Aktuelle Pressemitteilungen

Schilddrüseninfotag informiert über Autoimmunerkrankungen

Bei einem Informationstag der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg stehen in diesem Jahr Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse im Mittelpunkt. Die Veranstaltung am 26. September 2026 bietet neben allgemeinverständlichen Kurzvorträgen auch kostenlose Schilddrüsen-Ultraschalluntersuchungen an.

Schilddrüse
Beim Schilddrüseninfotag 2026 informieren Expertinnen und Experten am Uniklinikum Würzburg über Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und bieten kostenlose Ultraschalluntersuchungen an. © UKW, KI-generiert

 

Würzburg. Die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) lädt am Samstag, den 26. September 2026, zum Schilddrüseninfotag ein. Die kostenfreie Veranstaltung richtet sich an Patientinnen und Patienten, deren Angehörige sowie alle Interessierten, die sich über Erkrankungen der Schilddrüse informieren möchten. Im Mittelpunkt stehen diesmal Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis und der Morbus Basedow. 

Zwischen 10:00 Uhr und etwa 11:30 Uhr referieren im Hörsaal 1 des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) an der Oberdürrbacher Straße Fachleute aus Nuklearmedizin, Endokrinologie und Endokriner Chirurgie über Ursachen sowie Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten dieser Krankheiten. Die Vorträge erläutern unter anderem die Rolle des Immunsystems und stellen moderne bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Szintigraphie vor. Außerdem werden operative und nuklearmedizinische Therapieoptionen beschrieben. 

Die Veranstaltung will Betroffenen Orientierung geben und häufige Fragen beantworten: Welche Symptome deuten auf eine Autoimmunerkrankung hin? Welche Laborwerte sind wichtig? Wann reichen Medikamente aus und wann kommen andere Therapieverfahren infrage? 

Im Anschluss an die Vorträge lädt das Organisationsteam zu einem kleinen Imbiss ein. Darüber hinaus bietet die Klinik für Nuklearmedizin von 12:00 bis 14:00 Uhr kostenlose Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse an. 

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bis spätestens 18. September 2026 erforderlich. 

Ein Anmeldeformular gibt es unter https://www.ukw.de/nuklearmedizin/veranstaltungen

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse

Bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse richtet sich das körpereigene Immunsystem irrtümlich gegen das Schilddrüsengewebe. Die häufigste Form ist die Hashimoto-Thyreoiditis, bei der eine chronische Entzündung langfristig zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen kann. Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und Konzentrationsstörungen.

Der Morbus Basedow führt dagegen meist zu einer Überfunktion der Schilddrüse. Betroffene leiden häufig unter Herzrasen, Nervosität, Gewichtsverlust, Schlafstörungen und starkem Schwitzen. In einigen Fällen können auch die Augen betroffen sein.

Beide Erkrankungen lassen sich heute in der Regel gut diagnostizieren und behandeln. Neben Laboruntersuchungen spielen Ultraschall und nuklearmedizinische Verfahren eine wichtige Rolle. Die Therapie reicht von Medikamenten über Radiojodtherapie bis hin zu operativen Eingriffen. 

 

Text: Pressestelle UKW

Schilddrüse
Beim Schilddrüseninfotag 2026 informieren Expertinnen und Experten am Uniklinikum Würzburg über Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und bieten kostenlose Ultraschalluntersuchungen an. © UKW, KI-generiert

Krebsforschung zum Anfassen: MS Wissenschaft kommt nach Würzburg

Vom 8. bis 11. September ankert die MS Wissenschaft nahe der Würzburger Mainkuh. Mit an Bord des Ausstellungsschiffs ist ein digitales Forschungsspiel aus Würzburg, das eine besondere Form der Krebstherapie verständlich macht.

CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie.
Eigene CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie. (Ilja C. Hendel / Wissenschaft im Dialog, CC BY-SA 4.0)

Die MS Wissenschaft ist ein 100 Meter langes Binnenfrachtschiff, das aktuelle Forschung als schwimmende Ausstellung in verschiedene Städte bringt. Seit Mai ist sie im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026 unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ unterwegs und steuert insgesamt rund 35 Städte an. An Bord sind rund 30 Ausstellungsstücke zu sehen.

Mit dabei ist in diesem Jahr auch ein Würzburger Exponat zu sogenannten CAR-T-Zellen. Das sind Immunzellen, die für die Behandlung von Krebs mit einem besonderen Rezeptor ausgestattet werden, der es ihnen erlaubt, Krebszellen zu erkennen und gezielt zu zerstören. 

Wie genau das funktioniert, können Gäste auf der MS Wissenschaft selbst nachvollziehen: Auf einem großen, berührungsempfindlichen Tisch stellen sie eigene CAR-T-Zellen zusammen. Mit dem passenden Rezeptor, dem „CAR“ (steht für: „chimärer Antigenrezeptor“), erhalten die Immunzellen eine „Superkraft“, um Krebszellen zu zerstören.

Entwickelt wurde das Exponat von einem interdisziplinären Team des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig. Es macht Krebsforschung und Immuntherapie für ein breites Publikum anschaulich und lädt dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Krebsforschung und Immuntherapie spielerisch vermitteln

„Das CAR-T-Zell-Spiel ist entlang der Strecke der MS Wissenschaft bereits auf großes Interesse gestoßen“, freut sich Professor Michael Hudecek, Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum und Leiter der Außenstelle Würzburg des IZI. „Wir haben schon viele Rückmeldungen von Besucherinnen und Besuchern bekommen, aber auch von Patientinnen und Patienten. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf den Stopp in Würzburg: Hier ist ein großer Teil der Forschung entstanden, die wir mit dem Exponat sichtbar machen.“

In einem gemeinsamen Projekt haben Teams der beiden Würzburger Lehrstühle für Immuntherapie und für Games Engineering das Spiel innerhalb von rund vier Monaten konzipiert, entwickelt und programmiert. Die technische Umsetzung übernahm die Games-Engineering-Studentin Marie Schramm im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in der Gruppe von Professor Sebastian von Mammen.

Die Idee für das Spiel stammt von Annika Dressler vom Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie. Die Spiel-Konzeptionierung und die wissenschaftliche Leitung übernahm Thomas Däullary. Christina Bornschein war für die organisatorische Leitung und Kommunikation verantwortlich. Beide arbeiten am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie. Nach der Tour des Ausstellungsschiffs will das Team das Projekt weiterentwickeln und zusätzlich strategischer ausrichten, sodass es über mehrere Level spielbar ist und noch komplexere Zusammenhänge vermittelt. 

Finanziert wurde das Exponat mit Unterstützung vom Comprehensive Cancer Center Allianz WERA (CCC WERA), dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA, der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, PlasmidFactory GmbH, Miltenyi Biotec und Johnson & Johnson.

Veranstaltungen an Bord

An Bord der MS Wissenschaft finden mehrere kostenfreie Veranstaltungen für die Öffentlichkeit statt, die vom Universitätsklinikum, der Julius-Maximilians-Universität und von der Fachzeitschrift Vogel IT Medien organisiert werden. Da die Plätze auf dem Schiff begrenzt sind, ist eine Teilnahme am 9. und 10. September nur mit vorheriger Anmeldung möglich (siehe Anmeldeseiten):

Die MS Wissenschaft

Die MS Wissenschaft ist seit Mai 2026 auf Tour. Von Berlin aus führte die Route des 100 Meter langen Frachtschiffs zunächst nach Polen, anschließend durch Deutschland und Österreich. Insgesamt werden rund 35 Städte angelaufen. Der Eintritt ist frei. Jedes Jahr besuchen etwa 100.000 Menschen die Ausstellung, darunter viele Schulklassen und Familien. Die MS Wissenschaft wird realisiert von der Wissenschaft im Dialog gGmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Der letzte Deutschland-Stopp ist vom 8. bis 11. September 2026 in Würzburg. Die schwimmende Ausstellung liegt in dieser Zeit in der Nähe der Mainkuh, Höhe Felix-Freudenberger-Platz (Koordinaten 49.789326, 9.927181).

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 24. August 2026

 

CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie.
Eigene CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie. (Ilja C. Hendel / Wissenschaft im Dialog, CC BY-SA 4.0)

Online-Abendsprechstunde informiert über Bluthochdruck

Ein kostenloses Webinar des Uniklinikums Würzburg und der Mediengruppe Main-Post am 22. September 2026 gibt Antworten auf zentrale Fragen rund um Risiken, Ursachen und Behandlung von Bluthochdruck.

Portrait Prof. Ulrich Hofmann und Dr. Victoria Hagen
Prof. Dr. Ulrich Hofmann und Dr. Victoria Hagen informieren am 22. September 2026 in einer Online-Abendsprechstunde des Uniklinikums Würzburg über Ursachen, Risiken und moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Bluthochdruck. © Norbert Schmidt, Stefan Dreising / UKW

Würzburg. Bluthochdruck gehört zu den Volkskrankheiten in Deutschland. Viele Betroffene spüren lange Zeit keine Beschwerden – dennoch kann ein dauerhaft erhöhter Blutdruck schwerwiegende Folgen haben: Er steigert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche oder Nierenschäden. Wie Bluthochdruck entsteht, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was Betroffene selbst tun können, erläutern Fachleute des Uniklinikums Würzburg (UKW) am Dienstag, den 22. September 2026, in einer kostenlosen Online-Veranstaltung der Reihe „Abendsprechstunde“. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit der Mediengruppe Main-Post angeboten.

Risiken erkennen, Blutdruckwerte senken

Referierende und Ansprechpartner sind Prof. Dr. Ulrich Hofmann, Geschäftsführender Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des UKW, sowie Dr. Victoria Hagen, Assistenzärztin der Klinik. Gemeinsam informieren sie über aktuelle Erkenntnisse zur Diagnostik und Therapie des Bluthochdrucks und beantworten Fragen der Teilnehmenden.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie mögliche Ursachen der Erkrankung, die gesundheitlichen Risiken eines dauerhaft erhöhten Blutdrucks sowie Maßnahmen zu dessen Senkung. Darüber hinaus erläutern die Fachleute, wann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist und wie Betroffene ihren Blutdruck zu Hause richtig messen können.

Teilnahme per Zoom

Die Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr und endet gegen 19:30 Uhr. Sie findet über die Videoplattform Zoom statt. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmenden rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn die Zugangsdaten per E-Mail. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter www.ukw.de/selbsthilfe in der Rubrik „Veranstaltungen“.


Text: Pressestelle / UKW
 

Portrait Prof. Ulrich Hofmann und Dr. Victoria Hagen
Prof. Dr. Ulrich Hofmann und Dr. Victoria Hagen informieren am 22. September 2026 in einer Online-Abendsprechstunde des Uniklinikums Würzburg über Ursachen, Risiken und moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Bluthochdruck. © Norbert Schmidt, Stefan Dreising / UKW

Würzburger Forschung entdeckt neuen Weg zu sicherem Thromboseschutz

Eine teilweise Verringerung des GPVI-Rezeptors erzeugt neuen Thrombozyten-Phänotyp, der vor Thrombosen schützt, ohne die lebenswichtige Blutstillung zu beeinträchtigen

Collage der beiden Porträts von Nieswandt und Navarro - der Hintergrund ist sehr unscharf.
Stefano Navarro (links) ist Erstautor und Bernard Nieswandt Letztautor der Studie die zeigt: Eine partielle Herunterregulierung des Glykoproteins VI der Thrombozyten durch Antikörper mit geringer Affinität sorgt für einen anhaltenden und sicheren antithrombotischen Schutz. @ Collage mit Canva / Bernhard Nieswandt / UKW
Zwei Mikroskopische Bilder - links Kontrollgruppe, rechts Maus mit reduziertem GPVI
Eine teilweise Verringerung des GPVI-Rezeptors (GPVILO) schützt vor Thrombosen und akuten Lungenschäden. In Mäusen mit reduziertem GPVI lagerten sich nach einer Behandlung, die eine akute Entzündungsreaktion auslöst, deutlich weniger Blutplättchen und neutrophile Granulozyten in der Lunge ab. Die beiden Bilder zeigen den Unterschied: Links ist ein Beispiel aus der Kontrollgruppe zu sehen, rechts eine Maus mit reduziertem GPVI. Die Blutgefäße sind magenta, Blutplättchen cyan und neutrophile Granulozyten gelb dargestellt. © Bernhard Nieswandt / UKW

Ein Forschungsteam der Experimentellen Biomedizin I des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) präsentiert in der renommierten Fachzeitschrift „Signal Transduction and Targeted Therapy“ einen neuartigen Ansatz zur Vorbeugung von arteriellen Thrombosen und entzündlichen Gewebeschäden, so genannten thrombo-inflammatorischen Erkrankungen, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen. Anstatt den Thrombozytenrezeptor Glykoprotein VI (GPVI) zu blockieren, haben die Forschenden ihn teilweise herunterreguliert. Eine gezielte Verringerung der Rezeptordichte auf der Oberfläche der Blutplättchen könnte krankhafte Signale zur Bildung von Blutgerinnseln abschwächen und gleichzeitig die normale Blutgerinnung weitgehend erhalten.

Würzburg. Glykoprotein VI, kurz GPVI, ist ein Oberflächenrezeptor, der ausschließlich in Thrombozyten und ihren Vorläuferzellen, den Megakaryozyten im Knochenmark, vorkommt. GPVI ist vor allem für die Bindung von Kollagen an der verletzten Gefäßwand verantwortlich, was die Aktivierung und das Verklumpen der Blutplättchen auslöst. GPVI spielt somit eine Rolle bei der sogenannten Hämostase, der Blutstillung. Eine übermäßige Aktivierung des Rezeptors GPVI kann jedoch zur Bildung krankhafter Thromben und damit zu Gefäßverschlüssen führen, wodurch der Blutfluss zu lebenswichtigen Organen behindert wird. Ein Infarkt droht. 

Prof. Dr. Bernhard Nieswandt beschrieb im Jahr 2001 im Journal of Experimental Medicine erstmals die Funktion des Rezeptors GPVI. Mit seiner Forschung legte der Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Forschungsgruppenleiter am Rudolf-Virchow-Zentrum (RVZ) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in den vergangenen Jahren das Fundament für die Entwicklung und klinische Erprobung von sogenannten GPVI-Inhibitoren. Erst vor wenigen Wochen unterzeichneten Boehringer Ingelheim und das unterfränkische Biotech-Unternehmen EMFRET Analytics einen Kooperations- und Lizenzvertrag für das präklinische Entwicklungsprogramm des GPVI-blockierenden Antikörpers EMA601. Dessen Entwicklung wurde maßgeblich von der Universitätsmedizin Würzburg begleitet (siehe Pressemeldung zur Vertragsunterzeichnung und Historie von EMA601). Nieswandt und sein Team, allen voran Dr. Stefano Navarro als Erstautor, zeigten im Jahr 2024 im European Heart Journal, dass EMA601 den GPVI-Signalweg der Thrombozyten äußerst wirksam blockiert und so Thrombosen und thrombo-inflammatorische Krankheitsprozesse verhindert, ohne die lebensnotwendige Blutgerinnung zu beeinträchtigen. 

Aktuelle Studie zeigt unerwartete Alternative zu GPVI-Inhibitoren

Jetzt präsentieren Navarro und Nieswandt gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen und Emfret Analytics in der hochrangigen Fachzeitschrift „Signal Transduction and Targeted Therapy“ einen weiteren vielversprechenden Ansatz zur Vorbeugung von Thrombosen und thrombo-inflammatorischen Erkrankungen, bei dem die normale Blutgerinnung erhalten bleibt. 

Anstatt die Aktivität von GPVI durch eine Blockade zu hemmen, verringerten sie die GPVI-Rezeptordichte auf der Oberfläche der Thrombozyten. Gänzlich entfernen könne man GPVI nicht, wie frühe Untersuchungen ergaben. Ein GPVI-Mangel schützte Mäuse zwar vor Thrombosen, könnte jedoch in Kombination mit anderen Thrombozytenaggregationshemmern wie Aspirin die Hämostase beeinträchtigen.

Das Team der Experimentellen Biomedizin I fand nun mithilfe eines humanisierten Mausmodells und menschlicher Blutplättchen heraus, dass bestimmte Antikörper mit geringer Bindungsstärke – in diesem Fall JAQ1-Antikörper – die Anzahl der GPVI-Rezeptoren auf den Blutplättchen um etwa die Hälfte verringern. Zur Überraschung der Forschenden kam der Rezeptorabbau konstant auf halbem Weg zum Stillstand. Anstatt also GPVI-defiziente Thrombozyten zu erzeugen, schien JAQ1 durchweg einen völlig neuen Thrombozytenzustand zu erzeugen, einen stabilen „GPVI-low“-Phänotyp (GPVILO).

GPVILO ist ein neuer eigenständiger Thrombozytenphänotyp

„Für mich war die überraschendste Erkenntnis, dass ein teilweiser Rezeptorverlust nicht einfach ein Zwischenzustand zwischen normalen Thrombozyten und einem GPVI-Mangel ist“, erklärt Erstautor Dr. Stefano Navarro. „Stattdessen führte er zu einem eigenständigen Thrombozytenphänotyp, der die hämostatische Funktion aufrechterhielt und gleichzeitig eine starke antithrombotische Wirksamkeit bewahrte.“

Bemerkenswerterweise konnten die Blutplättchen trotz der geringeren Rezeptorzahl weiterhin an verletzten Blutgefäßen haften und Blutungen stillen. Im Gegensatz zur vollständigen GPVI-Depletion blieb die hämostatische Funktion selbst in Kombination mit hochdosiertem Aspirin bei einer partiellen Reduktion von GPVI erhalten. Gleichzeitig waren die Signale, die zur Bildung und Stabilisierung von Blutgerinnseln beitragen, sowie die gerinnungsfördernde Aktivität der Blutplättchen deutlich abgeschwächt. 

Gezielte Steuerung der Rezeptordichte könnte zum therapeutischen Prinzip werden

Die Studie eröffnet damit einen neuen Ansatz für die Entwicklung sichererer Medikamente zur Vorbeugung von Thrombosen. Anstatt GPVI vollständig auszuschalten, könnte die gezielte Steuerung der Rezeptordichte künftig selbst zum therapeutischen Prinzip werden, indem pathologische Signalwege selektiv unterdrückt werden. In experimentellen Modellen boten GPVILO-Thrombozyten einen zuverlässigen Schutz vor arterieller Thrombose und entzündlichen Lungenschäden.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass die biologische Funktion von GPVI nicht nur von seiner Aktivität, sondern auch von seiner Anzahl auf der Thrombozytenoberfläche abhängt. Damit eröffnet sich ein neues pharmakologisches Konzept, bei dem die Rezeptordichte selbst zum therapeutischen Ziel wird“, erläutert Bernhard Nieswandt. „Eine langfristige Anti-GPVI-Therapie könnte über die Prävention thrombotischer Erkrankungen hinaus auch zur Behandlung entzündlicher Krankheitszustände wie des ischämischen Schlaganfalls, akuter Lungenverletzungen und möglicherweise von Krebsmetastasen beitragen.“

Publikation: Stefano Navarro, Sarah Beck, Sabrina I. Bonfiglio, Ernesto J. Cuenca-Zamora, Lukas J. Weiß, Marijke Kuijpers, Johan Heemskerk, David Stegner, Bernhard Nieswandt. Partial downregulation of platelet Glycoprotein VI by low affinity antibodies confers sustained and safe antithrombotic protection. Signal Transduct Target Ther. 2026;11(1):264. doi: 10.1038/s41392-026-02864-5.

Weitere Links:

Studie von 2001: https://doi.org/10.1084/jem.193.4.459

Studie von 2024: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae482

Pressemeldung zur Vertragsunterzeichnung und Historie von EMA601: Universitätsklinikum Würzburg: Vielversprechender GPVI-Inhibitor macht wichtigen Schritt in Richtung klinische Entwicklung

Collage der beiden Porträts von Nieswandt und Navarro - der Hintergrund ist sehr unscharf.
Stefano Navarro (links) ist Erstautor und Bernard Nieswandt Letztautor der Studie die zeigt: Eine partielle Herunterregulierung des Glykoproteins VI der Thrombozyten durch Antikörper mit geringer Affinität sorgt für einen anhaltenden und sicheren antithrombotischen Schutz. @ Collage mit Canva / Bernhard Nieswandt / UKW
Zwei Mikroskopische Bilder - links Kontrollgruppe, rechts Maus mit reduziertem GPVI
Eine teilweise Verringerung des GPVI-Rezeptors (GPVILO) schützt vor Thrombosen und akuten Lungenschäden. In Mäusen mit reduziertem GPVI lagerten sich nach einer Behandlung, die eine akute Entzündungsreaktion auslöst, deutlich weniger Blutplättchen und neutrophile Granulozyten in der Lunge ab. Die beiden Bilder zeigen den Unterschied: Links ist ein Beispiel aus der Kontrollgruppe zu sehen, rechts eine Maus mit reduziertem GPVI. Die Blutgefäße sind magenta, Blutplättchen cyan und neutrophile Granulozyten gelb dargestellt. © Bernhard Nieswandt / UKW

Mit einer Spende gegen den Muskelschwund

Nach seiner erfolgreichen Tumortherapie am Uniklinikum Würzburg wollte Mario Zura gerne etwas zurückgeben. Gemeinsam mit Familie, Freunden und seinem Sportverein sammelte er über 1.600 Euro für einen Bewegungstrainer. Das Gerät hilft Patientinnen und Patienten der Station M84 dabei, auch während des Krankenhausaufenthalts ihre Muskelfunktion zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Gerät Bewegungstrainer mit Spender und Mitarbeiterinnen Station
Der Spender Mario Zura mit der stellvertretenden Pflegeleiterin Christina Steinmann, Physiotherapeutin Edith Stadler und Oberärztin PD Dr. Monika Rau (von links). © Helmuth Ziegler / UKW

Würzburg. Mario Zura kennt das Uniklinikum Würzburg (UKW) – speziell die Station M84 – aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Jahr wurde er hier mehrere Monate lang wegen eines bösartigen Knochentumors am rechten Schienbein behandelt. Nach Chemotherapie und Operation befindet er sich inzwischen in der Nachsorge und kommt weiterhin zu Kontrolluntersuchungen ans Würzburger Krankenhaus der Maximalversorgung.

Die erfolgreiche Therapie und die von ihm als sehr empathisch erlebte Versorgung weckten bei Zura den Wunsch, etwas Konkretes und Sinnvolles zurückzugeben. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Station M84, der Schwerpunktstation für Hepatologie und Onkologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, wurde dafür ein Bewegungstrainer als geeignetes Spendenziel ausgewählt.

1.615 Euro von Familie, Freunden und Sportgemeinschaft

Dafür brachte Mario Zura insgesamt 1.615 Euro zusammen. Etwa die Hälfte der Summe stammt aus seinem Familien- und Freundeskreis, die andere Hälfte von der Sportgemeinschaft Dietershausen/Friesenhausen im Landkreis Fulda. Dort engagiert sich Zura als Fußballtrainer.

Das mit diesem Geld im Frühjahr 2026 angeschaffte Gerät wird nach den Beobachtungen von Christina Steinmann, der stellvertretenden Stationsleitung von M84, von den Patientinnen und Patienten intensiv genutzt. Und das ist gut so. „An jedem Tag im Krankenbett wird Muskelmasse abgebaut – mit weitreichenden Folgen“, erläutert Privatdozentin Dr. Monika Rau. Laut der Oberärztin der Station M84 wurde erst im vergangenen Jahr am UKW eine Studie veröffentlicht, die am Beispiel von Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose eindrücklich zeigt, dass eine Sarkopenie – also der krankheitsbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft – mit einer deutlich ungünstigeren Prognose verbunden ist.

Individuell steuerbares Eigentraining 

Mit dem gespendeten Bewegungstrainer können sowohl Arme als auch Beine trainiert werden. Dabei ist das Gerät sehr unterschiedlich einsetzbar. Ein Motor ermöglicht bei Bedarf auch ein passives Bewegen der Gliedmaßen. Je nach körperlicher Verfassung lässt sich die Belastung schrittweise steigern und ein aktives, fordernderes Training durchführen.

„Unser Hauptziel ist es, die Ausdauer und die Muskelfunktion der Patientinnen und Patienten zu fördern“, erklärt die für die Station M84 zuständige Physiotherapeutin Edith Stadler und fährt fort: „Mit dem Gerät ist dabei neben den regulären physiotherapeutischen Behandlungen ein zusätzliches Eigentraining möglich.“ Zu Beginn werden die Patientinnen und Patienten von den Physiotherapeutinnen und -therapeuten in die richtige Nutzung eingewiesen.
Besonders sinnvoll sind laut Stadler mehrere kurze Trainingseinheiten über den Tag verteilt statt einer einzelnen, langen Trainingsphase. So könne der Bewegungstrainer dazu beitragen, auch während eines längeren Krankenhausaufenthalts möglichst viel körperliche Aktivität in den Alltag zu integrieren.

Das Team der Station M84 bedankte sich im Namen der Patientinnen und Patienten herzlich bei Mario Zura für sein großartiges Engagement.

 

Text: Pressestelle / UKW

Gerät Bewegungstrainer mit Spender und Mitarbeiterinnen Station
Der Spender Mario Zura mit der stellvertretenden Pflegeleiterin Christina Steinmann, Physiotherapeutin Edith Stadler und Oberärztin PD Dr. Monika Rau (von links). © Helmuth Ziegler / UKW

Besser verstehen, sicherer behandeln. Würzburg trainiert kultursensible Medizin

Von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördertes Lehrprojekt schult Umgang mit Sprach- und Kulturbarrieren in der Anamnese

Im Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“ schlüpfen Studierende der Medizin und Hebammenwissenschaften in die Rolle der Behandelnden und führen mit fremdsprachlichen Schauspielpatientinnen und -patienten – Schülerinnen und Schüler der Würzburger Dolmetscherschule – Anamnesegespräche nach einem vorgeschriebenen Skript. Einmal nutzen sie dabei Übersetzungs-Apps, einmal dolmetscht eine Schülerin oder ein Schüler der Dolmetscherschule. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen vom Institut für Allgemeinmedizin ein Anamnesegespräch mit einer Laiendolmetscherin © Kirstin Linkamp / UKW
Porträts der beiden Medizinerinnen im Büro des Instituts, im Hintergrund ein Fenster, durch das unscharf grüne Bäume des Campus zu sehen sind.
Prof. Dr. Anne Simmenroth (links) und Dr. Janina Zirkel leiten am Uniklinikum Würzburg das Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“, das von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Programm Freiraum gefördert wird. © Angie Wolf / UKW

Verständigungsprobleme können zu verzögerten Diagnosen oder fehlerhaften Behandlungen führen. So schildern Patientinnen und Patienten ihre Beschwerden häufig mit kulturell geprägten Bildern oder Redewendungen, die medizinisch missverstanden werden können. Hinzu kommen unterschiedliche Vorstellungen von Krankheit, Therapie oder der Rolle der Familie bei medizinischen Entscheidungen. Mit neuen Modulen im Pflichtcurriculum schließt die Universitätsmedizin Würzburg eine Lücke im Medizinstudium und vermittelt Kompetenzen für kultursensible Kommunikation. Das über drei Semester angelegte Lehrkonzept wird durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) im Programm „Freiraum” mit knapp 400.000 Euro gefördert. Eine Zwischenbilanz.

Würzburg. Der Patient spricht kaum Deutsch. Da kein Dolmetscher verfügbar ist, wird mit Händen und Füßen sowie einer Übersetzungs-App kommuniziert. Ob die Beschwerden richtig verstanden wurden, weiß am Ende jedoch niemand. Solche Situationen gehören in vielen Arztpraxen und Kliniken längst zum Alltag. Doch auch wenn Verwandte mitkommen und dolmetschen, ist nicht sicher, ob die Anamnese aus Scham oder zum Schutz wortgetreu übersetzt wird. Selbst wenn die Sprache kein Hindernis ist, lauern Missverständnisse, die unnötige Untersuchungen oder Fehldiagnosen nach sich ziehen können. So ist der Ausdruck „Mir ist die Gallenblase geplatzt“ in der Regel kein medizinischer Notfall. Im Türkischen kann diese Redewendung beispielsweise einen starken Schreck oder eine große seelische Belastung ausdrücken. Ärztinnen und Ärzte, die diese kulturellen Besonderheiten und sprachlichen Codierungen nicht kennen, können solche Symptome leicht falsch einordnen.

StIL fördert Projekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“ im Programm Freiraum

Genau hier setzt ein innovatives Lehrprojekt am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) an. Seit dem Wintersemester 2025 lernen Medizinstudierende ab dem achten Semester sowie Studierende der Hebammenwissenschaften ab dem dritten Semester gemeinsam im Rahmen eines neuen Pflichtcurriculums, wie sie professionell mit Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden und einem anderen Gesundheits- und Krankheitsverständnis umgehen. „Gelingende Kommunikation verbessert nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen Behandelnden und Patientinnen und Patienten, sondern kann auch dazu beitragen, unnötige Diagnostik, Fehlbehandlungen und langwierige Behandlungspfade zu vermeiden“, sind sich die Projektleiterinnen Prof. Dr. Anne Simmenroth und Dr. Janina Zirkel vom Institut für Allgemeinmedizin einig. Das Lehrkonzept wird durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) im Programm „Freiraum“ mit knapp 400.000 Euro gefördert und befindet sich inzwischen im dritten Semester.

Die Projektleiterinnen kennen die Problematik aus ihrem eigenen Arbeitsalltag: Janina Zirkel ist Internistin und Infektiologin. Neben ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für Allgemeinmedizin arbeitet sie in der Infektionsambulanz des UKW. Anne Simmenroth leitet gemeinsam mit Ildikó Gágyor das Institut und ist dort unter anderem für die Lehre zuständig. Beide Direktorinnen praktizieren zudem als Allgemeinmedizinerinnen in niedergelassenen Praxen. Auch die Ärztin Dr. Anne Weißbrich vom Gesundheitsamt Würzburg bringt umfangreiche Praxiserfahrung in das Projekt mit ein. In der Tuberkulosevorsorge hat sie täglich mit Menschen zu tun, bei denen Sprach- und Kulturbarrieren die Kommunikation erschweren können. Ergänzt wird das interprofessionelle Projektteam durch eine Hebamme sowie zwei Kulturwissenschaftlerinnen. 

Würzburger Lehrkonzept verbindet Online-Module, Seminare und praktische Übungen

Der Pflichtkurs beginnt mit interaktiven Online-Modulen. „Hier schaffen wir zunächst das Problembewusstsein“, erläutert Janina Zirkel. Wie beeinflussen sprachliche und interkulturelle Barrieren die Qualität der Gesundheitsversorgung – und welche konkreten Ressourcen fehlen in der Praxis, um diese Barrieren zu überwinden. 

Im zweiten Modul geht es um Kommunikation im interkulturellen Kontext, Gesundheitskompetenz und Diskriminierung. Die Studierenden reflektieren, welche Stationen und Erfahrungen sie geprägt haben und wie die eigene Sozialisation den Blick auf andere Menschen beeinflusst. Wie erkenne ich überhaupt, dass ich gerade in ein Vorurteil abrutsche? Ein solcher Perspektivwechsel kann überraschend sein. „Ein Aha-Moment war für mich die Erkenntnis, dass ich mir selbst wünsche, kulturell verstanden zu werden“, berichtet eine Studentin. Genau diese Haltung möchten die Lehrenden fördern: die Bereitschaft, die eigene Perspektive immer wieder zu hinterfragen und Patientinnen und Patienten offen und unvoreingenommen zu begegnen. Denn trotz aller Schwierigkeiten sollte die Motivation sein, Menschen zu helfen.

Das dritte Online-Modul bereitet auf das praktische Modul vor und thematisiert die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Sprachmittlungstools. Die Kosten für professionelle Sprachmittlung werden in der ambulanten Versorgung in der Regel nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Als Alternative bleiben nur Laiendolmetschende oder Apps. Doch wie sieht es hier mit der Schweigepflicht oder dem Datenschutz aus? Und was ist besser? 

„Die Apps übersetzen oft Unsinn“

Anne Simmenroth weiß aus eigener Erfahrung, wie unbefriedigend die Kommunikation mit Übersetzungs-Apps ist: „Es dauert immer viel länger. Jeder schreibt etwas, reicht das Handy weiter, der andere liest und schaut fragend zurück, weil die App Fehler bei der Übersetzung macht.“ Die Apps rauben nicht nur Zeit und erschweren den Kontakt, sondern führen auch oft zu Missverständnissen, wie die Rollenspiele im Praxis-Modul gezeigt haben. 

Hier schlüpfen die Studierenden in die Rolle der Behandelnden und führen mit fremdsprachlichen Schauspielpatientinnen und -patienten – Schülerinnen und Schüler der Würzburger Dolmetscherschule – Anamnesegespräche nach einem vorgeschriebenen Skript. Einmal nutzen sie dabei Übersetzungs-Apps, einmal dolmetscht eine Schülerin oder ein Schüler der Dolmetscherschule. Im Anschluss werden die Gespräche gemeinsam ausgewertet. Wie groß die Qualitätsunterschiede zwischen menschlicher Sprachmittlung und Übersetzungs-Apps tatsächlich sind, überraschte nicht nur die Studierenden, sondern auch das Projektteam. 

Janina Zirkel kommentiert: „Bei uns waren die Fachkompetenz der angehenden Dolmetscherinnen und Dolmetscherinnen sowie das Schauspielskript das Korrektiv. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Apps in unseren Rollenspielen teilweise gravierend fehlerhafte Übersetzungen lieferten. Oder anders ausgedrückt: Die Apps übersetzen oft totalen Unsinn.“

Im Alltag bleiben solche fehlerhaften Übersetzungen jedoch oft unbemerkt. Die Feedbackrunden zeigten: Während der Arzt oder die Ärztin das Gefühl hatte, dass alles passt, wurden aus Sicht der Patientin oder des Patienten wesentliche Probleme nicht adressiert oder falsch verstanden. Darüber hinaus fühlten sich die Patientinnen und Patienten oft unwohl und nicht ernst genommen, insbesondere, wenn das Gegenüber über die fehlerhaften App-Übersetzungen lachen musste.

Laiendolmetschenden muss klar sein: Wir reden nicht über den Patienten, sondern mit dem Patienten

„Doch auch ein Gespräch mit Laien, die dolmetschen, muss gut vorbereitet werden“, weiß Anne Simmenroth. Idealerweise führt man ein Vorgespräch, in dem man die dolmetschende Person über die Schweigepflicht, den Inhalt der Anamnese und bestimmte Regeln aufklärt, sowie ein Nachgespräch im Anschluss. „Es ist wichtig, das Gesagte ganz genau wiederzugeben, ohne Interpretationen, und immer in Ich-Form. Wir reden nicht über den Patienten, sondern mit dem Patienten“, so Simmenroth. 

Janina Zirkel empfiehlt zudem, vorab die kulturellen Besonderheiten zu besprechen und während des Gesprächs auf nonverbale Signale zu achten. So muss beispielsweise ein Kopfschütteln nicht Ablehnung bedeuten. 

Alle Patientinnen und Patienten profitieren von sensibler Kommunikation

Die Projektverantwortlichen betonen, dass sich das Lehrangebot nicht ausschließlich an der Versorgung von Menschen mit Migrationsgeschichte orientiert. Auch deutsche Patientinnen und Patienten ohne Migrationshintergrund haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was Krankheit bedeutet oder wie eine Behandlung wirkt. „Gute Medizin beginnt damit, diese Perspektiven zu verstehen und sich in die Lebensrealität der Patientin oder des Patienten hineinzuversetzen“, sagt Anne Simmenroth. Die Kunst besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen und letztlich eine empathische, diversitätssensible und fachlich sichere Anamnese zu erstellen. 

Und in dieser Kunst haben sich die Studierenden nachweislich geübt. Die Evaluationen zeigen deutlich, dass die Fähigkeit im zweiten Kurs, eine diversitätssensible Anamnese zu erheben, nach den Übungen signifikant von einem niedrigem auf ein hohes Niveau stieg. Fast alle Teilnehmenden halten den Inhalt der Kurse für sehr praxisrelevant. 

Ausblick: Kompetenzen in die gesamte Patientenversorgung tragen

Obwohl Sprachbarrieren, unterschiedliche Gesundheitsvorstellungen und kulturell geprägte Kommunikationsmuster längst zum Alltag in Kliniken und Praxen gehören, spielen sie im Medizinstudium bisher kaum eine Rolle. Das Würzburger Lehrkonzept schließt diese Lücke in der medizinischen Ausbildung. 

Zwar endet die Förderung des Projekts im Frühjahr 2027, doch das Team hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema, das angesichts einer immer vielfältigeren Gesellschaft weiter an Bedeutung gewinnen wird, dauerhaft im Curriculum zu verankern und schrittweise auf weitere Berufsgruppen auszuweiten. Denn von einer sicheren und kultursensiblen Kommunikation profitieren nicht nur angehende Ärztinnen und Ärzte und Hebammen, sondern auch Pflegekräfte, therapeutische Berufe und bereits tätige Ärztinnen und Ärzte. Dafür braucht es Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den verschiedenen Berufsgruppen, die diese Kompetenzen dorthin tragen, wo sie gebraucht werden: bei der täglichen Versorgung von Patientinnen und Patienten.  

Information: Zwar gibt es auch an anderen Universitätsstandorten Angebote zur interkulturellen Medizin, doch die Kombination aus kultursensibler Kommunikation, effizienter Sprachmittlung und praktischen Simulationstrainings ist in dieser Form bislang einzigartig. Das Team steht daher im engen Austausch mit anderen Hochschulen, teilt seine Erfahrungen und möchte weitere Standorte ermutigen, ähnliche Lehrangebote aufzubauen. Zum Projekt.

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Im Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“ schlüpfen Studierende der Medizin und Hebammenwissenschaften in die Rolle der Behandelnden und führen mit fremdsprachlichen Schauspielpatientinnen und -patienten – Schülerinnen und Schüler der Würzburger Dolmetscherschule – Anamnesegespräche nach einem vorgeschriebenen Skript. Einmal nutzen sie dabei Übersetzungs-Apps, einmal dolmetscht eine Schülerin oder ein Schüler der Dolmetscherschule. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen vom Institut für Allgemeinmedizin ein Anamnesegespräch mit einer Laiendolmetscherin © Kirstin Linkamp / UKW
Porträts der beiden Medizinerinnen im Büro des Instituts, im Hintergrund ein Fenster, durch das unscharf grüne Bäume des Campus zu sehen sind.
Prof. Dr. Anne Simmenroth (links) und Dr. Janina Zirkel leiten am Uniklinikum Würzburg das Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“, das von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Programm Freiraum gefördert wird. © Angie Wolf / UKW

Kühlmittel-Austritt im Gebäude C16 am Zinklesweg

Am heutigen Nachmittag gegen 14.15 Uhr kam es am Zinklesweg im Bereich der Ambulanzen im Gebäude C16 zu einem technischen Defekt an einer Kälteanlage. Dabei trat Kältemittel aus und verdampfte. Der entstehende Dampf löste die Brandmeldeanlage aus. Ein Brand hat zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.

Auf Anweisung der Feuerwehr wurde das Gebäude zur Sicherheit umgehend evakuiert. Durch die frühzeitige Evakuierung bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung für Patientinnen, Patienten oder Mitarbeitende. Medizinische Notfälle wurden umgehend in die Zentrale Notaufnahme beziehungsweise in die Frauenklinik verlegt und dort weiterversorgt.

Nach Prüfung wurde das Kühlmittel als nicht giftig eingestuft. Patienten und Beschäftigte waren zu keiner Zeit gefährdet. Das Zusammenspiel der Feuerwehr, der Hilfsorganisationen und der Universitätsklinik hat zur zügigen Evakuierung und Weiterversorgung der Patienten reibungslos funktioniert.