Aktuelle Pressemitteilungen

Vorhang auf für die Nieren!

Würzburger Nephrologe Christoph Wanner ruft als Präsident der ERA-EDTA europaweite Nierenkampagne ins Leben

Bei jedem zehnten Erwachsenen in Europa ist die Nierenfunktion eingeschränkt. Viele Betroffene ahnen aber nichts von ihrer fortschreitenden Nierenschwäche. Symptome spüren sie oft erst, wenn sie bereits einen Großteil ihrer Nierenfunktion verloren haben. Das ist fatal: Denn Nieren können sich nicht mehr von der Störung erholen. Es drohen nicht nur eine Dialyse oder gar eine Transplantation, sondern auch zahlreiche weitere Erkrankungen. Um das Bewusstsein für die Bedeutung unserer Nieren zu schärfen und der Bevölkerung zu zeigen, wie sie ihre Nieren schützen können, hat Prof. Dr. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Uniklinikum Würzburg, gemeinsam mit der Europäischen Gesellschaft für Nephrologie ERA-EDTA die European Kidney Health Awareness Days ins Leben gerufen. Im Mai bis zum Nierenkongress Anfang Juni in Berlin finden in ganz Europa Aktionen statt.

Spotlight auf unsere Nieren. Sie haben es verdient. Im öffentlichen Bewusstsein liegen die Nieren nämlich oft im Schatten von Herz und Lunge. Dabei sollte den paarig angelegten bohnenförmigen Organen im oberen hinteren Bauchraum mindestens genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Denn sie leisten Schwerstarbeit. Unsere Nieren filtern täglich 1.800 Liter Blut. Alle fünf Minuten strömt das gesamte Blut unseres Körpers durch die Nieren. Wie eine Kläranlage reinigen die Nieren unser Blut von Giftstoffen und Abfallprodukten. Diese werden später mit dem Harn ausgeschieden. Neben der Entgiftung sorgen die Nieren für einen ausgeglichenen Wasser- und Salz-Haushalt. Sie regulieren unseren Blutdruck, die Blutbildung, erzeugen lebenswichtige Hormone und sorgen für gesunde Knochen. Genügend Gründe, um regelmäßig zu prüfen, ob es ihnen gut geht.

Gesunder Lebensstil und regelmäßige Nieren-Check-ups

Das geschieht Christoph Wanner zufolge aber leider viel zu selten. Deshalb hat er als Präsident der „Europäischen Gesellschaft für Nephrologie“ (ERA-EDTA - European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association) die europaweite Kampagne „Strong Kidneys“ ins Leben gerufen. „Mit den European Kidney Health Awareness Days “Strong Kidneys” sollen so viele Personen wie möglich in ganz Europa erreicht werden. Wanner: „Wir möchten der Allgemeinbevölkerung zeigen, wie faszinierend und wertvoll unsere Nieren sind, und wie man mit gesunder Ernährung, Bewegung, Achtsamkeit und einem Nierentest bei Menschen mit Risiko seine Gesundheit stärken kann.

Unsere Nieren leiden zunächst leise. Wir spüren es anfangs kaum, wenn die Funktion nachlässt. Hinzu kommt, dass die Anzeichen für eine Nierenerkrankung zu Beginn nicht spezifisch sind. Wer denkt schon bei anhaltender Müdigkeit, geschwollenen Beinen und Augen, Muskelkrämpfen und Knochenschmerzen, jucken der Haut und Appetitlosigkeit direkt an eine Nierenerkrankung?

Nierenprobleme frühzeitig entdecken, bevor es zu spät ist


Eine Schlüsselrolle beim Screening und der Risikominimierung haben daher die Hausärzte. „Ihnen möchten wir eine regelmäßige Früherkennung bei ihren Patienten nahelegen. Wird eine chronische Nierenerkrankung rechtzeitig erkannt und angemessen behandelt, kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt oder sogar gestoppt werden und das Risiko der damit verbundenen Komplikationen verringert werden“, so Wanner.
Ein systematisches und regelmäßiges Nierenscreening ist vor allem für Diabetiker und Menschen mit erhöhtem Blutdruck unerlässlich. Denn Zucker und Bluthochdruck bedrohen die Nieren, ebenso wie starkes Übergewicht und Vorerkrankungen.
Ein Nierentest beinhaltet zwei Prüfungen, einen Urintest auf Eiweiß, das so genannten Albumin, und eine Blutabnahme zur Messung des Kreatinin-Wertes. „Warten Sie nicht, bis das Herz auch in Mitleidenschaft gezogen wird, Sie eine Dialyse oder eine Transplantation benötigen“, betont Christoph Wanner.

Der weltweit bekannte Nephrologe aus Würzburg ist seit Juni 2020 Präsident der ERA-EDTA. Er war der erste, der das Potential von SGLT2-Inhibitoren bei der Behandlung von Patienten mit einer Chronischen Nierenerkrankung entdeckt hat. Jahrelang hatte sich keine neue Behandlungsoption als sicher und wirksam erwiesen, so dass kein neues Medikament in die klinische Praxis eingeführt werden konnte. Mit SGLT2-Inhibitoren gibt es jetzt eine ganz neue Substanzklasse, die sehr effektiv ist.

Aktionen im Rahmen der European Health Awareness Days

Wanner selbst geht bei der Prävention mit gutem Beispiel voran. Er radelt zum Beispiel jeden Morgen zur Arbeit. Gern hätte er in Würzburg im Rahmen der Kampagne vom 1. Mai bis zum Nierenkongress in Berlin vom 5. bis 8.Juni Radtouren, Wanderungen, Vorlesungen, öffentliche Sprechstunden und Aktionen in der Stadt angeboten. Angesichts der Pandemie beschränken sich die Aktionen in Würzburg, Deutschland und Europa auf den virtuellen Raum. Wanners Team hat einen Animationsfilm erstellt, der in verschiedenen Sprachen in ganz Europa verbreitet werden soll, ebenso wie eine Webseite. Außerdem werden Webinare für Laien, Betroffene und Ärzte mit verschiedenen Themen angeboten. Inspiriert wurde Wanner von seinem Kollegen, dem Kardiologen Prof. Dr. Stefan Störk. Der Leiter der Herzinsuffizienz-Ambulanz im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) hatte mit der European Society of Cardiology vor mehr als zehn Jahren mit großem Erfolg eine europaweite Aufklärungskampagne zur Herzinsuffizienz ins Leben gerufen.

Hier geht es zum Animationsfilm

 

Nieren-Webinar am 27. Mai um 17 Uhr

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zum Webinar „Stärke Deine Nieren“ am 27. Mai um 17 Uhr mit den Referenten Prof. Dr. Lothar Schramm vom Dialyse-Zentrum Würzburg, Prof. Dr. Stefan Störk und Christoph Wanner zu folgenden Themen:

• Lothar Schramm: Wunderwerk Niere - Kraftwerk und Kläranlage in unserem Körper
• Christoph Wanner: Was uns an die Nieren geht – Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht
• Stefan Störk: Auf Herz und Nieren prüfen – wie die Organe verbunden sind

Bei Interesse bitte eine E-Mail an info@ strongkidneys.eu schicken – Sie erhalten dann den Link zum Webinar via Skype for Business.


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Platz frei für den Neubau des Würzburger Helmholtz-Instituts

Abbruch der einstigen Urologie soeben gestartet

Würzburg, 6. Mai 2021 – Das 2017 gegründete Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) zählt mit seiner wissenschaftlichen Expertise zur Weltspitze. Um seinem geplanten Neubau Platz zu machen, hat jetzt auf dem Medizin-Campus Würzburg der Abbruch der einstigen Urologie begonnen.

Das im Jahr 2017 als Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg (JMU) gegründete Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist bis zur Errichtung seines eigenen Gebäudes in den Räumlichkeiten der JMU untergebracht. Doch dort wird es seinen inzwischen rund 90 Beschäftigten zunehmend eng. Um dem Neubau für das HIRI planmäßig Platz zu machen, hat soeben der Abbruch der einstigen Urologie auf dem Würzburger Medizin-Campus begonnen. 

Jörg Vogel, Professor an der JMU und geschäftsführender Direktor des HIRI: „Das HIRI wirbt sehr erfolgreich Drittmittel ein, und das unterstützt unser Wachstum. Wie wichtig die Infektionsforschung für die Gesellschaft ist, tritt in der Pandemie besonders deutlich zutage. Die Gründung des HIRI und sein Neubau in Würzburg sind ein zukunftsweisendes Signal für den hiesigen Wissenschaftsstandort, und ich bin sehr dankbar, dass wir mit den künftigen Ressourcen in unserem eigenen Institutsgebäude unsere Position an der Weltspitze der RNA-basierten Infektionsforschung weiter ausbauen können.“

Behutsame Integration

Mit dem Ziel, einen zukunftsweisenden und zugleich wirtschaftlichen Neubau zu errichten, wurde im Jahr 2018 ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Den Zuschlag erhielt das Münchener Büro doranth post architekten. Es ist im In- und Ausland tätig und hat bereits zahlreiche Bauten für wissenschaftliche Einrichtungen realisiert, in Bayern unter anderem in München und Erlangen.

Der Entwurf für das HIRI sieht einen schmalen längs gerichteten Baukörper vor, der sich in Form und Höhe behutsam in seine Umgebung auf dem Würzburger Medizin-Campus einfügt. Zugleich bildet der Korpus mit seiner transparenten Glasfassade, der lichten, offenen Treppenhalle und der asymmetrischen Kubatur einen zeitgemäßen Kontrast zu den benachbarten historischen Bauten aus der Gründerzeit. 

Das Bestandsgebäude der einstigen Urologie aus dem Jahr 1921, das nun abgerissen wird, liegt an der Josef-Schneider-Straße zwischen dem Institut für molekulare Infektionsbiologie der JMU beziehungsweise Rudolf-Virchow-Zentrum und der Frauenklinik. Es entsprach nicht mehr den heutigen wirtschaftlichen und technischen Anforderungen.

Moderne Infrastruktur

Nach seiner Fertigstellung bis voraussichtlich Anfang 2026 wird der neue Institutsbau des HIRI auf circa 4.200 Quadratmetern Nutzfläche optimale Bedingungen bieten, um etwa 120 Forscherinnen und Forscher zu beherbergen. Es entsteht eine moderne Infrastruktur mit Laboren, Seminar- und Besprechungsräumen sowie zahlreichen offenen Kommunikations- und Arbeitsbereichen, die dem wissenschaftlichen Austausch dienen. Finanziert wird das Bauvorhaben vom Freistaat Bayern.

Der HIRI-Neubau: Daten und Fakten

• Bauherr: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
• Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie
• Investitionsvolumen: voraussichtlich 60 Mio. Euro
• Abriss Bestandsgebäude Urologie: ab 5. Mai 2021 durch das Staatliche Bauamt Würzburg
• Geplanter Baubeginn: Frühjahr 2023
• Planung: doranth post architekten GmbH
• Kapazität: 5-geschossiges Gebäude mit Laboren und Büros für ca. 120 Beschäftigte
• Fertigstellung: bis voraussichtlich Frühjahr 2026

Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm verfolgt das Institut das Ziel, innovative therapeutische Ansätze zu entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können. Das HIRI ist ein Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und befindet sich auf dem Würzburger Medizin-Campus. Mehr unter www.helmholtz-hiri.de.

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krank-heitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Das HZI ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und Gründungsmitglied im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung e. V. (DZIF). Mehr unter www.helmholtz-hzi.de.


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Fachleute des Würzburger Zentrums für Psychische Gesundheit beleuchten Zusammenhänge zwischen Corona, Depression und Angsterkrankungen

Am Dienstag, den 18. Mai 2021, widmen sich eine Expertin und ein Experte der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg in Online-Vorträgen den Themen Depression und Angsterkrankung unter Pandemie-Bedingungen. Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen mit großen Einschränkungen und Umstellungen in ihren Lebensgewohnheiten verbunden. Viele empfinden dies als Stress. „Mehr und mehr geraten Menschen in wirtschaftliche und psychosoziale Notsituationen, was Risikofaktoren für die Entwicklung von Angsterkrankungen und Depressionen sind“, weiß Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider. Die Stellvertretende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KPPP) des Uniklinikums Würzburg fährt fort: „Menschen, die schon vorher unter psychischen Beschwerden gelitten haben, haben derzeit deutlich weniger Möglichkeiten, entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. So sind zum Beispiel viele hilfreiche, positive Aktivitäten nur sehr reduziert umsetzbar.“ Und Privatdozent Dr. Stefan Unterecker, Oberarzt der KPPP, ergänzt: „Ein wichtiger Schutzfaktor für die menschliche Psyche sind persönliche Sozialkontakte. Hier muss sich erst zeigen, ob vermehrte digitale Kontakte ein Ersatz sein können.“

Die beiden Experten widmen sich diesem Themenkreis bei einer Online-Veranstaltung am Dienstag, den 18. Mai 2021. Der vom Uniklinikum Würzburg und der Mediengruppe Main-Post gemeinsam organisierte Infoabend trägt den Titel „Corona und Depression: Zwischen Angst und Einsamkeit“. In Kurzvorträgen mit anschließender Diskussion geben Prof. Kittel-Schneider und Dr. Unterecker Antworten auf Fragen wie: Wie erkenne ich eine Depression oder eine Angsterkrankung? Was kann ich selbst gegen depressive Symptome oder übermäßige Ängste machen? Was hilft gegen die Angst vor Corona? Und wie sieht die Therapie einer Angsterkrankung oder einer Depression aus?

Die kostenlose Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr und nutzt die Plattform „Skype for Business“. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6009 oder unter http://akademie.mainpost.de 

 

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Corona in Kitas: Regelmäßige Test bremsen die Ausbreitung

Ein halbes Jahr lang haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg Kinder und das Betreuungspersonal in neun Würzburger Kinderbetreuungseinrichtungen auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus getestet. Ziel der Studie war es, optimale Testmethoden zu bestimmen, mit der sowohl die Kinder als auch die Kita-Beschäftigten regelmäßig, unkompliziert und sicher untersucht werden können. Jetzt haben die Verantwortlichen erste Ergebnisse dieser Studie vorgestellt.

Rund 1000 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren sowie deren Betreuerinnen und Betreuer aus neun Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt Würzburg waren zur Teilnahme eingeladen. Das entspricht etwa einem Viertel aller in Würzburg betreuten Kinder dieser Altersgruppe. Mehr als 60 Prozent von ihnen waren mit der Teilnahme einverstanden. Für mehr als 5000 Tests auf das SARS-CoV-2-Virus standen sie zur Verfügung.

Das sind die Rahmendaten der sogenannten Wü-KiTa-CoV-Studie, die im September 2020 gestartet wurde und die jetzt in ihrer ersten Phase zu Ende gegangen ist. Verantwortlich dafür war ein interdisziplinäres Studienteam, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Universität, des Universitätsklinikums und der Stadt Würzburg. Geleitet wurde die Studie von dem Mikrobiologen Professor Oliver Kurzai (Universität Würzburg) und dem Kinder- und Jugendarzt Professor Johannes Liese (Universitäts-Kinderklinik). 

Verschiedene Testmethoden im Einsatz

„Wir wollten im Rahmen unserer Untersuchungen in erster Linie die Akzeptanz und die Durchführbarkeit verschiedener Testmethoden zum frühzeitigen Nachweis von Infektionen mit dem neuen Coronavirus ermitteln“, beschreibt Oliver Kurzai das Ziel der Studie. Dazu wurden Kinder und Betreuungspersonal in den beteiligten Einrichtungen zwischen Oktober 2020 und März 2021 mit unterschiedlichen Verfahren getestet. Zur Auswahl standen folgende Methoden:

  • Regelmäßige Testungen bis zu zwei Mal pro Woche in der Kita bei allen teilnehmenden gesunden Kindern und Beschäftigten.
  • Tests bei Kindern, Beschäftigten und deren jeweiligen Haushaltsangehörigen nur beim Auftreten von Erkältungszeichen in einer Untersuchungsstelle außerhalb der Kita.

Auch bei den regelmäßigen Testungen in den Kitas gab es unterschiedliche Methoden: „Wir haben entweder vor Ort Nasenabstriche durch geschultes Studienpersonal durchgeführt oder Mundspülwasserproben eingesammelt, die von den Teilnehmenden selbständig zu Hause entnommen und anschließend in die KiTa mitgebracht wurden“, erklärt Johannes Liese. 

Die Akzeptanz der jeweiligen Testkonzepte wurde anhand der initialen Zustimmung und über eine regelmäßige Befragung der Kinder, Eltern und des Betreuungspersonals ausgewertet. 

Jetzt liegen erste Ergebnisse vor. Sie zeigen:

  • Die Bereitschaft zur Teilnahme an einer regelmäßigen Testung war sowohl bei Kindern und deren Eltern als auch bei den Mitarbeitenden der Kitas hoch. 
  • Unter den Testmethoden fand die zweimal wöchentliche Entnahme von Mundspülwasser im häuslichen Umfeld die größte Zustimmung. Diese Testmethode verzeichnete auch die geringste Abbruchrate über den Studienverlauf.
  • Regelmäßiges Testen von Kindern und Betreuungspersonal ist eine effektive Möglichkeit, Infektionen schnell zu erkennen und eine Ausbreitung in der Einrichtung einzudämmen.
  • Kinderbetreuungseinrichtungen und die dort betreuten Kleinkinder spielen in dieser Phase der Pandemie keine wesentliche Rolle in der Verbreitung des Virus. Bei den regelmäßigen Testungen gesunder Kinder sowie ihrer Betreuerinnen und Betreuer wurde lediglich eine einzige Infektion mit dem neuen Coronavirus bei einem Kind nachgewiesen.
  • Häufiger als die Kinder hatte sich das Betreuungspersonal mit SARS-CoV-2 infiziert. Das spricht dafür, dass ein Impfangebot für diese Berufsgruppen auch aus infektionspräventiven Gründen sinnvoll ist. 
  • Das Testen symptomatischer Personen, die sogenannte „Testung auf Wunsch“, erkannte zwar mehr Infektionen pro durchgeführtem Test. Diese Methode ist aber weniger gut dazu geeignet, Infektionsketten in Kitas zu unterbrechen, da der Nachweis zu spät erfolgt, um die Weiterverbreitung rechtzeitig aufzuhalten. 

Stimmen zur Studie

„Forschung und Wissenschaft sind die Schlüssel zur Bewältigung der Pandemie. Dass sich die Kommune und Teile der Stadtgesellschaft hier aktiv an der wissenschaftlichen Forschung beteiligen konnten, macht mich stolz. Es ist eines von vielen Beispielen erfolgreicher und enger Zusammenarbeit zwischen der Universität, dem Universitätsklinikum und der Stadt Würzburg. Ich danke ganz besonders den Eltern, dem Betreuungspersonal und natürlich den Kindern sehr für ihre Teilnahme. Dank ihres Einsatzes kann Wissenschaft verifiziert werden und wir kommen wieder einen Schritt weiter auf dem Weg zur Bekämpfung der Pandemie. Christian Schuchardt (Oberbürgermeister Stadt Würzburg) 

„Die gute Teilnahmerate und das Durchhaltevermögen des Betreuungspersonals, aller Eltern und vor allem der Kinder haben gezeigt, wie hoch die Akzeptanz für eine solche Studie mit Focus auf die jüngsten Stadtbürger Würzburgs ist und für wie wichtig dieser Beitrag zur Corona-Bekämpfung erachtet wurde.“ Dr. Hülya Düber (Jugend-, Familien- und Sozialreferat, Stadt Würzburg)

„Kinder haben unter der Pandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen besonders zu leiden. Die Studie mit dem Ziel, Testkonzepte zu entwickeln, die auch in Pandemiezeiten die Öffnung von Kinderbetreuungseinrichtungen gewährleisten können, ist ein erster wichtiger Schritt in Richtung eines kontinuierlichen und sicheren Betreuungsangebotes.“ Prof. Dr. Christoph Härtel (Direktor der Würzburger Universitätskinderklinik)

Die Beteiligten

Finanziert wurde die Studie mit mehr als einer Million Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsnetzwerks InfectControl. In der täglichen Arbeit wurde das interdisziplinäre Studienteam aktiv von der Stadt Würzburg unterstützt. Unter den beteiligten Partnern waren außerdem die Virologie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Allgemeinmedizin und die Klinische Epidemiologie.

Folgestudie startet demnächst

Abgeschlossen sind die Untersuchungen an Würzburger Kinderbetreuungseinrichtungen damit nicht: Im Mai 2021 wird als Fortsetzung die Wü-KiTa-CoV 2.0-Studie anlaufen. „Ziel dieser Studie ist es, auch weiterhin die sichere Kita-Betreuung durch regelmäßiges Testen zu gewährleisten, insbesondere da in der dritten Welle nun auch Kinder zunehmend betroffen sind“, sagt Oliver Kurzai.

Dazu besteht in den neun Studien-Kitas wieder die Möglichkeit, mit einem Antigen-Schnelltest aus einem Nasenabstrich, der Abgabe von Mundspülwasser oder mit einer Kombination beider Testkonzepte an der Studie teilzunehmen. „Neben einem direkten Vergleich der Akzeptanz und Effizienz von Antigen-Schnelltest und PCR-Test steht bei dieser Studie die Frage nach der Tauglichkeit für einen großflächigen Einsatz der Testmethoden im Vordergrund“, erklärt Johannes Liese.

Ziel sei es, ein Konzept zu entwickeln, das sowohl eine hohe Akzeptanz findet als auch sicher, schnell und praktikabel auf eine größere Zahl von Kinderbetreuungseinrichtungen übertragen werden kann und so die Aufrechterhaltung der Kinderbetreuung sicherstellt.  

Die Folgestudie Wü-KiTa-CoV2.0 wird vom Land Bayern über das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit finanziert.

Kontakt

Prof. Dr. Oliver Kurzai, Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie, T +49 931 31-88007, oliver.kurzai@ uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Johannes G. Liese, Pädiatrische Infektiologie und Immunologie Universitäts-Kinderklinik, T +49 931 201-27725, liese_j@ ukw.de

Homepage der Studie: https://www.med.uni-wuerzburg.de/wuekitacov/startseite/

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg

 

Berichterstattung über die Pressekonferenz am 3. Mai 2021: große Resonanz in den Medien 

BR24Live: Wie sicher sind Kitas vor Corona?
https://www.br.de/nachrichten/bayern/corona-kita-studie-uni-wuerzburg-stellt-erste-ergebnisse-vor,SWF9Q90 

BR: Würzburger Corona-Studie: Lieber spucken als Nasebohren
https://www.br.de/nachrichten/bayern/br24live-kita-kinder-keine-treiber-der-corona-pandemie,SWJtfZv 

Sat1: Kita-Studie in Bayern: Wie sicher sind Kitas vor Corona?https://www.sat1.de/regional/bayern/nachrichten/kita-studie-in-bayern-wie-sicher-sind-kitas-vor-corona-clip 

Bild: Corona-Studie aus Würzburg Kita-Kinder infizieren sich kaum
https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/corona-studie-aus-wuerzburg-kita-kinder-infizieren-sich-kaum-76275172.bild.html  

TAZ: Coronatests in Würzburger Kitas: Gurgeln beliebter als Nasenbohren 
https://taz.de/Coronatests-in-Wuerzburger-Kitas/!5769446/ 

FAZ: Wie viel Tests in Kitas bewirken
https://zeitung.faz.net/faz/politik/2021-05-04/wie-viel-tests-in-kitas-bewirken/605727.html?GEPC=s3 

Münchner Merkur, tz: „Kein Vorwurf an die Erzieher!“ Corona-Studie in Kitas liefert erstaunliche Erkenntnisse - und neue Optionen
https://www.merkur.de/bayern/corona-kinder-tests-studien-kitas-forscher-ergebnisse-wuerzbuerg-bayern-zr-90485471.html

 

Ruhr Nachrichten: Kita-Studie: Kinder infizieren sich seltener als Erzieher
https://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/kita-studie-kinder-infizieren-sich-seltener-als-erzieher-1629757.html  

TV Mainfranken: Corona-Studie in Kitas – Würzburger Forscher stellen erste Ergebnisse vor
https://www.tvmainfranken.de/mediathek/video/corona-studie-in-kitas-wuerzburger-forscher-stellen-erste-ergebnisse-vor/ 

Main-Post/Augsburger Allgemeine: So sicher sind Kitas: Erste Ergebnisse der großen Würzburger Corona-Studie 
https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/so-sicher-sind-kitas-erste-ergebnisse-der-grossen-wuerzburger-corona-studie-art-10598988 

Radio Gong: Würzburg: Erste Ergebnisse aus der Wü-KiTa-CoV-Studie
https://www.radiogong.com/aktuelles/news/wuerzburg-erste-ergebnisse-aus-der-wue-kita-cov-studie 

Radio Gong: Würzburg: Wü-KiTa-CoV-Studie 2.0 gestartet
https://www.radiogong.com/aktuelles/news/wuerzburg-wue-kita-cov-studie-2-0-gestartet 

Würzburg Erleben: Studie: Regelmäßige Tests bremsen Corona-Ausbreitung in Kitas
https://www.wuerzburgerleben.de/2021/05/03/studie-regelmaessige-test-bremsen-corona-ausbreitung-kitas/ 

 

Nachrichtenagenturen:

Deutsche Presse-Agentur dpa:

Vorschulkinder: Spucktest lieber als einen Nasenabstrich
https://www.welt.de/regionales/bayern/article230836453/Vorschulkinder-Spucktest-lieber-als-einen-Nasenabstrich.html 

U.a. erschienen in: WELT, Leonberger Kreiszeitung, Heilbronner Stimme, Donaukurier, Schwäbische Zeitung, inFranken.de, nordbayern.de, 

 

Evangelischer Pressedienst epd:

Studie der Würzburger Uniklinik: Corona-Tests in Kitas können weitere Infektionen schnell verhindern 
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studie-der-wuerzburger-uniklinik-corona-tests-in-kitas-koennen-weitere-infektionen-schnell-verhindern.942fb226-958e-4d4f-b053-ad4e4e88a049.html 

U.a. erschienen in: Stuttgarter Zeitung/Nachrichten, Frankenpost, InSüdthüringen, Eßlinger Zeitung, Neue Presse Coburg, Cannstatter Zeitung, Nordbayerischer Kurier,  

 

Tranexamsäure verhindert Blutungen – und zwar ohne erhöhtes Thromboserisiko

Eine aktuelle Studie der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Patrick Meybohm vom Uniklinikum Würzburg belegt, dass die prophylaktische Gabe von Tranexamsäure das Risiko einer Thrombose oder einer Embolie nicht erhöht. Eine gute Nachricht unter anderem für alle, die unnötige Bluttransfusionen vermeiden wollen.

Tranexamsäure (TXA) ist ein hochpotentes Antifibrinolytikum, also ein Medikament, das die Auflösung von Blutgerinnseln (Thromben) verhindert. Diese Wirkweise macht sich die Medizin seit vielen Jahrzehnten zunutze – vor allem dann, wenn die Gerinnung dabei helfen soll, schwere Blutungen zu stoppen. 

Neuerdings tritt TXA durch das „Patient Blood Management“ verstärkt in den Fokus der Mediziner*innen. „Dieses Konzept zielt unter anderem darauf ab, bei Operationen die Blutverluste und den Einsatz von Blutkonserven möglichst zu reduzieren“, schildert Prof. Dr. Patrick Meybohm. Der Leiter der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW) fährt fort: „Ein Ansatz dabei ist, bei Standardeingriffen, wie Knie- oder Wirbelsäulenoperationen, vorbeugend TXA intravenös zu verabreichen und damit die Blutverluste deutlich zu minimieren.“

Basis: Über 200 Studien mit Daten von 125.000 Patienten

Die Erweiterung der Indikationen ruft jedoch auch Besorgnis hervor: Kann die prophylaktische Anwendung nicht auch zu einem vermehrten Auftreten von Thrombosen oder Embolien führen? Um hier Klarheit zu schaffen, wertete Isabel Taeuber, Doktorandin aus der Arbeitsgruppe von Prof. Meybohm, mehr als 200 randomisierte kontrollierte Studien aus. Sie berücksichtigte dabei wissenschaftliche Arbeiten, die intravenös verabreichte Tranexamsäure mit einem Placebo oder einer Kontrolle verglichen. Dahinter stehen in Summe die Daten von über 125.000 Patienten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen. 

Ergebnis: Vorteile überwiegen das Risiko deutlich

Die im April dieses Jahres in der Fachzeitschrift JAMA Surgery veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigt, dass unter prophylaktischer TXA-Gabe weder Thrombosen noch Embolien häufiger auftreten. Gleichzeitig konnte aber ermittelt werden, dass die allgemeine Sterblichkeitsrate – insbesondere die Sterblichkeitsrate aufgrund von Blutungen – durch Tranexamsäure signifikant gesenkt wird. „Es lässt sich festhalten, dass die Vorteile der vorbeugenden Therapie das potenzielle Thromboembolie-Risiko deutlich überwiegen. Damit bildet TXA einen wichtigen Baustein im Blutmanagement des Patienten. Der Wirkstoff hilft, eine Gerinnungsstörung zu verhindern, das Blutungsrisiko zu reduzieren und die wertvolle Ressource Blut zu schonen“, fasst Prof. Meybohm, der Letztautor der Studie, zusammen.

Literatur: 

Taeuber I, Weibel S, Herrmann E, et al. Association of Intravenous Tranexamic Acid With Thromboembolic Events and Mortality: A Systematic Review, Meta-analysis, and Meta-regression. JAMA Surg. Published online April 14, 2021. doi:10.1001/jamasurg.2021.0884

 

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Uniklinikum Würzburg: Weltweit erster Einsatz von neuem System zur Tiefen Hirnstimulation

An der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Würzburg wurden im März dieses Jahres die weltweit ersten beiden Parkinson-Patienten mit einem neuen Neurostimulatorsystem versorgt. Als Besonderheit können dessen Elektroden nicht nur gezielt die fraglichen Gehirnbereiche stimulieren, sondern auch kontinuierlich Gehirnströme erfassen.

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein seit Jahrzehnten etabliertes Verfahren zur Behandlung von neurologischen Bewegungsstörungen, wie sie beispielsweise bei Morbus Parkinson auftreten können. Am Uniklinikum Würzburg (UKW) werden in einer Kooperation zwischen den Kliniken für Neurochirurgie und Neurologie aktuell jährlich rund 60 dieser „Hirnschrittmacher“ implantiert. Am 17. und 18. März dieses Jahres versorgte Prof. Dr. Cordula Matthies, die stellvertretende Direktorin der Klinik für Neurochirurgie des UKW, und ihr Team als Weltpremiere zwei Patienten mit einer neuen Generation von THS-Systemen. „Mit der sogenannte BrainSense-Technologie geben die Neuromodulatoren nicht nur kontinuierlich Impulse an eng umgrenzte Hirnareale ab, sie können auch erstmals rund um die Uhr Gehirnsignale erfassen. Damit werden Daten gesammelt, die zukünftig der Optimierung der Therapie dienen können“, beschreibt Prof. Matthies.

Stimulation beseitigt krankhafte Hirnsignale
Wie bei der herkömmlichen THS auch, besteht das neue System aus einem kleinen Gerät, das ähnlich einem Herzschrittmacher an der Brust unter der Haut implantiert wird. Von dort werden durch ebenfalls unter der Haut geführte, feine Drähte elektrische Signale zu hochpräzise im Gehirn platzierten, jeweils etwa 1,2 Millimeter starken und 1,5 Millimeter langen Elektroden gesendet. Die elektrische Stimulation der meist nur wenige Kubikmillimeter großen Hirnareale beseitigt die krankhaften Signalveränderungen, die eine normale Hirnfunktion stören. 

Präzise Steuerung des Stimulationsfeldes
Bei vielen herkömmlichen Elektroden sind die Kontakte ringförmig. Sie stimulieren gleichförmig in alle Raumrichtungen. „Im Gegensatz dazu sind die Elektroden des neuen Systems segmentiert, wodurch das Stimulationsfeld noch präziser in therapeutisch relevante Richtungen gesteuert werden kann“, schildert Prof. Dr. Jens Volkmann, der Direktor der Klinik für Neurologie des UKW. So lassen sich nach seinen Worten Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Sprechstörungen, die sich aus der ungewollten Stimulation benachbarter Areale ergeben können, besser vermeiden.

Gehirnströme werden kontinuierlich aufgezeichnet
Darüber hinaus sind die sogenannten Sensight-Elektroden als weltweit einzige so ausgestattet, dass sie Gehirnströme kontinuierlich aufzeichnen und zur Speicherung im Steuergerät weiterleiten. In der Neurologischen Klinik können diese Daten dann mit einem gegen Datenmissbrauch besonders abgesicherten Bluetooth-System ausgelesen werden. „In Verbindung mit vom Patienten selbst aufgezeichneten Ereignissen, Symptomen oder Nebenwirkungen von Medikamenten erhalten wir so einen wertvollen Datenschatz, aus dem wir in der Zukunft eine personalisierte, noch viel gezieltere und variablere THS-Therapie entwickeln können“, freut sich Prof. Volkmann.

Datenschatz für die Entwicklung zukünftiger Kontrollalgorithmen
Der Weg dahin gehört zu den Forschungsschwerpunkten seiner Klinik. Er erläutert: „Wenn wir in Zukunft von möglichst vielen Patienten die entsprechenden Messdaten gewinnen, ist es möglich, mittels Big-Data-Analysen Muster zu erkennen, aus denen sich dann Algorithmen für eine bedarfsgerechte statt der bisherig kontinuierlichen Stimulation entwickeln lassen.“ Die beiden ersten am UKW mit dem System ausgestatteten Parkinson-Patienten seien demnach wissenschaftliche Pioniere, die zwar von den generellen Vorteilen einer THS profitieren, aber aus der Datenmessung noch keinen unmittelbaren persönlichen Gewinn ziehen würden. „Allerdings hält die Batterie des Schrittmachers drei bis vier Jahre und es ist durchaus wahrscheinlich, dass in dieser Zeit die ersten Kontrollalgorithmen entwickelt werden, mit denen ihr implantiertes System dann individuell nachprogrammiert werden kann“, kündigt Prof. Volkmann an.

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Das Uniklinikum Würzburg prüft CCR1-Antagonist als potenzielles Covid-19-Medikament

Eine für andere Indikationen gescheiterte Prüfsubstanz der Firma Bayer könnte möglicherweise als Covid-19-Medikament funktionieren. Das Uniklinikum Würzburg ist als Konsortialpartner und Prüfzentrum an der dafür erforderlichen Phase II-Studie beteiligt.

Eine Covid-19-Infektion verläuft häufig dann besonders schwer, wenn das Immunsystem mit einer überschießenden Immunantwort reagiert. Das fanden kürzlich Forscher*innen des Berlin Institute of Health (BÌH) gemeinsam mit Kolleg*innen aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Universitätsklinikum Leipzig heraus. Sie entdeckten, dass die vom Virus befallenen Epithelzellen das Immunsystem quasi zu Hilfe rufen. Beim Einwandern von Immunzellen in die Atemwege sind Chemokine – Botenstoffe des Immunsystems – beteiligt. Epithelzellen und aktivierte Immunzellen schütten diese aus und locken damit weitere Immunzellen an.

Idee: Den Empfang von Botenstoffen stören
Die Immunzellen besitzen Chemokin-Rezeptoren auf ihrer Zelloberfläche, mit denen sie die Hilferufe „empfangen“ können. Laut Prof. Dr. Irina Lehmann vom BIH spielt hierbei vor allem der Chemokin-Rezeptor 1 (CCR1) eine besondere Rolle. So kamen die Wissenschaftler*innen auf die Idee, diesen Rezeptor zu blockieren, um die überschießende Immunantwort zu dämpfen. Sie gingen auf die Suche nach bereits bekannten Blockern dieses Rezeptors – und wurden mit der ehemaligen Prüfsubstanz BX471 des Pharmakonzerns Bayer fündig. Dieser Wirkstoff sollte ursprünglich bei chronischen Entzündungen helfen. Auch dort spielt der Rezeptor CCR1 eine Rolle. Die Substanz erwies sich als gut verträglich, zeigte aber bei den anvisierten Indikationen nicht die gewünschte Wirkung. 

UKW ist Teil einer multi-zentrischen Studie
Jetzt erhält BX471 in einer multi-zentrischen Studie als potenzielles Covid-19-Medikament eine zweite Chance. Bei dem geplanten Vorhaben namens CATCOVID kooperieren das BIH, die Bayer AG, das Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin und die Universitätsklinika Leipzig und Würzburg. Am Uniklinikum Würzburg (UKW) wird das Vorhaben geleitet von Prof. Dr. Peter Kranke. Der Ärztliche Leiter der Klinischen Studien an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie kommentiert: „Wir sind schon sehr gespannt, ob und wie sich die Vermutungen zur Wirkung in der Corona-Therapie erfüllen. Ein Vorteil ist, dass wir aufgrund der bei Bayer aus der Geschichte der Substanz schon vorliegenden Studiendaten direkt mit der klinischen Erprobung beginnen können.“ Und Prof. Dr. Patrick Meybohm, der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, ergänzt: „Bislang zeichnet sich bei schweren Erkrankungsverläufen, wie wir sie auf der Intensivstation bei Covid-Patienten sehen, neben Dexamethason noch keine wirksame pharmakologische Intervention ab. Insofern ist jede Substanz, die in klinischen Studien solide untersucht wird, ein Hoffnungsschimmer für uns.“

Start in einigen Monaten
Bis die ersten Patient*innen in die Studie aufgenommen werden können, werden nach seinen Worten allerdings noch einige Monate vergehen, denn zunächst muss die Bayer AG den Wirkstoff in adäquaten Mengen herstellen und auch bei den Prüfzentren müssen aktuell noch einige formale Voraussetzungen für die Durchführung abgearbeitet werden.
Das Bundesforschungsministerium fördert CATCOVID mit rund 3,5 Millionen Euro.


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