Aktuelle Pressemitteilungen

CAR-T-Zellen direkt im Körper herstellen

ERC Starting Grant für Karl Petri: Würzburger Forscher entwickelt neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie

Porträtbild von Karl Petri mit weißem Kittel im Labor
Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg erhält einen ERC Starting Grant, um mit seinem Team eine neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie zu entwickeln. © Daniel Peter / UKW
Die Mitarbeitenden tragen alle weiße Kittel und sind in zwei Reihen in einem Laborraum aufgereiht.
Die Arbeitsgruppe von Karl Petri sucht Verstärkung. Hier im Bild v.l.n.r., vordere Reihe: Shrey Jain, Lucas Wehler, Karl Petri, Christina Borgel, hintere Reihe: Leon Gehrke, Alexandre Trubert, Jun Kai Ong, Dorothea Götz. © Christina Bornschein / UKW

Würzburg. Bislang werden CAR-T-Zellen außerhalb des Körpers hergestellt. Dazu werden T-Zellen aus dem Blut der Patientin oder des Patienten gewonnen, im Labor genetisch verändert, sodass sie Proteine auf ihrer Oberfläche produzieren, die als chimäre Antigenrezeptoren (CARs) bezeichnet werden. Diese CARs helfen den T-Zellen dabei, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Nach der Umprogrammierung werden die CAR-T-Zellen zurück in den Körper übertragen. Seit ihrer ersten Zulassung im Jahr 2017 haben sie die Behandlung bestimmter Blutkrebserkrankungen, darunter bestimmte Formen von Leukämien, Lymphomen und des Multiplen Myeloms, grundlegend verändert. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten können sie langanhaltende Remissionen erreichen.

ERC Starting Grant dotiert mit 1,5 Millionen Euro

Die personalisierte Herstellung im Labor ist jedoch mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden und nicht immer erfolgreich. Diesen Prozess will Dr. Karl Petri vom Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie und der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) in einem neuen Forschungsprojekt künftig umgehen. Die CAR-T-Zellen sollen direkt im Körper entstehen. Für dieses Vorhaben erhält er vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einen ERC Starting Grant. Der renommierte Forschungspreis ist mit knapp 1,5 Millionen Euro dotiert. 

CAR-T-Zellen sollen direkt im Körper entstehen

„Ich habe mich riesig gefreut, dass unser Projekt in diesem hochkompetitiven Wettbewerb bewilligt wurde. Denn wir können damit eine wichtige und zukunftsweisende Fragestellung angehen“, sagt Karl Petri. „Immunzelltherapien haben großes Potenzial, und das nicht nur in der Krebsmedizin. Was bislang fehlt, ist eine wirklich effiziente und sichere Technologie, um solche Therapien direkt im Körper herzustellen. Genau diese Lücke wollen wir mit der Verbindung verschiedener Technologien schließen.“

Damit die T-Zellen im Körper CARs herstellen können, wird ein Vektor benötigt. Dieser kann viralen Ursprungs sein oder in Form von Nanopartikeln vorliegen. Bei der klassischen CAR-T-Zellherstellung im Labor kommen meist virale Vektoren zum Einsatz. Sie schleusen DNA mit dem Gen für den CAR in die zuvor entnommenen T-Zellen ein. Die DNA wird dauerhaft in das Erbgut der T-Zellen eingebaut, sodass diese langfristig CAR-Proteine produzieren können. Allerdings lässt sich nicht vollständig kontrollieren, in welchen Abschnitten des Genoms virale Vektoren integrieren. Bei der In vivo-CAR-T-Zelltherapie kann sich das Risiko potenziell erhöhen: Die viralen Vektoren werden auf den gesamten Organismus appliziert und könnten dadurch nicht nur T-Zellen, sondern unter Umständen auch andere Körperzellen erreichen und gentechnisch verändern. 

Eine alternative Transportmethode sind Lipid-Nanopartikel. Mithilfe dieser winzigen Lipidpartikel kann die mRNA, also die Bauanleitung für CARs, sicher in die T-Zellen eingeschleust werden. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Bauanleitung sehr kurzlebig ist. Das bedeutet, dass die T-Zellen nur für wenige Tage das CAR-Protein auf ihrer Oberfläche exprimieren. Dann wird das RNA-Molekül schon wieder abgebaut und der genetische Informationsfluss für die CAR-Produktion versiegt. 

Das Beste aus zwei Ansätzen verbinden

„Wir wollen nun das Beste aus beiden Welten vereinen: die dauerhafte CAR-Expression und eine sichere Plattform mit einer zielgerichteten Integration der Bauanleitung“, sagt Karl Petri. „Dafür entwickeln wir eine Lipid-Nanopartikel-basierte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie mittels neuartiger Genomeditierungswerkzeuge. Dadurch wird die genetische Information für den CAR in eine sogenannte Safe-Harbor-Region der T-Zelle gebracht und in diesem sicheren Hafen gehalten.“ 

Dass Lipid-Nanopartikel grundsätzlich dazu geeignet sind, T-Zellen in vivo zu transfizieren, also genetisches Material gezielt in die Zelle einzuschleusen, ist bereits bekannt. Dass die neuen Genomeditierungswerkzeuge in T-Zellen funktionieren, konnte Karl Petri auch schon zeigen. „Unsere präliminären Daten sind sehr vielversprechend. Die Herausforderung besteht nun darin, die Komponenten zusammenzufügen und die Genwerkzeuge so zu optimieren, dass die CAR-Bauanleitung möglichst effizient, dauerhaft und sicher in die T-Zellen gelangt.

Sicherheit wird bei jedem Schritt überprüft

Die Sicherheit ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Das Team will jeden einzelnen Schritt genau untersuchen und prüfen, ob die Behandlung ungefährlich und verträglich ist. Dafür setzen die Forschenden unter anderem selbst entwickelte Analyseverfahren ein. „Wir untersuchen beispielsweise, wo sich die Nanopartikel im Körper verteilen, und überprüfen genau, an welchen Stellen die genetische Information in das Erbgut der Zellen eingebaut wird“, erläutert Petri. 

In fünf Jahren zur Vorbereitung einer klinischen Studie

In den kommenden fünf Jahren will er mit seinem Team die notwendigen grundlagenwissenschaftlichen und sicherheitsrelevanten Daten aus Untersuchungen in Zellkulturen und Mäusen zusammentragen. Sie sollen die Grundlage für ein sogenanntes Pre-IND-Meeting (Pre-IND steht für Pre-Investigational New Drug) bilden, dass die Grundlage für eine zukünftige klinische Translation sein soll.

Starke Partner am Forschungsstandort Würzburg

Das Projekt ist beispielhaft für den Standort Würzburg und seine Synergien. Mit Prof. Hermann Einsele, dem Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, und Prof. Michael Hudecek, dem Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie, sind zwei renommierte CAR-T-Zellexperten vor Ort. Prof. Jörg Vogel, der geschäftsführende Direktor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), ist ein ausgewiesener Spezialist für Ribonukleinsäuren (RNA). Hinzu kommen Strukturen wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA und das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF), die die klinische Translation ermöglichen. „Geht unser Plan auf, hätten wir eine sehr starke Plattform für die In-vivo-Generation und -Modifikation von Zelltherapien“, resümiert Karl Petri. 

Mit dem neuen Projekt wächst auch seine Arbeitsgruppe: Petri möchte zum Start Anfang 2027 zwei weitere Doktorandinnen und/oder Doktoranden sowie eine-/n Postdoc aufnehmen. Damit würde das derzeit aus sechs Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern sowie einem Mediziner bestehende Team auf insgesamt neun anwachsen.

Ein Teil der Arbeitsgruppe wird bereits durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Emmy-Noether-Programm unterstützt. Das Team entwickelt dort neuartige CRISPR-2.0-Werkzeuge, um zielgerichtete CAR-T-Zellprodukte zur Krebsbehandlung herzustellen und weiter zu verbessern (siehe Meldung vom 2.8.2024 „Grenzen der Immuntherapie überwinden“ und #WomenInScience-Porträt von Christina Borgel, Doktorandin inm Petri-Lab).

Über Karl Petri
Dr. med. Karl Petri wurde in Frankfurt am Main geboren und wuchs in Karben (Hessen) auf. Er studierte Humanmedizin in Heidelberg und forschte anschließend sechs Jahre lang in den USA, am Massachusetts General Hospital und an der Harvard Medical School in Boston. Seit Sommer 2023 ist er am Universitätsklinikum Würzburg tätig: in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II leitet er am Institut für Zelluläre Immuntherapie eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe (Petri-Lab). Karl Petri ist verheiratet und Vater eines Sohnes. 

 

Porträtbild von Karl Petri mit weißem Kittel im Labor
Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg erhält einen ERC Starting Grant, um mit seinem Team eine neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie zu entwickeln. © Daniel Peter / UKW
Die Mitarbeitenden tragen alle weiße Kittel und sind in zwei Reihen in einem Laborraum aufgereiht.
Die Arbeitsgruppe von Karl Petri sucht Verstärkung. Hier im Bild v.l.n.r., vordere Reihe: Shrey Jain, Lucas Wehler, Karl Petri, Christina Borgel, hintere Reihe: Leon Gehrke, Alexandre Trubert, Jun Kai Ong, Dorothea Götz. © Christina Bornschein / UKW

Männer mit Migräne und gesunde Frauen für Studie gesucht

Das Uniklinikum Würzburg untersucht in einer aktuellen Studie die Schmerzverarbeitung bei Migräne. Neben volljährigen Männern mit Migräne werden für die Kontrollgruppe derzeit noch gesunde Frauen ohne Migräne in bestimmten Altersgruppen gesucht.

 

Drei Zeichnungen: Arm mit Blutabnahme, eine Person an der elektrische Reize über die Haut stimuliert wird und eine Person an der ein EEG die elektrische Aktivität des Gehirns misst.
Zum Untersuchungsumfang der Studie gehören eine Blutentnahme, eine Stimulation schmerzleitender Nervenfasern und ein EEG. © KI-generiert mit ChatGPT / Viktoria Kohler

Würzburg. Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, deren zugrundeliegenden Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind. Eine wichtige Rolle könnten Veränderungen bei der Verarbeitung von Schmerzreizen sowie bestimmte Botenstoffe des Nervensystems, sogenannte Neuropeptide, spielen. Ein Forschungsteam der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) untersucht deshalb, wie sich die Schmerzverarbeitung bei Menschen mit Migräne von der bei gesunden Personen unterscheidet.

Die Studie befindet sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Datenerhebung. Deshalb werden jetzt zum einen noch gezielt volljährige männliche Teilnehmer mit Migräne gesucht. Um eine möglichst gute Vergleichbarkeit mit den bereits untersuchten Migränepatientinnen und -patienten zu erreichen, benötigt das Studienteam zum anderen noch gesunde Frauen ohne Migräne im Alter von 18 bis 24 Jahren sowie von 35 bis 49 Jahren für die Kontrollgruppe.

Zunächst kurzer Online-Fragebogen

Interessierte füllen zunächst einen Online-Fragebogen aus, der unter ls1.psychologie.uni-wuerzburg.de/so/migraene/ abrufbar ist. Dies dauert etwa fünf Minuten für gesunde Kontrollpersonen und etwa 30 Minuten für Migränepatientinnen und -patienten. Dabei wird unter anderem geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Studienteilnahme erfüllt sind. Bei Eignung folgt ein Termin am UKW.

Die Untersuchung vor Ort dauert rund zwei Stunden. Dabei wird mit einem EEG die elektrische Aktivität des Gehirns erfasst. Durch elektrische Reize über die Haut werden zudem gezielt schmerzleitende Nervenfasern stimuliert. Eine Blutentnahme dient dazu, bestimmte Neuropeptide zu untersuchen, die mit der Schmerzverarbeitung in Zusammenhang stehen könnten. Für die Untersuchung vor Ort erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro.

Die Studie wird von Prof. Dr. Claudia Sommer geleitet. Ansprechpartnerinnen sind die PhD-Kandidatin Zhuolin Zhao und die medizinische Doktorandin Viktoria Kohler. Fragen richten Interessierte an die E-Mail: kohler_v@ ukw.de.

Text: Pressestelle / UKW
 

Drei Zeichnungen: Arm mit Blutabnahme, eine Person an der elektrische Reize über die Haut stimuliert wird und eine Person an der ein EEG die elektrische Aktivität des Gehirns misst.
Zum Untersuchungsumfang der Studie gehören eine Blutentnahme, eine Stimulation schmerzleitender Nervenfasern und ein EEG. © KI-generiert mit ChatGPT / Viktoria Kohler

Infotag zu Neuroendokrinen Tumoren: Diagnose, Therapie und Leben mit der Erkrankung

Das Zentrum für Neuroendokrine Tumoren des Uniklinikums Würzburg lädt am Samstag, 10. Oktober 2026, Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie alle sonstigen Interessierten zu einem kostenlosen Informationstag ein. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen bei Diagnose, Therapie und Prognose sowie die Frage, wie sich das Leben mit der seltenen Tumorerkrankung bewältigen lässt.

 

Gebäude ZIM und ZOM mit Grünfläche und Terrassen
Der Infotag zu Neuroendokrinen Tumoren findet am 10. Oktober 2026 im Zentrum für Innere Medizin statt. © Thomas Pieruschek / UKW

Würzburg. Neuroendokrine Tumoren (NET) gehören zu den seltenen Krebserkrankungen. Sie entstehen aus Zellen des neuroendokrinen Systems und können sich hinsichtlich ihres Wachstums, ihrer biologischen Eigenschaften und ihrer Symptome stark unterscheiden. Entsprechend komplex sind Diagnose und Behandlung. „Allerdings entwickeln sich die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten kontinuierlich weiter und eröffnen neue Perspektiven für die Betroffenen“, unterstreicht Privatdozent Dr. Alexander Weich. Vor diesem Hintergrund lädt das von ihm geleitete Zentrum für Neuroendokrine Tumoren der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) am Samstag, 10. Oktober 2026, zu einem Informationstag ein. Die Veranstaltung richtet sich an Patientinnen und Patienten, deren Angehörige sowie alle sonstigen Interessierten. Sie findet ab 10:00 Uhr im Hörsaal 1 des Zentrums für Innere Medizin (ZIM), Oberdürrbacher Straße 6, statt.

Aktuelles aus dem Würzburger NET-Zentrum

Zum Auftakt berichten PD Dr. Alexander Weich und PD Dr. Philipp Hartrampf über Neuigkeiten aus dem Würzburger NET-Zentrum. Die Einrichtung ist seit 2016 mit der Bezeichnung „European Neuroendocrine Tumor Society – Center of Excellence“ (ENETS CoE) zertifiziert. Als überregionale Anlaufstelle für Menschen mit neuroendokrinen Tumoren bündelt das Zentrum die Expertise verschiedener medizinischer Fachrichtungen und kann so stets topmoderne diagnostische und therapeutische Verfahren anbieten.
Anschließend erläutert Dr. Christof Däubler, was neuroendokrine Tumoren und ihre Behandlung so besonders macht.

Über die Kraft der Resilienz und die Bedeutung eines Angehörigenzentrums

Neben medizinischen Fragen nimmt der Infotag auch das Leben mit der Erkrankung in den Blick. Privatdozentin Dr. Elisabeth Jentschke spricht unter dem Titel „Mit neuroendokrinen Tumoren leben – Die Kraft der Resilienz“ darüber, welche psychischen Ressourcen dabei helfen können, mit den Belastungen einer Krebserkrankung umzugehen.

Außerdem stellt Gabriele Nelkenstock, 1. Vorsitzende des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V.“, die Bedeutung eines Angehörigen- und Begleitzentrums vor. Am Beispiel des kürzlich gestarteten Projekts am Würzburger Rotkreuzhof zeigt sie, wie ein solcher Ort Betroffenen und ihren Familien Hoffnung, Entlastung und Unterstützung bieten kann.

Zeit für persönliche Fragen

Ab 11:30 Uhr besteht bei einem Imbiss Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Die Expertinnen und Experten stehen für individuelle Fragen zur Verfügung. Im Foyer informiert außerdem die Selbsthilfegruppe für neuroendokrine Tumoren über ihre Angebote.

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist bis spätestens 5. Oktober 2026 über ein Online-Formular des UKW erforderlich, erreichbar unter www.ukw.de/medizin2, Rubrik „Veranstaltungen“.

Text: Pressestelle / UKW
 

Gebäude ZIM und ZOM mit Grünfläche und Terrassen
Der Infotag zu Neuroendokrinen Tumoren findet am 10. Oktober 2026 im Zentrum für Innere Medizin statt. © Thomas Pieruschek / UKW

Personalia vom 01.09.2026 +++ Wir gratulieren herzlich!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Viktor Hartung, Oberarzt und Leiter Kardiovaskuläre und Thorakale Radiologie, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, wurde mit Wirkung vom 03.08.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Radiologie erteilt.

Dr. Magnus Schindehütte, Facharzt, Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, wurde mit Wirkung vom 31.07.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Experimentelle Neuroradiologie erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 01.09.2026

Für eine kompetenzorientierte Auswahl werdender Hebammen

Mira Pflanz hat die erste Promotion in Gesundheitswissenschaften an der Universitätsmedizin Würzburg absolviert. Die Forscherin untersucht, wie ein Auswahlverfahren für das duale Studium Hebammenwissenschaft aussehen könnte.

Portrait Mira Pflanz die in einem Flur steht.
Erste Promotionsabsolventin in den Gesundheitswissenschaften: Mira Pflanz arbeitet an der Uni Würzburg für den Studiengang Hebammenwissenschaft. (Bild: Martin Brandstätter / Universität Würzburg)

Der Unterschied zwischen einem Doktortitel medicinae (med.) und einem Dr. rerum medicarum (rer. medic.) mag auf den ersten Blick nicht ersichtlich sein. Er ist aber entscheidend: Ersteren Titel erhalten nach erfolgreicher Promotion Absolventinnen und Absolventen der Humanmedizin. Letzterer wird in medizinnahen Fächern wie beispielsweise in den Pflegewissenschaften oder in der Medizinpädagogik verliehen.

Die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat im Juli 2026 ihren ersten Dr. rer. medic. vergeben. Erhalten hat diesen die Hebamme und Berufspädagogin Mira Pflanz. Ihre Promotion schloss sie ab bei Professorin Sarah König am JMU-Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung. Pflanz selbst arbeitet am Institut für Hebammenwissenschaft im dazugehörigen Bachelorstudiengang, der seit dem Wintersemester 2022/2023 läuft und den sie mit aufgebaut hat.

Hebammen brauchen kommunikative und soziale Kompetenzen

Forschung und Lehre sind bei Mira Pflanz eng verzahnt: In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der Frage, wie man Studierende im Bewerbungsprozess für den dualen Studiengang Hebammenwissenschaft möglichst gut aussucht. „Der klassische Weg, nur aufgrund der Abiturnoten zu entscheiden, wer einen Studienplatz erhält, greift eher kurz. Denn die Studierenden sind sowohl an der Uni als auch bei einem Arbeitgeber tätig“, so die Forscherin. Wichtig seien neben kognitiven Fähigkeiten auch vor allem das Kommunikations- und Sozialverhalten, da Hebammen Schwangere und deren Familien vor, während und nach einer Geburt begleiten.

Wer ist also für diese Tätigkeit geeignet? Um das beantworten zu können, evaluierte Pflanz ein Konzept, das aus Kanada stammt: das Multiple Mini-Interview (MMI). Die Idee dahinter ist, dass Bewerbende an mehreren Interviews teilnehmen, die jeweils fünf Minuten dauern. An jeder Station gibt es eine neue Aufgabe; gegenüber sitzt jedes Mal eine andere Person – eine Hebamme, eine Ärztin, ein Arzt oder eine Person aus der Forschung.

„Für dieses ‚Speeddating‘ haben wir standardisierte und an Kompetenzprofilen ausgerichtete Kriterien festgelegt, um einen ausgewogenen Vergleich zu ermöglichen. An den Stationen wird getestet: Ist die Person empathisch, motiviert? Ist sie reflexions- und konfliktfähig?“, nennt Pflanz einige Beispiele. Bei zwei Interviewstationen müssen die Bewerbenden mehr als nur Fragen beantworten. Dort können sie beispielsweise in simulierten Situationen zeigen, wie sie auf eine Person oder eine Anforderung reagieren.

Kompetente Hebammen ausbilden

Als Testpersonen für ihre Studie dienten Mira Pflanz die ersten Bewerberinnen für den Studiengang. Das Ergebnis: „Das Verfahren war gut machbar und psychometrisch verlässlich. Teilnehmerinnen empfanden es als fair, und es fand viel Akzeptanz“, so Pflanz. Sie betont aber, dass die Gruppe damals sehr homogen gewesen sei. Künftige Untersuchungen bräuchten also diversere Gruppen, um mehr Aussagekraft zu ermöglichen.

Die MMI weiterentwickeln: Daran arbeitet Mira Pflanz aktuell in Forschung und Lehre. „Am Ende der Interviews erhält jede Bewerberin einen MMI-Score, der Grundlage für die Zulassung ist. Womit wir uns nun beschäftigen, ist die Frage, ob und inwiefern diese Punktzahl Vorhersagen ermöglicht, wie erfolgreich das Studium, die praktische Ausbildung und möglicherweise sogar der weitere Berufsweg verlaufen.“

Dass MMI kein Allheilmittel für den Bewerbungsprozess darstellen, ist der Wissenschaftlerin bewusst. „Aber sie sind definitiv eine gute Ergänzung zum Notendurchschnitt. Schließlich profitieren am meisten die Familien davon, wenn die Hebamme sowohl persönlich als auch akademisch geeignet ist.“

Mira Pflanz‘ Lebenslauf

Geboren und aufgewachsen in Göttingen, absolvierte Mira Pflanz 1999 das Examen zur Hebamme. Dann arbeitete sie in einer hessischen Klinik und anschließend freiberuflich in einem Geburtshaus. Schon damals engagierte sich Pflanz nebenbei in der Lehre und bildete unter anderem Pflege- und Rettungskräfte aus.

Von 2006 bis 2011 studierte sie Berufspädagogik für Gesundheitsberufe in Fulda und Kassel. An der Hochschule Fulda baute Mira Pflanz einen Modellstudiengang in Hebammenkunde mit auf – damals einer von dreien in Deutschland.

2015 folgte ein dreijähriger Aufenthalt in Großbritannien. Dort arbeitete Mira Pflanz für das staatliche Gesundheitssystem, den National Health Service. 2018 kehrte sie nach Deutschland zurück, war aber für die englische Universität Southampton tätig. Seit 2022 arbeitet die Wissenschaftlerin in Würzburg für den Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft an der JMU.

Kontakt

Dr. Mira Pflanz, Institut für Hebammenwissenschaft, T +49 931 201-55234, Pflanz_M@ ukw.de 
 

Portrait Mira Pflanz die in einem Flur steht.
Erste Promotionsabsolventin in den Gesundheitswissenschaften: Mira Pflanz arbeitet an der Uni Würzburg für den Studiengang Hebammenwissenschaft. (Bild: Martin Brandstätter / Universität Würzburg)

Vielfältige Infos anlässlich des Weltschlaganfalltags

Bei einer Veranstaltung zum Weltschlaganfalltag am Samstag, 24. Oktober 2026, informieren Expertinnen und Experten des Universitätsklinikums Würzburg über das Erkennen, Behandeln und Vorbeugen von Schlaganfällen. Neben Vorträgen bietet der kostenlose Infotag Untersuchungen, Informationsstände und medizinische Simulationen. Für die Teilnahme ist eine rechtzeitige Anmeldung wichtig.

 

Bei einem Mann wird eine Dopplersonographie am Hals durchgeführt.
Die am Weltschlaganfalltag 2026 am Uniklinikum Würzburg kostenlos angebotene Dopplersonographie hat eine zentrale Bedeutung bei der Schlaganfallprävention, da sie Gefäßverengungen und Durchblutungsstörungen der hirnversorgenden Gefäße frühzeitig sichtbar macht, noch bevor Symptome auftreten. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Wie erkennt man einen Schlaganfall – und was muss dann möglichst schnell geschehen? Welche Rolle spielen Herzrhythmusstörungen, verengte Halsschlagadern sowie erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt ein Informationstag des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) anlässlich des Weltschlaganfalltags 2026. Die Veranstaltung richtet sich an Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie alle sonstigen Interessierten. Sie findet am Samstag, 24. Oktober 2026, ab 10 Uhr im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI), Am Schwarzenberg 15, Haus A15, in Würzburg statt.

Nach der Begrüßung durch Dr. Christian Hametner von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des UKW widmen sich Fachleute verschiedener Disziplinen in kurzen Vorträgen zentralen Fragen rund um Schlaganfall und Schlaganfallprävention.

Schlaganfallerkennung und prähospitale Abläufe

Welche Symptome sind bei einem Schlaganfall besonders typisch? Was ist im Ernstfall als Erstes zu tun – und warum zählt dabei jede Minute? Diese Fragen beantwortet Dr. Andreas Klinger von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie.

Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Wie hängen Herzrhythmusstörungen und Schlaganfall zusammen? Warum erhöht insbesondere Vorhofflimmern das Risiko? Und welche Möglichkeiten gibt es, rechtzeitig gegenzusteuern? Darüber informiert Prof. Dr. Thomas Fischer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I.

Halsschlagader verstopft – was tun?

Wie gefährlich ist eine Verengung der Halsschlagader? Wann reicht eine medikamentöse Behandlung aus und wann ist ein Eingriff sinnvoll? Welche Verfahren stehen dafür zur Verfügung? Diesen Fragen gehen Privatdozent Dr. Frank Schönleben von der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie sowie Dr. Marius Vogt vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie nach.

Zucker und Fette entgleist?

Welche Bedeutung haben erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte für das Schlaganfallrisiko? Welche Werte sollte man kennen und was lässt sich vorbeugend tun? Antworten hierzu gibt Dr. Alicja Kunikowska von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I. 

Den Abschluss des Vortragsprogramms bildet um 11:45 Uhr eine Zusammenfassung durch Dr. Hametner.

Untersuchungen und medizinische Simulationen

Über die Vorträge hinaus können die Besucherinnen und Besucher an Informationsständen im Foyer Wissenswertes rund um das Thema Schlaganfall erfahren. Ab 12 Uhr werden in den Seminarräumen zudem kostenfreie Untersuchungen und medizinische Simulationen angeboten. Dazu gehört eine Duplex-/Dopplersonographie der hirnversorgenden Gefäße. Zudem zeigen Fachleute aus der interventionellen Neuroradiologie, wie Blutgerinnsel aus Hirngefäßen entfernt werden können. Bei einer weiteren Simulation aus der interventionellen Kardiologie geht es um die Behandlung von Vorhofflimmern.

Die Teilnahme am Informationstag ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist bis spätestens 19. Oktober 2026 über ein Online-Formular des UKW erforderlich, erreichbar unter www.ukw.de/neurologie, Rubrik „Veranstaltungen“.

Text: Pressestelle / UKW
 

Bei einem Mann wird eine Dopplersonographie am Hals durchgeführt.
Die am Weltschlaganfalltag 2026 am Uniklinikum Würzburg kostenlos angebotene Dopplersonographie hat eine zentrale Bedeutung bei der Schlaganfallprävention, da sie Gefäßverengungen und Durchblutungsstörungen der hirnversorgenden Gefäße frühzeitig sichtbar macht, noch bevor Symptome auftreten. © Daniel Peter / UKW

Im regionalen Netzwerk zum Cochlea-Implantat

Nach der Operation: Versorgung Hand in Hand / Mehr als 3.500 Implantationen durchgeführt

Gemeinsam Orientierung geben (von links): CI-Trägerin Karola Bicking, PD Dr. Johannes Völker und Philipp Trabert sprechen mit einem Interessenten über Chancen, Grenzen und den weiteren diagnostischen Weg einer möglichen CI-Versorgung.  Foto: A. Trabert
Gemeinsam Orientierung geben (von links): CI-Trägerin Karola Bicking, PD Dr. Johannes Völker und Philipp Trabert sprechen mit einem Interessenten über Chancen, Grenzen und den weiteren diagnostischen Weg einer möglichen CI-Versorgung. Foto: A. Trabert

Würzburg. Wenn selbst optimal angepasste Hörgeräte kein ausreichendes Sprachverstehen mehr ermöglichen, kann ein Cochlea-Implantat (CI) eine Option sein. Doch die Aussicht auf eine Operation wirft viele Fragen auf. Um den Betroffenen eine frühzeitige Orientierung zu geben, bietet das Uniklinikum Würzburg (UKW) zusammen mit Hörakustik-Unternehmen aus Würzburg und Umgebung seit einigen Jahren gemeinsame Beratungstermine an. Dieses hilfreiche regionale Netzwerk soll in Zukunft nach Möglichkeit noch ausgebaut werden. Wie eine solche Serviceleistung aussehen kann, zeigt das Beispiel der jetzt einjährigen Zusammenarbeit mit dem Hörakustik-Fachgeschäft Trabert. 

Drei Perspektiven an einem Tisch

Bei den Terminen im Würzburger Traditionsunternehmen in der Theaterstraße kommen medizinische Expertise, hörakustische Beratung und persönliche Erfahrung zusammen. So steht für medizinische Fragen Privatdozent Dr. Johannes Völker, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten sowie Geschäftsführer des Comprehensive Hearing Centers (CHC) Würzburg, zur Verfügung. Das Hörakustik-Team von Trabert ordnet die bisherige Hörgeräteversorgung sowie die technischen Aspekte ein. Zusätzlich berichtet eine erfahrene CI-Trägerin aus dem Alltag mit dem Implantat. Das Gespräch ist unverbindlich und bietet eine erste Information. Es ersetzt weder die fachärztliche Untersuchung noch die vollständige CI-Diagnostik. Laut Dr. Völker ist das Ziel vielmehr, Unsicherheiten abzubauen und zu klären, ob eine Vorstellung im spezialisierten Hörzentrum des UKW der nächste sinnvolle Schritt sein könnte. „Ein Cochlea-Implantat kann bei passender Indikation das Sprachverstehen verbessern. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, lässt sich jedoch erst nach einer umfassenden medizinischen und audiologischen Diagnostik beurteilen. Ebenso wichtig ist eine realistische Darstellung der individuellen Chancen und Grenzen“, betont Völker. Das UKW versorgt seit 1991 Menschen mit Cochlea-Implantaten. Seither wurden dort mehr als 3.500 Implantationen durchgeführt.

Nach der Operation: Versorgung Hand in Hand

Eine CI-Versorgung endet nicht mit der Operation. Das Hören mit dem Implantat ist zunächst ungewohnt; Hören und Sprachverstehen müssen schrittweise trainiert werden. Die lebenslange medizinische und audiologische Nachsorge bleibt deshalb im CHC verankert. Dort werden unter anderem die Hör- und Sprachentwicklung kontrolliert und die Sprachprozessoren optimiert.

Im Rahmen der Kooperation ergänzt Trabert die Versorgung in enger Abstimmung mit dem CI-Zentrum um eine wohnortnahe technische Betreuung. Dazu gehören Feinanpassungen des Sprachprozessors sowie Unterstützung bei Apps, Zubehör, Ersatzteilen, Reparaturen und Fragen zum alltäglichen Umgang mit der Hörtechnik. Medizinische, audiologische und technische Betreuung sollen so verlässlich ineinandergreifen. „Viele technische Fragen entstehen erst im Alltag. Wenn Klinik und Hörakustik eng abgestimmt arbeiten, erhalten Betroffene schnell die passende Unterstützung – vom Ersatzteil bis zur Prozessoreinstellung“, sagt Philipp Trabert, Ingenieur der Hörakustik bei „Trabert – Meine Hörwelt“.

Netzwerk weiter ausbauen

„Nach den guten Erfahrungen aus über 100 Beratungsgesprächen bei Trabert und anderen mit uns kooperierenden Fachgeschäften in den letzten drei Jahren wollen wir jetzt unser Netzwerk mit den regionalen Hörakustik-Firmen sowie den niedergelassenen HNO-Ärztinnen und -Ärzten noch deutlich weiter ausbauen“, berichtet Völker. Deshalb lädt die HNO-Klinik des UKW am 14. Oktober 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus diesen Zielgruppen zum Netzwerktreffen „Hören – innovativ denken: vernetzt, individuell“ ein. Weitere Details finden sich unter www.ukw.de/hno-klinik, Rubrik „Veranstaltungskalender“.

Zur Absprache eines Beratungstermins kontaktieren Menschen mit stark eingeschränktem Sprachverstehen Trabert – Meine Hörwelt unter Tel. 0931 304187-17 oder E-Mail: wuerzburg@trabert.info. Für eine spezialisierte Hörimplantate-Diagnostik, Beratung und lebenslange Nachsorge steht das Comprehensive Hearing Center Würzburg des UKW unter Tel. 0931 201-21777 oder E-Mail: chc@ukw.de zur Verfügung.

Gemeinsam Orientierung geben (von links): CI-Trägerin Karola Bicking, PD Dr. Johannes Völker und Philipp Trabert sprechen mit einem Interessenten über Chancen, Grenzen und den weiteren diagnostischen Weg einer möglichen CI-Versorgung.  Foto: A. Trabert
Gemeinsam Orientierung geben (von links): CI-Trägerin Karola Bicking, PD Dr. Johannes Völker und Philipp Trabert sprechen mit einem Interessenten über Chancen, Grenzen und den weiteren diagnostischen Weg einer möglichen CI-Versorgung. Foto: A. Trabert