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Holetschek: Anwendung integrativer Medizin kann Symptome lindern und Lebensqualität verbessern

Bayerns Gesundheitsminister zur Vorstellung der Ergebnisse der IMBAY-Studie: Ziel ist die wirksamste Therapie für die Patientinnen und Patienten.

 

Vorstellung Akteure IMBAY-Studie mit den Ministern Holetschek und Blume
v.l.n.r.: Prof. Dr. Jost Langhorst, StM Klaus Holetschek, Dr. med. Claudia Löffler, Prof. Dr. Matthias Frosch, Xaver Frauenknecht, StM Markus Blume. Bildquelle: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Naturheilkunde und komplementärmedizinische Therapien können helfen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu verbessern - und viele bayerische Kliniken für Akutmedizin nutzen dieses Potential bereits erfolgreich. Auf entsprechende Ergebnisse der IMBAY-Studie (Integrative Medizin in Bayern) der Julius-Maximilians-Universität und des Universitätsklinikums Würzburg sowie des Klinikums Bamberg hat Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Freitag in München hingewiesen.

Holetschek betonte: „Mein Ziel ist es, Patientinnen und Patienten die wirksamste Therapie zukommen zu lassen. Deshalb haben wir die IMBAY-Studie mit rund 360.000 Euro gefördert.“Der Minister ergänzte: „Die Studie hat ergeben, dass die Anwendung der integrativen Medizin nicht nur im ambulanten Bereich, sondern auch in bayerischen Akut-Krankenhäusern weit verbreitet ist. Zwei Teilprojekte haben dabei wissenschaftlich fundiert gezeigt, dass integrativ medizinische Verfahren wirken können und deren Einsatz – zusätzlich zur konventionellen Medizin – einen wertvollen Mehrwert für Patientinnen und Patienten bieten kann. So können sie beispielsweise zur Verminderung von Symptomen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.“

Wissenschaftsminister Markus Blume sagte: „Integrative Medizin ist Realität in der medizinischen Praxis. Sie ist ein wichtiges Puzzleteil einer modernen medizinischen Versorgung. Vor allem für chronisch kranke Patientinnen und Patienten ist sie oft ein Lichtblick – das zeigen uns auch die Studienergebnisse. Es ist deshalb richtig und wichtig, dass wir die Chancen integrativer Medizin noch stärker in den wissenschaftlichen Fokus nehmen und deren Evidenz weiter untersuchen.“

Ein Teilprojekt beurteilte anhand einer randomisiert kontrollierten Studie die Wirksamkeit von Lebensstil-Interventionen bei Patientinnen und Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Der Projektverantwortliche Prof. Dr. med. Jost Langhorst von der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde der Sozialstiftung Bamberg erläuterte: „Für Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn können wir auf wissenschaftlich hohem Niveau zeigen, dass integrativ-naturheilkundliche Therapiekonzepte einen gewichtigen Beitrag in der Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen leisten können.“

In einem weiteren Teilprojekt unter Federführung des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie ging es darum, Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit von ganzheitlichen Empfehlungen zu Veränderungen des Lebensstils und anderen integrativen medizinischen Verfahren bei gastroenterologischen Patientinnen und Patienten mit Reizdarm systematisch zusammenzufassen und kritisch zu bewerten. Dr. med. Claudia Löffler von der Medizinischen Klinik II an der Uniklinik Würzburg fasste die Ergebnisse des Teilprojektes zusammen: „Unsere umfassende internationale Literaturrecherche zeigte, dass es für achtsamkeitsbasierte Interventionen gute Hinweise einer Wirksamkeit zur Behandlung des Reizdarmsyndroms gibt. Für viele andere Verfahren der komplementären Medizin fehlen aber noch belastbare Ergebnisse aus qualitativ guten Studien. Hier besteht für die universitäre Medizin ein großer Forschungsbedarf."

Im dritten Teilprojekt wurden die Internetauftritte der Akutkrankenhäuser in ganz Bayern gesichtet. Dadurch sollte in Erfahrung gebracht werden, wo und wie häufig die integrative Medizin Anwendung findet. Die Projektleiterin Dr. med. Löffler führte aus: „Naturheilkundliche und komplementäre Therapieverfahren gehören zur Versorgungsrealität in bayerischen Akutkrankenhäusern. Ein Großteil dieser Kliniken bietet auf ihren Websites drei oder mehr komplementärmedizinische Verfahren an. Bei Betrachtung unterschiedlicher medizinischer Fachgebiete, waren diese Verfahren in der Psychiatrie und Psychosomatik sowie in der Geburtshilfe und Gynäkologie am häufigsten vertreten.“

 

Holetschek unterstrich: „Wie die IMBAY-Studie zeigt, leisten evidenzbasierte Naturheilverfahren und Komplementärmedizin vor allem bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn einen wertvollen Beitrag. Deshalb ist es wichtig, diese Naturheilverfahren noch stärker in die medizinische Versorgung zu integrieren. Dafür müssen wir Naturheilverfahren vermehrt in den wissenschaftlichen Fokus nehmen.“

 

Der Projektzeitraum der IMBAY-Studie erstreckte sich vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2021. Sie bestand aus drei Teilprojekten.

Pressemitteilung des Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, 8.4.2022

Große Dankbarkeit für die Unterstützung von ukrainischen Familien mit krebskranken Kindern

Vermittlung von Wohnungen, Kleidung, Lebensmittel und psychosoziale Betreuung – die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder e.V. unterstützt die Familien von krebskranken Kindern aus der Ukraine, die an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik behandelt werden.

Vermittlung von Wohnungen, Kleidung, Lebensmittel und psychosoziale Betreuung – die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder e.V. unterstützt die Familien von krebskranken Kindern aus der Ukraine, die an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik behandelt werden.

Aktuell werden mehrere krebskranke, vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtete Kinder an der Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg behandelt. So sind die Familien von fünf dieser Mädchen und Jungen in Wohnungen der Elterninitiative untergebracht. Die Wohnungen, die der Verein aus Spendenmitteln unterhält, befinden sich in Kliniknähe und gewährleisten somit kurze Wege für die Behandlung und Besuche.

Weitere Unterstützung erfahren die Angehörigen durch die Arbeit des psychosozialen Teams der Kinderklinik, bei dem die Elterninitiative die Stelle der leitenden Psychologin, drei Sozialpädagoginnen, eine Sporttherapeutin sowie zwei Erzieherinnen finanziert. Auch im Alltag hilft das das Team der Elterninitiative den Familien bei Bedarf mit Lebensmitteln und Kleidung. 

„Der Krieg in der Ukraine stellt eine besondere Herausforderung dar und es ist uns ein großes Bedürfnis, den geflüchteten Familien mit einem krebskranken Kind in einer solchen extremen Notlage zur Seite zu stehen“, sagt Jana Lorenz-Eck, die Vorsitzende der Elterninitiative. Ihr Dank gilt den vielen Spenderinnen und Spendern, die die Arbeit des Vereins zur Unterstützung der Uni-Kinderklinik seit mehr als 35 Jahren ermöglichen.

In der Residenz: Benefizkonzert der Birgit-Werner-Stiftung zur Unterstützung krebskranker Frauen am 14. Mai

„MUSIK. MUT. FRAUEN.“ - So lautet der Titel für das klassische Benefizkonzert der „Birgit Werner Stiftung“ im Kaisersaal der Residenz Würzburg am 14. Mai und 19 Uhr. Der Kartenerlös und weitere Spenden durch das hochklassige Konzert kommen der Stiftung zugute.

Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler
Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler

Würzburg. „MUSIK. MUT. FRAUEN.“ - So lautet der Titel für das klassische Benefizkonzert der „Birgit Werner Stiftung“ im Kaisersaal der Residenz Würzburg am 14. Mai und 19 Uhr. Das renommierte Stuttgarter Kammerorchester, dirigiert von Nil Venditti wird begleitet von der deutsch-japanischen Pianistin Mona Asuka. Der Kartenerlös und weitere Spenden durch das hochklassige Konzert kommen der Stiftung zugute. Die Birgit-Werner-Stiftung fördert u.a. die Psychoonkologie an der Würzburger Uniklinik und unterstützt junge Frauen, die an Krebs erkrankt sind.-

Namensgeberin der Stiftung ist Dr. Birgit Werner. Die 1981 geborene Medizinerin ist im Jahr 2019 verstorben. Sie regte in ihrem Testament an, aus ihrem Nachlass eine Stiftung ins Leben zu rufen, die sich für die Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft – im beruflichen wie im kulturell-sozialen Umfeld sowie speziell für die Unterstützung für Frauen während einer Krebserkrankung einsetzt. Aus diesem Grund fördert die gemeinnützige Stiftung, die von ihren Eltern daraufhin ins Leben gerufen wurde, auch nachhaltig das Comprehensive Cancer Center am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und finanziert dort eine psychoonkologische Stelle. Hinzu kommen Aktionen für und mit Patientinnen der Würzburger Uniklinik: Das können z.B. spezielle Wünsche sein wie ein Konzertbesuch, die Begleitung zu einer Ausstellung oder ein besonderes Essen. Auch Angehörige von Patientinnen mit einer Tumorerkrankung werden so gezielt unterstützt.

Mit dem Konzert am 14. Mai möchte die Stiftung nun zum einen für Spenden werben aber auch die Arbeit und das Wirken der noch jungen Stiftung in Würzburg und Franken bekannter machen. Das Konzert findet unter den geltenden Corona-bestimmungen statt. Tickets können direkt auf der Homepage der Stiftung erworben werden:

www.birgitwernerstiftung.de

Auch direkt Spenden sind dort möglich.

 Infos auf einem Blick:

MUSIK. MUT. FRAUEN.

Klassisches Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Nil Venditti, am Flügel Mona Asuka im Kaisersaal der Residenz Würzburg.

14. Mai, 19:00

Würzburg, Residenzplatz 2, 97070 Würzburg, Deutschland

Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler
Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler

Uniklinikum Würzburg: Zwei Tage lang neue Erkenntnisse zu ADHS

Am 30. April und 1. Mai dieses Jahres laden der Selbsthilfeverein ADHS Deutschland e.V. und die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg zu einem gemeinsamen Symposium in die Mainfrankensäle nach Veitshöchheim ein. Dort werden Betroffene, Pädagoginnen und Pädagogen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie alle sonstigen Interessierten von Fachleuten über neue Entwicklungen zu diversen Aspekten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) informiert.

Gemeinsam ist besser – so lautet der Titel des diesjährigen ADHS Deutschland Symposiums, der gleichzeitig auch der 8. Bayerische ADHS-Tag ist. Das Motto spielt auf die hier verwirklichte, allseits vorteilhafte Kooperation von Selbsthilfe und Klinik an. Denn die zweitägige Veranstaltung wird gemeinschaftlich organisiert vom ADHS Deutschland e.V. und der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) des Uniklinikums Würzburg (UKW). Am Wochenende vom 30. April und 1. Mai 2022 laden beide Einrichtungen gemeinsam zu aktuellen Informationen aus einem breiten Themenspektrum rund um die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in die Mainfrankensäle in Veitshöchheim bei Würzburg ein. Mit allgemeinverständlichen Vorträgen wollen die sechs Referentinnen und Referenten gleichermaßen Betroffene, Pädagoginnen und Pädagogen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie alle sonstigen Interessierten erreichen. 

Die häufige Abwärtsspirale frühzeitig unterbrechen 

„ADHS ist eine in den letzten Jahren medial sehr kontrovers diskutierte Erkrankung. Die Betroffenen – darunter auch viele Erwachsene – fühlen sich häufig durch ihre Unaufmerksamkeit, Impulsivität oder Überaktivität im Alltag beeinträchtigt“, berichtet Silvia Stein. Die 2. Landesgruppenleiterin der Landesgruppe Bayern des ADHS-Deutschland e.V. und Co-Organisatorin des Symposiums fährt fort: „Bei hoher Symptomausprägung können persönliche, schulische, berufliche wie private Ziele kaum erreicht werden, was langfristig zu einem erhöhten Risiko für weitere Erkrankungen wie Depressionen führen kann. Um diese Abwärtsspirale zu unterbrechen, ist es wichtig, frühzeitig zu informieren und Behandlungsangebote zu unterbreiten.“

Breites Themenspektrum 

Dazu deckt das Themenspektrum der Großveranstaltung den Verlauf von ADHS bei Kindern wie auch Erwachsenen, gesellschaftliche Aspekte sowie Behandlungsmöglichkeiten, wie Verhaltenstherapie, Medikation und weitere Ansätze, ab.

„Der Schulterschluss mit der Selbsthilfe ermöglicht uns einen besonders ganzheitlichen Blick auf diese neurologisch bedingte Erkrankung, die zu den häufigsten psychischen Problemen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gehört“, freut sich Prof. Dr. Marcel Romanos, der Direktor der KJPPP des UKW über die gelebte Kooperation. 

Auch spezielles Kinder- und Jugendprogramm

Neben den Fachvorträgen für Erwachsene bietet das Symposium an beiden Tagen auch ein Kinder- und Jugendprogramm an. Gegliedert in drei Altersgruppen gibt es hier jeweils passende Angebote. „Neben dem Informationsgewinn und der Selbsterfahrung profitieren viele Kinder durch die Gruppenveranstaltungen von der Erkenntnis, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind“, verdeutlicht Silvia Stein.

Schirmherrin des Symposiums ist Staatssekretärin Anna Stolz vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. 

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist als Fortbildung für Lehrkräfte anerkannt und wird zudem durch die Bayerische Landesärztekammer und die Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zertifiziert.

Das Symposium findet am Samstag, den 30. April 2022, von 9:00 bis 16:30 Uhr und am Sonntag, den 1. Mai 2022, von 9:15 bis 12:00 Uhr in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim statt. Alle Details über das Programm, die Kosten und die Online-Anmeldung finden sich unter www.adhs-deutschland.de.

Eine Teilnahme ist nur mit vorhergehender Online-Anmeldung möglich, es wird keine Tageskasse geben.

Hilfe für krebskranke Menschen aus der Ukraine

Tausende Menschen aus der Ukraine haben ihre Heimat verlassen und benötigen jetzt medizinische Hilfe. Darunter auch viele Krebspatientinnen und Krebspatienten, die sich in ihrem Heimatland in Behandlung befanden. Nach der Registrierung erwartet die krebskranken Menschen nun auch noch die Suche nach Möglichkeiten der Weiterbehandlung und das unter der ohnehin schon extrem belastenden Situation. Der kostenfreie Service des Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) hilft ukrainischen Geflüchteten bei der Organisation ihrer weiteren Krebsbehandlung.

Ukrainische Geflüchtete erhalten in Deutschland zunächst eine medizinische Grundversorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Für Krebspatientinnen und Krebspatienten bedeutet dies in der Regel, dass eine onkologische Behandlung fortgesetzt oder auch begonnen werden kann. Das BürgerTelefonKrebs des BZKF bietet kosten-freie Hilfe:

„Wir erhalten derzeit viele Fragen, von den Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen aus der Ukraine, aber auch von aufnehmenden Familien aus Deutschland“, erklärt Susanne Kagermeier, ausgebildete Krankenpflegerin und Ansprechpartnerin am BürgerTelefonKrebs. „Wir verfolgen laufend die bundesweit einheitlichen Lösungen. Um dann rasch zu helfen und Patientinnen und Patienten zur Weiterbehandlung an passende onkologische Einrichtungen in der Nähe weiterzuleiten. Bei vielen Geflüchteten herrscht große Unsicherheit darüber, welchen Anspruch sie auf medizinische Versorgung haben - wir versuchen die Angst zu nehmen“, so Susanne Kagermeier weiter. Das Team des BürgerTelefonKrebs beantwortet alle Fragen bezüglich einer Krebserkrankung. Die Vermittlung an ein wohnortnahes Krebszentrum und Zugang zu neuesten Therapieoptionen und finanziellen Hilfen aufzuzeigen, gehört zu den kostenfreien Leistungen des BürgerTelefonKrebs.

Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Das BZKF ist ein Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika und vereint die fachlichen Kompetenzen der Expert:innen aus Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten aus München, Regensburg und Würzburg. „Ziel des Zentrums ist es, die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in Bayern voranzutreiben. Durch die vorhandenen Strukturen und das BürgerTelefonKrebs haben wir bewiesen, dass wir in Krisensituation schnell weiterhelfen können“, so Prof. Andreas Mackensen, Direktor des BZKF.

Auskunft und Hilfe: buergertelefon@ bzkf.de 

Telefonische Beratung in deutscher Sprache: Tel. 0800 85 100 80

Weitere Informationen finden Sie unter www.bzkf.de 

 

Pressemitteilung des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) vom 06.04.2022

Alarmzeichen Fettleber

Würzburger Hepatologen fordern, die Fettleber endlich ernst zu nehmen. Bei jedem fünften Betroffenen kommt es zu Entzündungen mit schwerwiegenden Folgen. Doch Diagnostik und Behandlung hinken hinterher. In der Würzburger Fettleberkohorte werden inzwischen Daten von tausend PatientInnen gesammelt, um die Risikoeinschätzung und Therapie zu verbessern.

Monika Rau und Andreas Geier vom Universitätsklinikum Würzburg begrüßen die 1.000 Patientin in der Fettleberkohorte.

Laura Caracci* ist die tausendste Patientin in der Würzburger Fettleberkohorte. Sie war in letzter Zeit oft müde und hatte ein merkwürdiges Druckgefühl im Bauch. Glücklicherweise hat sie einen aufmerksamen Hausarzt, der sie gründlich untersucht und beim Abtasten des Bauches eine vergrößerte Leber entdeckt hat. Eine Ultraschalluntersuchung bestätigte den Verdacht. Laura Caracci hat eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, kurz NAFLD genannt. Sie steht für jeden vierten Menschen auf dieser Welt. Wenn gut ein Viertel der Allgemeinbevölkerung betroffen ist, scheint die Fettleber ja nicht so schlimm zu sein, denken viele. „Doch diese Bagatellisierung ist fatal“, mahnt Professor Dr. Andreas Geier, Leiter der Hepatologie am Universitätsklinikum Würzburg. Denn bei jedem fünften Betroffenen entzündet sich die Leber. Aus der nicht-alkoholischen Fettleber wird eine nicht-alkoholische Fettleber-Entzündung (NASH). Und die Entzündung, auch bekannt als Hepatitis, kann schwerwiegende Folgen haben. Das Lebergewebe wird durch hartes narbiges Bindegewebe ersetzt und vernarbt. Aufgrund der so genannten Fibrose können die Leberzellen ihre zahlreichen Stoffwechsel- und Entgiftungsfunktionen nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Die Leber kann sich schließlich bis zu einer Zirrhose verhärten und Krebs entwickeln.

Mehr Bedarf an Transplantationen, weniger Spenderorgane

Eine US-amerikanische Studie, die PatientInnen mit nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung am häufigsten auf der Warteliste von Lebertransplantation sieht, sollte uns Geier zufolge alarmieren. Zum Glück hinke Europa eine Dekade hinterher. „Doch die Welle rollt auch auf uns zu“, gibt Andreas Geier zu Bedenken. Nach Modellierungen, die das Würzburger Leberzentrum mit internationalen Kooperationspartnern für Deutschland aufgestellt haben, wird sich die Zahl der Zirrhose-PatientInnen in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppeln. Übersetzt heißt das, dass sich auch die Zahl der TransplantationskandidatInnen duplizieren wird. Demgegenüber stünde die sinkende Zahl an Spenderorganen. Die Zahl der Lebertransplantationen ist bundesweit eingebrochen. „Diese gegenläufigen Entwicklungen machen uns große Sorgen“, klagt Geier. Wer auf der Liste steht hat ohne Transplantation eine Lebenserwartung von unter zwei Jahren. Ein Funktionsersatz wie ein künstliches Herz oder eine Dialyse gibt es für die Leber nicht.

Mit Zahl der Übergewichtigen steigt die Zahl der Fettleber-PatientInnen

Wie kommt es zu diesem rapiden Anstieg an Fettleberpatienten? „Weil immer mehr Menschen unter Übergewicht und Fettleibigkeit leiden“, lautet die simple Antwort des Leberspezialisten. In Deutschland sind rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig, ein Viertel der Erwachsenen sind stark übergewichtig. Die Folgen sind zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. In der Fachsprache wird diese Kombination metabolisches Syndrom bezeichnet, im Volksmund aufgrund des erhöhten Risikos für Gefäßerkrankungen auch tödliches Quartett. In seltenen Fällen ist eine Fettleber genetisch bedingt.

Vorbeugen ließe sich also durch eine Umstellung der Ernährung und Bewegung. Doch diese Lebensstiländerung ist leichter gesagt als getan. „Selbst Betroffene, die wissen, dass ihre Leber in Gefahr ist, schaffen es selten, abzunehmen und ihr Normalgewicht langfristig zu halten“, weiß die Privatdozentin Dr. Monika Rau aus Erfahrung. Die Oberärztin hat den Forschungsschwerpunkt Fettleber am UKW von Beginn an mitgeprägt und vor zehn Jahren gemeinsam mit Andreas Geier die Würzburger Fettleberkohorte aufgebaut, die inzwischen eine der größten NAFLD-Kohorte in Deutschland und Europa ist.

Studien haben gezeigt: Wenn PatientInnen zehn Prozent an Gewicht verlieren, können die Vernarbungen und die damit einhergehenden histologischen Veränderungen der NAFLD zurückgehen. „Eine Gewichtsabnahme ist sicherlich die archaistische und intuitivste Form der Therapie, Stand heute aber auch die einzige Therapie der NAFLD“, bemerkt Andreas Geier. „Zur Behandlung der Fettleber gibt es bislang noch keine zugelassenen Medikamente. Dieses fulminante Problem wurde lange nicht erkannt.“

Unterschiedliche Medikamentenklassen befinden sich in klinischer Prüfung


Inzwischen hat auch die Pharmaindustrie den Ernst der Lage erkannt und arbeitet mit Hochdruck an verschiedenen Wirkstoffklassen zur medikamentösen Therapie der NASH. Einige Arzneimittel sind in der Phase III der Entwicklung (1). Das heißt, sie werden in klinischen Studien an einer größeren Patientengruppe auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet. Die NASH-PatientInnen aus der Würzburger Fettleberkohorte haben die Möglichkeit an nahezu allen relevanten Phase 2 und 3 Studien teilzunehmen, sofern das Profil passt. „Wir haben ein gutes Portfolio aus unterschiedlichen Medikamentenklassen. Einige gehen in den Stoffwechsel, andere in die Entzündung“, sagt Andreas Geier, der mit seinem Team bei vielen Studien die deutschlandweite Leitung innehat. Äußerst attraktiv seien bei diesem komplexen pathophysiologischen Krankheitsbild Kombinationen aus verschiedenen Wirkstoffen. Geier hofft, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren Optionen auf den Markt kommen.

Forschung nach Biomarker für bessere Diagnostik

Ebenfalls mit Hochdruck wird an der Verbesserung der Diagnostik gearbeitet. Erstens wissen viele Betroffene gar nicht, dass sie eine Fettleber haben. Man spürt sie nicht. Der Schmerz der vernarbten Leber ist die Müdigkeit. Dieser unspezifische Leistungsknick kann jedoch viele Ursachen haben. Zweitens muss ein besserer Biomarker her. „Auf die bisherigen Leberwerte aus dem Labor können sie sich überhaupt nicht verlassen“, betont Geier. „Das sage ich auch immer meinen Studierenden.“ Die Routine-Leberwerte GOT und GPT sagen oft nichts über den Zustand der Leber aus. Die können sogar bei einer völlig zerstörten Leber normal sein. Vor diesem Hintergrund fördert die EU das Biomarker-Konsortium LITMUS NAFLD mit mehr als 40 Millionen Euro. In dem Konsortium, an dem auch das Würzburger Zentrum maßgeblich beteiligt ist, laufen mittlerweile europaweit große wissenschaftliche Projekte, um neue einfache und breit verfügbare Biomarker zu entwickeln, die sowohl eine Fettleber als auch eine drohende Entgleisung der Erkrankung anzeigen. Bis dahin bleiben Behelfslösungen mit kombinierter Laboruntersuchung und Ultraschall. Und wenn diese in der Praxis regelmäßig angewendet werden, dann seit laut Monika Rau schon viel erreicht.

Risikostratifizierung durch Hausärztin oder Hausarzt

Monika Rau rät allen Allgemeinmedizinern, insbesondere RisikopatientInnen wie Übergewichtige und Diabetiker regelmäßig auf die Entwicklung einer NAFLD zu screenen. Dazu gehört erstens das Abtasten, denn Fett vergrößert die Leber, und zweitens ein Ultraschall der Leber. „Ist im Ultraschall eine Leberverfettung zu sehen, sollte unbedingt eine Risikostratifizierung vorgenommen werden. Eine reine Verfettung ist nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Relevant sind die Entzündung und damit verbunden die Vernarbung. Die Frage ist: Gehört der Patient oder die Patientin zu den 20 Prozent, die ein erhöhtes Risiko für eine Fibrose, Zirrhose oder Krebs entwickeln? Konkret: Hat er oder sie viel Bauchfett oder Diabetes? Wenn ja, sollte er oder sie zum Spezialisten, um den Zustand der Leber mittels Fibroscan oder Biopsie beurteilen zu lassen. Wenn nein, sollte er oder sie unbedingt in der Primärversorgung bleiben und die Leberfunktion alle zwei bis drei Jahre kontrollieren lassen.“

Fibroscan-Sprechstunde am UKW

Das Uniklinikum Würzburg bietet seit zwei Jahren im Rahmen eines Modelprojekts eine Fibroscan-Sprechstunde an. Bei diesem Spezial-Schall, der in Deutschland derzeit noch viel zu selten zum Einsatz kommt und nicht von der Krankenkasse vergütet wird, werden die Steifigkeit der Leber und der Verfettungsgrad gemessen. Anhand der Vernarbung können Rückschlüsse auf eine Entzündung gezogen werden, die bei konkretem Verdacht mittels einer Gewebeprobe, Biopsie, bestätigt werden kann. Denn eine Entzündung an sich kann mittels Fibroscan nicht festgestellt werden. „Ohne Gewebeprobe messen wir die Entzündung an den Spätfolgen, der Vernarbung. Das ist wiederum fatal. Denn mit einer bloßen Entzündung und wenig Vernarbung kann bereits der ganze Körper Schaden nehmen. Viele kardiovaskuläre Risiken sind durch Leberentzündungen erhöht“, schildert Geier.

PatientInnen und Wissenschaft profitieren von Fettleberkohorte

Personen mit einer entzündeten Fettleber (NASH) sind also Risikopatientinnen, auch für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Diese haben auch und vor allem die Möglichkeit, sich im Rahmen der Würzburger Fettleberkohorte eingehend betreuen zu lassen. Während die NAFLD-Patienten mit reiner Verfettung nur alle zwei bis drei Jahre zur Untersuchung kommen, werden die NASH-Patienten in der Regel alle sechs Monate einbestellt. In der Beobachtungsstudie werden sämtliche Veränderungen erfasst, Medikationen erhoben sowie Daten und Biomaterialen gesammelt und ausgewertet. „Die Kohorte hilft uns dabei, die Entstehung und Entwicklungen der Fettleberbedingten Krankheiten noch besser verstehen und Ansätze für Diagnostik und Behandlung finden“, erklärt Monika Rau. „Wir haben zum Beispiel gelernt, ab welchem Steifigkeitsgrad man PatientInnen zur Biopsie schicken sollte. Und wir haben Immunzellen im Blut gefunden, die auf eine Leberentzündung hindeuten (4). Auch die Darmbakterien wurden unter die Lupe genommen (5). Sie sind dafür verantwortlich, wie viel Energie wir durch die Nahrungsbestandteile, die im Darm ankommen, aufnehmen.  Schlanke Menschen haben andere Darmkeimzusammensetzungen als Übergewichtige.“ Und da wie bei allen metabolischen Erkrankungen die Ernährung ein großer Faktor ist, erhalten nun auch alle StudienteilnehmerInnen einen sehr ausführlichen Ernährungsfragebogen. Das Studienteam gibt jedem eine individuelle Rückmeldung zur Ernährung. Darüber hinaus verwerten sie die Daten für wissenschaftliche Fragestellungen. Eine Ernährungsinterventionsstudie ist in Planung.

Es kommen immer neue wissenschaftliche Fragstellungen, die im Rahmen der Kohorte und dank der inzwischen tausend StudienteilnehmerInnen beantworten werden könnten. Monika Rau hat gerade das achte Amendment bei der Ethikkommission eingereicht. „Das ist ein kontinuierlicher Lernprozess für uns ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen“, sagt sie. „Eine Win-win-Situation. Die Wissenschaft profitiert von den neuen Erkenntnissen, die PatientInnen profitieren davon, dass die neuen Entwicklungen rasch im Alltag ankommen, und die StudienteilnehmerInnen profitieren von den vorzeitigen Therapieoptionen und der intensiven Betreuung.“ Wie Laura Caracci. Bei ihr hat der Fibroscan bereits erste Vernarbungen gezeigt.

*Name der Patientin wurde geändert.

Kontaktdaten zur Anmeldung für die Fibroscan-Sprechstunde:

Claudia Hart
Schwerpunkt Hepatologie, Fibroscan Ambulanz
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Universitätsklinikum Würzburg
Oberdürrbacher Str. 6, 97080 Würzburg


Tel. 0931-201-40815
Fax: 0931-201-640815

Telefonische Erreichbarkeit: Mo. 9:00 -14:30 Uhr, Di u. Mi. 9:00 -12:00 Uhr sowie Freitag 9:00 Uhr -13:00 Uhr.

(1) An update on drug development for the treatment of nonalcoholic fatty liver disease - from ongoing clinical trials to future therapy. Rau M, Geier A. Expert Rev Clin Pharmacol. 2021 Mar;14(3):333-340. doi: 10.1080/17512433.2021.1884068. Epub 2021 Feb 13. PMID: 33535836

(2) The European NAFLD Registry: A real-world longitudinal cohort study of nonalcoholic fatty liver disease. Hardy T, Wonders K, Younes R, Aithal GP, Aller R, Allison M, Bedossa P, Betsou F, Boursier J, Brosnan MJ, Burt A, Cobbold J, Cortez-Pinto H, Day CP, Dufour JF, Ekstedt M, Francque S, Harrison S, Miele L, Nasr P, Papatheodoridis G, Petta S, Tiniakos D, Torstenson R, Valenti L, Holleboom AG, Yki-Jarvinen H, Geier A, Romero-Gomez M, Ratziu V, Bugianesi E, Schattenberg JM, Anstee QM; LITMUS Consortium. Contemp Clin Trials. 2020 Nov;98:106175. doi: 10.1016/j.cct.2020.106175. Epub 2020 Oct 9.PMID: 33045403

(3) A 2-step fast-track elastometry service for advanced workup of nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD) patients - single-center real-world experience of outpatient clinical practice.Alsenbesy M, Rau M, Weiss J, Götze O, Geier A. Z Gastroenterol. 2019 Oct;57(10):1209-1217. doi: 10.1055/a-0981-6484. Epub 2019 Oct 14. PMID: 31610584

(4) Progression from Nonalcoholic Fatty Liver to Nonalcoholic Steatohepatitis Is Marked by a Higher Frequency of Th17 Cells in the Liver and an Increased Th17/Resting Regulatory T Cell Ratio in Peripheral Blood and in the Liver. Rau M, Schilling AK, Meertens J, Hering I, Weiss J, Jurowich C, Kudlich T, Hermanns HM, Bantel H, Beyersdorf N, Geier A. J Immunol. 2016 Jan 1;196(1):97-105. doi: 10.4049/jimmunol.1501175.

(5) Fecal SCFAs and SCFA-producing bacteria in gut microbiome of human NAFLD as a putative link to systemic T-cell activation and advanced disease. Rau M, Rehman A, Dittrich M, Groen AK, Hermanns HM, Seyfried F, Beyersdorf N, Dandekar T, Rosenstiel P, Geier A. United European Gastroenterol J. 2018 Dec;6(10):1496-1507. doi: 10.1177/2050640618804444. Epub 2018 Sep 30. PMID: 30574320

Immuntherapie: Warum Wächterzellen wichtig sind

Wächterzellen des Immunsystems sind essentiell, um die Immunbalance im Körper zu steuern. Nun steht fest, dass sie auch eine wichtige Rolle bei Immuntherapien gegen Krebs und chronische Virusinfektionen spielen.

Chronische Virusinfektionen und Krebs können das Immunsystem dauerhaft beeinträchtigen: Beide Erkrankungen setzen die Fähigkeit der Killer-T-Zellen herab, Tumorzellen oder von Viren infizierte Zellen zu eliminieren. In der Medizin wird diese Beeinträchtigung als „Immunerschöpfung“ bezeichnet.

Die Immunerschöpfung lässt sich mit Medikamenten hemmen, mit sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Das hat sich bei einigen Krebsarten als sehr wirksam erwiesen. Doch diese Form der Immuntherapie funktioniert nicht immer. Außerdem kann sie schwere Nebenwirkungen verursachen.

Deutsch-australische Studie in Immunity

Bei den Prozessen, die zur Immunerschöpfung führen, treten die Wächterzellen des Immunsystems – die dendritischen Zellen – in eine enge Wechselwirkung mit Killer-T-Zellen. Diese Wechselwirkung wurde von einer deutsch-australischen Forschungsgruppe entdeckt und charakterisiert. Dadurch ist jetzt auch viel klarer, wie Checkpoint-Inhibitoren zur Wiederherstellung der Immunfunktion beitragen.

Die neuen Erkenntnisse stammen aus einer von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) geleiteten Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Peter Doherty Institute for Infection and Immunity (Doherty Institute) in Melbourne, Australien, durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind im Journal Immunity publiziert.

Anspruchsvolle mikroskopische Verfahren eingesetzt

Professor Wolfgang Kastenmüller ist Seniorautor der Publikation, Direktor des JMU-Instituts für Systemimmunologie und Leiter der gleichnamigen Max-Planck-Forschungsgruppe: „Die meisten bisherigen Arbeiten über die Immunerschöpfung hatten sich auf die Killer-T-Zellen fokussiert, aber kaum auf deren Interaktionspartner. Unsere Resultate zeigen, dass die Checkpoint-Immuntherapie auf der Interaktionsebene zwischen den Killer-T-Zellen und dendritischen Zellen wirkt. Das haben wir mit anspruchsvollen mikroskopische Verfahren herausgefunden.“

Das Forschungsteam konnte zeigen, dass die dendritischen Zellen die Killer-T-Zellen genau in dem Maß aktivieren, dass es nicht zu einer überschießenden Immunreaktion kommt.

Diese Fähigkeit der dendritischen Zellen steht im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt in spezifischen anatomischen Nischen in lymphatischen Organen. Dort werden die Killer-T-Zellen in einem voraktivierten Zustand gehalten, der es ihnen ermöglicht, die Infektion im richtigen Moment und im richtigen Maß zu bekämpfen.

Folgen für die Erforschung von Virusinfektionen und Krebs

Wie Professor Sammy Bedoui aus Melbourne, Co-Seniorautor der Studie und Leiter der Immunologie am Doherty Institute, sagt, hat diese Entdeckung weitreichende Folgen für zukünftige Forschungen zur effektiven Bekämpfung von Virusinfektionen wie HIV, Hepatitis und möglicherweise auch COVID-19. Folgen habe das auch bei bestimmten Krebsarten der Haut, der Lunge und der Nieren.

„In Abwesenheit der dendritischen Zellen funktionieren die Checkpoint-Inhibitoren nicht mehr. Stattdessen kommt es zu einer unkontrollierten Aktivierung der Killer-T-Zellen, was zu einer überschießenden Entzündung und einer weiteren Beeinträchtigung des Immunsystem führt, die Infektion zu kontrollieren“, fasst Professor Bedoui die Studie zusammen.

Partner und Förderer

Die Studie wurde im gemeinsamen PhD-Programm der Universitäten Melbourne und Bonn initiiert. Abgeschlossen wurde das Projekt in einer Kooperation zwischen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und dem Doherty Institute der Universität Melbourne. Gefördert wurden die Arbeiten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Europäischen Forschungsrat und der Max-Planck-Gesellschaft.

Publikation

Dähling et al., Immunity 55, 1-15, April 12, 2022, doi: 10.1016/j.immuni.2022.03.006

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 05.04.2022