Aktuelle Pressemitteilungen

Drei Untersuchungen zu Covid-19-Impfungen

Covid-19 Impfung: Welche Faktoren beeinflussen die Anti-SARS-CoV-2-Spike-IgG-Titer? Ist eine gemeinsame Verabreichung mit der Influenza-Impfung möglich? Wie verträglich sind die neue Varianten-adaptierten Covid-19 Impfstoffe? Das Universitätsklinikum liefert mit Auswertungen im Rahmen der CoVacSer-Studie die Antworten.

Das Bild zeigt zahlreiche Proben im Labor.
Im Rahmen der CoVacSer-Studie des Universitätsklinikums Würzburg werden seit September 2021 die immunologische Impfantwort sowie die Lebens- und Arbeitsqualität nach einer Covid-19-Impfung und/oder -Infektion in einer Kohorte von 1.800 Beschäftigen im Gesundheitswesen untersucht. @ UKW

Seit September 2021 untersucht die CoVacSer-Studie des Universitätsklinikums Würzburg die immunologische Impfantwort sowie die Lebens- und Arbeitsqualität nach einer Covid-19-Impfung und/oder -Infektion in einer Kohorte von 1.800 Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Zu drei wichtigen Themen aus der CoVacSer-Studie konnte das Studienteam um Dr. Alexander Gabel, Dr. Manuel Krone, Dr. Nils Petri sowie den Medizinstudentinnen Julia Reusch und Isabell Wagenhäuser kürzlich in renommierten Journals publizieren.

Schlechtere Impfantwort bei Rauchern

In der im Journal of Medical Virology veröffentlichten Querschnittsanalyse „Influencing factors of Anti‐SARS‐CoV‐2‐spike‐IgG antibody titers in healthcare workers: A cross‐section study“ wurden Faktoren analysiert, welche die Konzentration von Antikörpern nach einer Corona-Infektion oder -Impfung beeinflussen. Sowohl genesene als auch geimpfte Personen wiesen eine überwiegend gute so genannte humorale Immunantwort auf, wobei die signifikant höheren Antikörper-Werte in der hybrid immunisierten Untergruppe im Vergleich zu den nur Genesenen die Bedeutung einer zusätzlichen Impfung nach der Rekonvaleszenz unterstreicht. Das Studienteam hat zudem beobachtet, dass der Titer, also die Höhe an Immunglobulin G-Antikörpern gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2, kurz Anti-SARS-CoV-2-Spike-IgG, nach der zweiten Impfung mit der Zeit deutlich abnahm. Vor allem Rauchen und ansteigendes Lebensalter waren mit niedrigeren Titern verbunden. Zusammenfassend, konnte mit dieser Auswertung erstmalig gezeigt werden, dass Nikotinkonsum die humorale SARS-CoV-2-Immunität signifikant einschränkt und somit das Risiko schwerer Infektionen in dieser bereits verstärkt gefährdeten Gruppe weiter erhöht.

Gleichzeitige Verabreichung von Covid-19 Impfung und saisonaler Grippeimpfung wird gut vertragen

Unter dem Titel „Immunogenicity and safety of coadministration of COVID-19 and influenza vaccination“ konnte das CoVacSer-Studienteam die erste groß angelegte Evaluation der so genannten Co-Administration des saisonalen Influenza-Impfstoffes und einer mRNA-basierten Covid-19-Auffrischungsimpfung präsentieren. Das heißt, sie haben an einer Kohorte von 1.231 Studienteilnehmenden untersucht, ob eine gleichzeitige Verabreichung eine wirksame Strategie zum Schutz der Beschäftigten im Gesundheitswesen vor zwei schweren viralen Atemwegsinfektionen ist. Die humorale Immunantwort und die Nebenwirkungen der simultan verabreichten Impfstoffe waren bislang noch unklar.

Ergebnis: Die Anti-SARS-CoV-2-Spike-IgG-Titer waren bei einer Co-Administration leicht, aber signifikant erniedrigt. Jedoch ist unklar in wie weit ein leicht niedrigerer Antikörper-Titer den Schutz vor einer Corona-Infektion und einem schweren Krankheitsverlauf beeinflusst. „Mutmaßlich aber werde die Effektivität nicht relevant eingeschränkt sein“, so Manuel Krone, kommissarischer Leiter der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Uniklinikum Würzburg. Nils Petri, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Uniklinikums, ergänzt: „Wichtig ist, dass die Co-Administration ebenso gut vertragen wurde wie die alleinige Covid-19 Impfung. Die Co-Administration bietet also die Gelegenheit, mit gut angelegten Kampagnen die Impfquote für beide Impfungen zur erhöhen.“ Die Ergebnisse diese Auswertung konnten kürzlich im European Respiratory Journal publiziert werden.

Varianten-adaptierte bivalente SARS-CoV-2-Impfstoffe erzeugen häufiger Nebenwirkungen als ursprüngliche monovalenten Impfstoffe

Nachdem mittlerweile mehrere an Omikron-Varianten angepasste SARS-CoV-2-Impfstoffe zugelassen wurden und diese Impfstoffe bei Auffrischungsimpfungen überwiegend eingesetzt werden, stellt sich die Frage, ob diese genauso verträglich sind wie die ursprünglichen, auf Stämme aus dem Jahr 2020 zugeschnittenen Impfstoffe. Im Herbst 2022 wurden bivalente Covid-19-Impfstoffe verfügbar, welche die Wildtyp-Spike-mRNA mit einer Omicron BA.1 oder BA.4-5-Spike-mRNA kombinieren. Nachdem jene bivalenten Impfstoffe – ähnlich wie die saisonalen Influenza-Vakzine – ohne zusätzliche klinische Studie zugelassen wurden, konnte nun das CoVacSer-Studienteam erste Erkenntnisse zu Nebenwirkungen und Arbeitsunfähigkeit nach einer BA.4-5 adaptierten, bivalenten Covid-19-Impfung im Vergleich zur monovalenten Covid-19 Impfung als zweite Booster Impfung präsentieren.

In der Substudie erhielten 104 Personen eine vierte Dosis des Covid-19-Impfstoffs, und zwar entweder mit dem ursprünglichen, monovalenten BNT162b2 mRNA-Impfstoff oder mit dem bivalenten BNT162b2 mRNA-Original/Omicron BA.4-5-Impfstoff. Personen, bei denen die vierte Covid-19-Impfung mit dem bivalenten Impfstoff durchgeführt wurde, meldeten häufiger unerwünschte Reaktionen als Personen, die den monovalenten Impfstoff erhielten, insbesondere lokale Impfreaktionen. Es gab einen Trend zu mehr Arbeitsunfähigkeit und einer häufigeren Einnahme von Bedarfsmedikation nach der bivalenten Impfung. Zusammenfassend scheinen bivalente SARS-CoV-2-Impfstoffe als Auffrischimpfung häufiger kurzfristig leichte Nebenwirkungen zu erzeugen, wobei weiterführende Untersuchungen auch unter Einbezug der humoralen Immunogenität der Impfung nötig sind, um die klinische Entscheidungsfindung bei der Wahl zwischen bivalenten und monovalenten Impfungen zu unterstützen. Die Publikation „Bivalent BNT162b2 mRNA original/omicron BA.4-5 booster vaccination: adverse reactions and inability to work compared with the monovalent COVID-19 booster“ wurde kürzlich im Journal Clinical Microbiology and Infection veröffentlicht.

Publikationen

Reusch, J., I. Wagenhäuser, A. Gabel, A. Eggestein, A. Höhn, T. T. Lâm, A. Frey, A. Schubert-Unkmeir, L. Dölken, S. Frantz, O. Kurzai, U. Vogel, M. Krone and N. Petri (2022). "Influencing factors of anti-SARS-CoV-2-spike-IgG antibody titers in healthcare workers: A cross-section study." Journal of Medical Virology: e28300. https://doi.org/10.1002/jmv.28300

Wagenhäuser, I., J. Reusch, A. Gabel, A. Höhn, T.-T. Lâm, G. Almanzar, M. Prelog, L. B. Krone, A. Frey, A. Schubert-Unkmeir, L. Dölken, S. Frantz, O. Kurzai, U. Vogel, N. Petri and M. Krone (2023). "Immunogenicity and safety of coadministration of COVID-19 and influenza vaccination." European Respiratory Journal 61(1): 2201390. https://doi.org/10.1183/13993003.01390-2022

Wagenhäuser, I., J. Reusch, A. Gabel, L. B. Krone, O. Kurzai, N. Petri and M. Krone (2023). "Bivalent BNT162b2mRNA original/Omicron BA.4-5 booster vaccination: adverse reactions and inability to work compared to the monovalent COVID-19 booster." Clinical Microbiology and Infection. Article in Press. https://doi.org/10.1016/j.cmi.2023.01.008

Film: In der UKW-Mediathek erklärt Manuel Krone in einem Film vom Dezember 2022 die Aufgaben der Abteilung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship und im Besonderen die CoVacSer-Studie. 

 

Das Bild zeigt zahlreiche Proben im Labor.
Im Rahmen der CoVacSer-Studie des Universitätsklinikums Würzburg werden seit September 2021 die immunologische Impfantwort sowie die Lebens- und Arbeitsqualität nach einer Covid-19-Impfung und/oder -Infektion in einer Kohorte von 1.800 Beschäftigen im Gesundheitswesen untersucht. @ UKW

Hochrisikogruppen profitieren von Corona-Booster

Eine Studie der Universitätsmedizin Würzburg zeigt, wie Dialysepflichtige von einer Auffrischungsimpfung mit bivalentem Covid-19 Omikron mRNA-Booster gegen SARS-CoV-2 profitieren. Beeindruckende Antikörperantwort sowohl in der Konzentration als auch in der Neutralisations- und Bindungsfähigkeit.

Das Bild zeigt die Studiengruppe vor dem KfH.
Luise Schäfer, Luca Huth, Martina Prelog und Giovanni Almanzar (v.l.n.r.) haben gemeinsam mit Christiane Drechsler (2.v.r.) und Torsten Stövesand (r.) vom KfH-Nierenzentrum mehr als 120 Dialysepflichtige von der ersten Corona-Impfung an begleitet und ihre Immunantwort untersucht. © Daniel Peter / UKW
Das Bild zeigt Luise Schäffer, Luca Huth, Giovanni Almanzar und Martina Prelog im Labor.
Die Medizinstudierenden Luise Schäfer und Luca Huth untersuchen in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg mit Martina Prelog und Giovanni Almanzar die zelluläre Immunabwehr und Antikörperantworten von Hochrisikopatientinnen und -patienten. © Daniel Peter / UKW

Boostern wir zu oft und zu schnell? In den vergangenen Monaten wurde viel über die Auffrischungsimpfung mit bivalenten Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 und Omikron diskutiert. Sogar bei Hochrisikopatientinnen und -patienten wurde der Nutzen der Verabreichung eines an die Omikron-Varianten angepassten mRNA-Impfstoffes nach einer Grundimmunisierung in Frage gestellt. Prof. Dr. Martina Prelog hat mit ihrem Team vom Universitätsklinikum Würzburg die Immunantwort bei einer Hochrisikogruppe, und zwar den Hämodialysepflichtigen untersucht und ist nach der Auswertung zu folgendem Schluss gekommen: „Risikopatientinnen und -patienten profitieren von einer angepassten Impfung, vor allem diejenigen, die keinen Durchbruchsinfekt, also keinen Kontakt mit Omikron hatten. Die Antikörperantwort war dabei umso besser, je höher die Ausgangslage an vorbestehenden Antikörpern gegen SARS-CoV-2 war. Aus immunologischer Sicht macht es also durchaus Sinn, wenn sich Dialysepflichtige regelmäßig und auch mit einem angepassten Impfstoff impfen lassen.“

Covid-19: Dialysepflichtige gehören zur Hochrisikogruppe

Doch warum gehören Nierenkranke, die regelmäßig eine künstliche Blutwäsche außerhalb des Körpers benötigen, überhaupt zur Hochrisikogruppe? „Da die Nierenfunktion beeinträchtigt ist, können viele Giftstoffe nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden, sie sammeln sich im Körper an und schädigen das Immunsystem. Darüber hinaus werden durch die Hämodialyse auch die Antikörper ausgewaschen und die Abwehrzellen beeinträchtigt“, erklärt der Medizindoktorand Luca Huth, der die Studie gemeinsam mit der Doktorandin Luise Schäfer beim New England Journal of Medicine (NEJM) eingereicht hat. Mit Erfolg. Die Studie wurde jetzt unter dem Titel „Immunologic Effect of Bivalent mRNA Booster in Patients Undergoing Hemodialysis“ veröffentlicht (DOI: 10.1056/NEJMc2216309).

Das Team hat mehr als 120 Dialysepflichtige im Würzburger KfH-Nierenzentum, das von Christiane Drechsler und Torsten Stövesand ärztlich geleitet wird, von der ersten Corona-Impfung an begleitet. 55 der Nierenkranken hat sich nach der vierten Impfung für eine fünfte Dosis mit einem angepassten Impfstoff entschieden. Und genau von dieser Gruppe wurden für die im NEJM publizierten Studie die Serumproben analysiert. Das heißt, ihre Antikörperspiegel und zelluläre Immunabwehr wurden sechs und zwei Wochen vor der fünften angepassten Impfung sowie zwei und vier Wochen danach untersucht. „Hier fiel schnell auf, dass der erste Schutzschirm der Antikörper sehr rasch abnahm. Bei 37 Personen hatte das Immunsystem ausschließlich Kontakt mit der mRNA für das Impf-Spike-Protein. Die 18 Personen, die eine Durchbruchsinfektion mit Omikron in der letzten Zeit hatten, hatten vor der fünften Impfung bereits deutlich höhere Antikörperspiegel“, berichtet Luise Schäfer. „Mit der Verabreichung einer mRNA-Auffrischungsimpfung gegen Omikron lassen sich die neutralisierenden Antikörper jedoch wieder auf ein höheres Level bringen.“

Konzentration der bindungsstarken und neutralisationsfähigen Antikörper steigt

Die Publikation ist eine der ersten Arbeiten, die zeigt, dass mehrfach geimpfte Patientinnen und Patienten Vorteile in der humoralen Immunabwehr haben. Während die zelluläre Immunantwort, vor allem die Abwehr durch T-Lymphozyten relativ konstant bleibt, war die Antikörperantwort Martina Prelog zufolge beeindruckend: „Bei denen, die eine Durchbruchsinfektion hatten, stieg die Antikörperkonzentration nach der Impfung mit dem angepassten Omikron-Impfstoff nochmals um das 2,5-fache, bei denen ohne Omikron-Durchbruchsinfektion sogar um das 7,3-fache.

Doch die Qualität der Antikörper ist mindestens genauso wichtig wie die Quantität. Daher wurde am Uniklinikum Würzburg neben der Menge an spezifischen Abwehrzellen und Antikörpern auch die Bindungsstärke der Antikörper gemessen. Bereits vor einem Jahr haben Martina Prelog, Giovanni Almanzar und der Doktorand Tim Vogt mit ihren Untersuchungen zur Bindungsaktivität der Antikörper gegen ihre Antigene, der so genannten Avidity, zu einer wegweisenden Covid-19-Studie im Nature Medicine beigetragen. (Link zur PM).

Ein weiterer Faktor, um das Ausmaß der schützenden Immunität abzuschätzen, ist die Neutralisationsfähigkeit der Antikörper. Diese wurde im Rahmen der Studie von Prof. Dr. Oliver Keppler und seinem Team im Max von Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) mittels vermehrungsfähiger SARS-CoV-2 Erreger in aufwendigen Experimenten analysiert. Ergebnis: Die Neutralisationsfähigkeit gegen die neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 war nach der fünften Impfung signifikant gestiegen.

Fazit: Die Antikörperspiegel gegen SARS-CoV-2 fallen bekanntermaßen sowohl bei Gesunden als auch bei Kranken gleichmäßig ab. Doch für Risikogruppen wie Dialysepflichtige ist es besonders wichtig, hohe Antikörperspiegel zu haben, um auch viele neutralisierende Antikörper mit hoher Bindungsfähigkeit zu besitzen.

Die Höhe der Antikörperspiegel vor der Booster-Impfung ist auch bedeutsam für die Impfantwort nach der Impfung, zum Beispiel mit einem angepassten mRNA Impfstoff. „Immunologisch gesehen können also gerade Risikopatienten, wie Dialysepflichtige, von regelmäßigen Auffrischungsimpfungen profitieren, da sie dadurch hohe Antikörperspiegel entwickeln, die auch Immunfluchtvarianten wie Omikron gut neutralisieren können“, kommentiert Martina Prelog. 

Studie: Huth Luca, Schäfer Luise, Almanzar Giovanni, Lupoli Gaia, Bischof Marie, Wratil Paul R., Stövesand Torsten, Drechsler Christiane, Keppler Oliver T., Prelog Martina. Immunologic Effect of Bivalent mRNA Booster in Patients Undergoing Hemodialysis. 2023/02/15. New England Journal of Medicine. 10.1056/NEJMc2216309. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2216309

Würzburger Universitäts-Frauenklinik erneut als Top-Klinik für Brustkrebs ausgezeichnet

Die Online-Plattform Klinikradar.de verlieh der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg das Qualitätssiegel „Top-Klinik für Brustkrebs 2023“.

Würzburg / München. Die Münchener Firma Innomeda betreibt mit Klinikradar.de eines der nach eigenen Angaben reichweitenstärksten deutschen Online-Krankenhausportale. Die Plattform verleiht seit dem Jahr 2021 ein fachlich fundiertes Siegel für Krankenhäuser, die höchste Qualitätsansprüche erfüllen. Nach der Erstauszeichnung in 2021 erhielt die Würzburger Universitäts-Frauenklinik kürzlich von Klinikradar.de erneut das Qualitätssiegel „Top-Klinik für Brustkrebs“. 

„Uns ist bewusst, dass Qualität sehr unterschiedlich bewertet werden kann. Daher flossen viele unterschiedliche Parameter in diese Erhebung ein“, erläutert Privatdozent Dr. Tobias Bobinger, der bei Innomeda die Siegel-Vergabe wissenschaftlich betreut. Grundlage des Qualitätssiegels sind nach seinen Worten objektive und belastbare Qualitätsfaktoren, die von offiziellen Institutionen – wie etwa dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen – und Fachorganisationen erhoben werden. Besondere Pluspunkte für die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg bei der Indikation Brustkrebs waren demnach: 

  • hohe Fallzahl und damit Erfahrung auf diesem Gebiet, 
  • Zertifizierung als Brustzentrum mit strukturierter Versorgung,
  • interdisziplinäre universitäre Versorgung der Patientinnen und Patienten sowie bei Bedarf engmaschige Betreuung durch andere Fachdisziplinen,
  • hohe Forschungsaktivität auf dem Gebiet der Tumorerkrankungen mit Durchführung vieler nationaler sowie internationaler präklinischer und klinischer Studien.

Am 10. Februar 2023 jährte sich Wilhelm Conrad Röntgens Todestag zum hundertsten Mal. Auch deshalb hat sich das Universitätsarchiv der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in bisher weniger beachteten Kellerräumen der Universität auf Spurensuche nach noch ungehobenen Schätzen gemacht.

Röntgen hatte testamentarisch verfügt, alle Dokumente aus seinen Forschungen der Vernichtung zuzuführen, und auch danach gestrebt, seinen privaten Nachlass zu dezimieren, wenngleich er hier zuließ, dass sich enge Freunde zum Zwecke der Erinnerung daraus bedienten. Auf diesem Umweg fanden einige wertvolle Fotos und Schriftstücke ihren Weg in das Archiv der JMU. Testamentarisch vermachte Röntgen der Uni lediglich 200.000 Mark mit direktem Bezug zum Physikalischen Institut, sowie sämtliche Diplome, Adressen, Medaillen und weitere Erinnerungsstücke, die sich auf seine wissenschaftliche Arbeit bezogen, darunter auch die Nobelpreisurkunde neben der dazugehörigen Goldmedaille.

Doch natürlich speist sich die Überlieferung zu einer Person seiner Größe nicht ausschließlich aus Preisen, Urkunden und Ehrungen. Möchte man Röntgen in einen größeren wissenschaftlichen Kontext stellen, so ist seine Lehrtätigkeit von besonderer Bedeutung, da man durchaus davon ausgehen kann, dass seine Forschungsansätze und Methoden trotz der umfänglichen Zerstörung seiner Unterlagen und Schriften durch seine Studenten und Hörer weitergelebt und die Forschung weitläufig beeinflusst haben.

Originale Inskriptionslisten wieder aufgetaucht

Bisher konnten anhand eigener Aussagen einige Schüler Röntgens nachgewiesen werden, doch jetzt ist eine komplette Rekonstruktion seiner Würzburger Hörer möglich, da in den bislang als verschollen geglaubten originalen Inskriptionslisten sämtliche Studenten unterschriftlich ihre Anwesenheit in seinen Veranstaltungen bestätigten.

Aus diesen Inskriptionslisten, die sich nun im Universitätsarchiv befinden, geht hervor, dass Röntgen während seiner Zeit als Assistent noch keine Veranstaltungen gegeben hat und auch in direkter Nachfolge Friedrich Kohlrauschs, welcher bis dahin den Lehrstuhl für Physik innehatte, im Wintersemester 1888/89 noch nicht in der Lehre tätig war. In diesem Semester mussten Studierende der Universität Würzburg sogar vollkommen auf den Fachbereich Experimentelle Physik verzichten, da Kohlrausch zu diesem Zeitpunkt bereits an die Universität Straßburg gewechselt war.

Vor allem Mediziner besuchen Röntgens Veranstaltungen

Ab dem Sommersemester 1889 las Röntgen regelmäßig, und aus der Belegung seiner Veranstaltung geht hervor, dass insbesondere Studenten der Medizin ein reges Interesse an den gebotenen Inhalten zeigten; in der Hauptvorlesung zur Experimentellen Physik erschienen sie besonders zahlreich. In anderen Veranstaltungen hingegen, wie etwa in seiner „Anleitung zu selbständigem Arbeiten“ im Sommer 1895 oder in seiner „Praktischen Übung im physikalischen Laboratorium“ im Sommer 1896 verzeichnete Röntgen lediglich maximal zwei Hörer.

Im nächsten Schritt sollen die wertvollen Unterlagen nun digital reproduziert und anschließend ausgewertet werden. So können die einzelnen Schüler Röntgens identifiziert und sein Wirkungskreis in der Wissenschaft nachgezeichnet und mit individuellen Lebenswegen verknüpft werden. In einem weiteren Arbeitsschritt möchte das Archiv der Frage nachgehen, ob sich Röntgens zunehmende Popularität wohl auf die Anzahl seiner Hörer ausgewirkt hat, oder ob er auch in den Jahren nach der Entdeckung noch Einzelunterricht gegeben hat.

Glückliche Jahre in Mainfranken

Bekanntermaßen dauerte es einige Jahre, bis Wilhelm Conrad Röntgen, der 1870 als junger und unbezahlter Assistent von August Kundt in Würzburg weilte, als Professor an die Alma Julia zurückkehren durfte. Obwohl man ihm an hiesiger Universität einst wegen seines fehlenden Abiturs Steine in den Weg gelegt hatte, verbrachte Röntgen viele glückliche und fruchtbare Jahre in Mainfranken. Als Lehrstuhlinhaber verhalf er dem Physikalischen Institut zu Räumlichkeiten, moderner Ausstattung und internationalem Ansehen, als Rektor gestaltete und prägte er die gesamte Universität.

Nach seiner bahnbrechenden Entdeckung 1895 im Physikalischen Institut, für die er 1901 als erster Wissenschaftler den Nobelpreis verliehen bekam, verließ Röntgen die JMU, um zum 1. April 1900 einen Ruf nach München anzunehmen. Dort verbrachte er 23 teils glückliche, aber auch von Krankheit und Verlust geprägte Jahre. Durch den Verzicht auf die Patentierung seiner Entdeckung konnte er deren rasche Ausbreitung und Verwendung mitverfolgen, bewahrte jedoch zeitlebens eine abgeklärte Haltung gegenüber seiner weltweiten Bekanntheit.

Kontakt

Dr. Marcus Holtz, uniarchiv@ uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 14.02.2023

Erste Hilfe im Säuglings- und Kleinkindalter

Kostenlose Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft zur Förderung der Kinder der Würzburger Intensivstation (Universitätskinderklinik) e. V.

Kostenlose Informationsveranstaltung zum Thema Erste Hilfe im Säuglings- und Kleinkindalter. Anmeldung nicht erforderlich.

Wann: Dienstag, 21. März 2023 um 19:30 Uhr

Ort: Hörsaal der Universitäts-Kinderklinik (Gebäude D31) • Josef Schneider Straße 2, 97080 Würzburg

Referent: Dr. Katharina Ruf, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin 

Dauer: ca. 1,5 Stunden

Veranstalter: KIWI e. V.

 

Informationen unter 09305/14 15

Bitte FFP2-Masken tragen! Selbsttest wünschenswert!

 

Herzinsuffizienzstudie zeigt langanhaltende positive Effekte einer telemedizinischen Betreuung

Eine aktuelle Langzeitauswertung der erweiterten INH-Studie (E-INH) des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg legt nahe, dass Effekte einer auf 18 Monate begrenzten kardiologisch geführten und durch spezialisierte Pflegekräfte koordinierten telemedizinischen Überwachung und Betreuung überaus nachhaltig sind und bei Patientinnen und Patienten über zehn Jahre hinweg Überleben und Lebensqualität verbessern.

Stefan Störk bei der Schulung von HI-Nurses.
Prof. Dr. Stefan Störk leitet im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und hat hier das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz initiiert – sie bilden den Schlüssel zum Erfolg des telemedizinischen Betreuungs- und Versorgungsprogramms HeartNetCare-HF(TM). © DZHI / Daniel Peter
Christiane Angermann im Gespräch mit Patienten im DZHI
In der erweiterten Studie des Interdisziplinären Netzwerks Herzinsuffizienz (E-INH) hat Prof. Dr. Christiane Angermann mit Team die Langzeiteffekte einer 18-monatigen telemedizinischen Versorgung im HeartNetCare-HF(TM) untersucht. © DZHI / R. Kochanowski

Die Herzinsuffizienz ist der Nummer-1-Grund für Krankenhauseinweisungen in Deutschland. Mit jeder so genannten kardialen Dekompensation und der nachfolgend erforderlichen Krankenhauseinweisung verschlechtert sich die Prognose deutlich. Herzinsuffizienz, im Volksmund auch Herzschwäche genannt, ist mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als die meisten Tumorerkrankungen. Fast 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzinsuffizienz. Die Tendenz ist in unserer alternden Gesellschaft steigend, aber sie tritt auch bei unter 50-Jährigen auf, Hauptgründe sind hier Übergewicht und Diabetes. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und -Patienten hat fünf oder mehr Begleiterkrankungen. Die Pflege und Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz ist in vielerlei Hinsicht sehr anspruchsvoll. Umso wichtiger ist eine umfassende Behandlung und Betreuung nach der Krankenhausentlassung.

HeartNetCare-HFTM: Telefonisches Monitoring, optimierte Therapie, Patientenschulung durch spezialisierte Pflegekräfte

Um das Entlassmanagement und die Nachsorge zu verbessern, wurde in Würzburg bereits im Jahr 2001 das Interdisziplinäre Netzwerk Herzinsuffizienz (INH) als Forschungs- und Versorgungsnetzwerk gegründet, das heute im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) auf dem Gelände des Universitätsklinikums Würzburg koordiniert wird. Dort hat ein kardiologisches und psychologisches Team für und mit Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten, die wegen akuter Herzinsuffizienz stationär behandelt wurden, das telemedizinische Überwachungs- und Versorgungsprogramm HeartNetCare-HFTM entwickelt. Den Schlüssel zum Erfolg bilden im Team mit Kardiologinnen und Kardiologen spezialisierte Pflegekräfte, welche die Patientinnen und Patienten telefonisch betreuen, sie in der Selbstüberwachung von Blutdruck, Herzschlag und im Erkennen von Herzinsuffizienzzeichen wie zum Beispiel Wassereinlagerungen in den Knöcheln schulen und die Ergebnisse des Selbstmonitorings abfragen sowie die medikamentöse Therapie gemeinsam mit Hausärztinnen und -ärzten optimieren.

Die sogenannte INH-Studie hatte schon im Jahr 2012 das Potenzial einer sechsmonatigen HeartNetCare-HFTM-Anwendung in einer multizentrischen, randomisierten und kontrollierten Studie untersucht. Mit 715 Teilnehmenden war sie die bis dato größte in Deutschland durchgeführte Studie zur Versorgungsforschung bei Herzinsuffizienz. Dabei hatte sich gezeigt, dass sechs Monate nach Entlassung aus dem Krankenhaus die Sterblichkeit der mit HeartNetCare-HFTM betreuten Patientinnen und Patienten im Vergleich zur üblichen Versorgung um 38 % vermindert war. Auch die Lebensqualität und die körperliche Leistungsfähigkeit waren besser als bei den Erkrankten mit üblicher Versorgung. Sie nahmen ihre Medikamente regelmäßiger ein und betrieben eine effektivere Selbstüberwachung.

Günstige Langzeiteffekte

Wie nachhaltig der positive Effekt einer 18-monatigen Anwendung von HeartNetCare-HF sein kann, zeigt die erweiterte E-INH-Studie, die jetzt im Journal of the American College of Cardiology (JACC): Heart Failure (DOI: 10.1016/j.jchf.2022.10.016) veröffentlicht wurde. Darin hat das Studienteam unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Angermann und Prof. Dr. Stefan Störk die Langzeiteffekte von HeartNetCare-HFTM in einer erweiterten Population von 1.022 Patientinnen und Patienten geprüft, die wegen akuter Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert worden waren und vor ihrer Entlassung eine Pumpkraft des Herzens, eine so genannte Ejektionsfraktion, von unter 40 % aufwiesen. 509 Patientinnen und Patienten erhielten im Interventionsarm zusätzlich zur üblichen Versorgung die Betreuung mit HeartNetCare-HFTM, die 513 Patienten im Kontrollarm jedoch nur die übliche Versorgung. Studienvisiten fanden bei Studieneinschluss, sechs, zwölf und 18 Monate später sowie nach drei, fünf und zehn Jahren statt.

Niedrigere Mortalität und durchgehend bessere Lebensqualität

Ergebnis: Der primäre Endpunkt, die Zeit bis zum Tod und zur Rehospitalisierung, unterschied sich zwar nicht signifikant zu dem in der Kontrollgruppe ohne Intervention. Die Sterblichkeit in der früher mit HeartNetCare-HFTM betreuten Gruppe war jedoch signifikant geringer (41% vs. 47%, p=0.040 und 64% vs. 70%, p=0.019). Auch die sogenannte kardiovaskuläre Mortalität war nach 60 und 120 Monaten niedriger (25% vs. 31%, p=0.055, und 33% vs. 40%, p=0.043). Zudem traten Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz in der HeartNetCare-HF-Gruppe nach 18, 36 und 60 Monaten jeweils signifikant seltener auf (-25%, - 29% und -30%). Und bei allen Studienvisiten war die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei den mit HeartNetCare-HFTM betreuten Patientinnen und Patienten besser als bei den Studienteilnehmenden der Kontrollgruppe mit der üblichen Versorgung. Die E-INH-Studie generierte unter den Rahmenbedingungen des Deutschen Gesundheitssystems erstmals Evidenz, dass durch eine zeitlich limitierte telemedizinische Betreuung eine Lebensverlängerung und -verbesserung erreicht werden kann.

Betreuung durch multidisziplinäres Team

„Die Kombination von HeartNetCare-HFTM-Versorgungsmodulen mit sensitiveren Monitoringstrategien, deren Auswahl das individuelle Patientenrisiko berücksichtigt, sowie mit moderner Kommunikationstechnologie könnte in Zukunft die telemedizinische Versorgungsqualität von HeartNetCare-HFTM weiter verbessern. Besonders bei eingeschränkter Erreichbarkeit oder regionaler Verfügbarkeit von medizinischem Personal, bei ans Haus gebundenen Patientinnen und Patienten oder in Pandemiezeiten könnten modulare, bedarfsadaptierte Programme wie HeartNetCare-HFTM zu mehr Versorgungsgerechtigkeit und -sicherheit beitragen. Vor diesem Hintergrund hoffen wir, dass Programme wie HeartNetCare-HFTM zeitnah in die Routineversorgung herzinsuffizienter Menschen integriert werden“, kommentiert Christiane Angermann, Seniorprofessorin am DZHI, die aufsehenerregenden Ergebnisse der E-INH Studie. 

„Unsere E-INH-Studie zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltig der Effekt einer zeitlich begrenzten multidisziplinären telemedizinisch unterstützten Intervention sein kann“, fasst Stefan Störk zusammen, Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI und des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz am DZHI.

Studie: Angermann CE, Sehner S, Faller H, Güder G, Morbach C, Frantz S, Wegscheider K, Ertl G, Störk ST; INH Study Group and of the Competence Network Heart Failure. Longer-Term Effects of Remote Patient Management Following Hospital Discharge After Acute Systolic Heart Failure: The Randomized E-INH Trial. JACC Heart Fail. 2023 Feb;11(2):191-206. doi: 10.1016/j.jchf.2022.10.016. Epub 2023 Jan 11. PMID: 36718715.

Stefan Störk bei der Schulung von HI-Nurses.
Prof. Dr. Stefan Störk leitet im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und hat hier das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz initiiert – sie bilden den Schlüssel zum Erfolg des telemedizinischen Betreuungs- und Versorgungsprogramms HeartNetCare-HF(TM). © DZHI / Daniel Peter
Christiane Angermann im Gespräch mit Patienten im DZHI
In der erweiterten Studie des Interdisziplinären Netzwerks Herzinsuffizienz (E-INH) hat Prof. Dr. Christiane Angermann mit Team die Langzeiteffekte einer 18-monatigen telemedizinischen Versorgung im HeartNetCare-HF(TM) untersucht. © DZHI / R. Kochanowski

Geänderte Zutrittsregelungen für Besucherinnen und Besucher am UKW

Ab 10. Februar 2023 genügt als Testnachweis ein Selbsttest, der ohne Aufsicht höchstens 24 Stunden vor dem Besuch mit negativem Ergebnis durchgeführt wurde.

Gemäß Beschluss des Bayerischen Ministerrats vom 07.02.2023 müssen Besucher in Bayerns Krankenhäusern und Pflegeheimen ab Freitag, 10.02.2023, nur noch einen Selbsttest vornehmen.
Der Selbsttest muss nach einer Konkretisierung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege nicht unter Aufsicht und höchstens 24 Stunden vor dem Besuch erfolgen.
Es genügt eine Erklärung, dass der Test vorgenommen wurde und dass er negativ gewesen ist. Diese Erklärung kann auch mündlich erfolgen.

Hinsichtlich der FFP2-Maskenpflicht gibt es keine Änderungen.