Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Teilnehmende für Hirnforschungsstudie gesucht

Das Uniklinikum Würzburg sucht für eine neurowissenschaftliche Studie gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, mit modernen Technologien bislang verborgene Zusammenhänge zwischen Verhalten und Gehirnfunktion zu entdecken. Die Erkenntnisse könnten langfristig die Grundlage für bessere Therapien bei ADHS, Suchterkrankungen sowie weiteren psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen bilden.

„Die Rolle des Frontalkortex auf Verhaltensplanung (ROFKO)“ – so heißt eine aktuelle Studie am Zentrum für Psychische Gesundheit des Uniklinikums Würzburg (UKW). Durchgeführt wird sie von der Arbeitsgruppe „Experimentelle Neurowissenschaften in der Entwicklungspsychiatrie“ in Kooperation mit der Neuroradiologie und Neurologie des UKW. Der Arbeitsgruppenleiter, Prof. Dr. Lorenz Deserno, erläutert: „In der Studie untersuchen wir die Bedeutung einer bestimmten Hirnregion – des ventro-medialen präfrontalen Kortex – für die Fähigkeit, aus positiven und negativen Rückmeldungen zu lernen und Entscheidungen zu treffen. Dabei kombinieren wir Methoden der computationalen Neurowissenschaften mit modernen Bildgebungsverfahren, wodurch wir Zusammenhänge in Verhalten und Gehirnfunktion entdecken können, die bislang verborgen blieben.“ Studienarzt Dr. Hans-Christoph Aster ergänzt: „Wir erforschen damit die Grundlagen psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen, wie beispielsweise ADHS oder Suchterkrankungen. Auf lange Sicht könnten aus diesem Wissen bessere Therapiemöglichkeiten entwickelt werden.“

Einsatz von TMS und fMRT

Aktuell sucht das ROFKO-Forschungsteam noch weitere Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer. Sie sollten zwischen 18 und 40 Jahre alt sein sowie Rechtshänderinnen bzw. Rechtshänder. Außerdem müssen sie über gute Deutschkenntnisse verfügen. 

Während der insgesamt 180 bis 210 Minuten dauernden Studiensitzung wird bei ihnen mittels transkranieller Magnetstimulation (TMS) die Aktivität des Frontalkortex für einen kurzen Zeitraum beeinflusst. Anschließend spielen die Teilnehmenden zwei einfache Computerspiele, während gleichzeitig mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) die Aktivierungsmuster des Gehirns erfasst werden. 

Keine Gefährdungen durch die eingesetzten Verfahren 

„Beide Verfahren, TMS und fMRT, werden seit Jahrzehnten klinisch routiniert eingesetzt und gelten auch für die Anwendungen in der Forschung als sicher. Es sind keine langfristigen Gefährdungen oder Risiken bekannt“, betont Dr. Aster. 

Pro Stunde wird eine Vergütung von zehn Euro gezahlt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bei den während der Messung absolvierten digitalen Spielen kleinere Geldbeträge zu gewinnen. Last but not least können die Probandinnen und Probanden die MRT-Bilder ihres Gehirns auf Wunsch mit nach Hause nehmen. 

Wer mehr über die Studie erfahren oder sich anmelden möchte, kontaktiert Dr. Aster unter E-Mail: Aster_H@ ukw.de 

Uniklinikum Würzburg: Kinderklinik und Kinderchirurgie erneut mit Gütesiegel ausgezeichnet

Die Kinderklinik und die Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg erhielten kürzlich erneut das Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. Das in zweijährigem Rhythmus vergebene Zertifikat bescheinigt hohe Qualitätsstandards bei der stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen.

Die in der Kinder- und Jugendmedizin Tätigen wollen die Qualität der stationären Behandlung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erhalten und möglichst noch weiter verbessern. Vor diesem Hintergrund vergeben die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V., die Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie in zweijährigem Rhythmus das Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. Jetzt stand die Vergabe für die Periode 2022/2023 an. Wie schon in den letzten fünf Gültigkeitsperioden sind die von Prof. Dr. Christoph Härtel geführte Kinderklinik und die von Prof. Dr. Thomas Meyer geleitete Abteilung für Kinderchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) wieder unter den damit zertifizierten Einrichtungen.

Eine Bewertungskommission bestätigte erneut, dass die beiden Einrichtungen ausnahmslos alle Standards für die multiprofessionelle und interdisziplinäre Versorgung erfüllen. Dazu gehören nicht nur eine kontinuierliche fachärztliche Besetzung und ein speziell qualifiziertes Pflegeteam, sondern auch psychologische, sozialmedizinische, pädagogische und medizinisch-therapeutische Angebote. 

Das leisten Kinderklinik und Kinderchirurgie am Uniklinikum Würzburg

Die Würzburger Kinderklinik und Poliklinik ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit dem gesamten Leistungsspektrum der Kinderheilkunde. Zu den Schwerpunkten zählen unter anderem die Früh- und Neugeborenenmedizin (Level 1), die Pädiatrische Intensivmedizin, die Onkologie inklusive Stammzelltransplantation, die Hämatologie, die Pneumologie, die Entzündungsmedizin einschließlich Immunologie, Infektiologie und Rheumatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Neuro- und Sozialpädiatrie sowie weitere Spezialdisziplinen.

Die Kinderchirurgie am Zentrum für Operative Medizin (ZOM) des UKW bietet das gesamte Spektrum der kinderchirurgischen Versorgung von der ersten Lebensminute bis zum vollendeten 16. Lebensjahr an. Schwerpunkte der Kinderchirurgie sind – neben der allgemeinen kinderchirurgischen Versorgung – die Neugeborenen- und Fehlbildungschirurgie, die Kinderurologie sowie die Kindertraumatologie.

Gütesiegel als Orientierungshilfe für Eltern

Nach Angaben der Fachgesellschaften wünschen sich Eltern und Angehörige die bestmögliche stationäre Versorgung ihres kranken Kindes. Dabei seien das Gütesiegel und die Veröffentlichung unter www.ausgezeichnet-fuer-kinder.de eine hervorragende Orientierungshilfe bei der Suche nach einer Qualitäts-Kinderklinik. 

Neueste Trends in der Humangenetik

Vom 16. bis 18. März 2022 findet in Würzburg die 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik statt. Im Mittelpunkt stehen neueste Technologien und die Frage, wie diese sinnvoll eingesetzt werden können.

Nach zwei Jahren „Corona-Zwangspause“ treffen sich zum ersten Mal wieder live Humangenetikerinnen und -genetiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Congress Centrum Würzburg vom 16. bis 18. März 2022. Die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik lädt Naturwissenschaftler und Mediziner zu einem hochkarätigen Programm mit internationalen Koryphäen des Faches zum wissenschaftlichen Austausch ein. Tagungspräsident ist Professor Thomas Haaf vom Institut für Humangenetik der Universität Würzburg.

Fachlicher Austausch über viele Fragen

Das jährliche Treffen bietet Humangenetikern, die in Forschung, Krankenversorgung und Lehre tätig sind, die Möglichkeit, sich fachlich auszutauschen. Im Mittelpunkt stehen neueste Technologien und die Frage, wie diese sinnvoll eingesetzt werden können. Wann sollte man darüber nachdenken, ob eine genetisch bedingte Erkrankung oder Krebsprädisposition vorliegt? Welche Vorhersagen erlaubt die epigenetische Uhr, die in uns allen tickt? Welche Herausforderungen bringen die neuen Technologien für Ärzte und Ratsuchende? Gibt es sinnvolle Anwendungen der Künstlichen Intelligenz für die frühzeitige Erkennung von seltenen Erkrankungen? Welche Mechanismen führen zur Entstehung von seltenen monogenen und häufigen oft multifaktoriell bedingten Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Herz-Kreislauf- oder neurodegenerativen Erkrankungen?

Netzwerken ist wichtig bei seltenen Erkrankungen

Netzwerken unter Humangenetikern ist gerade bei seltenen Erkrankungen eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiche Forschung. Deshalb berichten Experten über ihre Erfahrungen mit den neuen europäischen Referenznetzwerken, es wird um Zentren für seltene Erkrankungen gehen, um die zentralen Rahmenbedingungen und die zukünftige Gestaltung der Genetischen Beratung.

In Pro & Contra-Sessions gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Frage danach, wie die Genetische Sprechstunde in der Zukunft aussehen wird und welche Möglichkeiten es für eine gemeinsame Genomdatennutzung geben kann.

Nachwuchskräfte aus Medizin und Naturwissenschaften sind überdies eingeladen, an der Veranstaltung zur Weiterbildung und an den Aktivitäten der Jungen Akademie teilzunehmen.

Das ausführliche Tagungsprogramm

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Haaf, Institut für Humangenetik, Universität WürzburgT: +49 931 31-88738,  thomas.haaf@uni-wuerzburg.de Dr. Christine Scholz, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik

T: +49 89 55027855;  organisation@ gfhev.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 15. März 2022

Neue Wirkstoffe gegen Krebs

Wissenschaftler der Universität Würzburg arbeiten an der Entwicklung neuer Medikamente gegen Krebs. Dazu haben sie jetzt eine Starthilfe von 500.000 Euro erhalten, mit der zukünftig ein Unternehmen gegründet werden soll.

In der Theorie klingt der Ansatz ganz einfach: Man suche sich ein Protein, das Krebszellen zum Überleben zwingend benötigen, und entwickle einen Wirkstoff, der die Zerstörung dieses Proteins in die Wege leitet – fertig ist das perfekte Krebsmedikament.

Dass dieser Ansatz im Prinzip funktioniert, hat ein Forschungsteam der Universität Würzburg bereits bewiesen. Weil die Umsetzung in die Praxis jedoch nicht ganz so einfach ist, wie es sich anhört, und weil dies dazu den Rahmen eines typischen Forschungsprojekts in einem Universitätslabor sprengen würde, haben die Beteiligten jetzt eine Unternehmensgründung in Angriff genommen. Im Rahmen der GO-Bio initial-Fördermaßnahme unterstützt sie das Bundesforschungsministeriums auf diesem Weg mit rund 500.000 Euro.

Klinischer Misserfolg nach positiven Ergebnissen im Labor

„Wir konzentrieren uns auf das sogenannte Aurora-A Protein – eine Proteinkinase und ein vielversprechender Angriffspunkte in der zielgerichteten Krebstherapie“, erklärt Elmar Wolf, Professur für Tumorsystembiologie am Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Frühere Studien haben gezeigt, dass in vielen Tumoren Aurora quasi den Startschuss für eine Krebserkrankung gibt und damit einer der Hauptverantwortlichen für die Entwicklung von Leukämien und vielen Kindertumoren wie beispielsweise Neuroblastomen ist.

Kein Wunder, dass weltweit intensiv nach einem Stoff gesucht wird, der Aurora ausschalten und die Krebszellen an ihrer ungebremsten Vermehrung hindern kann. Der Erfolg dabei hielt sich bislang jedoch in Grenzen: „Fast alle großen Pharmafirmen haben sogenannte Kinase-Inhibitoren für Aurora-A entwickelt. Fast alle klinischen Studien mit diesen Inhibitoren waren nicht erfolgreich“, erklärt Elmar Wolf.

Kleine Moleküle führen den Krebsauslöser zum Schredder

Elmar Wolf ist davon überzeugt, den Grund für dieses Scheitern zu kennen: „Wir und andere konnten zeigen, dass Aurora-A in Krebszellen wichtige Kinase-unabhängige Funktionen hat, die sich durch diese Inhibitoren nicht hemmen lassen“, sagt er. Wer Aurora-A stoppen will, muss also nicht nur dessen Kinase-Funktion blockieren, sondern das Protein komplett zum Verschwinden bringen. Den entsprechenden Wirkstoff soll im Rahmen der Go-Bio initial-Fördermaßnahme und dem zu gründenden Unternehmen entwickelt werden.

Die Wissenschaftler setzen dafür auf sogenannte PROTACs (proteolysis targeting chimeras). Bei ihnen handelt es sich um kleine Moleküle, die an Zielproteine binden und diese der zellulären Abbaumaschinerie – einer Art „Schredder“ im Zellinneren – zuführen. Für Aurora-A haben Wolf und sein Kollaborationspartner, Professor Stefan Knapp von der Goethe-Universität Frankfurt, das entsprechende Molekül vor ein paar Jahren entwickelt. JB170 – so dessen wissenschaftlicher Name – ist eines der ersten Moleküle der PROTAC-Substanzklasse, das in Deutschland hergestellt wurde. Mit zahlreichen weiteren PROTAC-Molekülen in der Entwicklung gehören die Teams aus Würzburg und Frankfurt zu Europas führenden akademischen Arbeitsgruppen auf diesem Feld.

Machbarkeitsstudien stehen am Anfang

„Die bisherigen Ergebnisse mit JB170 als neuer therapeutischer Strategie sind sehr vielversprechend und interessant“, sagt Wolf. Auf dem Weg zur Kommerzialisierung seien jedoch noch entscheidende Experimente zu machen, die eine Machbarkeit eindeutig belegen. Dank der Go-Bio Initial-Förderung sei dies jetzt möglich.

Zwei Jahre wird diese Machbarkeitsphase vermutlich dauern; ein marktreifes Produkt wird dann allerdings noch nicht in den Apothekenregalen liegen. „Nach Ende der Machbarkeitsphase im Jahr 2023 planen wir etwa drei Jahre für weitere Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit und für die Optimierung des Herstellungsprozesses und der Formulierung“, sagt Wolf. 2026 könne dann mit klinischen Studien und dem Zulassungsverfahren begonnen werden. Mit dem Markteintritt sei im Erfolgsfall zwischen 2030 und 2032 zu rechnen.

Falls es tatsächlich gelingt, JB170 zu einem Medikament weiterzuentwickeln, geht Wolf von einer breiten Einsetzbarkeit aus. „Wir haben die Wirkung von JB170 bislang mit großem Erfolg in Leukämie- und Lungenkarzinomzellen nachweisen können. Darüber hinaus legen etliche Studien anderer Arbeitsgruppen nahe, dass Tumoren des Darms, der Brust und der Leber ebenfalls stark von der Funktion des Aurora-A Proteins abhängen“, sagt Wolf.

Unterstützung vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer

Große Unterstützung erfährt das Team auf seinem Weg zur Ausgründung auch vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT) der Universität Würzburg. „Dort hatten wir mit Frau Dr. Iris Zwirner-Baier eine höchst kompetente Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund um die Sicherung der Patentrechte an JB170 und Wege in die Gründung“, sagt Elmar Wolf.  Durch die intensive Unterstützung habe sie maßgeblich zur erfolgreichen Einwerbung der Go-Bio-Förderung beigetragen.

Kontakt

Prof. Dr. Elmar Wolf Elmar, Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie, T: +49 931 31-83259, elmar.wolf@ biozentrum.uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 15. März 2022

Fast 200 Orchideen am Uniklinikum Würzburg umgesiedelt

Bevor bei einem Bauprojekt auf dem Luitpold-Campus des Uniklinikums Würzburg die Bagger rollen, wurden 191 Pflanzen einer geschützten Orchideenart an einen anderen Standort verpflanzt.

Das Gebäude D20 des Uniklinikums Würzburg – die ehemalige Medizinische Klinik aus dem Jahr 1921 – soll ab dem Herbst 2022 umgebaut werden. Ziel ist es, nach Fertigstellung das Anatomische Institut aus der Würzburger Innenstadt hierher, auf den Luitpold-Campus im Stadtteil Grombühl, zu verlagern. Zu den dafür erforderlichen Maßnahmen gehört der Abbruch des einstigen Zentrallabors der Klinik, das sich im Innenhof des Gebäudes befindet. Der Labortrakt aus den frühen 1980er Jahren liegt größtenteils unter der Erde. Ein Teil des Daches dient als Parkplatz, der Rest ist intensiv begrünt. Eine aufmerksame Ärztin des Klinikums teilte vor etwa zwei Jahren dem für die Baumaßnahme verantwortlichen Staatlichen Bauamt Würzburg mit, dass sich unter den Pflanzen des Gründaches auch geschützte Orchideen befänden. Und tatsächlich: Die daraufhin vom Bauamt eingeschaltete Diplom-Biologin Renate Ullrich vom Würzburger Umweltbüro Fabion bestätigte ein Vorkommen der heimischen Orchideenart Bienenragwurz (lateinisch Ophrys apifera). 

Bienenragwurz stark gefährdet

„Die Bienenragwurz ist nach der Bundesartenschutzverordnung gesetzlich besonders geschützt. Die Rote Liste gefährdeter Gefäßpflanzen führt sie bayernweit als ‚stark gefährdet‘ und regional als ‚gefährdet‘“, schildert Ullrich und fährt fort: „Eine Umsiedlung dieser Pflanzen vor Beginn der Baumaßnahme ist nach Gesetzeslage zwar nicht verpflichtend, aufgrund der starken Gefährdung und der großen Außenwirkung von Orchideen allerdings ratsam.“ 

Das Staatliche Bauamt Würzburg folgte diesem Rat und beauftragte im nächsten Schritt die Biologin mit der Markierung der Orchideen. Ende Februar 2022 stattet sie jede der zu dieser Jahreszeit recht unscheinbaren Blattrosetten mit einem Holzstäbchen aus. Am Ende fanden sich auf dem rund 480 qm großen Areal 191 der schützenswerten Pflanzen. 

An einen „geheimen“ Ersatzstandort gebracht

Mitte März rückten dann Beschäftigte eines Gartenbauunternehmens an, die die Bienenragwurze behutsam ausgruben und an einem vorher für die Knollengeophyten speziell hergerichteten Ersatzstandort wieder einpflanzten. „In den kommenden Monaten werden die Gärtnerinnen und Gärtner zudem das Anwachsen durch eine extensive Pflege weiter unterstützen“, weiß Renate Ullrich. Der neue Standort der Schützlinge wird bewusst nicht veröffentlicht, da es leider immer wieder rücksichtslose Zeitgenossen gibt, die geschützte wilde Orchideen ausgraben, um sie in ihren Garten zu setzen oder zu verkaufen.

Behutsamer Umgang auch mit der historischen Bausubstanz

Nach dem Abbruch des ehemaligen Zentrallabors werden im Innenhof zwei kleinere Gebäude für die Haustechnik des Anatomischen Instituts errichtet. Bei dem ansonsten denkmalgeschützten Gebäude D20 bleibt die historische Bausubstanz soweit wie möglich erhalten. Das betrifft vor allem die im Neobarock gestalteten Fassaden und die durch Jugendstilelemente geprägten Treppenhäuser.

Uniklinikum Würzburg: Studie evaluiert Anästhesie-Monitoring per Datenbrille

Wie praktikabel ist es für Anästhesie-Supervisorinnen und-Supervisoren, die Vitalparameter von mehreren Patientinnen und Patienten über eine Datenbrille gleichzeitig im Blick zu haben? Das soll derzeit in einer gemeinsamen Studie des Uniklinikums und der Uni Würzburg ermittelt werden.

Bei Eingriffen in den sechs von der Urologie und der Unfallchirurgie genutzten Operationssälen des Uniklinikums Würzburg (UKW) ist für die anästhesiologische Behandlung einer jeden Patientin oder eines jeden Patienten jeweils mindestens eine Anästhesistin oder ein Anästhesist im OP-Saal zuständig. Die hierbei eingesetzten Assistenzärztinnen und -ärzte werden von einer Fachärztin oder einem Facharzt der Klinik für Anästhesiologie unterstützt. Da diese Supervisorinnen und Supervisoren nicht in allen OP-Sälen gleichzeitig sein können, werden die Vitalparameter der Patientinnen und Patienten zu einer stationären Zentrale übertragen. „Dort haben unsere erfahrenen Kolleginnen und Kollegen also einen visuellen Gesamtüberblick“, berichtet Dr. Oliver Happel. Der Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie fährt fort: „Sobald sich eine Supervisorin oder ein Supervisor jedoch in einen OP-Saal begibt, ist sie oder er nur noch per Telefon mit den anderen Sälen verbunden – die dortigen Vitalparameter hat sie oder er dann nicht mehr vor Augen, sondern ist auf mündliche Informationen angewiesen. Der hierbei mögliche Informationsverlust kann verschiedene Restrisiken mit sich bringen.“

Daten und Alarme in Augmented Reality

Um hier eine Alternative zu schaffen, arbeitet die Klinik für Anästhesiologie schon seit längerem mit dem Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie am Institut für Mensch-Computer-Medien der Uni Würzburg zusammen. Gemeinsam entwickelten sie eine Applikation, die es ermöglicht, den Supervisorinnen und Supervisoren die Informationen aus mehreren Sälen per Head-Mounted-Display (HMD) auch mobil zu zeigen. Das HMD ist in diesem Fall eine Augmented-Reality-Brille, welche die Daten und gegebenenfalls Alarme virtuell vor die Augen ihrer Trägerin oder ihres Trägers projiziert, ohne sie oder ihn visuell von der Außenwelt abzuschirmen. Während die Technologie des kommerziell verfügbaren HMD und die Applikation an sich bereits erprobt sind, liegen noch keine Nutzererfahrungen über einen längeren Einsatzzeitraum im Krankenhausalltag vor. Diese sollen jetzt in einer seit Dezember 2021 am UKW laufenden Studie ermittelt werden. 

Jeweils zehntägiger Erprobungszeitraum

Dr. Happel erläutert: „Wir statten immer eine Supervisorin oder einen Supervisor für rund zehn Tage mit einer Augmented-Reality-Brille aus. An einzelnen Tagen begleitet eine Doktorandin die Anwenderin oder den Anwender und beobachtet das Trage- und Nutzerverhalten. Am Ende der zehn Tage findet zusätzlich ein umfangreiches Interview statt.“ Dabei geht es um qualitative Fragen zu den individuellen Erfahrungen: Wie war der Tragekomfort der Brille? Wie verträglich war die Augmented Reality? Wo hat das neue System geholfen, wo eher gestört? 

Neben den teilnehmenden acht Supervisorinnen und Supervisoren werden auch die betreuten Junior-Anästhesistinnen und -Anästhesisten über ihre Erfahrungen befragt. 

Die neben Dr. Happel auch von Dr. Tobias Grundgeiger vom Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie geleitete Studie läuft noch bis April dieses Jahres, dann beginnt die Auswertung. 

Wie Darmbakterien zum Kampf gegen Krebs beitragen

Maik Luu erhält für seine Forschung zu Stoffwechselprodukten von Darmbakterien, die Immunzellen effizienter für die Vernichtung von Krebszellen machen, ein Stipendium der Universität Würzburg und der Novartis Stiftung für therapeutische Forschung

Das Bild zeigt Postdoc Maik Luu und Dekan Matthias Frosch
Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg überreicht Dr. Maik Luu das Graduiertenstipendium der Stiftung für therapeutische Forschung. © Margot Rössler/UKW

Drei Jahre lang durfte die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg jährlich eine junge Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler für das Graduiertenstipendium der Novartis Stiftung für therapeutische Forschung nominieren. Nach Dr. Lisa Rauschenberger, die neurologische Bewegungsstörungen erforscht, und Dr. Florian Kleefeldt, der die Altersbedingte Gefäßverkalkung untersucht, darf sich nun Dr. Maik Luu über die mit 8.000 Euro dotierte Auszeichnung freuen. Der Postdoc im Labor von Professor Michael Hudecek in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Würzburger Universitätsklinikums hat im vergangenen Jahr mit einer herausragenden Publikation in der Fachzeitschrift Nature Communications auf seine Arbeit aufmerksam gemacht. Mit einem Forschungsteam aus Würzburg und Marburg, wo der Humanbiologe studiert und gearbeitet hat, ist ihm erstmals der experimentelle Nachweis gelungen, dass bestimmte Stoffwechselprodukte von Darmbakterien die Aktivität der Immunzellen steigern und somit die Effizienz von Krebstherapien positiv beeinflussen. 

Fettsäuren steigern Aktivität der Immunzellen


Seit der Jahrtausendwende rücken die Billionen von Bakterien, die jeder Mensch im Darm hat, immer stärker in den Fokus der Medizinforschung. Denn sie beeinflussen nicht nur die Verdauung, das Darmmikrobiom kann auch Krankheiten verhindern. So produziert zum Beispiel das Bakterium Megasphaera massiliensis im menschlichen Verdauungstrakt die kurzkettige Fettsäure Pentanoat, wie Maik Luu herausgefunden hat. Und die ist in der Lage, die zytotoxische Aktivität von CD8-T-Zellen zu steigern. CD8-T-Zellen haben ähnlich wie CAR-T-Zellen als Teil des Immunsystems die Aufgabe, schädliche Zellen auszuschalten. Luu konnte im Experiment zeigen, dass eine Behandlung mit der Fettsäure Pentanoat die Fähigkeit von Tumor-spezifischen T-Zellen verbessert hat, solide Tumormodelle zu bekämpfen. 

„Diese Erkenntnis kann helfen, verschiedene Krebstherapien noch wirksamer zu machen“, kommentiert Prof. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, Luus Nominierung. „Ich freue mich sehr, dass wir in Würzburg so überragend begabte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wie Maik Luu haben, die dazu beitragen, mit der permanenten Weiterentwicklung von Immuntherapien den Kampf gegen Krebs zu verbessern. Vor allem in der Erforschung, Anwendung und Ausweitung der CAR-T-Zell-Therapie arbeitet der Würzburger Wissenschaftsstandort seit vielen Jahren in der Weltelite mit.“