Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Forschungsförderung ermöglicht erstmalig systematische Nachuntersuchung moderner minimalinvasiver Zahnrestaurationen

Dr. Britta Hahn von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Uniklinikums Würzburg erhielt eine Forschungsförderung von 16.500 Euro. Mit diesem Geld kann sie in einer Studie überprüfen, ob laborgefertigte minimalinvasive Composite-Restaurationen nach langjährigem Einsatz eine Alternative zu klassischen invasiveren Versorgungsformen darstellen.

 

Dr. Britta Hahn von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Uniklinikums Würzburg (UKW), ist eine der beiden Empfängerinnen des diesjährigen DGR²Z-GC-Grants. Hinter dieser Forschungsförderung stehen die Deutsche Gesellschaft für Restaurative und Regenerative Zahnerhaltung (DGR²Z) und das Dentalunternehmen GC. Dr. Hahn erhielt 16.500 Euro für ihre geplante Studie zur „Überlebensrate und klinischen Qualität laborgefertigter glasfaserverstärkter Composite-Restaurationen von reduzierter Schichtstärke im jugendlichen und erwachsenen Gebiss – nach bis zu zehn Jahren Liegedauer“.

Ästhetische, minimalinvasive und schonende Lösung

Die Zahnärztin erläutert: „Komposite sind zahnfarbene plastische Verbundwerkstoffe, die unter anderem als direkt im Mund eingebrachtes Füllungsmaterial für die zahnärztliche Behandlung dienen. Mit indirekten, also im Labor gefertigten Voll- und Teilkronen sowie Inlays aus diesem Material können wir Strukturanomalien bei Kindern und Jugendlichen ästhetisch hochwertig und minimalinvasiv versorgen.“ Die Verwendung klassischer Restaurationen, wie Teilkronen/Kronen aus Metall und Keramik erfordern die Präparation des erkrankten Zahnes, um die materialspezifischen Mindestschichtstärken zu erreichen. Moderne Kompositwerkstoffe ermöglichen hingegen die Verwendung deutlich geringerer Schichtstärken. Dadurch kann rein defektbezogen gearbeitet und nicht betroffene Zahnhartsubstanz maximal geschont werden.

Im jugendlichen Gebiss stellt die therapeutische Alternative die konfektionierte Stahlkrone dar, für die der Zahn zirkulär beschliffen werden muss und die bei einer späteren endgültigen Versorgung nur durch eine Vollkrone ersetzt werden kann. Indirekte Composite-Restaurationen können dagegen zu einem späteren Zeitpunkt gegen ein Keramik-Inlay oder eine Teilkrone ausgetauscht werden. Darüber hinaus kann das Composite-Material einfach im Mund repariert und in die kieferorthopädische Therapie integriert werden. „Bei Erwachsenen können indirekte Composite-Restaurationen im Rahmen einer diagnostischen Bisserhöhung bei Erosion und Abrasion als minimal- oder non-invasives Langzeitprovisorium zum Einsatz kommen“, ergänzt Dr. Hahn.

Erste systematische Nachuntersuchung

Die geplante Langzeitbeobachtungsstudie ist die erste systematische Nachuntersuchung von Zähnen mit dieser Restaurationsform über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. Bis zu 70 Patienten zwischen sechs und 50 Jahren, die zwischen 2008 und 2018 so versorgt wurden, sollen einbezogen werden.

Die Bekanntgabe der Förderung fand am DGZ-Tag der Wissenschaft/Universitäten am 13. Juni dieses Jahres in Berlin statt. Weitere Fördergelder erhielt Dr. Iris Frasheri vom Universitätsklinikum München für ihr Forschungsprojekt zum Effekt von Amelogenin Protein auf die Regeneration parodontaler Gewebe.

 

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Das Uniklinikum Würzburg startet Kampagne zu Karrierechancen in der Pflege

Am Uniklinikum Würzburg gibt es 1.000 Möglichkeiten, als Pflegekraft beruflich durchzustarten. Das verdeutlicht eine neue Image- und Informationskampagne des mainfränkischen Großkrankenhauses. Zentrales Element dabei ist die Website www.ukw.de/1000-moeglichkeiten, die zielgruppengerecht die möglichen Arbeitsfelder und Karrierechancen nahebringt.

Am Uniklinikum Würzburg (UKW) gibt es 88 Stationen und 22 Ambulanzen. Allein diese Vielfalt macht deutlich: Die Wahlmöglichkeiten für Pflegekräfte sind hier immens. Um speziell jungen Menschen das UKW als attraktiven Arbeitgeber mit breitem und interessanten Tätigkeitsspektrum näherzubringen, startete die Pflegedirektion des Krankenhauses kürzlich unter dem Titel „Pflegen am UKW – 1.000 Möglichkeiten“ eine breit angelegte Informations- und Imagekampagne. Zentrales Kommunikationsmittel dabei ist die Webseite www.ukw.de/1000-moeglichkeiten. Hier zeichnen Pflegekräfte des Klinikums in vielen Statements und Interviews ein authentisches Bild ihrer Motivation und ihrer jeweiligen Arbeitsbedingungen. Wer sich dann gleich für einen konkreten Einstieg beim UKW interessiert, findet hier nur einen Klick weiter eine übersichtliche Zusammenstellung der aktuell ausgeschriebenen Stellen.

Ergänzt wird die Kampagne durch Anzeigen, Plakate und weitere Werbeformen, die auf die Website aufmerksam machen.

Wenn unklare Unterbauchschmerzen einen Namen bekommen: Die Würzburger Universitäts-Frauenklinik informiert über Endometriose

Am Montag, den 23. September 2019, veranstaltet die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg in der Würzburger Gaststätte B. Neumann erneut einen kostenlosen Informationsabend über die Ursachen und Symptome der Krankheit Endometriose sowie deren Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

 

Der Titel des diesjährigen Informationsabends der Würzburger Universitäts-Frauenklinik zur Endometriose ist mit Bedacht gewählt: Wenn unklare Unterbauchschmerzen einen Namen bekommen. „Diese oft lange Unklarheit hat ihre Ursache vielfach in der individuell stark unterschiedlichen Symptomatik der Endometriose. Wir sprechen deshalb auch vom ‚Chamäleon der Gynäkologie‘“, sagt Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Klinik. Bei der gutartigen, chronischen Krankheit kommt Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle vor, also zum Beispiel im Scheidenbereich, im Bauchfell, in den Eierstöcken oder in der Darmwand. Die Folge sind häufig starke Regel- und Unterbauchschmerzen. Besondere Brisanz bekommt die Endometriose durch ihre Häufigkeit: Bis zu 40.000 Patientinnen erkranken pro Jahr in Deutschland neu an der damit zweithäufigsten weiblichen Erkrankung.

Mehr als genug Gründe für die Experten der Würzburger Universitäts-Frauenklinik, hier eine besondere Aufklärungsarbeit zu leisten: Am Montag, den 23. September 2019, laden sie – wie schon im vergangenen Jahr – um 18:00 Uhr alle Interessierten zu einem Informationsabend in die Gaststätte B. Neumann am Würzburger Residenzplatz ein.

Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten in einem zertifizierten Zentrum

Nach einer Einführung durch Prof. Wöckel stellt Dr. Anastasia Altides bei der kostenlosen Veranstaltung die Diagnosemöglichkeiten vor. „Besonders vorteilhaft für die Patientinnen ist es dabei, dass wir am Uniklinikum Würzburg über ein zertifiziertes Endometriosezentrum verfügen“, erläutert die Oberärztin. Die Leiterin des Zentrums fährt fort: „Mit dieser Struktur haben wir die Möglichkeit, die variantenreiche Krankheit schnell zu erkennen und die richtige Behandlung einzuleiten.“ Zur Verfügung stehen medikamentöse und operative Therapien sowie Kombinationsverfahren aus beiden Ansätzen.

Auf die operativen Möglichkeiten konzentriert sich am Informationsabend der laienverständliche Vortrag von Dr. Ralf Joukhadar, dem Geschäftsführenden Oberarzt der Frauenklinik.

Erfahrungsbericht einer ehemaligen Patientin

Neben dem Expertenwissen gewinnt die Veranstaltung durch den Erfahrungsbericht einer Betroffenen eine besondere Authentizität: Michèle Rauer litt seit ihrer Pubertät an fast unerträglichen Regelschmerzen, die lange Zeit als harmlos abgetan wurden. Erst eine Bauchspiegelung am Endometriosezentrum des Uniklinikums Würzburg im Jahr 2017 führte zur richtigen Diagnose. Nachdem eine medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Erflog brachte, wurde im April dieses Jahres eine Operation durchgeführt. Seitdem ist sie schmerzfrei.

Raum für individuelle Fragen

Nach dem Vortragsblock haben die Teilnehmerinnen bei einer Diskussionsrunde Gelegenheit, fundierte Antworten auf individuelle Fragen zu erhalten.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, allerdings wird um eine Anmeldung bis 15. September 2019 gebeten unter Tel: 0931/ 880 79 447 oder E-Mail: mail@ gundn-eventmanagement.de.

 

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Uniklinikum Würzburg: Nuklearmedizin lädt ein zum Tag der offenen Tür

Am Samstag, den 7. September 2019, veranstaltet die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg unter dem Titel „Strahlen für Ihre Gesundheit“ einen Informationstag für die breite Öffentlichkeit. Neben Vorträgen zu topaktuellen Therapien wird bei Führungen die Isotopenstation vorgestellt. Außerdem gibt es für alle Interessierten wertvolle Informationen aus kostenlosen Gesundheitschecks.

 

Die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) ist für alle Anwendungen offener radioaktiver Stoffe am Menschen in der Krankenversorgung sowie in Forschung und Lehre zuständig. Am Samstag, den 7. September 2019, lädt sie zwischen 11:00 und 15:00 Uhr bei einem Tag der offenen Tür alle Interessierten zu tiefen Einblicken ein. „Eines unserer Anliegen dabei ist es, den ‚State of the Art‘ bei nuklearmedizinischen Therapien vorzustellen“, sagt Prof. Dr. Andreas Buck, der Direktor der Klinik. So referieren Expertinnen und Experten aus seinem Team jeweils zur vollen Stunde laienverständlich über aktuelle Behandlungswege bei gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen, neuroendokrinen Tumoren, Prostatakrebs, Nebennierenkarzinomen und hämatologischen Erkrankungen, wie Multiplem Myelom.

Führungen durch die Isotopenstation

Zu den baulichen Besonderheiten der Klinik mit zumindest deutschlandweitem Vorbildcharakter zählt die Isotopenstation. Hier werden Patienten untergebracht, die nach einer nuklearmedizinischen Behandlung mehrere Tage auf einer isolierten Station bleiben müssen. Aus Komfortgründen ist jedes dieser Patientenzimmer mit einem eigenen Wintergarten ausgestattet. Außerdem bietet ein abgeschirmter Garten den Kranken die Gelegenheit, auch mal an die frische Luft zu kommen. Beim Tag der offenen Tür kann die Isotopenstation im 20-Minuten-Takt bei Führungen besichtigt werden.

Kostenlose Gesundheitschecks

Ferner haben alle Besucher/innen die Chance, auf Wunsch mehr über den eigenen Gesundheitszustand zu erfahren: Bei kostenlosen Checks wird die Schilddrüse per Ultraschall untersucht, ein Elektrokardiogramm angefertigt und der Blutzucker gemessen.
Die Klinik für Nuklearmedizin befindet sich im Haus A4 im Zentrum für Innere Medizin des UKW an der Oberdürrbacher Straße 6.

 

Kastentext

Über die Klinik für Nuklearmedizin

Die häufigsten Krankheiten, die in der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg behandelt werden, sind Veränderungen der Schilddrüse, Tumorerkrankungen sowie Erkrankungen an Herz, Niere und dem Skelett. Für die Routinediagnostik stehen dem Team der Klinik eine Reihe von Hochtechnologiegeräten zur Verfügung, mit denen sie jährlich etwa 12.500 Untersuchungen durchführen. Hinzu kommen rund 650 stationäre nuklearmedizinische Behandlungen sowie zirka 100 ambulante Therapien von Knochen- und Gelenkerkrankungen.

Als Besonderheit ist die Klinik seit dem Jahr 2005 das einzige deutsche Kollaborationszentrum für medizinische Vorsorge und Hilfe bei Strahlenunfällen innerhalb des internationalen WHO REMPAN („Radiation Emergency Medical Preparedness and Assistance Network“) Netzwerks.

Weitere Details: www.ukw.de/nuklearmedizin

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Der Innovationsausschuss des GBA fördert das Projekt „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ zur Nachsorge nach einer chirurgischen Adipositasbehandlung mit rund 4,6 Millionen Euro. Die medizinische Leitung des Vorhabens hat das Interdisziplinäre Adipositaszentrum des Uniklinikums Würzburg.

Bariatrische-metabolische Operationen, wie der Magenbypass oder der Schlauchmagen, sind die aktuell wirksamste Behandlungsoption bei krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Für einen nachhaltigen Therapieerfolg ist nach einem solchen Eingriff eine langfristige Nachsorge und lebenslange Betreuung wichtig. Auch mögliche postoperativen Komplikationen, Ernährungsprobleme oder Mangelzustände müssen rechtzeitig identifiziert und behandelt werden. Da es hierfür noch keine strukturierten Nachsorgeprogramme gibt, versorgen meist die jeweiligen Adipositaszentren die Patienten weiter. „Es ist dringend notwendig, ein strukturiertes Nachsorgekonzept zu etablieren, das flächendeckend anwendbar ist, die lebenslang erforderliche Nachsorge sicherstellt und mögliche Langzeitkomplikationen verhindert“, betont Prof. Dr. Martin Fassnacht, der Leiter der Endokrinologie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Er ist Teil des Interdisziplinären Adipositaszentrums des UKW und hat die medizinische Leitung des Anfang Juli dieses Jahres gestarteten Projekts „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ inne.

Ziel: Strukturierte, disziplinen- und sektorenübergreifende Nachsorge

Das dahinterstehende Konsortium zielt darauf ab, dass Adipositas-Zentren sowie niedergelassene Haus- und Fachärzte gemeinsam eine strukturierte, disziplinen- und sektorenübergreifende Nachsorge für Patienten nach einer bariatrisch-metabolischen Operation in Bayern etablieren. Zu den innovativen Elementen dabei zählen laut Dr. Ann-Cathrin Koschker, der Leiterin der Würzburger Adipositas-Ambulanz, eine Adipositas-App und speziell geschulte Adipositas-Lotsen, die über eine persönliche und individuelle Betreuung die Koordination der Nachsorgeprozesse und die Therapietreue der Patienten verbessern sollen. Patienten, Zentren und niedergelassene Ärzte werden über eine digitale Fallakte vernetzt.

Das auf dreieinhalb Jahre angelegte Vorhaben wird vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) mit rund 4,6 Millionen Euro gefördert.

Acht bayrische Adipositaszentren involviert

In dem von der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke geleiteten Konsortium arbeiten – neben dem UKW – folgende Partner zusammen: das Helmholtz Zentrum München, die AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, die symeda GmbH sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Wie Privatdozent Dr. Florian Seyfried, der Leiter des zertifizierten Würzburger Adipositaszentrums, berichtet, bilden neben dem Würzburger Zentrum sieben weitere bayerische Adipositaszentren die Kernstruktur von ACHT. Gemeinsam mit spezialisierten Partnerpraxen sollen sie die Nachsorge der Patienten sichern. Ein Expertenbeirat aus themennahen Verbänden und Vereinen sowie der Medizintechnik unterstützt das Projekt.
Erste bei der AOK Bayern versicherte Patienten sollen im Januar 2020 aufgenommen werden. Ergebnisse der Evaluation werden Ende 2022 erwartet.

Weitere Details zu „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ gibt es bei der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke unter www.dsck.de.

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Vortrag: Geheilt, aber nicht gesund – Spätfolgen nach Krebs

Bei einem kostenlosen Vortrag im Rahmen der Patientenseminare des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken am Mittwoch, den 11. September 2019, geht es um die möglichen Spätfolgen bei überstandenen Krebserkrankungen – und um Wege aus diesen Belastungen.

 

Bis zu zwei Dritteln der Krebspatienten leiden auch nach dem Behandlungsende an den Folgen der Erkrankung oder ihrer Therapie. Dies kann sich körperlich äußern, zum Beispiel durch Neuropathie, Fatigue oder Änderungen im Hormonstoffwechsel. Auch psychosoziale Probleme, wie ein gestörtes Zusammenleben in der Familie oder im Freundeskreis durch veränderte Rollen, sind keine Seltenheit. Last but not least können finanzielle Aspekte die Patienten und ihre Angehörigen weiterhin belasten.

Das am Uniklinikum Würzburg (UKW) angesiedelte Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken greift dieses Thema im Rahmen seiner kostenlosen Patientenseminare auf. Am Mittwoch, den 11. September 2019, erläutert Dr. Claudia Löffler in einem kostenlosen Vortrag die Hintergründe dieser Phänomene. Außerdem informiert die auf komplementäre Onkologie spezialisierte Ärztin des UKW über Unterstützungsangebote, die den Betroffenen helfen sollen, wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.

Die Veranstaltung richtet sich an Patienten, Angehörige und sonstig Interessierte. Sie geht von 17:00 bis 18:00 Uhr, Ort ist der Seminarraum 2/3 im Haus A1 des Zentrums für Operative Medizin des UKW an der Oberdürrbacher Straße.

Wichtig ist eine Anmeldung unter Tel: 0931/201-35350 oder E-Mail: anmeldung_ccc@ ukw.de.

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Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider: Entwicklungspsychiatrie mit vielen hochrelevanten Themen

Mit Sarah Kittel-Schneider gibt es seit Juli dieses Jahres eine neue Professorin für Entwicklungspsychiatrie am Uniklinikum Würzburg. Zu ihren Schwerpunkten zählen affektive Erkrankungen beim Übertritt zum Erwachsenenalter sowie psychische Krankheiten der Eltern in Schwangerschaft und Stillzeit.

 

Seit Anfang Juli 2019 gibt es an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (KPPP) des Uniklinikums Würzburg eine neue W2-Professur zum Thema Entwicklungspsychiatrie. Besetzt wurde sie mit Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider, die zusätzlich auch zur Stellvertretenden Direktorin der von Prof. Dr. Jürgen Deckert geführten Klinik ernannt wurde. In den fünf Jahren davor arbeitete die Ärztin an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Frankfurt a. M., zuletzt als Stellvertretende Direktorin. Die Berufung war für Prof. Kittel-Schneider eine Rückkehr, denn ein Großteil ihrer bisherigen Karriere fand in Würzburg statt. Auf das Studium der Humanmedizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg folgte ab dem Jahr 2008 die Arbeit und Facharztausbildung für Psychiatrie und Psychotherapie an der KPPP. „Seit dem Beginn meiner Doktorarbeit war ich fasziniert von biologischer und translationaler Psychiatrie“, schildert die Neu-Professorin. Dabei bildete sich ein Schwerpunkt bei den neurobiologischen Grundlagen von ADHS bei Erwachsenen und der bipolaren Störung heraus. Im Jahr 2014 folgte die Ärztin ihrem früheren Doktorvater und Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Andreas Reif – einem bundesweit anerkannten Experten für bipolare Störung – von Würzburg nach Frankfurt. Dort habilitierte sie sich im Jahr 2018 zum Thema „Mehrebenen-Biomarker der bipolaren Störung und der adulten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. Ihre im Lauf der Jahre aufgebaute Expertise dokumentieren unter anderem der Jules-Angst-Preis der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen, der der engagierten Forscherin im Jahr 2017 von dem in der Psychiatrie berühmten Namensgeber selbst verliehen wurde, sowie der Nachwuchspreis der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie, den sie in diesem Jahr erhielt.

Forschen an der Übertrittsphase zum Erwachsenenalter

Zukünftig will Sarah Kittel-Schneider sich der Transitionspsychiatrie widmen – seelischen Problemen in der Zeit des Übertritts von der Jugend zum Erwachsenenalter. Hier geht es vor allem um die Interaktion von verschiedenen Risikofaktoren, wie genetischer Veranlagung mit Umwelt- und Entwicklungsfaktoren. „Wir wollen Wege finden, Risikopatienten und Risikopersonen zu identifizieren, um diese Jugendlichen oder jungen Erwachsenen früher behandeln oder sogar Präventionsmaßnahmen für sie ergreifen zu können“, schildert die Professorin und fährt fort: „Dazu können wir zum Beispiel in Zellkulturen nachmodellieren, ob und wie Umwelteinflüsse – wie Nikotin und Paracetamol während der Schwangerschaft oder Sauerstoffmangel unter der Geburt – schädigend sind.“ Da es nach jetzigem Wissen keinen einzelnen, entscheidenden Risikomarker gibt, wird sich die Risikobeurteilung nach ihrer Einschätzung wahrscheinlich auf ein ganzes Set aus genetischen, epigenetischen, proteomischen und Bildgebungsbefunden stützen.
Zu ihren klinischen Vorhaben aus dem Bereich der Transitionspsychiatrie in den nächsten Monaten und Jahren zählt die Etablierung einer stationären Schwerpunktbehandlung von Adolenszenten und jungen Erwachsenen sowie einer Früherkennungs- und Transitionsambulanz. Beispielweise ist nach ihren Worten ADHS bei jungen Erwachsenen immer noch unterbehandelt. „Viele Patienten gehen uns mit 18 Jahren in der Behandlung verloren, weshalb wir eine noch bessere Vernetzung mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie anstreben. Die entsprechende, bestehende Sprechstunde dazu wollen wir weiter ausbauen“, kündigt Prof. Kittel-Schneider an.

Offene Fragen rund um Schwangerschaft und Stillzeit

Die zweite Hauptlinie ihrer Professur beschäftigt sich mit psychischen Erkrankungen der Eltern in Schwangerschaft und Stillzeit. „Beispielsweise herrscht bei der Behandlung von Frauen mit ADHS oder bipolarer Störung, die einen Kinderwunsch haben oder bereits schwanger sind, noch große Unsicherheit. Welche Auswirkungen haben Psychopharmaka auf das Ungeborene? Und wie finden sich die Wirkstoffe in der Muttermilch wieder? Hier ist noch so vieles unklar, dass noch keine Richt- oder Leitlinien existieren,“ erläutert Prof. Kittel-Schneider. Nach ihren Angaben gibt es deutschlandweit nur eine Handvoll Wissenschaftler/innen, die sich bislang mit diesem wichtigen Thema beschäftigen. „Zudem wollen wir besser verstehen, welche Auswirkungen psychische Erkrankungen bei den Eltern und deren Therapie auf die Entwicklung der Kinder haben – und das möglichst auch über einen langen Zeitraum“, betont die Forscherin und fährt fort: „Die wenigen Studien, die es hierzu bislang gibt, gehen maximal bis ins Grundschulalter. Aus diesen können wir ableiten, dass die Therapie der Mutter den Kindern offenbar nicht schadet. Aber wie sieht es aus, wenn die Kinder 20 Jahre alt sind? Und wie muss die Therapie aussehen, damit die Kinder eine positive Entwicklung nehmen?“ Deshalb sei eines ihrer großen Ziele, Familien über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren wissenschaftlich zu begleiten. „Jung genug dafür bin ich noch“, schmunzelt die Ärztin.

Bei den von affektiven Erkrankungen betroffenen Müttern ist bekannt, dass das Risiko, innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen nach der Entbindung wieder krank zu werden, besonders hoch ist. „Hier müssen wir Lösungen finden, in dieser Zeit möglichst nahe an den Frauen dranzubleiben“, sagt die Professorin. Die in Würzburg bereits bestehenden Angebote einer Sprechstunde zu peripartalen psychischen Erkrankungen und einer Mutter-Kind-Tagesklinik sollen noch um weitere teilstationäre und stationäre Plätze sowie zusätzliche therapeutische Angebote ausgebaut werden.

Wochenbettdepression auch bei den Vätern möglich

Ein weiteres, vergleichsweise neues und bislang ebenfalls wenig bearbeitetes Thema für peripartale Forschung und neue Therapieangebote sind die Wochenbettdepressionen bei den Vätern. „Schätzungsweise fünf Prozent aller Männer entwickeln nach der Geburt ihres Kindes eine behandlungsbedürftige Depression“, berichtet Sarah Kittel-Schneider. Ihre diesbezüglich in Frankfurt begonnenen Forschungen zum System Familie stießen im vergangenen Jahr gerade auch in den Publikumsmedien auf hohes Interesse. Um den betroffenen Männern und damit indirekt auch den Müttern und Kindern weiterzuhelfen, ist geplant, eine spezielle Vätersprechstunde einzurichten. „Möglicherweise in Form eines Stammtischs, denn Stuhlkreise werden von dieser Zielgruppe eher abgelehnt“, weiß die Professorin.

Gute Aussichten für zielführende Kooperationen

Neben der Zusammenarbeit mit den Kollegen innerhalb des Zentrums für psychische Gesundheit sucht die nach Würzburg Zurückgekehrte die Kooperation mit vielen weiteren Disziplinen und Einrichtungen vor Ort, wie zum Beispiel der Gynäkologie und Pädiatrie, dem Institut für Klinische Neurobiologie sowie dem Fraunhofer-Institut und dem Lehrstuhl für Tissue-Engineering und regenerative Medizin. Die beiden Letzteren können durch ihre Arbeit mit Stammzellen relevante Partner sein. „Ich bin hier in Würzburg allseits sehr herzlich willkommen geheißen worden und – wie erhofft – auf eine sehr offene, kooperationsbereite Atmosphäre gestoßen“, freut sich Sarah Kittel-Schneider über den gelungenen Neustart an alter Wirkungsstätte.

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