Aktuelle Pressemitteilungen

Tiefer Einblick in die räumliche Biologie von Tumoren und entzündetem Gewebe

Die Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und krebskranke Kinder Würzburg e.V. unterstützt mit 645.000 Euro die Finanzierung und den Betrieb von MACSima - ein extrem Innovatives, leistungsstarkes und vollautomatisches Instrument, das detaillierte Daten über die Expressionsniveaus hunderter Proteinmarker und mRNA innerhalb von Gewebeschnitten, Zellkulturen oder Einzelzellen liefert.

Mitarbeitende vom Uniklinikum und Miltenyi Biotec sowie Monika Demmich von der Elterniniative stehen hinter dem Mikroskop MACSima
Gruppenbild mit MACSima am Uniklinikum Würzburg; v.l.n.r.: Monika Demmich von der Elterninitiative Regenbogen, Ingenieur Arne Gies von Miltenyi Biotec, Arbeitsgruppenleiter Dr. Ignazio Caruana, Biologe Dr. Wolfgang Bywalez von Miltenyi Biotec, Doktorandin Dorothee Haas, Postdoc Dr. Stefan Ebert und Prof. Dr. Paul-Gerhardt Schlegel, Leiter der Pädiatrischen Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. Aus kleinsten und limitierten Gewebeproben das Maximum herauszuholen, war ein lang gehegter Traum des Kinderonkologischen Zentrums am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Mit der Finanzierung von MACSima erfüllte die Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und krebskranke Kinder e.V. nun diesen Wunsch. MACSima ist eine preisgekrönte Technologie des deutschen Biotechnologieunternehmens Miltenyi Biotec, mit der die Forscherinnen und Forscher am UKW nun tief in die räumliche Biologie von Tumoren, aber auch anderen entzündlichen Erkrankungen eintauchen können, um die komplexen Interaktionen zwischen den Zellen besser zu verstehen und so Krankheiten gezielter zu behandeln. 

Hunderte verschiedener Oberflächenmarker und die Dynamik im Gewebe qualitativ und quantitativ darstellen

„Bis vor kurzem mussten wir Antikörper nacheinander auf sequentiellen Schnitten anfärben. Mit der neuen Plattform können wir sehr viele Parameter an einem Schnitt und mit voller Automation messen und erhalten ein umfassendes Bild des Gewebeschnitts“, schwärmt Dr. Ignazio Caruana. Der Arbeitsgruppenleiter beschäftigt sich mit seiner Arbeitsgruppe am UKW intensiv mit der Entwicklung innovativer, verträglicher und effizienterer immuntherapeutischer Ansätze für die Behandlung von Kindern mit refraktären Tumorerkrankungen, also Krebsarten, die auf Standardtherapien nicht ansprechen oder nach anfänglicher Besserung wieder wachsen. Prof. Dr. Paul-Gerhardt Schlegel, Leiter der Pädiatrischen Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, ergänzt: „Mit diesem extrem leistungsfähigen und vollautomatisierten Instrument können wir die Expression von Hunderten verschiedener Oberflächenmarker detailliert darstellen, verschiedene Faktoren gleichzeitig analysieren und die Dynamik im Gewebe zusammenfassen, zum Beispiel wie Tumorzellen mit dem Immunsystem und dem Bindegewebe interagieren. Das Tolle ist, dass wir für diese komplexe Gewebeanalyse nur sehr wenig Material benötigen und die Probe wiederverwenden können - ein wichtiger Aspekt gerade in der pädiatrischen Onkologie, wo das Ausgangsmaterial oft sehr begrenzt ist.“

Ohne Forschung keine Heilung, lautet ein Grundsatz der Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und krebskranke Kinder e.V. „Und da wir gerade eine sehr große Erbschaft erhalten haben, konnten und wollten wir gerne in MACSima investieren, und wie ich sehe und höre, ist es eine gute Investition“, freut sich Monika Demmich. Die stellvertretende Vorsitzende der Elterninitiative ließ sich bei ihrem jüngsten Besuch in der Kinderklinik von der Faszination des Teams für die neue, hochsensible Plattform geradezu anstecken. 

Entscheidende Einblicke in Krankheitsmechanismen und mögliche Therapieansätze 

MACSima ist ein Fluoreszenzmikroskop, das Zellen anhand ihrer Oberflächenstrukturen und intrazellulären Strukturen basierend auf Antikörpern oder Proben analysiert. Dr. Wolfgang Bywalez, Biologe und Vertriebsmitarbeiter bei Miltenyi Biotec, erklärt: „Normalerweise gibt es nicht so viele Farbstoffe oder Detektionskanäle, um so viele Parameter an einer Probe und in einem Setup zu messen. MACSima verwendet hier ein zyklisches Verfahren von Färbung und Aufnahme weniger Antikörper und nutzt anschließend ein Fluoreszenz-Löschverfahren, wonach weitere, neue Marker aufs Gewebe aufgebracht und abgebildet werden können. Anschließend setzt die MACSima Plattform die verschiedenen Bilder zu einem Gesamtbild zusammen.“ Es erfordere viel Übung, die Daten zu validieren und zu verstehen. Aber am Ende erhalte man ein sehr komplexes Bild der Erkrankung, Hinweise auf die Mechanismen der Tumorresistenz und Vorhersagen über die Wirkung einer zielgerichteten Therapie auf das Gewebe. 
„Wir können zum Beispiel überprüfen, wie hoch die Expression des Zielmarkers, den die CAR-T-Zellen erkennen sollen, im Tumorgewebe ist. Oder wir können in einem Modell CAR-T Zellen zu den Tumorzellen diffundieren lassen und sehen, wie diese Zellen in vitro miteinander reagieren“, sagt Paul-Gerhardt Schlegel.

Auch für andere Forschungsgruppen interessant

MACSima ist die erste Plattform dieser Art in Würzburg und die Nachfrage ist groß. So konnten dank ihr bereits im Bereich Pädiatrische Entzündungsmedizin Projekte zur Identifizierung pathogener T-Zellen im Gewebe von Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen und chronischen Infektionserkrankungen erfolgreich durchgeführt wurden. Ignazio Caruana: „Bis jetzt sind uns bei den Fragen keine Grenzen gesetzt.“

Über die Elterninitiative Regenbogen
Die Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und tumorkranke Kinder Würzburg e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und dem Dachverband „Deutsche Leukämie-Forschungshilfe Aktion für krebskranke Kinder e.V., Bonn“ angeschlossen. Die Elterninitiative unterstützt den oft schwierigen Weg der Patientinnen und Patienten und ihren Familien, mit ehrenamtlicher Arbeit und vielfältig und breitgefächert eingesetzten Spenden. So stellt sie zum Beispiel kostenfrei Elternwohnungen in Kliniknähe zur Verfügung, fördert die ambulante Versorgung psychosoziale Betreuung der ganzen Familie während und nach der Therapie, begleitet verwaiste Eltern und Geschwister und unterstützt Forschungsprojekte. Jede Spende ist willkommen! Spendenkonten: LIGA Spar- und Kreditgenossenschaft eG Würzburg (IBAN: DE90 7509 0300 0003 0020 12, BIC: GENODEF1M05) und Sparkasse Schweinfurt-Hassberge (IBAN: DE57 7935 0101 0570 0150 16, BIC: BYLADEM1KSW).


Text. Kirstin Linkamp / UKW 
 

Personalia vom 2. Juli 2024 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Erteilung von Lehrbefugnissen und mehr.

Dr. Uta Eberlein, Akademische Rätin, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, wurde mit Wirkung vom 18.06.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Medizinische Physik“ erteilt.

Dr. Johannes Forster, Bereichsleitung Klinische Mikrobiologie, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, wurde mit Wirkung vom 18.06.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie“ erteilt.

Dr. Till Meyer, Funktionsoberarzt, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen, wurde mit Wirkung vom 18.06.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde“ erteilt.

Dr. Kerstin Michalski, Oberärztin, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, wurde mit Wirkung vom 18.06.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Nuklearmedizin“ erteilt.

Dr. Ann-Kristin Reinhold, Funktionsoberärztin, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, wurde mit Wirkung vom 18.06.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Anästhesiologie“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 2. Juli 2024

klinikum & wir erschienen: Welche Rolle spielt KI am Uniklinikum Würzburg?

Am Uniklinikum Würzburg wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in vielen Projekten vorangetrieben. Das Top-Thema des soeben erschienenen Magazins klinikum & wir gibt hierzu einen Überblick.

 

Die Titelseite des Magazins klinikum & wir weist auf das Top-Thema zur Künstlichen Intelligenz hin.
Die Titelseite des Magazins klinikum & wir weist auf das Top-Thema zur Künstlichen Intelligenz hin. © UKW

Würzburg. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) hat das Potenzial, die Medizin zu revolutionieren. Auch das Uniklinikum Würzburg (UKW) beteiligt sich mit zahlreichen Projekten am Ausloten und Erschließen der durch die Zukunftstechnologie gebotenen, neuen Möglichkeiten. klinikum & wir, das Magazin der Würzburger Universitätsmedizin, liefert im Top-Thema seiner gerade erschienenen Ausgabe 2/2024 einen Überblick über einige aktuelle Anwendungsfelder.

Außerdem blickt die 40-seitige Publikation auf die wichtigsten Forschungsergebnisse, Auszeichnungen, Personalmeldungen, Veranstaltungen und sonstigen Ereignisse des letzten Quartals am UKW zurück.

Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen am Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es klinikum & wir auch als Webmagazin unter www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine

Text: Pressestelle / UKW
 

Die Titelseite des Magazins klinikum & wir weist auf das Top-Thema zur Künstlichen Intelligenz hin.
Die Titelseite des Magazins klinikum & wir weist auf das Top-Thema zur Künstlichen Intelligenz hin. © UKW

Post-COVID: Schnell und gezielt versorgt in Unterfranken

Forschungsprojekt POSCOR soll die koordinierte Zusammenarbeit von hausärztlichen Praxen und Rehabilitationskliniken fördern, indem ab sofort ein telemedizinischer Versorgungspfad bereitgestellt und evaluiert wird.

Screenshot der Webseite
Über die Webseite www.poscor.de sowie die gleichnamige App erhalten Patientinnen und Patienten mit dem Post-COVID-Syndrom ab sofort Zugang zu gezielten telemedizinischen Maßnahmen und einer interaktiven Informations- und Lernplattform.

Würzburg. Jede zehnte Person, die an COVID-19 erkrankt war, leidet aktuellen Studien zufolge länger als drei Monate unter den Folgen der Corona-Infektion. Die Symptome des Post-COVID-Syndroms können sehr unterschiedlich sein und für die Betroffenen lange Leidenswege bedeuten. Diese möchte die Arbeitsgruppe Rehabilitationswissenschaften im Zentrum für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) mit dem Forschungsprojekt POSCOR in Zukunft verkürzen. Die telemedizinischen Versorgungspfade stehen ab sofort den Betroffenen in Unterfranken zur Verfügung. 

Multimediales Informationsangebot und schnellerer Zugang zu Reha-Maßnahmen

Über die Webseite www.poscor.de sowie die gleichnamige App erhalten Patientinnen und Patienten mit dem Post-COVID-Syndrom Zugang zu gezielten telemedizinischen Maßnahmen und einer interaktiven Informations- und Lernplattform. Ziel ist es, die persönliche Gesundheitskompetenz und das behandlungsbezogene Selbstmanagement zu stärken. „Die oftmals fehlende Behandlungskontinuität kann darüber hinaus durch die lösungsorientierte Verzahnung von Kompetenzvermittlung und Versorgung verbessert werden“, sagt Dr. Sarah Niedermeier, die gemeinsam mit Prof. Dr. Heiner Vogel das Projekt leitet. 

Darüber hinaus soll durch eine Förderung der koordinierten Zusammenarbeit von Hausärztinnen und Hausärzten sowie insgesamt vier spezialisierten Reha-Kliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten die Wartezeit auf die passende Reha-Maßnahme deutlich verkürzt und ihre Versorgung optimiert werden. 

Förderinitiative Post-COVID-Syndrom 2.0

Das Bayerische Gesundheitsministerium fördert POSCOR mit insgesamt 621.277,93 Euro im Rahmen der "Förderinitiative Post-COVID-Syndrom 2.0". Seit der Bewilligung im Oktober 2023 arbeitete die Arbeitsgruppe zusammen mit interdisziplinären Kompetenzpartnern aus den Bereichen Forschung, Entwicklung und Versorgung intensiv daran, die Strukturen für POSCOR zu ebnen und damit die verschiedenen Behandlungsbausteine zu verknüpfen. 

"Unser Ziel ist es, die persönliche Lebensqualität der Menschen mit Post-COVID-Syndrom zu verbessern und ihnen schnelle und gezielte Lösungswege zu ebnen. Mit POSCOR möchten wir dazu beitragen, lange Leidenswege in Zukunft zu vermieden und die Versorgung der Erkrankten durch unser Angebot und dessen Evaluation nachhaltig zu optimieren,“ fasst der Würzburger Rehabilitationswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Vogel zusammen. 

Link zur Pressemitteilung vom 4.10.2023 zur Übergabe des symbolischen Förderschecks im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Kontakt:

Professor Dr. Heiner Vogel, Dr. Sarah Niedermeier
Universitätsklinikum Würzburg 
poscor@ukw.de  
 

Tag der Intensivmedizin: Aromapflege als innovative Behandlungsmethode im Fokus

Der Tag der Intensivmedizin fand am 17. Juni in ganz Deutschland statt. Das UKW rückte die Aromapflege als eine vielversprechende und innovative Behandlungsmethode in den Mittelpunkt: Die Verwendung von ätherischen Ölen zur Linderung von Symptomen und zur Förderung des Wohlbefindens gewinnt in der intensivmedizinischen Versorgung zunehmend an Bedeutung.

Von links: Nicole Schumacher, Annie Stenzel, Silke Barsch; Bild: Hans-Georg Barsch

Würzburg. Auch die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie beteiligte sich am diesjährigen Aktionstag. Angehörige und Interessierte hatten die Möglichkeit sich von Aromapflegeexpertinnen und Aromapflegeexperten der Intensivstation über den Einsatz von ätherischen Ölen und Aromapflegeprodukten in der Intensivpflege zu informieren.

Die Aromapflege, die auf allen Intensiv- und Intermediate Care Stationen am UKW angeboten wird, hat sich als wirksame Ergänzung zu herkömmlichen medizinischen Ansätzen erwiesen, insbesondere bei der Behandlung von Stress, Angstzuständen, Schlaflosigkeit und Schmerzen. Durch die gezielte Anwendung von ätherischen Ölen können Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation eine ganzheitliche Unterstützung erfahren, die sowohl körperliche als auch seelische Aspekte berücksichtigt.

Annie Stenzel, Intensivpflegerin, betont die positiven Auswirkungen der Aromapflege auf die Genesung von Patientinnen und Patienten: "Die sanften Düfte der ätherischen Öle können nicht nur beruhigend wirken, sondern auch das Immunsystem stärken und die Heilungsprozesse beschleunigen. In Kombination mit traditionellen medizinischen Maßnahmen kann die Aromapflege einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Versorgung von Intensivpatientinnen und Intensivpatienten leisten."

Der Tag der Intensivmedizin dient dazu, das Bewusstsein für die vielfältigen Ansätze und Möglichkeiten in der intensivmedizinischen Versorgung zu schärfen. Die Integration von alternativen Therapiemethoden wie der Aromapflege zeigt, dass Innovation und Patientenwohl im Mittelpunkt stehen.

 

Von links: Nicole Schumacher, Annie Stenzel, Silke Barsch; Bild: Hans-Georg Barsch

Hentschel-Stiftung Würzburg - „Kampf dem Schlaganfall“

Die Hentschel-Stiftung mit Sitz in Würzburg fördert die Schlaganfallforschung, um die Behandlung der Betroffenen zu verbessern.

Logo Hentschel-Stiftung
Logo Hentschel-Stiftung

Die Hentschel-Stiftung schreibt hierzu erneut deutschland-weit für eine herausragende Doktorarbeit oder eine hochrangige wissenschaftliche Publikation zum Thema „Schlaganfall“ einer jungen Wissenschaftlerin/eines jungen Wissenschaftlers den

Hentschel-Preis 2024

aus.

Der Preis ist mit 5.000 € dotiert und kann geteilt werden. Der Preis soll an jüngere Wissenschaftler/innen (Altersgrenze 40 Jahre) verliehen werden, die herausragende Leistungen in der Schlaganfallforschung aufzuweisen haben.

Förderungswürdig sind Arbeiten aus der Grundlagenforschung, der klinischen Forschung sowie aus der Versorgungsforschung. Die Arbeit muss in deutscher oder englischer Sprache verfasst sein. Die Preisvergabe erfolgt gemäß einer Entscheidung des Vorstands der Hentschel-Stiftung Würzburg im Rahmen des 9. Würzburger Schlaganfallsymposiums, das am 23.10.2024 statt-finden wird.

Bewerbungen sollten die betreffende Arbeit, einen Lebenslauf mit Lichtbild und ein Schriftenverzeichnis umfassen und in fünf-facher Ausfertigung bis zum 31.08.2024 postalisch geschickt werden an:

Prof. Dr. Jens Volkmann

Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Würzburg
Josef-Schneider-Str. 11
D - 97080 Würzburg

Informationen zur Stiftung finden sie unter:
www.hentschel-stiftung.de 

Logo Hentschel-Stiftung
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Erhält jeder die bestmögliche Krebstherapie?

Von WERA entwickelte Methodik macht Patientenzugang zur Präzisionsonkologie transparent

Forschende der onkologischen Spitzenzentren Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg prüfen mit der WERA Matrix, in welchen Regionen ihres überwiegend ländlich geprägten Versorgungsgebietes Menschen mit Krebs Zugang zu innovativen personalisierten Therapien haben. Ihre Ergebnisse wurden nun im renommierten European Journal of Cancer veröffentlicht. Das Konzept soll nun auf weitere onkologische Spitzenzentren in Deutschland übertragen werden.

 

Karte von Bayern mit Angaben zur Krebsversorgung und white spots
Woher stammen die Patientinnen und Patienten der molekularen Tumorboards der WERA Allianz? Die Karte Bayerns verrät Regionen mit einer guten Anbindung an WERA Zentren – jedoch auch „weiße Flecken“, die möglicherweise einen Nachholbedarf bei der Versorgung mit Präzisionsonkologie aufweisen. Quelle: Krebs et al., European Journal of Cancer 2024; https://doi.org/10.1016/j.ejca.2024.114144
Die Mediziner Markus Krebs und Florian Lüke in zivil
Dr. Markus Krebs (links) und Dr. Florian Lüke behandeln Patientinnen und Patienten in ihren molekularen Tumorboards. Im Rahmen ihrer gemeinsamen Forschung interessieren sie sich für die Zugangswege zu innovativer Krebsbehandlung in der WERA Allianz – immer mit dem Ziel, die Erreichbarkeit für Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern. Foto: Anja Sedlmeier

Würzburg. Für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen oder seltenen Krebserkrankungen ist die Präzisionsonkologie ein wichtiger Bestandteil ihrer Behandlung. Insbesondere an Universitätskliniken wurden hierzu molekulare Tumorboards eingerichtet, wo auf Basis einer umfassenden molekulargenetischen Diagnostik maßgeschneiderte Therapien gesucht und ermöglicht werden. Doch haben tatsächlich alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen Zugang zu dieser innovativen Form der personalisierten Medizin? Dieser Frage gingen Forscherinnen und Forscher der WERA Allianz nach. Die vier onkologischen Spitzenzentren Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg bilden die Comprehensive Cancer Center Allianz WERA (CCC WERA) und sind seit Februar 2023 Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT).

Die WERA Allianz deckt in Bayern ein gemeinsames Versorgungsgebiet mit rund acht Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ab, das überwiegend ländlich geprägt ist. Um die Reichweite ihrer Allianz in der Präzisionsonkologie zu messen, haben die Forschenden ein Modell aus der strategischen Managementlehre, die sogenannte Growth-Share-Matrix*, übernommen, um für mehr als 800 Postleitzahlengebiete ihren Anteil an der gesamten Krebsversorgung mit der regionalen Nutzung von molekularen Tumorboards in der WERA Allianz zu vergleichen. 

Ihre Studie identifizierte Regionen wie Bad Mergentheim, Bamberg und Bayreuth, die trotz ihrer Entfernung zu den WERA-Zentren einen hohen Anteil an Vorstellungen in den Molekularen Tumorboards aufwiesen. Diese Ergebnisse deuten auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den regionalen Partnern hin. „Das ist der Idealfall, wenn die allgemeine Krebsversorgung vor Ort genutzt wird und WERA den Zugang zur Präzisionsonkologie sicherstellt“, bemerkt Dr. Markus Krebs, der korrespondierende Autor der Studie. Der Arzt im Molekularen Tumorboard am Standort Würzburg hat vor dem Medizinstudium ein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen, ist also prädestiniert für die Patientenzugangsforschung, die ihm zufolge in Deutschland noch in den Kinderschuhen stecke. 

Gemeinsam mit zahlreichen WERA-Kolleginnen und -Kollegen, allen voran Dr. Florian Lüke, dem klinischen Leiter des Regensburger molekularen Tumorboards sowie Dr. Alexander Kerscher, dem Geschäftsführer des Zentrums für Personalisierte Medizin (ZPM) in Würzburg, hat er die WERA Cancer Center Matrix im European Journal of Cancer veröffentlicht.

Im Fokus: „Weiße Flecken“ in der präzisionsonkologischen Versorgung

Die WERA-Matrix zeigte jedoch nicht nur eine erfolgreiche Zusammenarbeit, sondern auch „Weiße Flecken“ mit einem potenziellen Nachholbedarf in der Präzisionsonkologie. Sie machte Postleitzahlengebiete transparent, aus denen zahlreiche Patientinnen und Patienten zwar eine Krebsbehandlung durch WERA erhielten, jedoch wenige oder keine Vorstellungen in den molekularen Tumorboards erfolgten. Für diese geographisch oftmals zusammenhängenden Gebiete stellt sich die Frage: Liegt es an der infrastrukturellen Erreichbarkeit der WERA-Standorte? Übernehmen andere Versorger die Krebsversorgung? Oder sind die molekularen Tumorboards dort schlicht unbekannt? 

„Diese Regionen müssen wir uns gezielt anschauen, uns bei den onkologischen Praxen und Krankenhäusern vorstellen und unsere Unterstützung anbieten“, kommentiert Dr. Florian Lüke. Gleichzeitig erhoffen sich die Forschenden durch dieses Vorgehen ein besseres Verständnis davon, welche Faktoren tatsächlich einen kritischen Einfluss auf den Patientenzugang zur Präzisionsonkologie haben. 

In Planung: Ausweitung der Methodik auf andere Regionen

„Die WERA-Matrix ist von Praktikern für Praktiker entwickelt worden. Wir sehen unmittelbar, wo wir die Versorgung krebskranker Menschen möglicherweise noch verbessern können. Wir sehen aber auch, wo die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern bereits sehr gut funktioniert“, freut sich Dr. Markus Krebs.

Um die weitere Entwicklung der Präzisionsonkologie in der WERA Allianz zu verfolgen, sollen die Versorgungsdaten künftig regelmäßig mit Hilfe der WERA Matrix ausgewertet werden. 

„Das Schöne an unserer Methodik ist, dass wir auch andere Fragestellungen ergänzen können – beispielsweise, welche Patientinnen und Patienten aus welchen Regionen in innovative klinische Studien eingeschlossen werden“, sagt Dr. Alexander Kerscher. Zusammen mit Forschenden aus ganz Deutschland hat er von der Deutschen Krebshilfe jetzt eine Förderung erhalten, um das Konzept der WERA Matrix auf weitere onkologische Spitzenzentren zu übertragen. 

 

*Als Grundlage diente das Vier-Quadranten-Matrix-Modell, auch als BCG-Matrix bekannt, das Produkte nach den Kriterien Marktanteil und Marktwachstum in ein Portfolio einordnet. In der WERA-Matrix wurden die Produkte durch Postleitzahlen ersetzt, wobei die präzisionsonkologische Versorgung dem Marktwachstum auf der y-Achse und die allgemeine Krebsversorgung dem Marktanteil auf der x-Achse entsprach. Die Größe der Punkte in den vier Quadranten spiegelt die Bevölkerungszahl der Postleitzahlgebiete wider. Unten rechts befindet sich zum Beispiel Quadrant IV mit Gebieten, in denen WERA einen vergleichsweise hohen Anteil der allgemeinen Krebsversorgung übernimmt. Gleichzeitig werden aus diesen Regionen jedoch wenige Patientinnen und Patienten in den molekularen Tumorboards der WERA Allianz untersucht.


Publikation:
Markus Krebs, Florian Haller, Silvia Spörl, Elena Gerhard-Hartmann, Kirsten Utpatel, Katja Maurus, Volker Kunzmann, Manik Chatterjee, Vivek Venkataramani, Imad Maatouk, Max Bittrich, Tatjana Einwag, Norbert Meidenbauer, Lars Tögel, Daniela Hirsch, Wolfgang Dietmaier, Felix Keil, Alexander Scheiter, Alexander Immel, Daniel Heudobler, Sabine Einhell, Ulrich Kaiser, Anja M. Sedlmeier, Julia Maurer, Gerhard Schenkirsch, Frank Jordan, Maximilian Schmutz, Sebastian Dintner, Andreas Rosenwald, Arndt Hartmann, Matthias Evert, Bruno Märkl, Ralf Bargou, Andreas Mackensen, Matthias W. Beckmann, Tobias Pukrop, Wolfgang Herr, Hermann Einsele, Martin Trepel, Maria-Elisabeth Goebeler, Rainer Claus, Alexander Kerscher, Florian Lüke. The WERA cancer center matrix: Strategic management of patient access to precision oncology in a large and mostly rural area of Germany. European Journal of Cancer, Volume 207, 2024, 114144, ISSN 0959-8049, https://doi.org/10.1016/j.ejca.2024.114144.

 


Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Würzburg, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, des Universitätsklinikums Erlangen, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, des Universitätsklinikums Regensburg, der Universität Regensburg, des Universitätsklinikums Augsburg und der Universität Augsburg. Neben WERA (Würzburg, Erlangen, Regensburg, Augsburg) gibt es fünf weitere NCT Standorte in Deutschland: Berlin, Dresden, Heidelberg, SüdWest (Tübingen-Stuttgart/Ulm) und West (Essen/Köln).
Das NCT hat es sich zur Aufgabe gemacht, Forschung und Krankenversorgung so eng wie möglich zu verknüpfen. Damit können Krebspatientinnen und -patienten an den NCT Standorten auf dem jeweils neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse behandelt werden. Gleichzeitig erhalten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch die Nähe von Labor und Klinik wichtige Impulse für ihre praxisnahe Forschung. Gemeinsamer Anspruch der NCT Standorte ist es, das NCT zu einem internationalen Spitzenzentrum der patientennahen Krebsforschung zu entwickeln.

Text: Kirstin Linkamp / UKW