Aktuelle Pressemitteilungen

Hohe Basis-Immunität bei Kleinkindern nach Omikron-Welle

Uniklinikum Würzburg und Universität Würzburg veröffentlichen im Deutschen Ärzteblatt eine erste Studie zur SARS-CoV-2-Seroprävalenz bei Kindern zwischen 2 und 6 Jahren nach Ausbreitung der Omikron-Variante in Deutschland. Die in diesem Jahr stark angestiegene Zahl der Kinder mit Antikörpern in neun Würzburger Kitas weist auf eine hohe Rate an Corona-Infektionen in dieser Altersgruppe hin, die meist mit wenigen oder gar keinen Symptomen verliefen.

 

Das Bild zeigt wie an der Fingerkuppe eines Kindes Blut abgenommen wurde.
Im Juli 2022 wurden in einer Querschnitterhebung bei Kindern in neun Würzburger Kitas Antikörper gegen SARS-CoV-2 aus Blut mittels kapillärer Fingerkuppenpunktion bestimmt. @Geraldine Engels / UKW

Die nächste Corona-Welle baut sich derzeit auf und mit ihr die Diskussionen zu Schutzmaßnahmen. Eine neue Querschnittserhebung der Universitätsmedizin Würzburg zur Immunität bei Kita-Kindern könnte zur Planung zukünftiger präventiver Maßnahmen in Kindertagesstätten beitragen. Denn mit der Ausbreitung der Omikron-Variante des Corona-Virus haben auch die Infektionen bei den 2- bis 6-Jährigen rasch zugenommen. 

Bis Juli 2022 hatten 70 Prozent der Kinder Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus erworben

Ein Team aus der Kinderklinik und Poliklinik und dem Institut für Hygiene und Mikrobiologie hat im Juli 2022 bei 277 Kindergartenkindern aus neun Würzburger Kindertagestätten die SARS-CoV-2-Antikörper im Blut bestimmt. Im Vergleich zu Voruntersuchungen im September 2020 und Juli 2021 konnte ein Anstieg der Zahl der Kinder mit neutralisierenden Antikörpern im Blut von 2 Prozent auf knapp 70 Prozent beobachtet werden. Antikörper im Blut weisen meist auf eine frühere Infektion oder Impfung hin. Bei jedem zweiten untersuchten Kind gaben die Eltern eine frühere, durch PCR- und /oder Antigenschnelltest bestätigte SARS-CoV-2-Infektion an. Ein Großteil dieser Infektionen verlief aber mit untypischen, allenfalls leichten Krankheitssymptomen (75,5 %) oder sogar komplett symptomfrei (15,8 %). Die meisten Infektionen (79,1 %) wurden im Zeitraum von Februar bis April 2022 mittels Schnelltest und/oder PCR-Test nachgewiesen. Die Auswertungen wurden jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht (DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0345).

„Dies ist die erste Studie zur Bestimmung von Antikörpern gegen das neue Coronavirus bei Kleinkindern nach der Omikron-Welle in Deutschland“, berichtet Dr. med. Geraldine Engels, Ärztin an der Universitäts-Kinderklinik und Erstautorin der Studie. „Mit der Ausbreitung der Omikron-Variante Anfang 2022 haben auch die Infektionen bei Kindern rasch zugenommen. Doch die genaue Infektionsrate war bisher unbekannt. In der Würzburger Kindergarten Studie* konnten wir nun zeigen, dass sich während und durch die Omikron-Welle eine hohe Immunität gegen das neue Coronavirus bei Kleinkindern entwickelt hat. Zudem waren die meisten Infektionen nur leicht ausgeprägt oder kaum wahrnehmbar.“

Nachweise von Antikörpern stiegen mit zunehmendem Alter an

Bei 69,6% der Kinder hat das Studienteam Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus gefunden. Diese Antikörper können sowohl nach einer SARS-CoV-2 Impfung als auch nach SARS-CoV-2 Infektion nachgewiesen werden. Bei den geimpften Kindern (13,9%) war der Titer der Spike-Antikörper sogar zehnfach höher im Vergleich zu nicht geimpften Kindern, die eine Infektion durchlaufen hatten.  Unabhängig vom Impfstatus stieg der Nachweis von Antikörpern mit dem Alter an.

Ergebnisse sind relevant für die Betreuung von Kleinkindern in Kitas und Familien

Prof. Dr. Johannes Liese, Oberarzt an der Kinderklinik und Poliklinik und Leiter des Bereichs Pädiatrische Infektiologie und Immunologie resümiert: „Es ist erfreulich, dass sich nun auch bei Kleinkindern, vor allem durch die meist leicht oder sogar ohne Symptome verlaufenden Infektionen, eine hohe Basis-Immunität gegen das neue Coronavirus etabliert hat. Damit kann bei den meisten Kindern zumindest von einer gewissen Schutzwirkung gegen das neue Coronavirus ausgegangen werden. Aufwändige und belastende Maßnahmen, wie zum Beispiel Reihentestungen asymptomatischer Kinder und/oder Einschränkungen der Kita-Betreuung oder Kita-Schließungen erscheinen in der jetzigen Phase der Corona-Pandemie mit der derzeit zirkulierenden Variante daher nicht mehr gerechtfertigt.“

In einem nächsten Schritt sollen die Daten in eine Publikation des deutschlandweiten Forschungs-Netzwerk Universitätsmedizin zur aktuellen SARS-CoV-2 Antikörperprävalenz in verschiedenen Altersgruppen integriert werden. Zudem soll die Belastung der Eltern und Kinder im Verlauf der Pandemie noch detaillierter ausgewertet werden.

Förderungen

Die Untersuchungen fanden im Rahmen der Wü-KiTa-CoV 2.0 Studie statt, die vom Land Bayern über das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) finanziert wurde, und ist eng verknüpft mit weiteren umfassenden Arbeiten zu Covid-19 in Kitas, die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Freistaat Bayern gefördert wurden.

Kooperationen

An der Seroprävalenzerhebung waren neben der Kinderklinik und Poliklinik und dem Institut für Hygiene und Mikrobiologie waren das Institut für Klinische Epidemiologie der Universität Würzburg sowie die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus beteiligt. Die Messung der Blutproben erfolgte an den Instituten für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin am Klinikum Oldenburg AöR und an der Universitätsmedizin Greifswald.

Link: https://www.aerzteblatt.de/archiv/228013

*Website der Würzburger KiTa-Studien: Wue-KiTa-CoV 2.0; www.med.uni-wuerzburg.de/wuekitacov2/startseite/

Das Bild zeigt wie an der Fingerkuppe eines Kindes Blut abgenommen wurde.
Im Juli 2022 wurden in einer Querschnitterhebung bei Kindern in neun Würzburger Kitas Antikörper gegen SARS-CoV-2 aus Blut mittels kapillärer Fingerkuppenpunktion bestimmt. @Geraldine Engels / UKW

Würzburg/Rotterdam/Wien. Gleich drei Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) wurden in diesem Herbst mit namhaften Forschungspreisen aus dem Themenkreis Onkologie und Hämatologie ausgezeichnet. 

Erasmus-Hämatologie-Preis für Hermann Einsele

So erhielt Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Klinik, am 5. Oktober den international hoch anerkannten Erasmus-Hämatologie-Preis 2022. Mit dem Award ehrt das Erasmus University Medical Center im niederländischen Rotterdam alle zwei Jahre eine herausragende Forschungspersönlichkeit, die einen entscheidenden Beitrag zur Pathogenese oder Therapie in einem Bereich der Hämatologie geleistet hat. Laut der Begründung der Preisvergabe gilt Prof. Einsele als weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Immuntherapie für hämatologische Malignome. Er sei vor allem für seine Leistungen in der translationalen Forschung und in klinischen Studien auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms bekannt, wobei sein Schwerpunkt auf der CAR-T-Zell-Therapie, den bispezifischen Antikörpern, der Immuntherapie und der Stammzelltransplantation liege. Einsele ist der erste Europäer, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde.

Artur-Pappenheim-Preis für Leo Rasche

Am 8. Oktober 2022 verlieh ferner die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) auf ihrer Jahrestagung in Wien/Österreich ihre zwei Forschungspreise. Diese gingen beide an Wissenschaftler der „Med II“ des UKW. So wurde Privatdozent Dr. Leo Rasche mit dem mit 7.500 Euro dotierten Artur-Pappenheim-Preis geehrt. Der Mediziner konnte aufzeigen, dass hinter dem Rückfall von Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom nach zunächst erfolgreicher CAR-T-Zell-Therapie ein bislang unbekannter Selektions- und damit Resistenzmechanismus stecken kann. Demnach ist die Behandlung zwar in der Lage, Krebszellen mit der Oberflächen-Zielstruktur BCMA erfolgreich aufzuspüren und zu eliminieren. Die verbleibenden Myelom-Zellen ohne BCMA erhalten dadurch allerdings einen so hohen Überlebensvorteil, dass sie sich in der Folge sprunghaft ausbreiten können. 

Vincenz-Czerny-Preis für Maik Luu

Als zweiter DGHO-Forschungspreis ging der ebenfalls mit 7.500 Euro dotierte Vincenz-Czerny-Preis an Dr. Maik Luu. Dem Postdoktoranden gelang erstmals der experimentelle Nachweis, dass Stoffwechselprodukte von Darmbakterien die Aktivität der Immunzellen steigern und somit die Effizienz von Krebstherapien positiv beeinflussen können. Zu diesem Themenkreis wurde Dr. Luu bereits Anfang September dieses Jahres auf der gemeinsamen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) und der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) mit dem Jochen R. Kalden Young Immunologist Prize ausgezeichnet.

 

Deutsche Hochschulmedizin begrüßt Vernetzung von Medizininformatik-Initiative und Netzwerk Universitätsmedizin in kommender Förderphase

Die Deutsche Hochschulmedizin (DHM) bewertet die Arbeit der Medizininformatik-Initiative (MII) in der auslaufenden Förderphase positiv und unterstützt die für die kommenden Jahre angekündigte Verzahnung mit dem Netzwerk Universitätsmedizin (NUM).

Auf dem Symposium der MII am 5. und 6. Oktober 2022 unter dem Motto Vernetzen. Forschen. Heilen. Bilanz und Perspektive haben Akteure und Teilnehmende eine positive Bilanz der ersten Förderphase der MII von 2018 bis 2022 gezogen. Die kommende Förderphase von 2023 bis 2026 wurde durch das BMBF jüngst mit insgesamt 200 Mio. Euro bewilligt. „Die weitere Unterstützung durch das Ministerium“, so Professor Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT), „ist Bestätigung der hervorragenden Arbeit der MII“.

Ab 2023 soll die MII durch verschiedene Neuerungen weiterentwickelt werden. Insbesondere sollen die Datenintegrationszentren (DIZ) der MII, die an allen Universitätsklinika eingerichtet wurden, und die die Infrastruktur zum bundesweiten Austausch von medizinischen Daten bereitstellen, in das NUM integriert werden. Das NUM wurde 2020 mit dem Ziel der besseren Koordinierung der Covid-19-Forschung aller deutschen Universitätsklinika gegründet.

„Durch die Integration der DIZ in das NUM ist sichergestellt, dass die aufgebaute Forschungsdateninfrastruktur dauerhaft verstetigt werden kann. Diese langfristige Etablierung ist ein Meilenstein für die biomedizinische Forschung in Deutschland“, so Matthias Frosch.

„Forschung und Versorgung“, so Professor Jens Scholz, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), „sind in der Universitätsmedizin zwei Seiten einer Medaille. Mit der MII und insbesondere auch dem NUM schaffen wir wichtige Voraussetzungen, um Daten aus Versorgung und Forschung schnell, effizient und unkompliziert nutzbar machen zu können. Hiervon wird die gesamte Gesundheitsversorgung in Deutschland profitieren.“

Neben der gemeinsamen Nutzung der DIZ durch MII und NUM sollen in der kommenden Förderphase auch die Projekte und Arbeitsgruppen beider Initiativen über Covid-19-spezifische Fragestellungen hinaus vorangetrieben werden. Damit wird das NUM als dauerhafte Plattform für eine gemeinsam genutzte und betriebene Forschungsdateninfrastruktur aller Standorte in der Universitätsmedizin weiterentwickelt.

Die MII wurde 2018 mit dem Ziel gegründet, medizinische Forschung und Krankenversorgung in der Nutzbarmachung gemeinsamer Daten stärker zu vernetzen. An der Initiative beteiligen sich alle medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika Deutschlands, verschiedene Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Krankenkassen und Patientenvertretungen. Für die nationale Abstimmung der MII ist eine Koordinationsstelle zuständig, die die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF) gemeinsam mit dem MFT und dem VUD betreibt.

Das NUM bündelt Forschungsaktivitäten zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie und eröffnet neue Handlungsstrategien. Gefördert durch das BMBF und koordiniert durch die Charité – Universitätsmedizin Berlin, arbeitet das Forschungsnetzwerk unter Beteiligung aller 36 deutschen Standorte der Universitätsmedizin und weiterer Partner an Lösungen für eine bestmögliche Krankenversorgung und Pandemievorsorge. Ein Akzent liegt auf der klinik- und versorgungsnahen Forschung, deren Ergebnisse direkt Patientinnen und Patienten zugutekommen, in das Krisenmanagement einfließen und zum Aufbau einer nachhaltigen, nationalen Forschungsinfrastruktur beitragen.

 

Pressemitteilung der Deutschen Hochschulmedizin vom 13.10.2022

 

Neues Unterstützungsangebot am UKW für Krebspatientinnen und -patienten aus der Ukraine

Krebskranken aus der Ukraine und deren Angehörigen, die in den Patientenappartements des Uniklinikums Würzburg untergebracht sind, steht jetzt eine russischsprachige Unterstützerin zur Seite. Finanziert wird die neue Stelle vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ und der Klaus Reinfurt Stiftung.

Würzburg. In den fünf Patientenappartements des Uniklinikums Würzburg (UKW) sind derzeit aus der Ukraine geflüchtete Menschen mit Krebserkrankungen, teilweise mit Angehörigen, untergebracht – insgesamt sieben Personen. „Bei der Anamnese und der Therapiebesprechung dieser Patientinnen und Patienten kann die Sprachbarriere durch Russisch oder Ukrainisch sprechende Ärztinnen und Ärzte sowie Dolmetscherinnen und Dolmetscher in der Regel gut überwunden werden. Es gibt allerdings einen darüber hinausgehenden, hohen Bedarf an verständlicher Information sowie praktischer und empathischer Unterstützung“, weiß Gabriele Nelkenstock, die Vorsitzende von „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“. Deshalb finanziert der Würzburger Verein zusammen mit der ebenfalls in Stadt und Landkreis Würzburg aktiven Klaus Reinfurt Stiftung seit Anfang Oktober 2022 eine russisch sprechende Ansprechpartnerin. Die neu geschaffene Stelle ist zunächst für ein Jahr anlegt. Besetzt wurde sie mit Olga Saporoshzewa, die sich auf breite Erfahrungen in der Arbeit mit Geflüchteten stützen kann.

In ihrer neuen Funktion am UKW soll sie die ukrainischen Krebserkrankten unter anderem an die am UKW zur Verfügung stehenden therapiebegleitenden Angebote, wie Yoga, Ernährungsberatung, Palliativberatung oder psychoonkologische Betreuung, heranführen.

Informationsdefizite abbauen

Dies ist allerdings nur ein Teil ihrer Leistungen. „Bei vielen Patientinnen und Patienten aus der Ukraine ist schon allein das Informationsdefizit zum deutschen Gesundheitssystem und den Abläufen am UKW beträchtlich“, betont Prof. Dr. Birgitt van Oorschot. Die Leiterin des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin am UKW fährt fort: „Das beginnt schon bei der Wahl des richtigen Ansprechpartners für ein spezifisches Gesundheitsproblem: Was kann eine Hausärztin oder ein Hausarzt erledigen, wann ist ein Gang in die Notaufnahme angezeigt?“ 

Auch bei der Finanzierung von Gesundheitsleistungen, Medikamenten und Hilfsmitteln besteht nach ihren Beobachtungen oft Unsicherheit: Was zahlt die Krankenversicherung, was muss von den Patientinnen und Patienten selbst getragen werden?

„Ein weiterer wichtiger Punkt ist die in Deutschland gepflegte Patientenautonomie. Dabei gilt es zu verstehen, dass es hierzulande Angehörigen nicht möglich ist, ohne entsprechende Vorsorgevollmacht Entscheidungen für einen nicht einwilligungsfähigen Patienten zu treffen“, schildert die Professorin. Dies werde häufig in Situationen nahe am Lebensende relevant.

Eine besondere Form der Zuwendung

„Prinzipiell ist das Aufgabenfeld der neuen Stelle so offen gestaltet, dass es sich weiterentwickeln und an den in der täglichen Arbeit erkannten Bedarf anpassen kann“, erklärt Gabriele Nelkenstock und ergänzt: „An Krebs erkrankt nicht nur der Körper, sondern auch die Seele. Deshalb ist uns die mit Frau Saporoshzewa mögliche, besondere Form der Zuwendung eine Herzensangelegenheit.“

Erstes Gruppentreffen berührt und spendet Hoffnung

Quasi als Kick-off-Veranstaltung und für ein erstes Kennenlernen fand am 11. Oktober 2022 im Haus A12 auf dem Klinikums-Campus ein Treffen bei Kaffee und Kuchen statt. Neben fünf Ukrainerinnen und einem Ukrainer aus den Patientenappartements nahmen Olga Saporoshzewa, Gabriele Nelkenstock, Ruth Reinfurt von der Klaus Reinfurt Stiftung, Prof. Birgitt van Oorschot, Imme Zenker vom Palliativdienst des UKW und Natali Soldo-Bilać vom Sozialreferat der Stadt Würzburg teil.

„In den teilweise sehr bewegenden Gesprächen wurden die vielen Sorgen und Herausforderungen deutlich, mit denen diese Menschen konfrontiert sind. Dies bestätigte mich darin, dass unsere Unterstützung genau an der richtigen Stelle ankommt“, resümierte Ruth Reinfurt nach dem Treffen. Auf ukrainischer Seite herrschte große Dankbarkeit, die eine Teilnehmerin so in Worte fasste: „Dieses Projekt wird uns Hoffnung, eine positive Einstellung und den Glauben an gute Taten geben. Wir fühlen bereits die Wärme, Fürsorge und Unterstützung. Ein herzliches Dankeschön an die Organisatorinnen für ihre großen, offenen Herzen!“

Nach den positiven Erfahrungen des ersten Treffens kündigt Gabriele Nelkenstock an: „Wir können uns sehr gut vorstellen, dass dieses niederschwellige Kontakt- und Austauschangebot mit verschiedenen Expertinnen und Experten unter Vermittlung von Frau Saporoshzewa in Zukunft regelmäßig wiederholt wird.“

Personalia vom 11. Oktober 2022 - Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Stefan Unterecker, Privatdozent für das Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, wurde mit Wirkung vom 15.09.2022 zum „außerplanmäßigen Professor“ bestellt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 11. Oktober 2022

Bedeutende Berufung

Caroline Kisker, Professorin und Vize-Präsidentin der Universität Würzburg, wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Mitglied des Auswahlausschusses für das Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm ernannt.

Der Auswahlausschuss der DFG trifft sich zweimal jährlich, um aus einer Vielzahl von Vorschlägen diejenigen Spitzenforscherinnen und -forscher Deutschlands auszuwählen, die dem Hauptausschuss für eine Auszeichnung mit dem Leibniz-Preis vorgeschlagen werden.

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Ziel des 1985 eingerichteten Leibniz-Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Der Preis ist mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert.

Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt. Die Entscheidung über die Preisträgerinnen und Preisträger trifft der Hauptausschuss aufgrund einer Empfehlung des Auswahlausschusses für das Leibniz-Programm.

Liste der Preisträger aus den Reihen der JMU

Bedeutende Aufgabe

Zu diesem Auswahlausschuss wird von Januar 2023 bis Ende 2030 auch Caroline Kisker zählen. Die Berufung ist eine Würdigung ihres akademischen Schaffens. Dem Ausschuss gehören nur besonders angesehene und erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, die einen breiten Überblick über die Forschungslandschaft besitzen.

An der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg leitet Caroline Kisker als Vizepräsidentin den Aufgabenbereich „Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs“. Sie ist weiterhin Inhaberin des Lehrstuhls für Strukturbiologie und Sprecherin und Mitglied des Vorstands des Rudolf-Virchow-Zentrums.

Die Biochemikerin freue sich sehr, „Teil dieser Auswahlkommission zu sein, weil mir damit sehr hohes Vertrauen entgegengebracht wird und ich aktiv an der Auswahl der vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten beteiligt werde, was sicherlich eine sehr interessante Aufgabe sein wird.“

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 11. Oktober 2022

Neue Immuntherapie für Pilzinfektionen der Lunge

Uniklinikum Würzburg entwickelt bei T-Zellen chimären Antigenrezeptor (CAR), der die spezifischen Strukturen des Schimmelpilzes Aspergillus fumigatus erkennen und diesen zerstören kann. Die Ergebnisse der Studie geben Hoffnung auf neu entwickelte, alternative Therapieoptionen bei Pilzinfektionen.

Das Bild zeigt CAR-T-Zellen, Schimmelpilz und körpereigene Botenstoffe in Interaktion.
Die mikroskopische Aufnahme von Dr. Nora Trinks vom Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik an der Universität Würzburg zeigt eine von Dr. Michelle Seif präparierte Pilz-CAR-T-Zell-Interaktion; in grau gefärbt Aspergillus fumigatus, in Magenta die CAR-T-Zellen, in Gelb die spezifischen chimären Antigenrezeptoren und in hellblau bestimmte körpereigene Botenstoffe, welche die CAR-T-Zellen bei der Interaktion mit dem Pilz produzieren und ausschütten. © UKW / Universität Würzburg

Wir atmen nahezu täglich und überall auf der Welt die Sporen des Aspergillus fumigatus ein. Der Schimmelpilz ist bei einer guten Immunabwehr relativ harmlos. Bei Menschen, deren Immunsystem stark geschwächt ist, zum Beispiel nach Chemotherapien oder Knochenmarktransplantationen, kann der Aspergillus fumigatus jedoch schwere, oft tödlich verlaufende Infektionen verursachen. Auch in Verbindung mit einer Covid-Infektion oder Grippe kann der Aspergillus fumigatus die Lungenfunktion beeinträchtigen. 

Doppelt wirksam: Af-CAR-T-Zellen wirken gegen Pilz und aktivieren weitere Immunzellen

Am Uniklinikum Würzburg haben Forscherinnen und Forscher aus der Medizinischen Klinik II erstmals bestimmte Immunzellen, so genannte T-Zellen, gentechnisch verändert, wodurch die körpereigene Immunabwehr gegen diese Art von Schimmelpilzen besser aktiviert und effektiver geschützt wird. Die umprogrammierten T-Zellen tragen auf ihrer Oberfläche „chimäre Antigenrezeptoren“, kurz CAR. Mit diesen Biosensoren können die T-Zellen die spezifische Struktur des Schimmelpilzes wesentlich besser erkennen und durch die Freisetzung bestimmter körpereigener Botenstoffe zerstören. Die T-Zellen mit den Aspergillus fumigatus-spezifischen CARs (Af-CARs) wirken aber nicht nur direkt gegen den Pilz, sondern auch indirekt: „In unseren präklinischen Labormodellen haben wir beobachtet, dass die Af-CAR-T-Zellen in der Lage sind an den Ort der Pilzinfektion zu gelangen, und die Rekrutierung und Aktivierung zusätzlicher Zellen des körpereigenen Immunsystems zu kontrollieren. Insbesondere, die Af-CAR-T-Zellen aktivieren Makrophagen und verstärken somit die Wirkung des Immunsystems gegen den Schimmelpilz“, erklärt Dr. Michelle Seif, Postdoc in der AG Löffler und AG Hudecek und Erstautorin der Studie, die jetzt im Journal Science Translational Medicine veröffentlicht wurde.  

Studie legt Grundlagen für neue immuntherapeutische Methoden

„Unsere Studie veranschaulicht das große Potenzial gentechnisch veränderter T-Zellen zur Behandlung aggressiver Infektionskrankheiten, die mit herkömmlichen antimikrobiellen Therapien nur schwer in den Griff zu bekommen sind. Sie bildet die Basis für eine zukünftige T-Zelltherapie zur Behandlung von Pilzinfektionen und vielen weiteren Infektionserkrankungen“, resümiert Professor Dr. Jürgen Löffler, Leiter der AG Löffler, die am Uniklinikum Würzburg die Aspergillose, wie die Schimmelpilzinfektion in der Fachsprache heißt, erforscht.  Die Entwicklung und klinische Umsetzung der CAR-T-Zelltherapien bei Tumorerkrankungen ist seit vielen Jahren ein herausragender Schwerpunkt am Uniklinikum Würzburg. Die Immunzellen der Patientinnen und Patienten werden umprogrammiert, um sie gezielt zur Zerstörung von Krebszellen auszustatten. Der chimäre Antigenrezeptor hilft den T-Zellen die Krebszellen zu erkennen und zu eliminieren. „Mit den präklinischen Untersuchungen zur gentechnisch hergestellten Immunzelltherapien bei Schimmelpilzinfektionen bringen wir in gewisser Weise das Thema dorthin zurück, wo es entstanden ist“, bemerkt Professor Dr. Michael Hudecek, der gemeinsam mit Jürgen Löffler Letztautor der Studie ist. Die adaptive Immuntherapie mit T-Zellen begann im Bereich der Infektionskrankheiten durch das Cytomegalievirus, das zur Familie der Herpesviren gehört. Professor Herrmann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II am UKW, hat bereits in den 1990er Jahren als erster Mediziner in Europa Patientinnen und Patienten mit Cytomegalievirus-spezifischen T-Zellen behandelt. „Unsere Motivation war es, die CAR-T-Zelltherapie als ein in der Medizin universell anwendbares Therapieprinzip zu demonstrieren“, so Hudecek.

Vorbereitung für Einsatz von klinischen Studien 

Die Ergebnisse der Studie ermutigt das Würzburger Team, die Af-CAR-T-Zelltherapie zur Behandlung von Infektionen durch Aspergillus fumigatus in ersten klinischen Studien umzusetzen und zu evaluieren. „Derzeit erarbeiten wir weitere Konzepte, um das Aspergillus-CAR-T-Zell-Produkt skalierbar zu machen und für den klinischen Einsatz vorzubereiten“, verlautbart Jürgen Löffler. „Wir hoffen, dass durch diese zukünftige, stark translationale Ausrichtung des Projekts in der Zukunft möglichst viele Patientinnen und Patienten von der neuartigen Technologie profitieren können.“

Publikation

Die Studie “CAR T cells targeting Aspergillus fumigatus are effective at treating invasive pulmonary aspergillosis in preclinical models” wurde publiziert im Journal Science Translational Medicine DOI: 10.1126/scitranslmed.abh1209.

Partnerinnen und Partner 

Kooperiert hat das Würzburger Team mit Prof. Dr. Frank Ebel von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Luigina Romani von der Universität Perugia, Prof. Emmanuel Donnadieu von der Université de Paris, Dr. Kerstin Hünniger vom Leibniz Institut für Naturforschung und Infektionsbiologie in Jena und Dr. Lewis White von Public Health Wales in Cardiff und deren jeweiligen Teams. 

Förderungen

Gefördert wurden die Untersuchungen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Projekt ART4Fun), von der Wilhelm Sander Stiftung (Projekt 2020-017-1), von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Sonderforschungsbereiche TransRegio 124 „FungiNet“ und TransRegio 221 „GvL/GvH“, vom LMU Medical School-Fellowship im Rahmen des Förderprogramms für Forschung und Lehre, von der European Union (Horizon 2020 & EFRE-programme) und von der Innovative Medicine Initiative 2 Joint Undertaking (T2EVOLVE).

Das Bild zeigt CAR-T-Zellen, Schimmelpilz und körpereigene Botenstoffe in Interaktion.
Die mikroskopische Aufnahme von Dr. Nora Trinks vom Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik an der Universität Würzburg zeigt eine von Dr. Michelle Seif präparierte Pilz-CAR-T-Zell-Interaktion; in grau gefärbt Aspergillus fumigatus, in Magenta die CAR-T-Zellen, in Gelb die spezifischen chimären Antigenrezeptoren und in hellblau bestimmte körpereigene Botenstoffe, welche die CAR-T-Zellen bei der Interaktion mit dem Pilz produzieren und ausschütten. © UKW / Universität Würzburg