Aktuelle Pressemitteilungen

ERC Starting Grant für Kai Kretzschmar

Der Krebsforscher Dr. Kai Kretzschmar will herausfinden, warum Tumore der Mundhöhle so unterschiedlich sind. Dafür erhält er eine Förderung über 1,77 Millionen Euro.

Das orale Plattenepithelkarzinom ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung der Mundhöhle. Es unterscheidet sich von Patient zu Patient sehr deutlich, etwa was die Entstehung von Metastasen oder das Ansprechen auf die Therapie betrifft.

Warum ist dieses Karzinom so vielfältig? Das will Dr. Kai Kretzschmar in seinem neuen Projekt OralNiche herausfinden.

Der Gruppenleiter am Würzburger Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung erhält dafür eine hochkarätige Förderung: Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat ihm einen Starting Grant in Höhe von 1,77 Millionen Euro bewilligt. Diese Auszeichnung wird in einem europaweiten Wettbewerb an herausragende Nachwuchsforschende vergeben.

Das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung ist eine gemeinsame Einrichtung des Universitätsklinikums (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Es wurde im Juli 2018 durch eine Förderung der Deutschen Krebshilfe in Höhe von zehn Millionen Euro initiiert. 

Blick richtet sich auf Stammzellen der Mundhöhle

Im Mittelpunkt des neuen Projekts steht das orale Epithel. Das ist die oberste Zellschicht in der Mundhöhle und auf der Zunge. Sie ist einzigartig durch ihre strukturelle Diversität und ihre unterschiedlichen Mikroumgebungen (Nischen). Um ihre Vielfalt zu verstehen, ist ein Blick auf die Stammzellen nötig, die das Epithel durch stetige Zellteilungen aufrechterhalten. Über die ortsspezifische Vermehrung und Reifung dieser Zellen ist bislang nur wenig bekannt.

Das soll sich ändern: „Wir werden erstmals die verschiedenen Pools der Oralepithelstammzellen systematisch und umfassend charakterisieren“, sagt Kretzschmar. Sein Team will die Mechanismen entschlüsseln, die der Vielfalt des oralen Epithels zugrunde liegen, und ihren Beitrag zur Vielfalt der Plattenepithelkarzinome beschreiben.

Der Würzburger Krebsforscher möchte am Ende auch verstehen, warum die Karzinome so unterschiedlich auf die Therapie ansprechen. Für die Patientinnen und Patienten könnte das zu einer verbesserten Behandlung führen. „Unsere Erkenntnisse könnten außerdem auf andere Gewebe und Tumorarten übertragbar sein und somit einen modellhaften Ansatz für die Krebsforschung bieten“, erklärt Kretzschmar.

Werdegang des ERC-Preisträgers

Kai Kretzschmar, 1985 in Berlin geboren, studierte Biologie in Frankfurt am Main und in Cambridge (UK). Anschließend promovierte er 2014 an der Universität Cambridge mit einem Thema zur Zellbiologie der Haut. Für seine Doktorarbeit erhielt er 2015 den Nikon-Nachwuchspreis der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie.

Nach der Promotion wechselte er ans Hubrecht-Institut in Utrecht (Niederlande). Dort arbeitete er über Hautstammzellen und Herzregeneration. Er entwickelte auch neuartige Organoid-Modelle zur Erforschung der Hautepidermis und der Immuntherapie gegen Darmkrebs.

Zur Finanzierung seiner Postdoc-Forschung erhielt Kai Kretzschmar mehrere prestigeträchtige Stipendien der Europäischen Organisation für Molekularbiologie, der Human Frontiers Science Programme Organisation und des niederländischen Forschungsrats.

Im Jahr 2020 kehrte der Biologe zurück nach Deutschland. Hier baute er am Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung des UKW und der JMU eine Nachwuchsgruppe auf. Mit rund 1,2 Millionen Euro von der Deutschen Krebshilfe gefördert, erforscht sein Team seitdem die zellulären und molekularen Grundlagen von Kopf-Hals-Krebserkrankungen.

Betätigungsfeld auch für Studierende

Dank der 1,77 Millionen Euro vom ERC kann Kretzschmars Gruppe nun weiter wachsen. Für OralNiche sind derzeit eine Postdoc-Stelle und zwei Promotionsstellen vorgesehen. Auch Studierende der Lebenswissenschaften können im Labor Praktika oder Bachelor- und Masterarbeiten absolvieren.

Kontakt

Dr. Kai Kretzschmar, Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung, Institut für Virologie und Immunbiologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-88085, kai.kretzschmar@ uni-wuerzburg.de  

Webseite Dr. Kai Kretzschmar

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 10. Januar 2022

Ein Avatar gegen Angst

Auch virtuelle Begleiter können Ängste dämpfen. Eine Gruppe von Frauen profitiert von dieser Unterstützung ganz besonders. Das zeigt eine neue Studie der Universität und des Uniklinikums Würzburg.

In einer furchteinflößenden Situation empfinden viele Menschen weniger Angst, wenn sie diese Situation nicht alleine durchstehen müssen. Was aber, wenn diese Menschen unter einer ausgeprägten sozialen Angst leiden – also Furcht davor haben, sich in der Öffentlichkeit zu blamieren? Dreht sich dann der beruhigende Einfluss eines Begleiters ins Gegenteil um? Könnte in solchen Fällen ein virtueller Begleiter die Lösung für das Problem sein? Und wie unterscheiden sich eigentlich Frauen und Männer in solchen Situationen?

Publikation in Translational Psychiatry

Diesen Fragen ist ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg sowie der Zhengzhou Universität (China) in einer aktuellen Studie nachgegangen. Daran beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter der Neurowissenschaften, der Psychologie und der Informatik; verantwortlich dafür war Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums. In der Fachzeitschrift Translational Psychiatry hat das Team jetzt die Ergebnisse seiner Untersuchungen veröffentlicht.

„In aller Kürze zusammengefasst zeigen wir, dass Angst auch durch die ‚Anwesenheit‘ einer virtuellen Person gemindert werden kann, insbesondere bei sozial ängstlichen Frauen. Und ganz generell scheinen Frauen mehr von der Anwesenheit Dritter zu profitieren als Männer“, fasst Hein die zentralen Ergebnisse der Studie zusammen. Für die Behandlung von Angststörungen könne diese Erkenntnis potenziell von praktischer Bedeutung sein.

Studie mit mehr als 200 Teilnehmenden

208 Männer und Frauen haben an der Studie teilgenommen. Ihnen allen wurden Angst auslösende Geräusche im Wechsel mit neutralen vorgespielt – mal in Begleitung einer Person, mal ohne. Dabei galt: Frauen bekamen Begleiterinnen zur Seite gestellt, Männer Begleiter. Den Grad der Angstreaktion der Probanden bestimmte das Forschungsteam zum einen über die Veränderung der Hautleitfähigkeit. Zum anderen mussten die Versuchspersonen die Geräusche auf einer vorgegebenen Skala bewerten.

Dabei unterschieden sich die Versuchsreihen in einem wesentlichen Kriterium: Während bei der einen Gruppe während des Experiments eine reale Person mit vor Ort war, erledigte die zweite Gruppe die Aufgabe in einer virtuellen Realität – mit einem Avatar an der Seite, der dem realen Begleiter lebensecht nachgebildet war.

Soziale Unterstützung wirkt wie ein Stresspuffer

„Frühere Experimente haben gezeigt, dass die Anwesenheit eines Dritten physiologische Angstreaktionen abschwächen kann. Soziale Unterstützung wirkt in solchen Fällen also wie ein Stresspuffer“, erklärt Grit Hein. Allerdings sind nicht alle Menschen gleichermaßen gesellig. Bei manchen löst gerade die Anwesenheit einer anderen Person Besorgnis oder Angst aus. Sie befürchten, dass ihre Begleitung Angstreaktionen wie Zittern, Erröten oder Schwitzen an ihnen wahrnehmen könnten, und geraten deshalb erst recht in Stress. Ob auch ein Avatar in der Lage ist, solch eine Reaktion hervorzurufen, war bislang nicht zweifelsfrei geklärt.

Für Klarheit sorgen jetzt die Ergebnisse der Würzburger Studie. Sie zeigen:

  • Frauen reagieren deutlich stärker auf Angst auslösende Geräusche als Männer. 
  • Vor allem bei Frauen mindert die Anwesenheit Dritter Angst. Dies gilt in besonderer Weise für Frauen, die keine ausgeprägten sozialen Ängste haben.
  • Auch die Anwesenheit einer virtuellen Person reduziert bei Frauen die Angstreaktion – unabhängig davon, wie stark sie von sozialen Ängsten betroffen sind. Ein virtueller Agent kann also bei Frauen mit ausgeprägten sozialen Ängsten das Sicherheitsgefühl verstärken. 
  • Bei Männern wirken sich soziale Ängste nicht in vergleichbarer Weise aus.

„Unsere Ergebnisse liefern neue Einblicke in die individuellen Unterschiede, die die soziale Modulation der autonomen menschlichen Angstreaktionen beeinflussen“, schreiben die Autorinnen und Autoren der Studie in ihrer Zusammenfassung. In zukünftigen Studien wäre es interessant, diese Effekte bei der Verarbeitung positiver Reize zu untersuchen.

Darüber hinaus wünschen sie sich, dass zukünftige Studien systematisch den Effekt des Geschlechts des „unbeteiligten Dritten“ erforschen. Dann ließen sich auch wissenschaftlich fundierte Aussagen darüber treffen, wie Männer reagieren, wenn ihnen eine Frau in einer Angst auslösenden Situation zur Seite steht – und umgekehrt. 

Originalpublikation

Social buffering of human fear is shaped by gender, social concern, and the presence of real vs virtual agents. Yanyan Qi, Dorothée Bruch, Philipp Krop, Martin J. Herrmann, Marc E. Latoschik, Jürgen Deckert and Grit Hein 1. Translational Psychiatry; https://doi.org/10.1038/s41398-021-01761-5 

Kontakt

Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-77411, hein_g@ ukw.de   

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 10. Januar 2022

Post-ASH-Webinar: Klinische Neuerungen bei hämatologischen Erkrankungen kompakt

Der jährliche Kongress der American Society for Hematology (ASH) gilt als bedeutendste internationale Austauschplattform zu aktuellen Entwicklungen in der Hämatologie. Am Mittwoch, den 2. Februar 2022, präsentieren Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland in einem Webinar die wichtigsten klinisch relevanten Botschaften des ASH 2021. Organisiert wird die Fachveranstaltung vom Uniklinikum Würzburg und dem Klinikum Nürnberg Nord.

Das alljährlich im Dezember veranstaltete Jahresmeeting der American Society of Hematology (ASH) ist der weltweit wichtigste und umfassendste Kongress in der hämatologischen Onkologie. Seine 63. Neuauflage fand vom 11. bis 14. Dezember 2021 statt. „Die dort präsentierten Erkenntnisse, Forschungsansätze und Fortschritte sollten möglichst vielen interessierten Medizinerinnen und Medizinern nahegebracht werden“, betont Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW). Deshalb veranstaltet das UKW am Mittwoch, den 2. Februar 2022, ein Post-ASH-Webinar. Als Organisationspartner bei der über die Internet-Plattform Zoom übertragenen Veranstaltung fungiert das Klinikum Nürnberg Nord. Hintergrund dieser Allianz ist die kollegiale Verbindung zu Prof. Dr. Stefan Knop. Der ehemalige Schwerpunktleiter der Hämatologie sowie Universitätsprofessor für klinische und translationale Myelomforschung am UKW wechselte zum 1. November 2021 nach Nürnberg, um dort die Ärztliche Leitung der Medizinischen Klinik 5 mit den Schwerpunkten Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation zu übernehmen. 

Moderiert von der Doppelspitze Einsele-Knop werden Kolleginnen und Kollegen aus Göppingen, Göttingen, Köln, Mannheim, Ulm und Würzburg schwerpunktmäßig über die praxisrelevanten klinischen Neuerungen des ASH referieren. Dabei wird es um die aktuelle Behandlung von Krankheiten wie Multiples Myelom, akute myeloische Leukämie, hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome, chronische lymphatische Leukämie, Morbus Hodgkin sowie Myelodysplastischen Syndromen gehen. Außerdem gibt es Updates aus dem Bereich der nicht malignen Hämatologie und zur allogenen Stammzelltransplantation. 

Die kostenlose Veranstaltung beginnt um 16:00 Uhr. Wichtig ist eine Anmeldung bei Gabriele Nelkenstock, der Externen Selbsthilfebeauftragten des UKW, unter Tel: 0931 880 794 47 oder E-Mail: Nelkenstoc_G@ukw.de. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmenden per E-Mail die Zugangsdaten und eine technische Anleitung. Das detaillierte Programm des Webinars findet sich unter www.ukw.de/medizinische-klinik-ii/veranstaltungen.

 

Kita und Corona: Regelmäßige Tests werden gut angenommen und ermöglichen sicheren Betrieb

Um die Umsetzbarkeit und langfristige Akzeptanz verschiedener Corona-Testkonzepte in Kinderbetreuungseinrichtungen zu vergleichen, waren Forschende der Würzburger Universitätsmedizin in neun Würzburger Kitas aktiv. Die Ergebnisse der WÜ-KiTa-CoV-Studie sind jetzt im JAMA Journal publiziert.

(Pressemitteilung der Universität Würzburg)

Um die Umsetzbarkeit und langfristige Akzeptanz verschiedener Testkonzepte in Betreuungseinrichtungen zu vergleichen, waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Würzburger Universitätsmedizin in neun Würzburger Kitas aktiv: Dort haben sie in enger Kooperation mit der Stadt Würzburg Kinder und Betreuungspersonal während der zweiten Coronawelle regelmäßig auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus getestet. Das zentrale Ergebnis der Studie: Kommen nicht invasive Testmethoden wie die Abgabe von Mundspülwasser zum Einsatz, wird das regelmäßige Testen sowohl vom Betreuungspersonal als auch von den Kindern auch langfristig gut akzeptiert.

Neben der Durchführbarkeit der Testmethoden wurden auch die Effekte, die regelmäßige Tests auf Kinder, Eltern und das Betreuungspersonal haben, umfassend analysiert. Basierend auf den Studienergebnissen wurde zudem ein mathematisches Modell entwickelt, das Infektionsketten und deren Eindämmung unter verschiedenen Szenarien darstellt. Die Ergebnisse der Würzburger Kinderbetreuungsstudie (Wü-KiTa-CoV) wurden nun in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht.

 

Die wichtigsten Ergebnisse

Kernaussagen der Wü-Kita-CoV-Studie sind:

  • Über einen Zeitraum von zwölf Wochen wurden bei knapp 5000 Tests nur zwei Sars-CoV-2-Infektionen nachgewiesen. Dies belegt eine geringe Infektionsrate von Kindern in den ersten Infektionswellen der Pandemie.
  • Die Bereitschaft zur Teilnahme an einer regelmäßigen Testung war nach einer umfassenden Aufklärung über den Ablauf der Testungen und über den zu erwartenden Nutzen sowohl bei Kindern und deren Eltern als auch bei den Mitarbeitenden der Kitas hoch.
  • Die größte Zustimmung und zugleich die geringste Abbruchrate fand sich sowohl bei den Kindern als auch den Betreuerinnen für die nicht-invasive und wenig belastende Testmethode: die Entnahme von Mundspülwasser im häuslichen Umfeld.
  • Lassen sich mindestens die Hälfte der Kinder und des Betreuungspersonals zweimal wöchentlich testen, ist die Gefahr einer Infektionsübertragung in der Betreuungseinrichtung so gering, dass eine kontinuierliche Kita-Betreuung möglich ist. Dabei sollte der erste Test am Wochenbeginn erfolgen, und die Testergebnisse müssen innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Dies zeigt eine bioinformatische Modellierung der Virusausbreitung basierend auf den Studiendaten.
  • Regelmäßiges Testen wirkte sich positiv auf das Sicherheitsempfinden der teilnehmenden Eltern und des Betreuungspersonals aus und minderte die empfundene psychische Belastung durch die Covid-19-Pandemie. 

Nach der Einschätzung der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen diese Ergebnisse einen praxisnahen Weg auf, wie mit einer optimalen Teststrategie eine sichere Kinderbetreuung aufrechterhalten werden kann.

Allerdings geben sie zu bedenken, dass das mathematische Modell nur die Infektiosität der bisher in Deutschland verbreiteten Virusvarianten berücksichtigt. Sollten sich Virusvarianten durchsetzen, die deutlich ansteckender sind, wie beispielsweise Omikron, kann dieses Modell den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Auch der mögliche Effekt von Impfungen, die zum Zeitpunkt der Studie noch nicht verfügbar waren, ist in dieser Studie nicht berücksichtigt.

Auf Basis der Studiendaten hat das Studienteam einen konkreten Handlungsleitfaden für Kitas entwickelt, der über die Homepage der Studie frei verfügbar ist (https://go.uniwue.de/ueitaov).

 

Mehr Informationen zur Wü-KiTa-CoV-Studie

Um ein gut akzeptiertes und praktikables Corona-Testkonzept für Kinderbetreuungseinrichtungen zu ermitteln, hat die Wü-Kita-CoV-Studie über ein halbes Jahr hinweg fast 600 Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren und deren Eltern sowie Betreuerinnen und Betreuer durch die zweite Welle der Coronapandemie begleitet. Mehr als 60 Prozent der zur Teilnahme eingeladenen Kinder und des Betreuungspersonals aus neun Kinderbetreuungseinrichtungen im Stadtgebiet Würzburg nahmen zwischen Oktober 2020 und März 2021 – unterbrochen durch den Lockdown – an den Testungen auf das neuartige Coronavirus im Rahmen der Studie teil.

Fast 5000 Tests auf das SARS-CoV-2-Virus hat das Team der Würzburger Universitätsmedizin während der aktiven Studienphase von zwölf Wochen gewonnen. Zusätzlich konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den gesamten Studienzeitraum hinweg in Interviews und Fragebögen Auskunft darüber geben, wie sie die Pandemie und die regelmäßigen Testungen erleben.

Durchgeführt wurde die Studie von einem interdisziplinären Studienteam, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Universität, des Universitätsklinikums und der Stadt Würzburg unter der Leitung von Professor Oliver Kurzai (Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg) und Professor Johannes Liese (Kinderklink, Universitätsklinikum Würzburg).

Unter den beteiligten Partnern waren außerdem das Institut für Virologie und Immunbiologie, die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, das Institut für Allgemeinmedizin und das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie sowie Experten für bioinformatische Modellierung des Leibniz Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena.

 

Unterschiedliche Testmethoden im Einsatz

Unterschiedliche Konzepte kamen in den neun Studien-Kitas zum Einsatz, um so herauszufinden, welches Testkonzept sich am besten durchführen lässt und welches die höchste Akzeptanz erreicht: 

  • regelmäßige Tests bei allen Betreuerinnen, Betreuern und Kindern mittels Nasenabstrich durch ein Studienteam einmal oder zweimal pro Woche vor Ort
  • Mundspülwasserproben, die von den Eltern zweimal pro Woche selbständig entnommen und in der Kita für die nachfolgenden PCR-Labortestungen abgegeben wurden.
  • Der Verzicht auf regelmäßige Testungen. Beim Auftreten von Erkältungszeichen wurde den Betroffenen eine rasche Testung in einer Untersuchungsstelle außerhalb der Kita angeboten.

Um festzustellen, ob Teilnehmer bereits vor Studienbeginn eine Coronainfektion durchgemacht hatten oder ob sich im Studienverlauf Infektionen ereignet hatten, die durch die regelmäßigen Testungen der Teilnehmenden nicht entdeckt wurden, wurde vor und nach der Studie der Corona-Antikörperstatus der Studienteilnehmer bestimmt. 

 

Stimmen zur Studie

„Neben der hohen Teilnehmerrate und der klar dokumentierten positiven Auswirkung der regelmäßigen Testungen auf das psychische Befinden der Eltern und des Betreuungspersonals ist es besonders erfreulich, dass es während des gesamten Studienzeitraumes keine unentdeckte Covid-19-Infektion gegeben hat, wie wir mittels Antikörpertests feststellen konnten.“ (Dr. Johannes Forster; Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg)

„Eine regelmäßige Testung symptomfreier Kita-Kinder sowie deren Betreuerinnen und Betreuer auch über mehrere Monate wurde von dem Großteil der Kinder, Eltern und des Betreuungspersonals wirklich gut akzeptiert und vermittelte den Teilnehmenden ein hohes Sicherheitsgefühl. Im Gegensatz dazu nahm in der Kontrollgruppe, in der allen Haushaltsangehörigen nur beim Auftreten von Erkältungssymptomen eine Testung angeboten wurde, die psychische Belastung zu und die Teilnehmenden äußerten eine geringere Zufriedenheit mit ihrer Testmethode als in den anderen Gruppen.“ (Privatdozentin Dr. Andrea Streng; Kinderklink, Universitätsklinikum Würzburg)

„Das zweimal wöchentliche Testen der Hälfte der Kita-Kinder in einer Betreuungseinrichtung scheint ein realistisches und praktikables Konzept zu sein, um ein durchgängiges Offenhalten von Kinderbetreuungseinrichtungen zu ermöglichen. Ein nicht-invasives Testkonzept wie die Abgabe von Mundspülwasser oder Lollitests ließe sich sicher auch auf eine größere Zahl von Kinderbetreuungseinrichtungen übertragen.“ (Prof. Dr. Johannes Liese; Kinderklink, Universitätsklinikum Würzburg)

„Um Zweitinfektionen in den Kita-Gruppen zu vermeiden, ist es entscheidend, eine bestehende Covid-19-Infektion so schnell wie möglich zu detektieren. Das PCR-Ergebnis sollte entsprechend am Abend des Testtages, spätestens jedoch am Morgen des Folgetages vorliegen. Wenn das logistisch nicht möglich ist, kann ein Antigen-Schnelltest trotz seiner niedrigen Sensitivität definitiv die bessere Wahl sein.“ (Prof. Dr. Oliver Kurzai; Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg)

 

Die Beteiligten

Finanziert wurde die Studie mit mehr als einer Million Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsnetzwerks InfectControl. Die Modellierung wurde vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Bayern finanziert. In der täglichen Arbeit wurde das interdisziplinäre Studienteam aktiv von der Stadt Würzburg unterstützt.

 

Originalpublikation

Feasibility of SARS-CoV-2 Surveillance Testing Among Children and Childcare Workers at German Day Care Centers. JAMA Network Open, 2022; 5(1) e2142057. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.42057 

Link zu open Access Original Publikation

 

Kontakt

Prof. Dr. Oliver Kurzai, Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie, T +49 931 31-88007, oliver.kurzai@ uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Johannes G. Liese, Pädiatrische  Infektiologie und Immunologie, Universitäts-Kinderklinik, T +49 931 201-27725, liese_j@ ukw.de

Homepage der Studie: https://www.med.uni-wuerzburg.de/wuekitacov/startseite/

 

 

Kita und Corona: Würzburger KiTa-CoV-Studie wird veröffentlicht

Einladung für Medienvertreter

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

von Oktober 2020 bis März 2021 wurde in Würzburg eine groß angelegte Studie an Kinderbetreuungseinrichtungen durchgeführt. Knapp 600 Kinder im Vorschulalter sowie Erzieherinnen und Erzieher haben daran teilgenommen. Ein Großteil von ihnen wurde über den Studienverlauf hinweg regelmäßig auf eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus getestet.

Hauptziel war es herauszufinden, welche Testmethode von Kindern, Eltern und Betreuungspersonal am besten akzeptiert wird, um auch auf lange Sicht durch regelmäßiges Testen mögliche Corona-Infektionen in Kinderbetreuungseinrichtungen möglichst frühzeitig und einfach entdecken zu können.

Die Studienergebnisse bieten einen Leitfaden, um auch während der Corona-Pandemie einen möglichst sicheren und kontinuierlichen Betrieb der Kinderbetreuung zu ermöglichen und die Ausbreitung von SARS-CoV-2 in den beteiligten Einrichtungen frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.

Die Ergebnisse der KiTa-CoV-Studie werden Anfang Januar 2022 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht (Sperrfrist: 5. Januar). Zu diesem Anlass bietet Ihnen das Studienteam Gesprächstermine an:

Sie können ans Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg kommen, Josef-Schneider-Straße 2/E1, oder die Gespräche via Zoom und/oder Telefon führen, und zwar am

Mittwoch, 5. Januar 2022.

Bitte vereinbaren Sie Ihren Gesprächstermin möglichst bald mit dem Sekretariat des Instituts. Ihre Ansprechpartnerinnen sind Frau Scheiner und Frau Gabel,

T 0931 31-46161
hymi@ uni-wuerzburg.de 

Für die Gespräche stehen Ihnen die Studienleiter zur Verfügung:

  • Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg
  • Prof. Dr. Johannes Liese, Pädiatrische Infektiologie und Immunologie, Kinderklinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Würzburg

Organisiert wurde die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Netzwerks InfectControl geförderte Studie gemeinsam von der Stadt, der Universität und dem Universitätsklinikum Würzburg.

 

Stefan Dreising leitet Unternehmenskommunikation am Universitätsklinikum Würzburg

Neuer Pressesprecher bringt langjährige Erfahrung in der Universitätsmedizin mit

 

Stefan Dreising leitet seit Jahresbeginn die Unternehmenskommunikation am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Der 46-Jährige verfügt über langjährige Erfahrung in der Universitätsmedizin: Zu seinen früheren Stationen in der Gesundheits- und Wissenschaftskommunikation zählen die Universitätskliniken in Düsseldorf, Jena und Münster. Dreising hat in Münster studiert und ist zudem ausgebildeter Journalist. Vor seinem Wechsel an die Würzburger Universitätsklinik hat er die Unternehmenskommunikation bei der Stadtwerke Jena Gruppe geleitet. Seine Stellvertreterin ist Susanne Just, die bisherige Presse-Verantwortliche des Maximalversorgers.

Dreising: „Ich freue mich darauf, gemeinsam mit meinen Team und vielen Partnern die interne und externe Kommunikation am Universitätsklinikum Würzburg weiter auszubauen. Die enorme Themenvielfalt aus moderner Patientenversorgung, renommierter Forschung und praxisnaher Lehre ist gerade hier in der Würzburger Hochschulmedizin besonders spannend.“

Kontakt:
Stefan Dreising
Mail: Dreising_S@ ukw.de
Telefon: +49 931 201 54 591

Bayerischer Forschungsverbund „FOR-COVID“ zu SARS-CoV-2 wird für drei weitere Jahre gefördert

Universitäten in Erlangen-Nürnberg, München, Regensburg und Würzburg beteiligt – Rund 2,4 Millionen Euro von 2022 bis 2024 – Wissenschaftsminister Sibler: „Den wissenschaftlichen Fortschritt nutzen und weiter ausbauen, um die Pandemie zu überwinden“

Der vom Bayerischen Wissenschaftsministerium im Herbst 2020 eingerichtete Bayerische Forschungsverbund FOR-COVID zur Erforschung des Coronavirus SARS-CoV-2 und der dadurch verursachten Erkrankung Covid-19 wird für weitere drei Jahre gefördert. Im Anschluss an die erfolgreiche Evaluation der ersten Förderphase wird der Freistaat von 2022 bis 2024 jährlich rund 800.000 Euro für den Verbund zur Verfügung stellen. Das gab Wissenschaftsminister Bernd Sibler heute in München bekannt.

„Mit dem bayernweiten Verbund FOR-COVID wollen wir einen Beitrag zur Überwindung dieser Pandemie leisten“, betonte Wissenschaftsminister Bernd Sibler. „Die Wissenschaft hat, in erster Linie durch die historisch schnelle Entwicklung wirksamer Impfstoffe entscheidende Beiträge dazu geleistet, der Pandemie den Kampf ansagen zu können. Innerhalb von weniger als zwei Jahren wurde eine enorme Menge an Wissen über das Virus gewonnen. Nun gilt es, dieses Wissen weiter zu konsolidieren, zu vertiefen und in die klinische Anwendung zu bringen. An diesem Prozess soll FOR-COVID mitwirken.“

Der Forschungsverbund umfasst acht Projekte. Daran beteiligt sind die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), die Technische Universität München (TUM), die Universität Regensburg und die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) sowie das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg.

Die FOR-COVID-Mitglieder vertreten verschiedene Fachdisziplinen von der Virologie über die Mikrobiologie bis hin zur Tiermedizin und haben im bisherigen Verlauf der Pandemie in vielfältiger Weise zum Verständnis der Erkrankung beigetragen, auch im Dialog mit der Öffentlichkeit. „Wie wichtig die verständliche Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse an die Öffentlichkeit ist, erleben wir in dieser Pandemie sehr deutlich“, stellte Sibler die Bedeutung dieses Aspekts heraus.

Die einzelnen Projekte des Verbunds befassen sich mit verschiedenen Fragestellungen zur Immunantwort nach Impfung und Infektion, zur Virus-Zell-Interaktion und zu Angriffspunkten für eine antivirale Therapie. „Damit wird die erfolgreiche Arbeit von FOR-COVID fortgesetzt und auf der Basis der bereits gewonnenen Erkenntnisse fokussiert“, sagte der Minister.

Perspektivisch soll der Verbund auch die Voraussetzungen für den Umgang mit möglichen künftigen Pandemien verbessern. „Im Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre wird überdeutlich, mit welchen Kosten und Belastungen eine solche Pandemie verbunden ist. Wir müssen alles daransetzen, dem nächsten potenziellen Pandemievirus einen Schritt voraus zu sein, um solche tiefen Einschnitte ins gesellschaftliche Leben möglichst zu vermeiden“, so Sibler.

Sprecherin des bayerischen Forschungsverbunds FOR-COVID ist die Virologin Prof. Dr. Ulrike Protzer von der Technischen Universität München (TUM), Ihr Stellvertreter ist Prof. Dr. Oliver Keppler vom Max von Pettenkofer-Institut – Virologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Der bayerische Forschungsverbund arbeitet auch mit Forschungsgruppen in Sachsen in einem bayerisch-sächsischen Forschungsnetzwerk zu SARS-CoV-2 zusammen.

 

Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst