Aktuelle Pressemitteilungen

Abschied mit Herz: Spenden für den guten Zweck

Unterstützung für krebskranke Kinder statt Blumen

Ferdinand Kleppmann
Ferdinand Kleppmann (Foto: Christian Kleppmann)

Im vergangenen Jahr verstarb Ferdinand Kleppmann. Als ehemaliger Verbandsdirektor der Abfallwirtschaft Raum Würzburg war er vielen Menschen in der Region bekannt und wurde sehr geschätzt. Sein letzter Wunsch war es, bei seiner Abschiedsfeier auf Blumen und Kränze zu verzichten und stattdessen um Spenden für die Elterninitiative Regenbogen zu bitten. Der Verein unterstützt krebskranke Kinder und deren Familien in einer besonders herausfordernden Lebensphase. Dank der großzügigen Unterstützung der Trauergäste kamen insgesamt 4.245 Euro zusammen, die nun der Elterninitiative zugutekommen.

Die Spenden fließen in einen besonderen Ort, nämlich den Spielplatz an der Uni-Kinderklinik, den die Elterninitiative im Jahr 2024 realisieren und eröffnen konnte. Dieser wurde vollständig durch Spendengelder finanziert und bietet erkrankten Kindern und ihrer Familie eine kleine Auszeit vom Klinikalltag durch Bewegung und Ablenkung. Auch die laufenden Instandhaltungskosten werden durch den Verein getragen.

Gerade das Spielen hatte für Ferdinand Kleppmann eine besondere Bedeutung. Es schenkt Leichtigkeit und unbeschwerte Augenblicke und hilft dabei, die eigenen Sorgen für einen Moment in den Hintergrund treten zu lassen. Dieser Gedanke spiegelt sich auch in dem ausgewählten Projekt wider.

Die Elterninitiative Regenbogen Würzburg bedankt sich herzlich bei der Familie Kleppmann sowie bei allen Spenderinnen und Spendern für diese wertvolle Unterstützung und das Vertrauen in die Arbeit des Vereins.

Text: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.
 

Ferdinand Kleppmann
Ferdinand Kleppmann (Foto: Christian Kleppmann)

Welt-Tuberkulose-Tag: Würzburger Kolloquium beleuchtete regionale und globale Herausforderungen

Am 24. März dieses Jahres ist der Welt-Tuberkulose-Tag. In dessen Vorfeld wurden beim „3. Würzburger Kolloquium Infektiologie und Tropenmedizin“ am Uniklinikum Würzburg aktuelle medizinische, gesellschaftliche und gesundheitspolitische Herausforderungen der Tuberkulose als eine der weltweit bedeutendsten Infektionskrankheiten diskutiert.

 

Ein typischer Röntgenbefund einer offenen, übertragungsfähigen Tuberkulose mit einer Kaverne im rechten Oberfeld der Lunge.
Ein typischer Röntgenbefund einer offenen, übertragungsfähigen Tuberkulose mit einer Kaverne im rechten Oberfeld der Lunge. Darin befinden sich die Erreger, die dann ausgehustet werden und so in die Umgebung gelangen. © Andreas Müller / UKW

Würzburg. Am 21. März dieses Jahres kamen beim „3. Würzburger Kolloquium Infektiologie und Tropenmedizin“ rund 70 Expertinnen und Experten aus Unterfranken im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) des Uniklinikums Würzburg (UKW) zusammen. Die Fortbildungsveranstaltung fand im zeitlichen Kontext mit dem Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März statt. Unter dem Motto „Yes! We can end TB!“ betont die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Fortschritte in der Bekämpfung der Erkrankung trotz schwieriger globaler Rahmenbedingungen möglich sind – vorausgesetzt, politischer Wille, verlässliche Finanzierung sowie der Zugang zu moderner Diagnostik und Therapie sind vorhanden. Die WHO weist zudem darauf hin, dass Investitionen in die Tuberkulosebekämpfung nicht nur gesundheitlich, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind: Jeder investierte Dollar kann ein Vielfaches an gesellschaftlichem Nutzen generieren.

Herausfordernde globale Entwicklungen

Beim Würzburger Kolloquium wurden unter anderem die Verbreitung der Tuberkulose in Deutschland, besondere Versorgungsbedarfe von Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund sowie globale Entwicklungen diskutiert. Diese sind unter anderem geprägt durch gleichzeitige Infektionen, beispielsweise mit HIV, begrenzte finanzielle Ressourcen und aktuelle geopolitische Veränderungen, die internationale Bekämpfungsprogramme beeinflussen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf multiresistenten Tuberkulose-Erregern, die Untersuchung und Behandlung zunehmend erschweren. Auch Besonderheiten im Kindesalter, Krankheitsverläufe außerhalb der Lunge sowie Herausforderungen der Diagnostik wurden thematisiert. Der enge Praxisbezug spielte dabei eine zentrale Rolle: Fallbeispiele aus dem klinischen Alltag ermöglichten konkrete Einblicke in die Versorgung.

Tuberkulose ist keine ferne Erkrankung

Prof. Dr. August Stich, Leiter des Schwerpunkts Infektiologie und Tropenmedizin an der Medizinischen Klinik II des UKW, betont: „Die Tuberkulose ist keine ferne Erkrankung: Auch am Uniklinikum Würzburg werden regelmäßig Patientinnen und Patienten diagnostiziert und behandelt – häufig unter komplexen Bedingungen. Der interdisziplinäre Austausch ist entscheidend, um die Versorgung kontinuierlich zu verbessern.“ Und Dr. Andreas Müller, Oberarzt in der Infektiologie und Tropenmedizin und Organisator der Veranstaltung, ergänzte: „Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zusammenzubringen, um konkrete Verbesserungen für Patientinnen und Patienten zu erreichen. Das Kolloquium leistet einen wichtigen Beitrag zur regionalen Vernetzung und zur Einordnung lokaler Herausforderungen in einen globalen Kontext.“

Text: Pressestelle / UKW

 

Ein typischer Röntgenbefund einer offenen, übertragungsfähigen Tuberkulose mit einer Kaverne im rechten Oberfeld der Lunge.
Ein typischer Röntgenbefund einer offenen, übertragungsfähigen Tuberkulose mit einer Kaverne im rechten Oberfeld der Lunge. Darin befinden sich die Erreger, die dann ausgehustet werden und so in die Umgebung gelangen. © Andreas Müller / UKW

Lebertransplantierte umfassend informiert

Der Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) war am 14. März 2026 der Schauplatz für die Jahrestagung des Vereins Lebertransplantierte Deutschland.

Stand Jahrestagung Lebertransplantierte

Nach dem internen Teil des Patientenselbsthilfeverbands am Vormittag, standen beim öffentlichen Teil am Nachmittag Vorträge von drei UKW-Fachleuten auf dem Programm. Dabei lieferte Prof. Dr. Johan Lock unter anderem einige Kennzahlen aus dem Lebertransplantationsprogramm des Würzburger Großkrankenhauses. Nach Angaben des Leiters der Hepatopankreatobiliären und Transplantationschirurgie fand im November vergangenen Jahres die 300. Lebertransplantation am UKW statt. Aktuell umfasst die Warteliste des Uniklinikums für eine Spenderleber rund 30 Patientinnen und Patienten, während über 200 Lebertransplantierte ambulant betreut werden. Nach einem Überblick über die bundesweite Situation beschrieb Lock die Lebertransplantation zusammenfassend als etabliertes und effektives Therapieverfahren, dessen Hauptproblem nach wie vor in der mangelnden Organspende liegt. 

Im Anschluss stellte Privatdozent Dr. Friedrich Anger, Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, den über 220 Zuhörerinnen und Zuhörern aktuelle Innovationen bei der Organkonservierung, dem Operationsverfahren und dem postoperativen Management vor. 

Im dritten Fachvortrag zeigte Privatdozentin Dr. Monika Rau, Oberärztin der Hepatologie, auf, welche Faktoren den größten Einfluss auf einen guten Langzeitverlauf nach einer Lebertransplantation haben. 

Zum Abschluss der von Gabriele Nelkenstock, der Selbsthilfebeauftragten des UKW, organisierten Veranstaltung bestand für die Teilnehmenden die reichlich genutzte Gelegenheit zur Diskussion. Am Ende wurde der Informationsnachmittag vom Verein Lebertransplantierte Deutschland als „herausragend“ gelobt.
 

Stand Jahrestagung Lebertransplantierte

Palliativmedizin am UKW: Professur für Carmen Roch

„Frühe Einbindung ist enorm wichtig“ / Ein Kernziel ist symptomlindernde Therapie

Prof. Dr. Carmen Roch leitet den Schwerpunkt Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Brigitte May
Prof. Dr. Carmen Roch leitet den Schwerpunkt Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Brigitte May

Würzburg. Prof. Dr. Carmen Roch ist seit Februar Professorin für Palliativmedizin an der Universitätsmedizin Würzburg. Zudem leitet sie den Schwerpunkt Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Im Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin am UKW werden Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen und nicht-heilbaren Erkrankungen ganzheitlich betreut. Bei der Behandlung steht nicht die Heilung der Krankheit im Vordergrund, sondern die bestmögliche Lebensqualität und die Stärkung eigener Ressourcen. Das Zentrum umfasst eine eigene Station mit derzeit sechs Betten, eine Ambulanz und einen klinikweiten Palliativdienst.

„Ein Kernziel unserer Arbeit ist die symptomlindernde Therapie. Daher ist es wichtig, dass die Palliativmedizin so früh wie möglich eingebunden wird, wenn feststeht, dass eine Heilung der Erkrankung nicht mehr erreicht werden kann“, betont Prof. Roch. Denn: Eine palliativmedizinische Versorgung kann sich über mehrere Jahre erstrecken. „In dieser Zeit können wir als multiprofessionelles Team einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität leisten. Die Einbindung der Palliativmedizin kann zu jedem Zeitpunkt einer Erkrankung sinnvoll sein – auch zeitgleich mit einer krankheitsspezifischen Behandlung, die andauert“, so die Fachärztin für Anästhesiologie. Zudem verfügt die 50-Jährige über die Zusatzbezeichnungen Palliativmedizin und spezielle Schmerztherapie und ist ausgebildete Ethikberaterin im Gesundheitswesen. Sie ist bereits seit 2017 am Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin am UKW tätig. Zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Roch zählen die Erfassung von Symptomen und Belastungen in spezifischen Erkrankungssituationen und daraus abgeleitet die bestmögliche und individuelle Behandlung von Symptomen. Dies schafft Behandlungssicherheit für Patientinnen und Patienten, aber auch Behandelnde. 

Drei Säulen der palliativmedizinischen Versorgung am UKW

Neben der eigenen Station am UKW ist der Palliativdienst am UKW eine wichtige Säule der Versorgung an der unterfränkischen Uniklinik. Dort zählen die Beratung und Behandlung von Symptomen, die ressourcenorientierte Unterstützung von Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen zu den Kernaufgaben. Hinzu kommen Themen wie die vorausschauende Versorgungsplanung inklusive Beratung, etwa zum Thema Patientenverfügung oder Advance Care Planning, die Koordination und Organisation der Palliativversorgung und Mitbegleitung in der Sterbephase. Prof. Roch: „Dabei geht es auch darum, die Autonomie der Patienten bestmöglich zu unterstützen.“ Rund 1.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich durch den Palliativdienst versorgt. Durch ein klinikweites Screening wird dabei die schnelle Einbindung des Palliativzentrums sichergestellt. Auf der Station werden aktuell etwa 220 Patientinnen und Patienten pro Jahr aufgenommen. In der Palliativambulanz des Zentrums werden ambulante Patientinnen und Patienten beraten und behandelt, die keiner stationären Aufnahme bedürfen.

Gemeinsam entscheiden, optimal behandeln

Gemeinsam mit dem Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) hat das Palliativzentrum am UKW das zertifizierte „Share to care“--Programm am Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin eingeführt. Dahinter steht der Anspruch, medizinische Entscheidungen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten zu treffen, der Fachbegriff lautet „Shared Decision making“. Prof. Roch: „Wenn Menschen in die Palliativmedizin kommen, stehen sie vor wichtigen Entscheidungen in Bezug auf ihre Erkrankung und ihre Lebensqualität. Hier wollen wir gemeinsam und transparent aufzeigen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.“

Organisatorisch zählt das Interdisziplinäre Zentrum Palliativmedizin zur Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am UKW. Mit der Fertigstellung der neuen Klinik für Strahlentherapie wird auch die Palliativmedizin zukünftig in den Neubau umziehen. Dann wird auch die Anzahl der stationären Betten in der Palliativmedizin ausgebaut.

Förderverein unterstützt Angebote 

Neben der medizinischen Versorgung gibt es auch eine Vielzahl weiterer unterstützender Angebote für Patientinnen und Patienten des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin am UKW. Eine wichtige Hilfe ist hier ein eigener Förderverein. Prof. Roch: „Viele unterstützende Angebote, die unsere Patienten entlasten oder stärken können, werden leider nicht durch die Krankenversicherung abgedeckt.“ Dazu zählen unter anderem Kunst- und Musiktherapie, jahreszeitliche Dekorationen auf Station sowie kleinere kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte, die direkt in der Klinik stattfinden.

Weitere Informationen zum Palliativzentrum des UKW sowie zum Förderverein gibt es hier online.

Prof. Dr. Carmen Roch leitet den Schwerpunkt Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Brigitte May
Prof. Dr. Carmen Roch leitet den Schwerpunkt Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Brigitte May

Schwache Handkraft als Warnsignal für psychische Erkrankungen

Aktuelle Studie zeigt: Auch nach überstandener Depression bleibt die Handkraft vermindert

Frau drückt Manometer, das 26,7 kg zeigt.
Die Handgriffstärke gilt als verlässlicher Biomarker für die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit und zunehmend auch für die psychische Gesundheit. 26,7 kg wie hier am UKW gemessen, ist ein Durchschnittswert für gesunde Frauen. In der Studie lag die Griffkraft bei Frauen in und nach einer Depression zwischen 18 und 24 kg, bei Männern zwischen 30 und 35. © Kirstin Linkamp / UKW
Szene einer Messung am Tisch: eine Person hält den Manometer, eine andere sitzt daneben und hat Smartphone vor sich liegen, vermutlich wird die Zeit gestoppt.
Für die Studie wurden in Bern und Boston einheitliche elektronische Manometer verwendet sowie eine identische Messmethodik. Hier eine Szene aus der Schweiz. © Phil Wenger

Die Handgriffstärke ist ein einfaches und verlässliches Verfahren zur Bewertung der Muskelkraft und somit ein etablierter Biomarker für die allgemeine Fitness. Dass die Handkraft bei Menschen mit Depression oder Schizophrenie messbar reduziert ist, war schon länger bekannt. Eine internationale Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Sebastian Walther, dem Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW), zeigt nun jedoch, dass sich die Muskelkraft selbst nach überstandener Depression nicht automatisch normalisiert. Die in JAMA Psychiatry veröffentlichten Ergebnisse werfen die Frage auf, ob Depressionen bleibende körperliche Spuren hinterlassen – mit möglichen Folgen für Fitness, Therapie und Lebenserwartung.

Würzburg. Der Händedruck ist im sozialen Leben nicht nur eine Höflichkeitsgeste, sondern ein kompaktes Signalpaket. Während es hier gar nicht so sehr auf die Kraft ankommt, zählt diese in der Medizin umso mehr. Die Messung der Handgriffstärke ist ein einfaches und kostengünstiges Verfahren zur Bewertung der Muskelkraft. Inzwischen gilt die Handgriffstärke sogar als verlässlicher Biomarker für die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit und zunehmend auch für die psychische Gesundheit. 

Analyse der Handkraft bei Gesunden sowie bei Menschen mit Schizophrenie, mit Depression und nach überstandener Depression 

„Die Handkraft wurde sowohl bei Schizophrenie als auch bei Depressionen als vermindert beobachtet“, sagt Prof. Dr. Sebastian Walther. Der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW) wollte es genauer wissen. Gibt es Unterschiede? Und wie sieht die körperliche Fitness nach einem Schub aus? Schließlich verlaufen psychische Erkrankungen meistens in Episoden. Nach den akuten Krankheitsphasen sollten die Betroffenen eigentlich wieder an ihre frühere Leistungsfähigkeit anknüpfen können.

Sebastian Walther und ein internationales Team untersuchten in einer Studie mit insgesamt 533 Personen die Handkraft bei psychisch gesunden Erwachsenen, Menschen mit Schizophrenie, Menschen in depressiven Krankheitsphasen sowie Personen mit überstandener Depression. 

Veröffentlichung in JAMA Psychiatry – The Science of Mental Health and the Brain

In die Analyse flossen Daten mehrerer Studien der Arbeitsgruppen von Sebastian Walther aus Bern und Chicago ein, die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und dem National Institute of Health (NIH) geförderte waren. In allen Studien wurde die identische Methodik verwendet. Das heißt, die Handkraft wurde mit einem elektronischen Manometer in mehreren Versuchen von beiden Händen gemessen. Analysiert wurden die Werte für die jeweils dominante Hand. Die Ergebnisse konnte das Team in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichen

Niedrige Handkraft der aktuell Depressiven unterschied sich nicht von genesenen Depressiven

Das erste Ergebnis überraschte nicht: Alle Patientinnen und Patienten wiesen eine geringere Handkraft auf als die gesunden Kontrollgruppen. Es gab jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Erkrankungen. Diejenigen mit Schizophrenie hatten eine höhere Handkraft als diejenigen mit Depressionen. Dabei unterschieden sich die aktuell Depressiven nicht von den genesenen Depressiven. „Das hat uns sehr überrascht“, sagt Sebastian Walther. „Wir hatten erwartet, dass Menschen mit einer überstandenen Depression wieder eine normale Handkraft aufweisen.“ 

Der Psychiater bewertet es als beunruhigend, dass sich die Handkraft bei Menschen nach einer Depression nicht erholt. Schließlich galt die Handkraft in früheren Studien an der Allgemeinbevölkerung als guter Marker für Fitness und Gesundheit. 

Echtes Fitnessdefizit und Frühwarnsignal für ein erhöhtes Sterberisiko oder nur eine motorische Steuerungsstörung? 

„Weitere Studien müssen nun klären, ob eine niedrige Handkraft trotz überstandener Depression auf ein echtes Defizit in der Fitness oder lediglich auf fehlende motorische Kontrolle zurückzuführen ist“, sagt Walther. Ein ähnliches Muster fand das Team von Sebastian Walther in einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 (doi:10.1017/S0033291722000903) zur Menge der Spontanbewegungen: Nach einer depressiven Episode bewegen sich Betroffene weiterhin deutlich weniger als gesunde Kontrollprobanden.

In der aktuellen Studie gab es bei Patienten mit Schizophrenie beispielsweise einen deutlichen Zusammenhang zwischen Handkraft und fehlender Motivation. Die Klärung der Ursache sei laut Walther wichtig, da sie darüber entscheidet, wie die Depression zusätzlich behandelt werden muss. Ein neuromotorisches Steuerungsproblem ist beispielsweise kein direkter Marker für körperlichen Abbau, sondern eher ein Ausdruck einer veränderten Hirn-Körper-Interaktion. In diesem Fall könnte die Behandlung stärker auf Koordinationstraining oder physiotherapeutische Rehabilitation setzen. Ein Fitness-Defizit deutet hingegen auf physische Langzeitfolgen hin. Das heißt, die Depression hinterlässt messbare körperliche Spuren. Das wiederum bedeutet, dass durch gezielte körperliche Interventionen möglicherweise nicht nur die Fitness, sondern auch die Langzeitprognose und die Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert werden können. Immerhin verkürzen psychische Erkrankungen wie Depressionen die Lebenserwartung um durchschnittlich zehn Jahre, Schizophrenien sogar um 20 Jahre. 

Informationen zur verkürzten Lebenserwartung bei schweren psychischen Erkrankungen: Eine Metaanalyse, die in 2015 Jama Psychiatry veröffentlicht wurde und auf 203 Studien aus 29 Ländern basiert, deutet darauf hin, dass psychische Erkrankungen nicht nur zu Leid und Funktionsverlust im Alltag führen, sondern auch mit einer deutlich erhöhten Gesamtmortalität und einem deutlich reduzierten Lebensalter verbunden sind. Betroffene sterben im Durchschnitt rund zehn Jahre früher als Menschen ohne psychische Erkrankung. Menschen mit Psychosen wie Schizophrenie hatten ein um den Faktor 2,5 erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu gesunden Personen. Bei Patientinnen und Patienten mit Depressionen war die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu sterben, um den Faktor 1,7 erhöht. Faktoren wie körperliche Begleiterkrankungen, Lebensstil, Versorgungslücken und Suizid tragen zu diesem erhöhten Mortalitätsrisiko bei. 

Informationen zum Händedruck: Aus evolutionspsychologischer Sicht signalisiert der Händedruck Friedfertigkeit, fördert Vertrauen, leitet Kooperationen ein und zeigt die körperliche Verfassung. Dabei muss der Händedruck noch nicht einmal richtig stark sein. In der der angewandten Kommunikationsliteratur wird ein vollständiger Händedruck dadurch beschrieben, dass die Hand ausreichend geöffnet ist und sich die Daumen-Zeigefinger-Partien berühren.

Aktuelle Publikation: Sofie von Känel, Anastasia Pavlidou, Niluja Nadesalingam, Victoria Chapellier, Melanie G. Nuoffer, Lydia Maderthaner, Alexandra Kyrou, Alexios Malifatouratzis, Florian Wüthrich, Stephanie Lefebvre, Victor Pokorny, Zachary Anderson, Stewart A. Shankman, Vijay A. Mittal, Sebastian Walther. Transdiagnostic Patterns of Grip Strength in Schizophrenia, Current Depression, and Remitted Depression. JAMA Psychiatry. Published Online: March 18, 2026, doi: 10.1001/jamapsychiatry.2026.0144

Zitierte Publikation von 2022: Florian Wüthrich, Carver Nabb, Vijay A. Mittal, Stewart A. Shankman, Sebastian Walther. Actigraphically measured psychomotor slowing in depression: systematic review and meta-analysis. Psychological Medicine. 2022;52(7):1208-1221. doi:10.1017/S0033291722000903

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Frau drückt Manometer, das 26,7 kg zeigt.
Die Handgriffstärke gilt als verlässlicher Biomarker für die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit und zunehmend auch für die psychische Gesundheit. 26,7 kg wie hier am UKW gemessen, ist ein Durchschnittswert für gesunde Frauen. In der Studie lag die Griffkraft bei Frauen in und nach einer Depression zwischen 18 und 24 kg, bei Männern zwischen 30 und 35. © Kirstin Linkamp / UKW
Szene einer Messung am Tisch: eine Person hält den Manometer, eine andere sitzt daneben und hat Smartphone vor sich liegen, vermutlich wird die Zeit gestoppt.
Für die Studie wurden in Bern und Boston einheitliche elektronische Manometer verwendet sowie eine identische Messmethodik. Hier eine Szene aus der Schweiz. © Phil Wenger

Bayerischer Kongress der Hebammenwissenschaft am 26. März in Würzburg

Unter dem Thema „Ganzheitlich gedacht: akademisch-familienzentriert-interprofessionell“ nehmen wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der neun Hochschulstandorte in Bayern, ebenso wie Studierende und Kolleginnen aus der Praxis an dem Kongress teil.

Das Team des Institutes für Hebammenwissenschaft am UKW richtet am 26. März den zweiten „Bayerischen Kongress der Hebammenwissenschaft“ aus. Foto: UKW / Lisa Spieker
Das Team des Institutes für Hebammenwissenschaft am UKW richtet am 26. März den zweiten „Bayerischen Kongress der Hebammenwissenschaft“ aus. Foto: UKW / Lisa Spieker

Würzburg. Das Institut für Hebammenwissenschaft am UKW richtet am 26. März den zweiten „Bayerischen Kongress der Hebammenwissenschaft“ aus. Unter dem Thema „Ganzheitlich gedacht: akademisch-familienzentriert-interprofessionell“ nehmen wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der neun Hochschulstandorte in Bayern, ebenso wie Studierende und Kolleginnen aus der Praxis an dem Kongress teil.

„In verschiedenen Formaten widmet sich der Kongress den Chancen und Herausforderungen der Akademisierung der Hebammenwissenschaft, den das Team des Institutes auch auf bayerischer Ebene aktiv mitgestaltet“, so die Koordinatorin des Studiengangs, Dr. Kerstin Hubert. Das interprofessionelle Team des Instituts, mit den beiden Studiengangleitungen Kristina Stanzel und Andrea Paucke hat eine intensiv Planungsphase hinter sich und hofft nun auf einen intensiven Austausch am 26. März. Das Programm zum Bayerischen Kongress der Hebammenwissenschaft in Würzburg gibt es auf dieser Homepage.

Dualer Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft seit 2022

Der duale Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft wird seit 2022 an der Medizinischen Fakultät angeboten. „Aktuell steht der erste Jahrgang mit 20 Hebammen-Studierenden kurz vor dem Abschluss,“ freut sich Prof. Dr. Ulrich Pecks, Leiter des Instituts für Hebammenwissenschaft und der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Mit dem Abschluss erwerben die Studierenden nicht nur den Bachelor-Abschluss, sondern zugleich die Berufszulassung als Hebamme. „Die hohe Nachfrage nach den Studienplätzen zeigt, dass wir in Würzburg ein attraktives Angebot geschaffen haben. Umso mehr freut es uns, dass der Kongress nach seiner Premiere in Erlangen nun hier stattfinden kann“, so Pecks.

Film und Diskussion am 25. März - Noch Tickets erhältlich

Am Vorabend des Kongresses, am 25. März, wird der Film „Mother´s Baby“ im Central im Bürgerbrau-Kino gezeigt. Der Film aus dem Jahr 2025 thematisiert die Zweifel einer Mutter nach einer traumatischen Geburt. Im Anschluss an den Film gibt es eine offene Diskussion im Kino zu den Themen des Erlebens von Kinderwunsch, Geburt und Muttersein. Weitere Informationen zum Film, zur Podiumsdiskussion und Tickets gibt es hier. 

Das Team des Institutes für Hebammenwissenschaft am UKW richtet am 26. März den zweiten „Bayerischen Kongress der Hebammenwissenschaft“ aus. Foto: UKW / Lisa Spieker
Das Team des Institutes für Hebammenwissenschaft am UKW richtet am 26. März den zweiten „Bayerischen Kongress der Hebammenwissenschaft“ aus. Foto: UKW / Lisa Spieker

Seltene Erkrankungen sichtbar machen – erfolgreiche Aktion des WAKSE

Am Tag der Seltenen Erkrankungen wurden Besucherinnen und Besucher der Stadtbücherei Würzburg bereits im Eingangsbereich auf den Informationsstand des Würzburger Arbeitskreises Seltene Erkrankungen (WAKSE) aufmerksam gemacht. Anlass des Standes war der Internationale Tag der Seltenen Erkrankungen.

Seltene Erkrankungen sichtbar machen - Infostand in der Stadtbücherei mit verschiedenen Vertretern.
Infostand in der Stadtbücherei war gefragt: Daniela Funk (Aktivbüro), Berthold Schmitt (WAKSE), Michael Burkart (WAKSE), Birgit Hardt (WAKSE), Karin Burkart (WAKSE), Prof. Dr. Helge Hebestreit (Uni Klinik Würzburg), Sabine Klingert-Ullherr (Dienststellenleitung Aktivbüro), Leonie Stüttem (Praktikantin Aktivbüro) Fotograf: Pablo Hebestreit

Viele Menschen blieben stehen und erkundigten sich interessiert danach, was genau unter Seltenen Erkrankungen zu verstehen ist. Besonders erfreulich war, dass auch zahlreiche selbst betroffene Personen durch die zuvor veröffentlichte Pressemitteilung auf den Stand aufmerksam wurden und das Gespräch suchten.
Die Mitglieder des WAKSE nahmen sich viel Zeit für persönliche Gespräche. Mit großem Einfühlungsvermögen konnten Erfahrungen geteilt, Fragen beantwortet und neue Kontakte geknüpft werden.

Der Würzburger Arbeitskreis Seltene Erkrankungen setzt sich aus haupt- und ehrenamtlich engagierten Menschen zusammen. Jedes Jahr organisiert der Arbeitskreis am 28. bzw. 29. Februar eine Aktion anlässlich des Internationalen Tags der Seltenen Erkrankungen. Die Koordination der Aktivitäten übernimmt dabei das Aktivbüro der Stadt Würzburg.

Dank der Unterstützung der Stadtbücherei Würzburg konnte im lebhaften Samstagsbetrieb auf das wichtige Thema aufmerksam gemacht werden.
Der Informationsstand bot zudem eine gute Gelegenheit, die Öffentlichkeit für Seltene Erkrankungen zu sensibilisieren. Weltweit leben schätzungsweise rund 3,5 bis 5,9 Prozent der Bevölkerung mit einer Seltenen Erkrankung. In Deutschland sind etwa vier Millionen Kinder und Erwachsene betroffen. Rund 72 Prozent dieser Erkrankungen sind genetisch bedingt.

Eine Heilung ist für viele Seltene Erkrankungen bislang nicht möglich. Häufig verlaufen sie chronisch und gehen teilweise mit schweren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen einher. Hinzu kommt, dass Therapiemöglichkeiten und spezialisierte Fachstellen oft rar sind – ein Grund dafür, dass der Weg zur Diagnose für Betroffene häufig sehr lang und belastend ist.

 

Pressemitteilung der Stadt Würzburg vom 18. März 2026

Seltene Erkrankungen sichtbar machen - Infostand in der Stadtbücherei mit verschiedenen Vertretern.
Infostand in der Stadtbücherei war gefragt: Daniela Funk (Aktivbüro), Berthold Schmitt (WAKSE), Michael Burkart (WAKSE), Birgit Hardt (WAKSE), Karin Burkart (WAKSE), Prof. Dr. Helge Hebestreit (Uni Klinik Würzburg), Sabine Klingert-Ullherr (Dienststellenleitung Aktivbüro), Leonie Stüttem (Praktikantin Aktivbüro) Fotograf: Pablo Hebestreit