Aktuelle Pressemitteilungen

Würzburger Universitäts-Frauenklinik: 170 Gratis-Mützen für Krebspatientinnen

An der Würzburger Universitäts-Frauenklinik trafen kürzlich wieder viele ehrenamtlich genähte, farbenfrohe Mützen ein, die jetzt an interessierte Krebspatientinnen verschenkt werden. Die „Onkomütze“ ist nicht nur ein praktisches Accessoire, sondern auch ein Zeichen mitmenschlicher Solidarität.

Die Würzburgerinnen Carolin Döhler, Petra Kleider und Jessica Stiegler engagieren sich seit rund zwei Jahren in der Interessengemeinschaft Onkomütze. Unter diesem Dach kommen Handarbeitsbegeistere aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und den Niederlanden zusammen, um ehrenamtlich Mützen für Krebspatientinnen und -patienten zu nähen, zu stricken oder zu häkeln. Wie schon mehrfach in den vergangenen Monaten brachte Petra Kleider Anfang März 2022 wieder eine große Lieferung der schmucken Kopfbedeckungen an die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW): 170 individuell genähte Stück können seither von den Pflegekräften der dortigen Chemotherapie-Ambulanz an interessierte Krebspatientinnen verschenkt werden.

„Etwa die Hälfte dieser Mützen haben wir drei produziert, den Rest bekamen wir von anderen Mitgliedern der Interessengemeinschaft aus dem bayerischen Raum zugeschickt“, schildert Kleider. 

Für Stoffauswahl, Zuschnitt und Nähen brauchen die erfahrenen Handarbeiterinnen pro Mütze etwa 30 Minuten. Die Materialkosten und oft auch das Porto tragen sie selbst. Was ist die Motivation hinter diesem großen Engagement? „Ich weiß durch mir nahestehende Menschen, wie schwer es sei kann, eine Krebserkrankung durchzustehen. Da sollen die Mützen nicht nur bei den durch Chemotherapie ausgefallenen Haaren helfen, sondern auch ein Zeichen unserer Solidarität sein“, erläutert Petra Kleider. Außerdem mache es ihr selbst Freude, jemandem anderen eine Freude zu bereiten.

Und tatsächlich kommen die weichen, mit viel Liebe zum Detail gefertigten Kopfbedeckungen bei den Empfängerinnen sehr gut an. Laut den Pflegekräften der Chemotherapie-Ambulanz sind viele ihrer Patientinnen von dem Angebot geradezu begeistert. Und bei der Vielfalt an Mustern und Farben falle so mancher die Auswahl schwer. „Die Onkomützen sind ein wirklich sinnvolles Geschenk – und als solches immer auch schnell vergriffen“, weiß Prof. Dr. Achim Wöckel. Der Direktor der Würzburger Universitätsfrauenklinik bedankt sich im Namen der Patientinnen ein weiteres Mal herzlich bei den fleißigen Näherinnen.

Weitere Infos zur Interessengemeinschaft Onkomütze: 
Homepage oder Facebook 

Schnarchtherapie: Uniklinikum Würzburg sucht Teilnehmende für Studie

Eine vom HNO-Schlaflabor des Uniklinikums Würzburg durchgeführte klinische Studie erprobt, ob sich Schnarchen durch ein spezielles Training der Zungen- und Schlundmuskulatur reduzieren lässt. In das im Sommer 2021 gestartete Forschungsprojekt können weitere Frauen und Männer aufgenommen werden.

Schnarchen kann die Lebens- und Schlafqualität erheblich beinträchtigen. Um hier Abhilfe zu schaffen, untersucht das Team des HNO-Schlaflabors des Uniklinikums Würzburg (UKW) in einer Studie, ob Schnarchen durch eine myofunktionelle Therapie, also ein spezielles Training der Zungen- und Schlundmuskulatur, reduziert werden kann. Dafür suchen die zum Interdisziplinären Zentrum für gesunden Schlaf des UKW gehörenden Fachleute weiterhin Studienteilnehmende beiderlei Geschlechts. Diese sollten zwischen 18 und 65 Jahre alt sein, schnarchen und keine relevanten Atemaussetzer (OSAS) haben. Außerdem sollte eine Bettpartnerin oder ein Bettpartner zur Bewertung des Schnarchens vorhanden sein. 

Zuteilung zu Behandlungs- oder Kontrollgruppe

Die Studie will die Wirksamkeit einer myofunktionellen Therapie im Vergleich zu einer Kontrollgruppe untersuchen. Vor dem Studieneinschluss erfolgt eine reguläre schlafmedizinische Abklärung der Beschwerden mit Gespräch, Untersuchung und ambulanter Messung in der HNO-Schlafambulanz. Nach dem Studieneinschluss und einer zufälligen Zuteilung zur Behandlungs- oder Kontrollgruppe führen sie nach Anleitung selbstständig daheim sechs Wochen lang Übungen durch. Nach dieser Zeit – und nochmals sechs Monate nach Therapiebeginn – wird der Rückgang des Schnarchens durch die Bettpartnerin oder den Bettpartner, Fragebögen sowie die Aufzeichnung der Schnarchgeräusche kontrolliert. 

Kontakt:

Interessierte können beim Interdisziplinären Zentrum für gesunden Schlaf einen Screening-Termin vereinbaren unter E-Mail: schlaflabor_hno@ ukw.de  

Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention startet

Mit der Unterzeichnung einer Stiftungsvereinbarung haben die Würzburger Universitätsmedizin, die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp und die Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist die Weichen gestellt für die Neueinrichtung einer Professur für die Prävention von Demenz und Demenzfolgeerkrankungen.

Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen.
Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen. Über die gemeinsame Vereinbarung freuen sich (v.l.) PD Dr. Thomas Polak (Klinik für Psychiatrie, UKW), JMU-Präsident Prof. Dr. Paul Pauli, Dr. Michael Schwab (Geriatriezentrum Stiftung Bürgerspital), Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät), Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor, UKW), Annette Noffz (Leitende Stiftungsdirektorin Stiftung Bürgerspital) und Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung. Foto: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Mit ihren Unterschriften unter eine Stiftungsvereinbarung schufen sechs Führungskräfte der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU), des Uniklinikums Würzburg (UKW), der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp und der Treuhandstiftung Futura der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist am 8. März dieses Jahres die Grundlage für die Einrichtung einer neuen W1-Professur, die in Zukunft nach Präventionswegen bei Demenz und Demenzfolgeerkrankungen suchen soll. Die Finanzierung der auf zunächst sechs Jahre angelegten Stelle wird zur Hälfte vom UKW getragen, die beiden Stiftungen übernehmen jeweils ein Viertel der Kosten.

Aufbauend auf großangelegter Würzburger Kohorten-Studie

Impulsgeber für das Projekt war die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp. Deren Vorstandsvorsitzender Dr. Gunther Schunk erläutert: „Nachdem eine von uns ab dem Jahr 2010 finanzierte Kohorten-Studie zur Frühdiagnose von Demenzerkrankungen im Jahr 2022 endete, stellte sich die Frage, wie es mit den vielen dabei erarbeiteten Erkenntnissen weitergehen soll.“ An der vom Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) des UKW durchgeführten wissenschaftlichen Langzeitbeobachtung nahmen 600 Würzburgerinnen und Würzburger teil, die zu Studienbeginn 75 Jahre alt waren. Diese wurden in den folgenden zwölf Jahren zu zwei Zeitpunkten nachuntersucht. „Dieser Wissensschatz und andere zwischenzeitlich erzielte Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für die mit der neuen Professur fokussierten Frage, ob und wie sich Demenzen verhindern oder zumindest verzögern lassen“, schildert Prof. Dr. Jürgen Deckert. Laut dem Sprecher des ZEP sollen darüber hinaus auch Demenzfolgeerkrankungen wie Stürze, Depressionen oder Störungen des Schlafrhythmus‘ in den Blick genommen werden.

Hirnforschung und Künstliche Intelligenz zusammenführen

„Mit der Einrichtung der Professur wird es nun möglich sein, neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung mit Methoden der Künstlichen Intelligenz zusammenzuführen“, sagt Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch, der im Namen der Medizinischen Fakultät der JMU die Stiftungsvereinbarung unterschrieb. Und der Universitätspräsident Prof. Dr. Paul Pauli ergänzt: „Der Professorin oder dem Professor werden für die erfolgreiche Bearbeitung diese Forschungsthemen an der Würzburger Universität hervorragende Strukturen sowie Kooperationspartnerinnen und -partner zur Verfügung stehen.“

Da es aufgrund des demografischen Wandels immer mehr ältere Menschen gibt, die zugleich immer älter werden, muss man davon ausgehen, dass die Anzahl der derzeit rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland in Zukunft weiter steigen wird. „Allein vor diesem Hintergrund liegt es für die Stiftung Bürgerspital, die seit ihrer Gründung alten Menschen mit all ihren Erkrankungen eine bestmögliche Versorgung unter Wahrung von Autonomie und Würde bietet, nahe, sich an der Stiftungsprofessur zu beteiligen“, sagt Annette Noffz. Die Leitende Stiftungsdirektorin ergänzt: „Zudem wird am Geriatriezentrum der Stiftung Bürgerspital und an der dort angesiedelten GesundheitsAkademie50Plus unter ärztlicher Leitung des Geriaters Dr. Michael Schwab schon seit 1994 die Therapie und Prävention typischer Alterserkrankungen – wie eben auch Demenz und deren Vorstufen – in der Praxis intensiv verfolgt.“ Und Dr. Schunk kommentiert: „Die Stiftungsprofessur ist eine passgenaue Lösung, um an der Schnittstelle zwischen Forschung, Lehre und Anwendung das gesellschaftlich so wichtige Thema voranzubringen.“

Mitfinanzierung durch die Stiftungen essentiell

Von Seiten des UKW gehörten der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Jens Maschmann, und der Kaufmännische Direktor, Philip Rieger, zu den Vertragsunterzeichnern. „Für den leider im Januar dieses Jahres verstorbenen Stiftungsgründer Dr. Eckernkamp war Stiften immer auch Anstiften“, berichtet Rieger und fährt fort: „Auch in diesem Fall wurden wir ‚angestiftet‘, denn ohne die Mitfinanzierung der beiden Stiftungen wäre die Professur nicht zustande gekommen.“

Prof. Maschmann umreißt das weitere Vorgehen: „Wir planen, die an unserer Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie angesiedelte Professur im April dieses Jahres auszuschreiben. Im Idealfall ist mit einer Besetzung zum Jahreswechsel 2022/23 zu rechnen.“

Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen.
Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen. Über die gemeinsame Vereinbarung freuen sich (v.l.) PD Dr. Thomas Polak (Klinik für Psychiatrie, UKW), JMU-Präsident Prof. Dr. Paul Pauli, Dr. Michael Schwab (Geriatriezentrum Stiftung Bürgerspital), Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät), Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor, UKW), Annette Noffz (Leitende Stiftungsdirektorin Stiftung Bürgerspital) und Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung. Foto: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Kennen Sie Ihr ABCDE-Profil?

Kidney Health for All, lautet das Motto des diesjährigen Weltnierentages am 10. März. Wissenslücken sollen geschlossen werden, um die Nierenversorgung zu verbessern. Das Universitätsklinikum Würzburg schließt sich diesem Motto gern an und stellt eine wichtige Frage, die hilft, Nieren- aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu entdecken: Kennen Sie Ihr ABCDE-Profil?

Diese Frage sollten alle Männer ab 40 Jahren und alle Frauen nach der Menopause oder ab 50 Jahren bejahen können. A steht für Albuminurie, B für Blutdruck, C für Cholesterin, D für Diabetes und E für eGFR-Status. Das ABCDE-Profil kann mit F für Fettleibigkeit fortgesetzt werden, auch ein N für Nikotin sollte auftauchen. Das ABCDE-Profil liefert Hinweise auf ein mögliches Risiko für Nieren-, aber auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die genauen Prognosen sollen Patienten und Ärzte dazu anregen, frühzeitig vorbeugende Maßnahmen einzuleiten. Denn sowohl für die Herzinsuffizienz als auch für die Niereninsuffizienz gilt: Je eher die Erkrankungen erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln.

Komplexes Zusammenspiel von Herz und Niere

Neue Entwicklungen gehen übrigens dahin, Herz- und Niereninsuffizienz nicht mehr getrennt voneinander zu betrachten. Jeder zweite Herzinsuffizienz-Patient hat eine chronische Nierenerkrankung. Und viele Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz haben ein schwaches Herz. Je nach Ursprung ist oft von einem kardiorenalen oder renokardialen Syndrom die Rede (lateinisch ren für Niere). Das Zusammenspiel von Herz und Nieren ist wesentlich komplexer, sodass Mediziner inzwischen von der Nephrokardiologie sprechen. Nephrokardiologen stellen nicht mehr das auslösende Organ in den Vordergrund, sondern das dominante Krankheitsbild, welches zuerst behandelt werden muss. 

Geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) ist wichtiger Marker 

Doch inwiefern schwächen sich Herz und Nieren gegenseitig? Ein schwaches Herz pumpt schlecht. Die Nieren werden nicht mit ausreichend Blut versorgt und ihre Glomeruli filtrieren weniger Primärharn aus dem Blut ab, was eine verminderte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) zur Folge hat. Die GFR wird durch das E aus dem ABCDE-Profil abgedeckt. Das „e“ steht für „estimated“ - eGFR. Das heißt, die GFR wird anhand des Serumkreatinins, Alters, Geschlechts und der Hautfarbe geschätzt. Der Normalwert liegt bei 90 bis 130 Milliliter pro Minute. Die Nieren reagieren auf diese Unterversorgung mit Blut, in dem sie mehr vom hormonähnlichen Renin freisetzen. Dieses bringt den Kreislauf wieder in Schwung, erhöht den Blutdruck und damit auch den Filtrationsdruck in den Nieren. Gleichzeitig wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) aktiviert. Das RAAS verengt die Gefäße, Blutdruck und Blutvolumen steigen immer weiter und damit auch der Druck auf Herz und Nieren.

Nieren leiden leise

Die wenigsten wissen oder spüren, dass ihre Herzen oder Nieren immer schwächer werden. Denn die Symptome sind anfangs nicht spezifisch. Und vor allem die Nieren leiden leise. Eine Nierenerkrankung geht ohne Schmerzen einher. Umso mehr begrüßt die Europäische Nierengesellschaft (ERA), dass die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) inzwischen in ihren neuen Leitlinien empfiehlt, beim Screening auf kardiovaskuläre Risikofaktoren immer auch die Marker für eine Nierenerkrankung zu berücksichtigen. „Damit erkennt sie die chronische Nierenerkrankung als starken und unabhängigen Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung an“, betont Prof. Dr. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Würzburg und Präsident der ERA. Bislang sei die Unsichtbarkeit der Chronischen Nierenerkrankung als klinische Diagnose ein großes Hindernis für die Umsetzung von Strategien zur Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos. In einer schwedischen Kohorte wurde zum Beispiel bei mehr als 50.000 Personen mit einer Nierenerkrankung nur bei 23 Prozent eine tatsächliche Diagnose vom behandelnden Arzt in den elektronischen Gesundheitsakten registriert. 

Albumin-Bestimmung mit UACR-Test

Ein frühes Erkennen einer beginnenden Nierenschädigung ist neben der eGFR auch durch die Bestimmung des Eiweißes Albumin im Urin möglich und wichtig. Denn Nierenschäden können aufgehalten, aber nicht rückgängig gemacht werden. Ein Urinschnelltest mit einem klassischen Urinstreifen gibt erste Hinweise. „Noch genauer ist ein UACR-Test - Urin Albumin zu Creatinin-Ratio. Mit dem Labortest wird das Verhältnis von Albumin- und Kreatininkonzentration im Urin gemessen“, schildert Christoph Wanner. „Idealerweise bietet jeder Hausarzt, Diabetologe und Kardiologe regelmäßig diesen in der Handhabung sehr einfachen und sauberen Labortest an. Der Patient bringt ein vorher verteiltes Urinröhrchen seines Morgenurins mit zum Arzt.“ 

Ebenso wichtig ist es natürlich auch, bei Nierenpatienten das kardiovaskuläre Risiko genau abzuklären. Herz-Kreislauf-Komplikationen bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz machen den Medizinern oft größere Sorgen als Nierenkomplikationen allein. Letztendlich sterben die meisten Nierenpatienten nicht aufgrund ihrer Niereninsuffizienz, sondern an einem Herz-Kreislauf-Ereignis. 

Weitere Informationen zur Nierengesundheit liefert ein kurzer Aufklärungsfilm der Europäischen Nierengesellschaft ERA auf der Präventionswebseite www.strongkidneys.eu. 

Fastenzeit-Aktion am Uniklinikum Würzburg: Gute Nachrichten gesucht

Das ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg lädt auch in diesem Jahr wieder zu einer Fastenzeit-Aktion ein: An zwei Holzkreuzen in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin und in der katholischen Klinikkapelle können bis Karfreitag gute Nachrichten festgehalten werden.

Am 5. März startete das ökumenische Seelsorgeteam seine diesjährige Fastenzeit-Aktion am Uniklinikum Würzburg (UKW). In der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin (ZOM), nahe des Raums der Stille, und in der katholischen Klinikkapelle steht jetzt bis zum Karfreitag jeweils ein mit einem Regenbogen verziertes Holzkreuz. Dort können Patientinnen und Patienten, Besucherinnen und Besucher sowie Klinikumsbeschäftigte gute Nachrichten hinterlassen. Dazu stehen vor Ort bunte, mit Klebepads versehene Papierkarten bereit. „Wir wollen versuchen, die aktuellen Hiobsbotschaften und Kriegsmeldungen zwar wahrzunehmen und als Wirklichkeit stehen zu lassen, aber daneben unsere Aufmerksamkeit bewusst auf ‚Good News‘ auszurichten – auf freudige Nachrichten um uns herum, die uns aufbauen und Kraft schenken“, erläutert die Klinikumsseelsorgerin Marion Mack. Als Anregung und um das Nachdenken über das viele Positive im Alltag in bestimmte Richtungen zu lenken, steht jede Fastenwoche unter einem eigenen Thema, das an den Kreuzen per Aushang mitgeteilt wird.

Universitätsmedizin unterstützt Flüchtlinge aus der Ukraine

Die Deutsche Hochschulmedizin begrüßt ausdrücklich die Entscheidung der Innenminister der EU-Mitgliedstaaten, den aus der Ukraine Geflüchteten einen vorübergehenden Schutzstatus zu gewähren. Universitätsklinika und Medizinische Fakultäten stehen für die Unterstützung von Patientinnen und Patienten sowie Studierenden bereit.

Prof. Dr. Jens Scholz, 1. Vorsitzender des VUD, betont: „Als öffentliche Krankenhäuser der Maximalversorgung stehen Universitätsklinika in einer besonderen Verantwortung. Wir beteiligen uns an der medizinischen Versorgung von Kriegsversehrten und Geflüchteten. Insbesondere für Schwerkranke, z.B. Kinder mit Krebserkrankungen, deren Therapien in der Ukraine aufgrund des Krieges nicht fortgesetzt werden können, stehen die deutschen Universitätsklinika mit ihrer Expertise bereit. Auch einer Verlegung schwerstkranker Patienten, wie wir sie während der COVID-Pandemie erfolgreich innerhalb und außerhalb Deutschlands durchgeführt haben, stehen wir offen gegenüber.“

Prof. Dr. Matthias Frosch, Präsident des MFT, fügt hinzu: „Die Medizinischen Fakultäten sind mit den Ländern in Gesprächen, inwiefern geflüchtete Studierende ihr Studium der Medizin und Zahnmedizin in Deutschland fortsetzen können oder wie wir sie anderweitig unterstützen können. Zudem gilt unsere Solidarität allen russischen Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilen und sich klar von dem russischen Aggressor distanzieren.“

Kontakt:

Deutsche Hochschulmedizin e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stephanie Strehl-Dohmen/ Dr. Christiane Weidenfeld
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
E-Mail: strehl-dohmen@ uniklinika.de; weidenfeld@ mft-online.de 
www.deutsche-hochschulmedizin.de

 

Pressemitteilung der Deutschen Hochschulmedizin e.V. vom 4. März 2022

 

 

Krebs: Wenn Viren und Bakterien zusammenarbeiten

Infektionen mit mehreren Erregern gleichzeitig erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Würzburg an künstlichen 3D-Gewebe-Modellen.

Patientinnen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, sind häufig nicht nur mit dem humanen Papillomavirus (HPV), sondern gleichzeitig auch mit dem bakteriellen Erreger Chlamydia trachomatis infiziert. Es besteht daher der Verdacht, dass die beiden Erreger in einer Art Team zusammenarbeiten, um die von ihnen infizierten Zellen so „umzuprogrammieren“, dass sie entarten und sich unkontrolliert vermehren.

Dr. Cindrilla Chumduri, Forschungsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), und ihr Team haben nun erstmals nachgewiesen, dass es sich dabei nicht nur um einen Verdacht, sondern um einen konkret nachweisbaren Effekt handelt.

Sie haben lebensechte Organnachbildungen – so genannte 3D-Organoide – entwickelt, an denen sie die Wechselwirkungen zwischen den Krankheitserregern und den von ihnen befallenen Geweben sowie die Krankheitsprozesse untersuchen. Die Ergebnisse ihrer Forschung hat die Gruppe in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Mehrfachinfektionen verändern Zellen.

„Unsere Studie verwendet Organoid-Modelle, um die Gefahr von Mehrfachinfektionen zu zeigen. Diese schaffen eine einzigartige zelluläre Mikroumgebung, die möglicherweise zur Umprogrammierung von Geweben und damit zur Entstehung von Krebs beiträgt“, fasst Chumduri das zentrale Ergebnis ihrer Untersuchungen zusammen. Dazu hat die Infektionsbiologin mit Zellen von gesunden Spendern ein nahezu physiologisches Organoid-Modell des Gebärmutterhalses geschaffen.

Dabei konzentriert sich ihre Forschung auf zwei Gewebetypen: Zum einen die sogenannte Ektozervix – der Teil der Gebärmutterhalsschleimhaut, der in die Vagina hineinragt. Und zweitens die Endozervix – der Teil der Schleimhaut, der den Gebärmutterhals weiter innen auskleidet und die Verbindung zur Gebärmutter herstellt. Ihre wesentliche Aufgabe ist es, das Eindringen von Krankheitserregern in die Gebärmutter zu verhindern und so dazu beizutragen, den oberen weiblichen Fortpflanzungstrakt steril zu halten.

Warum interessiert sich Chumduri besonders für diese beiden Gewebearten? „Die Bereiche, in denen Ekto- und Endozervix ineinander übergehen, bilden eine Übergangszone und sind besonders anfällig für Infektionen und Neoplasmen“, erklärt sie. Die meisten Gebärmutterhalskrebserkrankungen haben dort ihren Ursprung, fügt sie hinzu.

HPV und Chlamydien: eine bösartige Allianz

Dass sich Chumduri und ihr Team in ihrer Forschung auf die Erreger HPV und C. trachomatis konzentrieren, hat gute Gründe: „Diese gehören zu den am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Krankheitserregern“, erklärt Dr. Stefanie Koster, eine der Erstautorinnen der Studie, hinzu. Dass HPV Krebs verursachen kann, ist längst erwiesen. Deshalb können sich seit 2007 auch Mädchen in Deutschland dagegen impfen lassen - und jetzt auch Jungen.

Tatsächlich lässt sich die Virus-DNA in mehr als 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebsfälle nachweisen. Sie sind aber nicht der alleinige Verursacher, wie die Tatsache zeigt, dass sich zwar mehr als 80 Prozent der Frauen im Laufe ihres Lebens mit HPV infizieren, aber nicht einmal zwei Prozent an Krebs erkranken. Man geht daher davon aus, dass die Koinfektion mit C. trachomatis ein wichtiger Kofaktor bei der Entstehung von bösartigem Gewebe ist. „Die Dynamik dieser Koinfektion und die zugrundeliegenden Mechanismen waren jedoch bisher weitgehend unbekannt", fügt Dr. Rajendra Kumar Gurumurthy, ein weiterer Erstautor der Studie, hinzu.

Das Problem sei, dass „im Gegensatz zu Tumorviren, deren DNA in Tumoren gefunden werden kann, mit Krebs assoziierte Bakterien selten nachweisbare Elemente in Krebszellen hinterlassen“, erklärt Chumduri. Um jedoch Bakterien mit der Krebsentwicklung in Verbindung zu bringen, sei es notwendig, die zellulären und mutationsbedingten Prozesse zu identifizieren, die dazu beitragen, dass Zellen pathologische Veränderungen erfahren. Chumduri und ihr Team haben nun genau diese Prozesse in den von ihnen entwickelten Organoiden systematisch entschlüsselt.

3D-Organoide eröffnen neue Forschungsmöglichkeiten

Das Ergebnis: „Unsere Analysen zeigen, dass HPV und Chlamydien eine einzigartige zelluläre Umprogrammierung des Wirts verursachen“, erklärt die Wissenschaftlerin. Mehrere Gene werden von den beiden Erregern auf unterschiedliche Weise hoch- oder herunterreguliert, was mit spezifischen Immunantworten verbunden ist. Unter anderem beeinflussen die Erreger eine signifikante Teilmenge aller regulierten Gene, die für die Reparatur von DNA-Schäden verantwortlich sind.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass „die Ko-Persistenz von HPV und Chlamydien in einer Stammzelle die zelluläre und genomische Stabilität beeinträchtigen und das Fortschreiten von Neoplasmen fördern könnte“, so das Fazit der Studie.

Gleichzeitig liefert die Studie den ersten Beweis dafür, dass die von Dr. Chumduris Gruppe entwickelten 3D-Organoide des Gebärmutterhalses für die Untersuchung verschiedener Aspekte der Biologie des Gebärmutterhalses geeignet sind, einschließlich der Prüfung von Medikamenten unter nahezu physiologischen Bedingungen. Die Kultivierbarkeit dieser Organoide und die Möglichkeit, sie genetisch zu manipulieren, eröffnen somit neue Wege zur Untersuchung der Entwicklung, des Verlaufs und der Folgen chronischer Infektionen in einem authentischen präklinischen Umfeld.

Originalpublikation

Modelling Chlamydia and HPV co-infection in patient-derived ectocervix organoids reveals distinct cellular reprogramming. Stefanie Koster, Rajendra Kumar Gurumurthy, Naveen Kumar, Pon Ganish Prakash, Jayabhuvaneshwari Dhanraj, Sofia Bayer, Hilmar Berger, Shilpa Mary Kurian, Marina Drabkina, Hans-Joachim Mollenkopf, Christian Goosmann, Volker Brinkmann, Zachary Nagel , Mandy Mangler, Thomas F. Meyer, Cindrilla Chumduri. Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-022-28569-1

Kontakt

Dr. Cindrilla Chumduri, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: +49 931 31 86531, cindrilla.chumduri@ uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 1. März 2022