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Mehr VR und KI im GI: Mit Virtueller Realität und Künstlicher Intelligenz die Gastroenterologie optimieren

Der Gastroenterologe mit Programmierkenntnissen Alexander Hann hat zum 1. März 2023 die neu eingerichtete Professur für Digitale Transformation in der Gastroenterologie am Uniklinikum Würzburg angenommen. Sein Ziel ist es, die Digitalisierung in Forschung, Lehre, Vorsorge und Behandlung der Verdauungsorgane voranzutreiben.

Alexander Hann hält seit März 2023 die neue Professur für Digitale Transformation in der Gastroenterologie
Der Gastroenterologe Alexander Hann will mit der neuen Professur für Digitale Transformation in der Gastroenterologie die Digitalisierung vorantreiben. Er nutzt seine Programmierfähigkeiten, um endoskopische Untersuchungen in die virtuelle Realität zu bringen und andere Computermethoden, um die Arbeit des ärztlichen und pflegenden Teams zu erleichtern. © Daniel Peter / UKW

Im Gespräch mit Prof. Dr. Alexander Hann, dem neuen Professor für Digitale Transformation in der Gastroenterologie am Uniklinikum Würzburg, ergeben sich unweigerlich Assoziationen zu Daniel Drüsentrieb, dem genialen Meistertüftler aus Walt Disneys Entenhausen. Zum Beispiel, wenn Alexander Hann sein Basecap mit Tracking-Gerät obenauf präsentiert. Beugt sich die Person mit dem Tracker auf dem Kopf nach vorn, vergrößert sich das endoskopische Bild in dem Bereich des Dickdarms, der gerade von Interesse ist. „Ein typisches Beispiel, wie sich mit einfachen technischen Tricks und etwas Computerwissen die Probleme, die wir im klinischen Alltag haben, lösen lassen“, sagt der Gastroenterologe, der schon als Schüler eine Firma gegründet hat, um Homepages zu programmieren. Das Problem lag hier darin, dass das Endoskop bei der Darmspiegelung, der so genannten Koloskopie, manchmal nur eingeschränkte Bilder liefert. „Wenn ich zum Beispiel einen Bereich näher betrachten möchte, und das Gerät nicht näher an die Darmwand kann, geht man automatisch mit dem Kopf näher zum Monitor, natürlich erfolglos, da vergrößert sich nichts“, bemerkt Alexander Hann. „Daher habe ich einen Virtual Reality-Tracker an den Kopf des Untersuchenden angeschlossen und das Videosignal durch den Computer geleitet. Jetzt wird das Bild tatsächlich größer, wenn ich näher rangehe.“ Die intuitive Zoom-Methode mittels virtueller Realität (VR) wurde 2019 im gastroenterologischen Fachjournal Gut publiziert.

Künstliche Intelligenz in der Darmkrebsvorsorge

Alexander Hann liebt es, solche praktischen Sachen zu erforschen und zu entwickeln. Er selbst hat, ähnlich wie die Comicfigur Düsentrieb, keine kommerziellen Interessen, freut sich aber natürlich, wenn die Industrie seine Ideen aufgreift. Am liebsten steckt er jedoch seine Energie in neue, spannende Projekte. Zum Beispiel untersucht er mit seiner Würzburger Arbeitsgruppe InExEn, wie sich mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) die Darmkrebs-Vorsorge verbessern lässt. InExEn steht für interventionelle und experimentelle Endoskopie. So hat das interdisziplinäre InExEn-Team, das aus Informatikern, Ingenieuren und Ärzten besteht, die selber programmieren können, eine KI entwickelt, die während einer Dickdarmspiegelung in Echtzeit mit kleinen blauen Quadraten auf Krebsvorstufen aufmerksam macht. Dazu musste die KI zuvor mit vielen Bilddaten trainiert werden, welche im Rahmen von klinischen Studien an verschiedenen Zentren gesammelt wurden. „Dank unserer Kooperationspartner haben wir einen unglaublichen Datenschatz mit tausenden von Endoskopie-Videos, die dazu beitragen, die Vorsorge unserer Patientinnen und Patienten zu verbessern“, schwärmt Alexander Hann, der die KI zur Polypen-Detektion im Internet frei zur Verfügung gestellt hat.

Blind auf die KI verlassen, solle man sich jedoch nicht. Sein Team hat nämlich auch den Einfluss von KI auf die Untersuchenden unter die Lupe genommen. Dazu wurden Erfahrenen und Anfängern Eyetracking-Brillen aufgesetzt und endoskopische Videos mit und ohne Polypen sowie mit und ohne KI-Unterstützung gezeigt. Ergebnis: Sobald KI im Spiel ist reduzierten sich die Augenbewegungen in beiden Gruppen, die Untersuchenden werden weniger aufmerksam. KI birgt also auch Risiken. Für die grundlegenden und klinischen Analysen der Polypen-Detektionssysteme in der Vorsorgekoloskopie wurde das Team mit dem Darmkrebs-Präventionspreis 2023 der Stiftung LebensBlicke ausgezeichnet.

Neue Dimension des Lernens mit dem Virtuellen Gastro-Tutor VIGATU

Nicht nur die Forschung und Optimierung der Behandlung liegen dem Vater einer kleinen Tochter am Herzen, auch die Lehre. Und hier kann Virtual Reality eine sinnvolle Ergänzung sein, wie das Projekt VIGATU (VIrtueller GAstro TUtor) erfolgreich unter Beweis stellt. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderrichtlinie „Digitale Medien in der beruflichen Bildung in den Gesundheitsberufen (DigiMed)“ geförderten Verbundprojekt, wird ein VR-basiertes Lehr-Lernsystem für Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte entwickelt. Die Koordination und den medizinischen Input stellt Alexander Hann mit seinem Team. Die Endoskopiefachkrankenschwester und promovierte Pflegewissenschaftlerin Monika Engelke vom Bildungswerk Herne betreut die Inhalte für die Pflegekräfte, während die Universität Ulm mit dem Institut für Medieninformatik die Programmierarbeit und das Institut für Psychologie und Pädagogik die Didaktik übernehmen und das Unternehmen ThreeDee für die 3D-Gestaltung zuständig ist.

Alexander Hann: „Ich sehe tagtäglich die Grenzen der Medizin. Doch mit interdisziplinärem Einsatz können wir diese Grenzen verschieben.“ 

Wie der virtuelle Gastro-Tutor funktioniert und man Wissen und Fertigkeiten zur Durchführung einer Leitlinienkonformen Vorsorgekoloskopie mittels VR erwerben kann, erklärt Alexander Hann am Beispiel eines Films: „Meine Kollegin Dorothea Henniger setzt hier im Büro die VR-Brille auf, ein so genanntes Head-Mounted Display, und teleportiert sich in einen virtuellen Koloskopie-Raum. Sie kann sich dort umschauen und frei bewegen, überprüft Checklisten, baut das Endoskop auf, schaltet den Endoskopie-Turm ein, gibt dem Patienten etwas zum Schlafen, überprüft Blutdruck und Puls, alles ganz wichtige Pflegetätigkeiten, bevor es zur Simulation einer Vorsorgekoloskopie kommt.“ 30 solcher VR-Brillen stehen bereit um in den nächsten Monaten deutschlandweit in Weiterbildungszentren eingesetzt zu werden. 

VR als Vehikel, um Wissen zu transportieren

Auch für die Studierenden gibt es Möglichkeiten, sich mittels VR sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen über die Endoskopie anzueignen. Mit der VR-Brille beamen sie sich gewissermaßen in eine andere Welt, in der sie auf spielerische Art und Weise alles rund um den Darm erfahren: Wie unterscheidet sich zum Beispiel ein kranker vom gesunden Darm? Was sind Symptome und Risikofaktoren von Pankreaskarzinomen? Die Studierenden bekommen ein Endoskop in die Hand gedrückt und müssen die Ventile korrekt stecken. Und sie werden zu Krebsvorstufen abgefragt, welche Polypen deuten auf ein Karzinom hin? „Das Tolle ist, dass die Ausbildenden die Plattform eigenständig und ohne Programmierkenntnisse bedienen und eigene VR-Lehrvideos erstellen können“, bemerkt Alexander Hann. „Damit haben wir, was die Virtual Reality betrifft, die gesamten Weiterbildungsbereiche abgedeckt.“ Bei der Informatik und Medizin gebe es so viele Überschneidungen und Verknüpfungsmöglichkeiten, sodass Alexander Hann dringend empfiehlt, Medizinstudierende, die ein Interesse an KI haben, zu fördern. Ebenso sollten Informatiker schon während des Studiums für medizinische Fragestellungen begeistert werden.

Schreibt KI künftig die Endoskopie-Befunde?

Mit der neuen Professur, die er seit dem 1. März 2023 innehat, möchte er die Universitätsmedizin Würzburg auf dem Gebiet der KI und Digitalisierung deutschlandweit bekannter machen. Ebenfalls möchte er die Digitalisierung vorantreiben und weiterhin viele praktische Lösungen finden, welche die Diagnostik und Behandlung verbessern, nachhaltig sind und Arbeitsschritte erleichtern. Aktuell arbeitet er daran, dass die KI Ärzten und Ärztinnen vom zeitaufwändigen und bisweilen mühsamen Schreiben der Befunde erlöst. „Die KI kann das sehr gut übernehmen, wie unsere neuste Forschungsarbeit zeigt.“

Zur Person

Prof. Dr. Alexander Hann (Jahrgang 1980) ist in Hamburg aufgewachsen und hat schon vor dem Abitur eine Firma gegründet und Homepages programmiert. Während seines Medizinstudiums hat er am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) Grundlagenforschung betrieben, die er in seiner ersten Assistenzarztzeit am Universitätsklinikum Marburg zum Thema Pankreaskarzinom fortgesetzt hat. Seinen Facharzt für Innere Medizin hat er am Katharinenhospital in Stuttgart absolviert, wo er vorwiegend klinische Forschung zum Pankreaskarzinom betrieben hat. Diese intensivierte er am Universitätsklinikum Ulm in der Gastroenterologie. In Ulm hat er Prof. Dr. Alexander Meining kennen gelernt, der dort von 2014 bis 2019 die Professur für interventionelle und experimentelle Endoskopie innehatte und heute am Uniklinikum Würzburg, stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II ist und hier den Schwerprunkt Gastroenterologie leitet. Alexander Hann folgte Alexander Meining nach Würzburg und wurde stellvertretender Schwerpunktleiter der Gastroenterologie. Seit März 2023 hält er die neue Professur für Digitale Transformation in der Gastroenterologie. 

klinikum & wir: Kernthema Krebsforschung

Ausgehend vom neuen Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen WERA widmet sich das Top-Thema des frisch erschienenen Magazins Krebsforschungsverbünden mit Würzburger Beteiligung. Darüber hinaus bündelt die vom Uniklinikum Würzburg herausgegebene Publikation erneut aktuelle Berichte aus der vielgestaltigen Lebenswelt des mainfränkischen Großkrankenhaus.

Titelseite
Titelseite klinikum & wir

Würzburg. Seit Februar dieses Jahres ist der Verbund der vier Uniklinika-Standorte Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg, kurz WERA, Bayerns erster Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Ziel des NCT ist es, die Krebsforschung patientenzentriert weiter auszubauen und so zukünftig mehr Krebskranken in Deutschland den Zugang zu innovativen Methoden in Diagnostik und Therapie zu ermöglichen. Weitere Details dazu – und zu weiteren überregionalen onkologischen Zentrumsstrukturen, wie der CCC Allianz WERA und dem Bayerischen Zentrum für Krebsforschung – liefert das Top-Thema der Ausgabe 1/2023 von klinikum & wir. 

Das 40-seitige Magazin der Würzburger Universitätsmedizin berichtet darüber hinaus über die Erfahrungen nach den ersten drei Jahren der generalistischen Pflegeausbildung und gibt einen Überblick über kürzlich publizierte Forschungsergebnisse. Weitere Meldungen – zum Beispiel zu personellen Veränderungen, preiswürdigen Leistungen, Angeboten der Selbsthilfe oder Wissenswertem aus der Klinikumsverwaltung – runden das Themenkaleidoskop ab.

Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen im Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es klinikum & wir auch als Webmagazin unter www.ukw.de/presse/magazine 

Titelseite
Titelseite klinikum & wir

Klinikpfarrer Jürgen Floß verabschiedet sich

Jürgen Floß ist seit Dezember 2014 einer der beiden Leiter des ökumenischen Seelsorgeteams am Uniklinikum Würzburg. Zum 1. Mai dieses Jahres geht der evangelische Klinikpfarrer in den Ruhestand.

Würzburg. Der 30. April 2023 ist der letzte Arbeitstag von Jürgen Floß am Uniklinikum Würzburg (UKW). Dann geht der für die evangelischen Mitglieder des ökumenischen Klinikseelsorgeteams zuständige Teamleiter in den verdienten Ruhestand. Der gebürtige Stuttgarter (Jahrgang 1959) kann zurückblicken auf insgesamt fast zwei Jahrzehnte in der Klinikseelsorge – die letzten 8,5 Jahre davon am UKW. Dabei konstatiert Floß: „Es wird ja viel gezweifelt, was Kirche überhaupt noch soll in dieser Zeit. Gerade die Begleitung von Menschen in ihren Lebenssituationen im Krankenhausumfeld hat jedoch nichts von ihrer Bedeutung verloren.“ Diese spirituell-mitmenschliche Begleitung leistete der evangelische Pfarrer in den vergangenen Jahren auf insgesamt zehn Stationen der Zentren für Operative und Innere Medizin sowie am Zentrum für Psychische Gesundheit des UKW. „Wir von der Seelsorge versuchen, möglichst überall am Klinikum präsent zu sein. Allerdings müssen wir mit unserem aktuell nur elfköpfigen Team Prioritäten setzen: Wo ist unsere Tätigkeit besonders dringend gefragt?“, verdeutlicht der scheidende Klinikpfarrer. 

Unterstützung auf den Intensivstationen 

Für ihn selbst gehörten unter anderem die Intensivstationen des UKW zu diesen vorrangigen Orten. „Die Intensivpatientinnen und -patienten befinden sich häufig auf einem schmalen Grad zwischen Leben und Tod. Eine meiner Aufgabe war es hier, den Menschen Lust zu machen, ins Leben zurückzukehren“, schildert Floß. Selbst Sedierte sind nach seinen Erfahrungen nicht einfach abgeschaltet, sondern haben einen veränderten Bewusstseinszustand, der manchmal von Alpträumen und Bedrohungsgefühlen geprägt ist. „Hier hatte ich die Chance und die Zeit, durch beruhigende Worte oder das Halten einer Hand Entlastung zu geben, als Anker zu wirken“, berichtet der Geistliche. 

Brückenbauer in Corona-Zeiten

Deutlich erschwert wurde die Arbeit des ökumenischen Seelsorgeteams durch die Infektionsschutz-Maßnahmen während der Corona-Pandemie. „Trotz des allgemeinen Besuchsverbots war es uns wichtig, weiterhin zu den Patientinnen und Patienten gehen zu können“, erzählt Floß und fährt fort: „Es hat uns sehr gefreut, dass wir mit diesem Wunsch sowohl beim Klinikumsvorstand, als auch bei vielen Stationsleitungen auf positive, unseren Dienst wertschätzende Resonanz stießen.“ In der praktischen Umsetzung bedeutete dies, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger umfassend in den jeweils geltenden Hygieneregeln geschult wurden und zum Beispiel das sichere An- und Ablegen von Schutzkleidung erlernten. „So konnten wir nicht nur den isolierten Kranken selbst beistehen, sondern fungierten in sehr vielen Fällen auch als Brücke zu deren Angehörigen draußen“, erinnert sich Floß. Ein emotionaler Höhepunkt war für ihn in diesem Zusammenhang die Organisation und Durchführung einer Abschiedsfeier für eine sterbende Corona-Patientin aus Vietnam. Mit Unterstützung der Seelsorge gelang es, per Internet Verwandte aus der Heimat der jungen Frau zu der bewegenden Veranstaltung zuzuschalten. „Für die Familie in der Ferne war dies ein großer Trost“, weiß der Pfarrer. 

Hilfreiche Gespräche in den Zwischenräumen

Im Alltag findet Krankenhausseelsorge nach seinen Worten häufig in „Zwischenräumen“ statt. Dazu zählt er beispielsweise spontane Kontakte zu Patientinnen und Patienten, Angehörigen oder UKW-Beschäftigten auf den Fluren. Oder er berichtet von einem mit „Seelsorge“ gekennzeichneten Rollhocker im Anmeldebereich der Radiologie, der für Gespräche mit den dort Wartenden bereitsteht. „In besonders schönen Fällen spiegeln uns die Menschen danach wider, dass sie das Gespräch als entlastend und wertvoll empfunden haben“, so Floß. 

Mitglied des Klinischen Ethikkomitees 

Zu seinen persönlichen Interessensfeldern zählt ferner die Ethik in der Medizin. Deshalb beteiligte er sich am Klinischen Ethikkomitee des UKW. Das unabhängige, multiprofessionelle Gremium unterstützt die Beschäftigten des Klinikums bei moralischen Fragen und Herausforderungen. Außerdem referierte Pfarrer Floß bei Vorträge in Unter- und Mittelfranken wiederholt zu medizinethischen Themen, wie zum Beispiel unter dem Titel „Tun wir zu viel am Lebensende?“ über sinnvolle Behandlungsziele bei sehr weit fortgeschrittenen Krankheitsstadien.

Wertgeschätzte Freiheiten

„Ich habe es immer genossen, am Uniklinikum Würzburg in einem säkularen Haus zu arbeiten“, betont Floß und verdeutlicht: „Natürlich werde ich als Vertreter der Kirche wahrgenommen, habe aber viele Freiheiten. Beispielsweise schreckt es mich nicht ab, wenn jemand der Kirche den Rücken gekehrt hat. Vielmehr bleibt mein Interesse am Menschen – was macht dein Leben aus?“ Aus seiner Sicht ist diese offene, nicht wertende Haltung gegenüber den menschlichen Eigenheiten wichtig, um die Klinikseelsorge als erfüllende Arbeit zu erleben. Hinzukämen eine gewisse psychische Belastbarkeit sowie die Bereitschaft, sich auch auf die häufig auftretenden Überraschungen einzulassen.

Und wie sehen seine Pläne für den Ruhestand aus? „Hier habe ich schon eine lange Liste an Ideen, um die neuen Freiräume zu genießen. So will ich meine sieben Enkelinnen und Enkel klarer in den Blick nehmen, alte Freundschaften pflegen, vertieft Schwedisch lernen sowie möglichst oft Segeln gehen und mit dem Wohnmobil verreisen“, kündigt der baldige Pensionär an. 

ME/CFS: Neue Schulungsreihe für betroffene Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Studie

Angebot des Sozialpädiatrischen Zentrums am UKW startet erstmals im April / „Bedarf wird zunehmen“

 

Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Daniel Peter

Würzburg/München. Es ist eine der schwersten Folgen von Long-Covid: Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom, abgekürzt: ME/CFS. Am Sozialpädiatrischen Zentrum des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) startet nun im Rahmen einer Studie ein gezieltes Schulungsangebot für betroffene Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Die Schulungen erfolgen innerhalb des Forschungsprojekts „Bayerisches Netzwerk zur Erforschung von ME/CFS (BAYNET FOR MECFS)“ und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) gefördert. Sie ist ein gemeinsames Projekt der Uniklinik-Standorte München und Würzburg. Die Projektkoordination erfolgt am MRI Chronische Fatigue Centrum für junge Menschen (MCFC) des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München.

„Die Betroffenen sind schwer chronisch krank und leiden unter der geringen Belastbarkeit mit Fatigue enorm. Selbst einfachste Tätigkeiten wie Zähne putzen oder das Kämmen der Haare können eine Verschlechterung der Symptome auslösen. Die Anforderungen im Schulalltag oder im sozialen Umfeld sind in der Regel nicht mehr zu bewältigen – bis hin zur Bettlägerigkeit“ beschreibt Prof. Dr. Juliane Spiegler, Leiterin des Sozialpädiatrischem Zentrums (SPZ) am UKW das Krankheitsbild, das bislang wenig erforscht ist. ME/CFS entsteht in den meisten Fällen in Folge einer akuten Infektionserkrankung, beispielsweise Grippe, Pfeiffersches Drüsenfieber nach Epstein-Barr-Virus oder einer Coronaviruserkrankung. „Daher sind wir froh, gemeinsam mit dem MCFC in München dieses Schulungsmodel jetzt erproben zu können“, so die Würzburger Neuropädiaterin.

Schulungen finden online statt

Ein Ziel der Schulungen, die online stattfinden, ist die Anleitung zum sogenannten „Pacing“, also das Einteilen und Managen der eigenen Kraft-Reserven, die durch die Erkrankung stark reduziert sind. „Gerade das ist aber nicht einfach für Kinder und Jugendliche, die zuvor oft sehr aktiv waren, sei es im Sport oder in der Musik, und auf einmal einfach keine Kraft mehr dafür und für ihren Alltag haben“, beschreibt Prof. Spiegler den Leidensdruck. Auch aus diesem Grund wurde bereits in einem Pilotprojekt vor Schulungsbeginn getestet, wie lange die Dauer der Schulungen überhaupt sein können. Das Ergebnis: Die ursprünglich geplanten 45 Minuten waren für Betroffene zu lang, daher ist für diese nun eine Schulungseinheit von rund 25 Minuten geplant. Die Teilnehmerzahl ist für jede einzelne Schulungsreihe auf sechs bis acht Personen limitiert. Spiegler: „Auch das ist ein wichtiger Faktor: Die Jugendlichen lernen andere Jugendliche und Eltern andere Eltern kennen, denen es genauso geht. Der Austausch kann enorm unterstützend sein.“ Ebenso wichtig sei das Gefühl, ernst genommen zu werden.

Inhalte für Betroffene, Eltern, Geschwister und Lehrkräfte

Innerhalb der Schulungsreihe gibt es spezielle Angebote für Betroffene, Eltern, Geschwister und Lehrkräfte. „Für Eltern und Geschwister ist es natürlich eine starke Belastung und große Sorge. Für die Geschwister kommt dazu, dass ihre eigenen Bedürfnisse eventuell angesichts der schweren Erkrankung in der Familie zu kurz kommen. Bei den Lehrkräften geht es darum, Wissen und Akzeptanz zu vermitteln, da die Erkrankung bislang wenig in der Gesellschaft bekannt ist“, erläutert Prof. Spiegler. Sie weiß auch: „Die Erkrankung geht oft mit einer Vielzahl von Arztbesuchen verschiedener Fachdisziplinen einher – nicht selten verbunden mit der Suche nach dem ´heilenden Medikament´. Nur: Dieses eine Medikament gibt es bislang nicht. Aktuell steht eine sorgfältige symptomorientierte Versorgung im Vordergrund. Dadurch wird die Versorgung aufwändiger. Die Akzeptanz dafür fällt oft auf allen Seiten schwer.“

Zugang für Betroffene und Eltern nur nach Diagnose am MCFC

Voraussetzung für eine Schulung der Betroffenen und ihrer Eltern ist die Teilnahme an dem vom Freistaat Bayern geförderten Forschungsprojekt BAYNET FOR MECFS. Dieses Projekt bindet Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zu einem Alter von 20 Jahren ein, die in Bayern leben. Die Studienteilnahme beginnt mit einem Studieneinschluss am MCFC in München, wenn der dringende Verdacht auf ME/CFS besteht. Am MCFC erfolgt dann zunächst eine sehr genaue interdisziplinäre Diagnostik. Wenn die Verdachtsdiagnose ME/CFS bestätigt wird, wird die Mitversorgung am SPZ in Würzburg inklusive Schulungsprogramm angeboten. Hierfür stehen insgesamt 50 Plätze bereit. 

Zugang für Geschwister und Lehrkräfte 

Für Geschwister und Lehrkräfte gibt es unterschiedliche Schulungsangebote mit und ohne Studienprogramm, die in Würzburg erfragt werden können. Anmeldungen sind für alle Geschwister und Lehrkräfte offen. 

Ziele der Schulungen

Im Rahmen der Forschungsprojekte geht es darum, die Machbarkeit und Akzeptanz der entwickelten Schulungsmodule zu überprüfen, und das Schulungsprogramm für die jungen Betroffenen, deren Familien und Lehrkräfte weiterzuentwickeln. Im Rahmen der Routineschulungen für Geschwister und Lehrkräfte wird Basiswissen zur Erkrankung vermittelt. 

Prof. Spiegler betont: „Unser langfristiges Ziel ist es, die Schulungsreihe dauerhaft anzubieten. Dazu bedarf es in einem nächsten Schritt einer weiteren Finanzierung, damit das Programm nachhaltig etabliert werden kann. Denn der Bedarf wird sicher zunehmen.“ Die erste Schulungsreihe beginnt am 13. April.

Weitere Informationen zum Schulungsangebot ME/CFS:

https://www.ukw.de/spz/mecfs  

Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Daniel Peter

Allgemeine Maskenpflicht für Besucher und Patienten des UKW entfällt ab 8. April

Würzburg. Mit dem Auslaufen der Corona-Regelungen des Bundes nach dem Infektionsschutzgesetz entfallen auch am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ab dem 8. April 2023 die allgemeinen Maskenpflichten für Besucher und Patienten. Natürlich können auf eigenen Wunsch weiterhin Mund-Nasen-Schutz oder FFP2-Maske getragen werden.

Unabhängig von der SARS-CoV-2-Pandemie bestehende Regelungen zur Infektionsprävention in einzelnen Klinikbereichen bestehen weiter fort. 

Zudem kann weiterhin am UKW bereichs- und klinikbezogen für Besucher die Pflicht zum Tragen, z. B. von Mund-Nasen-Schutz für einzelne Bereiche mit besonders gefährdeten Patienten festgelegt werden. 

Dies ist aktuell in der UKW-Kinderklinik der Fall: Dort besteht zunächst bis einschließlich 1. Mai 2023 grundsätzlich weiter die Pflicht zum Tragen  einer FFP2-Maske ab einem Alter von 14 Jahren für Patienten, Besucher und Begleitpersonen angesichts der Anzahl von Patienten, die wegen bzw. mit einer Infektion behandelt werden.

Neue Ausgabe: Gesundheitsmagazin UNI.KLINIK mit Parkinson als Titelthema ist online

Die kürzlich erschienene Ausgabe 1/2023 von UNI.KLINIK, dem Gesundheitsmagazin des Universitätsklinikums Würzburg, berichtet in seinem Titelthema über Behandlungsmöglichkeiten bei Morbus Parkinson.

Würzburg. Die Showlegende Frank Elstner und der Ökowinzer Ewald Ruppert aus Prichsenstadt sind beide von der fortschreitenden neurodegenerative Erkrankung Morbus Parkinson betroffen. Beide werden am Uniklinikum Würzburg (UKW) behandelt: Elstner mit Medikamenten, Ruppert mit einem topmodernen Hirnschrittmacher. Wie die jeweiligen Therapiewege funktionieren und wie es den beiden Patienten damit geht, berichtet die aktuelle Ausgabe von UNI.KLINIK in seiner Titelgeschichte. Das kostenlose Gesundheitsmagazin wird vom UKW zwei Mal jährlich herausgegeben.

Darüber hinaus bringt die 24-seitige Publikation Forschungshintergründe zum Chronischen Fatique-Syndrom und zu Maligner Hyperthermie. Sie erläutert, wie sich eine Trichterbrust per Bügel-Operation korrigieren lässt und wandert durch die 75-jährige Geschichte der Transfusionsmedizin am Würzburger Großkrankenhaus. 

Diese und viele weitere informative Artikel finden sich in der Online-Version unter www.ukw.de/presse/magazine. 

Chronische Rückenschmerzen: Uniklinik Würzburg sucht Teilnehmende für Studie mit VR-Brille

Das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin des Uniklinikums Würzburg sucht für eine Studie Personen, die schon seit einiger Zeit an chronischen Rückenschmerzen leiden. Erprobt wird ein neues physiotherapeutisches Programm, das Technologien der Virtuellen Realität (VR) nutzt.

Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert.
Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert. Bild: Videoreality / Julian Hölgert
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden.
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden. Bild: UKW / Isabel Neumann

Würzburg. Bei einer Studie des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) des Uniklinikums Würzburg tauchen Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen mit einer speziellen Brille in eine virtuelle Welt ein und führen unter diesem Eindruck physiotherapeutische Übungen durch. So sollen neue Wege eröffnet werden, sich auch im Alltag schmerzarm bewegen zu können.

Gesucht werden dafür Personen im Alter von 18 bis 65 Jahre, die an chronischen Rückenschmerzen leiden – das heißt seit mindestens drei Monaten bis maximal fünf Jahren. Zu den Voraussetzungen zählen gute Deutschkenntnisse. Wichtig ist auch, dass die Studienteilnehmende gut sehen können, am besten ohne Sehhilfe, ansonsten mit Kontaktlinsen oder einer nur kleinformatigen Brille. Ausschlusskriterien sind ferner Schwangerschaft sowie seelische oder neurologische Erkrankungen.

Die Studie läuft über neun Wochen. Ab der dritten Woche finden wöchentlich zwei Therapiesitzungen in der virtuellen Realität statt. Von der sechsten bis zur neunten Woche wird nur noch beobachtet. Bei Studienabschluss erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung von 10 Euro pro Therapiesitzung, insgesamt also 60 Euro. Alle Termine finden in Würzburg statt. 

Interessierte melden sich bitte unter E-Mail reliefvr@ uni-wuerzburg.de. 

Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Projekt „Gesellschaft der Ideen“ gefördert. 

Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert.
Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert. Bild: Videoreality / Julian Hölgert
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden.
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden. Bild: UKW / Isabel Neumann