Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: 2.178 Entbindungen an der Frauenklinik im Jahr 2021

Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie kamen an der Frauenklinik des Würzburger Universitätsklinikums bei 2.178 Entbindungen 2.261 Kinder zur Welt – ein neuer Höchstwert.

Bilder zeigen Neugeborene
Eine kleine Auswahl der im Jahr 2021 an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik geborenen Kinder. Bilder: Thomas Firsching (3), privat (1)
Bild Zwillinge
In 2021 gab es an der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg 81 Zwillingsgeburten. Bild: privat

Im Jahr 2021 fanden an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik 2.178 Entbindungen statt – eine nochmalige Steigerung zu den 2.112 Geburten des bisherigen Rekordjahrs 2020. Da es im vergangenen Jahr 81 Zwillings- und eine Drillingsgeburt am Uniklinikum Würzburg (UKW) gab, erblickten insgesamt 2.261 Kinder das Licht der Welt.

Herausfordernde Pandemiebedingungen gemeistert

„Nicht nur wegen der hohen Geburtenzahl war 2021 für mein Team erneut ein besonders herausforderndes Jahr“, kommentiert Prof. Dr. Achim Wöckel. Nach den Worten des Direktors der UKW-Frauenklinik mussten zum einen die mit der Pandemie verbundenen, aufwändigen Infektionsschutzmaßnahmen umgesetzt werden. „Zum anderen war besonders viel Empathie und Beratung gefragt. Schließlich waren viele Schwangere und deren Familien neben den häufig generell mit einer Entbindung verbundenen Ängsten durch das Thema Corona zusätzlich besorgt“, berichtet Prof. Wöckel. Umso dankbarer ist der Klinikdirektor den Hebammen, Ärztinnen und Ärzten sowie den Mitarbeiterinnen aus Pflege und Stillberatung für die täglich mit größtem Engagement und sehr viel Herzblut geleistete Arbeit.

Die beliebtesten Kindernamen 2021

Zu den beliebtesten Namen bei den letztjährig am Uniklinikum Würzburg geborenen Mädchen zählen Ella, Emilia, Emma, Sophia, Lara, Lina, Mila, Anna, Lea und Lena. Bei den Buben gehören Leon, Theo, Elias, Felix, Paul, Leo, Alexander, Luca, Ben und Luis zu den Favoriten.

Das erste Kind des Jahres

Als erstes Kind des Jahres 2022 in der Frauenklinik des UKW kam am Neujahrsmorgen um 5:15 Uhr Moritz zur Welt.

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Uniklinikum Würzburg: Adventskonzert erneut als Live-Stream

Das Bläserquartett Blechschmitt sorgte mit einem ehrenamtlichen Online-Konzert für vorweihnachtliche Stimmung am Uniklinikum Würzburg.

Es ist schon eine kleine Tradition: Seit einigen Jahren bringen lokale Musikerinnen und Musiker in der Adventszeit bei einem Konzert ehrenamtlich vorweihnachtliche Stimmung auf die Palliativstation des Uniklinikums Würzburg (UKW). Seit dem Beginn der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Infektionsschutzvorgaben ist ein direkter Auftritt in den Räumen der Station allerdings unmöglich. Wie schon 2020 organisierte Dr. Carmen Roch, Oberärztin des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin, stattdessen auch in diesem Jahr wieder eine Online-Live-Übertragung. Am 21. Dezember 2021 kam zu diesem Konzert im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin an der Oberdürrbacher Straße das Bläserquartett Blechschmitt zusammen: die Trompeter Peter Schilling und Michael Schmitt, der Posaunist Martin Dieser sowie Georg Leitner an der Tuba. Marion Mack von der ökumenischen Klinikseelsorge des UKW leitete die Veranstaltung mit einem spirituellen Impuls ein. Das rund einstündige Konzert mit swingenden, jazzigen und klassischen Weihnachtsliedern wurde gefilmt und simultan über die Online-Plattform Skype for Business übertragen. Außerdem war die Aufzeichnung über das klinikinterne Fernsehprogramm abrufbar. 

„Erneut konnten auf diesem Weg nicht nur auf der Palliativstation, sondern auch auf allen anderen Stationen des Klinikums Patientinnen und Patienten an der bewegenden Veranstaltung teilnehmen“, berichtet Dr. Roch und fährt fort: „Speziell in deren Namen bedanke ich mich herzlich bei den Künstlern für ihr großartiges musikalisches Geschenk. Vielen Dank auch an die Kollegen der Krankenhaushygiene für das erforderliche Hygienekonzept sowie an Günther Reimherr und sein Team vom Servicezentrum Medizin-Informatik für die technische Umsetzung!“

 

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Kampf gegen die Therapieresistenz

Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome sind eine besonders therapieresistente Krebsart. Ein Forschungsteam der Uni Würzburg will nun herausfinden, ob diese Krebsart durch die Hemmung eines bestimmten Proteins bekämpft werden kann.

Viele Krebsarten stellen aufgrund von vielen Mutationen für die Medizin eine besonders große Herausforderung dar. Die Behandlung für Betroffene ist dann äußerst komplex und nur selten von Erfolg gekrönt. Ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg konnte 2020 bei Plattenepithelkarzinomen eine Schwachstelle identifizieren: Das Protein Deubiquitylase USP28. Das in dieser Krebsart besonders wichtige und häufig vorkommende Protein ∆Np63 kann bislang nicht direkt angegriffen werden, ist aber von USP28 abhängig. Greift man also USP28 an, kann man damit auch den Krebs angreifen.

Hinter dieser Entdeckung steht eine internationale Studie, federführend waren hierbei Dr. Markus Diefenbacher und sein Team vom Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie I am Biozentrum der JMU. Diefenbacher will mit seinem Team nun einen Schritt weitergehen und die Rolle von USP28 beim Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom untersuchen, welches ebenfalls sehr häufig als nicht therapierbar gilt.

Das bisherige Forschungsprojekt zu USP28 geht daher in die nächste Runde und wird mit rund 450.000 Euro von der Deutschen Krebshilfe gefördert. In dem Projekt „Inhibition von USP28 mittels ‚small molecules‘ als therapeutischer Ansatz zur Überwindung der Therapie-Resistenz des Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms“ sollen ab Januar 2022 drei zentrale Punkte untersucht werden.

Drei zentrale Forschungspunkte

Punkt Eins: „Für die Tumorentstehung müssen sich Zellen verändern. Zum Beispiel durch unkontrollierte Zellteilung oder Stoffwechseländerungen“, erklärt Diefenbacher. Das Forschungsteam will herausfinden, ob USP28 bereits in einem extrem frühen Stadium, während der Entstehung eines Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, eine Rolle spielt. Falls ja, könnte ein sehr früher Therapieansatz zur Hemmung von USP28 das Wachstum von Krebszellen unterdrücken.

Punkt Zwei: Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome sind sehr therapieresistent, die Überlebenschancen sind für Betroffene gering. „Der Tumor passt sich häufig an und kehrt nach einer Chemotherapie zurück“, so Diefenbacher. Das Team will untersuchen, ob die Hemmung von USP28 mit dem Arzneistoff Cisplatin kooperiert und die Therapie mittels dieses Chemotherapeutikums verbessert. „Die Therapie könnte dann besser funktionieren und der Krebs könnte sich nach einer Chemo nicht mehr erholen.“

Punkt Drei: Der dritte Forschungsbereich beschäftigt sich neben der Chemotherapie mit der Immuntherapie. Dem Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen gelingt es, der körpereigenen Immunabwehr zu entgehen. Mit der Reduktion von USP28 wollen Diefenbacher und sein Team überprüfen, ob eine Krebstherapie mit Antikörpern eine bessere Behandlungsmöglichkeit darstellt.

Kontakt

Dr. Markus Diefenbacher, Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie I, Biozentrum der Universität Würzburg, T. +49 931 31-88167, markus.diefenbacher@ uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online Magazin der Universität Würzburg vom 21.12.2021

Das Uniklinikum Würzburg startet Corona-Schnelltestzentrum

Ab dem 20. Dezember 2021 bietet das Uniklinikum Würzburg täglich Corona-Schnelltests an. Der Service soll vor allem den Besuch von Patientinnen und Patienten des Klinikums vereinfachen.

Heute nahm das Uniklinikum Würzburg (UKW) auf seinem Campus an der Josef-Schneider-Straße ein Corona-Schnelltestzentrum in Betrieb. „Mit diesem Angebot wollen wir besonders den Besuch unserer Patientinnen und Patienten erleichtern, denn aktuell ist für deren Familien und Freunde der Zugang zum Klinikum nur nach der 2G-Plus-Regelung möglich – also mit Impf- oder Genesungsbescheinigung plus zusätzlich negativem Testergebnis“, erläutert Prof. Dr. Jens Maschmann. Der Ärztliche Direktor des UKW betont, dass das Testzentrum allerdings im Rahmen der sogenannten Bürgertestung selbstverständlich auch anderen Bevölkerungsgruppen sowie den Klinikumsbeschäftigten offenstehe. Möglich ist eine Testung ab einem Alter von einem Jahr. Im Angebot sind ausschließlich Antigen-Schnelltests.

Das Zentrum befindet sich in einem beheizten Großzelt auf der Freifläche hinter der in Gebäude D8 untergebrachten Hautklinik. Es ist nur zu Fuß oder mit dem Shuttlebus des Klinikums zu erreichen. In der Nähe des Testzentrums gibt es keine Parkmöglichkeiten. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag zwischen 6:30 und 17:00 Uhr sowie samstags und sonntags von 12:00 bis 17:00 Uhr. Feiertags sowie am 24. und 31.12.2021 ist das Testzentrum geschlossen.

Für die Testung ist eine Anmeldung erforderlich unter www.ukw.de/patienten-besucher/schnelltestzentrum

 

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Uniklinikum Würzburg: Mit drei weiteren Fachzentren für Seltene Erkrankungen Teil der Europäischen Referenznetzwerke

Europäische Referenznetzwerke sollen die Behandlung von Menschen mit Seltenen Erkrankungen verbessern. Durch die aktuelle Aufnahme von drei weiteren Fachzentren ist das Uniklinikum Würzburg jetzt an sieben dieser Netzwerke beteiligt. Bei den Neuzugängen geht es um seltene Bewegungsstörungen, angeborene Anämien und Blutplättchendefekte sowie primäre Immundefekte und autoinflammatorische Erkrankungen.

Um europaweit das Expertenwissen und die Ressourcen bei komplexen oder Seltenen Krankheiten zu bündeln, gibt es seit dem Jahr 2017 die sogenannten Europäischen Referenznetzwerke, kurz ERN. Insgesamt existieren 24 solche Netzwerke – an vier davon ist das Uniklinikum Würzburg (UKW) von Beginn mit Fachzentren beteiligt. Kürzlich wurden UKW-Zentren in drei weitere ERN aufgenommen. So ist jetzt das Zentrum für Seltene Bewegungsstörungen – geleitet vom Neurologen Dr. Thomas Musacchio – Teil des ERN für neurologische Krankheiten (ERN-RND). Das interdisziplinäre Zentrum für angeborene Blutzell-erkrankungen mit seinem Sprecher, Privatdozent Dr. Oliver Andres, gehört nun dem ERN für Bluterkrankungen (ERN EuroBloodNet) an. Der Kinder-Hämatologe hat ein Speziallabor aufgebaut, das Blutproben aus ganz Deutschland auf vererbbare Erkrankungen der roten Blutkörperchen untersucht. Als dritte Struktur ist das von dem Pädiater Privatdozent Dr. Henner Morbach geführte Zentrum für primäre Immundefekte und autoinflammatorische Erkrankungen beteiligt am ERN für Immundefizienz, autoinflammatorische und Autoimmunerkrankungen (ERN RITA).

Auch eine Anerkennung der Würzburger Expertise

Die Dachstruktur über den genannten Zentren ist das am UKW angesiedelte Zentrum für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern. Dessen Direktor, Prof. Dr. Helge Hebestreit, berichtet: „Für die Aufnahme dieser sogenannten B-Zentren mussten wir einen langen und aufwändigen Evaluierungsprozess der Europäischen Union durchlaufen.“ Der Stellvertretende Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik fährt fort: „Als Haupteffekt der Beteiligung können unsere Patientinnen und Patienten von der in den Netzwerken vereinigten, internationalen Fachkompetenz profitieren. Darüber hinaus drückt die Aufnahme in diese Struktur auch eine besondere, europaweite Anerkennung unserer eigenen Expertise aus.“

Neben den drei Neuzugängen sind UKW-Fachzentren seit bald fünf Jahren an den Netzwerken für seltene Hauterkrankungen (ERN Skin), für seltene Hormonstörungen (Endo-ERN), für seltene Krebserkrankungen im Erwachsenenalter (ERN EURACAN) sowie für seltene Lungenerkrankungen (ERN LUNG) beteiligt. 

 

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Drei Millionen Euro für RNA-basierte Medizin

Bayern fördert im Rahmen seiner Elitenetzwerk-Initiative die Ausbildung künftiger Führungskräfte in der RNA-basierten Medizin. Über einen Zeitraum von zunächst vier Jahren stellt der Freistaat gut drei Millionen Euro bereit, um das neue Doktorandenkolleg „Future Leaders in RNA-based Medicine“ in Trägerschaft der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg zu etablieren. Kooperationspartner sind die Universität Regensburg sowie in München die Technische Universität und die Ludwig-Maximilians-Universität. Sprecher ist Jörg Vogel, Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) der JMU sowie des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI).

Die Coronavirus-Pandemie hat ein Biomolekül ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, das dem breiten Publikum zuvor kaum bekannt war. Ribonukleinsäure – kurz RNA – ist schnell zum Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie avanciert. Und tatsächlich konnten auf RNA-Basis innerhalb kürzester Zeit erste Impfstoffe entwickelt und zugelassen werden.

Führende Rolle in der RNA-Forschung

Dieser Erfolg baut auf jahrelanger intensiver Grundlagenforschung auf. Bayern nimmt in der RNA-Forschung dabei eine führende Rolle ein. Um diese Position zu sichern und auszubauen, den Transfer in die medizinische Anwendung zu befördern und die international besten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für den Standort zu gewinnen, fördert der Freistaat jetzt das neue internationale Doktorandenkolleg „Future Leaders in RNA-based Medicine“.

Im Rahmen seiner Initiative „Elitenetzwerk Bayern“ stellt er dafür circa 3,1 Millionen Euro über einen Zeitraum von zunächst vier Jahren bereit. Es besteht die Möglichkeit, dass sich eine weitere vierjährige Förderphase anschließt.

Breite Ausbildung für den weltweit besten Nachwuchs

Jörg Vogel, Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) an der JMU sowie des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und zugleich Sprecher des neuen Programms, erläutert das Konzept: „Wir wollen die weltweit besten Doktorandinnen und Doktoranden für die Zukunft der RNA-Präzisionsmedizin gewinnen und sie breiter ausbilden als dies in individuellen drittmittelfinanzierten Doktoranden¬projekten möglich ist. Internationale Sichtbarkeit und Vernetzung, extracurriculare Aktivitäten und Einblicke in die Industrie sind unter anderem die Parameter unseres integrativen Ansatzes, der unseres Wissens weltweit einmalig ist.“

Gemeinsam mit den am Programm beteiligten Standorten, der Universität Regensburg sowie der Technischen Universität München und der Ludwig-Maximilians-Universität München, soll so eine künftige Generation von Führungskräften in der RNA-basierten Medizin auf internationalem Parkett geschult werden. Zielsetzung ist es, herausragende wissenschaftliche Nachwuchstalente fit zu machen für Karrieren in Forschung und Industrie, aber auch als Unternehmerinnen oder politische Entscheidungsträger.

Renommiertes Instrument zur Begabtenförderung

„Mit dem Elitenetzwerk Bayern unterhält der Freistaat seit nunmehr über 15 Jahren ein national und international renommiertes Instrument zur Begabtenförderung vom Abitur bis in die Postdoc-Phase hinein“, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei der Bekanntgabe der neuen Doktorandenkollegs. Mit diesem Instrument erhielten die bayerischen Hochschulen die Chance, ungewöhnliche und experimentelle Formate in der Graduiertenausbildung zu verwirklichen. 

Nach seinen Worten bieten diese Kollegs bestmögliche Bedingungen, „um Hand in Hand mit unseren Nachwuchstalenten innovative, kreative und leidenschaftliche Spitzenforschung an den Zukunftsthemen unserer Gesellschaft zu realisieren.“

Internationale Expertenkommission

Die Auswahl der geförderten Projekte basiert auf einer Empfehlung einer hochkarätig besetzten internationalen Expertenkommission des Elitenetzwerks Bayern unter dem Vorsitz des ehemaligen Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Professor Peter Strohschneider. 

Links

Informationen zum Elitenetzwerk Bayern: https://www.elitenetzwerk.bayern.de/start

Informationen zu den Internationalen Doktorandenkollegs: 

https://www.elitenetzwerk.bayern.de/start/foerderangebote/internationale-doktorandenkollegs

 

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Einfach mal den Schalter umlegen

HIRI und Universität Cambridge entschlüsseln Protein in Cardioviren, das Infektionen verstärkt, aber auch hemmen kann

 

Würzburg, 14. Dezember 2021 – Forscher:innen vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) Würzburg und der Universität Cambridge haben bei der Analyse des 2A-Proteins von Cardioviren einen Gen-Schalter entschlüsselt. Durch eine besondere RNA-bindende Faltung in seiner Struktur aktiviert das Protein die sogenannte ribosomale Leserasterverschiebung und ermöglicht es dem Virus, sich zu vermehren. Zugleich kann eine Anhäufung von 2A diesen Prozess während der Infektion abschalten – eine virale Achillesferse, auf die künftige RNA-basierte Therapien zielen könnten. Die neuen Erkenntnisse wurden soeben im Fachmagazin Nature Communications publiziert.

Infektionen mit dem Enzephalomyokarditis-Virus (EMCV) betreffen unter anderem verschiedene Säugetiere wie etwa Schweine und Schimpansen. Doch auch der Mensch kann sich infizieren, Fieber und entzündliche Erkrankungen, etwa des Gehirns, sind die Folge. Wie andere Cardioviren – oder wie auch das hochinfektiöse Coronavirus SARS-CoV-2 – ist EMCV ein RNA-Virus: Sein Erbgut besteht aus Ribonukleinsäuren (RNA). Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben und nicht selbst Proteine erzeugen können, um sich zu vermehren, infizieren sie einen Wirt und dringen in dessen Zellen ein. Dort manipulieren sie den Translationsprozess, mit dessen Hilfe aus einer Boten-RNA (mRNA) Proteine gebildet werden, um ihre eigenen Proteine herzustellen: Sie übernehmen die Kontrolle über die Ribosomen – die Fabriken der Proteinsynthese.

Der Vermehrungstrick: proteinmodulierte Leserasterverschiebung 

Die Manipulation dieser zellulären Fabriken gelingt durch die ribosomale Leserasterverschiebung: Beim Ablesen und Übersetzen der genetischen Informationen in der Boten-RNA – einem streng kontrollierten Vorgang in einer bestimmten Reihenfolge, der innerhalb einer Ribosom genannten Zellstruktur stattfindet – wird eine Verschiebung des Leserasters hin zu einer anderen Stelle erzwungen. Dies ändert die Art, wie die gesamte Sequenz decodiert wird, und ermöglicht es, mehr als ein Protein aus einer einzigen Boten-RNA zu synthetisieren.

„Indem sie den Translationsmotor des Wirts kapern und das System korrumpieren, um ihre eigenen Proteine zu produzieren, haben sich Viren als furchterregende zelluläre Eindringlinge erwiesen“, sagt Neva Caliskan, Forschungsgruppenleiterin am Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und korrespondierende Autorin der Studie.

„In unserer aktuellen Arbeit haben wir uns darauf konzentriert zu untersuchen, wie dieser Prozess bei der EMCV-Replikation reguliert wird. Dem multifunktionalen 2A-Protein kommt dabei eine Schlüsselrolle zu“, ergänzt Ian Brierley, Gruppenleiter an der Pathologie der Universität Cambridge und neben Caliskan Mitinitiator der Untersuchungen.

Die Wissenschaftler:innen an der Universität Cambridge haben die Kristallstruktur von 2A gelöst und dabei eine neue Proteinfaltung und ihr Zusammenwirken mit den Ribosomen entdeckt. Chris Hill, einer der Erstautoren der Studie und inzwischen Gruppenleiter an der Universität York, erklärt: „Die Faltung ist ganz besonders und ähnelt keinem anderen bekannten Muster. Das lässt uns die jahrelangen Arbeiten darüber besser verstehen, wie das multifunktionale 2A-Protein mit seinen Zielen interagieren kann.“

Das Forscherteam konnte außerdem zeigen, wie die Proteinfaltung dazu beiträgt, dass das EMC-Virus an die RNA des Wirtsribosoms bindet. „Das Andocken des 2A-Proteins an die RNA stabilisiert deren Struktur und erzwingt eine Rasterverschiebung“, sagt Lukáš Pekárek, der ebenfalls zum Erstautorenteam der wissenschaftlichen Studie zählt. „Diesen Effekt konnten wir, hochaufgelöst durch unsere optischen Pinzetten, genau beobachten“, so der HIRI-Doktorand im Caliskan-Labor.

„Zu Beginn einer EMCV-Infektion ist das 2A-Protein noch nicht vorhanden, stattdessen sind andere Proteine aktiv, die das Virus zur Replikation seines Genoms benötigt“, sagt HIRI-Doktorandin Anuja Kibe, die ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat. Bei Fortschreiten der Infektion trete 2A dann gehäuft auf und stimuliere die Rasterverschiebung, die der Erreger braucht, um Proteine für die Produktion der Virusstruktur herzustellen.

„Die Bindefähigkeit von 2A und ihr stabilisierender Effekt auf die Wirts-RNA haben zur Folge, dass die Translationsmaschinerie gestoppt wird“, erklärt Pekárek. „Dieses besondere Protein wirkt also regelrecht wie ein Schalter, durch den die weitere Virusvermehrung gehemmt werden kann.“

Die weiterführende Forschung kann an dieser viralen Achillesferse ansetzen, um darauf zielende RNA-Technologien und -Therapeutika zu entwickeln und in die medizinische Anwendung zu bringen.

Über Cardioviren

Cardioviren gehören zu den kleinsten Viren, die es auf der Welt gibt. Ihr Durchmesser beträgt etwa 22 bis 30 Nanometer. Das ist etwa tausendmal kleiner als der Durchmesser eines Haares – und damit viel zu klein, um Viren dieser Größe unter einem Mikroskop sichtbar zu machen. RNAs, also Ribonukleinsäuren, aus denen das Genom dieser Viren besteht, sind nochmals kleiner. Wissenschaftler:innen am HIRI arbeiten deswegen unter anderem mit optischen Pinzetten. Diese ermöglichen es, molekulare Strukturen und RNA-Funktionen in atomarer Auflösung zu untersuchen.

Über das HIRI

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm will das Institut innovative therapeutische Ansätze entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Das HIRI ist ein Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und befindet sich auf dem Würzburger Medizin-Campus.

Publikation

Hill C H, Pekárek L, Napthine S, Kibe A, Firth A E, Graham S C, Caliskan N, Brierley I. Structural and molecular basis for Cardiovirus 2A protein as a viral gene expression switch. Nature Communications, 9. Dezember 2021. DOI: 10.1038/s41467-021-27400-7.

Die Studie wurde unter anderem aus Mitteln des Wellcome Trust, der Helmholtz-Gemeinschaft und des Europäischen Forschungsrats gefördert.

Pressebilder

Die komplette Medieninformation inkl. Bildmaterial können Sie hier einsehen (Link zur HIRI-Webseite).

 

HIRI-Medieninformation vom 14. Dezember 2021