Aktuelle Pressemitteilungen

Trinkwasserkontamination durch Enterokokken betrifft auch den Klinikbereich A des UKW

Maßnahmen wurden durch das Universitätsklinikum bereits eingeleitet

Bei der wiederkehrenden Trinkwasseruntersuchung durch die WVV wurde heute eine Kontamination des Trinkwassers mit Enterokokken nachgewiesen. Betroffen ist das Trinkwasser im Versorgungsbereich des Hochbehälters Grombühl 2 mit den zugeordneten Stadtteilen Lengfeld, Lindleinsmühle, Versbach, Grombühl und Ober- / Unterdürrbach und der Gemeinde Estenfeld.

Am Standort des Universitätsklinikums Würzburg versorgt der Hochbehälter den Klinikbereich A (ZOM|ZIM, DZHI, Wohnheime, Berufsfachschulen, Biobank, Schmerzzentrum/ECTU - siehe Lageplan).

Alle anderen Bereiche des Uniklinikums sind nicht betroffen.

Das Universitätsklinikum hat für diesen betroffenen Klinikbereich bereits differenzierte Maßnahmen zum Schutz seiner Patient*innen und Beschäftigten abgestimmt und in die Wege geleitet.  

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.wvv.de/trinkwasser/

Seifenmoleküle öffnen Proteinkanäle aus der Bakterienmembran

Ein Würzburger Forschungsteam zeigte, dass bestimmte Kanalproteine in Bakterien durch Seifenmoleküle reversibel geöffnet werden. Die Kanäle sind für die Medizin interessant, da sie zu den Abwehrmechanismen von Bakterien gehören.

Bakterien nutzen spezielle Kanalproteine durch die sie Flüssigkeit und Ionen aus der Zelle schleusen können, um sich im Notfall vor dem Platzen zu schützen. Die Forschungsgruppe um Professorin Bettina Böttcher vom Rudolf-Virchow-Zentrum - Center for Integrative and Translational Bioimaging (RVZ) der Universität Würzburg entdeckte nun, dass bestimmte Fettmoleküle (Lipide), welche die bakterielle Membran aufbauen, den Öffnungsmechanismus steuern. Da auch schädliche Bakterien diesen Schutzmechanismus anwenden, ist es relevant die zugrundeliegenden Mechanismen zu kennen.

Abgewaschene Lipide führen zur Öffnung

Bekannt war bisher, dass die mechanische Spannung der Membran, in der die Kanalproteine eingebettet sind, über „Fühler“ von den Proteinen gemessen wird und bei großer Spannung zur Öffnung der Kanäle führt. Böttcher und ihre Gruppe zeigten jetzt, dass auch Lipide die sich an Falten und Taschen des Proteins anlagern, eine wichtige Rolle bei der Steuerung spielen. Dazu behandelten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Proben, in denen die Proteine ohne umgebende Membran vorlagen, mit unterschiedlichen Seifenlösungen. „Die Seifenmoleküle waschen die angelagerten Lipide langsam ab, es kommt zu Strukturveränderungen und die Kanäle öffnen sich. Werden wieder mehr Lipide dazu gegeben, dann kehrt sich der Vorgang um und die Kanäle schließen sich wieder“, erklärt Böttcher.

Studentinnen werden Mitautorinnen der Studie

Eine Besonderheit dieser Studie ist die enge Verknüpfung von Forschung und Lehre. Die Studierenden des Praktikums „Elektronenmikroskopie und Bildverarbeitung“ des letzten Jahres nahmen die Messungen an den forschungsrelevanten Proben vor und trugen so maßgeblich zu der Veröffentlichung bei. „Die Verknüpfung von Lehre und Forschung ist nicht immer leicht, da die forschungsrelevanten Proben aufwendiger in der Vorbereitung und risikoreicher in der Untersuchung sind als typische Proben, die für Praktika verwendet werden“, stellt Böttcher klar. Julia Halang, eine der Studierenden, erzählt begeistert: „Das Praktikum hat mir einen Einblick in die Elektronenmikroskopie geboten, den ich anders nie erhalten hätte. Dabei durften wir bei der Probenvorbereitung bis hin zur Bildaufnahme und der Prozessierung alles durchführen. Dafür bin ich sehr dankbar!“

Publikation

Vanessa Judith Flegler, Akiko Rasmussen, Karina Borbil, Lea Boten, Hsuan-Ai Chen, Hanna Deinlein, Julia Halang, Kristin Hellmanzik, Jessica Löffler, Vanessa Schmidt, Cihan Makbul, Christian Kraft, Rainer Hedrich, Tim Rasmussen and Bettina Böttcher; Mechanosensitive channel gating by delipidation. PNAS (2021) doi: org/10.1073/pnas.2107095118

Personen

Prof. Dr. Bettina Böttcher ist Professorin für Biochemie und leitet seit 2016 eine Forschungsgruppe am Lehrstuhl für Biochemie und am Rudolf-Virchow-Zentrum - Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg.

Dr. Tim Rasmussen forscht als Postdoktorand in der Arbeitsgruppe von Bettina Böttcher am Rudolf-Virchow-Zentrum - Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg.

Kontakt

Prof. Dr. Bettina Böttcher, Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg, T. +49 931 - 31 84193,
bettina.boettcher@ uni-wuerzburg.de; Dr. Tim Rasmussen, Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg, T. +49 931 - 31 89659,
tim.rasmussen@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 07.09.2021

Die Frau hinter dem Impfstoff-Durchbruch

Die Biochemikerin Katalin Karikó hat mit ihrer Forschung die Grundlage gelegt für die Entwicklung der RNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus. Jetzt wird sie dafür von der Würzburger Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft geehrt.

 

Sie ist „die Frau hinter dem Impfstoff-Durchbruch“, wie Euronews schreibt. Sie machte „eine Entdeckung, die heute vielen Fachleuten nobelpreiswürdig erscheint“, so die Süddeutsche Zeitung. Und für die New York Times ist sie „die Frau, die dabei half, die Welt vor dem neuen Corona-Virus zu schützen“.

Gemeint ist in allen drei Fällen die Biochemikerin Katalin Karikó. Die gebürtige Ungarin lebt und forscht seit 1985 in den USA an der University of Pennsylvania. Seit 2013 ist sie zudem Senior Vice President bei der Firma BioNTech (Mainz).

Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die RNA-vermittelte Aktivierung der Immunantwort. Damit ebnete sie den Weg „für die Herstellung mRNA-basierter Impfstoffe, auf denen zurzeit große Hoffnungen bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie ruhen“, wie das Ärzteblatt schreibt.

Höchste Auszeichnung der Lebenswissenschaften der Uni Würzburg

Für ihre Arbeiten wird Katalin Karikó jetzt mit der höchsten Auszeichnung in den Lebenswissenschaften an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) geehrt: Die Würzburger Physikalisch-Medizinische Gesellschaft, die Societas Physico-Medica, und das Komitee des Theodor-Boveri-Preises haben ihr die Theodor-Boveri-Vorlesung 2021 verliehen.

Mit dieser Auszeichnung prämiert die Gesellschaft „herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren exzellente Arbeiten neue Möglichkeiten in der biomedizinischen Forschung und ihrer Anwendung am Menschen eröffnet haben“, wie es in der Laudatio heißt.

Entscheidender Durchbruch nach jahrelanger Arbeit

„Ohne die grundlegenden Vorarbeiten von Katalin Karikó wäre es nicht möglich gewesen, innerhalb so kurzer Zeit einen wirksamen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln“, sagt Professor Manfred Schartl, Vorsitzender der Physico-Medica.

„Prof. Karikó hat sich trotz zahlreicher Rückschläge und vieler Hindernisse nicht davon abhalten lassen, ihrer Forschung nachzugehen. Nur so ist es ihr gelungen, nach jahrelanger Arbeit im Labor den entscheidenden Durchbruch zu erzielen“, ergänzt Professor Utz Fischer, der Sprecher des Biozentrums.

Termin für die Preisverleihung ist noch offen

Die Societas Physico-Medica vergibt den Preis erstmals an eine Frau. Frühere Preisträger waren die renommierten Biowissenschaftler Edward De Robertis, Erich Nigg, Graham Warren und Denis Deboule.

Wann genau Katalin Karikó ihre „Theodor-Boveri-Vorlesung“ halten wird, steht derzeit noch nicht fest. Auch der Termin für die Preisverleihung ist noch offen. Die Mitglieder des Preiskomitees sind jedoch zuversichtlich, dass sich Anfang 2022 eine Gelegenheit finden wird.

Die Societas Physico-Medica

Die Würzburger Physikalisch-Medizinische Gesellschaft (Physico-Medica) wurde 1849 als eine der ersten medizinisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland gegründet. Zu ihren „Vätern“ gehörten die Wissenschaftler Franz von Rinecker, Rudolf Virchow und Albert von Koelliker.

Ziel der Gesellschaft war und ist es, Gemeinsamkeiten von Medizin und Naturwissenschaften aufzuzeigen und deren Fächer zu fördern. Darüber hinaus will sie praktizierende Ärztinnen und Ärzte motivieren, wissenschaftlich zu arbeiten. Außerdem bietet sie Studierenden die Möglichkeit, während des Studiums an aktuellen Forschungsprojekten teilzuhaben.

Derzeitiger Vorsitzender der Gesellschaft ist Professor Manfred Schartl, Seniorprofessor am Biozentrum und davor Inhaber des Lehrstuhls für Physiologische Chemie der JMU.

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Manfred Schartl, T: +49 931 318-4148, physicomedica@ uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Utz Fischer, T: +49 931 318-4029, utz.fischer@ biozentrum.uni-wuerzburg.de

Homepage der Physico-Medica

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 07.09.2021

JMU stark im THE Ranking

Im Times Higher Education World University Ranking (THE) rangiert die Julius-Maximilians-Universität Würzburg in diesem Jahr unter den besten 200 Universitäten weltweit. In Deutschland gehört sie zu den Top 20.

 

Die neue Ausgabe des renommierten THE World University Rankings ist da. In diesem Jahr vergleicht das Ranking gut 1600 forschungsintensive Universitäten aus 99 Ländern. Die Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg kann darin ihre starke Position behaupten: Sie erreicht weltweit Platz 165 und rangiert in Deutschland an 16. Stelle. In Bayern können nur die beiden Münchener Exzellenzuniversitäten bessere Ergebnisse erzielen.

Zitationen: Veröffentlichungen der JMU finden weltweit große Beachtung

Das THE Ranking zieht im Vergleich zu anderen namhaften Rankings eine besonders große Bandbreite an Indikatoren aus den Bereichen Lehre, Forschung, Zitationen, Drittmittel aus der Wirtschaft und Internationalität heran. In unterschiedlicher Gewichtung werden dabei etwa die Anzahl der Publikationen und Zitationen in Fachzeitschriften, die weltweite Reputation der Universität als Forschungs- und Lehreinrichtung, der Erfolg bei der Einwerbung von Drittmitteln, das Verhältnis von Lehrenden zu Studierenden, die internationale Ausrichtung von Forschung und Lehre sowie Kooperationen mit Unternehmen berücksichtigt.

Dabei fällt erneut auf, dass die JMU im Bereich „Zitationen“ außergewöhnlich stark ist: Sie erreicht hier deutschlandweit Platz 7. Veröffentlichungen, die unter der Beteiligung von Würzburger Forscherinnen und Forschern entstanden sind, sind also weltweit sehr gut sichtbar und werden häufig in anderen Arbeiten erwähnt. Auch in den Bereichen Internationalität sowie Wissenstransfer und Industriekooperationen kann sich die JMU erneut klar verbessern und somit den Aufwärtstrend der letzten Jahre fortsetzen.

Präsident: „Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen“

JMU-Präsident Paul Pauli freut sich über das starke Abschneiden der Universität: „Die Tatsache, dass wir uns auch angesichts beständig wachsender internationaler Konkurrenz so gut im THE Ranking behaupten können, ist ein Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen in allen Bereichen unserer Universität. Ganz besonders im nationalen Vergleich können wir sehr stolz auf unser Ergebnis sein – nicht zuletzt weil die deutschen Universitäten, die vor der JMU rangieren, mehrheitlich als Exzellenzuniversitäten in besonderer Weise gefördert wurden. Nur vier Universitäten, die im THE Ranking vor der Uni Würzburg liegen, haben bisher keinen Exzellenzstatus. Wir sind also auf einem sehr guten Weg.“

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 06.09.2021

 

Ein Jahr BürgerTelefonKrebs am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Seit Juli 2020 können sich Bürger*innen unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 85 100 80 individuell zu allen Fragen bezüglich einer Krebserkrankung beraten lassen. Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) bietet mit diesem kostenfreien Telefonservice allen Betroffenen, Angehörigen, Freund*innen und Bekannten, an der Behandlung beteiligten weiteren Berufsgruppen sowie allgemein Interessierten die Möglichkeit sich zum Thema Krebs zu informieren. Durch das BürgerTelefonKrebs stellt das BZKF den direkten Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen und die Vermittlung an ein wohnortnahes Krebszentrum, den Zugang zu neuesten Therapieoptionen und die Teilnahme an klinischen Studien sicher.

 

Nach einer Krebsdiagnose gibt es viele Fragen, aber das erste ärztliche Gespräch ist dann oft schon vorbei. Damit Betroffene ebenso wie Familie und Freund*innen nicht bis zum nächsten Behandlungstermin warten müssen oder „Dr. Google“ fragen, wurde am 06. Juli 2020 das BürgerTelefonKrebs am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) eingerichtet. Das BürgerTelefonKrebs ist ein kostenfreier Telefonservice, welcher im letzten Jahr vom BZKF etabliert wurde. Das BZKF ist ein Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika und vereint die fachlichen Kompetenzen der Expert*innen aus Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten aus München, Regensburg und Würzburg. Das 13-köpfige Team des BürgerTelefonKrebs ist der direkte Kontakt an den sechs BZKF-Standorten für alle Ratsuchenden, übersetzt verständlich medizinische Fachbegriffe und berät Patient*innen sowie deren Angehörige individuell und auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet.

Mehr als 500 Ratsuchende im letzten Jahr  

Seit Juli 2020 gibt es den kostenfreien Service, der seit Beginn sehr gut angenommen wird. Mehr als 500 Patient*innen und Angehörige kontaktierten bisher das BürgerTelefonKrebs und suchten Rat. Die Anrufer*innen haben mehrheitlich Fragen zur Therapie und Diagnostik, wie zum Beispiel der Notwendigkeit einer Chemotherapie oder zum Thema Krebsnachsorge. Der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe oder der Zugang zu finanziellen Hilfen stellen ebenso wichtige Themen der Betroffenen dar. Ferner wird die Möglichkeit für eine Zweitmeinung zu Diagnosen und Therapien von einer Vielzahl der Betroffenen genutzt. Für eine fundierte Zweitmeinung, die im Rahmen einer fachübergreifenden Tumorkonferenz durch die entsprechenden Fachexpert*innen erstellt wird, werden sämtliche Befunde der Erkrankten benötigt. Hier werden die Behandlungsmöglichkeiten durch Fachärzt*innen geprüft und diskutiert. Auch hier unterstützt das Team am BürgerTelefonKrebs: „Wir rufen bei verschiedenen Stellen an und lassen uns fehlende Unterlagen zustellen. Das ist manchmal mit Detektivarbeit zu vergleichen“, erklärt Volker Davinghausen, Teil des Teams des BürgerTelefonKrebs.

Zuhören und helfen – das BürgerTelefonKrebs 

„Wir holen die Anruferinnen und Anrufer dort ab, wo Sie stehen, und helfen weiter“, erklärt Susanne Kagermeier, ausgebildete Krankenpflegerin und Ansprechpartnerin am BürgerTelefonKrebs. „Wir beantworten sämtliche Fragen von A bis Z. Dabei geht es mitunter nur um eine Fahrtkostenerstattung, aber manchmal auch um das Erklären eines Befundes. Unser Team ist im Laufe des Jahres bereits auf 13 Kolleginnen und Kollegen gewachsen und ich freue mich, dass wir bei vielen Patientinnen und Patienten Unklarheiten aus dem Weg räumen konnten und gleichzeitig Anker, Ratgeber und Lösungsanbieter waren. Es entstehen häufig sehr persönliche Gespräche, die sich zum Teil über längere Zeit parallel zu einer Therapie fortsetzen“, so Frau Kagermeier weiter. Letztlich geht es beim BürgerTelefonKrebs immer darum, den Patient*innen bestmöglich zu helfen, sie an die richtigen und wohnortnahen Krebszentren und Spezialist*innen zu vermitteln und so neue Therapieformen oder die Teilnahme an klinischen Studien zu ermöglichen. Aktuell arbeitet das BZKF weiter an einer verstärkten Präsenz in der Öffentlichkeit, um so vermehrt Bürger*innen auf das kostenfreie Angebot aufmerksam zu machen. Das BürgerTelefonKrebs stellt auch in Zukunft eine zentrale Anlaufstelle für Fragen zum Thema Krebs dar, um so die Betroffenen und deren Angehörige bei der Diagnose Krebs bestmöglich zu unterstützen.

Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Mit der Gründung des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) im November 2019 wird das große Ziel verfolgt, allen Bürger:innen in Bayern, ganz unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu bestmöglichen, neusten und innovativen Therapien zu ermöglichen. Mit dem Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika in Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten in München, Regensburg und Würzburg wird nicht nur die Krebsforschung gefördert, sondern auch Kompetenzen und Wissen zu den Themen Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Tumorerkrankungen gebündelt und zugleich Betroffenen eine flächendeckende und interdisziplinäre Versorgung angeboten. „Das Ziel unseres Zentrums ist es, gemeinsam innovative Krebstherapien von der Grundlagenforschung über die präklinische Prüfung zu den Patientinnen und Patienten zu bringen“, so Prof. Mackensen, Direktor des BZKF. „Neben dem Ziel, die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in Bayern voranzutreiben, möchten wir uns als starkes Konsortium etablieren, das national wie international in der Krebsbekämpfung eine entscheidende Rolle spielt“, so Prof. Mackensen weiter. Weitere Informationen finden Sie unter www.bzkf.de.

Pressemitteilung des BZKF vom 01.09.2021

Würzburger Universitätsmedizin: Neue Professur für Onkologische Viszeralchirurgie

Seit Juli dieses Jahres stärkt eine neue Professur für Onkologische Viszeralchirurgie die Würzburger Universitätsmedizin bei der Therapie und Erforschung von Tumorerkrankungen im Bauchraum. Besetzt wurde sie mit Armin Wiegering.

 

Bisher gab es in Deutschland im Bereich der onkologischen Chirurgie nur zwei Professuren. Vor kurzem fügte die Würzburger Universitätsmedizin eine dritte hinzu: Mitte Juli dieses Jahres übernahm Armin Wiegering eine neu eingerichtete W2-Professur für Onkologische Viszeralchirurgie. Die Besetzung erfolgte quasi „aus den eigenen Reihen“, denn Prof. Dr. Wiegering arbeitet ansonsten als stellvertretender Direktor und leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie – kurz Chirurgische Klinik I – des Uniklinikums Würzburg. Generell ist der gesamte bisherige Karriereweg von Armin Wiegering eng mit Würzburg verknüpft. Schon sein im Jahr 2002 begonnenes Humanmedizinstudium absolvierte er an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Nach seiner Approbation im Jahr 2008 startete er als Assistenzarzt an der von Prof. Dr. Christoph-Thomas Germer geleiteten Chirurgischen Klinik I. „Die Chirurgie hat mich von Beginn an fasziniert. Mir gefällt die handwerklich geprägte Arbeit, die einem die erzielten Ergebnisse sofort vor Augen führt. Bezogen auf die Krebstherapie heißt das, dass man in vielen Fällen durch das fachkundige Entfernen von Tumoren die Patientinnen und Patienten wirklich heilen kann“, beschreibt Wiegering.

Auch in der Laborforschung erfolgreich


Eine zusätzliche starke Bindung an die Onkologie entwickelte er durch seine Forschungsarbeit am Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Uni Würzburg ab dem Jahr 2010. „In der akademischen Ausbildung ist es selbstverständlich, dass man auch grundlagenwissenschaftlich arbeitet“, schildert der neue Professor und fährt fort: „Dabei hatte ich Glück, dass ich an das von Prof. Dr. Martin Eilers geführte Institut kam und mich dort einem sowohl spannenden, wie auch therapeutisch aussichtsreichen Thema widmen konnte.“ Vereinfacht gesprochen ging und geht es in seiner Grundlagenforschung darum, beim Kolonkarzinom – also beim Dickdarmkrebs – molekulare Zielstrukturen zu erkennen, aus denen sich möglichst nur auf die Tumorzellen wirkende Therapieansätze entwickeln lassen. Seit dem Jahr 2012 führt Wiegering am Institut für Biochemie und Molekularbiologie dazu eine eigene Gruppe von derzeit acht Nachwuchsforscher*innen. Gemeinsam konzentrierten sie sich auf das APC-Gen von Tumorzellen, das bei 90 Prozent aller Fälle von Dickdarmkrebs mutiert ist. „Wir wollten Gene finden, die nur für das Überleben von Zellen mit APC-Mutation wichtig sind, nicht aber für gesunde Zellen“, erklärt der Professor. Die Suche war erfolgreich. Hemmen die Forscher*innen das Gen mit dem Namen eIF2B5, dann sterben die mutierten Darmkrebszellen den sogenannten programmierten Zelltod. Gesunde Zellen dagegen verkraften die Hemmung des Gens ohne jegliche Beeinträchtigung. Von dieser Erkenntnis ausgehend will das Forschungsteam neue Behandlungsmethoden entwickeln und zudem weitere Gene untersuchen.

Klinische Forschung: Wie kommt man zum besten Behandlungsergebnis?


Bei seiner klinischen Forschung will Prof. Wiegering unter anderem durch die Auswertung großer Patientendatenbanken der Frage nachgehen, welche Faktoren dafür sorgen, dass eine Krebspatientin oder ein Krebspatient mit dem bestmöglichen Ergebnis aus einer OP hervorgeht. „Hierbei konnten wir schon in mehreren Studien zeigen, wie wichtig bei viszeralonkologischen Eingriffen die Erfahrung der behandelnden Klinik für die Überlebenschancen der Patientinnen und Patienten ist – während der Operation selbst, wie auch im weiteren Verlauf“, berichtet der Mediziner. Nach seinen Erkenntnissen sollten sich Menschen mit Darm-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber- oder Speiseröhrenkrebs möglichst in den entsprechenden Zentren mit hohen Behandlungszahlen und großer Erfahrung operieren lassen.

Mit hochrangigem Forschungspreis geehrt

Eine besondere Würdigung erfuhren die bisherigen wissenschaftlichen Leistungen von Prof. Wiegering im Mai dieses Jahres: Er erhielt den Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2020/2021. Mit diesem Award ehrt die Förderstiftung „MHH plus“ – MHH steht für Medizinische Hochschule Hannover – junge Krebsforscher*innen für ihre aktuelle wissenschaftliche Arbeit. Laut der Laudatio des Preises beeindruckte Wiegering das Kuratorium mit seiner gelebten Vision des Clinician Scientist, der vor allem in Bezug auf die Versorgungsrealität onkologischer Patient*innen den Spagat zwischen klinischem Alltag und Grundlagenforschung in einzigartiger Weise meistere. Der Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis zählt zu den höchsten Auszeichnungen für Verdienste in der Krebsforschung in Deutschland.

Breite viszeralonkologische Therapieangebote


Hinter der Einrichtung der neuen Professur steht laut Prof. Wiegering das Ziel der Universitätsmedizin, die Sichtbarkeit und Leistungsfähigkeit Würzburgs als bedeutender Standort der onkologischen Forschung und Krebstherapie weiter zu erhöhen. Die Viszeralonkologie spielt hier nach seinen Worten bereits heute eine bedeutende Rolle. Beispielsweise leitet er zusammen mit Prof. Germer unter dem Dach des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Viszeralonkologisches Zentrum. Hier wird Patient*innen mit Darm-, Pankreas-, Magen-, Leber- oder Speisenröhrenkrebs eine umfassende, fächerübergreifende Versorgung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft angeboten. „Es gibt bundesweit nur fünf weitere Zentren, die in allen diesen viszeralonkologischen Bereichen zertifiziert sind“, verdeutlicht Prof. Wiegering. Besondere Würzburger Schwerpunkte mit weitem Einzugsbereich liegen auf der Behandlung von Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eine hohe Fernwirkung besteht zudem bei multiviszeralen Eingriffen, also bei Operationen von fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, bei denen mehrere Organe betroffen sind. Und bei manchen Tumorentitäten kommen Patient*innen aus ganz Deutschland zur Therapie nach Würzburg. „Beispielsweise verfügen wir über eine bundesweite Expertise bei der Behandlung der low-grade muzinösen Neoplase der Appendix – kurz LAWN“, sagt Prof. Wiegering. Darunter versteht man seltene Tumore des Wurmfortsatzes des Blindarms, die je nach Stadium mit höchst unterschiedlichem Aufwand behandelt werden müssen. „Auch wenn die Chirurgie bei vielen Tumoren die Therapie der Wahl ist, ist der operative Eingriff häufig nur ein Teil einer komplexen Behandlung, in die viele Disziplinen eingebunden sind“, unterstreicht Prof. Wiegering. So gehört es zu seinen Aufgaben, bei der Behandlungsplanung über den chirurgischen Tellerrand hinauszuschauen und mit den jeweiligen Expert*innen – zum Beispiel für Chemo- oder Strahlentherapie – den individuell besten Ablauf festzulegen. 

 

Pressemitteilung "Würzburger Universitätsmedizin: Neue Professur für Onkologische Viszeralchirurgie" vom 31.08.2021 zum herunterladen 

Hobit macht Immunzellen zu Killern

Gegen Infektionen, Tumore und Entzündungen stehen in den Organen des Körpers lokale Immunzellen als schnelle Eingreiftruppen bereit. Vor Ort spezialisieren sie sich und übernehmen verschiedene Aufgaben.

 

Wenn Krankheitserreger in den menschlichen Körper eindringen, ist eine schnelle Reaktion gefragt. An vorderster Front der Immunantwort stehen spezielle Immunzellen. Sie halten sich in verschiedenen Geweben wie Lunge, Leber, Haut und Darm auf, wo sie frühzeitig den Kampf gegen Eindringlinge aufnehmen. Ihr Name: angeborene lymphoide Zellen, kurz ILCs.

Eine besondere Eigenschaft dieser Zellen: Sie müssen nicht, wie viele andere Immunzellen, erst alarmiert werden, um dann an ihren Einsatzort im Körper zu wandern. Stattdessen siedeln sie sich schon kurz nach der Geburt in den Geweben und Organen an und verharren dort dauerhaft.

mRNA-Atlas von ILC1 auf Einzelzell-Ebene erstellt

ILCs können in den Geweben aus unreifen Vorläuferzellen entstehen und zu einsatzfähigen Immunzellen heranreifen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Max-Planck-Forschungsgruppe am Institut für Systemimmunologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) vor kurzem gezeigt (https://www.uniwuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/immunzellen-zu-gast-in-geweben/). Unklar war bislang, wie diese Reifung im Detail abläuft.

„Wir wollten verstehen, wie unreife ILCs zu Effektorzellen werden, die zum Beispiel Tumorzellen abtöten oder mithilfe von Zytokinen gegen Infektionen kämpfen können“, erklärt Professor Georg Gasteiger, Lehrstuhlinhaber und Leiter der Max-Planck Forschungsgruppe am Institut für Systemimmunologie der JMU.

Dafür hat das Würzburger Forschungsteam die Gruppe der ILC1s untersucht, die bei viralen Infektionen und bei der Tumorabwehr eine Rolle spielen. Das Team hat sämtliche mRNA-Moleküle einzelner ILC1 in der Leber erfasst und aus diesen Analysen einen virtuellen Zellatlas erstellt (https://go.uniwue.de/hobit).

Aufgabenteilung: Nachschub-, Helfer- und Killerzellen

Anhand dieser „molekularen Fingerabdrücke“ erkannten die Forscherinnen und Forscher, dass es innerhalb der ILC1 spezialisierte Zellen gibt, die sich ihre Aufgaben teilen: „Wir fanden Zellen, die sich sehr rasch vermehren können und so für Nachschub von ILCs sorgen. Dabei spezialisieren sie sich zu sogenannten Helfer- oder Killer-ILCs.“

Das Team von Gasteiger fand heraus, dass die Helferzellen eine breite Palette von Botenstoffen produzieren, die zum Beispiel in der frühen Phase von Infektionen eine Rolle spielen. Die Killerzellen dagegen sind mit Molekülen gewappnet, die es ihnen erlauben, Tumorzellen zu erkennen und abzutöten.

„Bisher dachte man, dass diese Zellen unterschiedliche Typen von ILCs sind“ erklärt Christin Friedrich. Die Postdoktorandin aus Gasteigers Team ist die Erstautorin der Publikation, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Immunology erschienen ist. „Aber unsere Daten zeigen, dass es sich um unterschiedliche Spezialisierungsgrade handelt, die in jedem Organ aus den gleichen Nachschubtruppen entstehen können.“

Lassen sich Killer-ILCs therapeutisch nutzbar machen?

„Interessanterweise entwickeln sich ILCs aber nur in manchen Geweben zu Killerzellen, obwohl unsere Daten zeigen, dass sie in allen Geweben das Potential dazu haben“ erklärt Gasteiger.

„Wir haben erste Hinweise darauf, dass diese Entwicklung in manchen Geweben aktiv unterdrückt wird, möglicherweise um Gewebeschädigungen oder Entzündungen zu vermeiden. Wir wollen nun verstehen, wie wir die Killerzellen therapeutisch aktivieren können, um zum Beispiel die Immunkontrolle von entstehenden Tumoren und Metastasen zu verbessern. Außerdem wollen wir untersuchen, anhand welcher Moleküle die ILCs Tumore erkennen können und wie sie sich in den verschiedenen Geweben bei Infektionen verhalten.“

Transkriptionsfaktor Hobit treibt Spezialisierung an

Christin Friedrich ergänzt: „Unsere Arbeit zeigt, wie der Transkriptionsfaktor Hobit die Spezialisierung zu reifen Effektorzellen antreibt. Spannend ist, dass Hobit auch in anderen Killer-Zellen des menschlichen Immunsystems exprimiert wird. Auf der Basis unserer Ergebnisse kann jetzt die Funktion von Hobit in diesen Abwehrzellen erforscht werden, wie sie reifen und wie sie vielleicht dazu gebracht werden können, Tumore in verschiedenen Geweben zu bekämpfen.“

Publikation

Effector differentiation downstream of lineage commitment in ILC1 is driven by Hobit across tissues. Christin Friedrich, Renske L. R. E. Taggenbrock, Rémi Doucet-Ladevèze, Gosia Golda, Rebekka Moenius, Panagiota Arampatzi, Natasja A. M. Kragten, Katharina Kreymborg, Mercedes Gomez de Agüero, Wolfgang Kastenmueller, Antoine-Emmanuel Saliba, Dominic Grün, Klaas P. J. M. van Gisbergen, Georg Gasteiger. Nature Immunology, 30. August 2021, DOI: 10.1038/s41590-021-01013-0

Kontakt

Prof. Dr. med. Georg Gasteiger, Max-Planck-Forschungsgruppe und Institut für Systemimmunologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-89599, georg.gasteiger@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 31.08.2021 herunterladen