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CCC WERA aktiv im Verbund ONCOnnect

PATIENTENBETEILIGUNG STÄRKEN UND VERNETZUNG DER ONKOLOGISCHEN SPITZENZENTREN MIT REGIONALEN KLINIKEN, FACH- UND HAUSÄRZTEN INTENSIVIEREN

Bei der Versorgung von Menschen mit Krebs gibt es nach wie vor große regionale Unterschiede. In den meisten städtischen Gebieten besteht eine sehr gute Versorgungslage, in ländlichen Regionen hingegen ist sie deutlich geringer ausgeprägt. Mit dem Verbundprojekt ONCOnnect wird die Deutsche Krebshilfe die von ihr initiierten und geförderten Onkologischen Spitzenzentren stärker mit regionalen Kliniken, Fach- und Hausärzten vernetzen. Die Comprehensive Cancer Center Allianz WERA ist Teil des Verbundprojekts und setzt sich aktiv für das Ziel einer flächendeckend hohen Versorgungsqualität für Krebspatienten sowie für eine Stärkung der Patientenbeteiligung und -edukation ein.

 

Zahlreiche Mitglieder des Verbunds ONCOnnect posieren mit Logo in Frankfurt am Main für ein Gruppenbild.
Auftakt des Verbundprojekts ONCOnnect an der Universitätsmedizin Frankfurt: Die Projektmitglieder arbeiten gemeinsam an einer flächendeckenden, bestmöglichen Versorgung von Krebsbetroffenen in Deutschland. Foto: Nicolas Det
Teammitglieder aus Würzburg, Erlangen, Regensburg, Augsburg (WERA) posieren für ein Gruppenbild im Flur des Zentrums für Innere Medizin am UKW.
Die Comprehensive Cancer Center Allianz WERA als Onkologisches Spitzenzentrum mit vier CCCs an den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg setzt sich in ONCOnnect aktiv für eine flächendeckend hohe Versorgungsqualität für Krebspatienten sowie für eine Stärkung der Patientenbeteiligung und -edukation ein. Foto: Jörg Fuchs / UKW

Würzburg. Der Verbund ONCOnnect, bestehend aus 14 von der Deutschen Krebshilfe geförderten Onkologischen Spitzenzentren mit insgesamt 26 universitären Standorten, dem Nationalen Krebspräventionszentrum in Heidelberg und Patientenvertretungen, wird gemeinsam die regionalen Netzwerke der Comprehensive Cancer Center (CCC) weiterentwickeln und die bestmögliche Versorgung von Krebspatienten auch außerhalb der Metropolregionen gewährleisten. CCC WERA als Onkologisches Spitzenzentrum mit vier CCCs an den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg ist einer der Verbundpartner. 

Versorgung auf Spitzenniveau – in urbanen und ländlichen Regionen

Innerhalb von drei Jahren entwickelt das Projekt patientenzentrierte Best-Practice-Modelle in fünf Handlungsfeldern. Im Anschluss werden diese Konzepte auf alle ONCOnnect-Projektstandorte und ihre Netzwerke übertragen. Ziel ist es, Synergien zu schaffen und einheitliche Strukturen zu etablieren, um einen deutschlandweiten Wissenstransfer zu gewährleisten und die Qualität der Krebsversorgung auf höchstem Niveau sicherzustellen.

Patienten außerhalb der CCCs – in regionalen Krankenhäusern, Fach- und Hausarztpraxen sowie anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens – werden künftig von einem besseren Zugang zu innovativen Krebstherapien, klinischen Studien und Unterstützungsangeboten profitieren. Denn die Realität sieht so aus: Die Mehrzahl der onkologischen Patienten in Deutschland wird nicht in CCCs diagnostiziert und behandelt, sondern in regionalen Krankenhäusern und Praxen, die diese spezialisierten Angebote nicht anbieten können.

Die fünf Handlungsfelder

ONCOnnect setzt sich intensiv dafür ein, gemeinsame Wege der partnerschaftlichen und arbeitsteiligen Vernetzung zwischen den CCCs und ihren regionalen Behandlungspartnern, kurz „Outreach“ genannt, zu finden und deutschlandweit zu harmonisieren. In fünf Task Forces werden Best-Practice-Modelle entwickelt und auf weitere CCCs übertragen:

  1. Prävention und Früherkennung: Hier werden qualitätsgesicherte Informationsmaterialien und Maßnahmen für die Outreach-Partner erstellt sowie spezifische Präventionsprojekte im Arbeitsumfeld umgesetzt. „Krebserkrankungen vorzubeugen und frühzeitig zu erkennen sind die zentralen Anliegen der Task Force Prävention und Früherkennung, welche im Rahmen des ONCOnnect-Verbundantrags eine digitale Plattform mit Präventionsmaßnahmen entwickelt. Durch die Bündelung der Expertise aller Comprehensive Cancer Center im Bereich Prävention und Früherkennung in Form von Projekten, Maßnahmen und Studien wollen wir unsere Outreach-Partner gezielt dabei unterstützen, für alle Bürgerinnen und Bürger die passenden Angebote zu identifizieren und zugänglich zu machen“, sagt Prof. Dr. Björn Hackanson vom Universitätsklinikum Augsburg.
  2. Patientenbeteiligung: Die konsequente Einbeziehung von Patienten und Angehörigen, deren gezieltes Empowerment sowie das strukturierte Aufgreifen und „in die Breite tragen“ ihrer Interessen stehen im Mittelpunkt. „Die vermehrte Einbindung von Patientinnen und Patienten ist ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen und der gesamten Onkologie. Durch ONCOnnect sollen Patientinnen und Patienten sowie Angehörige geprüfte Informationsquellen, Weiterbildungsprogramme und Zugangswege zu Spitzenmedizin in Deutschland erhalten“, erläutert Prof. Dr. Tobias Pukrop vom Universitätsklinikum Regensburg.
  3. Klinische Studien: Best-Practice-Modelle im Bereich klinischer Studien werden etabliert, um die Studienaktivitäten in den regionalen Netzwerken gezielt zu steigern und den Patienten einen wohnortnahen Zugang zu innovativen klinischen Studien zu ermöglichen. „Entscheidend ist aber, dass die Innovationen tatsächlich beim Patienten ankommen. Wir müssen daher genau analysieren, welche Hürden für die Teilnahme an klinischen Studien bestehen und wie diese abzubauen sind“, erläutert Prof. Dr. Markus Metzler vom Uniklinikum Erlangen. Darüber hinaus sollen Patienten und Outreach-Partner ihre Kompetenzen im Studienkontext erweitern und ausbauen können. „Eine zentrale Maßnahme wird es sein, die Studieninfrastruktur in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren und Kliniken des regionalen Netzwerkes zu stärken, so dass Patientinnen und Patienten gerade in größeren und ländlichen Einzugsgebieten – wie das bei CCC WERA der Fall ist – auch heimatnahen Zugang zu klinischen Studien haben. Das CCC Mainfranken führt im Rahmen von ONCOnnect ein entsprechendes Modellvorhaben durch“, so Prof. Dr. Ralf Bargou vom Uniklinikum Würzburg.
  4. Qualitätssicherung: Das Handlungsfeld „Qualitätssicherung“ widmet sich der Verbesserung der Zusammenarbeit der CCCs mit den Landeskrebsregistern und der Weiterentwicklung der Video-Tumorboards. Außerdem wird evaluiert, welche unterstützenden Angebote Krebsbetroffene tatsächlich benötigen.
  5. Digitalisierung: Die Akteure im Handlungsfeld „Digitalisierung des Outreach“ wollen eine Plattform für digitale Instrumente und die sektorenübergreifende Vernetzung im Versorgungskontext entwickeln.

Über ONCOnnect 

ONCOnnect ist ein Verbundprojekt zur Weiterentwicklung regionaler Outreach-Netzwerke der 14 von der Deutschen Krebshilfe geförderten Onkologischen Spitzenzentren unter Beteiligung von 26 Universitätsklinika, dem Nationalen Krebspräventionszentrum in Heidelberg und Patientenvertretungen. Ziel von ONCOnnect ist die engere Vernetzung der Comprehensive Cancer Center (CCCs) mit regionalen Behandlungspartnern – Krankenhäusern, Fach- und Hausarztpraxen und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens – und eine gemeinsame Entwicklung von Best-Practice-Modellen für eine flächendeckende, bestmögliche und ganzheitliche Versorgung von Krebsbetroffenen in Deutschland. Zentral koordiniert wird das Verbundprojekt durch die ONCOnnect-Geschäftsstelle mit Sitz an der Universitätsmedizin Frankfurt unter Leitung von Sprecher Prof. Dr. med. Christian Brandts, Direktor des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt. Das Verbundprojekt ONCOnnect wird durch die Stiftung Deutsche Krebshilfe mit insgesamt 13,8 Millionen Euro bis zum Jahr 2027 gefördert. 

Über CCC WERA

Die CCC Allianz WERA ist ein Zusammenschluss der Comprehensive Cancer Center in Würzburg (CCC MF), Erlangen (CCC ER-EMN), Regensburg (CCCO) und Augsburg (CCCA). CCC WERA wird durch die Deutsche Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum gefördert und deckt ein Versorgungsgebiet von rund 8 Millionen Menschen ab. Seit 2023 ist die CCC Allianz WERA ein Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Das NCT ist eine langfristig angelegte Kooperation zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), exzellenten Partnern in der Universitätsmedizin und weiteren herausragenden Forschungspartnern an verschiedenen Standorten in Deutschland. Das NCT WERA wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Freistaat Bayern gefördert und hat zum Ziel, die Translation von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in klinische Studien sowie die Versorgung in ländlichen Regionen voranzubringen.

Website CCC WERA

Weitere Informationen

Pressemitteilung Förderung ONCOnnect (Deutsche Krebshilfe)

Pressemitteilung Kick-off-Meeting ONCOnnect (Universitätsmedizin Frankfurt)

Von: Annette Popp, CCC Allianz WERA
 

Waldbaden bei krebsbedingter Fatigue und Depression

Naturräume und Naturerfahrungen wirken sich positiv auf die körperliche und seelische Gesundheit aus. Das Potenzial so genannter „Nature-based Therapies“ rückt daher zunehmend in den Fokus der Medizin. Insbesondere das „Waldbaden“ wird mit guten Ergebnissen erforscht. Ein Problem: Gerade den Patientinnen und Patienten, die besonders davon profitieren würden, fällt der Weg in den Wald schwer, weil sie zum Beispiel unter Erschöpfung oder depressionsbedingter Antriebslosigkeit leiden. Die Carstens-Stiftung fördert deshalb mit rund 750.000 Euro zwei innovative Projekte, die den Wald ein Stück weit zu den Menschen bringen - mit Hilfe von Virtual Reality, Hypnose und Imagination. Das Universitätsklinikum Würzburg ist an der FOREST-Studie beteiligt.

Das Foto zeigt einen Blick nach oben zu den Baumkronen im Laubwald.
Die Wirkung von Waldbaden bei krebsbedingter Fatigue und Depression wird in zwei von der Carstens-Stiftung geförderten Studien untersucht. © Kirstin Linkamp / UKW
Collage mit drei Porträtbildern der Verantwortlichen im Projekt FOREST
v.l.n.r.: PD Dr. med. Claudia Löffler (Foto: Stefan Bausewein), Dr. med. Marcela Winkler (Foto: Schmidt), Prof. Dr. rer. medic. Holger Cramer (Foto: Beate Armbruster, ©Universitätsklinikum Tübingen)

Essen/Würzburg. Vier von fünf Menschen, die eine onkologische Erkrankung überlebt haben, leiden noch Jahre nach Abschluss der Therapie unter den biopsychosozialen Folgen. Zu den häufigsten Symptomen gehört die krebsbedingte Erschöpfung (cancer-related fatigue) mit negativen Auswirkungen auf die Schlafqualität und weiteren direkten Beziehungen zu emotionalen und kognitiven Symptomen. Zu letzteren gehören auch Depressionen. 

Waldbaden als vielversprechender Therapieansatz

Auf der Suche nach nicht-pharmakologischen Behandlungsansätzen kristallisieren sich zunehmend naturheilkundliche Therapien, insbesondere das Waldbaden, als vielversprechend heraus. Erste positive Effekte konnten u.a. auf Schlafstörungen, Fatigue, Depressivität, Ängstlichkeit, Konzentrationsstörungen, Stressempfinden und Lebensqualität nachgewiesen werden. Dabei scheinen der Ort und die Sinneswahrnehmungen eine entscheidende Rolle zu spielen. 

Menschen mit krebsbedingter Fatigue oder Depression würden also vermutlich in hohem Maße vom Waldbaden profitieren - allerdings fällt der Weg in den Wald gerade wegen der Erschöpfung und Antriebslosigkeit auch besonders schwer, ganz zu schweigen von den räumlichen Entfernungen in einem städtisch geprägten Umfeld. Mit finanzieller Unterstützung der gemeinnützigen Karl und Veronica Carstens-Stiftung nehmen sich nun zwei innovative Projekte genau dieser Problematik an. Die Stiftung des ehemaligen Bundespräsidenten und seiner Frau setzt sich seit mehr als 40 Jahren für die Verankerung von Naturheilverfahren und Komplementärmedizin in der medizinischen Forschung und Patientenversorgung ein. 

FOREST – Studie zum Waldbaden bei krebsbedingter Fatigue

Naturheilverfahren in der Onkologie sind ein Thema, mit dem sich Privatdozentin Dr. Claudia Löffler am Uniklinikum Würzburg intensiv beschäftigt. Die Oberärztin leitet am Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) seit 2016 den Schwerpunkt Komplementäre Onkologie Integrativ (KOI). Unter dem Akronym FOREST führt sie nun gemeinsam mit Dr. Marcela Winkler (Robert Bosch Centrum für Integrative Medizin und Gesundheit, Stuttgart) und Prof. Dr. Holger Cramer (Universitätsklinikum Tübingen) und ihren Teams an den Standorten Würzburg und Stuttgart eine randomisierte kontrollierte Studie zum Waldbaden bei krebsbedingter Fatigue durch.

Es sind vier Arme geplant. Insgesamt werden 172 Patientinnen und Patienten randomisiert, d.h. durch einen Zufallsmechanismus einer von drei Interventionsgruppen oder einer Wartekontrollgruppe zugeteilt. Verglichen werden reales Waldbaden (Arm 1), mittels Virtual-Reality-Brille simuliertes Waldbaden (Arm 2), imaginiertes Waldbaden (Arm 3) und keine Intervention (Arm 4). Die Studienteilnehmenden von Arm 1 werden sich in Laubmischwäldern aufhalten, für die Arme 2 und 3 wird eine eigene Mischung ätherischer Öle entsprechend der Baumarten zusammengestellt, um eine bessere Vergleichbarkeit des Erlebnisses zu erreichen. Die Applikation erfolgt während der VR-Simulation bzw. Imagination über Aromazerstäuber. Die Interventionen sollen jeweils 30 Minuten dauern und einmal wöchentlich über einen Zeitraum von acht Wochen durchgeführt werden.

Der primäre Zielparameter ist die Symptomreduktion im Hinblick auf ein Cluster aus krebsbedingter Fatigue und den assoziierten Variablen Schlaf, Depressivität und Konzentration, die mittels multivariabler Varianzanalyse untersucht werden. Es wird vier Messzeitpunkte geben: Vor der Intervention, nach der Hälfte der Intervention, nach der Intervention und zwei Monate nach Ende der Intervention. Neben validierten Fragebögen werden Blutuntersuchungen und so genannte Wearables zur Erfassung von Vitalparametern eingesetzt.

NatureDeep - naturfokussierte Achtsamkeitsübungen und Hypnose bei Depression

Im zweiten Projekt NatureDeep konzentriert sich ein Team der Charité - Universitätsmedizin Berlin auf die Wirkung von naturfokussierten Achtsamkeitsübungen und Hypnose bei Depressionen.135 Patientinnen und Patienten mit leichten bis mittelschweren Depressionen werden in drei Gruppen randomisiert. Die erste Gruppe führt naturfokussierte Achtsamkeitsübungen im Berliner Stadtwald durch, die zweite Gruppe imaginiert unter Hypnose eine vergleichbare Natur und führt die gleichen Achtsamkeitsübungen in einem Trancezustand durch. In beiden Gruppen erhalten die Teilnehmenden weiterhin ihre bestehende Routineversorgung wie Psychotherapie und/oder antidepressive Medikamente. Für beide Interventionen sind wöchentliche Gruppensitzungen von jeweils 90 Minuten Dauer über einen Zeitraum von insgesamt acht Wochen vorgesehen. Zusätzlich werden die Teilnehmenden angehalten, die Übungen mindestens dreimal pro Woche für jeweils 30 Minuten selbständig durchzuführen. Die dritte Gruppe dient als Kontrolle und wird lediglich die Routineversorgung fortführen, jedoch keine naturheilkundliche Intervention erhalten.

Ergebnisse aus beiden Projekten werden in drei Jahren erwartet

Mit der Auswahl und Zusammenstellung der Interventionen soll eine Brücke zwischen traditionellen Verfahren, Mind-Body-basierten Interventionen und modernsten Technologien geschlagen werden. Ziel ist es, mittelfristig möglichst vielen Patientinnen und Patienten ein auf ihre individuelle Situation zugeschnittenes, effektives Werkzeug für die eigene Gesundheit an die Hand geben zu können. Die Ergebnisse beider Projekte werden in drei Jahren erwartet.

Zur ausführlichen Pressemeldung der Carstens-Stiftung.

Computer Vision-Technologien: Revolution für Diagnose und Verlaufsbeurteilung der Parkinson-Krankheit?

Dr. Maximilian U. Friedrich, Assistenzarzt und Wissenschaftler an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW), erhält auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin den mit 50.000 Euro dotierten „NeuroTech-Innovationspreis“ der Manfred und Ursula Müller-Stiftung und der DGN. Ausgezeichnet werden seine Forschungsarbeiten zur KI-basierten Videoanalyse in der Neurologie, insbesondere bei Bewegungsstörungen wie der Parkinson-Krankheit.

Maximilian Friedrich posiert vor blauer Wand mit DGN-Logos und hält seine Urkunde in die Kamera.
Dr. Maximilian U. Friedrich, Assistenzarzt und Wissenschaftler an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des UKW, erhielt auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin den mit 50.000 Euro dotierten „NeuroTech-Innovationspreis“ der Manfred und Ursula Müller-Stiftung und der DGN. © DGN/Claudius Pflug
Preisträger und Verleihende posieren vor DGN-Werbewand
Verleihung des NeuroTech-Innovationspreises, v.l.n.r. DGN-Präsident Prof. Dr. Lars Timmermann, Kuratoriumsmitglied Katja Engelbert, Preisträger Dr. Maximilian Friedrich, Stifterin Ursula Müller und Dr. Laura Hausmann vom Deutschen Stiftungszentrum. © DGN/Claudius Pflug
Maximilian Friedrich hält den Daumen hoch, auf der Hand leuchten zahlreiche Analysemarker in grün, die mit roten Strichen verbunden sind.d
Dr. Maximilian U. Friedrich hat seine Hand mit Computer Vision Analysemarkern überlagert, wie er sie auch in dem Projekt nutzt, für das er den NeuroTech-Innovationspreis erhalten hat. Foto: Helen Friedrich

Würzburg. Sie ermöglicht autonomes Fahren und die automatische Gesichtserkennung beim Entsperren des Smartphones, sie erleichtert industrielle Inspektionen wie die Qualitätskontrolle, aber auch die medizinische Bildanalyse. Die Rede ist von der Computer Vision Algorithmik - einer Sammlung von Algorithmen, die es Computern ermöglicht „zu sehen“ und visuelle Informationen zu verstehen. Ein Team um Dr. Maximilian Friedrich von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) hat sich die Technologien des maschinellen Sehens zu eigen gemacht, um die Diagnose und Verlaufsbeurteilung der Parkinson-Krankheit zu revolutionieren, an der weltweit mehr als elf Millionen Menschen leiden.

Für sein Forschungsprojekt mit dem Titel „Nutzung von Computer Vision Algorithmik zur präzisen Charakterisierung der Schwere der Parkinsonerkrankung sowie ihres Ansprechens auf die medikamentöse und Hirnstimulationstherapie“ wurde Maximilian Friedrich beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft (DGN) im November 2024 in Berlin mit dem „NeuroTech-Innovationspreis“ ausgezeichnet. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wurde erstmals von der Manfred und Ursula Müller-Stiftung gemeinsam mit der DGN vergeben und soll künftig alle zwei Jahre junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auszeichnen, die an der Entwicklung unkonventioneller, innovativer und kollaborativer KI-Technologien für klinische und translationale Anwendungen arbeiten.

Smartphone-basierter Symptomtracker und videogestütztes System zur schnellen und präzisen Feineinstellung der Tiefen Hirnstimulation

„Bisher basierte die Beurteilung von Parkinson-Symptomen wie Zittern und verlangsamten Bewegungen vor allem auf subjektiven und bestenfalls semi-quantitativen Beobachtungen von Neurologinnen und Neurologen“, berichtet Maximilian Friedrich. „Durch den Einsatz von KI-Algorithmen zur Videoanalyse können wir nun die motorischen Symptome unserer Patientinnen und Patienten deutlich präziser und objektiver erfassen.“ 

Zur Erfassung der motorischen Bewegungen werden lediglich handelsübliche Geräte wie Smartphones benötigt. Die Technologie erlaubt es, automatisch Bewegungsmuster in Videoaufnahmen zu erkennen, die sich manchmal auch der gewöhnlichen Beobachtung durch Expertinnen und Experten entziehen können. Durch die genauere Zustandsbeschreibung lässt sich nicht nur der Schweregrad der Erkrankung besser messen, sondern auch der Erfolg von medikamentösen Therapien und der Tiefen Hirnstimulation genauer beurteilen, was insbesondere für personalisierte Behandlungsansätze wegweisend sein könnte. „Ein KI-gestütztes System hat das Potenzial, die klinische Praxis zu verbessern, Diagnosen zu präzisieren und die Erforschung neurologischer Erkrankungen entscheidend voranzubringen“, resümiert Friedrich, der die Methode in den nächsten Schritten bis zur Erprobung im klinischen Alltag weiterentwickeln will. Das Preisgeld soll ihm dabei helfen, eine eigene Arbeitsgruppe zu den Themen KI und digitale Anwendungen in der Neurologie zu etablieren.

Internationale multidisziplinäre Kollaborationsstruktur

Das multidisziplinäre Projekt wird eng eingebettet in das rasch wachsende Forschungsumfeld der Neurologischen Klinik des UKW unter der Leitung von Professor Dr. Jens Volkmann und vereint lokale Partner aus der Würzburger Universitätsmedizin (u. a. die Arbeitsgruppen von Dr. Robert Peach, Prof. Dr. Daniel Zeller, Prof. Dr. Rüdiger Pryss) mit internationalen Kollaborationen. Zu diesen zählen Experten aus der angewandten Mathematik und Computerwissenschaft (Profs. David Wong und Samuel Relton, University of Leeds), der klinischen Softwareentwicklung (u. a. Prof. Dr. Jane Alty, University of Tasmania, Australien, und Prof. Ryan Roemmich, Johns Hopkins University, USA) sowie der Neurodegenerationsforschung (u. a. Prof. Vikram Khurana, Brigham and Women’s Hospital, Boston, USA).

Links:

Pressemitteilung zu vorhergehenden Publikationen

Publikation im Journal of Neurology: Smartphone video nystagmography using vonvolutional neural networks: ConVNG

Publikationen im npj Digital Medicine: Validation and application of computer vision algorithms for video-based tremor analysis und Head movement dynamics in dystonia: a multi-centre retrospective study using visual perceptive deep learning

Text: Kirstin Linkamp / UKW
 

Langjährige Klinikseelsorgerin verabschiedet

Mechthild Ritter war 35 Jahre lang Teil des Seelsorgeteams am Uniklinikum Würzburg. Ende Oktober dieses Jahres ging die Diplom-Pädagogin in den Ruhestand.

Mechthild Ritter
Mechthild Ritter bei der Ansprache während des Gottesdienstes zu ihrer Verabschiedung in der Kapelle des Uniklinikums Würzburg. Bild: Peter Meyer / UKW

Würzburg. Am 24. Oktober 2024 verabschiedete das Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg (UKW) seine Kollegin Mechthild Ritter mit einer Feier in den Ruhestand. Die Diplom-Pädagogin war im Jahr 1989 im psychosozialen Team der onkologischen Station Regenbogen der Würzburger Universitäts-Kinderklinik gestartet. „Dass daraus unglaubliche 35 Jahre wurden, habe ich dem Rat meines damaligen Supervisors zu verdanken, der sagte: Arbeite so, dass du aus der Fülle gehst, und nicht, weil du nicht mehr kannst“, berichtet die Seelsorgerin und fährt fort: „Tatsächlich hat mich die Begleitung der Kinder und ihrer Eltern – insbesondere auch die langfristige Trauerbegleitung von verwaisten Familien – immer wieder so zufrieden und dankbar gemacht, dass ich gerne geblieben bin.“ Sie habe oft erlebt, dass kleine wie große Menschen nicht an ihrem Schicksal scheitern, sondern wachsen. „Dabei habe ich selbst erfahren, dass ich gestärkt werde“, beschreibt Ritter.

Preisgekrönte psychosoziale Projektarbeit

Für ihre beispielhafte Projektarbeit mit verwaisten Familien erhielt sie im Jahr 2000 den psychosozialen Preis der Deutschen Leukämie-Forschungshilfe – Aktion für krebskranke Kinder e.V. Außerdem legte sie ihr Wissen in dem im Jahr 2011 erschienenen Buch „Wenn ein Kind stirbt. Hilfe und Orientierung für Eltern, Geschwister und Begleitende“, nieder. Im Seelsorgeteam des UKW war Mechthild Ritter an der Renovierung und Gestaltung sakraler Räume, wie dem „Raum der Stille“ im Zentrum für Operative Medizin (ZOM) und dem ökumenischen Meditationsraum in der Frauenklinik, beteiligt. Feste und Feiern mitzugestalten war ihr ein weiteres kreatives Vergnügen.

„Wir danken unserer scheidenden Kollegin herzlich für den von ihr eingebrachten großen seelsorgerlichen Erfahrungsschatz, ihre wertvollen Impulse, zum Beispiel zur Entwicklung unseres Teams und ihre bereichernde Spiritualität“, betonte Christian Hohm, der Leiter des katholischen Seelsorgeteams des UKW, anlässlich des Abschieds.

Jetzt Lust auf Fachfremdes

Die jetzige Pensionärin selbst ist dankbar, dass sie gesund und kraftvoll in den neuen Lebensabschnitt gehen kann. „Am liebsten per Fahrrad“, wie sie schmunzelnd präzisiert. Im Ruhestand will sie weiter etwas für ihre Gesundheit tun und gerne auch mal Fachfremdes ausprobieren, wie zum Beispiel in einem Tante-Emma-Laden mitzuarbeiten. Ansonsten ist Mechthild Ritter neugierig, was auf sie zukommt. Ihr berufliches Wissen wird sie in Zukunft bei Supervisionen und in der Palliativakademie des Würzburger Juliusspitals teilen.

 

Text: Pressestelle / UKW

Focus-Klinikliste: Uniklinikum Würzburg bayernweit auf Platz 4

Laut der kürzlich erschienenen Focus-Klinikliste 2025 gehört das Uniklinikum Würzburg zur Spitzengruppe unter den über 1600 bewerteten deutschen Krankenhäusern.

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Die aktuelle Focus-Klinikliste empfiehlt das Uniklinikum Würzburg erneut in zahlreichen Fachdisziplinen und bei der Behandlung vieler Krankheitsbilder. Bild: Daniel Peter / UKW

Würzburg. Im Oktober dieses Jahres erschien die „Klinikliste 2025“ des Nachrichtenmagazins Focus. Unter den dabei in ihre Leistungsfähigkeit analysierten 1632 deutschen Krankenhäusern kam das Uniklinikum Würzburg diesmal auf Platz 20. Im bayernweiten Vergleich landete es auf Platz 4.

Die Klinikliste empfiehlt das mainfränkische Großkrankenhaus bei der Behandlung folgender Krankheitsbilder oder in folgenden Fachdisziplinen: Angst- und Zwangsstörungen, Blasenkrebs, Brustkrebs, Demenzen, Depressionen, Gallenchirurgie, Gynäkologische Chirurgie, Handchirurgie, Hauterkrankungen, Hautkrebs, Herzchirurgie, Hirntumoren, Hornhauterkrankungen (Augenheilkunde), Kardiologie, Kinderchirurgie, Kniechirurgie, Kopf-Hals-Tumoren, Lungentumoren, Multiple Sklerose, Neonatologie, Neuropädiatrie, Nierenkrebs, Nuklearmedizin, Parkinson, Prostatakrebs, Refraktive Chirurgie und Katarakt (Augenheilkunde), Risikogeburt und Pränataldiagnostik, Schilddrüsenchirurgie, Schlaganfall, Strahlentherapie, Unfallchirurgie sowie bei den Zahnkliniken. Speziell für internationale Patientinnen und Patienten werden auch die Urologie (im Bereich Onkologie) und die Chirurgie II (im Bereich Orthopädie) empfohlen.

 

Text: Pressestelle / UKW

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Die aktuelle Focus-Klinikliste empfiehlt das Uniklinikum Würzburg erneut in zahlreichen Fachdisziplinen und bei der Behandlung vieler Krankheitsbilder. Bild: Daniel Peter / UKW

„dies academicus“: Universitätsmedizin vergab drei Auszeichnungen

Beim „dies academicus“ der Würzburger Universitätsmedizin erhielt Professor Michael Baumann die Ehrendoktorwürde. Für ihre Doktorarbeiten wurden Dr. Lukas Weiß und Dr. Alexander Aldejohann ausgezeichnet.

Prof. Dr. Michael Baumann (mitte) erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg. Links Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, rechts Prof. Dr. Hermann Einsele, der die Laudatio hielt. Foto: UKW / T. Berberich

Würzburg. Bei ihrem Akademischen Tag, dem „dies academicus“, erinnern die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Würzburg an einen Meilenstein ihrer Geschichte: an die Eröffnung des Luitpoldkrankenhauses am 2. November 1921. „Damals wurde das Fundament für einen national und international renommierten Forschungsstandort gelegt, der das Profil der Universität Würzburg entscheidend prägt“, so Dekan Professor Matthias Frosch.

Die Feier fand am 4. November 2024 im Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums / Instituts für Molekulare Infektionsbiologie statt. Auf die Eröffnung durch den Dekan und den Ärztlichen Direktor PD Dr. Tim J. von Oertzen folgte der Festvortrag von Stefan Vilsmeier. Der Unternehmensgründer und Chief Executive Officer von „Brainlab“ sprach zum Thema „Digitale Medizin: Chancen für Wissenschaft, Unternehmertum und Patienten“.

Ehrendoktorwürde für Professor Michael Baumann

Danach standen Auszeichnungen auf dem Programm. Für seine wissenschaftlichen Erfolge und seine herausragenden Verdienste um die Universitätsmedizin Würzburg bekam Professor Michael Baumann die Ehrendoktorwürde verliehen. Der Vorstandsvorsitzende und wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg habe die Krebsforschung in Deutschland über viele Jahre nachhaltig geprägt, so Professor Hermann Einsele in seiner Laudatio.

Michael Baumann initiierte und förderte mit größtem Engagement die 2019 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerufene Dekade gegen Krebs. Zu dieser Initiative gehörte der Ausbau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), den er mit Enthusiasmus vorantrieb.

„Nach der Entscheidung eines internationalen Begutachtungsgremiums, die Würzburger Universitätsmedizin als Standort in das erweiterte NCT aufzunehmen, stand Professor Baumann als wertvoller Ratgeber für die Ausgestaltung der onkologischen Strukturen in Würzburg jederzeit zur Verfügung“, so Hermann Einsele.

Der Geehrte gehört zu den weltweit führenden Experten für klinische Strahlenbiologie und translationale Radioonkologie. Er habe maßgeblich dazu beigetragen, neue Erkenntnisse der Strahlenbiologie mit modernsten Technologien der Strahlentherapie zu verknüpfen, um eine effizientere und individualisierte Behandlung der Patienten und Patentinnen zu erreichen.

Promotionspreis für Dr. Alexander Aldejohann

Der Promotionspreis der Dr. Josef Schneider, Theresia-Stiftung ging an Dr. Alexander Aldejohann. Er hat systematisch Isolate des krankheitserregenden Hefepilzes Candida glabrata analysiert, die gegen Medikamente aus der Gruppe der Echinocandine resistent sind.

Dabei gelang es dem Mediziner unter anderem, in Deutschland relevante Resistenzmutationen zu charakterisieren und Isolate zu identifizieren, die gegen alle verfügbaren Klassen von Antimykotika resistent sind. Seine Ergebnisse seien ein relevanter Fortschritt für das Wissen über die Resistenzentwicklung bei diesem Pilz, so Matthias Frosch in seiner Laudatio.

Die Dr. Josef Schneider, Theresia-Stiftung wurde 1924 von dem Augenarzt Josef Schneider zu Ehren seiner Mutter Theresia eingerichtet. Schneider war ein Schüler an der ersten Würzburger Augenklinik und wanderte später in die USA aus. Der Promotionspreis der Stiftung geht an herausragende Promotionsarbeiten, die an der Medizinischen Fakultät Würzburg auf dem Gebiet der Volkskrankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten, entstanden sind.

Promotionspreis für Dr. Lukas Weiß

Der Wollheim-Preis für herausragende Promotionsarbeiten ging an Dr. Lukas Weiß, der seine Dissertation 2023 im Labor von Professor Harald Schulze am Institut für Experimentelle Biomedizin mit „summa cum laude“ abgeschlossen hat.

In seiner preisgekrönten Arbeit hat der junge Mediziner bei Patientinnen und Patienten mit Sepsis die Funktion der Blutplättchen (Thrombozyten) analysiert. Es zeigte sich, dass bei allen Untersuchten bereits zu Beginn der Erkrankung die Thrombozytenfunktion stark beeinträchtigt war. Diese Erkenntnis kann dazu beitragen, eine Sepsis frühzeitig zu erkennen.

Benannt ist der Preis nach Ernst Wollheim (1900-1981), einem früheren Direktor der Medizinischen Klinik. Er gründete nach seiner Emeritierung die Ernst und Hedda Wollheim-Stiftung zur Erforschung des Bluthochdrucks. Die Stiftung vergibt den Wollheim-Preis für Dissertationen, die an der Medizinischen Fakultät Würzburg auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Forschung entstanden sind.

Prof. Dr. Michael Baumann (mitte) erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg. Links Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, rechts Prof. Dr. Hermann Einsele, der die Laudatio hielt. Foto: UKW / T. Berberich

ERC Synergy Grant: Deutsch-französisches Team erhält elf Millionen Euro für die KI-gestützte Suche nach neuen Antibiotika

Kein anderer Forschungspreis in Europa ist so renommiert und so hoch dotiert wie die Synergy Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC): Die Auszeichnung geht ausschließlich an Teams aus zwei bis vier Forschern, die aus unterschiedlichen Disziplinen kommen und ihre Expertise bündeln, um gemeinsam ein besonders anspruchsvolles, potenziell bahnbrechendes Forschungsziel zu erreichen.

Professoren, die ERC Grant erhalten
Die Professoren Christophe Zimmer, Ivo Boneca und Mark Brönstrup (v.l.) erhalten einen ERC Synergy Grant. (Fotos: Felix Knote, Universität Würzburg / János Krüger, HZI)

Wie der ERC am 5. November 2024 bekannt gegeben hat, erhält ein deutsch-französisches Team einen Synergy Grant in Höhe von elf Millionen Euro. Die Gruppe verfolgt einen auf künstlicher Intelligenz basierenden Ansatz, um die systematische Suche nach neuen Antibiotika deutlich effizienter zu machen. Sie besteht aus den Professoren Ivo Boneca, Mark Brönstrup und Christophe Zimmer.

„Indem wir unser Fachwissen in den Bereichen Mikrobiologie, Genetik, fortgeschrittene Mikroskopie, Metabolomik, medizinische Chemie, Bioinformatik und künstliche Intelligenz zusammenführen, wollen wir für die Antibiotika-Suche eine neue Vorgehensweise etablieren, die uns gleichzeitig Informationen über die Bioaktivität und die Wirkungsweise neuer Antibiotika-Kandidaten liefern wird“, sagt Ivo Boneca.

Die Forscher und ihre Spezialgebiete

Professor Ivo Boneca leitet die Abteilung für Biologie und Genetik der bakteriellen Zellwand am Institut Pasteur in Paris (CNRS/Inserm). Sein Labor ist führend auf dem Gebiet der mikrobiellen Physiologie, bei der Entwicklung von Antibiotika und der Aufklärung ihrer Wirkungsweise. Sein Team setzt routinemäßig Hochdurchsatz-Bildgebung, hochauflösende Massenspektrometrie und bakterielle Mutanten ein, um neue Angriffsziele für Antibiotika zu identifizieren.

Professor Mark Brönstrup leitet die Abteilung „Chemische Biologie“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. An der Leibniz Universität Hannover hat er eine Professur inne, die zudem mit dem Forschungsbereich „Neue Antibiotika“ am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) assoziiert ist. Seine Gruppe ist führend auf dem Gebiet der Naturstoffchemie und neuartigen Antibiotika. Ihre Expertise liegt auf der Erzeugung und Optimierung von Antibiotika-Leitstrukturen, rationalem Wirkstoffkonjugat-Design, medizinischer Chemie und der bioanalytischen Aufklärung von Wirkmechanismen.

Professor Christophe Zimmer leitet an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg den Lehrstuhl für maschinelle Biophotonik am Rudolf-Virchow-Zentrum. Er ist auch mit dem Institut Pasteur in Paris affiliiert, wo er die Forschungseinheit „Bildgebung und Modellierung“ leitet. Sein Team ist führend bei der Entwicklung fortschrittlicher Mikroskopie- und Bildanalyseverfahren für die Biologie. Es verfügt über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung optischer und computergestützter Methoden für die Einzelmolekül-Lokalisierungsmikroskopie (SMLM), Hochdurchsatz-Bildgebung, Einzelmolekül-RNA-FISH und die Anpassung von Methoden des maschinellen Lernens, insbesondere des Deep Learning, für die Beantwortung biologischer Fragestellungen.

Wissenschaftlicher Hintergrund des Projekts

Immer mehr bakterielle Krankheitserreger sind gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent. Das ist eines der drängendsten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Um solchen Resistenzen entgegenzuwirken, braucht die Menschheit dringend neue Antibiotika – vor allem solche mit komplett neuartigen Wirkmechanismen.

Bei der Suche nach Antibiotika kommen groß angelegte Screening-Verfahren zum Einsatz. Damit lassen sich aus einer Vielzahl potenzieller Wirkstoffe relativ schnell Verbindungen identifizieren, die das Bakterienwachstum beeinträchtigen. „Doch die üblichen Verfahren können nicht vorhersagen, wo genau die Wirkstoffe die Bakterien angreifen und mit welchen Mechanismen“, erklärt Mark Brönstrup. Dafür seien bislang weitere, oft sehr zeitaufwändige Arbeitsschritte nötig.

Sieben wichtige Krankheitserreger im Fokus

Die Kooperationspartner haben darum die Idee, ein weitgehend neues Verfahren für die systematische Antibiotika-Suche zu entwickeln. Es soll neue Antibiotika-Kandidaten identifizieren und gleichzeitig Informationen über deren Bioaktivität und Wirkmechanismen liefern.

Zunächst will das Team insgesamt sieben Bakterienspezies, darunter gefährliche Krankheitserreger, mit modernsten Methoden analysieren, um ihre zellulären und molekularen Merkmale zu bestimmen: Bacillus subtilis, Escherichia coli, Helicobacter pylori, Mycobacterium abscessus, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus und Yersinia pseudotuberculosis. Das Ergebnis werden Datensätze in noch nie dagewesenem Umfang sein, die detaillierte Informationen über diese Bakterien und deren genetische Mutanten enthalten.

Deep-Learning-Analysen sollen dann dafür sorgen, dass aus diesem Datenschatz Angriffsziele für Antibiotika mit neuartigen Wirkmechanismen aufgedeckt werden. „Mit diesem Ansatz werden wir synthetische Molekülbibliotheken und Naturstoffe vielleicht sogar aus komplexen Mischungen zielgenau daraufhin untersuchen, ob sie potenzielle neue antibiotische Wirkstoffe enthalten und um ihre molekularen Mechanismen rechnerisch vorherzusagen“, sagt Christophe Zimmer.

Projektdauer beträgt sechs Jahre

Das ERC-Projekt des Trios startet 2025 und läuft sechs Jahre. Sein offizieller Name: „Deep learning analysis of imaging and metabolomic data to accelerate antibiotic discovery against antimicrobial resistance” (AI4AMR).

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Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg vom 5. November 2024