Aktuelle Pressemitteilungen

Studieninfotag der Universität

Von Anglistik bis Zahnmedizin – mit einem Online-Studieninfotag am Dienstag, 8. März, will die Universität alle Studieninteressierten bei der Entscheidung für das richtige Studienfach unterstützen.

Geballte Informationen über die zahlreichen Studiengänge an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg gibt es beim Online-Studieninfotag am Dienstag, 8. März 2022. Studieninteressierte können von 8 bis 15 Uhr viele Eindrücke vom Studium sammeln. Die Teilnahme ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

Vorträge und offene Fragestunden

Die Vorträge des Infotags laufen über die Videoplattform Zoom. Viele Fachbereiche und zentrale Einrichtungen bieten zusätzlich offene Fragestunden an.

Von 15 bis 19 Uhr stellen Studienbotschafterinnen und Studienbotschafter ihre Studienfächer vor. Sie alle sind Studierende der JMU, die im Projekt uni@school über das Studium informieren, zum Beispiel bei Besuchen in Schulen. Das Projekt wird gefördert von der Bundesagentur für Arbeit und der Handwerkskammer Service GmbH. Die Botschafterinnen und Botschafter stehen auch an den zwei Tagen nach dem Studieninfotag online für Fragen bereit, also am Mittwoch und Donnerstag, 9. und 10. März, jeweils von 15 bis 19 Uhr.

Weitere Informationen findet man auf der Webseite des Online-Studieninfotags 2022. 

Hier erhalten Sie auch weitere Informationen zu Medizin und Zahnmedizin. 

Wer schon im Sommersemester 2022 an der JMU studieren will: Die Einschreibung für zulassungsfreie Studiengänge ist ab sofort bis zum Semesterstart am 25. April möglich. Mehr Informationen auf der Webseite der Uni unter wuestart.uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 1. März 2022

Würzburger Universitätsmedizin: Neuer Experte stärkt die Psychoonkologie

Als neuem Leiter des Schwerpunkts Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie am Uniklinikum Würzburg ist es Prof. Dr. Imad Maatouk wichtig, dass in der modernen Hochleistungsmedizin auch die psychische Gesundheit der Menschen und ihrer Angehörigen beachtet und gefördert wird.

Abbildung von Prof. Imad Maatouk
Prof. Dr. Imad Maatouk leitet den Schwerpunkt Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie an der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg. Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg

Seit Anfang November vergangenen Jahres hat Dr. Imad Maatouk die Professur für Medizinische Psychosomatik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) inne. In dieser Funktion leitet er auch den Schwerpunkt Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Würzburger Uniklinikums. Vor seinem Wechsel nach Unterfranken war er als Leiter verschiedener Psychotherapiestationen und der Sektion Psychoonkologie an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg sowie am dortigen Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen tätig.

Bisherige Karriere in Heidelberg

Geboren in Bad Homburg vor der Höhe und aufgewachsen in Dortmund, studierte Imad Maatouk ab dem Jahr 1999 Humanmedizin an der Georg-August-Universität Göttingen. Als sehr prägend empfand er zudem einen rund einjährigen Studienaufenthalt an der Université Réné Descartes in Paris. Dort beeindruckte ihn vor allem die starke, verantwortungsvolle Einbindung der Medizinstudierenden in die klinische Versorgung. „Schon vor Beginn des Studiums entwickelte ich ein großes Interesse an den Zusammenhängen zwischen psychischen, körperlichen und sozialen Gegebenheiten“, berichtet der Mediziner. Während seiner Hochschulzeit hätte er sich auch vorstellen können, Allgemeinarzt zu werden. Stattdessen schlug er den Ausbildungsweg zum Internisten ein, als er im Jahr 2007 als Assistenzarzt an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik in Heidelberg startete. Rotationen führten ihn dabei auch in die Kardiologie und Gastroenterologie.

Seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin ergänzte er im Jahr 2019 mit dem Erwerb des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. „In der Psychosomatik treffen sich meine Interessen“, erläutert Maatouk. Dabei ist ihm seine Stellung als ärztlicher Psychotherapeut wichtig: „Die internistische ärztliche Sozialisation ist im Umgang mit den Patienten und bei der Kommunikation mit den Behandelnden sehr hilfreich, da man das System kennt, dieselbe Sprache spricht und auch die Perspektive der Kollegen erlebt hat“, so der Professor.

Hauptthema: Psychische Belastungen und Erkrankungen bei Krebs

Ein Hauptthema im Schwerpunkt Psychosomatische Medizin an der Medizinischen Klinik II ist die Psychoonkologie. Ein Bereich, auf den er sehr gut vorbereitet ist – nicht zuletzt, weil hier die Heidelberger Klinik als seine vorherige Ausbildungs- und Arbeitsstelle eine bundesweite Vorreiterrolle einnimmt. „In der Psychoonkologie behandeln wir psychische und psychosomatische Erkrankungen einschließlich den Belastungen, die durch eine Krebserkrankung entstanden sind“, beschreibt der Experte und präzisiert: „Schon die Diagnose Krebs ist für alle Patientinnen und Patienten ein Schock. Hinzu kommen häufig auch Ängste.“ Verbreitet seien ferner Schuldgefühle, die sich bei der selbstgestellten Frage nach dem Grund der Erkrankung entwickeln können.

Nach seinen Erfahrungen sind viele Betroffene in der Lage, diese Herausforderungen und Krisen durch eigene Ressourcen und unterstützt von Familie sowie betreuenden Ärztinnen und Ärzten gut durchzustehen. Es gibt aber eine große Gruppe, die stärker belastet ist: Bei etwa einem Drittel der Krebspatientinnen und -patienten entsteht eine manifeste psychische Krankheit – meistens Angsterkrankungen oder Depressionen. „Diese brauchen eine intensivere psychotherapeutische Beratung und Behandlung“, unterstreicht Prof. Maatouk. Hierbei kommen auch Medikamente und Entspannungsverfahren zum Einsatz.

Gute Erfahrungen mit onlinebasierten Therapien

In vielen Fällen sei es wichtig, die psychoonkologischen Unterstützungsangebote zunächst möglichst niederschwellig zu gestalten. Maatouk: „Dazu gehören zum Beispiel die am Uniklinikum Würzburg bereits sehr gut etablierten Yoga- und Achtsamkeitskurse.“ Er selbst hat darüber hinaus gute Erfahrungen mit den von ihm und seiner Heidelberger Arbeitsgruppe in den letzten Jahren entwickelten onlinebasierten Therapien gemacht. Die digitalen Programme enthalten Module, welche die Patientinnen und Patienten für sich selbst bearbeiten können, kombiniert mit einer persönlichen Betreuung per Video oder über einen schriftlichen Austausch. „Für Menschen, die zunächst Hemmungen haben, mit jemanden aus dem ‚Psych-Fach‘ zu reden, kann das Online-Angebot auch ein Türöffner für folgende persönliche Gespräche sein“, weiß Prof. Maatouk. Er plant, ähnliche Programme auch in Würzburg ins Leben zu rufen.

Behandlung im stationären Rahmen, teilstationär und ambulant möglich

Er und das Team des Würzburger Schwerpunkts betreuen zum einen Patientinnen und Patienten während ihres stationären Aufenthalts in der Medizinischen Klinik II. Zum anderen ist auch eine ambulante und teilstationäre Betreuung möglich. Für letztere steht die von Prof. Maatouk geleitete Interdisziplinäre Psychosomatische Tagesklinik zur Verfügung. Diese wird von der Medizinischen Klinik II zusammen mit dem Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) betrieben. „Wir wollen die jetzt schon intensive Zusammenarbeit mit dem ZEP in Zukunft auch in anderen Bereichen noch weiter ausbauen“, kündigt der Schwerpunktleiter an. Ein weiterer wichtiger Partner ist für ihn das psychoonkologische Team des am UKW angesiedelten Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken. Insgesamt lobt der Neuzugang das aus seiner Sicht einzigartige kooperative Klima vor Ort: „Ich freue mich über die vielfältigen Anknüpfungspunkte und die große Offenheit, die der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie bisher an allen Stellen entgegengebracht wird. Würzburg ist ein idealer Standort, um die Psychosomatik als Teil der Hochleistungsmedizin gemeinsam mit den starken Partnern in die Zukunft zu führen.“

Neben den Krebspatientinnen und -patienten will Prof. Maatouk auch deren Angehörige verstärkt in den Blick nehmen. „Diese sind in ähnlicher Weise von psychischen Belastungen betroffen, nehmen aber zu einem wesentlich geringeren Anteil psychosoziale Unterstützung in Anspruch, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen“, berichtet der Schwerpunktleiter. Nach seinen Worten ist hier geplant, ein familientherapeutisches Angebot aufzulegen, das sich speziell auch um die Familien mit minderjährigen Kindern von Krebserkrankten kümmert.

Wichtige Forschungsbausteine

Unter den vielfältigen Forschungsschwerpunkten des Professors hat am UKW zunächst die psychoonkologische Versorgungsforschung oberste Priorität. In diesem Zusammenhang leitet er zum Beispiel die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte LIFT-Studie, welche die Versorgung bei krebsbedingter Fatigue untersucht. Weiterhin ist er Teilprojektleiter in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten ADDRESS-Verbund, der die psychosoziale Versorgung bei Krebsprädispositionssyndromen analysieren und verbessern will. „Diese Leuchtturmprojekte sind essentielle Bausteine für unser geplantes Nationales Centrum für Tumorerkrankungen“, unterstreicht Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW. Das sogenannte NCT WERA wird derzeit unter Federführung der JMU, des UKW und des CCC Mainfranken eingerichtet – im Verbund mit den Universitäten und Universitätsklinika in Erlangen, Regensburg und Augsburg. Prof. Einsele ist der Würzburger Standortkoordinator des neuen Centrums, das die Erforschung von Krebs vorantreiben und möglichst vielen Patientinnen und Patienten Zugang zu den neuesten Behandlungsmethoden verschaffen will.

Neben der Psychoonkologie ist Prof. Maatouk auch ein ausgewiesener Experte bei der Erforschung der Prävention psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz, speziell im Gesundheitswesen.

Gesundheits-Staatssekretärin Sabine Dittmar besucht Uniklinik Würzburg

Experten stellen Arbeit des Adipositas-Zentrums und spezielles Nachsorgeprogramm „ACHT“ vor

Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg.
Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg. Im Mittelpunkt standen neue Versorgungsformen in der Adipositas-Therapie. Foto: UKW/S. Dreising

Sabine Dittmar, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, besuchte am Freitag (25.02.) das Universitätsklinikum Würzburg. Sie informierte sich über die Arbeit des Adipositas-Zentrums an der unterfränkischen Uniklinik. Dort arbeiten Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen eng zusammen.

Das Adipositas-Zentrum, die Deutsche Stiftung für chronisch Kranke und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns stellten der Staatssekretärin speziell das Projekt „ACHT“ vor. Hier werden Patientinnen und Patienten in einem 18-monatigen Programm mit Unterstützung einer App, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Ernährungsberaterinnen und –beratern und Sportmedizinern engmaschiger und heimatnäher betreut, als es bisher in der Nachsorge möglich ist. „Hier arbeiten die verschiedenen Akteure eng und übergreifend zusammen. Davon profitieren die Patienten enorm“, so Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie am UKW.

Für die Patientinnen und Patienten stehen seit Beginn des vom Innovationsfonds geförderten Projektes u.a. Adipositas-Lotsinnen zur Verfügung. Sie sind Hauptansprechpartner und vermitteln zwischen den verschiedenen Akteuren. Die strukturierte Nachbetreuung von Patientinnen und Patienten nach einer Adipositas-Operation wird im Rahmen des Projektes an sechs bayrischen Adipositaszentren auf ihren Nutzen getestet. 

 

Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg.
Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg. Im Mittelpunkt standen neue Versorgungsformen in der Adipositas-Therapie. Foto: UKW/S. Dreising

Rare Disease Day: Zentren für Seltene Erkrankungen helfen den „Waisen der Medizin“

Der 28. Februar 2022 ist „Rare Disease Day“, der internationale Tag der Seltenen Erkrankungen. Jedes Jahr am letzten Tag des Februars machen Menschen mit Seltenen Erkrankungen auf ihre Anliegen, Nöte und besonderen Lebensumstände mit öffentlichkeitswirksame Aktionen aufmerksam.

In der Europäischen Union gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Da es aber mehr als 6.000 unterschiedliche seltene Erkrankungen gibt, ist die Gesamtzahl der Betroffenen trotzdem hoch. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa vier Millionen Menschen mit einer seltenen Erkrankung. Viele dieser Erkrankungen haben genetische Ursachen, sind schwer zu diagnostizieren und werden oftmals auch mit anderen Krankheitsbildern verwechselt. Außerdem sind häufig mehrere Organe betroffen, so dass die Patienten mit der gleichen Krankheit unter ganz verschiedenen Symptomen leiden können. Die meisten Betroffenen durchlaufen deshalb eine Odyssee im Gesundheitssystem, nur um eine eindeutige Diagnose zu bekommen.

“Ganz einsam sind diese sogenannten "Waisen der Medizin" aber nicht: Die Universitätskliniken haben in den vergangenen Jahren hochspezialisierte Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE) aufgebaut. Hier arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedenster Fachrichtungen zusammen, um ihren Patientinnen und Patienten die zeitintensive Zuwendung, aufwändige Spezialdiagnostik und innovativen Therapien zukommen zu lassen, die sie benötigen. Diese Zentren bündeln eine fachliche Vielfalt und Expertise, die es so nur an Universitätskliniken gibt“, sagt Professor Jens Scholz, 1. Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD).

Dr. Frank Wissing, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages (MFT) ergänzt: „Die Beiträge der Universitätsmedizin zur Erforschung und Behandlung der seltenen Erkrankungen sind unersetzlich. Zum einen, weil andere Anlaufstellen im Gesundheitssystem mit der Diagnose und Therapie der Erkrankungen oft überfordert sind, vor allem aber auch, weil nur hier die Versorgung der betroffenen Patientinnen und Patienten Hand in Hand mit intensiver Forschung zur jeweiligen Erkrankung geht.“

Rund 30 Zentren für Seltene Erkrankungen an den Universitätsklinika mit jeweils unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkten dienen den Patientinnen und Patienten und betreuenden Haus- und Fachärzten als Anlaufstellen für Diagnostik und spezielle Fragen der Therapie. Einen Überblick über die Versorgungsmöglichkeiten für Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Deutschland gibt der SE-Atlas unter: www.se-atlas.de. Hier finden Betroffene die Kontaktdaten aller ZSE in Deutschland.

Auf die Belange der Betroffenen macht auch die Kunstaktion „Selten Allein“ aufmerksam, die zum diesjährigen Tag der Seltenen Erkrankungen von den ZSE ins Leben gerufen wurde: https://www.seltenallein.de/ 

Kontakt:

Deutsche Hochschulmedizin e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stephanie Strehl-Dohmen/ Dr. Christiane Weidenfeld
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
E-Mail: strehl-dohmen@uniklinika.de; weidenfeld@ mft-online.de
www.deutsche-hochschulmedizin.de 

 

Pressemitteilung Deutsche Hochschulmedizin e.V. vom 25. Februar 2022

Die Medizinhistorischen Sammlungen der Universität Würzburg verfügen über viele Stücke, die an den Anatomen und Physiologen Albert von Kölliker (1817-1905) erinnern. Nun ist die Sammlung weiter gewachsen: Die Urenkelin des berühmten Mediziners hat der Medizinischen Fakultät drei Objekte aus Familienbesitz geschenkt.

Röntgenbild von Köllikers Hand

Einer der Neuzugänge ist ein Bild, das Wissenschaftsgeschichte geschrieben hat: Es ist eine Röntgenaufnahme von Köllikers Hand, versehen mit einer Widmung: „Herrn Geheimrath v. Kölliker mit vorzüglicher Hochachtung D. med Röntgen“.

Unter dem Rahmen des Bildes versteckt, steht eine Markierung: 1896/10 pap. „Sie beweist, dass es sich um einen Papierabzug von der Originalplatte handelt, mit der Wilhelm Conrad Röntgen 1896 vor der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft zu Würzburg erstmals die unbekannten Strahlen vorstellte, die er im Jahr zuvor entdeckt hatte“, sagt Privatdozentin Dr. Sabine Schlegelmilch, Leiterin der Medizinhistorischen Sammlungen. Albert von Kölliker plädierte in ebendieser Sitzung der Gesellschaft dafür, die unbekannten Strahlen nach Röntgen zu benennen und sie für medizinische Zwecke zu nutzen.

Prunkmappen zum Doktorjubiläum

Der zweite Neuzugang zur Würzburger Kölliker-Sammlung ist eine Prunkmappe mit Pergamenturkunde. Damit gratulierte die Anatomische Gesellschaft im Jahr 1891 Albert von Kölliker zu seinem 50. Promotionsjubiläum.

Auch das dritte Objekt aus dem Besitz von Köllikers Urenkelin ist eine Prunkmappe mit Pergamenturkunde zum 50. Doktorjubiläum. Sie stammt vom medizinischen Professorenkollegium der Universität Wien und datiert auf das Jahr 1892. In die Mappe eingelegt ist ein Bild Köllikers, womöglich die Fotografie eines Gemäldes.

Kölliker-Ausstellung in Planung

Die drei Objekte wurden inzwischen fachgerecht im Depot der Medizinhistorischen Sammlungen eingelagert. Hierzu musste vor allem die berühmte Aufnahme von Köllikers Hand behutsam aus dem alten, mit Metallnägeln und Verleimung fixierten Bilderrahmen gelöst werden.

Die Einzigartigkeit dieser Objekte sowie die auch sonst umfangreich vorhandenen Bestände zu Albert von Kölliker haben erste Überlegungen zu einer Ausstellung gedeihen lassen: Sie soll Köllikers Rolle in der Wissenschaft seiner Zeit illustrieren und in interdisziplinärer Kooperation der Medizinhistorischen Sammlungen mit den Fächern Museologie/Museumswissenschaft (JMU) und Ausstellungsgestaltung/Kommunikation (FHWS) entstehen.

Zur Person: Albert von Kölliker

Albert von Kölliker, 1817 in Zürich geboren, lehrte und forschte ab 1849 für mehr als 50 Jahre an der Universität Würzburg. Der Professor für Anatomie und Physiologie führte Mikroskopierkurse und andere Lehrformen ein, die damals neuartig waren. Dadurch wirkte er als „Studentenmagnet“ – und trug viel dazu bei, dass die Würzburger Universitätsmedizin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen enormen Aufschwung erlebte.

Kölliker gilt als Begründer der mikroskopischen Anatomie. Auf diesem Gebiet lieferte er viele wichtige Erkenntnisse über menschliche Zellen und Zellstrukturen. Auch seine Forschungen in der Gewebelehre können als Pionierleistungen eingestuft werden. Besonders seine Arbeiten zur Struktur von Muskelzellen und zur Beschaffenheit von Fettgewebe setzten Maßstäbe. Seine Ergebnisse fasste er 1852 im ersten Handbuch der Gewebelehre zusammen.

Bekannt in Würzburg und der Welt

Während seiner gesamten Würzburger Zeit genoss Kölliker ein sehr hohes Ansehen bei anderen Wissenschaftlern und Studenten. Mit dem Pathologen Rudolf Virchow, der von 1849 bis 1856 in Würzburg lehrte und forschte, verband ihn eine Freundschaft. Sie gründeten gemeinsam die Physikalisch-Medizinische Gesellschaft und prägten dadurch wesentlich das wissenschaftliche Umfeld in Würzburg.

Auch eine liberale Geisteshaltung verband die beiden großstädtisch geprägten Forscher – Kölliker kam aus Zürich, Virchow aus Berlin. Im katholischen Würzburg galten die beiden als politische Radikale, was ihr gutes persönliches Verhältnis noch zusätzlich förderte.

Albert von Kölliker erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen. Sein Wirken verschaffte der Würzburger Medizinischen Fakultät außerordentliche Bedeutung im Deutschen Reich. Mit der Adelung durch den Prinzregenten des Königreichs Bayern 1897 wurde sein Lebenswerk gekrönt.

 

Quellen

Medizinhistorische Sammlungen der Universität Würzburg 

Universitätsarchiv Würzburg

Pathologisches Institut der Universität Würzburg

Uniklinikum Würzburg: Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs zertifiziert

Am Uniklinikum Würzburg werden Frauen und Familien, bei denen genetisch bedingter Brust- und Eierstockkrebs auftreten kann, schon seit vielen Jahren in einem spezialisierten Zentrum beraten und betreut. Jetzt wurde die interdisziplinär arbeitende Einrichtung vom unabhängigen Institut OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft geprüft und erfolgreich zertifiziert.

In fünf bis zehn Prozent der Fälle von Brust- und Eierstockkrebs handelt es sich um Erkrankungen, die familiär gehäuft auftreten. Um die betroffenen Frauen kümmert sich am Uniklinikum Würzburg (UKW) schon seit dem Jahr 1996 gezielt das Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Im Januar dieses Jahres wurde die Einrichtung vom unabhängigen Zertifizierungsinstitut OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert.

Aufwändige Vorbereitung durchlaufen

„Obwohl sich unser Zentrum auf über fast drei Jahrzehnte lang gereifte Erfahrungen und Organisationsabläufe stützen kann, war die strukturierte Zertifizierung dennoch ein aufwändiger Vorgang, der eine sorgfältige Vorbereitung erforderte“, berichtet Privatdozentin Dr. Tanja Schlaiß. Als Koordinatorin des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs organisierte und leitete die Oberärztin der Frauenklinik von Seiten des UKW den Zertifizierungsprozess. Dessen Höhepunkt war ein zweitägiges Audit im November vergangenen Jahres. Hierbei überprüften zwei Auditoren der DKG die vorgegeben Kriterien vor Ort und sprachen danach die Empfehlung zur Zertifikatserteilung aus. 

Ein Beleg für Qualität und Engagement

„Der Erhalt des Zertifikats unterstreicht die Qualität und das Engagement unserer jahrelangen interdisziplinären Arbeit“, zeigt sich Prof. Dr. Achim Wöckel hochzufrieden. Der Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik fährt fort: „Patientinnen und Ratsuchende können sich jetzt auch mit einer unabhängigen Bestätigung sicher sein, dass sie an unserem Zentrum eine schnelle und fachlich fundierte Einschätzung zu einer familiären Ursache einer bereits bestehenden Erkrankung erhalten. Sie können ferner zuverlässig davon ausgehen, dass sie zu jeder Zeit über mögliche therapeutische Konsequenzen oder Früherkennungsmaßnahmen informiert werden.“ Nach den Worten des Klinikdirektors profitieren die Frauen zudem von der deutschlandweiten Vernetzung der Würzburger Einrichtung, wozu nicht zuletzt die Teilnahmemöglichkeit an multizentrischen Studien gehört. 

Individuelle Risikoermittlung, Beratung und Versorgung

Im Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs des UKW arbeiten Spezialistinnen und Spezialisten aus den Bereichen Frauenheilkunde, Humangenetik, Radiologie sowie Psychologie und Psychoonkologie aufs Engste zusammen. Durch die vereinte Sachkompetenz kann für Ratsuchende das individuelle Erkrankungsrisiko ermittelt werden. Auf dieser Basis beraten die Expertinnen und Experten sie gegebenenfalls über die Vorteile einer intensivierten Früherkennung der Brust und über die vorbeugende Entfernung der Eierstöcke und/oder des Brustdrüsengewebes. „Durch einen solchen vorbeugenden Eingriff kann in vielen Situationen eine Erkrankung verhindert werden“, betont Prof. Wöckel. 

Uniklinikum Würzburg: Lichtaktion und Filmwoche machen auf Seltene Erkrankung aufmerksam

Am 28. Februar 2022, dem Internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen, wird ein Gebäude des Uniklinikums Würzburg in bunten Farben beleuchtet. Außerdem informiert eine digitale Filmwoche über ausgewählte Seltene Erkrankungen.

Am Montag, den 28. Februar 2022 ist der Rare Disease Day, der Internationale Tag der Seltenen Erkrankungen. Der seit 2008 jährlich begangene Aktionstag will die Öffentlichkeit auf die Belange der von Seltenen Krankheiten Betroffenen aufmerksam machen. Eine der Maßnahmen dazu ist die weltweite Beleuchtungsaktion „Global Chain of Lights“ (auf Deutsch „Weltumspannende Lichterkette“), bei der öffentliche Gebäude in den Rare-Disease-Day-Farben Grün, Blau und Pink erstrahlen. Auch das Uniklinikum Würzburg (UKW) wird in diesem Jahr am letzten Februartag das gut sichtbare Gebäude C14 ab der Josef-Schneider-Straße entsprechend beleuchten. „Gerade in einer Zeit, in der die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Probleme der Corona-Pandemie fokussiert ist, ist es wichtig, die Herausforderungen in der Versorgung von Seltenen Erkrankungen nicht aus dem Blick zu verlieren“, sagt Prof. Dr. Helge Hebestreit. Der Direktor des im Dezember 2014 gegründeten und am UKW angesiedelten Zentrums für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern (ZESE Nordbayern) ist gleichzeitig der Stellvertretende Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik. 

Petition für eine bessere Finanzierung

Zu den Herausforderungen bei den Seltenen Erkrankungen zählt es nach seinen Worten, die Behandlung und Betreuung der rund vier Millionen Betroffenen in Deutschland zu finanzieren. „Deshalb unterstützen wir gerne die Petition, die sich für eine solide Finanzierung der bundesweit mehr als 30 Zentren für Seltene Erkrankungen durch die Krankenkassen einsetzt“, unterstreicht Prof. Hebestreit. Wer seine Stimme für die vom Universitätsklinikum Tübingen initiierte Petition abgeben will, kann dies unter www.ukw.de/zese/tagderseltenen22 tun. 

Videos zu diversen Erkrankungen

Als Mitglied des Würzburger Arbeitskreises Seltene Erkrankungen (WAKSE) beteiligt sich das ZESE Nordbayern auch an einer thematischen Filmwoche. Vom 28. Februar bis 6. März 2022 zeigt der WAKSE in Kooperation mit dem Aktivbüro der Stadt Würzburg Filme zu Seltenen Erkrankungen allgemein und zu verschiedenen Diagnosen. Zugriff auf die ausgewählten Online-Videos, die jeweils auch einen Bezug zu Würzburg haben, erhalten alle Interessierte unter www.wuerzburg.de/wakse. 

Über Seltene Erkrankungen 

Eine Erkrankung gilt als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10 000 Menschen das spezifische Krankheitsbild aufweisen. Nach dieser Definition gibt es etwa 8 000 Seltene Erkrankungen. Weltweit sind rund 300 Millionen Menschen von einer dieser Krankheiten betroffen. Für die meisten Erkrankungen gibt es noch keine Heilung. Sie verlaufen chronisch, gehen teilweise mit schweren geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen einher. Therapiemöglichkeiten sowie Expertinnen und Experten sind rar. Das stellt die Betroffenen und ihre Familien auch im Alltag vor große Herausforderungen.