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„Belastungsgrenze überschritten“: Uniklinik Würzburg reduziert tagesaktuell Behandlungskapazitäten

Der Grund liegt in der außergewöhnlichen Belastung durch die Versorgung von Patienten mit Corona-Nachweis und dem gleichzeitigen oft sehr kurzfristigen Ausfall von Personal in nahezu allen Berufsgruppen.

Am Universitätsklinikum Würzburg steigt die Zahl der Corona-Patienten kontinuierlich. Foto: UKW
Am Universitätsklinikum Würzburg steigt die Zahl der Corona-Patienten kontinuierlich. Foto: UKW

Würzburg. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) kann es ab sofort in allen Klinikbereichen zur Verschiebung von planbaren und nicht dringlichen Behandlungen kommen. Der Grund liegt in der außergewöhnlichen Belastung durch die Versorgung von Patienten mit Corona-Nachweis und dem gleichzeitigen oft sehr kurzfristigen Ausfall von Personal in nahezu allen Berufsgruppen.

Aktuell (Stand: 22.07.2022, 9 Uhr) werden 65 Patienten mit SARS-CoV-2-Nachweisen am UKW versorgt, davon 59 auf Normalstationen, die übrigen sechs Patienten intensivmedizinisch. Das ist ein trauriger Höchststand für den Bereich der Normalstationen. Zur Einordnung: Vor einer Woche lag die Zahl der infizierten Patienten am UKW bei 47, vor zwei Wochen bei 39.

„Eine solche andauernde Belastungsphase mit so hohen Patientenzahlen gab es seit Beginn der Pandemie noch nicht. Speziell in dieser Woche gab es eine derart dramatische Entwicklung, dass wir jetzt sagen müssen: Die Belastungsgrenze ist überschritten. Daher werden wir jetzt bereichsbezogen täglich festlegen müssen, wie viele Patienten versorgt werden können“, betont Prof. Dr. Jens Maschmann. Eine generelle Vorgabe, Betten zu sperren, gebe es dabei nicht. Im Kern steht die täglich neue ärztliche wie pflegerische Lagebewertung in den einzelnen Klinikbereichen.

„Das kann für Patienten bedeuten, dass eine lange geplante Operation nicht durchgeführt werden kann. Und solche Absagen sind auch leider sehr kurzfristig möglich. Uns ist klar, dass dies sehr belastend ist. Aber unser Ziel bleibt die sichere Versorgung und die Aufrechterhaltung der Behandlung von Notfällen mit dem dafür zur Verfügung stehenden Personal“, ergänzt Marcus Huppertz, Pflegedirektor des UKW: „Viele Kolleginnen und Kollegen, gerade in der Pflege, gehen über ihre aktuelle Belastungsgrenze hinaus. Das kann so nicht weitergehen.“

 

„Keine Erholung in diesem Sommer, sondern das Gegenteil“

 

Als zusätzliche Maßnahme werden auch OP-Kapazitäten reduziert. Prof. Maschmann appelliert: „Jeder hatte sich natürlich eine Erholungsphase im Sommer gewünscht, wie sie es ja in den ersten beiden Jahren der Pandemie gab. Leider ist das Gegenteil eingetreten: Rekordzahlen bei den Patienten und wachsende Personalausfälle. Darauf müssen wir als Klinik reagieren. Es ist jetzt aber ebenso nötig, dass diese Überlastungssituationen in den Kliniken und weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens wieder auf die politische Tagesordnung kommen.“

Am Universitätsklinikum Würzburg steigt die Zahl der Corona-Patienten kontinuierlich. Foto: UKW
Am Universitätsklinikum Würzburg steigt die Zahl der Corona-Patienten kontinuierlich. Foto: UKW

Premiere: Gemeinsame Krebsversorgungs- und Forschungs-Allianz „CCC WERA“ in Bayern ist nun „Onkologisches Spitzenzentrum“

Die Deutsche Krebshilfe hat jetzt erstmals die gemeinsame Allianz der Comprehensive Cancer Center („CCC“) der Universitätskliniken in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg als „Onkologisches Spitzenzentrum“ der Krebshilfe ausgezeichnet.

Das geschäftsführende Direktorium der Allianz „CCC WERA“, v.l.: Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg), Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg) und Prof. Dr. Matthias Beckmann (Erlangen). Foto: UKR/Vincent Schmucker.
Das geschäftsführende Direktorium der Allianz „CCC WERA“, v. l.: Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg), Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg) und Prof. Dr. Matthias Beckmann (Erlangen). Foto: UKR/Vincent Schmucker.

Würzburg/Erlangen/Regensburg/Augsburg. Die Deutsche Krebshilfe hat jetzt erstmals die gemeinsame Allianz der Comprehensive Cancer Center („CCC“) der Universitätskliniken in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg als „Onkologisches Spitzenzentrum“ der Krebshilfe ausgezeichnet. Damit verbunden ist eine Förderung von 6,2 Millionen Euro bis 2026 für die gemeinsame Allianz „CCC WERA“. WERA steht für die Anfangsbuchstaben der beteiligten Unikliniken. Gemeinsam decken sie ein Versorgungsgebiet von acht Millionen Menschen ab.

Ziel von Comprehensive Cancer Centern ist die schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis und damit eine kontinuierliche Verbesserung in der Versorgung von Krebspatienten. Die gemeinsame Allianz „CCC WERA“ zielt dabei auch besonders auf die Verbesserung der Krebsversorgung im ländlichen Raum ab:  Daher besteht auch eine enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie mit weiteren Krankenhäusern in der Region.

Um als Onkologisches Spitzenzentrum der Deutschen Krebshilfe ausgezeichnet zu werden, müssen verschiedene Anforderungen erfüllt werden. Dazu zählen z.B. multidisziplinäre Strukturen in der Patientenversorgung, wie gemeinsame Tumorboards in denen Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen gemeinsam über Patienten beraten. Wesentlich ist auch die Anzahl von Patienten in klinischen Studien, deren Ergebnisse in die Krebsbehandlung einfließen. Unter dem Dach der Allianz CCC WERA werden aktuell mehr als 10.000 Patienten pro Jahr neu in klinische Studien mit allen Arten von Krebserkrankungen eingebunden.

Das geschäftsführende Direktorium der Allianz „CCC WERA“ setzt sich aus den CCC Direktoren der vier Standorte zusammen. Der aktuelle Sprecher ist Prof. Dr. Ralf Bargou vom Universitätsklinikum Würzburg und dem dort angesiedelten CCC Mainfranken. Stellvertretende Sprecher sind Prof. Dr. Matthias Beckmann (Universitätsklinikum Erlangen), Prof. Dr. Tobias Pukrop (Universitätsklinikum Regensburg) und Prof. Dr. Martin Trepel (Universitätsklinikum Augsburg). Die Geschäftsstelle ist am Universitätsklinikum Würzburg angesiedelt. Mit ihren vier Standorten ist die Allianz auch Teil des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF).

Prof. Dr. Ralf Bargou (Universitätsklinikum Würzburg):

„Uns ist es gemeinsam gelungen, die Vorteile der Strukturen eines Comprehensive Cancer Centers auf die Region unserer vier Standorte auszuweiten und patientennah zu verzahnen. Durch die enge Zusammenarbeit können wir auch zukünftig die Krebsversorgung in Bayern und speziell in den ländlichen Regionen weiter verbessern. Auch wenn wir als CCC Mainfranken in Würzburg bereits das vierte Mal als Onkologisches Spitzenzentrum ausgezeichnet sind: Die erstmalige gemeinsame Auszeichnung nun als „Allianz CCC WERA“ mit allen vier Standorten ist etwas ganz Besonderes. In dieser Allianz wird die Expertise von vier bayrischen universitären Krebszentren unter einem Dach gebündelt, was den Zugang zu den modernsten und wirkungsvollsten diagnostischen und therapeutischen Verfahren für alle Patientinnen und Patienten in unserem Einzugsraum deutlich verbessert.“

 

Prof. Dr. Matthias Beckmann (Universitätsklinikum Erlangen):

„Nur als gemeinsames Verbundzentrum können wir zukünftig innovativer, schneller und umfassender onkologische Patientinnen und Patienten diagnostizieren und therapieren. Denn eines ist klar: Nicht jeder einzelne Standort kann das gesamte Spektrum der Innovation anbieten, aber zusammen können wir vier das leisten und unseren Patientinnen und Patienten – eben auch im Rahmen von Studien – flächendeckend eine hochqualifizierte onkologische Versorgung anbieten. Im CCC Erlangen-EMN unterstützen wir dies durch den Einsatz neuer digitaler Konzepte, die insbesondere die Versorgung im ländlichen Raum optimieren. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Nebenwirkungen weiter zu reduzieren, die Lebensqualität und insbesondere das Überleben jeder einzelnen Patientin und jedes Patienten zu verbessern.“   

 

Prof. Dr. Tobias Pukrop (Universitätsklinikum Regensburg):

„Wir profitieren von unserer schon seit langem bestehenden gemeinsamen Forschungsallianz in verschiedenen Verbünden in Bayern. Allein in den letzten fünf Jahren haben wir an den WERA-Standorten 13 gemeinsame onkologische Forschungsverbünde und Studienprogramme realisieren können. Aktuell laufen zwei große DFG-geförderte Forschungskonsortien über das Thema Krebs. In den nächsten Jahren wollen wir mit Hilfe der CCC WERA Allianz die gemeinsamen Anstrengungen noch weiter intensivieren und mit der gemeinsam nutzbaren Forschungsinfrastruktur wesentlich zum Fortschritt in der Krebsmedizin beitragen. Dies erfolgt immer entlang dem Motto des BZKF ‚Exzellenz stärken – Wissen teilen‘. Somit ermöglicht die Allianz den Wissenschaftlern an den WERA Universitäten eine universitätsübergreifende Plattform mit einem enormen Mehrwert für Bayern.“

 

Prof. Dr. Martin Trepel (Universitätsklinikum Augsburg):

„Für uns als vergleichsweise junger universitärer Standort ist die Allianz „CCC WERA“ und die erreichte Auszeichnung als „Onkologisches Spitzenzentrum“ ein sehr großer und ungewöhnlicher Erfolg. Das ist nur durch die exzellente Zusammenarbeit der beteiligten Bereiche des Universitätsklinikums und der Medizinischen Fakultät in Augsburg zum einen und unter den WERA-Standorten zum anderen möglich geworden. Die Allianz aus vier starken Krebsversorgungs- und -forschungszentren, die sich hier gebildet hat, wird Entwicklungen in der Tumordiagnostik und -therapie ermöglichen, die keiner der vier Standorte alleine erreichen könnte. Augsburg wird hier in vielen Bereichen einen besonderen Beitrag leisten wie etwa spezielle lokaltherapeutische Verfahren, die Flüssigbiopsie mit dem Aufspüren von Tumorbestandteilen in Blutproben oder neuen Konzepten in der intensiven Einbindung von Patientenvertretern in Krebsversorgungs- und –forschungskonzepte. Die Entwicklung des noch jungen universitätsmedizinischen Standorts Augsburg wird sich durch die Einbindung in die CCC-WERA-Allianz und die Auszeichnung als Spitzenzentrum massiv beschleunigen.“

www.ccc-wera.de

Hintergrundinformationen:

Onkologische Spitzenzentren (krebshilfe.de)

Das geschäftsführende Direktorium der Allianz „CCC WERA“, v.l.: Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg), Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg) und Prof. Dr. Matthias Beckmann (Erlangen). Foto: UKR/Vincent Schmucker.
Das geschäftsführende Direktorium der Allianz „CCC WERA“, v. l.: Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg), Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg) und Prof. Dr. Matthias Beckmann (Erlangen). Foto: UKR/Vincent Schmucker.

Ad-hoc-Projekt CODEX+ Monitor zur Pandemiesteuerung

UKW übernimmt Gesamtkoordination eines Ergänzungsmoduls für das Forschungsprojekt CODEX+: Monitoring von stationären Patientinnen und Patienten mit Covid-19 und Ressourcen des stationären Gesundheitssystems.

Das Bild zeigt Patrick Meybohm im Stationsflur.
Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg, hat die Gesamtkoordination des Ergänzungsmoduls für das Forschungsprojekt CODEX+. Mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Ad-hoc-Projekt soll die Bereitstellung von Daten über Patientinnen und Patienten, die wegen oder mit Covid-19 in stationärer Behandlung sind, verbessert werden. @ Robert Wenzl / Uniklinikum Würzburg
Das Bild zeigt Thomas Wurmb vor einem Computerbildschirm, auf dem das Windmühlenmodell visualisiert ist.
Prof. Thomas Wurmb, Sektionsleiter Notfall- und Katastrophenmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg, hat das Windmühlenmodell entwickelt, das die Lage der vorhandenen und erforderlichen Ressourcen am Uniklinikum darstellt. @ Kirstin Linkamp / Uniklinikum Würzburg

Würzburg. Aufgrund der Dynamik der Covid-19-Pandemie werden für politische Entscheidungen immer wieder neue Daten zur Bewertung des Infektionsgeschehens benötigt. Daher hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) kurzfristig ermöglicht, durch sogenannte Ad-hoc-Projekte im „Netzwerk Universitätsmedizin“ (NUM), die Datenlage zu verbessern und somit die Pandemiesteuerung im kommenden Herbst und Winter zu optimieren. Beim Projekt „CODEX+ Monitor“ hat Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg, die Gesamtkoordination übernommen. Das Modul baut auf das bereits laufende NUM-Projekt „CODEX+“ auf, das von Prof. Dr. Sabine Blaschke-Steinbrecher, Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), sowie von Prof. Dr. Dagmar Krefting, Direktorin des Instituts für Medizinische Informatik der UMG, und von Priv.-Doz. Dr. Sven Zenker, Ärztlicher Leiter Stabsstelle Medizinisch-Wissenschaftliche Technologieentwicklung und -koordination (MWTek) am Universitätsklinikum Bonn, koordiniert wird.

Stationäre Aufnahme wegen oder mit SARS-CoV-2

„Mit dem erweiterten Projekt CODEX+ Monitor möchten wir die Bereitstellung möglichst bevölkerungsrepräsentativer Daten über stationär behandelte Patientinnen und Patienten mit Covid-19 verbessern“, erklärt Patrick Meybohm. „Neben üblichen Parametern, wie Alter, Risikofaktoren, Krankheitsschwere und Impfstatus, adressieren wir die medizinische und politisch hoch relevante Fragestellung, ob die Betroffenen wegen oder mit einer SARS-CoV-2 im Krankenhaus liegen. Anhand täglicher Meldungen der Kliniken über ihre Fallzahlen und der Information mit oder wegen Corona erhoffen wir uns die Ansteckungsgefahr und die Schwere der Erkrankung früh- und rechtzeitig einschätzen zu können. Darüber hinaus werden täglich die verfügbaren Ressourcen im Bereich Personal, Raum und Material überwacht.“

Möglichst viele der insgesamt 36 deutschen Universitätsklinika sowie ausgewählte nicht-universitäre Krankenhäuser sollen im Projekt CODEX+ Monitor ihre neu aufgenommenen Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Nachweis melden. Vor allem die deutschen Universitätskinderkliniken werden sich beteiligen und ihre Daten mit dem bereits erfolgreich etablierten NUM-Dashboard und einer bereits existierenden Surveillance-Plattform fürs Monitoring synchronisieren. Das Dashboard visualisiert aktuelle Informationen zur Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten mit Corona, zu Alter und Geschlecht, der Verweildauer auf den Stationen und zum Versorgungsniveau.

Ein weiterer Ansatz des Ad-hoc Projektes ist die systematische Erfassung verfügbarer Ressourcen. „Nicht die Anzahl freier Betten oder aufgestellter Beatmungsgeräte sind entscheidend, sondern wie viel und welches pflegerische und ärztliche Personal arbeitet am Patienten, wie ist die Versorgung mit Medikamenten oder Handschuhen sichergestellt und funktioniert beispielweise die Essensversorgung und der Transportdienst in einem Krankenhaus“, kommentiert Patrick Meybohm.

Windmühlenmodell zur Lagedarstellung der Ressourcen

Prof. Dr. Thomas Wurmb, Sektionsleiter Notfall- und Katastrophenmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg ergänzt: „Zukünftig soll ein flächendeckendes qualitatives Monitoring mit Hilfe des bereits erfolgreich eingesetzten Windmühlenmodells zur Lagedarstellung verschiedener Ressourcen je Uniklinikum erfolgen“. Das Windmühlenmodell wurde im Rahmen der ersten Infektionswelle am Uniklinikum Würzburg entwickelt und ist seit November 2021 in ganz Bayern als web-basierte Anwendung im Einsatz. Die drei Komponenten Personal, Material und Raum werden als Windmühlenflügel dargestellt werden. Die Farbe des Flügels zeigt, ob die medizinische Versorgung unter Einhaltung der üblichen und anerkannten medizinischen Standards bei steigendem Behandlungsbedarf und abnehmender Behandlungskapazität aufrechtzuerhalten ist. Sind alle Flügel grün, ist eine Individualversorgung möglich, bei gelb und orange entspricht die Kapazität dem Bedarf, die Versorgung ist gesichert, ein roter Flügel bedeutet eine geschwächte Krisenversorgung in diesem Krankenhaus. Der Windmühlenflügel mit der jeweils kritischsten Farbkategorie bestimmt also die Versorgungsqualität des Gesamtsystems.

Das alles dient der Beantwortung der Frage: Welche Art von Allgemeinmaßnahmen in der Bevölkerung müssen ergriffen werden, um die Überlastung der Krankenhäuser durch stationär zu behandelnde Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Infektionen zu vermeiden?

Über das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)

Patientinnen und Patienten optimal versorgen, Infektionen verhindern und Gesundheitsversorgung ausbauen – dazu möchte das im Frühjahr 2020 gegründete Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) beitragen. Es bündelt aktuell Forschungsaktivitäten zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie und eröffnet neue Handlungsstrategien. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und koordiniert durch die Charité – Universitätsmedizin Berlin, arbeitet das Forschungsnetzwerk unter Beteiligung der 36 deutschen Standorte der Universitätsmedizin und weiterer Partner an Lösungen für eine bestmögliche Krankenversorgung und Pandemievorsorge. Ein Akzent liegt auf der klinik- und versorgungsnahen Forschung, deren Ergebnisse direkt Patientinnen und Patienten zugutekommen, in das Krisenmanagement einfließen und zum Aufbau einer nachhaltigen, nationalen Forschungsinfrastruktur beitragen. Zur Umsetzung dieser Aufgabe werden dem NUM und den beteiligten Einrichtungen bis Ende 2024 bis zu 390 Millionen Euro für bundesweite Kooperationsprojekte zur Verfügung gestellt. Mittelfristig ist das Ziel, die innerhalb des Netzwerks geschaffenen Strukturen und Konzepte auch für die Erforschung anderer Krankheitsbilder und somit die Förderung kooperativer Forschung auch über Covid-19 hinaus in der Universitätsmedizin zu nutzen. Weitere Informationen: https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de

In der ersten Förderphase bis 2022 war das Uniklinikum Würzburg an elf von 13 Projekten beteiligt, beim Nationalen Pandemie Kohorten Netz NAPKON, das in der zweiten Förderphase fortgeführt wird, ist das UKW an der Leitung beteiligt. 

Über CODEX und CODEX+

Mit CODEX wurde eine Plattform zur Bereitstellung von Forschungsdaten zu Covid-19 aufgebaut, die alle Universitätskliniken bundesweit verbindet. Das heißt, möglichst viele Covid-19-spezifischen Daten der deutschen Unikliniken werden in einer Datenbank recherchierbar. Damit werden der Wissenschaft strukturierte Daten mit hoher Qualität zur Verfügung gestellt und neuartige Auswertungen ermöglicht, die neue Erkenntnisse zum Verständnis und zur Behandlung von Covid-19 ermöglichen. CODEX+ erweitert die CODEX-Plattform um relevante organisatorisch-technische Komponenten für eine langfristige und nachhaltige Erforschung und Bewältigung der aktuellen sowie zukünftiger Pandemien.

Restkarten für Patientenkongress zu Leukämien und Lymphomen

Am 23. und 24. Juli 2022 findet in Würzburg der 25. bundesweite Patientenkongress der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe e.V. statt. Für die vom Uniklinikum Würzburg unterstützte Veranstaltung gibt es noch Restkarten an der Kongresskasse.

Maritim Hotel in Würzburg
Der diesjährige DLH-Patientenkongress „Leukämien und Lymphome“ findet im Maritim Hotel in Würzburg statt. Bild: Maritim Hotelgesellschaft

Würzburg. Der Bundesverband Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. (DLH) engagiert sich für Leukämie- und Lymphom-Patientinnen und -Patienten sowie deren Angehörige. Zu seinem Informationsangebot gehört der bundesweite DLH-Patientenkongress „Leukämien und Lymphome“. Dessen 25. Neuauflage findet am 23. und 24. Juli 2022 im Maritim Hotel in Würzburg statt. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg. Bei den Plenarvorträgen des Kongresses greifen die Referentinnen und Referenten übergeordnete Themen auf. Sie erläutern zum Beispiel, wie Immuntherapien funktionieren oder schildern die Möglichkeiten zu Impfungen bei Immunsupprimierten. Ferner porträtieren teilweise parallel stattfindende Präsentationen einzelne Blutkrebserkrankungen oder widmen sich in einem Sonderprogrammpunkt den Herausforderungen für allogen Transplantierte nach erfolgter Transplantation. In einer separaten Gesprächsrunde können sich ferner Angehörige austauschen.

Für die laienverständlich gestaltete Tagung gibt es noch Restkarten gegen Barzahlung an der Kongresskasse. Die Teilnahmegebühr beträgt zehn Euro pro Person und Tag.

Für die Abendveranstaltung am 23. Juli wird ein Kostenbeitrag von 20 Euro pro Person erhoben.

Das detaillierte Programm findet sich unter www.dlh-kongress.de.

Staatssekretärin Sabine Dittmar besucht Uniklinik Würzburg

Dialog mit dem Vorstand der Würzburger Uniklinik

Pflegedirektor Marcus Huppertz, Medizin-Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch, Staatssekretärin Sabine Dittmar, Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor) und Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor). Foto: UKW/Dreising
Pflegedirektor Marcus Huppertz, Medizin-Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch, Staatssekretärin Sabine Dittmar, Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor) und Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor). Foto: UKW/Dreising

Würzburg. Sabine Dittmar, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, besuchte am Freitag (15.07.) das Universitätsklinikum Würzburg. Sie informierte sich im Dialog mit dem Vorstand der Würzburger Uniklinik u.a. über die aktuelle Corona-Situation am UKW, die Maßnahmen des UKW zur Fachkräftebindung und -gewinnung sowie den neuen Würzburger Studiengang Hebammenwissenschaften.

Pflegedirektor Marcus Huppertz, Medizin-Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch, Staatssekretärin Sabine Dittmar, Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor) und Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor). Foto: UKW/Dreising
Pflegedirektor Marcus Huppertz, Medizin-Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch, Staatssekretärin Sabine Dittmar, Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor) und Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor). Foto: UKW/Dreising

Neue Therapien für Herzinsuffizienz im Fokus

Am 15. und 16. Juli findet das Symposium „Targets in Heart Failure Treatment“ am DZHI in Würzburg statt.

Christoph Maack, Brenda Gerull, Katrin Streckfuß-Bömeke und Jan Dudek (v.l.n.r.) haben beim DGK-Symposium "Targets in Heart Failure Treatment" die wissenschaftliche Leitung.

Würzburg. Wer an einer Herzinsuffizienz erkrankt ist, hat in der Regel nicht nur unter einem schwachen Herzen zu leiden, sondern häufig auch unter weiteren, oft mit dem Alter assoziierten Erkrankungen. Diese so genannten Komorbiditäten und ihre Wechselwirkungen mit dem Herzen stellen Ärztinnen und Ärzte sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung vor zunehmende Herausforderungen.  Insbesondere Übergewicht und Diabetes, Bluthochdruck, chronische Nierenerkrankungen und Krebs haben einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung einer Herzinsuffizienz.

Im Symposium „Targets in Heart Failure Treatment“, das am 15. und 16. Juli im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) am Uniklinikum Würzburg stattfindet, erörtern Fachleute aus Wissenschaft und Klinik die Schnittstellen zwischen dem Herz und anderen Organen und diskutieren Therapien, die vor allem auf das Immunsystem, den Stoffwechsel und genetische Ursachen abzielen. 34 Referentinnen und Referenten stehen auf der Agenda, mehr als 50 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler stellen ihre Projekte aus Grundlagen- und klinischer Forschung vor.

Die Arbeitsgruppen 12 (für Kardiomyopathien) und 13 (für Myokardiale Funktion und Energetik) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) haben in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) ein spannendes Programm erstellt. Am Universitätsklinikum Würzburg zeichnen für das Symposium maßgeblich verantwortlich Professorin Katrin Streckfuß-Bömeke vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Uni Würzburg und Sprecherin der AG 13, Dr. Jan Dudek, Arbeitsgruppenleiter am DZHI, Professorin Brenda Gerull, Leiterin des Departments Kardiovaskuläre Genetik am DZHI und stellvertretende Sprecherin der AG 12, sowie Professor Christoph Maack, Sprecher des DZHI.

„Wir freuen uns sehr, dass DGK, DZHK und DZHI beim Würzburger Herzinsuffizienz-Symposium ihre Kräfte bündeln. Dadurch können wir die Zusammenarbeit zwischen führenden Labors in Deutschland fördern und gemeinsam neue Ziele für eine individualisierte Behandlung der Herzinsuffizienz identifizieren und entwickeln“, kommentiert Katrin Streckfuß-Bömeke.

Auf der Agenda stehen Programmpunkte wie „Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz: Teufelszwillinge“, genetische Faktoren, die das Entstehen von Herzerkrankungen begünstigen können und Mechanismen, durch die der kontraktile Apparat des Herzmuskels beeinträchtigt wird. Auch die Schnittstellen zwischen Stoffwechselveränderungen und Entzündungsprozessen rücken zunehmen in den Fokus der Teams aus Forschung und Klinik. Ein Highlight der Veranstaltung ist die „Keynote Lecture“ von Professor Wolfram Zimmermann aus Göttingen, der über seine Pionierarbeit zu Gewebe-basierter Reparatur des Herzens, dem sogenannten Herzpflaster berichten wird.

„Unser Symposium soll einen Schlussakkord unter eine interessante erste Jahreshälfte setzen, in der wir endlich wieder unseren Kolleginnen und Kollegen persönlich begegnen konnten. Dieser persönliche Austausch hat unsere Forschungsaktivitäten nach zwei Jahren des Online-Austauschs wieder neu belebt!“, freut sich Christoph Maack.

Die Agenda ist hier zu finden: akademie.dgk.org/veranstaltung/page/37961/

Christoph Maack, Brenda Gerull, Katrin Streckfuß-Bömeke und Jan Dudek (v.l.n.r.) haben beim DGK-Symposium "Targets in Heart Failure Treatment" die wissenschaftliche Leitung.

Digitales Myelom-Forum erneut ein voller Erfolg

Würzburg. Die hohe Beteiligung wie auch die intensiven Diskussionen belegen, dass das Digitale Myelom-Forum des Uniklinikums Würzburg auch in seiner fünften Neuauflage präzise das Informationsbedürfnis der von der bösartigen Erkrankung des Knochenmarks betroffenen Patientinnen und Patienten traf.

Es gibt keine andere Tumorerkrankung, bei der aktuell so viele neue Entwicklungen ablaufen und so zahlreiche innovative Therapiemöglichkeiten eröffnet werden, wie beim Multiplen Myelom. Das war eine vielen positiven Botschaften, die Prof. Dr. Hermann Einsele beim 5. Digitalen Myelom-Forum des Uniklinikums Würzburg (UKW) für die weit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatte. Wie die vorangegangenen Veranstaltungen der Reihe richtete sich der Informationstag am 9. Juli 2022 an Patientinnen und Patienten der bösartigen Erkrankung des Knochenmarks sowie deren Angehörige und sonstig Interessierte. Neben Prof. Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II und international renommierter Myelom-Experte, beleuchten sechs weitere Spezialisten des UKW in ihren Online-Vorträgen aktuelle Aspekte aus Forschung, Diagnostik und Behandlung.

Über 250 Chat-Beiträge

„Nicht nur die hohe Beteiligung, auch die über die Chat-Funktion geführte, intensive Diskussion mit über 250 Fragen und Wortmeldungen zeigen, dass wir mit unserem digitalen Informationsangebot die Bedürfnislage der Betroffenen genau treffen – sowohl inhaltlich, wie auch formal und organisatorisch“, freut sich Prof. Einsele. 

Unter den Zuhörerinnen und Zuhörern fanden sich wie gewohnt viele Selbsthilfegruppen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, die im Anschluss auch ihre Zufriedenheit mit der Veranstaltung ausdrückten. So kommentierte beispielsweise die Selbsthilfegruppe Myelom Leipzig: „Die Teilnahme ermöglicht den Betroffenen selbstbestimmt und mit einem Gefühl der Selbstwirksamkeit, sich sehr umfassend hochwertige, gesicherte und verständlich präsentierte Informationen zu beschaffen. Dadurch erlangen sie Bestätigung für die eigene Therapie, Impulse für das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin sowie vor allem auch Hoffnung für ein lebenswertes Leben mit/trotz Myelom."

Stammzelltherapie kann eine echte Heilung bringen

Hoffnungsvoll stimmten zum Beispiel beim Forum präsentierte Studienergebnisse, die belegen, dass es bei geeigneten Patientinnen und Patienten höchst sinnvoll ist, schon in der Erstlinientherapie eine Stammzelltransplantation durchzuführen. „Wer durch eine autologe Stammzelltransplantation eine zumindest annähernd vollständige Remission erreicht, hat eine echte Chance auf Heilung“, unterstrich Prof. Einsele. Vorteilhaft wirkt sich nach seinen Worten die mittlerweile übliche, die Stammzelltherapie begleitende Gabe von Antikörper-Präparaten aus.

Mittlerweile viele Therapiepfeile im Köcher

Kombinierte Mehrfach-Antikörpertherapien tragen auch bei Patientinnen und Patienten, die nicht für eine Stammzelltransplantation in Frage kommen, erheblich zur Verbesserung ihrer Prognose bei. Die Forschung und die Pharmaindustrie entwickeln nach Angaben des Würzburger Myelom-Experten kontinuierlich neue, teilweise hochwirksame Medikamente, so dass auch nach einem Rückfall in vielen Fällen immer noch Behandlungsangebote gemacht werden können. „Viele der heute erfolgreich eingesetzten Immuntherapien, zum Beispiel im Bereich der bispezifischen Antikörper, wurden von Forscherinnen und Forschern der Würzburger Universitätsmedizin mitentwickelt“, zeigte sich Prof. Einsele stolz.

Neue CAR-T-Zell-Versionen in der Entwicklung

Auch bei der Erforschung, Anwendung und Ausweitung der CAR-T-Zell-Therapie spielt das UKW eine international bedeutende Rolle. Die gentechnisch veränderten weißen Blutkörperchen bergen ein großes Potenzial gegen onkologische Erkrankungen –gerade auch in der Behandlung des Multiplen Myeloms. Das Forum zeigte, welche neuen Versionen der optimierten Killerzellen aktuell in der Entwicklungspipeline sind. 

Hochpräzise Diagnostik zur individuellen Therapiesteuerung

Wie gut spricht eine Patientin oder ein Patient auf die gewählte Therapie an? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine erfolgreich verlaufende Behandlung zu beenden? Auf diese und weitere Fragen liefern heute hochempfindliche Diagnosemethoden die erforderlichen Antworten. „Beispielsweise verfügen wir am UKW über eine Analyse-Technologie, die in der Lage ist, die nach einer Behandlung verbliebenen Tumorzellen präzise aufzuspüren. Dieser Befund erlaubt eine noch stärkere Individualisierung des weiteren Vorgehens“, verdeutlichte Prof. Einsele.

Neue Nebenwirkungen

Beim Forum wurde nicht verschwiegen, dass die eingesetzten neuen Medikamente auch von neuen Nebenwirkungen begleitet werden. „Neben einer vergleichsweise geringen Neurotoxizität sind hier vor allem das Zytokin-Freisetzungssyndrom als systemische Entzündungsreaktion sowie verschiedene Arten von Infektionen zu nennen“, berichtete Einsele und fuhr fort: „Gerade bei den Infektionen gibt es allerdings viele gute Ansätze, die geeignet erscheinen, die Probleme bald noch besser unter Kontrolle zu bringen.“

Psychoonkologie trägt zum Behandlungserfolg bei

Für das Durchhalten und letztlich den Erfolg einer Myelom-Therapie ist es wichtig, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten im Auge zu behalten, zum Beispiel durch ein gutes Wirkungs-/Nebenwirkungsverhältnis. Extrem hilfreich ist ferner eine adäquate psychoonkologische Betreuung. Beim Forum wurde aufgezeigt, wie die Konzepte von Achtsamkeit und Akzeptanz zur Selbstfürsorge eingesetzt werden können.