisch darzustellen, verwendete er unterschiedliche Materialien mit verschiedener Härte. So erhielten die Studierenden beim Bohren durch die entsprechenden Schichten eine taktile Rückmeldung, ähnlich wie bei einem natürlichen Zahn. Sie konnten somit praxisnah üben, wann sie stoppen oder vorsichtiger arbeiten müssen. Die im Journal of Dental Education publizierte Studie zeigte, dass 3D-gedruckte Zähne eine vielversprechende Alternative zu klassischen Modellzähnen darstellen.

Sechs Jahre und einige Publikationen später präsentiert das Team der Zahnärztlichen Prothetik einen 3D-gedruckten Zahn, der sich für sämtliche wichtigen zahnmedizinischen Eingriffe eignet – von der Karies-Entfernung und Füllung über die Wurzelkanalbehandlung, Kronenpräparation und Stiftbohrung bis hin zur Röntgenuntersuchung –, bis der Zahn in der Realität extrahiert werden müsste. Für seine herausragenden Lehrmethoden wurde das Team im Dezember 2023 mit dem Albert-Kölliker-Lehrpreis der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg ausgezeichnet.

Additiv gefertigter Übungszahn für Wurzelkanalbehandlungen

Die Auswertungen der verschiedenen Behandlungsschritte wurden unter einigen der mehr als zwölf Doktorandinnen und Doktoranden, die an diesem Lehrprojekt beteiligt sind aufgeteilt, die Christian Höhne zusammen mit Marc Schmitter derzeit betreut.

Im Rahmen ihrer Promotionsarbeit beschäftigte sich Assistenzärztin Isabella Di Lorenzo zum Beispiel mit der Wurzelkanalbehandlung dieses universellen Zahnes in Zusammenarbeit mit der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriel Krastl. Nach dem Druck kümmerte sie sich um die weitere Verarbeitung, wie das Waschen der Zähne, und erprobte den Zahn in einem präklinischen Kurs mit 38 Zahnmedizinstudierenden. Die Ergebnisse veröffentlichte Isabella Di Lorenzo gerade als Erstautorin in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Scientific Reports des Nature Research-Verlags.

„Die Studierenden bewerteten den 3D-gedruckten Zahn als eine signifikant bessere Übungsmöglichkeit als die üblichen transparenten Acrylblöcke, die oft zum Üben für Wurzelkanalbehandlungen zum Einsatz kommen, und fast ebenbürtig zu natürlichen Zähnen, insbesondere hinsichtlich Realismus, Handhabung und Lernwert“, resümiert Isabella Di Lorenzo. „Der gedruckte Zahn ist nicht nur realistisch und kosteneffizient, sondern auch fair. Mit dem neuen Übungszahn haben wir für alle Studierenden identische Prüfungs- und Lernbedingungen geschaffen.“

Auch Oberarzt Dr. Michael del Hougne M.Sc., Kursleiter im Bereich der klinischen Lehre, ist vom neuen Übungszahn begeistert. „Unsere Studierenden können an dem Modell sogar die elektrische Längenmessung des Wurzelkanals sehr realistisch üben. Dafür mussten wir jedoch etwas tricksen, um die benötigte Leitfähigkeit herzustellen, denn der Zahn ist aus Harz, das den Strom nicht leitet.“ Im nächsten Schritt sollen 3D-Zähne mit unterschiedlichen Wurzelkanalformen entwickelt werden, um die klinischen Herausforderungen, die sich aus der anatomischen Vielfalt ergeben, zu simulieren.

Einfache Anwendung und hoher Lerneffekt bei der Kariesexkavation 

Auch die Kariesentfernung und die Behandlung des Zahnnervs wurden am neuen Übungszahn optimiert. Die ehemalige Doktorandin Dr. Lisanne Carnier veröffentlichte bereits im Oktober 2024 eine äußerst positive Bewertung des gedruckten Zahnes im Journal BMC Medical Education vom Springer Nature Verlag. Die Studierenden bewerteten den 3D-Zahn deutlich besser als die bisherigen Modelle und wünschten sich mehr Übungen mit den neuen Modellen. Die Anwendung war einfacher und der Lerneffekt höher.

3D-Zahn für das Präparieren von Klebebrücken

Im September 2024, einen Monat zuvor, publizierte die Forschungsgruppe um Michael del Hougne in Scientific Reports die erfolgreichen Testläufe eines 3D-gedruckten Zahns. An diesem durften 42 Studierende das Präparieren für eine Klebebrücke, auch adhäsive Brücke genannt, üben. Dieser Zahn wurde im Rahmen einer Doktorarbeit von Dr. Greta Behr entwickelt. Er verfügt über zwei farbige Schichten, die exakt anzeigen, wie viel und wo Material abgetragen werden muss. Auch hier bewerteten die Studierenden den Übungszahn im Durchschnitt mit der Note „sehr gut”. Sie konnten sich das Übungsziel besser vorstellen und ihre Arbeit selbst kontrollieren.

In der zahnärztlichen Prothetik müssen alle Disziplinen beherrscht werden, um dem Zahn die Krone aufzusetzen

„Diese Innovation, die additive Fertigung eines Übungszahns, der mehr oder weniger alles kann und die Lehre optimiert, kommt in der zahnärztlichen Prothetik genau zur richtigen Zeit“, meint Marc Schmitter. Durch die neue Approbationsordnung für Zahnärztinnen und Zahnärzte habe die Prothetik in der Lehre nämlich nur noch ein Drittel der Zeit, die sie zuvor hatte. Dabei seien in der zahnärztlichen Prothetik sehr viel Wissen und handwerkliche Fertigkeiten erforderlich. „Abgesehen von der Kieferorthopädie müssen wir alle Disziplinen beherrschen, um dem Zahn schließlich die Krone aufzusetzen. Manchmal müssen wir den Zahn sogar chirurgisch verlängern. Hinzu kommt der Wissenszuwachs hinsichtlich der Materialien. Wir müssen also in kürzester Zeit immer mehr Wissen und Fertigkeiten vermitteln“, erklärt Marc Schmitter. Dank des 3D-Drucks ist dies möglich. Die geringen Kosten und die einfache Reproduzierbarkeit ermöglichen ein häufigeres und intensiveres Training. 

App mit Augmented Reality (AR) erlaubt bessere und einfachere Korrektur im Aufwachskurs

Eine weitere Innovation in der zahnmedizinischen Lehre ist eine Augmented-Reality-App für den sogenannten Aufwachskurs. Die App unterstützt Studierende dabei, das Formen von Zähnen mit Wachs sowie den Umgang mit Wachswerkzeugen zu üben. Mithilfe der App können Studierende und Lehrende die Wachsvorlage über die Kamera des Smartphones oder Tablets betrachten und ein ideales Wax-up als Überlagerung auf die Aufwachsplatte einblenden. So können sich die Studierenden selbst besser beurteilen und schneller lernen. Die mehrfach ausgezeichnete Machbarkeitsstudie vom Erstautor Johannes Schrenker ist derzeit als Preprint auf der Plattform Research Square zu lesen und wird zeitnah bei Scientific Reports erscheinen.

Auswertung von 3D-gedruckten provisorischen Zahnkronen

Auch die Patientinnen und Patienten profitieren von den Innovationen in der zahnmedizinischen Lehre. Einerseits führen besser ausgebildete Zahnärztinnen und Zahnärzte zu besseren Behandlungen. Andererseits wird den Patientinnen und Patienten am UKW bereits 3D-gedruckter Zahnersatz angeboten. Mit Erfolg. Im Rahmen seiner Masterarbeit hat Michael del Hougne in einer Kohortenstudie mit 63 Patientinnen und Patienten die Langlebigkeit von insgesamt 98 3D-gedruckten provisorischen Zahnkronen untersucht. Dabei handelt es sich um Kronen, die vorübergehend eingesetzt werden, bis die endgültige Versorgung erfolgt. Die in Scientific Reports veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass 98 Prozent der Kronen den Untersuchungszeitraum von durchschnittlich 256 Tagen ohne größere Probleme überstanden. Die Patientinnen und Patienten waren mit dem Aussehen sehr zufrieden. Auch ihre Lebensqualität verbesserte sich im Zusammenhang mit der Mundgesundheit deutlich.

Behandlung, Forschung und Lehre im Dreiklang

„Generell ist jeder herzlich willkommen, sich bei uns behandeln zu lassen und Teil unserer Innovationen zu sein”, sagt Marc Schmitter. Bei dem Klinikdirektor stehen Behandlung, Forschung und Lehre im Dreiklang. Erst dieser Dreiklang, verbunden mit einem motivierten und hervorragend kooperierenden Team sowie interdisziplinärer Zusammenarbeit macht die Zahnklinik des UKW zu einem Ort zahnmedizinischer Innovation und Exzellenz.

Damit das so bleibt, erforscht das Team von Marc Schmitter weitere Anwendungsmöglichkeiten des Zahnes. Auch das Material soll weiter optimiert werden. „Wir wollen neue Harze entwickeln, deren Eigenschaften natürlichem Dentin und Schmelz noch ähnlicher sind, um das taktile Feedback zu verbessern“, so Christian Höhne. Ein weiteres Ziel ist die Automatisierung der Produktion. Schließlich sollen das Ausbildungskonzept und die Lernkurve validiert sowie die Übertragbarkeit der Modelle in andere Länder und Kulturen geprüft werden.

Information zur Behandlung: In der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik im Zentrum für Zahngesundheit am UKW sind alle Patientinnen und Patienten mit zahnärztlichem Behandlungsbedarf herzlich willkommen. Die Behandlung kann wahlweise durch die Mitarbeitenden der Abteilung oder durch Studierende in höheren Semestern unter deren Aufsicht erfolgen. Bei einer Behandlung durch Studierende können Ermäßigungen der Behandlungskosten gewährt werden.
Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Zahnärztlichen Prothetik
 

Text: KL / Wissenschaftskommunikation

Virtuelle Realität verbessert langfristiges Lernen in der Notfallmedizin

Medizinstudierende sind durch ein Training mit virtueller Realität (VR) langfristig besser auf medizinische Notfälle vorbereitet als durch traditionelle Lehrmethoden

Eine Medizinstudierende bewegt sich mit virtueller Brille in einem Untersuchungsraum
VR-Simulation in der Lehrklinik des Uniklinikums Würzburg. © Annett Köhler / AG VR Simulation im Medizinstudium
Collage aus vier Bildern mit Feedback-Komponenten
Bei der interaktiven VR-Simulation eines Notfalls gab es verschiedene Feedback-Komponenten wie positive Benachrichtigungen in grün für korrekt ausgeführte Aktionen, oben im Bild eine Echokardiografie, sowie als direkte Ausgabe von medizinischen Geräten (EKG), Ergebnisse der Diagnostik im virtuellen Computermenü und eine abschließende Bewertung im Checklistenformat. © AG VR Simulation im Medizinstudium

Würzburg. In den ersten Berufsjahren stehen junge Ärztinnen und Ärzte oft vor der Herausforderung, unter Zeitdruck schnell Entscheidungen zu treffen, Aufgaben richtig zu priorisieren und auf wichtige praktische Erfahrungen zurückzugreifen. Gerade in Notfallsituationen sind diese Fähigkeiten von entscheidender Bedeutung. Genau hier setzt die Technologie der virtuellen Realität (VR) an. Sie ermöglicht realistische und interaktive Lernszenarien, in denen Studierende risikofrei anhand standardisierter Notfallfälle trainieren können.

Erkenntnisse wurden im Journal of Medical Internet Research veröffentlicht

Am Uniklinikum Würzburg (UKW) wurde dafür gemeinsam mit dem Münchner 3D-Visualisierungsunternehmen ThreeDee, das VR-basierte Trainingsprogramm STEP-VR (Simulation-based Training of Emergencies for Physicians using Virtual Reality) entwickelt. Unter welchen Voraussetzungen lässt sich dieses VR-Training am besten in die medizinische Lehre integrieren, um die Notfallkompetenz angehender Ärztinnen und Ärzte nachhaltig zu stärken? Diese Frage erforscht die Arbeitsgruppe „Virtual Reality Simulation im Medizinstudium“ unter der Leitung von Dr. Tobias Mühling. „Bislang gab es nur begrenzt belastbare Belege dafür, welche objektiven Lerneffekte VR-basierte Notfalltrainings sowohl kurzfristig als auch langfristig erzielen können. Mit unseren neuesten Untersuchungen konnten wir jedoch zeigen, dass virtuelle Realität eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Trainingsmethoden in der medizinischen Ausbildung sein kann – besonders, wenn es darum geht, wichtige Inhalte nachhaltig zu vermitteln“, sagt Tobias Mühling. Die Ergebnisse wurden im renommierten Journal of Medical Internet Research veröffentlicht. 

Im Rahmen der randomisiert-kontrollierten Studie wurden 72 Medizinstudierende zu zwei häufigen Notfällen – Herzinfarkt und Atemnot bei chronischer Lungenerkrankung – geschult. Die eine Hälfte von ihnen (Interventionsgruppe) absolvierte eine interaktive VR-Simulation mit automatischem Feedback, die andere Hälfte (Kontrollgruppe) absolvierte interaktive Videoseminare.

VR-Training wirkungsvoller, spannender und hilfreicher 

Direkt nach dem Training schnitten beide Gruppen beim Wissenstest ähnlich gut ab. Nach 30 Tagen zeigte sich jedoch ein klarer Vorteil für die VR-Gruppe: Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich deutlich mehr Wissen merken. Insgesamt bewerteten die Studierenden das VR-Training auch als wirkungsvoller, spannender und hilfreicher. Während des virtuellen Trainings stieg zwar die körperliche Stressreaktion, gemessen über Hautsensoren, an, doch dieser Stress hatte kaum Einfluss auf das Lernergebnis. Auch das subjektive Stressempfinden der Teilnehmenden spielte keine große Rolle. 

„Unser Fazit lautet: Selbstgesteuerte, VR-basierte Notfalltrainings mit automatischem Feedback können motivieren und sind langfristig wirksamer. Wir gehen also davon aus, dass die Studierenden das Wissen aus solchen Simulationen auch mit in den Berufsalltag nehmen“, so Tobias Mühling.

Publikation:
Marco Lindner, Tobias Leutritz, Joy Backhaus, Sarah König, Tobias Mühling. Knowledge Gain and the Impact of Stress in a Fully Immersive Virtual Reality–Based Medical Emergencies Training With Automated Feedback: Randomized Controlled Trial. J Med Internet Res 2025;27:e67412 doi: 10.2196/67412PMID: 40465566

Text: Wissenschaftskommunikation /KL

Prof. Dr. Henning Hamm für dermatologisches Lehrbuch ausgezeichnet

Der Hauptpreis für Akademische Lehre der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Henning Hamm von der Würzburger Universitäts-Hautklinik. Geehrt wurde der Universitätsprofessor i. R. für das von ihm zusammen mit Klinikdirektor Prof. Dr. Matthias Goebeler herausgegebene Lehrbuch „Basiswissen Dermatologie“.

 

Prof. Dr. Matthias Goebeler und Prof. Dr. Henning Hamm
Prof. Dr. Matthias Goebeler (links) und Prof. Dr. Henning Hamm, beide von der Hautklinik des Uniklinikums Würzburg, mit dem von ihnen herausgegebenen Lehrbuch „Basiswissen Dermatologie“. Bild: Hermann Mareth / UKW
Prof. Dr. Henning Hamm
Prof. Dr. Henning Hamm bei seiner Dankesrede anlässlich der Preisverleihung auf der DDG-Tagung 2025 in Berlin. Bild: DDG_Mike Auerbach

Würzburg / Berlin. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft e. V. (DDG) hat auf ihrer Tagung Anfang Mai den diesjährigen Preis für Akademische Lehre vergeben. Gewürdigt werden Lehrende und Lehrkonzepte, die eine zukunftsfähige dermatologische Ausbildung vorantreiben sowie innovativ und erfolgreich die akademische Lehre bereichern. Der mit 2.500 Euro dotierte Hauptpreis ging an Prof. Dr. Henning Hamm von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Ausgezeichnet wurde er für das zusammen mit Klinikdirektor Prof. Dr. Matthias Goebeler herausgegebene Lehrbuch „Basiswissen Dermatologie“. Das im Jahr 2024 in zweiter Auflage beim Springer-Verlag erschienene Werk richtet sich vor allem an Studierende der Humanmedizin und gibt einen kompakten Überblick über alle relevanten dermatologischen Inhalte. Es folgt inhaltlich dem neuen, auf „Kenntnisse und Kompetenzen“ bauenden Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) und dem IMPP-Gegenstandskatalog (IMPP-GK2). 

Überzeugende Didaktik

„Das Lehrbuch überzeugt durch seine Didaktik. Jedes Sachgebiet wird kompakt vorgestellt und kann für die Prüfungsvorbereitung durchgearbeitet werden. Die inhaltliche Gestaltung mit dermatologischen Grundlagen und den wichtigsten Erkrankungen des Fachgebietes überzeugen auf ganzer Linie“, begründet Prof. Dr. Falk Ochsendorf, Vorsitzender des Preiskomitees, die Entscheidung. Die Gestaltung des Lehrbuchs ist abwechslungsreich: Fast 200 Farbfotos und zahlreiche Fallbeispiele machen den Inhalt anschaulich. Die Kernaussagen werden typografisch hervorgehoben. Übungsfragen – mit Auflösungsteil am Ende des Buches – schließen jedes Kapitel ab.

Neu: Kapitel zu Konsultationsanlässen

Ein Novum der zweiten Auflage ist ein großes Kapitel mit dem Titel „Konsultationsanlässe“. Auf den NKLM Bezug nehmend, in dem eine Liste mit den 167 häufigsten Anlässen zu einer ärztlichen Konsultation zur Förderung differentialdiagnostischer Überlegungen zu finden ist, werden hier die Themen mit dermatologischem Bezug aufbereitet. „Hier wird Wissen unter Berücksichtigung aktueller Leitlinien und Übersichtsartikel auf den Punkt gebracht“, sagt Prof. Ochsendorf. 

Zielgruppengenau zugeschnitten

In die Erstellung der Kapitel wurden bei beiden Auflagen des Buches Assistenzärztinnen und Assistenzärzte eingebunden, die am Beginn ihrer Facharztweiterbildung standen, was den zielgruppengenauen Zuschnitt des Werkes ermöglichte. 

Prof. Hamm ist Universitätsprofessor im Ruhestand und weiterhin als angestellter Facharzt in Teilzeit an der Hautklinik des UKW tätig.

Text: DDG + Pressestelle / UKW

Prof. Dr. Matthias Goebeler und Prof. Dr. Henning Hamm
Prof. Dr. Matthias Goebeler (links) und Prof. Dr. Henning Hamm, beide von der Hautklinik des Uniklinikums Würzburg, mit dem von ihnen herausgegebenen Lehrbuch „Basiswissen Dermatologie“. Bild: Hermann Mareth / UKW
Prof. Dr. Henning Hamm
Prof. Dr. Henning Hamm bei seiner Dankesrede anlässlich der Preisverleihung auf der DDG-Tagung 2025 in Berlin. Bild: DDG_Mike Auerbach

Erster Bayerischer Kongress der Hebammenwissenschaft: Erfolg für Würzburg

Ende März fand der erste Bayerische Kongress der Hebammenwissenschaft in Erlangen statt. Ein wichtiges Ereignis für die junge Disziplin, bei dem vor allem die Studierenden im Mittelpunkt standen.

V.l.: Katharina Heelein, Regina Schäfer, Kristina Stanzel, Edith Kroth, Yvonne Rudloff, Prof. Ulrich Pecks, Monika Gevers, Dr. Kerstin Hubert. Foto: Liselotte Braun
V.l.: Katharina Heelein, Regina Schäfer, Kristina Stanzel, Edith Kroth, Yvonne Rudloff, Prof. Ulrich Pecks, Monika Gevers, Dr. Kerstin Hubert. Foto: Liselotte Braun

Würzburg. Ende März fand der erste Bayerische Kongress der Hebammenwissenschaft in Erlangen statt. Ein wichtiges Ereignis für die junge Disziplin, bei dem vor allem die Studierenden im Mittelpunkt standen. Besonders erfolgreich präsentierten sich zwei Hebammen-Studierende der Universität Würzburg, Katharina Heelein und Regina Schäfer.

Unter zahlreichen Einreichungen durften beide ihre wissenschaftlichen Arbeiten vortragen und Katharina Heelein wurde mit einem Preis für den besten Beitrag ausgezeichnet. „Katharina Heelein analysierte, inwieweit sich in der Schwangerschaft begonnenes Beckenbodentraining auf Inkontinenz und Dammverletzungen auswirkt. Ein sehr wichtiges und aktuell in Behandlungsleitlinien der Schwangerschaftsvorsorge stark diskutiertes Thema!“ erläutert Prof. Dr. Ulrich Pecks, Leiter des Instituts für Hebammenwissenschaft in Würzburg. „Für unsere Studierenden ist der Preis ein großartiger Erfolg“, freut sich Kristina Stanzel, Studiengangleitung und verantwortlich für die Vermittlung der Wissenschaftskompetenz im Studium. „Denn darum geht es jetzt bei der Akademisierung, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen das Berufsfeld weiterentwickeln.“ 

Kontroverse Debatten und spannende Einblicke

Im Zentrum des Kongresses stand die Frage, wie wissenschaftliche Evidenz in die Praxis integriert werden kann. In der Podiumsdiskussion „Es wächst zusammen, was zusammengehört – Evidenz und Praxis“ diskutierten Studierende und Lehrende über Chancen und Herausforderungen der Akademisierung. Einen praxisnahen Einblick boten drei aufeinander abgestimmte Vorträge zur Entwicklung von Leitlinien. Dabei wurde eindrucksvoll die Bedeutung von Behandlungsleitlinienprogrammen der medizinischen Fachgesellschaften, wie der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) oder der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) geschildert, aber auch der große, oft ehrenamtliche Aufwand in der Leitlinienerstellung betont. 

Prof. Dr. Lena Agel, Leitlinienbeauftragte der DGHWi und Professorin für Hebammenwissenschaft an der TH Aschaffenburg, ging auf die wachsende Rolle von Hebammen in diesem interprofessionellen Prozess ein. Sie wies darauf hin, dass die Hebammenwissenschaft die erste nicht-ärztliche Fachgesellschaft ist, welche in die „Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.“ aufgenommen wurde. 

Vernetzung von Anfang an

Zur Wissenschaft gehört auch Netzwerkbildung. Wie sich Netzwerkbildung gewinnbringend für die Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen auswirkt, wie man sein Netzwerk aufbaut und wie sich bereits Studierende die Vernetzung zunutze machen könnten, dazu luden schließlich PD Dr. Larissa Pfaller (Erlangen) und Prof. Pecks in einem Workshop die Studierenden ein. „Es war richtig toll zu erleben, wie sich die Studierenden untereinander austauschten, gemeinsame Themen erarbeiteten und Gruppen über die Studienstandorte in Bayern hinweg bildeten. Hier wurde Vernetzung geschaffen,“ so Prof. Pecks.

Ausblick: Würzburg übernimmt die Gastgeberrolle

Nach einem erfolgreichen Auftakt in Erlangen steht bereits fest: Der Bayerische Kongress der Hebammenwissenschaft wird fortgesetzt – und 2026 wird Würzburg die Gastgeberstadt sein.

V.l.: Katharina Heelein, Regina Schäfer, Kristina Stanzel, Edith Kroth, Yvonne Rudloff, Prof. Ulrich Pecks, Monika Gevers, Dr. Kerstin Hubert. Foto: Liselotte Braun
V.l.: Katharina Heelein, Regina Schäfer, Kristina Stanzel, Edith Kroth, Yvonne Rudloff, Prof. Ulrich Pecks, Monika Gevers, Dr. Kerstin Hubert. Foto: Liselotte Braun

„Katastrophenmedizin“: Universitätsmedizin Würzburg bietet neues Wahlfach in der Lehre

Enge Zusammenarbeit mit Katastrophenschutzeinheiten bereitet auf große Schadensereignisse vor

Seit vielen Jahren gibt es große gemeinsame Übungen mit den Rettungskräften und der Würzburger Uniklinik.
Seit vielen Jahren gibt es große gemeinsame Übungen mit den Rettungskräften und der Würzburger Uniklinik. Diese Zusammenarbeit wird im neuen Wahlfach „Katastrophenmedizin“ nochmals ergänzt. Foto: UKW / Stefan Dreising

Würzburg. Katastrophen, Krisen und Anschläge finden sich regelmäßig schmerzlich in den Schlagzeilen. Weltweit stellen solche Ereignisse eine wachsende Herausforderung für medizinisches Personal und Einsatzkräfte dar. Um Medizinstudierende darauf besser vorzubereiten, gibt es im Würzburger Medizinstudium seit diesem Wintersemester erstmals das Wahlfach „Katastrophenmedizin.“

Studierende der Humanmedizin lernen intensiv, die so genannte Individualmedizin anzuwenden. Das heißt, jedem einzelnen Patienten die bestmögliche Hilfe für seine Bedürfnisse und Erkrankung zukommen zu lassen. Doch was passiert, wenn plötzlich mehr Verletzte oder Erkrankte auf einmal zu versorgen sind? Wann ist der Umschaltpunkt erreicht zwischen „jeder bekommt jede Hilfe“ und „Hilfe wird aufgeteilt auf viele Patienten“ – also von Individual- hin zu Katastrophenmedizin?

Seit dem Wintersemester 2024/2025 haben Medizinstudierende der Julius-Maximilians-Universität die Möglichkeit, sich gezielt vorzubereiten. Fazit: Das neu eingeführte Wahlfach Katastrophenmedizin ist an der Universitätsmedizin erfolgreich gestartet. In diesem sehr praxisorientierten Wahlfach lernen Studierende nicht nur, was „Katastrophe“ ausmacht, sondern auch, wie sie in solchen Situationen effektiv handeln und welche Rolle sie als zukünftige Ärztinnen und Ärzte in einem solchen Szenario übernehmen. Sie üben es, schnell einen Überblick über viele Verletzte oder Erkrankte zu gewinnen und umgehend lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten. Zudem erhalten sie Einblicke in die Arbeit von echten Katastrophenschutzeinheiten und erleben deren Einsatzpraxis hautnah.

Entstanden ist das Wahlfach nach einer Idee aus der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin (AGN) der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. „Das Uniklinikum Würzburg hat als Maximalversorger eine besondere Aufgabe bei der Bewältigung von außergewöhnlichen Schadensereignissen und Katastrophen. Diesen Anforderungen wollen und können wir gerecht werden. Hierzu müssen wir bereits in der Ausbildung der angehenden Medizinerinnen und Mediziner ansetzen und diese schulen“, so Prof. Dr. Thomas Wurmb, ärztlicher Leiter der AGN. Die AGN, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, besteht aus einer Gruppe von notfallmedizinisch erfahrenen Medizinstudierenden, die mit großem Engagement und hohem Einsatz an diesem Projekt mitwirken. So wird Wissen niederschwellig und praxisorientiert von Studierenden an Studierende weitergegeben.

Das Wahlfach wird zukünftig einmal jährlich, jeweils zum Wintersemester, angeboten. 
 

Seit vielen Jahren gibt es große gemeinsame Übungen mit den Rettungskräften und der Würzburger Uniklinik.
Seit vielen Jahren gibt es große gemeinsame Übungen mit den Rettungskräften und der Würzburger Uniklinik. Diese Zusammenarbeit wird im neuen Wahlfach „Katastrophenmedizin“ nochmals ergänzt. Foto: UKW / Stefan Dreising

Medizin: Lehrpreis für zwei Dozentinnen

Die Medizinerinnen PD Dr. Anna Frey und PD Dr. Nicole Wagner teilen sich den mit 10.000 Euro dotierten Albert-Kölliker-Lehrpreis ihrer Fakultät.

Studiendekanin Sarah König (l.) und Dekan Matthias Frosch mit den Trägerinnen des Lehrpreises der Medizinischen Fakultät, Anna Frey (2.v.l.) und Nicole Wagner.
Studiendekanin Sarah König (l.) und Dekan Matthias Frosch mit den Trägerinnen des Lehrpreises der Medizinischen Fakultät, Anna Frey (2.v.l.) und Nicole Wagner. (Bild: Reza Shadab)

Um die Lehre zu fördern und weiter zu verbessern, vergibt die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) zwei Mal im Jahr den Albert-Kölliker-Lehrpreis. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert; das Preisgeld muss zur weiteren Verbesserung der Lehre verwendet werden.

Bei der Examensfeier der Fakultät am 14. Dezember 2024 wurde der Preis zu gleichen Teilen an PD Dr. Anna Frey (Kardiologie) und PD Dr. Nicole Wagner (Anatomie und Zellbiologie) verliehen. Die Fachschaft hat die beiden für die Auszeichnung vorgeschlagen, weil sie sich in der Lehre außerordentlich stark engagieren.

Preisträgerin Anna Frey

Der Fachschaft zufolge setzt sich Anna Frey in herausragender Weise für die Studierenden ein, sei es durch kurzfristige Krankheitsvertretungen oder sonstiges Engagement. Außerdem habe sie einen Kurs über Echokardiografie entwickelt und implementiert, der für die Studierenden sehr wertvoll sei.

Die Preisträgerin ist Lehrbeauftragte der Medizinischen Klinik I und leitet seit 1. Januar 2025 den Schwerpunkt „Internistische Intensiv- und Notfallmedizin“ am Universitätsklinikum Würzburg. Sie hat an der Medizinischen Hochschule in Hannover studiert und kam 2008 in die Würzburger Kardiologie – „weil Professor Georg Ertl mich damals durch seine charismatische Art begeistert hat“. Ihren Facharzt in Innerer Medizin/Kardiologie machte sie 2016, nach zwei Elternzeit-Unterbrechungen. Zwei Jahre später habilitierte sie sich für das Fach Innere Medizin. 2020 absolvierte sie das Masterstudium „Master of Medical Education“; außerdem führt sie die Zusatzbezeichnungen Intensivmedizin sowie Klinische Akut- und Notfallmedizin.

Preisträgerin Nicole Wagner

Nicole Wagner sei die „gute Seele“ der Anatomie: Sie halte dort die Fäden der Lehre zusammen und habe jederzeit ein offenes Ohr für die Belange der Studierenden. Im Bereich der Neuroanatomie habe sie mehrfach Repetitorien angeboten und dadurch eine deutliche Leistungssteigerung in den Klausuren erreicht.

Die Preisträgerin hat an der JMU Biologie studiert. Nach der Promotion forschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Stockholm. Durch eine Kollaboration mit Professor Manfred Heckmann kam sie zurück nach Würzburg, ans Physiologische Institut der JMU. Hier forschte sie von 2009 bis 2012. Dann wechselte sie in die Anatomie zu Professorin Esther Asan: „Sie war schon vorher meine Mentorin und hat mich für alle Zweige der Anatomie begeistert. Hier wurde ich auch in der Lehre aktiv.“ Auch Nicole Wagner hat zwei Elternzeiten hinter sich. Sie habilitierte sich 2017 für das Fachgebiet Anatomie und Zellbiologie; seit 2021 ist sie zusätzlich Lehrkoordinatorin im Institut.

Der Namensgeber des Lehrpreises

Albert Kölliker (1817-1905) lehrte und forschte ab 1849 für mehr als 50 Jahre an der Universität Würzburg. Der Professor für Anatomie und Physiologie führte Mikroskopierkurse und andere damals neuartige Lehrformen ein. Das zog sehr viele Studierende an, und so hatte Kölliker großen Anteil daran, dass die Würzburger Universitätsmedizin in dieser Zeit einen enormen Aufschwung erlebte.

Weblink

Preise und Ehrungen der Würzburger Medizinischen Fakultät

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 14. Januar 2025

Studiendekanin Sarah König (l.) und Dekan Matthias Frosch mit den Trägerinnen des Lehrpreises der Medizinischen Fakultät, Anna Frey (2.v.l.) und Nicole Wagner.
Studiendekanin Sarah König (l.) und Dekan Matthias Frosch mit den Trägerinnen des Lehrpreises der Medizinischen Fakultät, Anna Frey (2.v.l.) und Nicole Wagner. (Bild: Reza Shadab)

Interprofessionelles Lernen in der virtuellen Realität

Am Universitätsklinikum Würzburg wurde in den vergangenen sechs Monaten eine innovative Pilotstudie zum Virtual Reality (VR)-basierten interprofessionellen Teamtraining durchgeführt, um Medizinstudierende und Auszubildende in Pflegeberufen auf die gemeinsame Bewältigung von Notfallsituationen vorzubereiten. Das Training wird nun in einer multizentrischen Studie an fünf weiteren medizinischen Fakultäten in Deutschland erprobt.

Zwei Personen mit VR-Brillen auf dem Kopf und Sticks in der Hand, im Hintergrund ist das virtuelle Szenario auf dem Monitor angezeigt.
Ein interprofessionelles Team aus Pflegeschüler (links) und Medizinstudentin (rechts) behandelt einen virtuellen Patienten mit Magenblutung. Die Teilnehmenden sehen das Szenario auf ihren VR-Brillen, im Hintergrund wird die Ansicht für das Studienpersonal auf einen Projektor übertragen. © Alexander Zamzow / AG Virtual Reality Simulation / UKW

Würzburg. Die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften und ärztlichem Personal ist im klinischen Alltag entscheidend für die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, insbesondere in Notfallsituationen wie etwa bei einem Herzinfarkt oder einer Sepsis. Konventionelle Teamtrainings sind allerdings sehr ressourcen- und personalintensiv. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) hat deshalb in den vergangenen sechs Monaten eine innovative Pilotstudie zum Virtual Reality (VR)-basierten interprofessionellen Teamtraining durchgeführt. In der geschützten Umgebung von VR-Simulationen konnten zwölf Tandems aus Medizinstudierenden und Auszubildenden der Pflegeberufe realitätsnahe Notfallszenarien üben, in denen effektive Kommunikation, klare Rollenverteilung und schnelle Entscheidungsfindung im Vordergrund stehen. Das Training erfolgte nach dem etablierten TeamSTEPPS-Programm, das weltweit zum Erlernen erfolgreicher Teamarbeit im Gesundheitswesen eingesetzt wird.

VR nimmt hohen Stellenwert als Lehrmethode ein

Aufgrund des großen Interesses wird das Konzept ab Januar 2025 an fünf weiteren Universitätskliniken in Deutschland ausgerollt. Dazu gehören die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universitätskliniken in Homburg, Münster und Oldenburg. „Die nationale Ausweitung bietet uns die Chance, die Wirksamkeit des Trainings unter unterschiedlichen Bedingungen zu prüfen,“ sagt Prof. Dr. Sarah König, Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW. „Dass unser Konzept an so vielen Fakultäten auf Interesse stößt, zeigt den hohen Stellenwert, den VR als Lehrmethode mittlerweile einnimmt.“

Skalierbares Werkzeug, um Teamfähigkeit gezielt zu fördern

Dr. Tobias Mühling ergänzt: Sollte die Studie zeigen, dass interprofessionelle VR-Szenarien auch hier wirksam sind, hätten wir in Zukunft ein skalierbares Werkzeug, um Teamfähigkeit gezielt zu fördern. Tobias Mühling leitet die Lehrklinik am UKW und hat die Studie gemeinsam mit der medizinischen Doktorandin Marie Lehmann am Standort durchgeführt. Die Auswertung der multizentrischen Studie wird ab Sommer 2025 ebenfalls in Würzburg stattfinden. 

Wie ist die Aufgabenverteilung in den Notfallszenarien? Grundsätzlich, so Mühling, können in den Notfallszenarien alle Aufgaben von allen Teilnehmenden durchgeführt werden. Die Teilnehmenden werden jedoch ermutigt, die Aufgaben zu übernehmen, die ihrer Rolle entsprechen. Das Pflegepersonal führt beispielsweise eine Ersteinschätzung und eine kurze Übergabe durch, überwacht die Vitalwerte und verabreicht auf Anweisung des ärztlichen Personals Medikamente. Ärztinnen und Ärzte veranlassen Differentialdiagnosen und therapeutische Maßnahmen, Konsile und Verlegungen. 

Die Technologie für das Virtual-Reality-Training stammt aus einer Kooperation des Universitätsklinikums Würzburg mit dem Münchner Start-up-Unternehmen ThreeDee GmbH. Das entwickelte Notfalltrainingsprogramm heißt STEP-VR und wurde bereits in früheren Projekten eingesetzt, zum Beispiel im VR-OSCE und im kürzlich veröffentlichten Projekt zur Erfassung der Notfallkompetenz von Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern (Pressemeldung, Studie).

Finanzielle Unterstützung durch Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp

Tobias Mühling hatte für sein Projekt bereits den mit 25.000 Euro dotierten Forschungsförderpreis der Würzburger Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp erhalten. Für die multizentrische Studie hat die Stiftung weitere 10.000 Euro zur Verfügung gestellt. „Teilhabe am Leben durch Forschung – so lautet unser Stiftungsmotto, und dieses Projekt leistet genau das: Erkenntnisse aus der Forschung über technische Hilfsmittel in der Lehre letztlich direkt in die Anwendung am Menschen zu überführen. Und das auch noch in Notfallsituationen!“, so Dr. Gunther Schunk, Vorstand der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp.
 

Zwei Personen mit VR-Brillen auf dem Kopf und Sticks in der Hand, im Hintergrund ist das virtuelle Szenario auf dem Monitor angezeigt.
Ein interprofessionelles Team aus Pflegeschüler (links) und Medizinstudentin (rechts) behandelt einen virtuellen Patienten mit Magenblutung. Die Teilnehmenden sehen das Szenario auf ihren VR-Brillen, im Hintergrund wird die Ansicht für das Studienpersonal auf einen Projektor übertragen. © Alexander Zamzow / AG Virtual Reality Simulation / UKW