Aktuelle Pressemitteilungen

Schärfere Bilder durch künstliche Aminosäuren

Dr. Gerti Beliu leitet seit September eine neue Forschungsgruppe am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg. Er setzt die neue Technik der „Click-Chemie“ ein, um die Auflösung der Mikroskopie noch besser auszuschöpfen und neue Anwendungen für die Biomedizin zu entwickeln.

Mit der Technologie der „Click-Chemie“ will Dr. Gerti Beliu am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging die Möglichkeiten der Mikroskopie verbessern und Details sichtbar machen, die momentan noch nicht erkennbar sind. „Diese Technik hat das Potential die Mikroskopie zu revolutionieren, ihre biomedizinische Anwendbarkeit steckt aber im Moment noch in den Kinderschuhen“, erklärt Beliu. Hier möchte er mit seiner Forschungsgruppe ansetzen, die Grundlagen der Methode besser verstehen und sie breiter einsetzbar machen. In der Zukunft hält Beliu eine Anwendung im medizinischen Bereich für möglich.

Neue Technik ermöglicht bessere Auflösung

In der hochauflösenden Fluoreszenzmikroskopie ist inzwischen eine Auflösung von unter 10 Nanometern (ein Nanometer (nm) ist ein millionstel Millimeter), und damit rund 50-mal schärfer als die herkömmliche Lichtmikroskopie, möglich. Um ein bestimmtes Protein sichtbar zu machen, wird es in der Mikroskopie meistens mit zwei aneinanderbindenden Antikörpern, an die ein fluoreszierender Farbstoff gekoppelt ist, markiert. Ein Antikörper ist zwischen 10 und 15 nm groß, wodurch das Fluoreszenzsignal bis zu 30 nm neben der eigentlich markierten Stelle liegt. Bei der von Beliu verwendeten Click-Chemie wird eine bestimmte chemische Struktur an ein einzelnes Biomolekül, z.B. eine einzelne Aminosäure (die Bausteine eines Proteins) angehängt. „An diese künstliche Aminosäure kann nun der Farbstoff direkt, ohne Antikörper, wie ein passendes Puzzleteil binden. Dadurch werden viel schärfere Bilder möglich und man kann zum Beispiel kleine, direkt nebeneinanderliegende Proteine einzeln erkennen, die man mit Antikörpern gar nicht hätte unterscheiden können“, sagt Beliu.

Medizinische Anwendung denkbar

Die Verwendung der Click-Chemie hat neben der besseren Auflösung noch weitere Vorteile. So ist die Bindung der beiden „Puzzleteile“ sehr spezifisch und stört durch ihre spezielle chemische Struktur die normalen Abläufe in der Zelle nicht. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine nebenwirkungsarme medizinische Anwendung. Krebszellen nehmen zum Beispiel auf Grund ihrer schnellen Zellteilung bestimmte Verbindungen stärker auf als andere Zellen. An diese, in den Krebszellen gehäuft vorkommenden, Verbindungen könnten die „clickbaren“ chemischen Strukturen angeheftet werden. Wird das zweite „Puzzleteil“ der Click-Chemie an einen medizinischen Wirkstoff gebunden, so könnten die Krebszellen damit sehr effektiv bekämpft werden. „Bevor es zu einer medizinischen Anwendung kommt sind allerdings noch einige Fragen der Grundlagenforschung zu klären. Genau das wollen wir angehen“, erklärt Beliu.

Zur Person

Dr. Gerti Beliu studierte an der Universität Würzburg Biologie und promovierte anschließend in der Forschungsgruppe von Prof. Markus Sauer. In seiner Zeit als Postdoktorand am Biozentrum der Universität Würzburg spezialisierte er sich weiter im Bereich der Hochauflösenden Fluoreszenzmikroskopie, bevor er jetzt am Rudolf-Virchow-Zentrum seine eigene Forschungsgruppe startete.

Weitere Informationen zum Rudolf-Virchow-Zentrum und zur Arbeitsgruppe von Dr. Gerti Beliu finden Sie unter: https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/forschung/forschungsgruppen/ag-beliu/ 

Kontakt

Dr. Gerti Beliu (Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg)
Tel.: +49 931 31-89733, gerti.beliu@ uni-wuerzburg.de 

Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel.: +49 931 31-85822, judith.flurer@ virchow.uni-wuerzburg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 07.10.2021

Uniklinikum Würzburg: Mit drei spannenden Terminen bei der Wuerzburg Web Week dabei

3D-Bauplanung, Künstliche Intelligenz in der Diagnostik und IT-Verfahren im Zentrallabor – das Uniklinikum Würzburg beteiligt sich mit drei öffentlichen Infoveranstaltungen an der Wuerzburg Web Week 2021. Die Aktionswoche zu Themen der Digitalisierung findet im Oktober dieses Jahres zum vierten Mal statt.

Die Wuerzburg Web Week ist eine Dachveranstaltung, die in der Region Würzburg alle gesellschaftlichen Gruppen zusammenbringen will, die mit der Digitalisierung zu tun haben: Firmen und Start-up-Unternehmen, Schulen und Hochschulen, Institutionen und Vereine sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. Bei der diesjährigen Neuauflage der von der gemeinnützigen Regionalmarketinggesellschaft Würzburg AG veranstalteten Aktionswoche vom 22. bis 29. Oktober ist auch das Uniklinikum Würzburg (UKW) wieder dabei – diesmal mit drei höchst unterschiedlichen und natürlich kostenlosen Angeboten.

Vom 3D-Modell zur Baustelle

Die erste Veranstaltung am Freitag, den 22. Oktober, richtet sich an alle, die sich für Digitalisierungsprozesse im Planungs- und Bauwesen interessieren. Diese spielen eine wichtige Rolle bei den aktuell laufenden Sanierungsarbeiten an den Ver- und Entsorgungsleitungen des UKW. Die Planungsbüros führen die dabei erforderliche Tunnelplanung anhand von 3D-Modellen durch. Bei dem um 12:00 Uhr beginnenden Ortstermin werden im Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums 3D-Pläne gezeigt sowie die Herausforderungen des Einsatzes dieser Modelle in der Infrastrukturplanung und beim Bauen im Bestand erläutert. Danach können die Teilnehmer*innen bei einem Blick in die Baugrube einen Tunnelabschnitt in der Entstehung betrachten. Zum Abschluss gibt es eine Führung durch einen der Medientunnel, der zuvor als 3D-Modell gezeigt wurde.

Online-Veranstaltung: KI in der Radiologie

Am Montag, den 25. Oktober, lädt dann Prof. Dr. Thorsten Bley, der Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des UKW, um 17:00 Uhr zu einem Zoom-Meeting ein. Dabei wird er aufzeigen, wie Künstliche Intelligenz zunehmend Teil moderner diagnostischer Strategien wird – zum Beispiel bei den häufigen Erkrankungen Herzinfarkt sowie Brust- und Prostatakrebs. 

Online-Veranstaltung: Zentrallabor digitalisiert

Ebenfalls als Zoom-Meeting organisiert ist eine Veranstaltung des Zentrallabors des Klinikums am Mittwoch, den 27. Oktober, um 17:00 Uhr. Zielgruppe sind alle, die wissen wollen, wie Automation und IT-Verfahren zur Prozessunterstützung in der Krankenversorgung genutzt werden – und dabei schon immer mal einen Blick hinter die Kulissen eines medizinischen Labors werfen wollten.

Weitere Details zum Ablauf der drei Veranstaltungen und der teilweise erforderlichen Anmeldung gibt es im Programmteil unter www.wueww.de.

Pressemitteilung über den Beitrag des Uniklinikums Würzburg zur Wuerzburg Web Week als PDF.

Uniklinikum Würzburg: Prof. Dr. Heike Rittner mit dem Franz-Koehler-Inflammation-Award geehrt

Prof. Dr. Heike Rittner, Schmerzexpertin am Uniklinikum Würzburg, wurde für ihre herausragende Forschung auf dem Gebiet der Entzündungen mit dem Franz-Koehler-Inflammation-Award 2021 ausgezeichnet.

Prof. Dr. Heike Rittner, die Leiterin des Zentrums interdisziplinäre Schmerzmedizin an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Uniklinikums Würzburg, erhielt im September dieses Jahres von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) den Franz-Koehler-Inflammation-Award 2021. Die Preisträgerin ist eine international renommierte Expertin für die Rolle des Immunsystems bei entzündlichen und neuropathischen Schmerzen. Dabei konnte sie unter anderem zeigen, dass Immunzellen mit ihren Botenstoffen Schmerzen auslösen, diese aber auch über körpereigene Endorphine lindern können. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr ihre neuere Forschung zur Bedeutung des Zusammenbruchs von schützenden Barrieren nach Nerventrauma und entsprechenden Entzündungsprozessen sowie zu den Ursachen des komplexen regionalen Schmerzsyndroms – einer seltenen Schmerzerkrankung nach Verletzungen der Extremitäten. 

Über den Preis

Der mit 5.000 Euro dotierte Franz-Koehler-Inflammation-Award wird seit dem Jahr 2010 jährlich verliehen. Die DGAI zeichnet damit herausragende Verdienste auf dem Gebiet der Erforschung von Pathophysiologie, Prophylaxe und Therapie von Entzündungen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen im Umfeld von Operationen aus. Das Preisgeld stiftet die Dr. F. Köhler Chemie GmbH.

 

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Fakten oder Furcht

Was motiviert Menschen dazu, sich an Coronaregeln zu halten: Fundierte Informationen oder die Angst vor der Ansteckung? Diese Frage hat ein Team der Uni und des Uniklinikums Würzburg untersucht – mit einem überraschenden Ergebnis.

Bleiben Sie zu Hause! Verlassen Sie Ihre Wohnung nur für wirklich dringende Erledigungen! Treffen Sie sich nicht mit Freunden und Verwandten! Mit diesem eindringlichen Appell an die Bevölkerung wollten Verantwortliche aus der Politik in Deutschland in der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus verhindern. In Kombination mit den entsprechenden Vorschriften und Bußgeldern sorgten sie dafür, dass Busse und Bahnen leer blieben, in Parks nur noch Pärchen unterwegs waren und Familienfeiern reihenweise abgesagt wurden.

Doch nicht alle waren dazu bereit, sich an diese Vorschriften zu halten. Maskenverweigerer und illegale Partys hielten die Polizei auf Trab und sorgten für Schlagzeilen in den Medien. Wie Menschen dazu motiviert werden können, sich an Regeln zu halten, die ihrem eigenen Schutz und dem der Gesellschaft dienen: Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg in dieser Zeit untersucht. Die Ergebnisse ihrer Studie haben sie jetzt in der Fachzeitschrift Preventive Medicine Reports veröffentlicht.

Angst ist nicht die wesentliche treibende Kraft

„Eigentlich könnte man erwarten, dass Menschen, die Angst davor haben, sich mit dem neuen Coronavirus zu infizieren und schwer zu erkranken, sich eher an die Vorschriften zur Eindämmung der Coronapandemie halten, verglichen mit Menschen, bei denen weniger Emotionen im Spiel sind“, sagt Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Universität Würzburg. An der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums erforscht sie, welche Motive menschliches Verhalten in welcher Weise beeinflussen.

Wie die Würzburger Studie jedoch zeigt, waren es im Fall der Coronapandemie andere Aspekte, die den Ausschlag dafür gaben, dass sich die Befragten an die Regeln hielten: das Wissen um die potenziellen Gefahren einer Covid-19-Erkrankung sowie Informationen über die Möglichkeiten, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. „Wir konnten nachweisen, dass Personen, die während der Pandemie stark gefühlsbetont reagierten, nicht unbedingt eher dazu bereit waren, die Sicherheitsvorschriften einzuhalten“, erklärt Matthias Gamer, Professor für Experimentelle Klinische Medizin an der Uni Würzburg. Hein und Gamer sind Erstautoren der jetzt veröffentlichten Studie.

Wichtiger als Emotionen seien demnach kognitive und soziostrukturelle Variablen. Aus diesem Grund sollten sich nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher politische Maßnahmen in Zukunft darauf konzentrieren, gesicherte Informationen und die gesellschaftliche Relevanz des jeweiligen Problems in den Vordergrund zu stellen, wenn sie Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen wollen, sich verantwortungsbewusst und vorsichtig zu verhalten.

Umfrage unter rund 4.100 Studierenden

Für seine Studie hat das Forschungsteam die Antworten einer Online-Umfrage unter rund 4.100 Studierenden ausgewertet, an der sich diese im April 2020 beteiligt hatten. Gut zwei Drittel der Befragten waren weiblich, das Durchschnittsalter betrug 22,3 Jahre.

„Inwieweit sind Sie besorgt, bei einer Infektion mit dem Coronavirus schwer zu erkranken? Fühlen Sie sich den Herausforderungen durch die Coronapandemie gewachsen? Werde Sie ängstlich und nervös, wenn Sie Nachrichten über das Coronavirus-19 auf sozialen Medien sehen?“ Auf diese und viele weitere Fragen sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie Antwort geben. Dazu kamen Fragen zum Informationsverhalten – den Quellen, aus denen sich die Befragten informierten, ihren bevorzugten Social-Media-Plattformen, der täglich dort verbrachten Zeit – sowie Fragen zur Befindlichkeit und zu ihren Erwartungen und Befürchtungen für die Zukunft.

Konkurrierende Erklärungsmodelle

„Den Hintergrund unserer Studie bildet die Tatsache, dass es in der Psychologie konkurrierende Modelle dazu gibt, welche Aspekte menschliches Verhalten, speziell das Gesundheitsverhalten, steuern“, erklärt Grit Hein. So geht das Emotions-Motivations-Modell davon aus, dass emotionale Reaktionen eine wesentliche treibende Kraft darstellen. Oder, vereinfacht gesagt: Wer Angst vor einer bestimmten Situation hat, wird diese tunlichst meiden.

Im Gegensatz dazu gehen sozial-kognitive Modelle davon aus, dass das Sicherheitsverhalten durch eine andere Gruppe von Variablen bestimmt wird, die hauptsächlich kognitive und soziostrukturelle Aspekte widerspiegeln. Das können eigene Erfahrungen sein, Beobachtungen Anderer sowie Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen.

„Wer die Risiken bestimmter Verhaltensweisen für die eigene Gesundheit kennt, wer informiert ist über den Verlauf einer Krankheit und deren Auswirkungen auf das Alltagsleben, wer sich darüber bewusst ist, dass er mit seinem eigenen Verhalten kontrollieren kann, welchen Risiken er sich aussetzt, der verfolgt mit einer größeren Wahrscheinlichkeit konkrete Pläne und Strategien, um dieses Risiko zu minimieren“, sagt Matthias Gamer.

Weitere Studien sind erforderlich

Ist die Frage nach dem gültigen Modell damit also geklärt? Nicht ganz. „Auf praktischer Ebene deuten unsere Ergebnisse zwar darauf hin, dass sich junge Erwachsenen eher an Sicherheitsvorschriften halten, wenn sie über die Auswirkungen einer Krankheit für den Einzelnen und seine Angehörigen sowie ihre gesellschaftliche Bedeutung gut informiert sind“, sagt Grit Hein.

Weil an der Umfrage allerdings ausschließlich Studierende teilgenommen haben, könne es sein, dass das Bildungsniveau einen relevanten Einfluss ausübt. Dementsprechend schlägt das Würzburg Team vor, dass zukünftige Studien untersuchen sollten, ob die jetzt beobachteten Zusammenhänge auch für Personen mit niedrigerem Bildungsniveau gelten. Für eine Fortsetzung der Studie konnten Hein, Gamer und der ebenfalls beteiligte Professor Paul Pauli bereits Geld bei der Volkswagenstiftung einwerben.

Publikation

Social cognitive factors outweigh negative emotionality in predicting COVID-19 related safety behaviors. Grit Hein, Matthias Gamer, Dominik Gall, Marthe Gründahl, Katharina Domschke, Marta Andreatta, Matthias J. Wieser, Paul Pauli. Preventive Medicine Reports. https://doi.org/10.1016/j.pmedr.2021.101559

Kontakt

Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-77411, hein_g@ ukw.de

Prof. Dr. Matthias Gamer, Lehrstuhl für Psychologie I der Universität Würzburg, T: +49 931 31-89722, matthias.gamer@ psychologie.uni-wuerzburg.de

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Thrombozyten mit doppelter Mission

Professor David Stegner nahm kürzlich die Professur für Vaskuläre Bildgebung am Rudolf-Virchow-Zentrum an. Er erforscht mit seiner Gruppe die Interaktionen von Thrombozyten (Blutplättchen) mit Immunzellen und wie sich diese auf Entzündungsprozesse, wie beispielsweise bei einem Schlaganfall, auswirken.

Prof. Dr. David Stegner nahm den Ruf auf die Professur für Vaskuläre Bildgebung am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging im Sommer 2021 an. Er nutzt hochmoderne Fluoreszenzmikroskopie um die sogenannte „Thrombo-Inflammation“, also entzündliche Prozesse die von Thrombozyten gesteuert werden, besser zu verstehen. „Dieses Entzündungsgeschehen kann bei einem Infarkt oder Schlaganfall das gesunde Gewebe zusätzlich schädigen. Wir wollen die genauen Vorgänge verstehen, damit Patientinnen und Patienten in Zukunft besser behandeln werden können“, erklärt Stegner.

Thrombozyten haben mehrere Funktionen

Die Funktion der Thrombozyten bei der Blutstillung bei Wunden ist schon lange bekannt. Im ungünstigsten Fall kann die Blutgerinnung auch zu Blutgerinnseln (Thromben) führen, die die Blutgefäße verstopfen und zum Absterben des dahinterliegenden Gewebes führen können. Dies ist beispielsweise bei einem Schlaganfall der Fall, weshalb die Standardbehandlung eine möglichst schnelle Beseitigung des Thrombus vorsieht, um das unterversorgte Gewebe zu retten. Allerdings zeigte sich, dass bei vielen Patienten und Patientinnen auch nach der Entfernung des Thrombus das Gewebe hinter dem Verschluss geschädigt wird. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zeigten in früheren Studien, dass Thrombozyten Immunzellen in das betroffene Gewebe locken können. „In gewissem Umfang ist das durchaus sinnvoll, denn es muss zum Beispiel Zellschrott der abgestorbenen Zellen durch die Immunzellen entsorgt werden. Allerdings kann eine überschießende Reaktion des Immunsystems auch zum Absterben von gesunden Zellen führen“, erläutert Stegner.

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen erwünschter und überschießender Immunreaktion setzt Stegner mit seiner Forschung an, die er nun, mit den zusätzlichen Ressourcen der Professur ausgestattet, nochmals intensivieren und auch auf infektiöse Krankheitsmodelle ausweiten kann.

Hochleistungsmikroskopie zeigt alle Mitspieler

Ein wichtiges Werkzeug seiner Forschung sind dabei die Mikroskope mit denen seine Gruppeintravitale Bilder, also am lebenden Organismus, aufnehmen kann. „Mit den am Rudolf-Virchow-Zentrum und Institut für Experimentelle Biomedizin vorhandenen Hochleistungs-Fluoreszenzmikroskopen, wie dem Konfokalen- oder 2-Photonenmikroskop, können wir nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich beobachten wie die Prozesse ablaufen und welche Rezeptoren und Proteine daran beteiligt sind“, erklärt Stegner. Denn erst wenn diese Faktoren alle bekannt sind, kann man auch an medizinische Eingriffe denken.

Über David Stegner

David Stegner kam nach seinem Biochemiestudium in Bayreuth für die Promotion nach Würzburg an den Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin. Nach verschiedenen Postdoktorandenprojekten am Universitätsklinikum Würzburg und dem Rudolf-Virchow-Zentrum startete er seine eigene Forschungsgruppe am Institut für Experimentelle Biomedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Er war mehrfach Projektleiter verschiedener Sonderforschungsbereiche und ist Wissenschaftlicher Sekretär des Transregio-SFBs 240. Seit 2021 ist er W2 Professor am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg.

Kontakt

Prof. Dr. David Stegner (Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg)
Tel.: +49 931 31-80419, stegner@ virchow.uni-wuerzburg.de  

Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel.: +49 931 31-85822, judith.flurer@ virchow.uni-wuerzburg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 05.10.2021

 

Uniklinikum Würzburg: Unterstützen Sie die Migräne-Forschung!

Die Neurologische Klinik des Uniklinikums Würzburg will in einer Studie mehr über die Entstehung von Migräne herausfinden. Dazu werden sowohl Menschen mit Migräne, wie auch Gesunde als Kontrollgruppe gesucht.

„Bei vielen Migräne-Patientinnen und -Patienten sind die Kopfschmerzattacken auf bestimmte auslösende Faktoren, sogenannte Trigger, zurückzuführen“, sagt Prof. Dr. Claudia Sommer. Die Schmerzexpertin der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „In einer aktuellen Studie wollen wir untersuchen, wie Migräne-Trigger mit einem bestimmten Neuropeptid im Blut sowie mit der Sensibilisierung für Schmerzen zusammenhängen.“ Für diese wissenschaftliche Arbeit werden jetzt Migräne-Patient*innen sowie Gesunde als Kontrollgruppe gesucht. 

Fragenbogen innerhalb von 20 Minuten bearbeiten 

Die Teilnehmer*innen sollen dabei zunächst einen Fragebogen ausfüllen. Dieser fragt das Alltagserleben mit Migräne, die Schmerzstärke und das Schmerzerleben ab. Außerdem werden Aspekte wie Depressivität, Angst und Impulsivität erfasst. Die Beantwortung der Fragen dauert etwa 20 Minuten. 

Auf Wunsch Teilnahme an zweiter Phase

„Nach der Auswertung der Fragebögen laden wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einigen Monaten zum zweiten Teil der Studie ein. Dann wollen wir untersuchen, welche Verbindungen zwischen Migräne-Triggern und dem Neuropeptid CGRP bestehen“, kündigt Claudia Sommer an. 

Nach ihren Worten haben die Patient*innen und Proband*innen von der Studienteilnahme zwar keinen persönlichen Nutzen. „Sie helfen jedoch der Forschung, zum Verständnis und in der Zukunft auch zur besseren Behandlung dieser Erkrankung beizutragen“, unterstreicht die Professorin. 

Weitere Informationen zur Studie gibt es bei der Neurologischen Klinik telefonisch unter 0931/201-23741 (immer donnerstags zwischen 16:00 und 19:00 Uhr) sowie per E-Mail unter loeffl_S@ukw.de. 

Oder man schaut sich die Fragebögen direkt an unter https://ls1.psychologie.uni-wuerzburg.de/so/mig/ 

 

 

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Uniklinikum Würzburg: 20 fertige Operationstechnische Assistentinnen gefeiert

Nach einer dreijährigen Ausbildung an der OTA-Schule des Uniklinikums Würzburg konnten kürzlich erneut 20 Operationstechnische Assistentinnen ihren erfolgreichen Abschluss feiern.

Hinter ihnen liegen 1.600 Stunden theoretischer (Online-)Unterricht und 3.000 Stunden praktische Ausbildung in den diversen Operationsbereichen des Uniklinikums Würzburg (UKW). Nachdem sie auch noch die Prüfungen – praktisch, mündlich und schriftlich – gemeistert haben, dürfen sich die diesmal ausschließlich weiblichen 20 Absolventinnen der OTA-Schule des UKW jetzt Operationstechnische Assistentinnen (OTA) nennen. 

Geehrt wurden die frischgebackenen Fachkräfte bei einer „coronabedingt“ kleinen Abschlussfeier im Hörsaal des Anatomischen Instituts am 24. September 2021. Den beiden Prüfungsbesten Carina Broghammer und Julia Kuhnt überreichte Felix Mensch, der Leiter der OTA-Schule, als kleine Anerkennung Einkaufsgutscheine.

Bei dieser „Ausbildungsstaffel“ kamen zehn Teilnehmerinnen aus externen mainfränkischen Krankenhäusern. Von den zehn UKW-internen Absolventinnen wurden neun in ein Anstellungsverhältnis am Uniklinikum übernommen.

OTA unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei operativen Eingriffen. Weitere Aufgaben sind das Vorbereiten und Lagern der Patienten, die Gewährleistung der Patientensicherheit, das Warten und Pflegen der technischen Geräte sowie die Mitverantwortung für die Einhaltung der Hygienevorschriften im OP-Bereich. Um alle diese verantwortungsvollen Tätigkeiten korrekt ausführen zu können, sind hohe Konzentration, Stehvermögen, technisches Interesse und sehr viel Fachwissen erforderlich. 

 

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