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Licht ins Dunkel: Hochauflösende Mikroskopie entdeckt Zielmoleküle für Immuntherapie

Würzburger Mediziner und Biophysiker können mit einem neuen hochempfindlichen Super-Resolution-Mikroskopieverfahren auf Krebszellen Zielmoleküle für die Immuntherapie sichtbar machen. Dabei können sie nachweisen, dass schon geringe Mengen dieser Zielmoleküle ausreichen, um sie für die Immuntherapie mit CAR-T-Zellen zu nutzen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Nature Communications publiziert.

CD19-Antigene in der Plasmamembran einer multiplen Myelomzelle
Die Abbildung zeigt die Verteilung von CD19-Antigenen in der Plasmamembran einer multiplen Myelomzelle aufgenommen mittels dSTORM. Bild: Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik, JMU Würzburg

„Die Krebszellen des Multiplen Myeloms können auf ihrer Oberfläche das Antigen CD19 tragen und von Designer-T-Zellen, die das CD19-Molekül spezifisch erkennen, auch vernichtet werden“ berichtet Dr. Michael Hudecek, Krebsforscher der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW). Das ist die zentrale Erkenntnis einer aktuellen Studie, die die Würzburger Mediziner in Zusammenarbeit mit den Biophysikern der Universität durchgeführt und im Juli dieses Jahres in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht haben.

T-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die der Immunabwehr dienen. Leider sind sie in ihrem natürlichen Zustand gegenüber Tumorzellen fast „blind“. Durch gentechnologische Veränderungen können sie jedoch für jeweils eine spezifische Krebsart maßgeschneidert „scharfgestellt“ werden. Dazu werden sie mit einem künstlichen (chimären) Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet. Mit diesem sind sie in der Lage, Tumorzellen, die das Zielmoleküle CD19 tragen, zu erkennen und zu zerstören. „Diese Therapie funktioniert bei Patienten mit CD19-positiver Leukämie und Lymphknotenkrebs bereits sehr gut und es gibt erste Erfahrungsberichte bei Patienten mit Multiplem Myelom. Die positiven Erfahrungsberichte mit der CD19-CAR-T-Zelltherapie bei Patienten mit Multiplem Myelom sorgten in der Fachwelt für große Aufmerksamkeit, denn mit herkömmlichen Analyseverfahren ist das CD19-Molekül auf den Myelomzellen praktisch nicht nachweisbar“, schildert Dr. Thomas Nerreter aus der Arbeitsgruppe von Dr. Hudecek und fährt fort: „Wir haben in dem aktuellen Projekt deshalb erstmals einzelmolekülempfindliche Super-Resolution-Mikroskopieverfahren eingesetzt, um gezielt nach dem CD19-Molekül zu suchen – und sind in der Tat auch fündig geworden.“

Auflösung auf Einzelmolekülebene

Um die ablaufenden Prozesse und letztlich auch die Empfindlichkeitsschwelle der CD19-CAR-T-Zellen besser beurteilen zu können, kooperierten die UKW-Forscher mit dem Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Markus Sauer erläutert: „Wir haben eine Fluoreszenzmikroskopietechnik entwickelt, die es uns ermöglicht, einzelne Moleküle mit einer räumlichen Auflösung von 20 Nanometern abzubilden. Mit dieser sogenannten dSTORM-Technologie ist es möglich, die Antigen-Expression auf Zellen direkt und quantitativ nachzuweisen.“
In dem gemeinsamen Forschungsprojekt wurden Proben von Myelom-Patienten der Medizinischen Klinik II des UKW per dSTORM untersucht. „Während bei klassischen Detektionsmethoden für einen sicheren Nachweis rund 1.500 Moleküle des Antigens auf einer Zelle vorhanden sein müssen, reichten uns im Bestfall 13 Moleküle“, verdeutlicht Sebastian Letschert vom Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik den drastischen Sprung in der Detailschärfe.

CAR-T-Zellen sprechen schon auf geringe CD19-Mengen an

„Mit Hilfe der superauflösenden Mikroskopie konnten wir zeigen, dass das CD19-Antigen tatsächlich deutlich häufiger auf Myelom-Zellen zu finden ist, als das mit klassischen Detektionsmethoden erkennbar war“, resümiert Dr. Nerreter und fährt fort: „Schon diese geringen Antigen-Mengen reichen offenbar aus, um die Tumorzellen für die CAR-T-Zellen identifizierbar zu machen.“
Es wurde jedoch auch deutlich, dass es Myelom-Zellen gibt, auf denen keine CD19-Antigene nachgewiesen werden konnten. „Wir gehen deshalb davon aus, dass eine Immuntherapie mit CD19-CAR-T-Zellen dann am wirksamsten ist, wenn sie noch mit anderen Myelom-wirksamen Substanzen kombiniert wird. Eine weitere Möglichkeit ist es, CAR-T-Zellen herzustellen, die mehrere Antigene gleichzeitig erkennen, einerseits um die Wirksamkeit und andererseits um die Trennschärfe gegenüber normalen Blutzellen noch weiter zu erhöhen“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW.


Literatur:


Nerreter, T, Letschert, S, Doose, S, Danhof, S, Einsele, H, Sauer*, M, Hudecek*, M (2019). Super-resolution microscopy reveals ultra-low CD19 expression on myeloma cells that triggers elimination by CD19 CAR-T. , Nat Communications 10, 3137. /doi.org/10.1038/s41467-019-10948-

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CD19-Antigene in der Plasmamembran einer multiplen Myelomzelle
Die Abbildung zeigt die Verteilung von CD19-Antigenen in der Plasmamembran einer multiplen Myelomzelle aufgenommen mittels dSTORM. Bild: Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik, JMU Würzburg

Kunst gegen Wissen

Von wunderschön über zauberhaft bis mega und cool ist gerade alles im Foyer des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg zu hören. In dem Forschungs- und Behandlungszentrum bemalen derzeit Jugendliche des Gestaltungs- und Sozialzweigs der Montessori-Schule eine 7 Meter lange und 3 Meter hohe Wand mit einem Herzen, aus dem verschiedene Pflanzen sprießen. HERZENSSTÄRKEPFLANZEN-FREUDE heißt das Konzept, das Mensch und Natur als Einheit wahrnimmt. Wenige Wochen zuvor haben bereits Schüler der Mittelschule Zellerau mit einem bunten Graffiti auf dem Fries in der Eingangshalle Farbe ins DZHI gebracht. Siebtklässler der Pestalozzi Mittelschule und das offene Atelier der Leopold-Sonnemann-Realschule in Höchberg haben die Wände in den Ambulanzen für Patienten und Probanden mit Pinsel und Schablonen in Angriff genommen. Passend zur STAAB-Studie, wo 5.000 Würzburger Herzen untersucht werden, haben die Nachwuchskünstler Lieblingsorte abgebildet – Orte, die den Würzburgern am Herzen liegen. Die Realschüler laden Patienten, Ärzte und Pflegepersonal in ihren Bildern zu Traumreisen und Abenteuern ein und sorgen mit kleinen Figuren auf den Wänden für heitere Überraschungen.

Schüler des Gestaltungszweigs der Montessori-Schule, die Klasse 7a der Pestalozzi-Mittelschule und das Offene Atelier der Leopold-Sonnemann-Realschule präsentierten ihre Kunstwerke im DZHI.
HERZENSSTÄRKEPFLANZENFREUDE heißt das Konzept der Schüler aus dem Gestaltungszweig und Sozialen Zweig der 11. Jahrgangsstufe der Montessori-Fachoberschule Würzburg. Sie haben innerhalb von drei Tagen die sieben Meter lange und drei Meter hohe Wand im Foyer des DZHI gestaltet. „In unserem Konzept werden Mensch und Natur als Einheit wahrgenommen“, erklärt die Lehrerin Dorette Jansen. „Der Mensch als ganzheitliches Wesen, in allen verschiedenen Lebens oder Wachstumsphasen, wie auch in seiner Wandlung im Tod und dem, was weitergegeben wird. Diesen allumfassenden Gedanken finden wir in der Natur."
Bei den Schülern des „Offenen Ateliers“ der Leopold-Sonnemann-Realschule in Höchberg war das Herz der Ausgangspunkt der Überlegungen. „Im Herzen hat so Vieles Platz!“ und „Es ist bei Weitem mehr als ein Organ!“. Bei der Gestaltung der Flure in der Ambulanz und des Tagesraums kamen die Jugendlichen und ihre Lehrerin Karin Kasberger zu folgender Entscheidung: Ein freundliches Gegenüber in Form und Farbe sollten die Patienten, ihre An-gehörigen, die Ärzte und Pflegekräfte hier antreffen.
Nur ein Beispiel von vielen.. Dieses Bild und weitere Kunstwerke der Schüler des Offenen Ateliers der Leopold-Sonnemann-Realschule zieren unsere Ambulanz.
21 Schüler der Klasse 7a aus der Pestalozzi-Mittelschule haben mir ihrer Lehrerin, Sabrina Purius, Lieblingsorte in Würzburg fo-tografiert. Von den Orten, für die auch viele andere Würzburger Herzen schlagen, haben sie Schablonen erstellt und mit ver-schiedenen Techniken auf Papier festgehalten. Einige der Kunstwerke sowie zwei Collagen, in denen die Schüler ihre ganz eigene Sicht auf Würzburg zeigen, sind jetzt in den Räumen der Ambulanz und der STAAB-Studie zu besichtigen, dort, wo 5.000 Würzburger Herzen untersucht werden, um die frühen Stadien der Herzschwäche rechtzeitig zu erkennen.
Um sich ein Bild vom Herzen und vom DZHI zu machen, bekamen die Nachwuchskünstler Führungen durch die Ambulanz, zum Ultrahochfeld-MRT und durch die Labore, wo sie den Wissenschaftlern über die Schulter schauen durften. Sie haben zum Beispiel gesehen, wie der Energie- und Kalzium-Haushalt der Herzmuskelzellen untersucht wird und gelernt, dass Mitochondrien als Kraftwerke der Zellen für den Energiehaushalt zuständig sind. Besonders gestaunt haben die Schüler im Labor über die mikroskopischen Bilder von Zebrafischherzen. „Voll krass!“ und „krasse Sachen!“ - das war an diesem Tag mehrfach zu hören.

  Christoph Maack, Sprecher des DZHI ist begeistert von den Arbeiten: „Es ist sehr beeindruckend, was die Schüler hier mit ihren Lehrerinnen auf die Beine gestellt haben und wie viel Herzblut in den Kunstwerken steckt.“ Das DZHI hatte gemeinsam mit der Stadt Würzburg im vergangenen Winter einen Aufruf gestartet und Schulklassen zur Gestaltung der Räume eingeladen. Im Gegenzug haben die Schüler auf ihr Alter und die Interessen zugeschnittene Führungen bekommen. Sie konnten den Ärzten sowie Forschern über die Schulter schauen und selbst einmal Herzen abhören, schlagende Zellen unterm Mikroskop anschauen oder pipettieren.

„Solche tollen Kooperationen zwischen Wissenschaft und Bildung unterstützen wir immer gern“, so die kommissarische Leiterin des Bildungsbüros der Stadt Würzburg im Kultur-, Schul- und Sportreferat Nadine Bernhard. „Sie dienen der Förderung der Kreativität, der Stärkung des Selbstbewusstseins und der Teamarbeit, der Berufsorientierung und natürlich auch in diesem Fall dem Auseinandersetzen mit dem Herzen als Organ, das es zu schützen und zu stärken gilt.“

 

 

Würzburger Universitäts-Frauenklinik: Ausstellung zeigt Wege zum Umgang mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs

Bei der Vernissage der Wanderausstellung „Ansichtssache“ an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik wurde deutlich: Es gibt für die betroffenen Frauen individuell unterschiedliche Wege, mit der Diagnose „Familiärer Brust-und Eierstockkrebs“ umzugehen.

Die Wanderausstellung „Ansichtssache“ ist derzeit in der Würzburger Universitäts-Frauenklinik zu sehen. Bild: Helmuth Ziegler/Uniklinikum Würzburg
Sabine Weimert vom BRCA Netzwerk e.V.: „Der Bildband und die Ausstellung können für Frauen mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs in Entscheidungssituationen ungemein hilfreich sein.“ Bild: Helmuth Ziegler/Uniklinikum Würzbur
Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik: „Viele Frauen sehen das Wissen um eine familiäre Veranlagung zu Brust- oder Eierstockkrebs nicht nur als Krise, sondern auch als Chance zu einer rechtzeitigen, intensiven Auseinandersetzung und eventuellen frühzeitigen Therapie.“ Bild: Helmuth Ziegler/Uniklinikum Würzburg
Die Ausstellung „Ansichtssache“ besteht aus Porträtfotografien und kurzen Texten betroffener Frauen. Bild: Helmuth Ziegler/Uniklinikum Würzburg
Bei der Vernissage der Ausstellung „Ansichtssache“ (von links): Dr. Tanja Stüber und Prof. Dr. Achim Wöckel (beide Würzburger Universitäts-Frauenklinik), Sabine Weimert (BRCA Netzwerk e.V.), Beate Beyrich (Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.) und Prof. Dr. Georg Ertl (Uniklinikum Würzburg). Bild: Helmuth Ziegler/Uniklinikum Würzburg

Noch bis zum 20. August 2019 ist in der Universitäts-Frauenklinik Würzburg die Wanderausstellung „Ansichtssache“ zu sehen. Sie basiert auf den Arbeiten zu einem Bildband, den das „BRCA-Netzwerk – Hilfe bei familiärem Brust-und Eierstockkrebs“ im Jahr 2016 herausbrachte. Porträtfotografien und kurze Texte zeigen, wie betroffene Frauen mit dem Wissen um das Risiko der Erkrankung umgehen und wie sie ihre Entscheidungen zu prophylaktischen Maßnahmen oder zur intensivierten Früherkennung treffen.

 

Einzelschicksale als wertvolle Entscheidungshilfe

Sabine Weimert, die Gesprächskreisleiterin Nürnberg des BRCA Netzwerk e.V., machte bei der Vernissage am 18. Juli 2019 deutlich, dass es bei diesen Entscheidungen kein richtig oder falsch gebe, sondern vielmehr individuell sehr verschiedene Wege eigenschlagen werden können. Sie schilderte aus eigener Erfahrung, dass die Auseinandersetzung mit den in Bildband und Ausstellung zusammengetragenen Patientinnen in diesem Entscheidungsprozess ungemein hilfreich sein kann. Weiterhin unterstrich sie: „Wir können der modernen Medizin dankbar sein, dass wir nicht dem Schicksal so ausgeliefert sind, wie unsere Mutter- und Großmuttergenerationen.“

Auch Beate Beyrich gab in ihrer Ansprache Einblicke in ihr eigenes Erleben und Verarbeiten der Diagnose Brustkrebs. Die Leiterin der Würzburger Gruppe und Vorsitzende des Landesverbandes Bayern der bundesweit tätigen Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. hat die Wanderausstellung nach Würzburg geholt. Sie nutzte die Gelegenheit, um Prof. Dr. Achim Wöckel, dem Direktor der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW), für seine kontinuierliche und empathische Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe zu danken.

 

Die Krise auch als Chance sehen

Der Klinikdirektor seinerseits wies daraufhin, dass nach seinen Beobachtungen viele Frauen nach dem anfänglichen Diagnoseschock den Sprung schaffen, das Wissen um eine familiäre Veranlagung zu Brust- oder Eierstockkrebs nicht nur als Krise, sondern auch als Chance zu einer rechtzeitigen, intensiven Auseinandersetzung und eventuellen frühzeitigen Therapie zu sehen.

In Bezug auf die Therapien hob Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, die auch von den Medien breit dargestellten Möglichkeiten der sogenannten personalisierten Medizin hervor. „Allerdings werden Patientinnen und Patienten bei aller Technologie immer auch ein menschliches Gegenüber brauchen. Die Ausstellung und die enge Einbindung unserer Selbsthilfegruppen ist ein weiterer Ausdruck der menschlichen Zuwendung, die an unserer Frauenklinik und am UKW gelebt wird“, betonte der Klinikumsdirektor.

Die Schauwände in der Frauen-Klinik an der Josef-Schneider-Straße 4 sind von Montag bis Freitag von 8:30 bis 16:00 Uhr zugänglich.

 

 

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Neue Fotos aus aller Welt zieren das Uniklinikum Würzburg

Seit kurzem können im Haus A4 des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg neue Werke des Bosch Rexroth Fotoclubs betrachtet werden. Die Fotos zeigen wieder „Aufnahmen aus aller Welt“. Am Donnerstag, den 25. Juli 2019, gibt es dazu eine Vernissage.

 

Seit einigen Jahren stellen Mitglieder des Bosch Rexroth Fotoclub unter dem Titel „Aufnahmen aus aller Welt“ kontinuierlich ausgewählte Werke auf den Stationen und Fluren sowie in den Wartebereichen der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) aus. Verteilt im Haus A4 im Zentrum für Innere Medizin des UKW an der Oberdürrbacher Straße, beleben die farbenprächtigen Fotografien die ansonsten neutralen Wände. Von Zeit zu Zeit tauscht der Fotoclub einen Teil der über 100 kostenlos zur Verfügung gestellten Bilder aus. So wurden in diesem Sommer wieder 58 neue Fotos geliefert und aufgehängt.

Am Donnerstag, den 25. Juli 2019, findet um 18:00 Uhr in der Stammzell-Transplantations-Ambulanz eine Vernissage statt. Von Seiten des Klinikums wird Privatdozent Dr. Götz Ulrich Grigoleit in die aktualisierte Schau einführen. Der Schwerpunktleiter der Allogenen Stammzelltransplantation am UKW betont: „Die hervorragenden Aufnahmen sind nicht nur ein überaus ästhetischer, abwechslungsreicher und interessanter Wandschmuck, sie haben auch ganz praktische Nutzen. Vielen Besuchern dienen sie als Orientierungshilfe – und für manche Patienten sind sie Ansporn und Wegmarke für ihre Gehübungen.“

„Auch beim Personal kommen die variantenreich eingefangene Natur- und Objektschönheiten sowie die meist positiven Bildstimmungen sehr gut an“, berichtet Heidrun Bönig. Die Stammzellkoordinatorin der Medizinischen Klinik II organisiert seitens des UKW die Schau.

 

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Harmlos oder Hormonstörung?

Wer regelmäßig viel Flüssigkeit zu sich nimmt, leidet eventuell an einer seltenen Hormonstörung. Ein neues Verfahren ermöglicht nun eine schnelle und einfache Diagnose. An der Entwicklung waren Würzburger Hormonforscher beteiligt.

Eine Trinkmenge von über drei Litern pro Tag mit einer entsprechend vermehrten Urinausscheidung: Das ist aus Sicht der Medizin zu viel. Auslöser dieses literweise Trinkens gibt es mehrere. Handelt es sich um eine Gewohnheit, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen hat oder um die Begleiterscheinung einer psychischen Krankheit, sprechen Mediziner von einer „primären Polydipsie“. Sie ist in der Regel ungefährlich.

Hormonmangel als Ursache

„Es kann als Ursache aber auch eine seltene Hormonstörung, ein sogenannter Diabetes insipidus, vorliegen“, erklärt Professor Martin Fassnacht. Der Mediziner ist Leiter der Würzburger Endokrinologie am Universitätsklinikum. Wie Fassnacht erklärt, fehlt bei dieser Krankheit in der Hirnanhangdrüse das Hormon Vasopressin, das im Körper den Wasser- und Salzgehalt steuert. Betroffene Personen können den Urin nicht konzentrieren und verlieren deshalb große Mengen an Flüssigkeit. Entsprechend verspüren sie ein starkes Durstgefühl und müssen viel trinken, um nicht auszutrocknen.

Die Unterscheidung zwischen der „harmlosen“ Form des Vieltrinkens und einem Diabetes insipidus ist äußerst wichtig, da sich die Therapie grundsätzlich unterscheidet. Ein Diabetes insipidus wird mit dem Hormon Vasopressin behandelt, während Personen mit primärer Polydipsie verhaltenstherapeutisch begleitet werden mit dem Ziel, die Trinkmenge zu reduzieren. Eine falsche Behandlung kann lebensbedrohliche Folgen haben, da eine unangebrachte Therapie mit Vasopressin zu einer Wasservergiftung führen kann.

Einfacher Bluttest anstatt Durstversuch

Viele Jahrzehnte lang erfolgte die Unterscheidung dieser zwei Formen des Vieltrinkens mittels eines „Durstversuchs“. Bei diesem Test durften die Teilnehmer in einem Zeitraum von 16 bis 18 Stunden keine Flüssigkeit zu sich nehmen, gleichzeitig wurden ihre Urin-Konzentrationsfähigkeit und die Urinmenge beobachtet. „Dieser Test war allerdings oft ungenau und führte nur in zwei Drittel der Fälle zu einer klaren und richtigen Diagnose“, sagt Fassnacht. Zudem sei die mindestens 16-stündige Durstphase „äußerst unangenehm und belastend“.

Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Würzburger Endokrinolgie hat deshalb einen neuen Test entwickelt und im Jahr 2018 im New England Journal of Medicine vorgestellt. Bei diesem Test wird mittels einer Salzinfusion das Hormon Vasopressin stimuliert. Der Test dauert nur knapp drei Stunden, und die richtige Diagnose kann mit einer hohen Zuverlässigkeit von 97 Prozent gestellt werden. Dieser Test ist aber mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden und bedarf einer engmaschigen Überwachung der Patienten.

Die gleiche Forschungsgruppe schlägt nun in der Fachzeitschrift The Lancet einen weiteren, stark vereinfachten und verträglicheren Test vor. „Anstatt der Salzinfusion wird eine Infusion mit dem Eiweißbestandteil Arginin verabreicht, welche ebenfalls das Hormon Vasopressin stimuliert“, erklärt Professorin Mirjam Christ-Crain, Endokrinologin aus Basel, die beide Studien geleitet hat.

Bereits 60 Minuten nach der Arginin-Infusion könne der Anstieg von Vasopressin im Blut erfasst werden. Hierzu wird der Biomarker Copeptin, welcher die Konzentration von Vasopressin widerspiegelt, mit einem einfachen Bluttest gemessen.

Verbesserte Diagnose und Therapie

Diese neue Methode hat eine ähnlich hohe diagnostische Treffsicherheit wie die Salzinfusion: Über 90 Prozent aller Studienteilnehmer konnten richtig diagnostiziert und entsprechend rasch behandelt werden. Die Vorteile des Arginin-Tests sind die einfache Durchführung und die viel bessere Verträglichkeit: „Während bei der Salzinfusion mehr als 70 Prozent aller Patienten über Kopfschmerzen, Schwindel und Unwohlsein klagten, traten diese Nebenwirkungen mit dem neuen Test nur in Einzelfällen auf“, erklärt Irina Chifu, die als Assistenzärztin der Endokrinologie die meisten der Würzburger Patienten betreut hat. Ob der neue Test nun auch wirklich genauso verlässlich ist, wie der Salzinfusionstest, muss laut Fassnacht nun aber in einer vergleichenden Studie gezeigt werden. Die befinde sich bereits in Vorbereitung.

Originalbeitrag

Bettina Winzeler, Nicole Cesana-Nigro, Julie Refardt, Deborah R. Vogt, Cornelia Imber, Benedict Morin, Milica Popovic, Michelle Steinmetz, Clara O. Sailer, Gabor Szinnai, Irina Chifu, Martin Fassnacht, and Mirjam Christ-Crain. Arginine-stimulated copeptin measurements in the differential diagnosis of diabetes insipidus: a prospective diagnostic study The Lancet (2019), DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31255-3

Kontakt

Prof. Dr. Martin Fassnacht, Schwerpunktleiter Endokrinologie & Diabetologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-39021, Fassnacht_M@ ukw.de

 

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Uniklinikum Würzburg: Neue genetische Variationen im Zusammenhang mit Angst identifiziert

Einem internationalen wissenschaftlichen Konsortium ist es gelungen, einen neuen Genort für schwere Angst- und Belastungsstörungen zu identifizieren. Die unter der Leitung von Prof. Dr. Sandra Meier und Prof. Dr. Manuel Mattheisen von der Psychiatrischen Universitätsklinik Würzburg gewonnenen Erkenntnisse können die Grundlage für neue Therapieoptionen bilden.

 

„Angst- und Belastungsstörungen sind in ihrer klinischen Ausprägung sehr komplex und treten selten isoliert auf “, sagt Prof. Dr. Sandra Meier. Die Leiterin der Arbeitsgruppe für Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KPPP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Die meisten Patienten leiden an weiteren psychischen oder somatischen Erkrankungen, was die Identifizierung von umweltbedingten wie genetischen Risikofaktoren erschwert. Voraussetzung hierfür sind eine detaillierte Phänotypisierung und die Zusammenarbeit in großen Forschungskonsortien.“

Ein solches internationales Konsortium untersuchte unter Leitung von Prof. Meier die Gene von 13.000 Patienten mit Angst- und Belastungsstörungen und 20.000 Kontroll-Personen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Mai dieses Jahrs in der US-amerikanischen Fachzeitschrift JAMA Psychiatry publiziert. „Es ist uns gelungen, einen neuen Genort für schwere Angst- und Belastungsstörungen zu identifizieren und in Mausmodellen weiter zu evaluieren“, berichtet Prof. Dr. Manuel Mattheisen, einer der Letztautoren der Studie und Leiter der Arbeitsgruppe für Psychiatrische Genetik und Epigenetik an der KPPP des UKW. Mit Genort wird die genaue Lage eines bestimmten Gens oder eines genetischen Markers auf einem Chromosom bezeichnet.

„Das bessere Verständnis der molekularen und zellulären Grundlagen von Angst- und Belastungsstörungen kann die Entwicklung dringend benötigter, neuartiger und zielgerichteter Therapien für diese Störungsbilder erleichtern,“ unterstreicht Prof. Iiris Hovatta, Direktorin des Wissenschaftsprogramms für Molekulare und Integrative Biowissenschaften der Universität Helsinki/Finnland und ebenfalls Letztautorin der Studie.


Literatur:

JAMA Psychiatry. Published online May 22, 2019. doi:10.1001/jamapsychiatry.2019.1119
Genetic Variants Associated With Anxiety and Stress-Related Disorders: A Genome-Wide Association Study and Mouse-Model Study

 

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„Historisch haben sich die Bereiche zur Strahlenbehandlung des Würzburger Universitätsklinikums in unterschiedlichen Kliniken entwickelt. Diese räumliche Verteilung führt aktuell zu großen logistischen Herausforderungen und langen Wegen für unsere Patienten und Beschäftigten“, berichtet Prof. Dr. Michael Flentje, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie. Dieser Zustand soll sich bald ändern: Heute fand auf dem Klinikumsaltgelände an der Josef-Schneider-Straße im Würzburger Stadtteil Grombühl der feierliche erste Spatenstich für ein neues Klinikgebäude statt. Bauherr des Vorhabens ist der Freistaat Bayern. Als dessen Vertreter nahm Bernd Sibler, der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, am Festakt teil. In seiner Ansprache sagte er: „Mit der neuen Strahlenklinik wird das Universitätsklinikum Würzburg ein Innovationszentrum erhalten, das mit seinem interdisziplinären Ansatz Maßstäbe in der Behandlung von Krebserkrankungen setzen kann! Zukunftsweisende Behandlungsansätze der Spitzenmedizin werden dafür sorgen, dass die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten weiter verbessert wird. Das schenkt uns Hoffnung für die Zukunft – schließlich gehören Krebserkrankungen zu den größten Herausforderungen unserer Gesellschaft.“

Spitzenmedizin unter einem Dach

Das vom Staatlichen Bauamt Würzburg geleitete Projekt fasst erstmals sämtliche Einrichtungen zur Strahlentherapie des Uniklinikums Würzburg (UKW) räumlich zusammen. In dem siebengeschossigen Bauwerk werden Therapiebereiche, Ambulanzen, eine Tagesklinik und eine Bettenstation Platz finden. „Damit wird ein dem jeweiligen Schweregrad der Erkrankung angemessenes therapeutisches und pflegerisches Umfeld verwirklicht“, freut sich Prof. Flentje. Laut dem Klinikdirektor ist der Neubau auch mit einer weitgehenden Erneuerung der apparativen Ausstattung verbunden. Für zukunftsweisende Verfahren, wie Hochpräzisionsbestrahlungen und Radiochirurgie, die nach seinen Worten in erheblichem Maße am UKW entwickelt wurden, stehen dann modernste Geräte zur Verfügung.

Auch die Palliativstation soll in dem Gebäude eine neue Heimat finden. „Dort werden Patienten sowie ihre Angehörigen und Freunde in schwieriger Zeit von einer großzügigen und ansprechenden Architektur profitieren“, ist sich Prof. Flentje sicher.

Die hohe architektonische Qualität des geplanten Gebäudes lobte auch Christian Schuchardt, der Würzburger Oberbürgermeister, in seinem Grußwort anlässlich des Spatenstichs. Nach seiner Einschätzung wird es sich sehr gut in das historisch gewachsene Klinikumsgelände einfügen.

Vorteilhafte Hanglage

Der von der Wörner Traxler Richter Planungsgesellschaft mbh entworfene Komplex liegen östlich der Universitäts-Frauenklinik im Hang. Drei der sieben Stockwerk sind unterirdisch. In Höhe des zweiten Untergeschosses ist ein weiterer Trakt mit insgesamt fünf Strahlenbunkern angeschlossen. In dieser Ebene sind alle Linearbeschleuniger des Campus konzentriert. „Der Gebäudeentwurf nutzt die Hanglage gezielt für die Belichtung der Bunkerebene und verbirgt gleichzeitig geschickt eine große Baumasse im Erdreich“, sagte Jan Knippel, Bereichsleiter Universitätsbau im Staatlichen Bauamt Würzburg. Um allen Aspekten des Strahlenschutzes Genüge zu tun, werden die Wände in diesem Bereich zudem eine Stärke von bis zu annähernd zwei Metern erhalten.

Weiterer Vorteil des stark abfallenden Baugeländes: Auch das in den Hang eingeschnittene Geschoss der Strahlenbehandlung hat Zugang zum Tageslicht.

Talseits, vorgelagert zum Klinikneubau, wird außerdem eine neue Trafostation errichtet. Diese soll die nächstliegenden, veralteten Trafostationen ersetzen und die Stromversorgung der Strahlentherapie sowie der angrenzender UKW-Kliniken und Institute der Universität Würzburg sichern.

Wichtiger Teil des laufenden Modernisierungsprozesses

Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, stellte bei seiner Ansprache die Baumaßnahme in einen größeren Gesamtzusammenhang: „Die neue Klinik für Strahlentherapie ist ein Meilenstein im derzeit laufenden Modernisierungsprozess auf dem Altgelände des Klinikums und soll der Kristallisationspunkt für ein onkologisches Ambulanz- und tagesklinisches Zentrum werden. Der Neubau wird dazu beitragen, dass wir unsere schwerkranken Patienten noch besser behandeln können. Dabei wird er den Gesundheitsstandort Würzburg insgesamt weiter stärken.“

Das neue Klinikgebäude soll nach jetzigem Stand 59 Millionen Euro kosten. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2023 geplant.

Zahlen und Fakten

Nutzfläche: 3.991 m

Tiefe der Baugrube: bis zu 18,5 m

Aushub: 110.000 t

Bohrpfähle: 222 Stück mit bis zu 1,5 m Durchmesser und bis zu 20 m Länge. Bei einer Bohrpfahlwandlänge von 315 m ergibt sich eine Gesamtlänge der Bohrpfähle von annähernd 3.200 m. Hierbei werden 210 t Stahl und fast 2.300 m³ Beton verbaut.

Kosten: 59 Millionen Euro

Geplanter Einzug: 2023

Über die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie des Uniklinikums Würzburg

Strahlentherapeutische Behandlungsverfahren gehören heute zu den innovativsten Methoden in der Krebsbehandlung, sowohl bei der Heilung von Tumorerkrankungen als auch zur Symptomlinderung. Jährlich werden in Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie des Uniklinikums Würzburg etwa 2.000 Patientinnen und Patienten betreut. Das Interdisziplinäre Zentrum Palliativmedizin ist an die Klinik gekoppelt.

Das Team von Klinikdirektor Prof. Dr. Michael Flentje therapiert bösartige Tumorerkrankungen, bei denen eine Strahlenbehandlung angezeigt ist. In vielen Fällen ist eine Heilung möglich. Ist die Tumorerkrankung dazu bereits zu weit fortgeschritten, kann die Strahlentherapie helfen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Neben der Krebstherapie können auch chronische Entzündungen und Schmerzzustände im Bewegungsbereich mit niedrigen Strahlendosen verringert werden.

Weitere Informationen sowie Fotos zum Spatenstich finden Sie zum Download unter: www.ukw.de/spatenstich-Strahlentherapie

 

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