Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Prof. Dr. Armin Wiegering für Verdienste in der Krebsforschung ausgezeichnet

Prof. Dr. Armin Wiegering von der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg wurde mit dem Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2020/2021 geehrt. Dieser zählt zu den höchsten Auszeichnungen für Verdienste in der Krebsforschung in Deutschland.

 

Mit dem Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis ehrt die Förderstiftung „MHH plus“ junge Krebsforscher*innen für ihre aktuelle wissenschaftliche Arbeit. Die Ausgabe 2020/2021 des von der Deutschen Hypothekenbank gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten Awards ging an Armin Wiegering. Der stellvertretende Klinikdirektor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg ist dort seit kurzem Professor für Onkologische Viszeralchirurgie. Laut der Laudatio des Preises beeindruckte der 40-jährige Mediziner das Kuratorium mit seiner gelebten Vision des „Clinician Scientist“, der vor allem in Bezug auf die Versorgungsrealität onkologischer Patient*innen den Spagat zwischen klinischem Alltag und Grundlagenforschung in einzigartiger Weise meistere.

Zielführende Forschung in Klinik und Labor

Prof. Wiegering kämpft seit Jahren in der Klinik und im Labor gegen den Darmkrebs. Im Jahr 2019 konnte er mit seiner Nachwuchsforschergruppe am Institut für Biochemie und Molekularbiologie I der Uni Würzburg neue Therapieansätze identifizieren. Die Wissenschaftler*innen konzentrierten sich dabei auf das APC-Gen von Tumorzellen, das bei 90 Prozent aller Fälle von Dickdarmkrebs mutiert ist. „Wir wollten Gene finden, die nur für das Überleben von Zellen mit APC-Mutation wichtig sind, nicht aber für gesunde Zellen“, erklärt der Professor. Die Suche war erfolgreich. Hemmten die Forscher*innen das Gen mit dem Namen eIF2B5, dann starben die mutierten Darmkrebszellen den sogenannten programmierten Zelltod. Gesunde Zellen dagegen verkrafteten die Hemmung des Gens ohne jegliche Beeinträchtigung. Von dieser Erkenntnis ausgehend will das Forschungsteam neue Behandlungsmethoden entwickeln und zudem weitere Gene untersuchen. Auch den Klinikalltag nimmt Armin Wiegering kritisch unter die Lupe. Im vergangenen Jahr konnte er gemeinsam mit seinem Team nachweisen, wie wichtig die Erfahrung der behandelnden Klinik für die Überlebenschancen der Darmkrebspatient*innen ist. Die Preisverleihung der „Förderstiftung MHH plus“ – MHH steht für Medizinische Hochschule Hannover – fand Ende Mai dieses Jahres im Rahmen einer Online-Konferenz statt.

 

Pressemitteilung "Prof. Dr. Armin Wiegering für Verdienste in der Krebsforschung ausgezeichnet"

Mit einem Pilzmedikament Prostatakrebs bekämpfen

Forschungsteams aus Würzburg und Heidelberg haben einen neuen Angriffspunkt zur Behandlung von Prostatakarzinomen entdeckt – mit einem Medikament, das sonst bei Pilzinfektionen eingesetzt wird.

 

Dass ein Medikament mehr als nur ein Krankheitsbild behandeln kann, ist nicht unbedingt selten. Dass es sich um sehr unterschiedliche Krankheitsbilder handelt und das Medikament zudem ein schweres Leiden wie Krebs behandeln könnte, ist jedoch ein bedeutender Fund. Forschende aus der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg, dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg ist nun ein solcher Fund gelungen: Mit dem Medikament Terbinafin bei Prostatakarzinomen.

Das Forschungsteam konnte in einer Studie aufzeigen, dass Prostatakarzinome große Mengen des Enzyms Squalen Epoxidase (SQLE) bilden. SQLE wird in Zellen für die Synthese von Cholesterin gebraucht und das Team konnte zeigen, dass das Enzym das Wachstum von Prostatakarzinomzellen fördert. Das Ziel war in einem nächsten Schritt die Blockade von SQLE.

Tumorzellen sterben ab

Die Blockade gelang mit dem Medikament Terbinafin. Dieses Medikament blockiert die Funktion von SQLE und wird normalerweise zur Behandlung von Pilzinfektionen verwendet. Bei Mäusen, denen humane Prostatakarzinomzellen implantiert wurden, zeigte die Gabe von Terbinafin ein Absterben von Tumorzellen und eine Reduktion des Tumorwachstums. Außerdem konnte das Team zeigen, dass eine SQLE-Blockade bei Prostatakarzinompatienten zu einer Reduktion des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) führte. Dieses wird im Blut von Prostatakarzinompatienten nachgewiesen und ist ein Marker für das Fortschreiten der Krankheit. „Unsere Studie hat gezeigt, dass SQLE eine neuartige Zielstruktur für die Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs sein könnte und dass Hemmstoffe von SQLE in klinischen Studien genauer untersucht werden sollten“, erklärt Almut Schulze, Professorin und Abteilungsleiterin am DKFZ. 

„Eine Weiterentwicklung des Wirkprinzips von Terbinafin könnte eine neue Therapie für Patienten mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen darstellen“, erklärt Dr. med. Charis Kalogirou, Oberarzt und Erstautor der Studie von der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie am UKW. „Ein solches ‚repurposing‘ von existierenden Medikamenten hat große Vorteile, da Wirkung und Sicherheitsprofile bereits bekannt sind.“

Klinische Studie als nächster Schritt

Der nächste Schritt wäre daher die Ausweitung der Studienergebnisse auf eine größere Gruppe von Patienten. „Daher prüfen wir gerade die Möglichkeiten für eine klinische Studie“, so Schulze.

Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse jetzt im Fachmagazin „Nature Communications“. Neben Kalogirou und Schulze waren Forschende des Lehrstuhls für Biochemie und Molekularbiologie um Professor Martin Eilers (Biozentrum JMU), Forschende der Klinik für Urologie und Kinderurologie unter der Leitung von Professor Hubert Kübler (UKW), Teams um Dr. Johannes Linxweiler (Universitätsklinik des Saarlands), Dr. Burkhard Kneitz (UKW), Dr. Mathias Rosenfeldt (Pathologisches Institut, JMU) sowie Forschende aus Erlangen, Innsbruck und Zürich an der Studie beteiligt. Finanziell unterstützt wurde die Arbeit durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Ferdinand-Eisenberger-Forschungsstipendium der Deutschen Gesellschaft für Urologie und das Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung der JMU.

Publikation

Kalogirou C, Linxweiler J, Schmucker P, Snaebjornsson MT, Schmitz W, Wach S, Krebs M, Hartmann E,  Puhr M, Müller A, Spahn M, Seitz AK, Frank T, Marouf H, Büchel G, Eckstein M, Kübler H, Eilers M, Saar M, Junker K, Röhrig F, Kneitz B, Rosenfeldt MT and Schulze A.: MiR-205-driven downregulation of cholesterol biosynthesis through SQLE-inhibition identifies therapeutic vulnerability in aggressive prostate cancer, Nature Communications 08/2021, doi: 10.1038/s41467-021-25325-9

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg 

Wirkmechanismus des potenziellen Corona-Medikaments Molnupiravir entschlüsselt

Die USA sicherten sich kürzlich 1,7 Millionen Dosen eines Wirkstoffs, der Covid-19-Patientinnen und Patienten helfen könnte. Molnupiravir bremste in vorläufigen Studien das Coronavirus SARS-Cov-2 bei seiner Vermehrung aus. Forschende am Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg haben jetzt den zugrundeliegenden molekularen Mechanismus aufgeklärt. Wie sie zeigen konnten, schleust der Wirkstoff RNA-ähnliche Bausteine in das Erbgut des Virus ein. Wird das Erbgut weiter vermehrt, entstehen fehlerhafte RNA-Kopien. Der Erreger kann sich dann nicht mehr ausbreiten. Molnupiravir wird derzeit in der Klinik erprobt.

 

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden zahlreiche wissenschaftliche Projekte weltweit vorangetrieben, die untersuchen, wie sich das neue Virus bekämpfen lässt. Forschende entwickeln auf Hochtouren diverse Impfstoffe und Medikamente – mit unterschiedlichem Erfolg. Letztes Jahr gewann der antivirale Wirkstoff Remdesivir an Aufmerksamkeit, als er als erstes COVID-19-Medikament zugelassen wurde. Studien, darunter Arbeiten von Patrick Cramer am MPI für biophysikalische Chemie und Claudia Höbartner von der JMU, zeigten jedoch, warum das antivirale Mittel bei Covid-19 eher schwach wirkt. 

Auch Molnupiravir ist ein antiviraler Wirkstoffkandidat, der ursprünglich als Grippemedikament entwickelt wurde. Basierend auf vorläufigen klinischen Studien verspricht die Substanz eine hohe Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2. „Zu wissen, dass ein neues Medikament anschlägt, ist wichtig und gut. Allerdings ist es genauso wichtig zu verstehen, wie Molnupiravir auf molekularer Ebene wirkt, auch um Einsichten für die weitere Entwicklung antiviraler Substanzen zu erhalten“, erklärt Max-Planck-Direktor Cramer. „Nach unseren Ergebnissen wirkt Molnupiravir in zwei Phasen.“ 

Mutationen im Erbgut stoppen das Virus

Molnupiravir wird nach oraler Einnahme erst durch die Verstoffwechselung im Körper aktiviert. Körperzellen nehmen das Mittel auf und wandeln es in RNA-ähnliche Bausteine um. In der ersten Phase schleust die virale Kopiermaschine, RNA-Polymerase genannt, die Bausteine in das Virus-RNA-Erbgut ein. Im Gegensatz zu Remdesivir, das die virale RNA-Polymerase ausbremst, beeinträchtigt Molnupiravir die Funktion der Kopiermaschine allerdings nicht direkt.

Stattdessen verbinden sich die RNA-ähnlichen Bausteine in der zweiten Phase mit den Bausteinen des viralen Erbguts. „Wird dieses vervielfältigt, um neue Viren zu produzieren, enthält es zahlreiche Fehler, sogenannte Mutationen. Dadurch kann sich der Erreger nicht mehr vermehren“, erläutert Florian Kabinger, Doktorand in Cramers Abteilung. Gemeinsam mit den anderen Erstautoren, Carina Stiller und Jana Schmitzová, führte er die entscheidenden Experimente für die Studie durch. Der Zwei-Phasen-Wirkmechanismus von Molnupiravir scheint auch bei anderen RNA-Viren Mutationen auszulösen und diese somit an einer weiteren Ausbreitung zu hindern. „Mit dem Wirkstoff ließe sich möglicherweise ein ganzes Spektrum von viralen Erkrankungen behandeln“, sagt Höbartner, Professorin für Chemie an der JMU. „Molnupiravir hat viel Potenzial.“ 

Zurzeit befindet sich der vielversprechende Wirkstoff in der letzten Entwicklungsphase (Phase III), in der er an einer großen Zahl von Patientinnen und Patienten erprobt wird. Ob Molnupiravir wirklich sicher ist und als Medikament zugelassen werden kann, wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte bekannt. Die US-Regierung ist dabei optimistisch: Sie hat sich bereits rund 1,7 Million Dosen im Wert von über einer Milliarde Dollar gesichert. 

Publikation

Kabinger F*, Stiller C*, Schmitzová J*, Dienemann C, Hillen HS, Höbartner C, & Cramer P: Mechanism of molnupiravir-induced SARS-CoV-2 mutagenesis. Nat Struct Mol Biol (2021), doi: https://doi.org/10.1038/s41594-021-00651-0
(*gleichwertiger Beitrag)

Weblinks

https://go.uniwue.de/hoebartner-group – Webseite der Gruppe Organische und biomolekulare Chemie, Julius-Maximilians  Universität Würzburg

https://www.mpibpc.mpg.de/de/cramer – Webseite der Abteilung Molekularbiologie von Patrick Cramer, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen

Kontakt

Prof. Dr. Claudia Höbartner, Institut für Organische Chemie, Universität Würzburg, T. +49 931 31-89693, claudia.hoebartner@ uni-wuerzburg.de  

Prof. Dr. Patrick Cramer, Abteilung Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, T. +49 551 201-2800, patrick.cramer@ mpibpc.mpg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 16.08.2021

Uniklinikum Würzburg: Neuer Experte für die Herausforderungen der Pflege

Seit Anfang Juli dieses Jahres ist Marcus Huppertz der neue Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg. Die Bindung des bestehenden Pflegepersonals und die Akquise neuer Mitarbeiter*innen zählen zu den wesentlichen Aufgaben, mit denen sich der basisnahe Manager in den kommenden Jahren beschäftigen wird.

Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg
Marcus Huppertz ist der neue Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg.

Ende August 2020 beendete Günter Leimberger seine Arbeit als Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg (UKW), um sich neuen beruflichen Aufgaben am Klinikum Nürnberg Nord zuzuwenden. Der Vorstandsposten, der für den weitaus größten Teil der insgesamt über 7.300 Beschäftigten des mainfränkischen Krankenhauses der Supramaximalversorgung zuständig ist, wurde zum 1. Juli dieses Jahres mit Marcus Huppertz neu besetzt.

Der gebürtige Rheinländer (Jahrgang 1970) kann sich neben rund zwölf Jahren in Pflegemanagementpositionen auf Berufserfahrungen aus über zwei Jahrzehnten am Krankenbett stützen. Diese starteten im Jahr 1988 mit seiner Ausbildung zum Krankenpfleger am Universitätsklinikum Bonn. „Ich wollte damals gerne mit Menschen arbeiten sowie einen krisensicheren und gleichzeitig sinnstiftenden Job“, erinnert sich Marcus Huppertz und fährt fort: „Die Krankenpflege war dafür genau das Richtige und ich habe es nie bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben.“ Besonders fesselte ihn die Tätigkeit auf der Intensivstation. Er war und ist nach eigenen Worten auch heute noch begeistert von der Leistungsfähigkeit der Intensivmedizin und von der pflegerischen Arbeit im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Folgerichtig schloss Huppertz 1998 die Ausbildung zum Fachkrankenpfleger Anästhesie und Intensivmedizin ab.

Zur Managementkarriere aufgefordert

In den folgenden Jahren stieg er zum stellvertretenden Stationsleiter der Chirurgischen Intensivstation auf. Seine kritisch-konstruktiven Anmerkungen zu verbesserungswürdigen Abläufen und sein „Blick über den Tellerrand“ erregten die Aufmerksamkeit von Alexander Pröbstl, des Pflegedirektors am Universitätsklinikum Bonn. Zusammen mit der Aussicht auf eine Tätigkeit im Team der Pflegedirektion forderte dieser Marcus Huppertz auf, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Dieser folgte dem Rat seines Mentors und schloss innerhalb von drei Jahren ein berufsbegleitendes Präsenzstudium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Duisburg Krefeld ab. „Eine harte Zeit, die mir aber in der Folge in Bonn eine Karriere in der Pflegebereichsleitung bis hin zum stellvertretenden Pflegedirektor ermöglichte“, kommentiert der Diplom-Betriebswirt.

Würzburg liegt näher an Bonn

Im Jahr 2014 wechselte er als Pflegedirektor an die Kliniken der Stadt Köln. „Nach gut vier Jahren an diesem kommunalen Haus zog es mich zurück in die von mir besonders geschätzte Universitätsmedizin“, berichtet Huppertz. Deshalb nutze er 2018 die Chance, die Pflegedirektion des LMU-Klinikums der Universität München zu übernehmen – seine letzte Position vor Würzburg. Warum jetzt der Wechsel aus einer vergleichbaren Stellung ans UKW? „Mein familiärer Lebensmittelpunkt war immer und bleibt auch in Zukunft Bonn“, erläutert der heimatverbundene Vater von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern. Er fährt fort: „Als ‚Wochenendheimfahrer‘ ist Würzburg mit seiner hervorragenden ICE-Anbindung für mich deutlich heimatnäher als München, was einen großen Gewinn an Lebensqualität bedeutet.“

Werben für einen hochattraktiven Beruf

In den ersten Wochen seit dem Dienstantritt erlebte er das UKW als Klinikum mit einer sehr hohen, loyalen Bindung der Pflegekräfte. „Das liegt nach meinen ersten Eindrücken daran, dass das UKW ein richtig guter Arbeitgeber ist, der viel für seine Beschäftigten tut. Allein die hohe Übernahmequote nach der Fachausbildung von um die 75 Prozent spricht für sich“, betont der neue Direktor. Dennoch steht die Pflege am Uniklinikum Würzburg – wie in der gesamten deutschen Gesundheitslandschaft – vor bedeutenden Herausforderungen. „Ich mag zwar den Begriff ‚Pflegenotstand‘ überhaupt nicht, aber Fakt ist, dass derzeit einerseits sehr viele Beschäftigte aus geburtenstarken Jahrgängen das Renteneintrittsalter erreichen und wir andererseits viel zu wenig Nachwuchs im Inland haben“, verdeutlicht Huppertz. Um hier gegenzusteuern, gibt es aus seiner Sicht diverse Ansatzpunkte. Zum Beispiel müsse massiv an der Außendarstellung der Krankenhaus-Pflege gearbeitet werden. Huppertz: „Es stimmt einfach nicht, dass alle Pflegekräfte eklatant von Covid-19 oder multiresistenten Keimen bedroht sind, am Boden liegen und jeden Abend heulend nach Hause gehen.

Tatsächlich ist die Pflege ein hochattraktiver, erfüllender Beruf mit sehr guten und differenzierten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie einer festgeschriebenen 38,5 Stunden-Woche. Und die Bezahlung ist zwar ausbaufähig, aber schon derzeit nicht schlecht.“ Ein Karrierepfad in der Pflege könne beispielsweise auch über eine einjährige Krankenpflegehilfeausbildung gestartet werden. „Damit bieten wir auch jenen Menschen Optionen für hochwertige Qualifikationsniveaus an, die wohlmöglich ansonsten kaum eine Perspektive finden würden“, ist sich Huppertz sicher.

Appell für ein differenzierteres Tarifsystem

Was die Bezahlung angeht, ist seiner Meinung nach ein Umdenken in der Politik gefragt. „Wir brauchen keine Corona-Prämien, wir brauchen ein vernünftiges, differenzierteres Tarifsystem für alle Berufsgruppen des hochkomplexen Systems Krankenhaus“, fordert der Manager. Nach seinen Beobachtungen entwickelt sich derzeit neben dem Tarifsystem ein System der Leiharbeit, bei dem der Teamgeist verlorengehe. Dem könne man entgegenwirken, indem man innerhalb des Tarifsystems ein besseres Lohngefüge anbietet.

„Neben einer besseren Bezahlung – beispielsweise für Pflegerinnen und Pfleger, die eine Fachweiterbildung absolviert haben – oder attraktiven Lösungen für Frauen, die als Mütter in Teilzeit in ihren Job zurückkehren wollen, ist die Arbeitszufriedenheit ein wichtiger Faktor“, unterstreicht Huppertz. Beispielweise müsse an Ausfallkonzepten gearbeitet werden, die deutlich mehr Dienstplanstabilität als bisher sicherstellen: „Wir müssen uns von althergebrachten Dienstplansystemen lösen, in denen die Dienstplanerinnen und -planer beispielsweise einen Krankheitsausfall planen sollen, von dem sie im Moment der Planung noch überhaupt nicht wissen können, wann er konkret entsteht. Stattdessen gilt es, adäquate Lösungen mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf finden.“

Für eine lösungsorientierte Kommunikation mit der Basis

Generell sollten nach seiner Auffassung Personalakquise und Personalbindung als Aufgaben gleichberechtigt nebeneinander stehen. Für Letztere sieht er eine ganze Palette an Maßnahmen – von einer noch besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis zur Wertschätzung in Form von flexiblen Arbeitszeiten. „Auch eine lösungsorientierte Kommunikation mit der Basis gehört hierher – ein Punkt, für den ich mich persönlich besonders engagiere“, sagt die Führungskraft.

Auslandsakquise mit Augenmaß

Bei aller möglichen Aufwertung des Pflegeberufes im Inland wird das UKW in Zukunft auch eine verstärkte Auslandsakquise betreiben müssen, um die Stellen zu besetzen. Dabei ist sich der Pflegedirektor der damit verbundenen Probleme nur allzu bewusst: Sprachbarrieren, das Zurücklassen des heimatlichen Netzwerks sowie das vielfach fehlende Verständnis für fachliche Dinge wie Ablauforganisationen. „Außerdem dürfen wir aus unserer sozialen Verantwortung heraus natürlich den Arbeitsmarkt in den Herkunftsländern nicht leerfischen. Generell kommt für uns nur eine gezielte Vertragsakquise für ganz bestimmte Bereiche des Krankenhauses in Frage“, so Huppertz.

Trotz all dieser ernsten Worte wird im Gespräch mit dem Rheinländer schnell deutlich, dass er die gestellten Aufgaben zwar mit Umsicht und Sachverstand, aber mit einem durchaus humorvollen Stil angehen wird.

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Menschen erkennen besondere Rolle der Unikliniken an

In der Corona-Pandemie wurden sie für alle sichtbar: Universitätskliniken spielen eine herausragende Rolle für unser Gesundheitssystem.

Pressemitteilung Verband der Universitätsklinika Deutschlands e. V.

Bild: Menschen erkennen besondere Rolle der Unikliniken an

Sie kümmerten sich um die schwer Erkrankten, forschten an Therapien und Impfstoffen und standen der Politik mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Seite. Wie Menschen die besonderen Leistungen der Universitätskliniken auch unabhängig von der Pandemie wahrnehmen, zeigt eine repräsentative Umfrage des internationalen Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov im Auftrag des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD).

Befragt wurden über 2000 Menschen im Alter von über 18 Jahren aus ganz Deutschland. Dabei zeigt sich: Die Menschen erkennen die herausragende Rolle der Unikliniken an. So sehen 93 Prozent der Befragten die Unikliniken als Impulsgeber für die Region, 90 Prozent schätzen ihre innovativen Therapien und 87 Prozent vertrauen vor allem bei schweren Operationen den Uniklinken. Diese und weitere prägnante Antworten sind ab sofort Gegenstand der neuen Kampagne für die Marke „Die Deutschen Universitätsklinika“. Damit wollen die Unikliniken auf ihre Leistungsfähigkeit und besondere Rolle – auch mit Blick auf anstehende Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem – aufmerksam machen. „Die Zahlen zeigen: Das Vertrauen der Menschen in die Universitätsmedizin ist ungebrochen hoch. Diese hohen Zustimmungsraten für die Arbeit der Unikliniken ermutigen uns auch, den in der Pandemie beschrittenen Weg, wie wir Krankenversorgung anders und besser strukturieren, weiterzugehen. Denn regionale und überregionale Netzwerke, in denen Universitätskliniken mit ihrer Expertise im Zentrum stehen, müssen das Leitbild der künftigen Krankenhausversorgung sein“, sagt Prof. Dr. Jens Scholz, 1. Vorsitzender des VUD. 

„Die Umfrage zeigt, dass ein überwältigender Teil der Bevölkerung die besonderen Leistungen der Unikliniken kennt und wertschätzt. Diese Erkenntnis nutzen wir in der Markenkampagne“, so Jens Bussmann, Generalsekretär des VUD. Für die neue Kampagne der „Deutschen Universitätsklinika“ wurden die Ergebnisse der Umfrage visuell aufbereitet. Der Fokus liegt dabei auf der hohen Prozentzahl und einem Kreisdiagramm zusammen mit einer Illustration, die jeweils eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter einer Uniklinik darstellt. Die Motive werden über die Social-Media-Kanäle des VUD (Facebook, Instagram und Twitter) und eine Landingpage verbreitet. Zudem unterstützen die 35 Universitätskliniken mit Plakaten und auf ihren Social Media Kanälen und Websites die Kampagne. 

Weitere Informationen finden Sie hier

Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V.
Stephanie Strehl-Dohmen
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
E-Mail: strehl-dohmen@ uniklinika.de
www.uniklinika.de 

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Regelmäßige Testungen bei Kindern bewähren sich: Anhaltend niedrige Covid-Infektionsrate in Würzburger Kitas

Die jetzt beendete zweite Phase der Würzburger Kinderbetreuungsstudie in der Covid-19-Pandemie – Wü-KiTa-CoV 2.0 – zeigt erfreulicherweise keine relevante Ausbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen in den teilnehmenden Einrichtungen. Außerdem fanden sich keine Hinweise auf unbemerkt durchlaufene Infektionen.

Das Logo der Würzburger Kindergarten-Corona-Studie Wü-KiTa-CoV
Das Logo der Würzburger Kindergarten-Corona-Studie Wü-KiTa-CoV

Von Mai bis Juli 2021 lief die zweite Phase der im Oktober 2020 gestarteten Würzburger Kindergarten-Corona-Studie Wü-KiTa-CoV. Darin untersuchten Wissenschaftler*innen der Universität und des Uniklinikums Würzburg Teststrategien für die Kinder und das Personal in neun Würzburger Kinderbetreuungseinrichtungen.
Kernfrage des Vorhabens war:
Was sind die optimalen Testmethoden, mit denen sowohl Kinder als auch Kita-Beschäftigte regelmäßig, unkompliziert und sicher zu Hause untersucht werden können, um Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus möglichst frühzeitig zu entdecken? Für die zweite Phase wurden erneut etwa 800 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren und 150 Betreuer*innen zur Studienteilnahme eingeladen. Das entspricht etwa einem Viertel aller in Würzburg betreuten Kinder dieser Altersgruppe. Mehr als die Hälfte der Angefragten aus beiden Probandengruppen willigte ein.

Ihnen standen folgende Teststrategien zur Auswahl:

  • regelmäßige Testung zweimal pro Woche über eine zu Hause gewonnene Mundspülprobe (Spucktest) und/oder
  • regelmäßige Testung zweimal pro Woche mittels zu Hause durchgeführter Antigen-Schnelltests (Nasentest) durch die Eltern, Sorgeberechtigen oder Betreuer*innen.

Die Ergebnisse der Antigen-Schnelltests konnten die Eltern zu Hause selbst ablesen. Die Mundspülproben wurden in die Kita gebracht und mittels Kurier zur Polymerase-Chain-Reaction-(PCR)-Diagnostik ins Labor der Universität Würzburg gebracht. Dort wurden die Proben gepoolt.
Das Pooling ist ein Verfahren, in dem aus Effizienzgründen Mundspülproben von bis zu zehn Testpersonen zusammen in einem Ansatz untersucht werden. „Bei einem negativen Pool-Ergebnis haben alle enthaltenen Proben ein zuverlässig negatives Ergebnis. Bei einem positiven Befund werden in einer zweiten Untersuchung Einzeltests aus den ursprünglichen Proben gemacht“, erläutert Prof. Dr. Johannes Liese.

Der Leiter des Bereichs Pädiatrische Infektiologie und Immunologie an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik führt zusammen mit Prof. Dr. Oliver Kurzai, dem Lehrstuhlinhaber für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie der Uni Würzburg die Wü-Kita-CoV-Studie durch. „Die Mundspülproben wurden bei Kindern und Betreuern zuverlässig gewonnen und abgegeben. Und auch das Pooling für die anschließende weitere Labordiagnostik funktionierte reibungslos“, ist Prof. Liese zufrieden. 

Vorläufige Ergebnisse der zweiten Phase
Die vorläufigen Ergebnisse der Studie zeigen zusammenfassend:

  • Bei insgesamt niedriger Hintergrundinzidenz konnte kein relevanter Eintrag sowie keine Ausbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen in den teilnehmenden Kitas beobachtet werden. So wurde im dreimonatigen Studienzeitraum nur eine einzige Covid-Infektion nachgewiesen. 
  • In der Untersuchung der Teilnehmer*innen auf Antikörper nach einer möglicherweise unbemerkten SARS-CoV-2-Infektion gab es keine Hinweise auf übersehene Infektionen.

Die Vor- und Nachteile einer kontinuierlichen Testung mit PCR aus Mundspülprobe oder Antigen-Schnelltest über Nasenabstrich werden aktuell noch ausgewertet. Finanziert wird die Studie durch das Land Bayern über das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. In der täglichen Arbeit wurde das interdisziplinäre Studienteam erneut aktiv von der Stadt Würzburg unterstützt.
Unter den beteiligten Partnern waren außerdem die Virologie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Allgemeinmedizin sowie die Klinische Epidemiologie der Universität und des Uniklinikums Würzburg.


Kontakt:
Prof. Dr. Johannes G. Liese, Pädiatrische Infektiologie und Immunologie Universitäts-Kinderklinik,
Tel. +49 931 201-27725,
E-Mail: liese_j@ ukw.de

Prof. Dr. Oliver Kurzai, Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie

Homepage der Studie: www.med.uni-wuerzburg.de/wuekitacov2

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Würzburger Universitäts-Frauenklinik als Top-Klinik für Brustkrebs ausgezeichnet

Die Online-Plattform Klinikradar.de verlieh der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg das Qualitätssiegel „Top-Klinik für Brustkrebs“.

Bild: Frauenklinik UKW
Bild: Frauenklinik UKW
Bild: Siegel Top-Klinik Brustkrebs
Bild: Siegel Top-Klinik Brustkrebs

Die Münchener Firma Innomeda betreibt mit Klinikradar.de eines der nach eigenen Angaben reichweitenstärksten deutschen Online-Krankenhausportale. Seit diesem Jahr verleiht die Plattform ein fachlich fundiertes Siegel für Krankenhäuser, die höchste Qualitätsansprüche erfüllen. Kürzlich erhielt die Würzburger Universitäts-Frauenklinik von Klinikradar.de das Qualitätssiegel „Top-Klinik für Brustkrebs“.

„Uns ist bewusst, dass Qualität sehr unterschiedlich bewertet werden kann, daher flossen viele unterschiedliche Parameter in diese Erhebung ein“, erläutert Privatdozent Dr. Tobias Bobinger, der bei Innomeda die Siegel-Vergabe wissenschaftlich betreut. Grundlage des Qualitätssiegels sind nach seinen Worten objektive und belastbare Qualitätsfaktoren, die vielfach von offiziellen Institutionen – wie etwa dem Gemeinsamen Bundesausschuss – und Fachorganisationen erhoben werden.

Besondere Pluspunkte für die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg bei der Indikation Brustkrebs waren demnach: 

  • hohe Fallzahl und damit große Erfahrung auf diesem Gebiet,
  • die Zertifizierung als Brustzentrum, 
  • die interdisziplinäre universitäre Versorgung sowie bei Bedarf engmaschige
    Betreuung durch andere Fachdisziplinen,
  • die hohe Forschungsaktivität zu Tumorerkrankungen mit der Durchführung
    vieler nationaler und internationaler präklinischer sowie klinischer Studien,
  • ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem, insbesondere im Bereich Klinisches
    Risikomanagement,
  • ein hoher Hygienestandard sowie
  • hohe Weiterempfehlungsraten durch die Patientinnen.

Die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg erfüllt im Bereich „Brustkrebs“ auch nach Einschätzung der Plattform Klinikradar.de höchste Ansprüche.

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Bild: T. Bauer / Uniklinikum Würzburg