Aktuelle Pressemitteilungen

Wolffskeel-Realschule spendet über 6.500 Euro für Angehörigenhaus

Schülerinnen und Schüler der Wolffskeel-Realschule Würzburg haben bei einem Spendenlauf eindrucksvoll gezeigt, wie Sport und gesellschaftlicher Zusammenhalt Hand in Hand gehen können. Die dabei gesammelten 6.562,40 Euro kommen dem vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ geplanten Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung zugute.

Übergabe Spendenscheck
Schulleiter Ingolf John (links) und Lehrer Vitali Schreivogel überreichten den Spendenscheck aus dem Benefizlauf der Würzburger Wolffskeel-Realschule an Gabriele Nelkenstock vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“. Foto: Andreas Kraus

Würzburg. 530 Schülerinnen und Schüler der Wolffskeel-Realschule Würzburg drehten bei einem Spendenlauf vom 6. bis 10. Juli dieses Jahres ausdauernd ihre Runden. Jede gelaufene Runde wurde durch Sponsorinnen und Sponsoren aus dem Familien- und Freundeskreis honoriert, was den sportlichen Ehrgeiz der Jugendlichen besonders anstachelte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 6.562,40 Euro wurden jetzt an den Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ überreicht.

Organisiert wurde die Aktion von Vitali Schreivogel, Lehrer an der Wolffskeel-Realschule, im Gedenken an eine an Krebs verstorbene Kollegin. „Wir wollten das Erinnern mit einem Zeichen der Solidarität verbinden. Im Mittelpunkt standen die Freude an der Bewegung und die Bereitschaft, sich gemeinsam für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einzusetzen“, erläutert Schreivogel. 

Unterstützung für das Angehörigenhaus

Der Spendenerlös fließt in den Aufbau des geplanten Zentrums für Patienten- und Angehörigenbegleitung in Würzburg. Dazu soll der historische Rotkreuzhof so umgebaut werden, dass dort Angehörigen schwer erkrankter Patientinnen und Patienten eine bezahlbare Unterkunft, Orte der Begegnung und Beratung sowie weitere Unterstützungsleistungen geboten werden können. Ziel ist es, Menschen in einer oft belastenden Lebensphase umfassend zu begleiten und ihnen ein Stück Halt und Entlastung zu geben.

„Wir freuen uns sehr über diese außergewöhnliche Unterstützung“, kommentierte Gabriele Nelkenstock bei der Spendenübergabe. Die Vorsitzende von „Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V.“ fuhr fort: „Die Schülerinnen und Schüler haben nicht nur eine beachtliche Spendensumme erlaufen, sondern zugleich ein starkes Zeichen für Mitmenschlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt gesetzt. Dass Bewegung auch noch ein wesentlicher Faktor bei der Prävention vieler Erkrankungen ist, macht die Aktion extra wertvoll.“  

Text: Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Pressemitteilung Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. - 30. Juli 2026

Übergabe Spendenscheck
Schulleiter Ingolf John (links) und Lehrer Vitali Schreivogel überreichten den Spendenscheck aus dem Benefizlauf der Würzburger Wolffskeel-Realschule an Gabriele Nelkenstock vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“. Foto: Andreas Kraus

Referenzzentrum für Endokrine Chirurgie am UKW erneut erfolgreich zertifiziert

Hohe Expertise, exzellente Behandlungsqualität und starke Forschung überzeugen Auditoren

Blick in den OP-Saal, Operateure stehen mit Lupenbrillen und Stirnlampe am OP-Tisch.
Prof. Dr. Nicolas Schlegel (links) und Privatdozent Dr. Michael Meir bei einer Schilddrüsenoperation. Die Arbeit mit Lupenbrille zur vergrößerten Darstellung feiner anatomischer Strukturen ist in der modernen Schilddrüsenchirurgie Standard. © Valerie Hübner / UKW

Würzburg. Ob ein Knoten in der Schilddrüse, eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen oder ein Tumor der Nebenniere – Eingriffe an hormonbildenden Organen sind anspruchsvolle Operationen in der Viszeralchirurgie. Sie erfordern viel Erfahrung, höchste Präzision und die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Dass Patientinnen und Patienten am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) dabei auf eine Versorgung auf höchstem Niveau vertrauen können, bestätigt nun erneut die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV): Sie hat das Referenzzentrum für Endokrine Chirurgie erfolgreich für weitere drei Jahre bis zum 31. Juli 2029 rezertifiziert (Zertifikat).

Endokrine Chirurgie wird sehr ernst genommen und sehr kompetent betrieben

Im Rahmen eines ganztägigen Audits wurden durch einen Gutachter, der selbst Leiter eines großen Zentrums für Endokrine Chirurgie ist, die Strukturen, Behandlungsabläufe und die operative Qualität des Zentrums bewertet. Sein Fazit fiel eindeutig aus: Die endokrine Chirurgie werde am UKW „in Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Forschung sehr ernst genommen und sehr kompetent betrieben“. Die Ausstattung des Zentrums sei „sowohl apparativ als auch personell überdurchschnittlich“, die demonstrierte operative Leistung sei „sehr gut und ohne Beanstandungen“, die Leitlinien würden konsequent umgesetzt. 

„Die erneute Rezertifizierung bestätigt die hohe Qualität unserer Patientenversorgung und ist zugleich eine Anerkennung für die hervorragende Arbeit unseres gesamten interdisziplinären Teams“, freut sich Prof. Dr. Nicolas Schlegel, der das Referenzzentrum für Endokrine Chirurgie am UKW leitet. Neben Schlegel nahmen Klinikdirektor Prof. Dr. Christoph-Thomas Germer, PD Dr. Michael Meir, PD Dr. Joachim Reibetanz, PD Dr. Christina Lenschow sowie Studienassistentin Nicole Kirschbauer am Audit teil.

Hohe Fallzahlen und spezialisierte Expertise

Besonders positiv bewertete der Auditor die Entwicklung des Zentrums in den vergangenen drei Jahren. Die Mindestmenge der einzelnen operierten Entitäten wurden zum Teil sogar deutlich übertroffen. Aktuell werden vor allem Steigerungen der Nebenniereneingriffe verzeichnet, sodass für das Jahr 2026 mehr als 100 Eingriffe erwartet werden. 

Während des Audits wurden mehrere Operationen an Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebennieren begleitet, darunter auch robotisch assistierte Eingriffe mit dem Da-Vinci-Operationssystem. Hervorgehoben wurde die hohe Spezialisierung innerhalb des Teams. So verfügt Joachim Reibetanz über eine besondere Expertise in der Nebennierenchirurgie, während der besondere Fokus von Nicolas Schlegel auf die Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie ausgerichtet ist. Die klare Aufgabenteilung bewertet der Auditor ausdrücklich als Vorteil, da sie den Patientinnen und Patienten für jede Erkrankung die größtmögliche operative Erfahrung zur Verfügung stelle. Darüber hinaus haben Nicolas Schlegel und Michael Meir im Jahr 2026 erfolgreich die europäische Qualifikation Endocrine Surgery (EBSQ) erworben. Diese international anerkannte Zusatzqualifikation bescheinigt besondere fachliche Expertise auf dem Gebiet der endokrinen Chirurgie.

Qualität entlang der gesamten Behandlungskette

Neben den Operationen wurden auch die organisatorischen Abläufe überprüft. Dazu gehörten unter anderem die Visite auf der chirurgischen Station, die Dokumentation der Behandlungsverläufe, die Einhaltung der Leitlinien sowie das Fortbildungs- und Studienmanagement. Diese Kriterien wurden allesamt erfüllt. 

Ein weiterer Schwerpunkt war das interdisziplinäre Tumorboard für Endokrine Tumoren, in dem wöchentlich Tumorfälle gemeinsam mit den beteiligten Fachdisziplinen besprochen werden. Durch die sehr kompetent besetzten beteiligten Fachrichtungen im Hause werde hier ein hoher Standard erreicht, heißt es im Auditbericht. 

Die enge Verbindung von Patientenversorgung und Forschung wertete der Auditor ebenfalls als besondere Stärke des Würzburger Zentrums. Unterstrichen werde dies unter anderem durch den Lehrstuhl für Experimentelle Viszeralchirurgie, den Zentrumsleiter Nicolas Schlegel innehat.

Die Zertifizierung als Referenzzentrum für Endokrine Chirurgie wurde damit ohne Einschränkung befürwortet. Das Universitätsklinikum Würzburg ist damit eines von wenigen Zentren in Deutschland, das diese Qualifizierungsstufe erfüllt. 

Blick in den OP-Saal, Operateure stehen mit Lupenbrillen und Stirnlampe am OP-Tisch.
Prof. Dr. Nicolas Schlegel (links) und Privatdozent Dr. Michael Meir bei einer Schilddrüsenoperation. Die Arbeit mit Lupenbrille zur vergrößerten Darstellung feiner anatomischer Strukturen ist in der modernen Schilddrüsenchirurgie Standard. © Valerie Hübner / UKW

Würzburg gibt den Startschuss für bundesweites Kommunikationsprogramm in der Krebsmedizin

Mit dem ersten von sechs Modulen eröffnet das Universitätsklinikum Würzburg das neue bundesweite Train-the-Trainer-Programm „TrainKommOnko“. Es soll die Kommunikation mit Krebspatientinnen und -patienten nachhaltig verbessern und als festen Qualitätsstandard in der onkologischen Versorgung verankern.

Gesprächssituation
Zentraler Schulungsinhalt des Würzburger Moduls: Welche professionelle Haltung ist von Seiten der Gesundheitsberufe nötig, um Krebserkrankte bestmöglich zu begleiten? © Konstantin Schrader / UKW
Gruppenbild Teilnehmende und Dozierende
Die Teilnehmenden und Dozierenden der ersten TrainKommOnko-Schulung im Mai dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg. © Konstantin Schrader / UKW

Würzburg. Die Krebsmedizin hat enorme Fortschritte gemacht. Doch gute Versorgung braucht mehr als moderne Diagnostik und innovative Therapien: Sie braucht Kommunikation, die Orientierung gibt, gemeinsame Entscheidungen ermöglicht und Menschen mit Krebs auf ihrem Weg begleitet. 

Train-the-Trainer-Prinzip: Multiplikatoren ausbilden

Vor diesem Hintergrund fördert die Deutschen Krebshilfe das Programm „TrainKommOnko“ mit mehr als acht Millionen Euro. Unter der Gesamtleitung von Prof. Dr. Jana Jünger vom Institut für Kommunikations- und Prüfungsforschung in Heidelberg werden in den kommenden vier Jahren Ärztinnen und Ärzte sowie Personen aus weiteren Gesundheitsberufen an Comprehensive Cancer Centers sowie Onkologischen Zentren zu Kommunikationstrainerinnen und -trainern qualifiziert. Als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren geben sie ihr Wissen anschließend an ihren jeweiligen Standorten weiter und etablieren gute Kommunikation als festen Qualitätsstandard.

Würzburger Modul: Haltung als Grundlage guter Gespräche

Das Uniklinikum Würzburg (UKW) hat für das Programm das erste von bundesweit sechs Modulen entwickelt und im Mai dieses Jahres erstmals durchgeführt. Verantwortet wird der Würzburger Schulungsbaustein von Prof. Dr. Imad Maatouk, Lehrstuhlinhaber für Integrierte Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, und Prof. Dr. Claudia Löffler, Professorin für Integrative Onkologische Medizin. Das interprofessionelle Curriculum entstand in enger Zusammenarbeit mit Privatdozentin Dr. Elisabeth Jentschke, Leiterin der Psychoonkologie am UKW, sowie weiteren Expertinnen und Experten aus den beteiligten Fachbereichen. Im Mittelpunkt steht weniger die Vermittlung einzelner Gesprächstechniken als vielmehr die Frage, welche professionelle Haltung Gesundheitsberufe benötigen, um Menschen mit einer Krebserkrankung bestmöglich zu begleiten. „Gute Kommunikation beginnt mit aufmerksamem Zuhören, gegenseitigem Vertrauen und dem gemeinsamen Entwickeln tragfähiger Entscheidungen“, verdeutlicht Prof. Maatouk. Und Prof. Dr. Löffler ergänzt: „Gute Krebsversorgung muss konsequent am Menschen orientiert sein. Gute Kommunikation schafft Orientierung und verbindet wissenschaftliche Evidenz mit den individuellen Bedürfnissen, Werten und Lebenszielen der Patientinnen und Patienten. So entsteht eine Versorgung, die Menschen befähigt, ihre Gesundheit und Lebensqualität aktiv mitzugestalten.“ Fragen zu Bewegung, Ernährung und weiteren unterstützenden Maßnahmen gehören längst zum Alltag in der Krebsmedizin. Gleichzeitig ist die Studienlage oft komplex und die Informationsflut im Internet schwer einzuordnen. Das Würzburger Modul vermittelt deshalb, wie Gespräche über Integrative Onkologie evidenzbasiert, verständlich und alltagsnah geführt werden können. Ergänzend wurden praxisnahe Gesprächshilfen sowie wissenschaftlich fundierte Informationsmaterialien erarbeitet, die Menschen in Gesundheitsberufen dabei unterstützen, Patientinnen und Patienten verlässliche Orientierung zu geben und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Im Tandem mit Hamburg

An der ersten, dreitägigen Schulung in Würzburg nahmen 18 Beschäftigte aus onkologischen Zentren in ganz Deutschland teil. Für die bundesweite Umsetzung arbeitet das UKW-Team eng mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Tandempartner zusammen. Die gemeinsam entwickelten Inhalte wurden Ende Juli einer zweiten Teilnehmerkohorte in der Hansestadt vermittelt.

In den kommenden Jahren sollen an zunächst zwölf, später an mehr als 30 onkologischen Zentren Kommunikationstrainerinnen und -trainer ausgebildet werden. So entsteht in den kommenden Jahren ein bundesweites Netzwerk, das Kommunikationskompetenz nachhaltig in der onkologischen Versorgung verankert.

 

Text: Pressestelle / UKW

Gesprächssituation
Zentraler Schulungsinhalt des Würzburger Moduls: Welche professionelle Haltung ist von Seiten der Gesundheitsberufe nötig, um Krebserkrankte bestmöglich zu begleiten? © Konstantin Schrader / UKW
Gruppenbild Teilnehmende und Dozierende
Die Teilnehmenden und Dozierenden der ersten TrainKommOnko-Schulung im Mai dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg. © Konstantin Schrader / UKW

Kleine Mutation, große Wirkung: Neue Erkenntnisse über seltene Herzkrankheiten

Der Austausch eines einzigen Proteinbausteins führt zu stark unterschiedlichen Störungen in Herzmuskelzellen. Diese Erkenntnis eröffnet neue Wege zur Behandlung erblicher Kardiomyopathien.

Kardiomyopathien sind eine Gruppe von meist erblichen, seltenen Herzkrankheiten, bei denen die Struktur des Herzmuskelgewebes gestört ist. Das schränkt die Pumpkraft des Herzens ein; es kommt zu Atemnot, geringerer körperlicher Leistungsfähigkeit und weiteren typischen Beschwerden einer Herzschwäche.

Bei manchen Betroffenen ist das RBM20-Protein mutiert; sie werden derzeit genauso behandelt wie Menschen mit Herzinsuffizienz. Doch bei dieser speziellen Gruppe könnte künftig eine spezifischere Therapie sinnvoll sein. Das zeigt eine neue Studie, die maßgeblich von Forschenden aus Würzburg und Heidelbergstammt. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Signal Transduction and Targeted Therapy veröffentlicht.

Kleiner Unterschied mit großen Folgen

Das Studienteam hat zwei Familien analysiert, in denen je eine spezielle Kardiomyopathie mit einer spezifischen Mutation im RBM20 auftritt. In einer Familie ist es die dilatative Kardiomyopathie (DCM), bei der sich die Herzkammern stark vergrößern und das Herz nicht mehr effektiv pumpt. In der anderen Familie ist es die linksventrikuläre Non-Compaction-Kardiomyopathie (LVNC), eine Unterform der DCM, bei der das Herzgewebe schwammartig durchlöchert ist.

Medizinisch betreut und genetisch untersucht werden beide Familien von Professor Benjamin Meder am Universitätsklinikum Heidelberg. Analysen zeigten, dass es zwischen den mutierten RBM20-Proteinen der Familien nur einen klitzekleinen Unterschied gibt: In der DCM-Familie ist an einer definierten Stelle des RBM20-Proteins ein einziger Aminosäure-Baustein durch einen anderen ersetzt, und zwar ein Arginin durch ein Tryptophan. In der zweiten Familie ist genau das gleiche Arginin durch Leucin ersetzt.

„Wir haben uns gefragt, wie ein so kleiner Unterschied zu zwei derart verschiedenen Krankheitsbildern führen kann“, sagt Professorin Katrin Streckfuß-Bömeke von der Universität Würzburg, Letztautorin der Publikation. Die Pharmakologin und Expertin für humane Kardiomyopathie-Modelle arbeitet auf diesem Feld seit Jahren mit ihrem Heidelberger Kollegen Meder zusammen.

Gravierende Folgen für den Kalziumhaushalt festgestellt

Mit Hilfe von Haut- und Blutproben der Familien stellte das Würzburger Team fest, dass der Austausch eines einzelnen Proteinbausteins gravierende Folgen für den Kalziumhaushalt hat. Der lebenswichtige Mineralstoff Kalzium wirkt in Herzzellen wie ein Taktgeber: Er sorgt dafür, dass sich der Herzmuskel im richtigen Rhythmus zusammenzieht und wieder entspannt.

Die Forschenden entdeckten, dass bei der Krankheit mit dem schwammartig veränderten Herzgewebe die Zellen besonders empfindlich für das Kalzium-Signal sind: Sie haben einen stark aktivierten Kalziumzyklus und verbrauchen extrem viel Energie. Bei DCM-Herzzellen dagegen kommt es zu einem Speicherproblem: Bei ihnen läuft das Kalzium aus dem internen Speicher, als hätte der ein Leck.

Künstliche Herzgewebe und Genschere verwendet

Um die beschriebenen Prozesse verstehen zu können, baute das Team die Situation der Erkrankten im Labor nach. Für die Studie wurden aus den Blut- und Hautzellen der betroffenen Familien pluripotente Stammzellen (iPS) erzeugt. Diese Zellen sind Alleskönner und lassen sich in jede beliebige Zellart verwandeln – in diesem Fall in schlagende Herzmuskelzellen.

Drei Modelle kamen bei den Untersuchungen zum Einsatz: einzelne Herzzellen, kugelförmige Organoide und kleine künstliche Herzmuskelgewebe. Letztere wurden im Tissue-Engineering-Team von Dr. Malte Tiburcy an der Universitätsmedizin Göttingen hergestellt.

Die Forschenden nutzten auch die Genschere CRISPR/Cas9. Mit dieser Technik konnten sie die Fehler im Erbgut der erkrankten Zellen punktgenau reparieren. In derart „geheilte“ LVNC-Zellen fügten sie dann die DCM-Variante ein. So erkannten sie, dass tatsächlich nur die eine kleine Mutation an derselben Stelle des RBM20-Proteins für die sehr unterschiedlichen Krankheitsbilder verantwortlich ist.

Ansatzpunkte für patientenspezifische Therapien gefunden

Bei diesen Analysen identifizierte das Team einige „molekulare Spieler“, die bei den beiden erblichen Herzkrankheiten spezifische Rollen übernehmen. „Damit haben wir neue molekulare Ansatzpunkte gefunden, an denen Medikamente angreifen könnten“, sagt Dr. Sabine Rebs, Erstautorin der Studie und Mitglied des Teams von Katrin Streckfuß-Bömeke.

Auch erste Hinweise auf mögliche neue Wirkstoffe können die Forschenden liefern. Ein Hoffnungsträger könnte zum Beispiel das Medikament Verapamil sein, das die Wirkung von Kalzium abschwächt und für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen zugelassen ist: In den Laborversuchen an Zellen und Geweben konnte der Arzneistoff die Kraft der geschädigten Herzzellen teilweise verbessern.

Doch bevor neue Therapiestrategien reif für den Einsatz am Menschen sein könnten, sind noch viele weitere Studien nötig. Doch schon jetzt zeigt das Forschungsteam Wege auf, auf denen sich verschiedene Kardiomyopathien mit RBM20-Mutation in der Zukunft individueller behandeln lassen. Genetische Analysen werden dann helfen, die jeweils bestmögliche Therapie maßgeschneidert für jeden einzelnen Betroffenen festzulegen.

Projektbeteiligte

In dieser Studie hat das Team von Professorin Katrin Streckfuß-Bömeke eng mit den Gruppen von Professor Christoph Maack vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg und Professor Markus Sauer vom JMU-Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik zusammengearbeitet.

Beteiligt waren außerdem Gruppen von den Universitätsklinika Freiburg, Göttingen, Hamburg-Eppendorf und Heidelberg sowie von der Technischen Universität Dresden, der Universität Gießen und der Stanford University (USA).

Publikation 

RBM20 variants disrupt Ca2+ handling and metabolism in dilated and non-compaction cardiomyopathy stem cell models. Signal Transduction and Targeted Therapy, 14. Juli 2026. Open Access, DOI: https://doi.org/10.1038/s41392-026-02838-7

Kontakt

Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Würzburg, katrin.streckfuss-boemeke@ uni-wuerzburg.de

Weblinks

Arbeitsgruppe Professorin Katrin Streckfuß-Bömeke https://www.med.uni-wuerzburg.de/pharmatoxi/arbeitsgruppen/arbeitsgruppe-streckfuss-boemeke/
Fakten zu Kardiomyopathien https://dzhk.de/erkrankungen/ueberblick/kardiomyopathien

 

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) vom 29. Juli 2026

Wichtiger Meilenstein bei HI-PLUS: Jetzt beginnt die Auswertung der Herzinsuffizienz-Versorgungsstudie

Die bundesweite HI-PLUS-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) hat die Nachbeobachtung der letzten Teilnehmenden abgeschlossen

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

In der HI-PLUS-Studie werden bekannte Defizite in der Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz adressiert. Dabei wird eine neue, sektorenübergreifende Versorgungsform untersucht, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren soll. Im Mittelpunkt der neuen Versorgungsform stehen speziell für die Versorgung herzinsuffizienter Menschen qualifizierte Medizinische Fachangestellte (HI-MFA). Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, erfassen Vitaldaten telemonitorisch und unterstützen den Informationsaustausch zwischen Hausarztpraxis und kardiologischer Praxis über eine digitale Fallakte. Insgesamt wurden 712 Patientinnen und Patienten in die bundesweite HI-PLUS-Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Mit deren Abschluss beginnt nun die wissenschaftliche Auswertung. Erweist sich das Versorgungsmodell als wirksam, könnte es als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen.

Würzburg. Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz werden häufig sowohl hausärztlich als auch kardiologisch betreut. Im Versorgungsalltag funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behandelnden jedoch nicht immer optimal. Das kann dazu führen, dass Therapien nicht rechtzeitig angepasst werden und die Patientinnen und Patienten Betreuung nicht in der Intensität erhalten, die sie benötigen. Genau hier setzt die HI-PLUS-Studie an. Die bundesweite Versorgungsstudie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg untersucht, ob eine engere Zusammenarbeit zwischen hausärztlichen und kardiologischen Praxen sowie speziell in Herzinsuffizienz geschulten Medizinischen Fachangestellten (HI-MFA) die Versorgung von Menschen mit Herzschwäche verbessern kann. Die Ergebnisevaluation der Studie wird durch das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) der Universität Würzburg durchgeführt. Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung der letzten Studienteilnehmenden hat HI-PLUS nun einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Innerhalb von drei Jahren wurden 712 Patientinnen und Patienten in die zweiarmige, parallelgruppen-geführte, cluster-randomisierte, kontrollierte Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden, von denen 24 Prozent weiblich waren, lag bei rund 69 Jahren. Der überwiegende Teil der Teilnehmenden wies eine leichte oder mittelschwere Einschränkung durch die Herzinsuffizienz auf: 67,5 Prozent wurden der NYHA-Klasse II und 25,8 Prozent der NYHA-Klasse III zugeordnet.

HI-MFA haben Schlüsselrolle in sektorenübergreifender patientenindividueller Versorgungsform

Insgesamt wurden 55 kardiologische Praxen deutschlandweit rekrutiert und 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen in sieben Kursen nach einem Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am DZHI geschult. Die HI-MFA übernehmen bei HI-PLUS eine Schlüsselrolle, indem sie das Care- und Case-Management der Erkrankten durchführen. Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, unterstützen das Selbstmanagement, überwachen die Therapie und koordinieren die Versorgung zwischen kardiologischen und hausärztlichen Praxen. Eine eigens für HI-PLUS entwickelte digitale eHealth-Plattform unterstützt den Austausch relevanter Informationen und die Erfassung von Telemonitoring-Daten wie Gewicht, Blutdruck und EKG.

Studiendesign und Pilotstudie in Clinical Research in Cardiology veröffentlicht

Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Clinical Research in Cardiology“ veröffentlichte Pilotstudie evaluierte die Studienabläufe und zeigte, dass sich diese erfolgreich in den Praxisalltag integrieren lassen. Die Studienabläufe und die digitale Plattform erwiesen sich als praktikabel und wurden von den Teilnehmenden – sowohl von den Patientinnen und Patienten als auch von den beteiligten Praxen – gut angenommen. Nun beginnt die Phase der wissenschaftlichen Auswertung.

„Die HI-PLUS-Studie befasst sich mit anerkannten Lücken in der Herzinsuffizienzversorgung. Sollte sie sich als wirksam erweisen, könnte sie als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen“, kommentiert Martha Schutzmeier. Die Erstautorin der Pilotstudie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am IKE-B der Universität Würzburg und ist dort für die Projektkoordination zuständig.

Hier werden in den kommenden Monaten die umfangreichen Datensätze evaluiert. Wird sich das neue Versorgungsmodell tatsächlich positiv auf die Lebens- und Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz auswirken? Kann eine engere Zusammenarbeit zwischen Hausarztpraxis, Kardio-Praxis und HI-MFA die Lebensqualität der Studienteilnehmenden verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren?

Drohende Dekompensationen frühzeitig erkennen

„Jeder vermiedene Krankenhausaufenthalt bedeutet für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz mehr Lebensqualität und geht häufig mit einer besseren Prognose einher. Entscheidend ist deshalb, eine drohende Dekompensation frühzeitig zu erkennen und ambulant zu behandeln, bevor eine Klinikeinweisung notwendig wird,“ sagt Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI sowie des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA) am DZHI. „Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung haben wir eine entscheidende Etappe erreicht. Nun können wir erstmals umfassend untersuchen, welchen Nutzen das neue Versorgungskonzept für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz im Versorgungsalltag hat."

Publikation des Studienprotokolls mit Ergebnissen einer vorgeschalteten Pilotstudie: Schutzmeier, M., Rücker, V., Widmann, J. et al. HI-PLUS: design of a cluster-randomized trial evaluating structured case management with telemonitoring to improve quality of life in heart failure. Clin Res Cardiol (2026) https://doi.org/10.1007/s00392-026-02904-8

Studien-Webseite

Pressemeldung vom 01.12.2023 zum Start der Studie und Fortbildung der HI-MFA

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

Wichtiger Meilenstein bei HI-PLUS: Jetzt beginnt die Auswertung der Herzinsuffizienz-Versorgungsstudie

Die bundesweite HI-PLUS-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) hat die Nachbeobachtung der letzten Teilnehmenden abgeschlossen

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

In der HI-PLUS-Studie werden bekannte Defizite in der Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz adressiert. Dabei wird eine neue, sektorenübergreifende Versorgungsform untersucht, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren soll. Im Mittelpunkt der neuen Versorgungsform stehen speziell für die Versorgung herzinsuffizienter Menschen qualifizierte Medizinische Fachangestellte (HI-MFA). Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, erfassen Vitaldaten telemonitorisch und unterstützen den Informationsaustausch zwischen Hausarztpraxis und kardiologischer Praxis über eine digitale Fallakte. Insgesamt wurden 712 Patientinnen und Patienten in die bundesweite HI-PLUS-Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Mit deren Abschluss beginnt nun die wissenschaftliche Auswertung. Erweist sich das Versorgungsmodell als wirksam, könnte es als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen.

Würzburg. Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz werden häufig sowohl hausärztlich als auch kardiologisch betreut. Im Versorgungsalltag funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behandelnden jedoch nicht immer optimal. Das kann dazu führen, dass Therapien nicht rechtzeitig angepasst werden und die Patientinnen und Patienten Betreuung nicht in der Intensität erhalten, die sie benötigen. Genau hier setzt die HI-PLUS-Studie an. Die bundesweite Versorgungsstudie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg untersucht, ob eine engere Zusammenarbeit zwischen hausärztlichen und kardiologischen Praxen sowie speziell in Herzinsuffizienz geschulten Medizinischen Fachangestellten (HI-MFA) die Versorgung von Menschen mit Herzschwäche verbessern kann. Die Ergebnisevaluation der Studie wird durch das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) der Universität Würzburg durchgeführt. Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung der letzten Studienteilnehmenden hat HI-PLUS nun einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Innerhalb von drei Jahren wurden 712 Patientinnen und Patienten in die zweiarmige, parallelgruppen-geführte, cluster-randomisierte, kontrollierte Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden, von denen 24 Prozent weiblich waren, lag bei rund 69 Jahren. Der überwiegende Teil der Teilnehmenden wies eine leichte oder mittelschwere Einschränkung durch die Herzinsuffizienz auf: 67,5 Prozent wurden der NYHA-Klasse II und 25,8 Prozent der NYHA-Klasse III zugeordnet.

HI-MFA haben Schlüsselrolle in sektorenübergreifender patientenindividueller Versorgungsform

Insgesamt wurden 55 kardiologische Praxen deutschlandweit rekrutiert und 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen in sieben Kursen nach einem Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am DZHI geschult. Die HI-MFA übernehmen bei HI-PLUS eine Schlüsselrolle, indem sie das Care- und Case-Management der Erkrankten durchführen. Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, unterstützen das Selbstmanagement, überwachen die Therapie und koordinieren die Versorgung zwischen kardiologischen und hausärztlichen Praxen. Eine eigens für HI-PLUS entwickelte digitale eHealth-Plattform unterstützt den Austausch relevanter Informationen und die Erfassung von Telemonitoring-Daten wie Gewicht, Blutdruck und EKG.

Studiendesign und Pilotstudie in Clinical Research in Cardiology veröffentlicht

Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Clinical Research in Cardiology“ veröffentlichte Pilotstudie evaluierte die Studienabläufe und zeigte, dass sich diese erfolgreich in den Praxisalltag integrieren lassen. Die Studienabläufe und die digitale Plattform erwiesen sich als praktikabel und wurden von den Teilnehmenden – sowohl von den Patientinnen und Patienten als auch von den beteiligten Praxen – gut angenommen. Nun beginnt die Phase der wissenschaftlichen Auswertung.

„Die HI-PLUS-Studie befasst sich mit anerkannten Lücken in der Herzinsuffizienzversorgung. Sollte sie sich als wirksam erweisen, könnte sie als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen“, kommentiert Martha Schutzmeier. Die Erstautorin der Pilotstudie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am IKE-B der Universität Würzburg und ist dort für die Projektkoordination zuständig.

Hier werden in den kommenden Monaten die umfangreichen Datensätze evaluiert. Wird sich das neue Versorgungsmodell tatsächlich positiv auf die Lebens- und Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz auswirken? Kann eine engere Zusammenarbeit zwischen Hausarztpraxis, Kardio-Praxis und HI-MFA die Lebensqualität der Studienteilnehmenden verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren?

Drohende Dekompensationen frühzeitig erkennen

„Jeder vermiedene Krankenhausaufenthalt bedeutet für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz mehr Lebensqualität und geht häufig mit einer besseren Prognose einher. Entscheidend ist deshalb, eine drohende Dekompensation frühzeitig zu erkennen und ambulant zu behandeln, bevor eine Klinikeinweisung notwendig wird,“ sagt Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI sowie des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA) am DZHI. „Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung haben wir eine entscheidende Etappe erreicht. Nun können wir erstmals umfassend untersuchen, welchen Nutzen das neue Versorgungskonzept für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz im Versorgungsalltag hat."

Publikation des Studienprotokolls mit Ergebnissen einer vorgeschalteten Pilotstudie: Schutzmeier, M., Rücker, V., Widmann, J. et al. HI-PLUS: design of a cluster-randomized trial evaluating structured case management with telemonitoring to improve quality of life in heart failure. Clin Res Cardiol (2026) https://doi.org/10.1007/s00392-026-02904-8

Studien-Webseite

Pressemeldung vom 01.12.2023 zum Start der Studie und Fortbildung der HI-MFA

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

Das war der 14. Würzburger Gesundheitstag

Impressionen von den Infoständen des Universitätsklinikums am 25. Juli vor dem Falkenhaus

 

Wir vom UKW waren am Samstag, 25. Juli 2026 wie immer mit unseren blauen Pavillons vor dem Falkenhaus in der Würzburger Innenstadt platziert. Auf dem Programm standen dieses Jahr vier interessante übergreifende Themen:

  • Selbsthilfefreundliches Krankenhaus - Hand in Hand mit der Selbsthilfe
  • Netzwerk Hoffnung: Blut- & Stammzellspende retten Leben!
  • Biobank ibdw – "der kälteste Ort in Würzburg": Ihre Probe für die Zukunft der Forschung!
  • Transplantationszentrum und Organspende: „Was zählt ist die Entscheidung!“

Unsere Infostände waren den ganzen Tag trotz des heißen Wetters über gut besucht, es gab angeregte Gespräche, etliche erfolgte Stammzelltypisierungen und viele Teilnehmer am Glücksrad und bei den anderen Aktionen.

Hier ein paar Impressionen davon:

Universitätsklinikum Würzburg: Bildergalerie 14. Würzburger Gesundheitstag 2026

Vielen Dank auch an den Veranstalter, das Aktivbüro der Stadt Würzburg. 
Der Gesundheitstag findet alle 2 Jahre statt, Anbieter aus dem professionellen Gesundheitsbereich, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen informieren, beraten und unterhalten in der Würzburger Innenstadt.