Aktuelle Pressemitteilungen

Geriatrie-Kongress 2021: im Rahmen der Würzburger Demenztage „Demenz ganzheitlich denken“

Die Pflegedirektion lädt am Freitag, den 24. September 2021 von 9.00 – 15.00 Uhr zu einer Veranstaltung im Rahmen der Würzburger Demenztage ein.

Bild: Geriatrie-Kongress 2021
Bild: Geriatrie-Kongress 2021

Das Universitätsklinikum Würzburg möchte als „Alters- gerechte Uniklinik“ den besonderen Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten verschiedener Altersgruppen gerecht werden.
Vor allem der fortschreitende demografische Wandel in unserer Gesellschaft bedingt, dass bereits jetzt rund 30 % unserer stationären Patientinnen und Patienten über 70 Jahre alt sind.

Die damit verbundenen Veränderungen, Möglichkeiten und Herausforderungen für Professionell Pflegende als auch den Menschen und dessen Angehörigen sind vielfältig. Grund genug, einen Geriatrie-Kongress ins Leben zu rufen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Würzburger Demenztage unter dem Motto „Demenz ganzheitlich denken“ statt, denn in nahezu allen Aktivitäten des täglichen Lebens erfährt ein Mensch mit einer demenziellen Erkrankung Veränderungen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hierbei essenziell.

Zu den Programmpunkten:

09:00 Uhr                  Begrüßung
                                   Matthias Uhlmann

09:15 Uhr                  Geriatrische Pflege im Akutkrankenhaus –
                                   Konzepte und Umsetzung

                                  Nicole Tratschke

10:00 Uhr                  Gespräche führen mit Menschen mit Demenz

   und ihren Angehörigen – Eine Haltungsfrage?
   Sabine Seipp

 

10:45 Uhr                  Pause

 

11:00 Uhr                  Palliative Versorgung von Menschen mit Demenz

   Prof. Dr. med. Birgitt van Oorschot

 

11:45 Uhr                  Energie (nicht nur) fürs Gehirn bei Demenz

   Apl. Prof. Dr. rer. hum. biol. Ulrike Kämmerer

 

12:30 Uhr                  Pause

 

13:30 Uhr                  Mobilisation und Demenz

   Markus Giehl

 

14:30 Uhr                  Beziehungsgestaltung in der Pflege von

   Menschen mit Demenz

   Simone Bissert


Über Ihre Teilnahme und Ihr Interesse freuen sich sehr

Ihre ReferentInnen
Simone Blissert, Markus Giehl, Apl. Prof. Dr. rer. hum. biol. Ulrike Kämmerer, Prof. Dr. med. Birgitt van Oorschot, Sabine Seipp, Nicole Tratschke

Weitere Informationen finden Sie im Flyer.

Zur Anmeldung zur Veranstaltung klicken Sie hier.

Superkräfte bei Kindern fördern

Bereits zum 5. Mal organisierte die Suchtpräventionsfachstelle der Stadt Würzburg in Trägerschaft der Diakonie zusammen mit dem Fachbereich Jugend und Familie eine gemeinsame Suchtpräventionsfachtagung in Würzburg.

Pressemitteilung Stadt Würzburg

Foto: Kilian Schick
Foto: Kilian Schick

Aufgrund der Corona-Pandemie fand diese erstmals als „Hybridveranstaltung“ statt.
„Genauer hinzusehen, die persönlichen Superkräfte bei den Kindern und Jugendlichen zu entdecken und zu fördern – auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht gar nicht erkennbar sind und viel Zeit, Geduld und Mut erfordern“, dies eine der vielen Aufgaben der Fachkräfte, so Sozialreferentin Dr. Hülya Düber, die zusammen mit Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Deken Dr. Wenrich Slenczka die Veranstaltung eröffnete.

Prof. Dr. Romanos referierte über Ursachen psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen und zeigte Möglichkeiten und Grenzen von Präventionsprogrammen auf. Bedeutsam und zukunftsträchtig ist das neu gegründete Deutsche Zentrum für Präventionsforschung und psychische Gesundheit in Würzburg. Die Bestseller-Autorin Dr. Christina Berndt erweiterte den Fokus der Resilienzförderung von Kindern und Jugendlichen auch auf uns Erwachsene und erzählte sehr anschaulich, wie wir sie im Grunde sehr leicht täglich in den Blick nehmen und fördern können. So hilft uns eine optimistische, neugierige und offene Lebenseinstellung, ein Leben mit Freunden und unter anderem realistischen Zielen durch den manchmal krisenreichen Alltag. Sie ermutigte die Teilnehmenden dazu, sich öfters auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und den Blick immer wieder bewusst auf das Positive und nicht immer nur auf Negative zu legen. Diese Verhaltensweise könne man auch gut im Alltag mit Kindern einüben.

Die Zusammenhänge von Resilienz und Suchtprävention skizziert Rupert Duerdoth in dem dritten Vortrag. Am Nachmittag fanden vier Workshopangebote für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Präsenz statt, in denen Strategien und Ideen für verschiedene Handlungsfelder zur Resilienzförderung weitergegeben und erarbeitet wurden. Mit Günther Opp, Professor für Verhaltensgestörtenpädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Prof. Dr. Elisabeth Nicolai an der Ev. Hochschule in Ludwigsburg boten auch die Workshops wissenschaftliche Hochkaräter.Anreize für die eigene Resilienzförderung boten die Pausenangebote mit Yoga und einer Andacht durch Dekan Slenczka.

Am Ende des Fachtags wurden die Teilnehmenden gebeten, sich über die eigene persönliche Superkraft Gedanken zu machen und dazu ermutigt, diese weiter auszubauen und zu pflegen. Denn die eigene Resilienz und das eigene Wohlbefinden sind die besten Voraussetzungen, um andere dabei zu unterstützen. 

Ein großer Dank gilt allen Kooperationspartnern und Unterstützern:
Fachbereich Jugend und Familie, Firma Megaphon, Firma Volvox, Buchladen erlesen, Sparkasse Mainfranken.

Bild: Der Klinikleiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie Prof. Romanos referiert über Prävention psychischer Krankheiten.

Universität Würzburg: Gewebemodell für die Infektionsforschung

Neuartige Impfstoffe schneller entwickeln und produzieren: Das ist Ziel einer neuen europaweiten Kooperation öffentlicher und privater Institutionen. Daran beteiligt ist auch der Lehrstuhl für Mikrobiologie der Uni Würzburg.

Pressemitteilung der Universität Würzburg.

41 Partner aus elf europäischen Ländern, darunter 37 akademische Einrichtungen sowie diverse Unternehmen wie GlaxoSmithKline, Sanofi Pasteur, CureVac und Takeda sind Mitglieder der neuen europäischen öffentlich-privaten Partnerschaft Inno4vac. Mit mehr als 33 Millionen Euro von der Innovative Medicines Initiative 2 (IMI2) ausgestattet, wollen sie in den kommenden Jahren die Impfstoffentwicklung beschleunigen.

Gelingen soll dies vor allem mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, rechnerbasierten Vorhersagemodellen und künstlichen Geweben. Mit dabei ist der Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) unter der Leitung von Professor Thomas Rudel. Dort stehen die Entwicklung von menschlichen Infektionsmodellen und ein spezielles Bakterium im Mittelpunkt der Forschung.

Forschung an Gonokokken

„Wir konzentrieren uns im Rahmen von Inno4vac auf Gonokokken-Infektionen“, erklärt Thomas Rudel. Dafür hat die Arbeitsgruppe der Professorin Vera Kozjak-Pavlovic an Rudels Lehrstuhl dreidimensionale Gewebemodelle des menschlichen Urogenitaltrakts entwickelt und deren Komplexität Stufe um Stufe gesteigert. „Auf diese Weise ist es möglich, das Verhalten von Gonokokken in einer natürlichen Umgebung zu studieren“, so Rudel.

Gonokokken – wissenschaftlich Neisseria gonorrhoeae genannt – sind Bakterien, die nur beim Menschen vorkommen. Sie verursachen die über Geschlechtsverkehr übertragbare Krankheit Gonorrhoe – umgangssprachlich auch als Tripper bezeichnet. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO ist diese Krankheit heute mit rund 87 Millionen Fällen pro Jahr die dritthäufigste sexuell übertragbare Infektion. In der Europäischen Union lag sie im Jahr 2018 mit über 100.000 Infektionen sogar auf Platz 2 in dieser Kategorie. Betroffen sind vorzugsweise junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren.

Komplexe Modelle der menschlichen Schleimhaut

Was die Bakterien aus wissenschaftlicher Sicht interessant macht: „Gonokokken besitzen die Fähigkeit, ständig ihre Oberfläche zu verändern“, sagt Rudel. Auf diese Weise können in einer Population Millionen verschiedener Bakterien existieren, die sich in ihren Antigenen voneinander unterscheiden. Nach einer Infektion besiedelt Neisseria gonorrhoeae bevorzugt die Schleimhaut der Harnröhre des Mannes und des Gebärmutterhalses der Frau. In den meisten Fällen verursachen die Bakterien lokale Entzündungen, sie können sich aber auch im Körper ausbreiten und systemische Infektionen auslösen, die zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Arthritis, Hirnhaut- und Lungenentzündung führen können.

Im Rahmen der Inno4vac-Initiative will Rudel gemeinsam mit seinem Team komplexe Gewebemodelle der urovaginalen Schleimhaut entwickeln. Solche Modelle gleichen dem im menschlichen Körper vorkommenden Gewebe sehr stark – sowohl in ihrer Architektur und Physiologie als auch in der autonomen Immunantwort der Zellen.

Als „Grundgerüst“ dient dem Forschungsteam eine bestimmte Schicht eines Schweinedünndarms. Darauf sitzen menschliche Fibroblasten – Zellen, die dazu in der Lage sind, sämtliche Stützmoleküle der Haut wie etwa Kollagen und Elastinfasern herzustellen. Dazu kommt eine Schicht von Epithelzellen, die verschiedene Schleimhautoberflächen des Urogenitaltrakts repräsentieren, und eventuell weitere spezifische Zellen. „Mit Hilfe dieser Gewebemodelle lassen sich sehr gut die angeborene sowie die erworbene Immunität erforschen“, sagt Rudel. Außerdem eignen sie sich gut dafür, neue Impfstrategien zu erproben und validieren. Diese innovativen Modelle sollen auch den Partnern im Konsortium für die Erforschung von genitalen Herpes-Infektionen zur Verfügung gestellt werden.

Impfstoffentwicklung ist teuer und langwierig

„Impfungen gehören zu den wirkungsvollsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die jedes Jahr das Leben von schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen retten und Millionen weitere vor Krankheiten und Behinderungen schützen“, schreibt das Konsortium Inno4vac in seiner Pressemitteilung zum Start des Projekts. Allerdings sei die klassische Impfstoffforschung und -entwicklung nach wie vor langwierig und kostspielig: Bis ein neuer Impfstoff auf den Markt kommt, dauere es im Durchschnitt mehr als zehn Jahre. Die Kosten dafür betrügen mehr als 800 Millionen Euro.

Dass es auch anders geht, habe die beschleunigte Entwicklung der Covid-Impfstoffe gezeigt. Sie sei ein gelungenes Beispiel dafür, wie Fortschritte in Technologie und Data Science entscheidend dazu beitragen, neue Wege in der Impfstoffentwicklung zu eröffnen.

Koordiniert wird Inno4vac von der Europäischen Impfstoffinitiative (EVI); um die wissenschaftliche Koordination kümmert sich die italienische Sclavo Vaccines Association. In dem Projekt konzentrieren sich die beteiligten Einrichtungen auf vier Hauptaspekte:

  • Mit Hilfe künstlicher Intelligenz sollen in Computersimulationen die Immunantwort und die Wirksamkeit von Impfstoffen vorhergesagt werden.

  • Eine modular aufgebaute Rechnerplattform soll zum Einsatz kommen, um die Herstellung von Impfstoffen und Stabilitätstests zu modellieren.

  • Neue humane Infektionsmodelle für Influenza, respiratorische Synzytialviren (RSV) und für das Bakterium Clostridium difficile sollen eine frühzeitige Bewertung der Impfstoffwirksamkeit ermöglichen.

  • Neuartige zellbasierte menschliche In-vitro-3D-Modelle sollen zuverlässige Vorhersagen der Immunantwort erlauben.

Gemeinsames Ziel ist es, biologische und mathematische Modelle zu entwickeln, um damit die Leistungsfähigkeit von Impfstoffen besser zu beurteilen und in der Folge die Entwicklung neuer Impfstoffe beschleunigen zu können.

Die Laufzeit des Projekts beträgt fünfeinhalb Jahre; finanziert wird es von der Initiative Innovative Medicines 2 Joint Undertaking. Unterstützt wird es durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union und von der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations EFPIA.

Mehr Informationen: www.imi.europa.eu

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Rudel, Lehrstuhl für Mikrobiologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-84401, Thomas.Rudel@ biozentrum.uni-wuerzburg.de 

Mundhöhlenkeim, der das Wachstum von Krebszellen beschleunigt: HIRI und JMU Würzburg erstellen ersten RNA-Atlas des Fusobacterium nucleatum

Würzburg, 2. August 2021 – Der Mundhöhlenkeim Fusobacterium nucleatum ist dafür bekannt, das Wachstum menschlicher Karzinome, etwa im Darm oder in der Brust, zu beschleunigen.

Pressemitteilung Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI)

Das mit Krebs assoziierte Fusobacterium im menschlichen Körper

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und die Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg haben jetzt in einer gemeinsamen Studie die RNA-Moleküle von fünf klinisch relevanten Stämmen dieses anpassungsfähigen Erregers kartiert. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, neue Therapien bei verschiedenen Krebserkrankungen zu entwickeln. Die Forschungsergebnisse wurden soeben in der Fachzeitschrift Nature Microbiology veröffentlicht.

Das Fusobacterium nucleatum kommt in der menschlichen Mundhöhle vor und ist ein wichtiger Bestandteil der gesunden Mundflora. Es kann jedoch auch zur Entstehung von Parodontitis beitragen. Und noch wichtiger: Der Keim wird zunehmend auch innerhalb des menschlichen Körpers, nämlich auf Darmkrebszellen und Mammakarzinomen nachgewiesen. Dort scheint er das Tumorwachstum zu befördern und die Behandlung zu erschweren. Die bisherige Grundlagenforschung hat erste Erkenntnisse über die molekulare Reaktion der Wirtszellen auf die Bakterien erbracht. Weitgehend unverstanden sind bislang jedoch die molekularen Eigenschaften des Erregers selbst, seine Aktivität im Krebsgewebe und wie es ihm gelingt, sich nicht nur im Mund, sondern an ganz unterschiedlichen Stellen im menschlichen Körper anzusiedeln.

Wissenschaftler:innen vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg, einem Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig (HZI) mit der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU), sowie vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) der JMU sind bei diesen Fragen jetzt einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Sie haben für fünf klinisch relevante Stämme des Keims einen globalen Atlas der RNAs, also der Ribonukleinsäuren (von engl. ribonucleic acid) erstellt. Damit können sie hunderte zuvor unbekannter Ereignisse in der Genregulation der Mikroorganismen nachweisen und zeigen, wie sich diese im Laufe des Bakterienwachstums verändern. Außerdem haben die Forscher:innen erstmals einen Überexpressions-Vektor als genetisches Werkzeug im Fusobacterium eingesetzt, um die Funktionen seines Erbguts zu untersuchen. 

RNA-basierter Ansatz eröffnet neue Möglichkeiten

„Unser RNA-basierter Ansatz eröffnet völlig neue Möglichkeiten, einen klinisch überaus relevanten Mikroorganismus auf molekularbiologischer Ebene zu analysieren und besser zu verstehen“, meint HIRI-Direktor Jörg Vogel. Der Professor und zugleich Direktor des IMIB ist Initiator der aktuellen Studie und zuversichtlich, dass die vorliegenden Erkenntnisse die weiterführende translationale, also auf die medizinische Anwendung zielende Forschung befördern werden. 

Hintergrund

Die durchgeführte RNA-Kartierung umfasst Fusobacterium nucleatum mit seinen Unterarten nucleatum, animalis, polymorphum und vincentii sowie Fusobacterium periodonticum. Die Wissenschaftler:innen haben die primären Transkriptome – die Gesamtheit der RNA-Moleküle – dieser Stämme erfasst. Um deren genetischen Funktionen zu untersuchen, setzte das Team einen Überexpressions-Vektor ein. Das ist gewissermaßen ein Werkzeug, das ein bestimmtes Gen dauerhaft „anschalten“ kann, um dessen Wirkweise genau zu analysieren.

Die Forscher:innen entdeckten durch Einsatz des Überexpressions-Vektors kleine regulatorische RNAs, sogenannte sRNAs (von engl. small RNAs), und konnten erstmals nachweisen, dass diese auch eine regulatorische Funktion in den Mikroorganismen erfüllen. Eine durchaus interessante Beobachtung, wie Falk Ponath, Erstautor der Studie, meint: „Fusobacterium nucleatum hat sich in seiner evolutionsbiologischen Entwicklung recht früh von anderen Bakterien entfernt. Deswegen sind wir nicht von vornherein davon ausgegangen, in den untersuchten Stämmen sRNA zu entdecken, die ähnlich agiert wie bereits bekannte in anderen Bakterien.“ Und nicht nur das: Das Team konnte ebenso nachweisen, dass diese kleine RNA ein Protein der äußeren Zellmembran reguliert. 

Die Studienergebnisse untermauerten außerdem die Anpassungsfähigkeit des Keims und könnten zumindest in Teilen erklären, warum dieser als Generalist auftrete, so Ponath. „Der opportunistische Erfolg von Fusobacterium nucleatum im Krebsgewebe ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass diejenigen Gene stets aktiv sind, die für die Adhäsion an die Tumorzellen verantwortlich sind“, sagt der Wissenschaftler. 

Erstes Fellowship der Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp

Die in der Fachzeitschrift Nature Microbiology veröffentlichte Studie wurde aus Mitteln des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft, verliehen 2017 an Jörg Vogel, sowie durch das Fellowship-Programm der Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp finanziert. Deren Vorstandsvorsitzender Gunther Schunk, Förderer von Fellow Falk Ponath, betont das Stiftungsziel, exzellente wissenschaftliche Arbeit zu unterstützen: „Das HIRI zählt mit seiner RNA-basierten Infektionsforschung zur Weltspitze. Mit den jetzt vorliegenden Studienergebnissen aus unserem Fellowship-Programm, das wir mit der HIRI-Förderung initiiert haben, setzen wir gemeinsam ein starkes Signal in der Grundlagenforschung und im Kampf gegen Krebs“, freut sich Schunk. 

Für die künftige Therapie von Krebserkrankungen stellt die Kartografierung des Fuso-Transkriptoms eine wichtige Grundlage dar. Auf ihrer Basis könnten in einem nächsten Schritt Gene identifiziert werden, auf die eine Behandlung zielen kann, um das Fusobacterium in Karzinomen zu beseitigen und das Krebswachstum einzudämmen. 

Publikation

RNA landscape of the emerging cancer-associated microbe Fusobacterium nucleatum. Falk Ponath, Caroline Tawk, Yan Zhu, Lars Barquist, Franziska Faber, and Jörg Vogel. Nature Microbiology, 08.07.2021. 

Diese Medieninformation findet sich auch online unter: 
https://www.helmholtz-hiri.de/de/newsroom/

Uniklinikum Würzburg: Neue Vordenkerin in der Parodontologie

Seit April 2021 dieses Jahres ist Yvonne Jockel-Schneider Juniorprofessorin für Parodontale Medizin der Uni Würzburg.

Yvonne Jockel-Schneider, Juniorprofessorin für Pardontale Medizin der Universität Würzburg

Privatdozentin Dr. Yvonne Jockel-Schneider wurde mit Wirkung vom 21. April 2021 zur Juniorprofessorin für Parodontale Medizin an der Universität Würzburg ernannt. Zuvor war sie Oberärztin im Team von Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf. Der Leiter der Abteilung für Parodontologie am Uniklinikum Würzburg (UKW) ging Ende September vergangenen Jahres in den Ruhestand.Die gebürtige Duisburgerin begann ihre zahnmedizinische Karriere als Studierende an der Universität Münster. „Schon damals war ich beeindruckt von der inspirierenden Atmosphäre des Wissenschaftsbetriebs und entwickelte so den Wunsch, nach dem Abschluss des Studiums im universitären Umfeld forschend und lehrend tätig zu sein“, erklärt Prof. Jockel-Schneider und fährt fort: „Um die Studierenden auch in den klinischen Ausbildungskursen wirklich kompetent unterstützen zu können, wollte ich jedoch zunächst praktische Erfahrungen im zahnärztlichen Alltag sammeln“. Deshalb arbeitete sie nach ihrem Staatsexamen im Jahr 2005 rund eineinhalb Jahre lang als Vorbereitungsassistentin in einer niedergelassenen Frankfurter Zahnarztpraxis. Eine Zeit, die für ihre spätere Spezialisierung auf dem Gebiet parodontaler Erkrankungen entscheidend war. „In der Praxis sieht man erst, wie viele Menschen chronische Entzündungen im Mund aufweisen, welche Auswirkungen dies auch auf ihre allgemeine Gesundheit haben kann und wie stark sich hierdurch oftmals ein lebensbeeinträchtigender Leidensdruck entwickelt“, schildert die Professorin.

Gleich zu Beginn eine große Studie betreut
Im November 2007 nutzte sie die Gelegenheit einer ausgeschriebenen freien Stelle und startete als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Parodontologie am UKW. Prof. Schlagenhauf betraute sie gleich zu Beginn als Prüfärztin mit der Betreuung der Würzburger Kohorte einer großen klinischen Multicenterstudie, die sie mit hohem persönlichem Einsatz erfolgreich durchführte. „Die Mitarbeit in dieser Studie weckte in mir eine Freude an wissenschaftlicher Arbeit, die mich seither nicht mehr losgelassen hat. Umso dankbarer bin ich Prof. Schlagenhauf für das damals in mich gesetzte Vertrauen“, betont Yvonne Jockel-Schneider. Ihre heutigen Forschungsschwerpunkte spiegeln das aktuelle Verständnis von Parodontitis als Folge einer pathologisch erhöhten systemisch-internistischen Entzündungslast wider. „Parodontitis ist nicht primär ein Problem mangelhafter Mundhygiene. Wir wissen mittlerweile, dass Parodontitis mit vielen anderen chronisch-entzündlichen Allgemeinerkrankungen assoziiert werden kann. Deshalb versuche ich, Therapieansätze zu finden, die nicht unbedingt nur auf den Mund fokussiert sind. Es geht also nicht darum, die Zähne ‚noch sauberer‘ zu machen, sondern entzündungsförderliche systemische Ursachen zu finden und zielgenau zu behandeln“, umreißt die Wissenschaftlerin. Dazu kooperiert sie in ihrer Forschung mit Expert*innen etlicher anderer medizinischer Fachbereiche, wie zum Beispiel Kardiologie, Mikrobiologie, Nephrologie, Hepatologie und Psychologie.

Mit Mut neue Sichtweisen verfolgen
Neben viel Fachwissen lernte sie von Prof. Schlagenhauf, mit Mut neue, interdisziplinäre Wege zu gehen. Deshalb sind für sie unter den vielen wissenschaftlichen Preisen und Auszeichnungen ihrer bisherigen Karriere jene besonders wertvoll, die von Fachgesellschaften anderer Disziplinen vergeben wurden – wie beispielsweise der Young Investigator Award der Gesellschaft für arterielle Gefäßsteifigkeit (DeGAG) im Jahre 2014.In der nationalen Forschungslandschaft genießt Prof. Jockel-Schneider eine besondere Sichtbarkeit bei innovativen Ansätzen zur ursachengerichteten Therapie parodontaler Entzündungen durch die gezielte Umstellung der Ernährung und den Einsatz von Prä- und Probiotika. International ist sie zudem für ihre Forschungen zu den Zusammenhängen zwischen parodontaler und vaskulärer Gesundheit bekannt.

Lehre mit dem Blick über den Würzburger Horizont
Neben der Wissenschaft ist der Juniorprofessorin auch die Lehre ein großes Anliegen. So erprobte sie gemeinsam mit den Studierenden im aktuellen Sommersemester die Nutzung neuer digitaler Online-Lehrformate. „Wir bieten unseren Studierenden eine zusätzliche Online-Plattform an, auf der renommierte Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland Lehrvideos zu ihren parodontologischen Spezialgebieten bereitstellen. So haben unsere angehenden Zahnmedizinerinnen und -mediziner die Chance, schon früh die Gelegenheit, eine Vielfalt an manchmal auch deutlich divergierenden Lehrmeinungen kennenzulernen und so den Blick über den Würzburger Tellerrand heben zu können“, beschreibt Jockel-Schneider. In Vorlesungen und Seminaren können dann die verschiedenen Therapieansätze diskutiert und verglichen werden.

Breites therapeutisches Angebot
Neben ihrem Einsatz in Forschung und Lehre wird die Zahnmedizinerin auch in Zukunft der klinischen Tätigkeit treu bleiben und weiterhin selbst parodontal Erkrankte in der Ambulanz der Parodontolologie behandeln. Sie verdeutlicht: „Wir sind die Anlaufstelle für die Behandlung komplexer parodontaler Behandlungen, wie zum Beispiel für junge Menschen mit rasch fortschreitenden Formen der Erkrankung. Daneben liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit systemischen Erkrankungen – wie beispielsweise Rheumatoide Arthritis, Herz-Kreislauferkrankungen, Nieren- und Lebererkrankungen, Hauterkrankungen oder Depressionen – in Verbindung mit parodontalen Entzündungen.“Das etablierte Würzburger Konzept mit neuartigen Therapieansätzen, wie Ernährungslenkung, gehören ebenso zum Behandlungsspektrum, wie die Korrektur parodontaler Hart- und Weichgewebsdefekte mit minimalinvasiven Operationstechniken. Neu aufgebaut wird im Verbund mit den anderen Abteilungen der Zahnklinik der Sektor Seniorenzahnmedizin.

Akademische Karriere auch als Mutter möglich
Last but auf keinen Fall least ist Yvonne Jockel-Schneider auch Mutter von zwei Töchtern im Alter von vier und acht Jahren. Dass es möglich war und ist, eine akademische Karriere und die Ansprüche einer Familie unter einen Hut zu bekommen, hat aus ihrer Sicht mehrere Gründe. Neben ihrer eigenen hohen Einsatzbereitschaft und der guten Arbeitsteilung mit ihrem Ehemann spielte dabei die Frauenförderung der Universität Würzburg eine wichtige Rolle. Jockel-Schneider: „Insbesondere die damit verbundenen Stipendien ermöglichten mir den erforderlichen Freiraum für wissenschaftliches Arbeiten.“

Yvonne Jockel-Schneider, Juniorprofessorin für Parodontale Medizin der Universität Würzburg.

Bild: Yvonne Jockel-Schneider / Uniklinikum Würzburg


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Uniklinikum Würzburg: Ausgezeichnete Auszubildende in der Zahnmedizin

Das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit des Uniklinikums Würzburg freut sich über eine neue Zahnmedizinische Fachangestellte, deren schulischen Leistungen und Prüfungsergebnisse preiswürdig waren.

Ausgezeichnete Auszubildende in der Zahnklinik
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Leonie Fischer wurde im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit des Uniklinikums Würzburg (UKW) zur Zahnmedizinischen Fachangestellten ausgebildet. Für ihre herausragenden schulischen Leistungen und Kammerprüfungsergebnisse erhielt sie kürzlich vom Zahnärztlichen Bezirksverband Unterfranken eine Auszeichnung. Zudem sprach ihr die Regierung von Unterfranken für ihren hervorragenden Abschluss der Berufsschule eine besondere Anerkennung aus. Sie absolvierte die Klara-Oppenheimer-Schule mit der Durchschnittsnote 1,2 und legte die Abschlussprüfung mit dem Gesamtergebnis „sehr gut“ ab.

Glücklicherweise konnte Leonie Fischer für eine Weiterbeschäftigung in der Poliklinik für Kieferorthopädie des UKW gewonnen werden. Prof. Dr. Gabriel Krastl, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit, gratulierte ihr zu ihrer besonderen Leistung und überreichte ihr als weitere Wertschätzung einen Blumenstrauß.

Prof. Dr. Gabriel Krastl, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit des Uniklinikums Würzburg, freut sich, dass die doppelt ausgezeichnete, nun ehemalige Auszubildende Leonie Fischer der Zahnklinik als Mitarbeiterin erhalten bleibt.

Bild: Klaus Nowarra / Uniklinikum Würzburg

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Ausgezeichnete Auszubildende in der Zahnklinik
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Uniklinikum Würzburg: Keine gesicherten Vorteile in der Corona-Therapie durch Ivermectin

Das Uniklinikum Würzburg war an einer systematischen Übersichtsarbeit beteiligt, welche die Effekte von Ivermectin bei der Vorbeugung und Behandlung von Covid-19 untersuchte. Ergebnis: Der Nutzen des Medikaments ist unklar.

Tim Göbel / Uniklinikum Würzburg
Tim Göbel / Uniklinikum Würzburg

Das von der Bundesregierung über das Netzwerk Universitätsmedizin geförderte Projekt CEOsys sammelt die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien zu den dringendsten Fragen zu Prävention, Behandlung und Folgen von Covid-19, bewertet sie und fasst sie zusammen. CEOsys wird getragen von einem Zusammenschluss von 20 deutschen Universitätsklinika und weiteren außeruniversitären Partnerorganisationen. Im Rahmen dieses Projekts führten Forscher*innen der Klinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) in Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus anderen deutschen Universitätsklinika im Rahmen des Nationales Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 nun eine systematische Übersichtsarbeit durch. Diese untersuchte die Effekte von Ivermectin auf die Prävention und Behandlung einer Corona-Erkrankung

Interessengruppen für einen Einsatz von Ivermectin bei Corona

Ivermectin ist ein Medikament zur Behandlung von Parasitenerkrankungen bei Mensch und Tier. Im vergangenen Jahr wurde es als potenzieller Wirkstoff gegen Covid-19 vorgeschlagen. Anfängliche Labortests in isolierten Zellen deuteten auf eine schwache Hemmung der Vermehrung von SARS-CoV-2-Viren hin. Allerdings nur in hohen Konzentrationen, die für den Menschen toxisch wären. Zur Überprüfung der Hypothese, ob Ivermectin im Einsatz am Menschen zur Prävention oder Therapie von Corona wirksam ist, wurden klinische Studien durchgeführt. Mehrere kleine Studien schienen große Effekte auf die Sterblichkeit zu zeigen, was dazu führte, dass sich spezielle Interessengruppen für eine weltweite Einführung von Ivermectin einsetzen. 

Cochrane Review fand keine positiven Effekte

Die jetzt durchgeführte Übersichtsarbeit – ein sogenannter Cochrane Review – schloss 14 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1678 Teilnehmer*innen ein. Die Behandlung leichter bis mittelschwerer Corona-Patient*innen wurde in 13 Studien untersucht, in denen Ivermectin mit Placebo oder keiner, über die Standardbehandlung hinausgehender Behandlung, verglichen wurde. Nur eine Studie widmete sich der Prävention einer SARS-CoV-2-Infektion und verglich Ivermectin mit keiner Behandlung. Der Review analysierte die Effekte von Ivermectin auf die Zahl der Todesfälle, ob sich der Zustand des/der Patient*in verschlechterte oder verbesserte sowie unerwünschte Nebenwirkungen der Therapie. Dabei fanden sich keine Hinweise darauf, dass Ivermectin – im Krankenhaus oder ambulant verabreicht – im Vergleich zu Placebo oder einer Standardbehandlung den Zustand der Patient*innen verbessert. Ebenso lassen sich in der Übersichtsarbeit keine Hinweise finden, dass Ivermectin eine SARS-CoV-2-Infektion verhindert oder die Zahl der Todesfälle nach einer Hochrisiko-Exposition reduziert. 

Aktuelle Evidenz rechtfertigt keinen breiten Einsatz von Ivermectin 

„Das Fehlen qualitativ hochwertiger Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Ivermectin ergibt sich aus einem Studienpool, der hauptsächlich aus kleinen randomisierten Studien mit insgesamt eingeschränkter Qualität in Bezug auf Studiendesign, Durchführung und Berichterstattung besteht. Die aktuelle Evidenz rechtfertigt keine Verwendung von Ivermectin zur Behandlung oder Prävention von Corona außerhalb qualitativ hochwertiger randomisierter Studien“, gibt Dr. Stephanie Weibel zu bedenken. Sie und Maria Popp, beide Mitarbeiterinnen der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW, sind die Hauptautorinnen des Reviews. Und Paul Garner, koordinierender Editor der Cochrane Infectious Disease Group, kommentierte: „Dies ist ein großartiger Review von einem hocherfahrenen Team. Der Hype um Ivermectin wird durch einige Studien vorangetrieben, in denen die Effektstärke des Medikaments nicht glaubwürdig ist, und dies hat die Schlussfolgerungen in anderen bereits publizierten Reviews beeinflusst. Eine kürzlich erschienene Studie mit starkem positivem Effekt wurde inzwischen sogar als ‚Fake‘ zurückgezogen.“ Dr. Stephanie Weibel und Maria Popp beobachten die Studienlage zu Ivermectin weiterhin. Beide hoffen, dass sie bald durch Ergebnisse zukünftiger Studien die Fragen zur Wirksamkeit von Ivermectin bei Covid-19 in einem Review-Update mit hoher Evidenz beantworten können.

Die Übersichtsarbeit fand keine Hinweise darauf, dass Ivermectin im Vergleich zu Placebo oder einer Standardbehandlung den Zustand der Patient*innen verbessert.

Bild: Tim Göbel / Uniklinikum Würzburg

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