Aktuelle Pressemitteilungen

Das große Ganze im Blick

Jonas Czwikla ist neuer Professor für Versorgungsforschung

Porträt von Jonas Czwikla im Foyer des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz - Czwikla trägt sehr kurze, dunkle Haare und ein dunkles Hemd
Prof. Dr. Jonas Czwikla hat seit Januar 2026 die Professur für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg inne. © Miriam Schlüter / Universität Würzburg
Die beiden Herren stehen vor einer Wand mit Logo der Uni Würzburg und halten die Ernennungsurkunde in den Händen
JMU-Vizepräsident Matthias Bode (rechts) überreicht Prof. Dr. Jonas Czwikla die Ernennungsurkunde zur W2-Professur für Versorgungsforschung an der Universität Würzburg. © Robert Emmerich / Universität Würzburg

Prof. Dr. Jonas Czwikla hat seit Januar 2026 die Professur für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg inne. Der Wissenschaftler, der zuvor an den Universitäten in Bremen und Oldenburg forschte und lehrte, versteht sich als epidemiologisch ausgerichteter Versorgungsforscher. Das heißt, er analysiert große Datensätze mit epidemiologischen Methoden und entwickelt Ideen für neue Versorgungsformen. Diese werden evaluiert, um bei einem positiven Effekt eine Implementierung in die Regelversorgung zu ermöglichen. 

Würzburg. Der Blick auf das große Ganze fasziniert ihn - möglichst immer über den Tellerrand hinaus. Anstatt sich mit einzelnen medizinischen Fällen zu beschäftigen, widmet er sich ganzen Bevölkerungsgruppen. Sein Spektrum reicht von zu früh geborenen Kindern über Brustkrebsfrüherkennung für Frauen zwischen 50 und 75 Jahren bis hin zur medizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen. „Mich hat schon immer mehr der gesundheitsorientierte Ansatz interessiert als der krankheitsorientierte. Wie verhindern wir, dass Menschen krank werden?“, sagt Prof. Dr. Jonas Czwikla. Deshalb entschied sich der gebürtige Wiesbadener nach dem Abitur am beruflichen Gymnasium für Gesundheit in Koblenz gegen ein Medizinstudium und für den Studiengang Public Health und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bremen.

Krankheiten vorbeugen und bestmöglich versorgen

Während seines Studiums begeisterte sich Czwikla insbesondere für die Epidemiologie und Versorgungsforschung. Heute versteht sich der 36-Jährige als epidemiologisch ausgerichteter Versorgungsforscher. In der klassischen Epidemiologie beschäftigt er sich unter anderem mit folgenden Fragen: Wie ist die Krankheitslast in der Bevölkerung verteilt? Welche Krankheiten gibt es, wie oft treten sie auf und bei wem? Und wie können wir sie verhindern? Gleichzeitig analysiert er mit epidemiologischen Methoden, wie Menschen mit diesen Krankheiten von welchen Ärztinnen und Ärzten mit welchen Leistungen versorgt werden. Welche neuen Versorgungskonzepte gibt es? Und wie können wir den Fachkräftemangel bewältigen? Czwikla zufolge ist es besonders spannend, die klassische Perspektive der Epidemiologie um versorgungsbezogene Fragestellungen zu erweitern und gemeinsam mit einer Vielzahl von Partnerinnen und Partnern aus Forschung, Politik und Praxis zu einer Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung beizutragen.

Seit dem 1. Januar 2026 geht Jonas Czwikla seinen Fragen und Aufgaben als neuer Professor für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg nach. 

„Target Trial Emulation“ bei der Auswertung von Routinedaten

Ein wichtiger Baustein seiner Arbeit ist die Auswertung von Routinedaten. „Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung sind größtenteils erst seit 2004 digital verfügbar und für die Forschung nutzbar“, erklärt Czwikla. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Evaluation von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen anhand von Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. In Bremen nutzte er solche Routinedaten zur Evaluation der Brustkrebssterblichkeit im deutschen Mammographie-Screening-Programm mittels Target Trial Emulation. Hierbei handelt es sich um ein innovatives Konzept, mit dem sich Beobachtungsstudien designen lassen, die trotz ihrer Limitationen der Qualität von randomisierten kontrollierten Studien nahekommen. 

Evaluation des Mammographie-Screenings in Deutschland 

Im Rahmen einer vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) koordinierten und unter Leitung der Universität Münster zusammen mit dem Landeskrebsregister Nordrhein-Westfalen (LKR NRW), dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS und der Universität Bremen durchgeführten Studie ging Czwikla der Frage nach, ob Frauen, die am Mammografie-Screening teilnehmen, ein geringeres Risiko haben, an Brustkrebs zu sterben. In die Evaluation flossen auch Daten des Bayerischen Krebsregisters ein. „Anhand der ausgewerteten Daten, die einem Zeitraum von über zehn Jahren abdeckten, konnten wir zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu sterben, bei den Frauen, die am Mammographie-Screening teilnahmen, um 20 bis 30 Prozent niedriger war als bei den Frauen, die diese Früherkennungsmaßnahme nicht in Anspruch nahmen.“ Die Ergebnisse wurden im vergangenen Jahr bei einer Veranstaltung mit Bundesumweltminister Carsten Schneider und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in Berlin vorgestellt und fließen in die Weiterentwicklung der Entscheidungshilfe zum Mammographie-Screening des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ein. Der G-BA legt fest, welche medizinischen Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen unter welchen Bedingungen bezahlt werden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werden schließlich Entscheidungshilfen erstellt, die Versicherte dabei unterstützen, die Vor- und Nachteile von Früherkennungsuntersuchungen abzuwägen. 

Informierte Entscheidung ermöglichen

„Es freut mich immer besonders, wenn unsere Ergebnisse auch in die Praxis einfließen“, sagt Jonas Czwikla. Er betont jedoch: „Wir wollen Frauen nicht zum Mammographie-Screening überreden, sondern sie transparent über den erwartbaren Nutzen und mögliche unerwünschte Effekte informieren. Auf dieser Basis sollen die Frauen eine informierte Entscheidung treffen.“ Das Konzept der Target Trial Emulation möchte er in Würzburg auch in anderen Themen- und Krankheitsbereichen anwenden. 

Fokus auf medizinischer Versorgung von Pflegebedürftigen 

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Jonas Czwikla ist die medizinische Versorgung von vulnerablen Bevölkerungsgruppen. In seiner Habilitation befasste er sich mit der medizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen. „Wir haben inzwischen rund sechs Millionen Pflegebedürftige, mit stark steigender Tendenz. Jedes Jahr kommt derzeit nahezu eine halbe Million hinzu. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, pflegerisches Personal zu akquirieren. Das wird das Versorgungssystem zukünftig ganz klar an seine Grenzen bringen. Hier wollen wir gemeinsam mit der Praxis Lösungen für eine bestmögliche medizinische Versorgung entwickeln“, erklärt Jonas Czwikla. 

Als Beispiel nennt er Blasendauerkatheter in Pflegeheimen, deren Wechsel vor allem bei Männern nicht einfach ist. Obwohl ein solcher Wechsel im Heim möglich wäre, werden die Betroffenen vielerorts ins Krankenhaus geschickt, was für alle Beteiligten eine große Belastung darstellt. Czwikla führt aus: „Wir wollen gemeinsam mit den Einrichtungen Best-Practice-Beispiele identifizieren und Standards etablieren, die eine flächendeckende Versorgung im Heim ermöglichen und durch die Qualität und Sicherheit gewährleistet sind. Das heißt: Wir begleiten den gesamten Prozess von der Idee bis zur Implementierung in die Regelversorgung.“ Czwikla will jedoch nicht nur die medizinische Versorgung in Heimen, sondern auch die häusliche Versorgung verbessern. Schließlich werden mehr als 80 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause betreut.

Koordinierung des BARMER-Pflegereports

In Bremen arbeitete er bereits am jährlichen BARMER-Pflegereport mit und von Würzburg aus wird er dessen Veröffentlichung zukünftig koordinieren. Dabei wertet er mit seinem Team, Daten, Trends und Versorgungsprobleme im Pflegebereich systematisch aus, zeigt Entwicklungen, Probleme und mögliche Handlungsfelder auf und trägt so zu Diskussionen über Pflegestrategien sowie Reformbedarf bei. Hierbei wird er maßgeblich von Dr. Alexander Fassmer unterstützt, mit dem Czwikla gemeinsam an der Universität Oldenburg im Department Versorgungsforschung tätig war und der mit ihm nach Würzburg gekommen ist.

Uniklinikum Würzburg bietet große Kooperationspotenzial 

Auf dem Campus der Würzburger Universitätsmedizin sieht Czwikla große Kooperationspotenziale, vor allem mit dem von Prof. Dr. Melanie Messer geleiteten Institut für Pflegewissenschaft. Mit Messer beantragte er bereits ein neues Forschungsprojekt. Auch zur Pädiatrie hat er bereits Kontakte geknüpft. Einerseits will er in Würzburg ein bewilligtes Projekt zur Antikoagulation bei Kindern in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS umsetzen, das vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gefördert wird. Andererseits plant er gemeinsam mit Prof. Dr. Juliane Spiegler, der Ärztlichen Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) am Uniklinikum Würzburg, den Ausbau der Versorgungsforschung bei Kindern und Frühgeborenen. 

„Der Standort Würzburg ist weit über die Landesgrenzen hinaus für seine exzellente Forschung bekannt, auch in den Bereichen Epidemiologie und Versorgung. Daher freue ich mich sehr über den Ruf nach Würzburg und darüber, dass ich dazu beitragen kann, die Versorgungsforschung noch weiter auszubauen“, sagt Jonas Czwikla. Der Wechsel von Norddeutschland nach Unterfranken sei ihm leichtgefallen. „Ich bin in der Nähe von Lahn, Mosel und Rhein aufgewachsen, daher fühle ich mich in der Weinregion Würzburg gleich heimisch. Und da ich eher der Fraktion Fleisch angehöre, ist die Versorgung in Franken für mich kein Problem“, schmunzelt der Vater einer Tochter und Triathlet.

Über Prof. Dr. Jonas Czwikla
Prof. Dr. Jonas Czwikla wurde 1989 in Wiesbaden geboren. Er wuchs im Taunus und Rheinland auf und besuchte nach der Realschule ein berufliches Gymnasium für Gesundheit in Koblenz, wo er sein Abitur machte. Anschließend studierte er Public Health in Bremen. 2012 schloss er sein Bachelor-Studium ab, 2014 sein Master-Studium mit den Schwerpunkten Versorgungsforschung und Gesundheitssystem. 2020 erlangte er die Doktorwürde im Fach Public Health mit dem Prädikat „summa cum laude“. 2025 habilitierte er im Fach Epidemiologie und Public Health an der Universität Bremen. Czwikla war über zehn Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter im SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik tätig und arbeitete zeitgleich viele Jahre am Department für Versorgungsforschung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Seit dem 1. Januar 2026 ist er Universitätsprofessor für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Julius-Maximilians-Universität. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Versorgungsforschung, Epidemiologie und Public Health, wobei er sich insbesondere mit der Analyse von Primärdaten und Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie mit der Evaluation von Public-Health-Interventionen beschäftigt.

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation 

Porträt von Jonas Czwikla im Foyer des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz - Czwikla trägt sehr kurze, dunkle Haare und ein dunkles Hemd
Prof. Dr. Jonas Czwikla hat seit Januar 2026 die Professur für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg inne. © Miriam Schlüter / Universität Würzburg
Die beiden Herren stehen vor einer Wand mit Logo der Uni Würzburg und halten die Ernennungsurkunde in den Händen
JMU-Vizepräsident Matthias Bode (rechts) überreicht Prof. Dr. Jonas Czwikla die Ernennungsurkunde zur W2-Professur für Versorgungsforschung an der Universität Würzburg. © Robert Emmerich / Universität Würzburg

3D-Modell eröffnet neue Ansatzpunkte für Therapien von Hirnmetastasen nach Brustkrebs

Klinische Neurobiologie am UKW zeigt am 3D-Modell komplexen Prozess der Interaktionen von Brustkrebszellen im Gehirn

Illustration auf der Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials.
Die AG Villmann lieferte das Bild für die Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials. Zu sehen sind in das Gehirn metastasierte Brustkrebszellen (Kreis und Vergrößerung unten rechts). Sie stehen eng mit den Blutgefäßen in Kontakt, da sie über diese Nährstoffe und Sauerstoff enthalten und die Gefäße als Steuerungs- und Orientierungshilfe dienen. Die Tumorzellen passen sich schließlich immer mehr der neuen Umgebung im Gehirn an und gehen eine enge Wechselwirkung mit den Proteinen der extrazellulären Matrix des Gehirns ein (roter Kreis unten links), interagieren über pseudosynaptische Kontakte mit Neuronen sowie über Gap Junctions mit Astrozyten (Kreise oben rechts). Die Erregungsaktivität der Neuronen ist in Anwesenheit von Tumorzellen erhöht (Kreis oben links). Nach einer gewissen Zeit beginnen sie sich zu vermehren und bilden kleine Tumorkolonien. © Türker et al. AFM. 2025 (https://advanced.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/adfm.74287)
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Carmen Villmann ist nur von hinten zu sehen.
Esra Türker (links) und Mateo Andrade Mier entwickelten ein neuartiges 3D-Modell, das die Umgebung von Nervenzellen im Gehirn nachbildet. © Daniel Peter / UKW
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Mateo ist nur von hinten zu sehen.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann (Klinische Neurobiologie, UKW) entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell, das die Veränderung des Netzwerks der Nervenzellen bei einem Brusttumor im Gehirn zeigt. © Daniel Peter / UKW

Forschende des Instituts für Klinische Neurobiologie am Universitätsklinikum Würzburg haben ein neuartiges 3D-Modell entwickelt, das die Umgebung von Nervenzellen im Gehirn nachbildet und zeigt, wie sich das neuronale Netzwerk durch Hirnmetastasen nach Brustkrebs verändert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials veröffentlicht. Die Studie liefert einen wichtigen Baustein zum Verständnis der Therapieresistenz von Hirnmetastasen bei Brustkrebs und bietet zugleich neue Ansatzpunkte für eine verbesserte Behandlung. Künftige Therapien könnten demnach nicht nur die Tumorzellen selbst, sondern auch ihre Interaktion mit dem umgebenden Gewebe gezielt beeinflussen.

Würzburg. Hirnmetastasen bei Brustkrebs sind schwer zu behandeln und gehen mit einer schlechten Prognose einher. Eine aktuelle Studie von Esra Türker und Mateo Andrade Mier aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann vom Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) liefert neue Einblicke in die Frage nach den zellulären Partnern der Tumorzellen sowie deren Wechselwirkung mit dem umgebenden Hirngewebe. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials veröffentlicht und auf der Rückseite des Einbandes visualisiert.

Das Team um Carmen Villmann entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell auf Basis eines speziellen Hydrogels, das wichtige Bestandteile der extrazellulären Matrix im Gehirn enthält, sowie strukturgebende Gerüste. In diese so genannten Scaffolds werden die verschiedenen Zelltypen eingebracht. Untersucht wurden HER2-positive Brustkrebszellen, die ein besonders hohes Risiko für Hirnmetastasen aufweisen.

Tumorzellen aus der Brust passen sich der neuen Umgebung im Gehirn an

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die aus der Brust stammenden Tumorzellen im Gehirn an ihre neue Umgebung anpassen und enge Kontakte zu Nervenzellen und Astrozyten ausbilden. Dabei nimmt die Aktivität der Nervenzellen deutlich zu. Elektronenmikroskopische Analysen deuten darauf hin, dass zwischen Tumorzellen und Hirnzellen synapsen-ähnliche Kontaktstellen entstehen, über die wachstumsfördernde Signale übertragen werden könnten.

Erst Zellkontakte unterbinden, dann die Tumorzellen töten

Auf Basis dieser Erkenntnisse eröffnen sich neue therapeutische Strategien: Künftig könnten Behandlungen darauf abzielen, zunächst diese Zellkontakte zu unterbrechen und erst anschließend die Tumorzellen gezielt zu zerstören. Das etablierte 3D-Modell eignet sich zudem für systematische Medikamententests und kann auf andere Tumorarten mit Hirnmetastasen übertragen werden.

Publikation: Esra Türker, Mateo S. Andrade Mier, Jessica Faber, Mike Friedrich, Zan Lamberger, Jeannette Weigelt, Christian Stigloher, Nicoletta Murenu, Natascha Schaefer, Jörg Tessmar, Gregor Lang, Silvia Budday, Katrin G. Heinze, Antje Appelt-Menzel, Pamela L. Strissel, Reiner Strick, Carmen Villmann. A 3D Biofabricated Disease Model Mimicking the Brain Extracellular Matrix Suitable to Characterize Intrinsic Neuronal Network Alterations in the Presence of a Breast Tumor Disseminated to the Brain. Advanced Functional Materials. First published: 27 November 2025.  https://doi.org/10.1002/adfm.202515220

Illustration auf der Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials.
Die AG Villmann lieferte das Bild für die Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials. Zu sehen sind in das Gehirn metastasierte Brustkrebszellen (Kreis und Vergrößerung unten rechts). Sie stehen eng mit den Blutgefäßen in Kontakt, da sie über diese Nährstoffe und Sauerstoff enthalten und die Gefäße als Steuerungs- und Orientierungshilfe dienen. Die Tumorzellen passen sich schließlich immer mehr der neuen Umgebung im Gehirn an und gehen eine enge Wechselwirkung mit den Proteinen der extrazellulären Matrix des Gehirns ein (roter Kreis unten links), interagieren über pseudosynaptische Kontakte mit Neuronen sowie über Gap Junctions mit Astrozyten (Kreise oben rechts). Die Erregungsaktivität der Neuronen ist in Anwesenheit von Tumorzellen erhöht (Kreis oben links). Nach einer gewissen Zeit beginnen sie sich zu vermehren und bilden kleine Tumorkolonien. © Türker et al. AFM. 2025 (https://advanced.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/adfm.74287)
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Carmen Villmann ist nur von hinten zu sehen.
Esra Türker (links) und Mateo Andrade Mier entwickelten ein neuartiges 3D-Modell, das die Umgebung von Nervenzellen im Gehirn nachbildet. © Daniel Peter / UKW
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Mateo ist nur von hinten zu sehen.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann (Klinische Neurobiologie, UKW) entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell, das die Veränderung des Netzwerks der Nervenzellen bei einem Brusttumor im Gehirn zeigt. © Daniel Peter / UKW

Mutmacherinnen spenden für die Würzburger Krebsforschung

Eine junge Tumorpatientin und ihre Mutter sammelten an ihren runden Geburtstagen Spenden für „Forschung hilft“. Dabei kamen 4.000 Euro für die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung am Universitätsklinikum Würzburg zusammen.

Gruppenbild mit Scheck
Bei der Scheckübergabe (von rechts): Die Spenderinnen Angela May-Hock und Leni Hock mit Gabriele Nelkenstock von der Stiftung „Forschung hilft“ und Prof. Dr. Imad Maatouk vom Uniklinikum Würzburg. Bild: Jasmin Mühlich

Würzburg. Am 18. Februar dieses Jahres überreichten Leni Hock und ihre Mutter Angela May-Hock einen symbolischen Riesenspendenscheck über 4.000 Euro an Gabriele Nelkenstock, die Stiftungsratsvorsitzende von „Forschung hilft“. Die Stiftung fördert aussichtsreiche Krebsforschungsprojekte am Uniklinikum Würzburg (UKW).

Eigene Krebserkrankung als Motivation

Das Leben von Leni und ihrer Familie war in den vergangenen Monaten eng mit dem Würzburger Krankenhaus der Maximalversorgung verbunden: Nachdem bei der damals 19-Jährigen im Frühjahr 2025 ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert worden war, durchlief sie am UKW eine umfangreiche Behandlungsabfolge aus Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und zielgerichteter Therapie. Dabei konnte der Tumor zurückgedrängt werden. „Wir haben uns während dieser extrem belastenden Monate an der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums medizinisch wie menschlich sehr gut aufgehoben gefühlt. Außerdem finden wir es großartig, dass es in Würzburg ehrenamtlich tätige Einrichtungen wie den Verein ‚Hilfe im Kampf gegen Krebs‘ und die Stiftung ‚Forschung hilft‘ gibt, die Betroffene lokal unterstützen und vor Ort die Weiterentwicklung vorantreiben“, lobt Angela May-Hock. Ihre Tochter ergänzt: „Ich bin sehr dankbar, dass es möglich war, meine Erkrankung zu behandeln. Alle diese Therapieangebote beruhen auf ehemaliger Forschung und wir wollen gerne dazu beitragen, dass diese wissenschaftlichen Arbeiten auch für zukünftige Patientinnen und Patienten weitergehen können.“ Deshalb stellten sie und ihre Mutter ihre kürzlich gefeierten runden Geburtstage in den Dienst der Stiftung. Bei den großen Treffen zum 20. beziehungsweise 50. Wiegenfest sammelten sie Spenden statt Geschenken. Dabei kamen 4.000 Euro zusammen. 

Ein Beleg der großen Solidarität

„Dieses Ergebnis ist auch ein weiterer Beleg für den engen Zusammenhalt von Familie, Freunden und Nachbarn, den wir auch schon während des ganzen letzten Jahres erleben durften“, unterstreicht Angela May-Hock. Diese Solidarität wurde auch bei der Scheckübergabe deutlich. Die Spenderinnen wurden begleitet von Lenis Partner Jakob Zeiss, der ihr in vielen schweren Momenten treu zur Seite stand, und Giovanni Privitera. Der Freund der Familie backt und verkauft in seiner Freizeit besondere Pizzavariationen, deren Erlöse in die Spende einflossen. 

Für viele Krebserkrankte inspirierend

„Dass Leni so optimistisch durch die Therapie gehen kann, liegt sicher zum Teil an ihrer Persönlichkeit“, kommentiert Prof. Dr. Imad Maatouk. Der Schwerpunktleiter für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Klinik II des UKW fährt fort: „Wir wissen aus unserer Arbeit aber auch, wie wichtig die Unterstützung durch ein starkes familiäres und soziales Umfeld für die Psyche von Krebserkrankten und den Behandlungserfolg sein kann.“ Neben dem herzlichen Dank für die Spende zeigte sich auch Gabriele Nelkenstock von Tochter und Mutter tief beeindruckt: „Euer Beispiel kann viele Patientinnen und Patienten inspirieren und ihnen Mut machen, beim Kampf gegen den Krebs nicht aufzugeben.“

Über „Forschung hilft“

Die Stiftung „Forschung hilft“ wurde Ende 2017 vom Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ gegründet. Seither schüttet die Stiftung jährlich Förderpreisgelder an lokale Krebsforscherinnen und -forscher aus – bislang rund 1,1 Millionen Euro. Weitere Infos gibt es unter www.forschung-hilft.de. 

Wer die Stiftung weiter voranbringen will, kann auf folgendes Konto spenden: 
Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE19 7905 0000 0000 0655 65
BIC: BYLADEM1SWU

 

Text: Pressestelle / UKW

Gruppenbild mit Scheck
Bei der Scheckübergabe (von rechts): Die Spenderinnen Angela May-Hock und Leni Hock mit Gabriele Nelkenstock von der Stiftung „Forschung hilft“ und Prof. Dr. Imad Maatouk vom Uniklinikum Würzburg. Bild: Jasmin Mühlich

Nutzung digitaler Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wird in Deutschland aktuell breit diskutiert. In diesem Zusammenhang wurde von der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft und Verbänden der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie eine wissenschaftliche Stellungnahme verfasst, an der die Würzburger Professorin Andrea Reiter seit Sommer 2025 als Teil einer Ad-hoc-Experten-Arbeitsgruppe mitgewirkt hat. 

Andrea Reiter leitet an der Universität Würzburg die Professur für Psychotherapie und Interventionspsychologie. 

Die Stellungnahme finden Sie HIER

Webseite der Professur: https://www.psychologie.uni-wuerzburg.de/pt-int/

 

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 20. Februar 2026

14 Jahre Teddy-Aktion der Rhein Gruppe

Vor 14 Jahren begann die Teddy-Aktion der Rhein-Gruppe zugunsten der Elterninitiative Regenbogen mit einem sehr persönlichen Moment: Ein guter Freund von Sabine Cumiskeys Sohn erkrankte an Leukämie. Heute ist er zum Glück geheilt. In dieser Zeit haben sie aus nächster Nähe erlebt, was für eine unglaubliche und wertvolle Arbeit die Elterninitiative Regenbogen für kranke Kinder und ihre Familien leistet. Sabine Cumiskey und ihre Kollegen hat das tief bewegt – und gleichzeitig war es der Anstoß einer großen und langjährigen Aktion.

Vertreter der Rhein-Gruppe, der Uni-Kinderklinik und der Elterninitiative freuen sich über die große Spendensumme.
Vertreter der Rhein-Gruppe, der Uni-Kinderklinik und der Elterninitiative freuen sich über die große Spendensumme. (Foto: Barbara Eckart)

Seitdem engagieren sich die Auszubildenden der Rhein-Gruppe jedes Jahr und verkaufen zur Weihnachtszeit Teddys für den guten Zweck. Viele Kollegen, treue Kunden und zahlreiche Unterstützer haben diese Aktion über all die Jahre begleitet und möglich gemacht.

In diesem Jahr konnten durch den Teddy-Verkauf über 6.000 Euro gesammelt werden. Dank der großzügigen Unterstützung von Herrn Ralf Rhein und Herrn Joe Cumiskey wurde dieser Betrag auf 8.000 Euro erhöht. Gemeinsam mit den Auszubildenden wurde der Scheck an Prof. Eyrich von der Uni-Kinderklinik sowie an Heidrun Grauer, Repräsentantin der Elterninitiative Regenbogen, überreicht. Mit den Spendengeldern finanziert die Elterninitiative unter anderem die psychosoziale Unterstützung für die Patientenfamilien durch ein breit aufgestelltes Team aus Sozialpädagogen, Psychologen etc. Außerdem fördert der Verein die Krebsforschung an der Kinderklinik. Neben dem Scheck hatten die Auszubildenden auch noch eine große Anzahl an Teddys für die kleinen Patienten dabei, die Kunden zuvor gespendet haben. Ein gelungener Nachmittag, der den Auszubilden gezeigt hat, wie wichtig Ihre Unterstützung für dieses Projekt ist. Bereits in der Woche nach der Scheckübergabe konnten zahlreiche Teddys vom Stationspersonal an die Patienten verteilt werden und sorgten für Begeisterung.

Im Namen der Rhein-Gruppe und der Elterninitiative Regenbogen möchten wir unser herzliches Dankeschön aussprechen an all die Unterstützer, die jedes Jahr mit dieser Aktion etwas ganz Besonderes bewegen.

Die Rhein-Gruppe freut sich bereits, die Elterninitiative Regenbogen auch in Zukunft zu unterstützen.

Peressemitteilung: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V., Sabine Cumiskey für die BMW Rhein Gruppe
 

Vertreter der Rhein-Gruppe, der Uni-Kinderklinik und der Elterninitiative freuen sich über die große Spendensumme.
Vertreter der Rhein-Gruppe, der Uni-Kinderklinik und der Elterninitiative freuen sich über die große Spendensumme. (Foto: Barbara Eckart)

Lichtaktion, Ausstellung und Infostand machen auf Seltene Erkrankungen aufmerksam

Am 28. Februar 2026, dem Internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen, werden ein Gebäude des Uniklinikums Würzburg und das Würzburger Heizkraftwerk in bunten Farben beleuchtet. Außerdem informiert der Würzburger Arbeitskreis Seltene Erkrankungen an einem Stand über seine Arbeit, während eine Kunstausstellung weitere Aufmerksamkeit für die Betroffenen schafft.

Ein Selbstportrait aus der Ausstellung "Selten allein" in den Farben blau und pink.
Ein Werk aus der Ausstellung „Selten allein“, geschaffen von Ari (22), erkrankt an der seltenen, chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankung Systemischer Lupus Erythematodes (SLE). © Selten allein
Kamine des Würzburger Heizkraftwerks am Tag der Seltenen Erkrankungen, die farbig beleuchtet sind.
Ähnlich wie hier werden die Kamine des Würzburger Heizkraftwerks am Tag der Seltenen Erkrankungen farbig beleuchtet – dann in Grün, Blau und Pink ©Philipp Schmitt / WVV
Heizkraftwerk mit bunten Kaminen
Die beleuchteten Kamine des Würzburger Heizkraftwerks. Bild: Dr. Dr. Hartmut Böhm
Heizkraftwerk mit bunten Kaminen
Die Kamine des Würzburger Heizkraftwerks werden in den Rare-Disease-Day-Farben Grün, Blau und Pink beleuchtet. Bild: Dr. Dr. Hartmut Böhm

Würzburg. Am Samstag, 28. Februar 2026, ist der Rare Disease Day, der Internationale Tag der Seltenen Erkrankungen. Der seit 2008 jährlich begangene Aktionstag will die Öffentlichkeit auf die Belange der Betroffenen aufmerksam machen. Eine der Maßnahmen dazu ist die weltweite Aktion „Global Chain of Lights“ (auf Deutsch „Weltumspannende Lichterkette“), bei der öffentliche Gebäude in den Rare-Disease-Day-Farben Grün, Blau und Pink erstrahlen. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit beteiligt sich das Uniklinikum Würzburg (UKW) an der Lichterkette und wird am letzten Februartag ein Gebäude der Interdisziplinären Biomaterial- und Datenbank Würzburg (Haus A9) – in der Nähe des großen Parkplatzes oberhalb der Zentren für Operative und Innere Medizin (ZOM/ZIM) – entsprechend beleuchten.

Kraftwerkskamine in Grün, Blau und Pink

Um das optische Signal noch weiter ins Würzburger Stadtgebiet zu tragen, konnte das UKW in diesem Jahr die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) als Kooperationspartner gewinnen. Der Konzern wird die drei Kamine seines Heizkraftwerks an der Friedensbrücke ebenfalls in grünes, blaues und pinkes Licht tauchen. „Mit der Beleuchtung unseres Heizkraftwerks zum Tag der Seltenen Erkrankungen setzen wir als WVV ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Wie bereits bei der blauen Illumination im Mai 2025 im Rahmen des Internationalen Tags des chronischen Erschöpfungssyndroms ME/CFS und der grünen Beleuchtung im November 2025 zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen nutzen wir unser Wahrzeichen bewusst, um gesellschaftlich relevanten Themen Aufmerksamkeit zu verschaffen“, so WVV-Geschäftsführer Armin Lewetz.

Selbstporträts und Illustration der Krankengeschichte Betroffener

Weiterhin ist vom 19. Februar bis 9. März dieses Jahres in der Magistrale des ZIM des UKW die Ausstellung „Selten allein“ zu sehen. Sie zeigt Selbstporträts, die Menschen mit Seltenen Erkrankungen in den letzten Monaten und Jahren gemalt, gezeichnet oder fotografiert haben. Ergänzt werden die Bilder jeweils von einer kurzen Selbstauskunft zur Person und ihrer Krankheit.

Infostand in der Stadtbücherei

Als drittes Element des diesjährigen Rare Disease Days bietet der Würzburger Arbeitskreis Seltene Erkrankungen (WAKSE) am 28. Februar von 10:00 bis 15:00 Uhr in der Würzburger Stadtbücherei am Oberen Markt einen Infostand an.

Das ZESE als bedeutender Akteur

Am UKW widmet sich seit dem Jahr 2014 eine interdisziplinäre Einrichtung der Verbesserung von Diagnostik, Therapie und Forschung im Bereich Seltener Erkrankungen. Geleitet wird das „Zentrum für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern“ (ZESE) von Prof. Dr. Helge Hebestreit. Der stellvertretende Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik erläutert: „Eine Erkrankung gilt als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen das spezifische Krankheitsbild aufweisen. Und dennoch spielen diese Patientinnen und Patienten in unserem Krankenhausalltag eine bedeutende Rolle: Rund ein Fünftel aller Menschen, die stationär am UKW betreut werden, haben eine Seltene Erkrankung – manchmal ist sie der Grund für die Aufnahme, manchmal kommt sie als zusätzliche Krankheit zum Tragen.“ Das ZESE fungiert nach seinen Worten als zentrale Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und medizinisches Fachpersonal – zum Teil mit einem internationalen Einzugsbereich.

Über Seltene Erkrankungen 

Es gibt etwa 8.000 Seltene Erkrankungen. Weltweit sind rund 300 Millionen Menschen von einer dieser Krankheiten betroffen. Für die meisten Erkrankungen gibt es noch keine Heilung. Sie verlaufen chronisch, gehen teilweise mit schweren geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen einher. Therapiemöglichkeiten sowie Expertinnen und Experten sind rar. Das stellt die Betroffenen und ihre Familien auch im Alltag vor große Herausforderungen.

Text: Pressestelle / UKW
 

Ein Selbstportrait aus der Ausstellung "Selten allein" in den Farben blau und pink.
Ein Werk aus der Ausstellung „Selten allein“, geschaffen von Ari (22), erkrankt an der seltenen, chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankung Systemischer Lupus Erythematodes (SLE). © Selten allein
Kamine des Würzburger Heizkraftwerks am Tag der Seltenen Erkrankungen, die farbig beleuchtet sind.
Ähnlich wie hier werden die Kamine des Würzburger Heizkraftwerks am Tag der Seltenen Erkrankungen farbig beleuchtet – dann in Grün, Blau und Pink ©Philipp Schmitt / WVV
Heizkraftwerk mit bunten Kaminen
Die beleuchteten Kamine des Würzburger Heizkraftwerks. Bild: Dr. Dr. Hartmut Böhm
Heizkraftwerk mit bunten Kaminen
Die Kamine des Würzburger Heizkraftwerks werden in den Rare-Disease-Day-Farben Grün, Blau und Pink beleuchtet. Bild: Dr. Dr. Hartmut Böhm

Israelische Medizinstudentinnen waren am Uniklinikum Würzburg zu Gast

In den ersten Wochen dieses Jahres sammelten fünf Studentinnen der Technion-Universität in Haifa praktische Erfahrungen am Uniklinikum Würzburg. Für die Zukunft ist geplant, nicht nur den Austausch in der Lehre, sondern auch die wissenschaftliche Kooperation der Würzburger Universitätsmedizin mit der renommierten Technischen Universität Israels auszubauen.

 

Israelische Medizinstudentinnen sowie zwei Medizinstudentinnen aus Japan mit Prodekan, ehemaliger Prodekan und Vertreterin aus der Medizinischen Fakultät.
Von links: Prof. Dr. Andreas Buck (Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Adi Goldring, Noa Arbel, Romi Gleicher und Alma Barry (alle vier Technion-Universität, Haifa), Prof. Dr. Jürgen Deckert (Seniorprofessor, ehem. Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Lee Kaniel (Technion-Universität, Haifa) sowie Barbara Moll (Medizinische Fakultät). In der ersten Reihe kniend: Yuka Yamazato und Mizuki Sakimoto, zwei Medizinstudentinnen aus Japan, die zeitgleich im Rahmen des Nagasaki-Würzburg-Austauschs in der unterfränkischen Universitätsstadt sind. © Andreas Buck / UKW

Würzburg. Adi, Alma, Lee, Noa und Romi – so heißen fünf Medizinstudentinnen der israelischen Technion-Universität, die ab Anfang Januar dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg (UKW) eine sechswöchige Ausbildung absolvierten. An ihrer Heimatuniversität in der Hafenstadt Haifa sind sie im sechsten und damit letzten Studienjahr. „Ziel ihres Aufenthalts in Würzburg war es, ihr bis dato erlerntes Wissen zu vertiefen und anzuwenden – ähnlich wie im deutschen Praktischen Jahr“, schildert Prof. Dr. Andreas Buck. Der Direktor der Nuklearmedizinischen Klinik des UKW ist seit 2023 Prodekan für Internationale Angelegenheiten der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Die Studentinnen waren am UKW in der Dermatologie, der Gynäkologie, der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der Augenheilkunde, der Transplantationschirurgie und der Psychiatrie tätig. 

„Das Feedback der Nachwuchsmedizinerinnen zum Lehrangebot ist ausgezeichnet“, freut sich Andreas Buck und fährt fort: „Außerdem lobten sie den freundlichen Kontakt zur Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, die unsere Gäste in das Gemeindeleben einbezog.“

Wiederaufnahme von früheren Kontakten

Angestoßen wurden die Kooperationsideen der Würzburger Universitätsmedizin mit der Technion-Universität schon vor einigen Jahren von Prof. Dr. Jürgen Deckert, dem Vorgänger von Andreas Buck als Prodekan für Internationale Angelegenheiten. „Bedingt durch die Corona-Pandemie ist der Kontakt dann aber leider wieder abgebrochen“, berichtet der ehemalige Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am UKW. Umso mehr sei er jetzt als Seniorprofessor froh und dankbar, dass 80 Jahre nach dem Holocaust sowohl der studentische Austausch als auch die wissenschaftliche Kooperation möglich sind und mit neuem Elan vorangetrieben werden. Und Prof. Buck kommentiert: „Die Technion-Universität ist eine exzellente, technisch ausgerichtete Bildungs- und Forschungseinrichtung, die geeignet ist, das Portfolio der Würzburger Universitätsmedizin in vielerlei Hinsicht zu bereichern. Aktuell laufen als nächster wichtiger Schritt die Abstimmungen zu wechselseitigen Besuchen der jeweiligen Medizinischen Fakultäten.“

Der Austausch ergänzt die bereits seit längerem bestehenden Austauschprogramme mit Universitäten vor allem in Nagasaki/Japan und Mwanza/Tansania, aber auch anderen Universitäten weltweit.

Text: Pressestelle / UKW
 

Israelische Medizinstudentinnen sowie zwei Medizinstudentinnen aus Japan mit Prodekan, ehemaliger Prodekan und Vertreterin aus der Medizinischen Fakultät.
Von links: Prof. Dr. Andreas Buck (Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Adi Goldring, Noa Arbel, Romi Gleicher und Alma Barry (alle vier Technion-Universität, Haifa), Prof. Dr. Jürgen Deckert (Seniorprofessor, ehem. Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Lee Kaniel (Technion-Universität, Haifa) sowie Barbara Moll (Medizinische Fakultät). In der ersten Reihe kniend: Yuka Yamazato und Mizuki Sakimoto, zwei Medizinstudentinnen aus Japan, die zeitgleich im Rahmen des Nagasaki-Würzburg-Austauschs in der unterfränkischen Universitätsstadt sind. © Andreas Buck / UKW