Würzburg. Für viele Personen mit ausgeprägter Adipositas ist eine bariatrische Operation wie zum Beispiel ein Magenbypass oder ein Schlauchmagen der letzte Ausweg, um ihr Gewicht dauerhaft zu reduzieren. Der Erfolg der Operation hängt dabei aber nicht allein vom chirurgischen Eingriff im Magen-Darm-Trakt ab, sehr wesentlich wird die Wirkung über Strukturen im Gehirn vermittelt. Das fand jetzt ein interdisziplinäres Team am Uniklinikum Würzburg heraus. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal Metabolism: Clinical and Experimental veröffentlicht (Hypothalamic integrity is necessary for sustained weight loss after bariatric surgery: A prospective, cross-sectional study, https://doi.org/10.1016/j.metabol.2022.155341).
Hormone können bei geschädigtem Hypothalamus Wirkung nicht entfalten
„Die Adipositas-Chirurgie ist aktuell sicherlich die effektivste Therapie für eine ausgeprägte Adipositas. Die Wirkweise dieser Operation ist allerdings nicht vollständig verstanden“, berichtet Dr. Ulrich Dischinger, Oberarzt und Leiter der experimentellen Adipositasforschung am Lehrstuhl für Endokrinologie und Diabetologie. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Chirurgischen Klinik 1, der Psychiatrie und der Molekularen Infektionsbiologie fand er heraus, dass die Effektivität der Adipositas-Chirurgie von einem intakten Hypothalamus abhängt. Der Hypothalamus ist ein zentraler Teil des Gehirns, der als wichtige Schaltzentrale unseres Körpers vegetative und endokrine Vorgänge reguliert und unter anderem die Nahrungsaufnahme steuert.
Ist diese Gehirnregion jedoch krankheitsbedingt zerstört, zum Beispiel durch einen gutartigen Tumor wie etwa ein Kraniopharyngeom, ist der Effekt der Adipositas-Operation deutlich abgeschwächt. Das heißt, sattmachende Hormone wie GLP-1 oder PYY, die nach dem chirurgischen Eingriff verstärkt aus dem Magen-Darm-Trakt ausgeschüttet werden, können ihre nahrungsregulierende Wirkung über den geschädigten Hypothalamus nicht entfalten. Obwohl die in dieser Studie untersuchten Patientinnen und Patienten mit Adipositas und geschädigtem Hypothalamus nach der bariatrischen Operation höhere Hormonspiegel als diejenigen mit Adipositas und intaktem Hypothalamus aufwiesen, war der Effekt der OP bei ihnen deutlich abgeschwächt. Dies zeigt, dass die Wirkweise der Adipositas-Chirurgie im Wesentlichen auf veränderten neuroendokrinen Signalen aus dem Magendarmtrakt basiert und von einem intakten Hypothalamus abhängt.
Adipositas-OP vom Stigma einer simplen Magenverkleinerung befreien
Ulrich Dischinger ist sich sicher, dass die Erkenntnisse wesentlich zu einer weiteren Aufklärung der Wirkweise der Adipositas-Chirurgie beitragen: „Die überragende Bedeutung einer intakten Hypothalamusfunktion für die Effektivität der bariatrischen Chirurgie war am Menschen bislang nicht gut untersucht. Mit unseren Resultaten können wir helfen, die Adipositas-Chirurgie vom Stigma einer simplen Magenverkleinerung zu befreien. Tatsächlich ist die bariatrische Operation eine Art neuroendokrine Intervention.“ Auch Prof. Dr. Florian Seyfried, Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des Würzburger Referenzzentrums für metabolische und bariatrische Chirurgie, hofft, dass die Ergebnisse zu einer größeren Akzeptanz der Adipositas-Chirurgie beitragen. „Bislang sind nicht nur die Adipositas, sondern auch die bariatrische Chirurgie stigmatisiert. So hält sich die historische Annahme, dass die Wirkungsweise bariatrischer Operationen darauf beruht, dass der Patient weniger Nahrung aufnehmen kann und diese vom Körper teilweise nicht mehr verstoffwechseln kann. Die nun publizierte Arbeit widerspricht nun ganz klar diesem vermuteten Wirkprinzip.“
Menschen mit hypothalamischer Adipositas besser beraten
Ulrich Dischinger führt weiter aus: „Unsere Forschung wird auch dabei helfen, Menschen mit Schädigung des Hypothalamus und dadurch verursachter hypothalamischer Adipositas‘ vor einer geplanten Adipositas-Operation besser beraten zu können. Gerade dieses sensible Patientengut sollte keiner Intervention zugeführt werden, deren üblicher günstiger Effekt nicht zu 100 Prozent übertragbar sein dürfte.“
Aktuell wird das Spektrum der Adipositasforschung mit einer Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz erweitert. Wesentliche Untersuchungsgegenstand wird hier die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion sein, einer häufigen und bislang nicht gut behandelbaren Begleiterkrankung der Adipositas.
Pressemitteilung, Universitätsklinikum Würzburg, 22. November 2022
Aktuelle Pressemitteilungen
Dr. Angelika Schmitt-Böhrer, Privatdozentin für das Fachgebiet Molekulare Psychiatrie, Laborleitung Funktionelle Neuroanatomie, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, wurde mit Wirkung vom 09.11.2022 zur außerplanmäßigen Professorin bestellt.
einBlick - Das Online-Magazine der Universität Würzburg vom 22. November 2022
Mit Spannung wurde die Vorstellung der EMPA-KIDNEY-Studie bei der Kidney Week der American Society of Nephrology (ASN) erwartet. In der internationalen klinischen Studie wurde untersucht, ob die tägliche Einnahme einer Empagliflozin-Tablette nicht nur den Blutzucker senkt, sondern auch eine Verschlechterung der Nierenfunktion oder den Tod infolge einer Herzerkrankung bei Patientinnen und Patienten mit einer Nierenerkrankung verhindern kann, unabhängig davon, ob die Betroffenen einen Diabetes Typ 2 haben.
Die Effizienz vom Empagliflozin überraschte selbst das Studienteam
Ein Paukenschlag war die Präsentation der Ergebnisse zwar nicht: Denn der klinische Nutzen der beiden SGLT2-Hemmer Dapagliflozin und Canagliflozin bei der Behandlung chronischer Nierenerkrankungen wurde in vorhergehenden Studien bereits bewiesen. SGLT2-Inhiboren hemmen den renalen, natriumabhängigen Glukosetransporter SGLT-2 (Sodium dependent glucose co-transporter 2) und sorgen dafür, dass vermehrt Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel und es kann zu einer leichten Abnahme von Gewicht und Blutdruck führen. Gleichzeitig werden Niere und Kreislauf entlastet. Die Effizienz des Wirkstoffs Empagliflozin sorgte jedoch für eine Überraschung, selbst bei Prof. Dr. Christoph Wanner. Der Leiter der Nephrologie am Uniklinikum Würzburg war einer der ersten, der das Potenzial von SGLT2-Hemmern in der Behandlung von Diabetes, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen bereits 2015 in der EMPA-REG OUTCOME Studie veröffentlicht hat, und hatte die Idee zur EMPA-KIDNEY-Studie, deren Ergebnisse parallel zur Kidney Week der ASN im New England Journal of Medicine publiziert wurden.
28-prozentige Risikoreduktion gegenüber Placebo
Das Studienteam unter der Leitung der Universität Oxford in Kooperation mit der Universitätsmedizin Würzburg war zu Beginn der Untersuchungen von einer Senkung des Risikos von 18 Prozent ausgegangen. Das Risiko umfasste eine Kombination der primären Endpunkte Tod infolge einer Herzerkrankung und Nierenversagen, also die Notwendigkeit einer Dialyse oder eine Nierentransplantation oder ein Abfall der Nierenfunktionsleistung, der sogenannten glomerulären Filtrationsrate (GFR) von 40 Prozent und mehr. „Dass die Gabe von Empagliflozin jedoch eine 28-prozentige Risikoreduktion gegenüber einem Placebo erreicht, und zwar bei einer breiten Population von Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung, ist sensationell“, kommentiert Christoph Wanner. „Wir konnten die positiven Auswirkungen auf den Herz- und Nierenschutz unabhängig vom Diabetes-Status oder der Albumin-Menge im Urin beobachten.“ Auch bezüglich der Hospitalisierungsrate zeigte Empagliflozin ein signifikantes Ergebnis. Die Anzahl der Krankenhausaufenthalte sank um 14 Prozent, unabhängig vom Grund der Klinikeinweisung. „Positiv überrascht hat mich außerdem, dass Empagliflozin sogar noch bei einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) von 20 Milliliter pro Minute wirkt.“
Empagliflozin für verschiedene Krankheitsprofile geeignet
Das bedeutet, dass Empagfliflozin auch bei einer chronischen Nierenerkrankung ohne Diabetes und ohne Albuminurie eingesetzt werden kann, oder bei einer begleitenden Herzinsuffizienz und sogar bei einer geringen Nierenfunktion. Dadurch werde die Verschreibungspraxis von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten wesentlich erleichtert, so Wanner. Wichtig sei Wanner zufolge jedoch die Diagnose und damit die Risikoeinschätzung für Herz- und Nierenerkrankungen, idealerweise nach dem ABCDE-Schema: A steht für Albuminurie, eine erhöhte Albuminausscheidung im Urin deutet sehr früh auf einen Nierenschaden hin, lange bevor die Auswirkungen der Nierenschwäche überhaupt spürbar sind. Bei einem Gesunden liegt die Konzentration von Albumin im Urin unter 30 Milligramm. B steht für Blutdruck, C für Cholesterin, D für Diabetes und E für eGFR-Status. Das e steht für estimated, englisch für geschätzt. Die glomeruläre Filtrationsrate wird anhand des Serumkreatinins, Alters, Geschlechts und Hautfarbe geschätzt. Der Normalwert des aus dem Blut filtrierten Primärharns liegt bei 90 bis 130 Milliliter pro Minute.
Metaanalyse bestätigt Ergebnisse der EMPA-KIDNEY-Studie
Die Ergebnisse der EMPA-KIDNEY-Studie floss auch in eine Metaanalyse von insgesamt 13 SGLT2-Studien mit insgesamt 90.309 Personen mit Diabetes und 15.605 ohne Diabetes mit ein und wurde bestätigt. In der Analyse, die jetzt im renommierten Fachjournal The Lancet erschienen ist (https://doi.org/10.1016/ S0140-6736(22)02074-8) haben verschiedene Leiter klinischer Prüfungen, sogenannte Principal Investigators, speziell den Einfluss von Diabetes hinsichtlich der Wirkung der SGLT2-Hemmer auf die Nierenwerte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Christoph Wanner, der sowohl im Writing Committee als auch im so genannten SMART-c-Konsortium der Metaanalyse aktiv war, resümiert: „Die Daten unterstützen den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren zur Verringerung des Risikos für das Fortschreiten von Nierenerkrankungen und akuten Nierenschäden – unabhängig vom Diabetes-Risiko.“
Über die EMPA-KIDNEY-Studie
In der von Böhringer Ingelheim finanzierten EMPA-KIDNEY-Studie wurden insgesamt 6.609 Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung in den USA, Kanada, China, Japan, Malaysia, Großbritannien und Deutschland untersucht. Das Studienteam in Deutschland mit seiner Studienzentrale am Uniklinikum Würzburg hat mit insgesamt 1.255 Patientinnen und Patienten in 34 Zentren die meisten Personen in die Studie eingeschlossen. Das Würzburger Studienzentrum hat mit 174 Patientinnen und Patienten sogar die zweitmeisten aller 224 beteiligten Zentren weltweit rekrutiert.
Die Hälfte der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erhielt eine Empagliflozin-Tablette, die andere Hälfte ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff, ein so genanntes Placebo.
Bei jedem vierten Menschen mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung dringen die Tumorzellen ins Gehirn und führen zu Metastasen. Besonders häufig betroffen sind Frauen mit Brustkrebs. Die Hirnmetastasen führen nicht nur zu einer deutlichen Einschränkung der Lebenserwartung, sie gehen auch mit vielen neurologischen Ausfällen wie Störungen in der Bewegung, der Sprache oder dem Gedächtnis einher. Die Symptome treten zwar erst mehrere Monate oder Jahre nach der Erstdiagnose eines Mammakarzinoms auf, die Tumorzellen durchdringen jedoch schon im frühen Erkrankungsstadium die Blut-Hirn-Schranke, indem sie die entzündlichen Signalwege in den Blutgefäßzellen aktivieren, wodurch ihr Eindringen ins empfindliche Hirngewebe erleichtert wird.
Bislang gab es keine Möglichkeit, die Invasion von metastasierenden Krebszellen ins Gehirn wirkungsvoll zu verhindern. Das möchte die Universitätsprofessorin Dr. Carola Förster, die am Universitätsklinikum Würzburg die Abteilung Experimentelle Anästhesiologie leitet, mit ihrem interdisziplinären und internationalen Team, das sich aus erfahrenen Neuroonkologen, Biochemikern, Zell- und Molekularbiologen sowie technischen Assistenten zusammensetzt, ändern.
Rund 70.000 Bundesbürgerinnen erkranken jedes Jahr an Brustkrebs
Immerhin erkrankt derzeit eine von acht Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Jedes Jahr erhalten hierzulande rund 70.000* Frauen die Diagnose Mammakarzinom. In Japan steigt die Zahl der Betroffenen inzwischen ebenfalls beträchtlich. Entsprechend groß ist das Interesse auch in Japan, die Inzidenz von Hirnmetastasen zu reduzieren und neue Ansätze zu finden, um die Therapie von Brustkrebspatientinnen zu verbessern.
Treffen mit Konsortialpartnern in Japan
Da Carola Förster bereits über langjährige Kontakte zu ausgewiesenen Spezialisten in Japan verfügt, hat sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen Grant (Fo 315/5-1) erhalten, um den Austausch zu den japanischen Partnern zu fördern und die internationale Zusammenarbeit zu etablieren. Gemeinsam mit Professor Dr. Markus Sauer vom Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik der Universität Würzburg war die Biochemikerin im November 2022 für einige Tage an der Fukushima Medical University, um eine Konsortialvereinbarung zu entwickeln. „Der Besuch war großartig, sowohl wissenschaftlich als auch kulturell“, schwärmt Carola Förster. „Es wurde schnell deutlich, dass der persönliche Austausch nicht durch virtuelle Plattformen ersetzt werden kann.“
In der Japan Clinical Oncology Group (JCOG) ist die Hirnmetastasierung von Brustkrebs eines der wichtigsten Themen. Deren Biobanking könnte Carola Förster zufolge eine wertvolle Ressource für die weitere gemeinsame Forschung sein. Außerdem hält die Japan Breast Cancer Research Group (JBCRG) über die Breast International Group (BIG) der EU enge Verbindungen zur German Breast Group (GBG). Diese Zusammenarbeit könnte laut Carola Förster hilfreich sein, um groß angelegte klinische Studien zwischen Japan und Deutschland durchzuführen.
Barrierefunktion der Blut-Hirn-Schranke optimieren
Doch zunächst finden grundlegende Untersuchungen in-vitro und in-vivo statt. „Wir haben die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen bereits in ausführlichen Vorarbeiten entschlüsselt und herausgefunden, dass durch die Aktivierung bestimmter Östrogen-Rezeptor-Subtypen an Gefäßwandzellen die Barrierefunktion der Blut-Hirn-Schranke stabilisiert werden kann. Im neuen Forschungsprojekt, das von der DFG und der Stiftung „Forschung hilft“ gefördert wird, möchten wir nun in In-vitro- und In-vivo-Modellen untersuchen, wie wir mit einer völlig neuartigen endokrinen Kombinationstherapie die Blut-Hirn-Schranke gegen den Durchtritt von metastasierenden Brustkrebszellen abdichten können“, schildert die Biochemikerin Carola Förster. „Die im Rahmen einer selektiven endokrinen Therapie verabreichten Nanopartikel sollen an die geeigneten Subtypen von Östrogenrezeptoren auf der Blutgefäßwand und auf den metastasierenden Brustkrebszellen andocken. Mit der zusätzlichen Gabe von entzündungshemmenden und krebshemmenden Naturstoffen kann dieser Effekt sogar noch weiter verstärkt werden und damit das Einwandern der Krebszellen verhindert werden.“
Anti-metastatischen Therapie auf andere Krebsarten übertragen
Da sich die Blut-Hirn-Schranke als ein wichtiges Ziel bei allen Arten von Hirnmetastasen herauskristallisiert, werden die Ergebnisse der Untersuchungen möglicherweise von allgemeiner Bedeutung für die Prävention und Behandlung von anderen häufig in das Gehirn metastasierende Tumore wie Lungenkrebs oder schwarzen Hautkrebs sein. Mit der Identifizierung neuartiger Biomarker möchte das deutsch-japanische Team auch zu einer besseren Identifizierung von Risikopatientinnen und -patienten beitragen
Expertise aus Japan
Mit Prof. Dr. Shigehira Saji, Experte auf dem Gebiet der gynäkologischen Onkologie und Spezialist für die Entwicklung und Anwendung endokriner Therapien sowie Ko-Koordinator des Projekts, arbeitete Carola Förster bereits vor gut 20 Jahren gemeinsam am schwedischen Karolinska Institut an der Aufklärung der Funktion des Östrogenrezeptors beta Erβ in der Brustdrüsenentwicklung und ihrer Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs. Sein Fachwissen wird ergänzt durch erfahrene Neurochirurgen der Partneruniversität Nagasaki, Prof. Shiro Baba und Prof. Yoichi Morofuji, Morofuji ist zudem Försters translationaler Forschungspartner an der Blut-Hirn-Schranke. Da endokrine Therapien eine kardiale Dysfunktion hervorrufen können ist in der späteren Phase des Projekts, wenn die Übertragung in die Kliniken erfolgen soll, der interventioneller Kardiologe Prof. Nagai im japanischen Team, mit dem Förster ebenfalls eine fortlaufende wissenschaftliche Zusammenarbeit zum Thema Gehirn-Herz-Achse verbindet.
*www.krebsdaten.de (Zentrum für Krebsregisterdaten)
Erlangen, 16.11.2022 Studienteilnahmen sind für die Verbesserung und die Weiterentwicklung von Therapie- und Behandlungsstrategien zur Bekämpfung von Krebs ausschlaggebend. Dem Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) ist es gelungen, ein gemeinsames, zentrales Studienregister für Bayern zu entwickeln. Bisher wurde das Angebot an klinisch-onkologischen Studien in den jeweiligen Online-Registern der sechs bayerischen Universitätsklinika und deren Comprehensive Cancer Center (CCC) veröffentlicht. Durch die Bereitstellung des zentralen BZKF-Studienregisters wird die Vielzahl der onkologischen Studien in einer öffentlich zugänglichen Datenbank gebündelt. Krebspatientinnen und -patienten sowie behandelnde Ärztinnen und Ärzte in ganz Bayern haben nun die Möglichkeit, klinische Studien bayernweit online einzusehen.
Wissenschaftsminister Markus Blume betont zum Go-live des BZKF-Studienregisters: „Unsere Suchmaschine der Krebsforschung: Mit dem BZKF-Studienregister schafft Bayern eine einzigartige Datenbank und einen Navigator durch den Dschungel an Information im Bereich der Onkologie - zugänglich für alle! Alle bayerischen Unimedizin-Standorte sind mit an Bord und bringen ihre Expertise im Bayerischen Zentrum für Krebsforschung ein. So schaffen wir Transparenz und Zugang - das bringt uns in Therapie und Patientensicherheit in eine neue Liga und kann für die Betroffenen ein echter Lichtblick sein.“
Klinische Studien ermöglichen es, neue Therapien zu entwickeln oder zu verbessern, sowie die Auslöser von Krebserkrankungen noch besser zu verstehen. Aktuelle Studien zur eigenen Krebserkrankung zu kennen, ist daher für Betroffene von großer Bedeutung. Im neuen Online-Studienregister des BZKF können Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte ab sofort aktuelle onkologische Studien, deren Status sowie die Ansprechpersonen in den bayerischen Universitätsklinika und verbundenen Kliniken und Praxen einsehen. Durch die Stichwortsuche oder mithilfe von Filterfunktionen können Einrichtungen gefunden werden, die eine passende onkologische Studie an-bieten. Auch Studien zu unterstützenden Therapien, z. B. zur Behandlung von Nebenwirkungen oder für die psycho-onkologische Betreuung von Krebspatientinnen und -patienten, können eingesehen werden. Über die Teilnahme können Betroffene frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Studien können den Betroffenen neue Behandlungsmöglichkeiten und damit auch eine Chance zur Krankheitsbewältigung bieten. Bei der Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie werden Patientinnen und Patienten besonders engmaschig und intensiv betreut. Da jede Studie spezifische Ein- und Ausschlusskriterien hat, ist die Beteiligung meist nur für Patientinnen und Patienten in bestimmten Erkrankungssituationen möglich. Die Kriterien für eine Studienteilnahme sind im BZKF-Studienregister online einsehbar. Wann immer möglich unterstützt das BZKF dabei, Patientinnen und Patienten in klinische Studien an einen der BZKF-Standorte einzubringen.
Entwicklung des BZKF-Studienregisters
Mit dem BZKF entstehen erstmals nachhaltige, vernetzte Strukturen für eine Spitzenforschung mit Breitenwirkung für alle Krebspatientinnen und -patienten in Bayern. Das BZKF ist nicht nur die organisatorische Dachstruktur zur Durchführung früher klinischer Umsetzungsforschung, sondern integriert zudem die bereits vorhandenen Schwerpunkte und Verbünde und versorgt die Bevölkerung mit den neuesten Diagnostik-, Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten in allen Regionen Bayerns. Die geschaffene Struktur im Rahmen des BZKF macht es möglich, die Bündelung von Daten aus bestehenden Systemen der sechs Universitätsklinika vorzunehmen. Das BZKF hat als standortübergreifende Forschungseinrichtung mit dem zentralen Online-Register eine klare Vorreiterrolle übernommen. „Ohne klinische Studien kann keine Verbesserung der medizinischen Versorgung erreicht werden. Umso wichtiger ist es, dass für Patientinnen und Patienten der Zugang zu den Studienangeboten nun über das gemeinsame BZKF-Studienregister vereinfacht wird“, erklärt Prof. Dr. Claus Belka, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie und Mitglied im BZKF-Direktorium. Prof. Belka hat die Entwicklung des Studienregisters seit Projektbeginn aktiv mitgestaltet.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das bloße Wissen über die Möglichkeit, an klinischen Studien im Rahmen einer Krebsbehandlung teilzunehmen. „Viele Betroffene wissen nicht, was klinische Studien sind, wie und warum sie durch-geführt werden und wo sie sich diesbezüglich informieren können. Das BZKF-Studienregister ist ein großer Schritt, um diese Wissenslücken nach und nach zu schließen und Betroffenen die Angst und Skepsis gegenüber der Teilnahme an klinischen Studien zu nehmen“, macht Susanna Zsoter deutlich, die seit 2015 mit der Diagnose Darmkrebs lebt und für mehr Aufklärung über klinische Studien kämpft.
Aufbau einer zentralen IT-Infrastruktur
Den Mittelpunkt des geplanten BZKF-Datennetzwerkes, u. a. zur Unterstützung klinischer Studien, bilden die von der Medizininformatik-Initiative (MII) etablierten lokalen Datenintegrationszentren (DIZ). In diesen neuen Einrichtungen werden Forschungs- und Versorgungsdaten eines Universitätsklinikums gesammelt, wobei Datenqualität und Datenschutz eine wesentliche Rolle spielen. Die Zusammenführung der Daten aus der Patientenversorgung in den DIZ unterliegt den strengen Vorgaben der Datenschutzgesetze auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene.
Neue Entwicklungen am BZKF sollen es ermöglichen, neueste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schnell und effektiv direkt in innovative Diagnoseverfahren und Therapien der Patientenversorgung einzubringen. Die Zukunft der Krebsmedizin und -forschung ist nur im Verbund eines strukturierten Zentrums der Universitätskliniken entwicklungsfähig. Kerngedanke des BZKF ist es, spezielle Expertise und die dafür erforderlichen Infrastrukturen gezielt an einzelnen Standorten aufzubauen und für alle Standorte nutzbar zu machen. Das BZKF arbeitet daher stetig an weiteren Infrastrukturmaßnahmen, die nach der Fertigstellung flächendeckend implementiert werden sollen. So wird zum Beispiel an einem IT‐Datenmanagementsystem zur Sicherung von Behandlungsdaten innerhalb des BZKF gearbeitet. Das BZKF-Studienregister ist somit eine Facette einer bayernweiten IT-Infrastruktur für Patientinnen und Patienten.
Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)
Mit der Gründung des Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) im November 2019 wird das große Ziel verfolgt, allen Bürgerinnen und Bürgern in Bayern, ganz unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu bestmöglichen, neusten und innovativen Therapien zu ermöglichen. Mit dem Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika in Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten in München, Regensburg und Würzburg wird nicht nur die Krebsforschung gefördert, sondern auch Kompetenzen und Wissen zu den Themen Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Tumorerkrankungen gebündelt und zugleich Betroffenen eine flächendeckende und interdisziplinäre Versorgung angeboten. „Wir möchten uns als starkes Konsortium etablieren, das national wie international in der Krebsbekämpfung eine entscheidende Rolle spielt“, so Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor des BZKF. Neben der Entwicklung neuer Therapieverfahren gegen Krebs möchte das BZKF auch als Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger dienen. Das BürgerTelefonKrebs bietet unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 85 100 80 eine unkomplizierte Möglichkeit, sich individuell zu allen Fragen bezüglich einer Krebserkrankung beraten zu lassen.
Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF) - Pressemitteilung
Herr Rieger, Sie sind aktuell viel auf dem Campus mit dem Dienstrad zu sehen und führen u.a. viele Planungsgespräche mit den Kliniken. Wie wichtig ist dieser persönliche Austausch nach der langen Phase der Kontaktbeschränkungen, die teilweise ja noch andauern?
Rieger: Wir haben 2020 am UKW die Umstellung auf den digitalen Austausch hervorragend geschafft, aber natürlich: Der persönliche Kontakt schafft nochmal eine ganz andere Gesprächs- und Vertrauensbasis, im Idealfall auch mehr Verständnis füreinander. Natürlich muss ich als Kaufmännischer Direktor einen klaren Blick auf die Zahlen haben. Termine vor Ort helfen dabei, die Hintergründe hinter den Zahlen zu verstehen und einzuordnen. Das ist eine wichtige Basis für eine belastbare und verantwortungsvolle Investitionsplanung, an der wir gerade arbeiten.
Bei den aktuellen Gesprächen geht es auch um die strategischen Ziele des UKW, die nun in einem breiten Beteiligungsprozess neu geschärft wurden...
Rieger: Ja, genau. Und es freut mich sehr, dass sich so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen in den Strategieprozess eingebracht haben. Es ist sehr wichtig, dass diese strategischen Ziele auf einer breiten Basis entwickelt wurden, denn sie sind die wichtigen Eckpfeiler für die Entwicklung unseres Klinikums in den kommenden Jahren. Und es ist für mich dabei völlig normal, dass diese Ziele in ganz unterschiedlichen Stadien verfolgt werden: Manches bedarf noch einer grundlegenden Ausarbeitung und auch ggf. weiterer Konzepte, etwa wenn es um die Strukturen der Altersmedizin geht. Andere Projekte, z.B. im Themenfeld „Arbeitgeberattraktivität“ können nun bereits in einem nächsten Schritt konkretisiert und angegangen werden. Ich freue mich sehr auf diesen Prozess!
Die Rahmenbedingungen dafür sind natürlich herausfordernd: Wir befinden uns im dritten Jahr der Pandemie und die Folgen des Krieges gegen die Ukraine mit den Entwicklungen am Energiemarkt betreffen auch das UKW...
Rieger: Natürlich, auch damit beschäftigen wir uns intensiv. Aber zunächst möchte ich einen Schritt zurückgehen in der Betrachtung: Auch in diesem Jahr haben wir – trotz intensiver Corona-Sommerwelle und sehr hoher Belastung – unseren Versorgungsauftrag mit großem Einsatz sicherstellen können. Das ist eine enorme Leistung, die allen Kolleginnen und Kollegen sehr viel abverlangt hat. Das hat uns auch in der Kriseneinsatzleitung beschäftigt – und ich will auch an dieser Stelle meinen persönlichen Dank ausdrücken! Hier konnten wir erneut unsere Stärken als Uniklinik unter Beweis stellen. Das gilt ebenso die Versorgung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine: Hier haben viele Bereiche unseres Klinikums Außergewöhnliches geleistet und leisten es noch immer. Auf der anderen Seite stehen die Preissteigerungen, u.a. bei Energie und Gas. Wir gehen hier aktuell für 2021 von Mehrkosten in Höhe von rund sieben Millionen Euro aus. Alle Kliniken stehen gerade vor dieser Entwicklung. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert daher einen Inflationsausgleich und Hilfen für Krankenhäuser wegen der extrem gestiegenen Energiepreise. Sie hat die aktuelle Entwicklung Anfang September 2022 nochmals klar herausgearbeitet und deutlich an die Politik adressiert. Wir als UKW sind ein wirtschaftliches gesundes Klinikum, aber auch für uns ist dies ohne Ausgleichsmaßnahmen eine Herausforderung.
Auch abgesehen von den Kosten liegt es uns am Herzen, Energie zu sparen. Dabei können wir an unser bestehendes Energiemanagementsystem anknüpfen. In diesem Rahmen wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Aber natürlich können alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Beitrag leisten, wenn es darum geht, Energie zu sparen – so wie es viele Menschen ja derzeit auch im Privaten tun. Mit Blick auf die Größe des UKW können daher viele einzelne Beiträge hier im Ganzen viel leisten.
Blicken wir auf das Thema „Bauen“: Seit Juli 2022 liegt der Planungsauftrag für den 1. Bauabschnitt der Erschließung für das Erweiterungsgelände Nord vor. Damit können nun die Planungen für die Neubauten weiter vorangehen...
Rieger: Über diese Entscheidung und das Vertrauen des Freistaates freue ich mich natürlich sehr. Damit haben wir als UKW die Chance, uns baulich zu modernisieren, die Patientenversorgung spürbar zu verbessern und auch bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen. In den kommenden Wochen führt das Staatliche Bauamt als Bauherrenvertreter Nutzergespräche mit den Kliniken, die in den Neubau ziehen werden, und den beteiligten Verwaltungsbereichen. Diese Gespräche sind von enormer Bedeutung für das Projekt – auch wenn es noch dauern wird, bis die ersten Bagger rollen. Auch unsere strategischen Ziele fließen bestmöglich in die Planungen ein – das ist eine gewaltige Chance für das gesamte UKW. Daher ist nun ein optimaler Zeitpunkt gewesen, um unseren Strategieprozess in die nächste Umsetzungsstufe zu bringen, einen klaren Kurs zu haben und unsere Stärken nutzen. Ebenso wichtig für die zukünftige Entwicklung sind aber auch die weiteren Baumaßnahmen auf unserem Gelände: Der Neubau der Klinik für Strahlentherapie macht große Fortschritte, für den Neubau der Apotheke auf dem Altcampus liegt nun die Baugenehmigung vor und erste Arbeiten sind gestartet. Und auch beim Neubau eines eigenen Rechenzentrums gehen die Planungen voran – das ist ein wichtiger Baustein für die zukünftige IT-Entwicklung am UKW. Einen großen Schritt haben wir auch bei den Planungen für die neue Kita mit 110 zusätzlichen Betreuungsplätzen gemacht und mit der Diakonie einen starken Träger gefunden. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2025 vorgesehen. Das hilft uns dabei, auch zukünftig als attraktiver Arbeitgeber aufzutreten und unsere Stärken weiter auszuspielen. Daher bin ich – trotz aller bestehenden Herausforderungen – absolut optimistisch, dass wir diese Vielzahl von Projekten gemeinsam erfolgreich weiter voranbringen und umsetzen!
Zu guter Letzt: Stimmt es, dass Sie nun auch „komplett“ nach Würzburg gezogen sind?
Rieger: Ja, das stimmt! Ich hatte noch einen zweiten Wohnsitz in München. Den habe ich nun aufgegeben und bin seit diesem Sommer ausschließlich Würzburger – wenn auch nicht gebürtig, aber doch ganz „offiziell zugezogen“.
Das Interview führte Stefan Dreising.
Zur Person
Philip Rieger
geboren: September 1975 in Biberach
Frühere Stationen:
2016 – 2017: Kommissarischer Kaufmännischer Direktor am LMU Klinikum München
2013: Leiter der Personalabteilung am LMU Klinikum und Stellvertreter des Kaufmännischen Direktors
2012: Wechsel an das Klinikum der Universität München (KUM) als Referent des Vorstandes
2008 – 2012: Juristischer Beamter im Wissenschaftsministerium des Freistaates Bayern
2002 – 2008: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leopold-Wenger-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München
1995 – 2002: Studium der Rechtswissenschaften in Konstanz, Lyon/ Frankreich und Berlin
Auszug aus Klinikum & Wir 3/2022
Wenn die Bayernwerk AG mit dem bayerischen Wissenschaftsministerium als Partner ihre Kulturpreise verleiht, sind unter den Ausgezeichneten immer junge Forschende dabei. Denn die Preise werden auch in der Sparte „Wissenschaft“ vergeben, in der Regel für herausragende Promotionen.
Eine der Auszeichnungen für 2022 geht an Dr. Matthias Ryma aus der Würzburger Universitätsmedizin. Er erhält den mit 2.000 Euro dotierten Preis für seine Doktorarbeit, die er 2021 an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg abgeschlossen hat. Die Arbeit wurde schon zuvor ausgezeichnet, und zwar mit dem Preis für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Biomaterialien sowie mit dem Preis der Unterfränkischen Gedenkjahrstiftung für Wissenschaft.
Matthias Ryma hat seine preisgekrönte Doktorarbeit am Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde angefertigt. In der Arbeit hat er neue Technologien für die Biofabrikation entwickelt. „Meine Dissertation kann dabei helfen, künstlich funktionales Gewebe herzustellen. Eines Tages könnten so künstliche Organe produziert werden“, erklärt er.
Filigranes Gerüst für künstliche Blutgefäße
Bei der Biofabrikation werden menschliche Zellen mittels 3D-Druckverfahren auf Gerüststrukturen aufgebracht. Diese Konstrukte können dann zu künstlichen Geweben oder organartigen Gebilden weiterentwickelt werden. So bietet die Biofabrikation auch die Chance, Tierversuche zu ersetzen und krankes oder zerstörtes Gewebe zu regenerieren.
Dr. Ryma hat mit einem hochauflösenden 3D-Drucker filigrane Fasern aus einem speziellen Polymer hergestellt. Dieser in der Produktion aufwendige Ausdruck dient als winziges Gerüst, auf dem der Wissenschaftler im Labor naturgetreue Blutgefäßstrukturen herstellen kann. Das Besondere an dem eingesetzten Polymer: Es lässt sich gut im 3D-Drucker verarbeiten und es löst sich bei niedrigen Temperaturen in Wasser vollständig auf. Somit verschwindet es in einem künstlichen Gewebe, sobald die Temperatur gesenkt wird – zurück bleibt ein biomimetisches Mikrokanalnetzwerk, das den natürlichen Blutgefäßen ähnelt.
Den Kulturpreis bekam der Würzburger Forscher am 10. November 2022 bei einer Feier in München überreicht. Als eine Art „Pokal“ gab es dazu die Bronzestatue „Gedankenblitz“, geschaffen von dem Schwandorfer Bildhauer Peter Mayer. Den Ausgezeichneten gratulierte auch Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume.
Exzellentes Umfeld für Biofabrikation
Der Preisträger forscht und lehrt weiterhin am Würzburger Lehrstuhl. Hier ist er in ein exzellentes Umfeld eingebunden. Lehrstuhlleiter Professor Jürgen Groll, der Betreuer von Rymas Dissertation, ist einer der Pioniere der Biofabrikation.
Unter Grolls Federführung wurde an der JMU einer der weltweit ersten Master-Studiengänge für Biofabrikation eingerichtet. Der Professor sorgte auch dafür, dass hier 2016 die deutschlandweit erste Professur für Biofabrikation entstand.
Und die Entwicklung geht weiter. Auf dem Hubland-Campus der Universität wird derzeit das Center of Polymers for Life gebaut. In diesem neuen interdisziplinären Forschungszentrum werden Biofabrikation und Polymerforschung miteinander verknüpft. Dort wird auch das 2020 gegründete JMU-Institut für Funktionsmaterialien und Biofabrikation einziehen, eine gemeinsame Einrichtung der Fakultäten für Medizin und Chemie.
Kontakt
Dr. Matthias Ryma, Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde, T +49 931 31-80696, matthias.ryma@fmz.uni-wuerzburg.de
einBlick - Das Online-Magazine der Universität Würzburg vom 15.11.2022