Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Blasenentleerungsstörungen auf den Grund gehen

Die Neuro-Urologische Sprechstunde am Uniklinikum Würzburg ist auf die Diagnostik und Therapie von Blasen- und Beckenbodenfunktionsstörungen spezialisiert, die durch neurologische Erkrankungen oder Traumata bedingt sind. Zum breiten Behandlungsspektrum gehören auch modernste Schrittmachertechnologien.

Würzburg. Die Urologische Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) bietet seit gut zwei Jahren eine Neuro-Urologische Sprechstunde an. Menschen, die hier vorstellig werden, haben unterschiedliche Beschwerden und Krankheitsbilder: Manche können nur unvollständig oder gar kein Wasser lassen, während andere extrem häufigen Harndrang verspüren und den Urin oft nicht halt können. Weitere sind von immer wiederkehrenden Blaseninfektionen betroffen. „Als Gemeinsamkeit besteht bei unseren Patientinnen und Patienten zumindest die Vermutung, dass hinter der Blasen- oder Beckenfunktionsstörung ein neurologisches Problem steht“, berichtet Dr. Christine Höfling-Streitenfeld, die Leiterin der Sprechstunde. Nach ihren Worten kann dieses Problem zum Beispiel durch eine neurologische Grunderkrankung, eine vorangegangene Operation oder eine Schwangerschaft hervorgerufen worden sein. Gemeinsam ist vielen der Ratsuchenden auch, dass sie bereits einen langen Leidensweg von oft über zwei Jahren sowie diverse Vorbehandlungen hinter sich haben. 

Umfassende Diagnostik, viele Therapiemöglichkeiten

„Um den Ursachen auf den Grund zu gehen, erheben wir in der Sprechstunde eine sorgfältige Anamnese, führen eine gründliche urologische Untersuchung durch und suchen im Ultraschall nach Veränderungen“, sagt Dr. Höfling-Streitenfeld. Bei Bedarf erweitert die auf Inkontinenz, Harnwegsinfekte und Blasensenkung spezialisierte Urologin die Diagnostik um eine urodynamische Untersuchung und eine Blasenspiegelung. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Urologischen Klinik erarbeitet sie anschließend ein Therapiekonzept. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Medikamente, physiotherapeutische Maßnahmen, Geräte zur peripheren Blasenstimulation, bei Frauen Pessare, die die Harnröhre und Blase mechanisch stützen, Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox) bei einer überaktiven Blase oder operative Eingriffe. 

High-End-Lösung Blasenschrittmacher

„Für einen Teil der Patientinnen und Patienten bietet sich als hochtechnologische Lösung ferner die Implantation eines sogenannten Blasenschrittmachers an“, schildert Dr. Höfling-Streitenfeld. Experte für diesen Behandlungsweg am UKW ist Prof. Dr. Georgios Gakis. Der Leitende Oberarzt der Urologischen Klinik erläutert: „Beim Blasenschrittmacher implantieren wir eine oder zwei dünne Elektroden durch eine natürliche Öffnung im Kreuzbeinknochen – etwa zehn Zentimeter oberhalb des Steißbeins – an die sogenannten Sakralnerven auf Höhe der dritten und vierten Nervenwurzelaustrittstelle. Diese Nerven steuern die Funktion von Blase und Enddarm. Über die Elektrode oder die Elektroden sendet ein Neurostimulator sanfte Stromimpulse, die die Nerven hilfreich stimulieren.“ 

Die Elektroden verbleiben für eine maximal 60-tägige Testphase im Körper, währenddessen durch ein kleines, batteriebetriebenes Aggregat verschiedene Einstellungen des Schrittmachers ausprobiert werden können. Dabei lässt sich ermitteln, ob die Patientin oder der Patient gut auf die Behandlung anspricht. „Ist dies der Fall, implantieren wir bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt den im Körper liegenden Schrittmacher im oberen Gesäßbereich“, beschreibt Prof. Gakis. Nach diesem zweiten Eingriff liegen alle Implantate unter der Haut und sind von außen im Allgemeinen nicht zu erkennen. Einschränkungen beim Gehen oder Sitzen sind nicht zu erwarten. 

Das Komplikationsrisiko des Eingriffes ist äußerst gering. Die Erfolgsrate dieser Therapie liegt je nach Indikation am UKW bei 60 Prozent: In den vergangenen zwei Jahren wurden an der Urologischen Klinik bei 20 Patientinnen und Patienten Blasenschrittmacher getestet. Bei zwölf wurden so positive Effekte erzielt, dass ihnen der Neurostimulator dauerhaft implantiert wurde. 

Alleinstellung in weitem Umkreis

Sowohl die Neuro-Urologische Sprechstunde, wie auch die Blasenschrittmacher-Therapie sind Leistungen, die in weitem Umkreis um Würzburg nur am UKW angeboten werden. „Wir haben Patientinnen und Patienten, die eine Anreise von zwei Stunden auf sich nehmen, um sich von uns untersuchen, beraten und behandeln zu lassen“, verdeutlicht Dr. Höfling-Streitenfeld, die an vier Tagen pro Woche als niedergelassene Urologin in Würzburg eine eigene Praxis in betreibt. Bei der von ihr immer freitags im Zentrum für Operative Medizin des UKW an der Oberdürrbachstraße seit Juli 2020 gehaltenen Neuro-Urologischen Sprechstunde sieht sie im Schnitt jeweils zehn bis zwölf Patientinnen und Patienten.

Informationen zur Anmeldung gibt es unter www.ukw.de/urologie/ambulante-behandlung 

Ausgezeichnete Arbeiten für Schutz vor Meningokokken und SARS-CoV-2

Im Rahmen der 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie in Berlin wurde der diesjährige bioMérieux-Diagnostikpreis an Dr. med. Dipl.-Inf. Manuel Krone verliehen.

Das Bild zeigt Manuel Krone bei der Preisverleihung mit Blumen, Scheck und Urkunde.
Manuel Krone erhält im Rahmen der 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie den bioMérieux-Diagnostikpreis. V.l.n.r.: Prof. Dr. Volkhard Kempf, Geschäftsführender Vorsitzender des Präsidiums der DGHM-Stiftung und Direktor des Institutes für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene Universitätsklinikum Frankfurt, Alexandre Schneider, Geschäftsführer bioMérieux Deutschland, Preisträger Dr. Manuel Krone vom Uniklinikum Würzburg und Bettina Löffler, Professorin für Medizinische Mikrobiologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. © DGHM

Für die Etablierung wissenschaftlicher Konzepte und Diagnostikverfahren, die für die Prävention von Meningokokken- und SARS-CoV-2-Infektionen eingesetzt werden können, hat Dr. Manuel Krone, stellvertretender Leiter der Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Universitätsklinikum Würzburg, am 5. September 2022, auf der 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) in Berlin den mit 2.500 Euro dotierten bioMérieux-Diagnostikpreis durch die Stiftung der DGHM erhalten.

Prävention invasiver Meningokokkeninfektionen

Der Informatiker und Mediziner Manuel Krone beschäftigt sich seit dem Jahr 2017 am Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken und Haemophilus influenzae, das am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg angesiedelt ist, mit der Epidemiologie und Prävention invasiver Meningokokkeninfektionen. In seinen Arbeiten deckte er dabei die europäische Dimension der Verbreitung eines hypervirulenten Meningokokkenstamms der Serogruppe W auf. Er enthüllte, dass im Gegensatz zu vielen anderen Infektionserkrankungen das Risiko nach einer überlebten Meningokokkeninfektion für eine erneute Infektion nicht etwa geringer ist, sondern um mehr als 50-fach erhöht. Krone konnte zudem zeigen, dass sich zur sogenannten Postexpositionsprophylaxe (PEP), also als Vorbeugemaßnahme nach engem Kontakt zu erkrankten Personen, das Antibiotikum Azithromycin eignet. Azithromycin als PEP ist mittlerweile auch Teil der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut geworden ist

Eindämmung der Corona-Pandemie

Herausragend sind auch Krones wissenschaftlichen Präventionskonzepte und Diagnostikverfahren zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie. Er konnte schon sehr früh darlegen, dass auch asymptomatische Reihenuntersuchungen in die Ausbruchsuntersuchungen in Pflegeheimen einbezogen werden sollten. Zudem belegte er wissenschaftlich die Effektivität von PCR-Eingangsuntersuchungen zur Prävention von so genannten nosokomialen Infektionen, also um Ansteckungen im Zusammenhang mit einer Behandlung in Krankenhäusern, ambulanten Praxen oder Pflegeeinrichtungen vorzubeugen. Seine aktuellste Publikation ist die bislang weltweit größte Laborevaluation verschiedener SARS-CoV-2-Antigenschnelltests. Zwischen November 2020 und Januar 2022 wurden am Uniklinikum Würzburg bei 26 940 Personen 35 479 Parallel-Proben entnommen. Von 426 SARS-CoV-2-positiven PCR-Proben waren im Antigenschnelltest nur 164 positiv. Das entspricht einer Sensitivität von lediglich 38,50 Prozent. Bei der derzeit vorherrschenden Omikron-Variante schlugen sogar nur 33,67 Prozent an. Mit abnehmender Viruslast nahm auch die Sensitivität der Tests ab.

Insgesamt hat Manuel Krone 22 Veröffentlichungen verfasst, davon sechs als Erstautor und vier als Letztautor. Darüber hinaus ist er als Sprecher der AG „Vernetzung“ bei jungen DGHM aktiv.

Das Bild zeigt Manuel Krone bei der Preisverleihung mit Blumen, Scheck und Urkunde.
Manuel Krone erhält im Rahmen der 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie den bioMérieux-Diagnostikpreis. V.l.n.r.: Prof. Dr. Volkhard Kempf, Geschäftsführender Vorsitzender des Präsidiums der DGHM-Stiftung und Direktor des Institutes für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene Universitätsklinikum Frankfurt, Alexandre Schneider, Geschäftsführer bioMérieux Deutschland, Preisträger Dr. Manuel Krone vom Uniklinikum Würzburg und Bettina Löffler, Professorin für Medizinische Mikrobiologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. © DGHM

Uniklinikum Würzburg: Tag der Allgemeinmedizin am 12. Oktober 2022

Am Mittwoch, den 12. Oktober 2022 lädt das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg zum fünften Tag der Allgemeinmedizin ein. Der Fortbildungstag bietet insgesamt 17 Workshops an. Der Hauptvortrag beschäftigt sich mit dem ärztlich-assistierten Suizid und dessen Bedeutung in der hausärztlichen Versorgung.

Würzburg. Das Team des Instituts für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg organisiert am 12. Oktober 2022 den fünften „Tag der Allgemeinmedizin“. Die Fortbildungsveranstaltung richtet sich vor allem an Hausärztinnen und Hausärzte, Medizinische Fachangestellte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie Studierende. Diese können aus insgesamt 17 Workshops die für sie jeweils interessantesten auszuwählen. 

Im Hauptvortrag spricht Dr. Sandra Blumenthal vom Institut für Allgemeinmedizin der Berliner Charité über den ärztlich-assistierten Suizid und dessen Bedeutung in der hausärztlichen Versorgung. „Dieses Thema beschäftigt Versorgerinnen und Versorger wie auch Betroffene gleichermaßen. Wir freuen uns schon jetzt auf die im Anschluss sicher angeregte Diskussion“, sagt Prof. Dr. Anne Simmenroth, die zusammen mit Prof. Dr. Ildikó Gágyor das Institut für Allgemeinmedizin des UKW leitet.

Hintergrund ist, dass das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 bestätigte, dass jeder Mensch das Recht hat, sich das Leben zu nehmen. Jetzt erwarten die Medizinerinnen und Mediziner in Deutschland eine Neuregelung der Gesetzgebung zum ärztlich-assistierten Suizid. „Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Teams kommen in den Überlegungen der Gesetzgebenden hierzu bisher jedoch kaum vor“, betont Prof. Gágyor. Der Vortrag wird Antworten geben auf Fragen wie: Wie ist der aktuelle Stand zur ärztlichen Assistenz bei Suizidwünschen? Mit welchen Herausforderungen sind Ärztinnen und Ärzte jetzt konfrontiert sein – und was ist in Zukunft zu erwarten? Außerdem: Wie frei ist eine Entscheidung zur Selbsttötung wirklich?

Der Infotag geht von 14:00 bis 18:45 Uhr. Veranstaltungsorte sind der Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums (Haus D15) sowie die Seminarräume der Lehrklinik (D5), der Dermatologie (D8) und des Instituts für Allgemeinmedizin (D7). 

Wichtig ist eine Anmeldung bis 21. September unter www.allgemeinmedizin.uni-wuerzburg.de/tda (www.allgemeinmedizin.uni-wuerzburg.de/tda)

Mitgefühl: Ein Anreiz hilft nicht immer

Wer anderen Menschen hilft, will dafür nicht unbedingt eine Belohnung erhalten. Menschen mit einem geringen Grad an Empathie kann eine Belohnung allerdings zur Hilfeleistung animieren. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Würzburger Universitätsmedizin.

Es ist ein Klassiker der sozialpsychologischen Forschung: Menschen spenden weniger Blut, wenn sie dafür bezahlt werden. Ohne Bezahlung, das heißt, nur aus dem Wunsch heraus, ihren Mitmenschen zu helfen, lassen sie sich deutlich mehr Blut abnehmen. Der Rückgang ihrer Spendenbereitschaft kann vermutlich auf ein Motiv zurückgeführt werden: die Sorge, Dritte könnten zu dem Schluss kommen, dass sie allein das Geld dazu antreibt, sich sozial zu engagieren.

Allerdings trifft dieser Befund nicht auf alle Menschen zu. Wer ein vergleichsweise geringes Maß an Empathie – sprich: an Einfühlungsvermögen – besitzt, kann durch einen finanziellen Anreiz durchaus zu prosozialem Verhalten animiert werden. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Würzburg und Frankfurt. Verantwortlich dafür ist Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums. Veröffentlicht wurde die Studie in der Fachzeitschrift Social Neuroscience.

Empathie und Egoismus

Auch wenn prosoziales Verhalten gut erforscht ist: „Die Erkenntnisse über die Auswirkungen von Anreizen auf prosoziale Entscheidungen sind widersprüchlich“, erklärt Grit Hein. Da diese Erkenntnisse hauptsächlich auf Verhaltensbeobachtungen beruhen, würden sie keinen Einblick in die zugrunde liegenden Motivationsprozesse geben. „Infolgedessen bleibt unklar, ob und wie finanzielle Anreize andere Motive beeinflussen, aus denen Menschen helfen“, so die Wissenschaftlerin.

Klar ist: Anreize schüren Egoismus, also das Streben einen persönlichen Vorteil zu erzielen. Helfen ohne Anreize basiert häufig auf Empathie, also der Fähigkeit, sich in andere einzufühlen. „Wer auf der Basis einer empathischen Motivation Hilfe leistet, will das Wohlergehen des anderen steigern, unabhängig von einer möglichen Belohnung. Bei einem egoistischen Motiv ist der Nutzen für die anderen nur ein Nebenprodukt. Eigentliches Ziel ist es, das eigene Wohlgefühl zu verbessern“, erklärt Hein. Grit Hein und Kollegen haben nun untersucht, wie finanzielle Anreize und eine daraus resultierende egoistische Motivation, Empathie-getriebene Entscheidungen beeinflussen.

Die Studie

In der jetzt veröffentlichten Studien konnten die Versuchsteilnehmerinnen – die Wahl viel ausschließlich auf weibliche Probanden, um so die potenziellen Komplikationen einer geschlechtsgemischten Paarung zu vermeiden –egoistische Entscheidungen oder Entscheidungen zugunsten der anderen Person treffen, indem sie Punkte zu ihrem eigenen Vorteil oder fair teilten. 

In einer Versuchsbedingung teilten sie die Punkte, nachdem sie gesehen hatten, dass sich die andere Person in einer unglücklichen Lage befand – in diesem Fall einen schmerzhaften Schock am Handrücken erhielt. Hier basierte die Entscheidung also auf Empathie mit der anderen Person. In einer zweiten Versuchsbedingung wurde den Probandinnen zusätzlich ein Bonus versprochen, wenn sie der anderen Person „halfen“, also Punkte zu deren Gunsten vergaben. Außerdem wurde ihnen zugesichert, dass ihre Entscheidungen anonym bleiben würden, um auf diese Weise einen potenziellen „Störfaktor“ – nämlich die Motivation, ein positives öffentliches Image zu erzeugen – zu minimieren.

Blick auf die Vorgänge im Gehirn

Bei der Auswertung der Ergebnisse nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine spezielle Methodik: die sogenannte Drift-Diffusions-Modellierung (DDM), die es ermöglicht zu erkennen, wie Empathie allein oder gekoppelt mit einem finanziellen Anreiz die Verarbeitung der Entscheidung beeinflusst. Beispielsweise kann unterschieden werden, ob sich nur die Schnelligkeit und Effizienz der Entscheidung ändert, oder auch die Präferenz einer Person für eine egoistische oder faire Entscheidung verändert wird. 

Die Autorinnen und Autoren wendeten diese Methode zur Analyse von Hirnaktivierungen an, die während der Entscheidungen mit funktioneller Resonanz-Tomographie (fMRT) aufgezeichnet wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass wenig empathische Personen Entscheidungen zugunsten der anderen Person effizienter treffen, wenn sie dafür finanziell belohnt werden. Bei Personen, die ohnehin aus Empathie heraus helfen, haben finanzielle Anreize keinen, oder sogar einen entgegengesetzten Effekt.

Keine Veränderung bei hochempathischen Menschen

Auch bei Hirnaktivierungen in der sogenannten anterioren Insel, einer Hirnregion, die mit der Verarbeitung von Empathie in Verbindung steht, führten finanzielle Anreize zu einer stärkeren Aktivierung bei niedrig empathischen Personen, aber keiner Veränderung bei hochempathischen Menschen. 

„Diese Befunde zeigen, dass finanzielle Anreize nur bei Personen wirken, die von Hause aus wenig empathisch und prosozial eingestellt sind – und auch bei diesen Personen erhöhen sie nur die Effizienz der konkreten Entscheidung. Die grundlegende Präferenz einer Person sich egoistisch oder zugunsten einer anderen Person zu entscheiden, wird durch finanzielle Anreize nicht verändert“, fasst Grit Hein die Ergebnisse der Studie zusammen. 

Originalpublikation

Vassil Iotzov, Anne Saulin, Jochen Kaiser, Shihui Han & Grit Hein (2022) Financial incentives facilitate stronger neural computation of prosocial decisions in lower empathic adult females, Social Neuroscience, DOI: 10.1080/17470919.2022.2115550

Kontakt

Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-77411, hein_g@ ukw.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 12. September 2022

Historischer Würzburg-Krimi fördert die Stiftung „Forschung hilft“

Prof. Dr. Alexander Meining von der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg hat in seiner Freizeit einen jetzt veröffentlichten Krimi geschrieben, der im Würzburg des späten 19. Jahrhunderts spielt. Das Autorenhonorar spendet er an „Forschung hilft“, die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung an der Würzburger Universität.

Würzburg. Prof. Dr. Alexander Meining ist der stellvertretende Direktor der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg und leitet dort den Schwerpunkt Gastroenterologie. Als Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit schreibt er in seiner Freizeit Romane. Von diesen erscheint Mitte September dieses Jahres der Krimi „Mord im Ringpark“ beim Gmeiner Verlag. Das verkaufsabhängige Autorenhonorar und die Einnahmen aus eventuellen Lesungen spendet Meining an die Stiftung „Forschung hilft“. Diese fördert besonders hoffnungsvolle Krebsforschungsprojekte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 

Ein persönlicher Beitrag zur Bekämpfung onkologischer Erkrankungen

„Nicht nur als Arzt, sondern auch als Privatperson, Angehöriger, Freund oder Bekannter liegt es mir am Herzen, meinen kleinen Teil dazu beizutragen, die so tückischen onkologischen Erkrankungen zu bekämpfen“, begründet der Mediziner sein Benefiz-Engagement. Im Namen von „Forschung hilft“ bedankt sich Gabriele Nelkenstock, Mitglied des Stiftungsrats, dafür sehr herzlich: „Wir finden es grandios, dass Prof. Meining nicht nur tagtäglich sein medizinisches Know-how im Kampf gegen Krebs einbringt, sondern auch seine private Kreativität in den Dienst dieser drängenden Gesellschaftsaufgabe stellt.“

Wurde der Gartenbauingenieur Lindahl ermordet?

Der vom historischen Rahmen her sorgfältig recherchierte Roman spielt im Würzburg des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als eine der zentralen geschichtlichen Persönlichkeiten fungiert Jöns Persson Lindahl, der „Vater“ des Würzburger Ringparks. Der schwedische Gartenbauingenieur und Stadtgärtner erschoss sich im Jahr 1887 in einer Toilettenanlage in diesem Grüngürtel. Aber war es wirklich Selbstmord? Ausgehend von dieser Frage entspinnt sich eine spannende fiktive Kriminalgeschichte mit Georg Hiebler, einem jungen Beamten des bayerischen Innenministeriums, als Ermittler. 

Das 216 Seiten starke Buch „Mord im Ringpark“ erscheint am 14. September 2022 zum Preis von 12 Euro. Als E-Book ist es bis zum 30. September dieses Jahres zum Einführungspreis von 4,99 Euro zu haben.

Wer die Stiftung „Forschung hilft“ weiter voranbringen will, kann außerdem auf folgendes Konto spenden: 

Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE19 7905 0000 0000 0655 65
BIC: BYLADEM1SWU

Glutamin bei Verbrennungen: Weder Nutzen noch Schaden

Die weltweit größte Studie in der Verbrennungsmedizin zeigt, dass die Gabe von Glutamin keine Auswirkungen auf den Heilungsprozess hat.

Das Bild zeigt einen Infusionsbeutel.
Neben der Flüssigkeitszufuhr und einem individuell abgestimmten Kalorienbedarf kann sich vor allem die bedarfsgerechte Gabe von Nährstoffen positiv auf den Krankheitsverlauf von intensivmedizinisch betreuten Patientinnen und Patienten auswirken. © UKW / Anna Wenzl
Das Bild zeigt ein Porträt von Christian Stoppe
Prof. Dr. med. Christian Stoppe arbeitet seit Juni 2022 in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg. © Anna Wawar

Würzburg. Eine optimal zusammengesetzte Ernährung kann den Krankheitsverlauf von intensivmedizinisch betreuten Patientinnen und Patienten begünstigen. Neben der Flüssigkeitszufuhr und einem individuell abgestimmten Kalorienbedarf kann sich vor allem die bedarfsgerechte Gabe von Nährstoffen positiv auf Immunabwehr und Wundheilung auswirken. Vielfach diskutiert wurde in den vergangenen Jahren die zusätzliche Gabe von Glutamin. Denn kritisch Kranke haben oft einen erhöhten Umsatz dieser Aminosäure. Doch schon 2013 hatte die renommierte „Canadian Critical Care Trials Group“ in der internationalen REDOX-Studie herausgefunden, dass eine frühzeitige Gabe von Glutamin in hoher Dosierung sogar mitverantwortlich für eine höhere Sterblichkeit bei Patientinnen und Patienten mit Organversagen ist. Die zusätzliche Gabe von Glutamin wurde nachfolgend aus den Behandlungsleitlinien gestrichen.

RE-ENERGIZE für mehr Evidenz

„Mehrere kleinere klinische Studien deuteten jedoch weiterhin auf einen positiven Effekt von Glutamin auf die Stoffwechsel- und Stressreaktion bei Patientinnen und Patienten mit schweren Brandverletzungen hin, sodass die Leitlinien in diesen Fällen eine Gabe von Glutamin weiterhin empfehlen“, schildert Prof. Dr. med. Christian Stoppe von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg. „Dieses Evidenzniveau war uns jedoch zu niedrig und die Unsicherheit bei Glutamin-Supplementierung zu hoch. Wir wollten es genau wissen. Daher haben wir in unserer RE-ENERGIZE-Studie* zehn Jahre lang in insgesamt 1.209 Patientinnen und Patienten mit schweren Brandverletzungen auf 54 Intensivstationen in 14 Ländern die Wirkung und Sicherheit von Glutamin untersucht. Die Betroffenen hatten Verbrennungen zweiten oder dritten Grades, das heißt, mindestens 15 Prozent der Gesamtkörperfläche war betroffen, im Schnitt waren es 33 Prozent.“

RE-ENERGIZE ist die weltweit größte Studie im Bereich der Verbrennungsmedizin. Geleitet wurde sie von Prof. Dr. Daren K. Heyland von der Clinical Evaluation Research Unit at Kingston General Hospital und unterstützt vom Canadian Institutes of Health Research (CIHR). Christian Stoppe, der im Juni 2022 von Aachen nach Würzburg kam, arbeitet seit vielen Jahren eng mit Heyland zusammen und hat als Co-Investigator die Studie nach Deutschland geholt und koordiniert.

Effekt auf Dauer des Klinikaufenthaltes, Infektion und Sterblichkeit

Konkret hat das internationale Team in der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten RE-ENGERGIZE-Studie untersucht, welchen Einfluss enterales Glutamin, also über eine Magensonde oder oral verabreicht, auf die Sterblichkeit hat, auf Infektionen, auf die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation und im Krankenhaus, auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und auf die Ressourcen des Gesundheitswesens. Kurz: Schadet die Intensivmedizin mit der Glutamin-Supplementierung den Patientinnen und Patienten mit schweren Verbrennungen oder rettet sie Leben?

Weder noch lautet die Antwort, die jetzt in The New England Journal of Medicine detailliert** veröffentlicht wurde. „Unsere Daten zeigen, dass die zusätzliche Gabe von Glutamin hingegen der vielen kleinen Studien keinen zusätzlichen Nutzen hat. Es ist aber auch nicht gefährlich. Die Empfehlung für die Glutamingabe muss jedoch aufgrund der Studie nun revidiert werden müssen“, kommentiert Christian Stoppe.

Welchen Nutzen hat Vitamin C?

„Auf dieser Studie aufbauend führen wir nun in diesem internationalen Netzwerk die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte VICToRY-Studie*** durch. Darin überprüfen wir den Nutzen von Vitamin C bei der Genesung von kritisch kranken Verbrennungspatientinnen und -patienten“, berichtet Christian Stoppe, der diese Studie ebenfalls gemeinsam mit Professor Heyland aus Kanada leitet.

Verbrennungen stellen Stoppe zufolge weltweit ein bedeutendes, aber oft unterschätztes Problem der öffentlichen Gesundheit dar. Sie sind die vierthäufigste Verletzung und betreffen oft Personen im jungen bis mittleren Lebensalter, resultierend aus Berufs- und Freizeitunfällen. Verbrennungen sind die Hauptursache für fortbestehende signifikante Einschränkungen nach der Erkrankung. Mehr als bei jeder anderen Form von kritischen Erkrankungen können aufgrund der schweren Brandverletzungen Entzündungsreaktionen auftreten, wodurch die Immunfunktion beeinträchtigt wird und ein erhöhtes Risiko für Organfunktionsstörungen besteht. Verschiedene Ernährungs- und Nährstoffstrategien könnten dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken und somit den Heilungsprozess zu begünstigen.

Link zur Studie DOI: 10.1056/NEJMoa2203364
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2203364

 

*RE-ENERGIZE - RandomizEd Trial of ENtERal Glutamine to minimIZE Thermal Injury

**Es wurden 1209 Patienten mit einer durchschnittlichen Verbrennungsgröße von 33 % randomisiert und 1200 analysiert. 596 erhielten eine Glutamin-Supplementierung, 604 ein Placebo. Die mittlere Zeit bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus betrug 40 Tage in der Glutamin-Gruppe gegenüber 38 Tagen in der Placebo-Gruppe. Die 6-Monats-Mortalitätsrate betrug 17,2 % in der Glutamin-Gruppe gegenüber 16,2 % in der Placebo-Gruppe. Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen wurden keine Unterschiede festgestellt.

***VICToRY-Studie: gepris.dfg.de/gepris/projekt/462841520;

Der bessere Blick auf die Anderen

Eine realistische Einschätzung der eigenen sozialen Gruppe kann dazu beitragen, die Einstellung gegenüber anderen Gruppen zu verbessern. Das zeigt eine neue Studie der Würzburger Universitätsmedizin.

Wir sind wir und die anderen sind eben – anders. Das Gefühl, einer bestimmten Gruppe anzugehören, die sich klar von anderen Gruppen unterscheidet, ist vermutlich eine menschliche Eigenschaft, die an niemandem vorübergeht. Damit verbunden sind in der Regel ebenso klare Vorstellungen darüber, worin sich die Anderen von einem selbst unterscheiden: In der 1b sitzen lauter Streber, findet die 1a; Frauen können schlecht einparken, sagen Männer; Spanier sind nie pünktlich, glauben Deutsche.

Wie sich solche Vorurteile oder – neutraler formuliert – diese Form der Voreingenommenheit beeinflussen lassen: Das hat jetzt ein Team von Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz untersucht. Verantwortlich dafür war Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums, zusammen mit Philippe Tobler, Professor für Neuroökonomie und Soziale Neurowissenschaften an der Universität Zürich. In der Fachzeitschrift The Journal of Neuroscience hat das Team die Ergebnisse seiner Untersuchungen veröffentlicht.

Neue Erfahrungen verändern die Einschätzung

„Unsere Studie zeigt, dass eine realistische Einschätzung der Eigenschaften der Gruppenmitglieder, denen man sich selbst zugehörig fühlt, dazu beiträgt, die eigene Gruppe anderen gegenüber weniger stark zu bevorzugen“, erläutert Hein das zentrale Ergebnis ihrer Untersuchungen. Oder, anders formuliert: Wer sich darüber im Klaren ist, dass in der eigenen Gruppe auch nicht alles perfekt ist, fällt nicht so schnell ein negatives Urteil über andere.

Das ist allerdings nur ein Teil der jetzt veröffentlichten Ergebnisse. Hein und ihr Team haben sich auch dafür interessiert, auf welche Weise solch eine realistische Einschätzung zu erreichen ist: eher durch Lernen aus Erfahrungen mit den Mitgliedern der anderen Gruppe oder vielleicht doch über neue – und möglicherweise realistischere – Erfahrungen mit den scheinbar vertrauten eigenen Gruppe.

Auch hier zeigt die Studie ein eindeutiges Ergebnis: „Obwohl unsere Probanden sowohl von Erfahrungen mit der eigenen als auch mit der fremden Gruppe lernten, hatten die neuen Erfahrungen mit der eigenen Gruppe einen stärkeren Effekt. Wenn diese Erfahrungen negativ waren, verringerte das die Bevorzugung der eigenen Gruppe im Vergleich zur Fremdgruppe. Je stärker die Identifikation anfangs ist, desto ausgeprägter ist diese Verringerung“, erklärt die Neurowissenschaftlerin.

Eine Studie mit zwei Gruppen

Durchgeführt wurde die Studie an der Universität Zürich. Dabei traf eine Gruppe Schweizer Teilnehmer auf eine Gruppe, deren Familien aus dem Nahen Osten stammten. Den Schweizer Probanden wurde mitgeteilt, dass sie während des Versuchs über eine Elektrode schmerzhafte Stimulationen am Handrücken erhalten würden. Allerdings könnte eine der anwesenden Personen, entweder ein Schweizer oder eine Person mit familiärem Hintergrund aus dem Nahen Osten, die Stimulation verhindern. Allerdings würde sie damit auf Geld verzichten, das sie sonst erhalten würde.

Tatsächlich war der Ablauf des Experiments allerdings an diesem Punkt „manipuliert“. „Prinzipiell blieb der schmerzhafte Schock in 75 Prozent aller Fälle aus – unabhängig davon, ob ihn Mitglieder der eigenen oder der fremden Gruppe verhindern sollten“, erklärt Grit Hein. Dementsprechend waren für die Versuchsperson mit der Elektrode die objektiven Erfahrungen mit den beiden Gruppen in allen Fällen gleich und überwiegend positiv.

Fragen zu Sympathie und Gruppenzugehörigkeit

Wie wirkt sich diese Erfahrung aus? Auskunft darüber gaben die Antworten der Teilnehmer auf einem Fragebogen, den sie vor und nach dem Lernexperiment bearbeiten mussten. Teil dieses Fragebogens waren Fragen zur Gruppenzugehörigkeit – „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das Wort ‚wir‘ verwenden, um sich selbst und diese Personen zu beschreiben?“, zur Ähnlichkeit – „Wie viel haben Sie mit diesen Personen gemeinsam?“ und zur Sympathie – „Wie wohl fühlen Sie sich bei der Vorstellung, diese Personen in Zukunft zu treffen?“.

In die Auswertung einbezogen wurden auch Einschätzungen der Versuchsperson während des Experiments zu der Frage, wie sehr er mit einer schmerzhaften Stimulation rechne, nachdem ihm der Versuchsleiter mitgeteilt hatte, welche der beiden Gruppen in dem jeweiligen Durchgang seine Schmerzen abwenden könne – die Schweizer oder die mit Migrationshintergrund.

Eindeutige Aktivitätsmuster im Gehirn

Während die Probanden Hilfe von einem Mitglied der eigenen oder der fremden Gruppe erhielten, wurde ihre Hirnaktivierungen mit Hilfe eines Kernspintomographen aufgezeichnet.

Die Ergebnisse zeigten, dass die veränderte Einschätzung der eigenen und der Fremdgruppe mit einer veränderten Interaktion zwischen zwei bestimmten Hirnarealen einhergeht: „Auf neuronaler Ebene standen diese Prozesse im Zusammenhang mit der Kopplung zwischen dem linken unteren Parietallappen und der linken vorderen Insula, Regionen also, die mit der Aktualisierung von Eindrücken in Verbindung gebracht werden“, erklärt Grit Hein.

Wichtige Belege für die Prägung sozialer Eindrücke

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie wir von Erfahrungen mit Mitgliedern der eigenen und fremder Gruppen lernen und wie diese Erfahrungen unsere Einstellung gegenüber diesen Gruppen prägen“, fasst Grit Hein das Ergebnis der Studie zusammen. Sie würden die Lernprozesse und neuronalen Prozesse aufzeigen, durch die sich Einstellungen durch Erfahrungen dynamisch verändern.

Wenn also Menschen Erfahrungen machen, die sich nicht mit ihren Erwartungen decken, gleicht sich ihr Urteil über Angehörige einer fremden Gruppe ihrem Urteil über die Mitglieder der eigenen Gruppe an. Eine realistische Einschätzung der eigenen Gruppe ist demnach eine vielversprechende Strategie, um deren Bevorzugung zu mindern – eine Erkenntnis, die praktische Auswirkungen auf die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Gruppen haben könnte.

Originalpublikation

Learning from Ingroup Experiences Changes Intergroup Impressions. Yuqing Zhou, Björn Lindström, Alexander Soutschek, Pyungwon Kang, Philippe N. Tobler and Grit Hein. Journal of Neuroscience 29 July 2022, JN-RM-0027-22; DOI: doi.org/10.1523/JNEUROSCI.0027-22.2022