Aktuelle Pressemitteilungen

Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) erweitert das kostenfreie Angebot für krebskranke Menschen

Erlangen, 13.07.2022 Seit zwei Jahren können sich Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen unter der Telefonnummer 0800 85 100 80 kostenfrei zum Thema Krebs informieren. Aufgrund der enormen Resonanz wurde das kostenfreie Angebot des BürgerTelefonKrebs um eine weitere Service-Leistung ergänzt. Das Selbsthilfegruppen-Suchportal auf der Website des Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) bietet ab sofort Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, die passende Selbsthilfegruppe heimatnah zu finden. Seit Einführung des BürgerTelefonKrebs im Juli 2020 unterstützt das BZKF Ratsuchende und stellt so den direkten Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen, die Vermittlung an ein wohnortnahes Krebszentrum sowie den Zugang zu neuesten Therapieoptionen sicher.

„Wir starteten 2020 mit dem Telefonservice des BürgerTelefonKrebs zu einer Zeit, in der viele Menschen aufgrund der Corona-Situation den Besuch in einer Praxis vermeiden wollten. Durch das BürgerTelefonKrebs haben wir vielen Ratsuchenden eine Möglichkeit gegeben, sich unkompliziert von zu Hause aus kostenfrei zu informieren“, erklärt Susanne Kagermeier, ausgebildete Krankenpflegerin und Ansprechpartnerin beim BürgerTelefonKrebs. Aber auch heute, nach zwei Jahren Pandemie, ist der Bedarf der Betroffenen und Angehörigen am BürgerTelefonKrebs sehr groß. „Wir beantworten sämtliche Fragen von A bis Z. Dabei geht es mitunter nur um eine Fahrtkostenerstattung, aber manchmal auch um das Erklären eines Befundes“, so Frau Kagermeier. Doch es entstehen auch sehr persönliche Gespräche, die sich zum Teil über mehrere Wochen, parallel zu einer Therapie fortsetzen können. Fragen zur Notwendigkeit einer Chemotherapie oder der Wunsch nach einer Zweitmeinung werden immer wieder angesprochen. Darüber hinaus werden auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Sport- und Ernährungsangeboten oder Hospiz- und Palliativeinrichtungen hergestellt.

Das Team des BürgerTelefonKrebs bildet sich regelmäßig im Rahmen von speziellen Weiterbildungen fort, um u. a. bei psychoonkologischen Fragen auf dem aktuellsten Stand zu sein. Mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine und der Ankunft vieler geflüchteter Menschen in Deutschland hat das BZKF zusätzlich zu seinen üblichen Leistungen begonnen, notwendige Behandlungsinformationen für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. “Bei vielen Patientinnen und Patienten herrscht große Unsicherheit darüber, welche Behandlungen und Maßnahmen sie in Anspruch nehmen können. Hier helfen wir unkompliziert weiter”, fasst Susanne Kagermeier zusammen.

Der Großteil der Anruferinnen und Anrufer ist selbst von Krebs betroffen und sucht die persönliche Beratung. Das BürgerTelefonKrebs wird darüber hinaus auch als Anlaufstelle für Angehörige geschätzt. Neben dem direkten Kontakt bietet das BürgerTelefonKrebs ein offenes Ohr, was oft das Wichtigste ist. In den meisten Fällen können die Fragen der Anruferinnen und Anrufer zufriedenstellend beantwortet werden. Bleiben Fragen doch ungeklärt, werden die Anrufenden anschließend in der Regel an ein wohnortnahes Krebszentrum an einem der BZKF-Standorte oder ein heimatnahes, zertifiziertes Zentrum weitervermittelt.

Schnelle Hilfe zur Selbsthilfe durch das BZKF-Selbsthilfegruppen-Suchportal

Seit diesem Jahr gibt es neben dem BürgerTelefonKrebs noch einen weiteren Service des BZKF. Auf der BZKF-Website finden Betroffene und Angehörige ein Selbsthilfegruppen-Suchportal. Hier können sie die für ihre Krebserkrankung passende Selbsthilfegruppe in ihrer Nähe finden. Mehr als 60 Selbsthilfegruppen aus ganz Bayern sind dort bereits gelistet. Im Portal müssen nur Standort und Art der Krebsdiagnose eingegeben werden, um passende Angebote in der Umgebung angezeigt zu bekommen. Seit Gründung des BürgerTelefonKrebs ist das Team im engen Austausch mit Krebsberatungsstellen und Selbsthilfegruppen in ganz Bayern. Diese erhalten regelmäßig Informationen zu Veranstaltungen, Beiträgen und weitere Informationen, die sie für ihre Arbeit nutzen können. Ziel der Selbsthilfegruppen ist es, Menschen nach der Diagnose Krebs Mut zu machen, ihnen Sicherheit für die Zukunft zu geben und Hilfe für nachkommende Generationen anzubieten. „Das Suchportal auf der BZKF-Website ist für uns eine gute Möglichkeit, auf unser Angebot aufmerksam zu machen. Es ist wichtig, dass Betroffene und ihre Angehörigen unkompliziert Unterstützung für Probleme und passende Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden“, erklärt Reinhard Krämer, Leiter der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Nürnberg als Motiv der Zusammenarbeit. Prof. Thomas Bein, Patientenvertreter des BZKF kann dies nur bestätigen: „Gerade am Anfang, gleich nach der Diagnose, sind viele Betroffene mit der Situation überfordert. Die wichtigsten Informationen gebündelt zu erhalten, erleichtert vieles. Deshalb ist die Arbeit des BürgerTelefonKrebs in Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen so wertvoll“.

Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Das BZKF ist ein Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika und vereint die fachlichen Kompetenzen der Expertinnen und Experten aus Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten aus München, Regensburg und Würzburg. „Ziel des Zentrums ist es, die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in Bayern voranzutreiben. Durch die vorhandenen Strukturen und das BürgerTelefonKrebs haben wir bewiesen, dass wir in Krisensituation schnell weiterhelfen können“, so Prof. Andreas Mackensen, Direktor des BZKF.

 

Pressemitteilung Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF) vom 13.07.2022

 

 

Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis für Würzburger Zahnmedizinstudierende vergeben

37 Zahnmedizinstudierende des Uniklinikums Würzburg haben die Examensprüfung 2022/I bestanden. Die zwei besten wurden mit dem Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis ausgezeichnet.

Im Juni 2022 erhielten die 21 Absolventinnen und 16 Absolventen des Examens 2022/I der Würzburger Zahnmedizin ihre Zeugnisse. Besonders freuen konnten sich die zwei Prüfungsbesten: Sie wurden mit dem Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis ausgezeichnet. Der mit 1.000 Euro dotierte erste Preis ging an Helena Karle, den mit 500 Euro dotierten zweiten Preis erhielt Martin Sigler. 

Der Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis wurde im Jahr 1977 gestiftet: Inka Lübeck wollte damit an ihren vier Jahre zuvor gestorbenen Mann erinnern, den Würzburger Zahnmediziner Adolf Lübeck. Seit dem Tod von Inka Lübeck im Jahr 1990 wird die Prämie unter dem jetzigen Namen verliehen. 

Kabinettsbeschluss für Neubauten an der Uniklinik Würzburg gefasst

Auf dem rund zehn Hektar großen unbebauten Gelände nordwestlich der bestehenden Zentren für Operative Medizin (ZOM) und Innere Medizin (ZIM) im Würzburger Stadtteil Grombühl sollen zukünftig neue Klinik-Gebäude für die jetzigen Kopfkliniken und für das neue „Zentrum Frauen-Mutter-Kind“ entstehen.

Modell des mit dem ersten Preis prämierten Entwurfs von HASCHER JEHLE Architektur (Berlin). Modellfoto, Quelle: H.-P. Wuthenow
Modell des mit dem ersten Preis prämierten Entwurfs von HASCHER JEHLE Architektur (Berlin). Modellfoto, Quelle: H.-P. Wuthenow

Würzburg. Das bayerische Kabinett hat gestern (12. Juli) den Beschluss zur baulichen Weiterentwicklung des Universitätsklinikums Würzburg auf den Weg gebracht. Damit ist der Weg frei für die weitere Planung des 1. Bauabschnitts der Neubauten für die Kopfkliniken und für das Zentrum Frauen-Mutter-Kind auf dem Erweiterungsgelände Nord. Erste Arbeiten könnten bereits Ende 2025 starten.

Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Würzburger Uniklinik: „Die Entscheidung des Ministerrats ist eine große Auszeichnung für die Universitätsmedizin Würzburg und ein Vertrauensbeweis. Damit ist der Startschuss für die nächste Etappe der baulichen Modernisierung der Uniklinik Würzburg gegeben.“

Auf dem rund zehn Hektar großen unbebauten Gelände nordwestlich der bestehenden Zentren für Operative Medizin (ZOM) und Innere Medizin (ZIM) im Würzburger Stadtteil Grombühl sollen zukünftig neue Klinik-Gebäude für die jetzigen Kopfkliniken und für das neue „Zentrum Frauen-Mutter-Kind“ entstehen. Dabei werden die derzeit rund 600 Betten für diese beiden Klinikbereiche von den Altgebäuden zukünftig in den Neubau verlagert. Die jetzigen Kopfkliniken wurden 1970 bzw. 1973 eröffnet, die bestehende Frauenklinik im Jahr 1934, die verteilten Gebäude der Kinderklinik in den Jahren 1921 und 1961. Insgesamt verfügt das UKW über rund 1.400 Betten für die Patientenversorgung.

Modell des mit dem ersten Preis prämierten Entwurfs von HASCHER JEHLE Architektur (Berlin). Modellfoto, Quelle: H.-P. Wuthenow
Modell des mit dem ersten Preis prämierten Entwurfs von HASCHER JEHLE Architektur (Berlin). Modellfoto, Quelle: H.-P. Wuthenow

Immunologische Prozesse im Spotlight

Am 14. und 15. Juli findet das Else Kröner-Symposium "Translational Immunology-From Target to Therapy VII” in Würzburg statt.

Das Bild zeigt das Poster, welches das Symposium ankündigt.
Am 14. und 15. Juli 2022 findet das Else Kröner-Symposium "Translational Immunology-From Target to Therapy VII” in Würzburg statt.

Würzburg. Für viele immunologisch Interessierte ist es ein Highlight im Kalender: das Else Kröner-Symposium "Translational Immunology – From Target to Therapy VII“. Am 14. und 15. Juli findet die Veranstaltung bereits zum siebten Mal statt, und endlich wieder in Präsenz. Das Symposium im Juliusspital ist eine Plattform für alle klinisch und wissenschaftlich Tätigen, deren Fokus auf immunologischen Prozessen und Therapien liegt. Bei dem zweitätigen Symposium werden aktuelle Erkenntnisse vorgestellt und diskutiert. „Es geht uns aber nicht nur um die neuesten wissenschaftlichen Daten, sondern vor allem auch darum, Menschen zusammenzubringen, die Systemimmunologie und Hochdurchsatztechnologien aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten“, bemerkt der verantwortliche Koordinator und Sprecher des Else-Kröner-Forschungskollegs TWINSIGHT, Prof. Dr. med. Bastian Schilling. Der leitende Oberarzt an der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Würzburg weiß aus Erfahrung: „Für den Nachwuchs ist diese Plattform besonders interessant, da sich hier niederschwellig verschiedene Möglichkeiten zur Vernetzung und Bildung neuer Kooperationen ergeben – ein unerlässlicher Baustein für die wissenschaftliche Laufbahn. Die TWINSIGHT-Kollegiatinnen und -Kollegiaten haben zudem große Teile der Organisation des Symposiums übernommen“.

Für das Symposium konnten wie in den Vorjahren namhafte nationale und internationale Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Bereichen gewonnen werden. Neben den wissenschaftlichen Vorträgen wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit den anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Rolle wissenschaftlich tätiger Medizinerinnen und Medizinern, der sogenannten Clinician Scientists, diskutiert. Für eine musikalische Begleitung der Veranstaltung sorgen die Soloflötistin Professorin Stephanie Winker und der Immunologe Professor Jörg Wischhusen am Piano. Zum Abschluss wird Robert Schröder am Freitag an Beispielen aus der Luft- und Raumfahrt den Unterschied zwischen Fehlern und Versagen erläutern.

TWINS: Klinische Tandems aus Ärztinnen und Ärzten

Das Else Kröner-Forschungskolleg TWINSIGHT ist eines der Integrierten Clinician Scientist-Programme, die am Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) des Universitätsklinikums Würzburg angeboten werden. TWINSIGHT verschafft klinischen Tandems aus jungen Ärztinnen und Ärzten, so genannten TWINs, Freiräume zur eigenständigen Bearbeitung von Forschungsprojekten mittels systemimmunologischer Ansätze. Während der eine TWIN forscht, ist der andere klinisch tätig und umgekehrt. Bei zahlreichen Erkrankungen liegen immunologische Prozesse in der Entstehung und Behandlung zugrunde. Die Immuntherapie hat zum Beispiel die Krebsbehandlung geradezu revolutioniert. Daher unterstützt das Else Kröner-Forschungskolleg TWINSIGHT Ärztinnen und Ärzte, die innovative Projekte auf den Themenfeldern Tumorimmunologie und Immuntherapie, entzündliche und autoimmune Erkrankungen, metabolische und Herz-Kreislauf-Immunologie oder Infektionsimmunologie mittels systemischer Ansätze bearbeiten. „Wir möchten klinisch-akademisch tätige Ärztinnen und Ärzte ausbilden, die aus der Reflexion der täglichen Patientenversorgung heraus Fragestellungen entwickeln, welche dann mittels innovativer systemimmunologischer Ansätze und dem Einsatz von Hochdurchsatztechnologien in enger Kooperation mit grundlagenorientierten Forschungseinrichtungen angegangen werden“, fasst Bastian Schilling den Ansatz des Kollegs zusammen. 

Beginn der Veranstaltung ist 19 Uhr, zunächst wird bei Kurzvorträgen zu den Themen Geschichte, Forschung, Lehre und Medizinhistorische Sammlungen das Institut vorgestellt. Zusätzlich wird vor dem Toscanasaal eine kleine Ausstellung mit historischen Exponaten aus dem Bestand des Instituts installiert sein.

Dabei besteht auch die Möglichkeit, für den neu gegründeten Förderverein zur Rettung des Objekterbes der Würzburger Medizin zu spenden. Ein Stockwerk höher wird außerdem ein Weinempfang angeboten.

Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind willkommen. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Zur Einladung als PDF

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 12.07.2022

Augsburger Zentrum für Seltene Erkrankungen jetzt Partner im BASE-Netz

Augsburg / Würzburg. Seit Anfang Juli dieses Jahres ist das Augsburger Zentrum für Seltene Erkrankungen Teil des bayernweiten BASE-Netzes. Über die Online-Plattform des Bayerischen Arbeitskreises Seltene Erkrankungen sind die Zentren für Seltene Erkrankungen der bayerischen Universitätsklinika miteinander vernetzt, um betroffene Patientinnen und Patienten noch besser behandeln zu können.

 

Im Jahr 2018 schlossen sich zunächst fünf bayerische Zentren für Seltene Erkrankungen zu einem Netzwerk, dem BASE-Netz, zusammen, um gemeinsam mit dem Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen eine Softwarelösung zur IT-medizinischen Vernetzung zu entwickeln. Diese wurde im Februar 2021 durch den damaligen bayerischen Wissenschaftsminister Bernd Sibler freigeschaltet. Zu den bisherigen Partnereinrichtungen in Würzburg, Regensburg, Erlangen und München stieß zum 1. Juli dieses Jahres auch das Augsburger Zentrum für Seltene Erkrankungen (AZeSE) dazu. „Mit dem von Dr. Désirée Dunstheimer geführten Zentrum engagieren sich nun alle Uniklinika des Freistaats bei diesem für eine übergreifende Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Seltenen Erkrankungen extrem wichtigen Vorhaben“, freut sich Prof. Dr. Helge Hebestreit. Der Direktor des am Uniklinikum Würzburg angesiedelten Zentrums für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern (ZESE) fungiert zusammen mit Prof. Dr. Mark Berneburg vom Zentrum für Seltene Erkrankungen Regensburg (ZSER) als Leiter von BASE-Netz. Er fährt fort: „Unser gemeinsames Ziel ist es, mit innovativen Lösungen aus den Bereichen Telemedizin und Patientendatenschutz eine mindestens bayernweite Vorreiterrolle einzunehmen.“

Das nach einer zwischenzeitlichen Verlängerung auf mehr als vier Jahre angelegte Projekt wird vom Bayerischen Wissenschaftsministerium mit nun insgesamt mehr als 2,5 Millionen Euro gefördert.

www.base-netz.de

 

Der Mann, der Kunststoff zum Leben erweckt

Dr. Tomasz Jüngst zum Juniorprofessor für Biodruckverfahren an der Universität Würzburg ernannt

Dr. Tomasz Jüngst vom Institut für Funktionsmaterialien und Biofabrikation am Universitätsklinikum Würzburg wurde zum Juniorprofessor für Biodruckverfahren ernannt. © UKW / Kirstin Linkamp
Die Animation zeigt ein Konzept mehrlagiger Blutgefäßmodelle. © UKW / Tomasz Jüngst

Der Studiengang Nanostrukturtechnik am Physikalischen Institut der Universität Würzburg hat den gebürtigen Polen, der in Cham im bayerischen Wald aufgewachsen ist, im Jahr 2005 nach Würzburg verschlagen. „Der Studiengang war damals deutschlandweit einmalig“, sagt Tomasz Jüngst. Einmalig sind auch zahlreiche 3D-Biodruckverfahren, die der Physiker als Doktorand und Postdoc gemeinsam mit dem Chemiker Professor Jürgen Groll und dem Team aus der Abteilung für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde in den vergangenen zwölf Jahren entwickelt hat. Mit den 3D-Drucktechnologien können verschiedene Zellen, Moleküle und Biomaterialien hierarchisch und räumlich in eine Matrix integriert werden, woraus künstliches Gewebe reifen kann. „In der Prozessierung und in den Materialien zählen wir hier in Würzburg weltweit zu den führenden Einrichtungen“, sagt Tomasz Jüngst. „Ich freue mich sehr, dass ich mit meiner Juniorprofessur nun die Möglichkeit habe, einige meiner Vorarbeiten in Modelle zu überführen und weitere Methoden für neue Anwendungen zu entwickeln.“

Prof. Dr. Jürgen Groll, Leiter des Instituts für Funktionsmaterialien und Biofabrikation am Universitätsklinikum Würzburg, zeigt sich ebenfalls froh und dankbar, dass die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität die Biofabrikationsforschung in Würzburg durch die Einrichtung der Professur unterstützt: „Mit Tomasz Jüngst konnten wir damit einen international anerkannten Spezialisten für Biodruckverfahren am Standort halten, der unsere laufenden und zukünftigen Forschungsaktivitäten und Verbünde nachhaltig stärkt.“

Stark im Bau von komplexen Blutgefäßen

Das Spezialgebiet von Tomasz Jüngst sind Blutgefäße. In selbst entwickelten und gebauten Melt Electrowriting Anlagen stellt das Team von Tomasz Jüngst aus wenigen „Krümeln“ Biopolymer, einer Art Kunststoff, das Gerüst für blutgefäßähnliche Strukturen her. Die Arbeiten im Institut für Funktionsmaterialien und Biofabrikation, das dem Uniklinikum Würzburg und der Julius-Maximilians-Universität angehört, reichen von großen Adern bis hin zu kleinsten Kapillaren. Im Zelllabor werden dann verschiedene Zellarten in und auf diese sterilisierten Gewebekonstrukte gegeben. In sieben Tagen bilden sich erste Strukturen aus, in 14 Tagen sind die Zellen in der Regel komplett ausgereift. Eine enge Kooperation besteht hier mit der Universität im niederländischen Utrecht, weitere Kollaborationen gibt es mit Forschungsgruppen in Brisbane und Sydney (Australien) sowie im neuseeländischen Christchurch (Neuseeland). Aber auch auf dem hiesigen Campus am Universitätsklinikum Würzburg gibt es gemeinsame Projekte.

International vernetzt – EU-Projekt BRAVE

Generell gab es aus Würzburg bereits spannende Kooperationen auch aus biologischer Sicht. Im von der EU geförderten Projekt Design2Heal hat das Würzburger Team die Zell-Material-Interaktion studiert. Konkret wurde untersucht, wie die Immunzelle auf verschiedene Faserdurchmesser und Abstände bei gleichem Material reagiert. „Wir können hier mit unseren selbstgebauten Anlagen Materialien drucken, die eine Fasergröße von 2 bis 50 Mikrometer Durchmesser haben, bei anderen Verfahren haben die Fasern ein Durchmesser von 200 bis 400 Mikrometern“, erläutert Tomasz Jüngst und zeigt auf eine selbstgewickelte Anlage, die in tagelanger Arbeit hauchdünne Fäden über eine Platte spinnt, die einer dünnen Mullkompresse ähnelt, nur eben mit viel feineren Strukturen. „In meinen Vorlesungen vergleiche ich den Unterschied mit einer Litfaßsäule und Straßenlaterne. Versuchen Sie mal eine Litfaßsäule zu umarmen und eine Straßenlaterne. Auf welche könnten Sie leichter klettern? Ähnlich verläuft die Interaktion der Zellen, die selbst zwischen 10 und 200 Mikrometer Durchmesser haben, mit dem Gewebe.“

Diese Interaktion kommt aktuell auch in einem durch die EU geförderten Projekt mit dem Kurznamen BRAVE (https://projectbrave.eu) zum Einsatz. Dabei wird die Interaktion zwischen Muskelzellen und Fasern so angepasst, dass ein biologisches „Pflaster“ fürs Herz entsteht, dessen Funktion nach einem Infarkt gestört ist. Das Pflaster soll das Herz dabei unterstützen, die Pumpleistung aufrechtzuerhalten. „Kunstherzen, so genannte VAD, sind keine dauerhafte Lösung. Und Spenderorgane sind rar. Unsere potentielle Therapiemethode könnte jedoch durch die Verwendung patienteneigener Zellen und Biomaterialien längerfristig eingesetzt werden und somit das Problematik fehlender Ersatzorgane abmildern“, hofft Jüngst.

Zellen in Druckprozess integrieren

Werden die Polymere mit einem Hydrogel kombiniert, können verschiedene Zellarten sogar direkt mitgedruckt werden. „Die Materialien müssen entsprechend designt werden, damit die Zellen die Umgebung annehmen“, erklärt Tomasz Jüngst. Der Druckprozess läuft bei 37 Grad ab und unter sterilen Umgebungen. Mit seinem Vorwissen möchte er nun Verfahren entwickeln, die sich an die Eigenschaften für die Biofabrikation anpassen. Zellen müssen nicht nur überleben, sie dürfen sich im Druckprozess nicht verändern. Eine pluripotente Stammzelle zum Beispiel, also eine Zelle aus dem Blut, Knochenmark oder der Haut eines Menschen, benötigt bestimmte Stimuli, um sich zu entwickeln. Damit sie durch den Druckprozess keinen Stimulus bekommt, der in die falsche Richtung geht, müsse er die Umgebung des Materials ebenso wie die mechanischen Kräfte kontrollieren können, so Jüngst.

Gewebemodelle zur Testung von Therapien

„Funktionierende Organe wird es lange nicht geben, wenn überhaupt. Woran ich jedoch fest glaube, und das ist unser großes Ziel, Gewebemodelle zu schaffen, die der Testung von Therapien dienen. Und das würde unter anderem dabei helfen, die Anzahl der Tierversuche weiter zu reduzieren“, so Jüngst. „Wir werden zwar nie die Komplexität eines Körpers erreichen, wir sind aber in der Lage, bestimmte Aspekte nachzuahmen und zu reproduzieren. Wir können Medikamente standardisiert testen, aber auch individuell die Medikation und Dosis an den Patienten anpassen, weil wir die Zellen direkt vom Patienten nehmen können.“ Vielversprechend sei zum Beispiel die Organ-on-a-chip-Methode, bei der durch Zellverbünde Organe nachgebaut und mehrere Organe zusammengestellt werden können. Dadurch lassen sich das Zusammenspiel der Organe sowie die Auswirkungen von Medikamenten auf die einzelnen Organe untersuchen.

Interdisziplinäres Forschungsfeld – SFB/TRR225

Die Biofabrikation ist ein noch sehr junges aber außerordentlich dynamisches Forschungsfeld. „Vor zehn Jahren konnte ich auf Konferenzen fast jeden mit Namen benennen“, bemerkt Tomasz Jüngst. Heute arbeiten allein am BRAVE-Projekt mehr als 70 Forschende aus 14 Instituten und sechs Ländern zusammen. Je mehr man in die Anwendung geht, desto spezifischer sind die erforderlichen Expertisen. Von Biologen und Chemiker, über Ingenieure und Mediziner bis hin zu Physikern – jeder trägt mit seinem Wissen und seiner Erfahrung zum Gelingen bei. Dabei müssen alle eine Sprache finden, damit das Fachwissen ausgetauscht und weiterentwickelt werden kann. Interdisziplinarität und Translation werden im FMZ intensiv gelebt. Und nicht nur dort. Besonders stolz ist der Nachwuchswissenschaftler auf den Sonderforschungsbereich TRR225 „Von den Grundlagen der Biofabrikation zu funktionalen Gewebemodellen“, an dem er teilhaben darf. Ein weiteres Projekt an dem er teilhaben darf und in dem die Kooperation großgeschrieben wird. Im Verbund sind Forschende aus den Standorten Erlangen, Bayreuth und Würzburg beteiligt, um dem gemeinsamen Ziel der Verbesserung von Gewebemodellen näher zu kommen. Mit seiner Kooperationspartnerin Silvia Budday aus Erlangen erforscht Tomasz Jüngst die Herstellung von Gradienten, also die Nachahmung der in natürlichen Geweben vorliegenden lokal abweichenden Verteilung von beispielsweise Zellen, Signalmolekülen oder Biomaterialien, die eine grundlegende Rolle für die Funktion von Geweben darstellen. Gemeinsam entwickeln sie Druck- und Testverfahren für biofabrizierte Gradienten. Tomasz Jüngst: „Der Sonderforschungsbereich bietet uns eine ideale Plattform für die Vernetzung, die Erweiterung unserer Kompetenzen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit, ohne die ein so ambitioniertes Ziel nicht erreicht werden kann.“

Kleiner Beitrag für die Menschheit

Auch wenn es noch keine etablierten Prozesse gibt, von denen die Patientinnen und Patienten aktuell profitieren und es womöglich noch lange dauern wird, bis seine Modelle für den klinischen Einsatz zugelassen werden, der Gedanke, dass er Menschen potentiell helfen kann und sie eines Tages von seiner Arbeit profitieren, motiviert Tomasz Jüngst jeden Tag aufs Neue. „Wenn ich mit meiner Arbeit einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit geleistet habe, bin ich zufrieden“, resümiert der frisch gebackene Juniorprofessor Tomasz Jüngst.