Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Viren. Eine Infektion kann Krebs verursachen – insbesondere Gebärmutterhalskrebs. Trotzdem ist HPV ein Problem, das beide Geschlechter angeht. Eine Impfung schützt. Im Laufe des Lebens infizieren sich 75 bis 80 Prozent aller Menschen mit HPV – unabhängig von ihrem Geschlecht. Trotzdem sind die Viren, die krebserregend sein können, in der Bevölkerung verhältnismäßig wenig bekannt. Das schlägt sich auch in der Impfquote nieder: 2019 waren in Deutschland von den 18-jährigen Frauen nur 52 Prozent vollständig geimpft, von den Männern nur 2,5 Prozent. Dabei wäre eine hohe Impfquote der beste Schutz vor HPV-bedingten Erkrankungen – insbesondere vor Krebs. Wie gut die Impfung schützt, zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern, die diese schon länger empfehlen. In Dänemark etwa gingen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs bei jungen Frauen bereits um 40 Prozent zurück. Da die Krebsentstehung Jahrzehnte dauert, sind die Haupteffekte erst in der Zukunft zu erwarten. HPV-Infektionen verlaufen häufig unbemerkt. Die Ansteckung erfolgt in der Regel über Haut oder Schleimhaut, meist bei Intimkontakten. Eine indirekte Ansteckung, zum Beispiel über Handtücher, soll es in seltenen Fällen auch geben. Auch Kondome schützen nicht vollständig. Hat man sich angesteckt, bemerkt man meist nichts davon. Bei Menschen mit gesundem Immunsystem heilt die Infektion dann innerhalb einiger Monate von allein aus. Manche Virustypen können Genitalwarzen – auch Kondylome oder Feigwarzen genannt – auslösen.
Diese sind zwar harmlos, können für die Betroffenen aber belastend sein. Da es über 100 HPV-Typen gibt, kann man sich immer wieder anstecken.
Wenn die Infektion nicht ausheilt
In einigen Fällen heilt die Infektion nicht aus und persistiert. Dann kann bei bestimmten HPV-Typen irgendwann Krebs entstehen. Etwa 6250 Frauen und 1600 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland an HPV-bedingten Tumoren. Gebärmutterhalskrebs ist mit 5000 Fällen mit Abstand die häufigste HPV-bedingte Krebsart. Früh genug erkannt, liegen die Heilungschancen bei fast 100 Prozent. Allerdings ist dafür meist eine ausgedehnte Operation nötig. Und es sterben trotz Früherkennung immer noch jedes Jahr mehr als 1600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Die Impfung ist definitiv der richtige Weg, um diese Zahlen weiter zu verringern, ist Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Universitäts-Frauenklinik, überzeugt. Denn sie verhindert anhaltende HPV-Infektionen, die im schlimmsten Fall zu Krebs führen können. Die STIKO empfiehlt die Impfung für Jungen und Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren. „Ich rate dazu, den Empfehlungen der STIKO zu folgen, denn sie ist wirklich ein sehr gutes, unabhängig arbeitendes Gremium“, so Wöckel. Frauen, die geimpft sind, sollten allerdings nicht das Screening beim Frauenarzt auslassen. Denn die Impfung kann viele, aber nicht alle Erkrankungen verhindern. Hier haben sich 2020 die Empfehlungen geändert: Frauen zwischen 20 und 34 sollten weiter jährlich den sogenannten Pap-Abstrich machen lassen, der auffällige Zellen ins Visier nimmt. Ab 35 wird ein Kombinations-Test aus Pap-Abstrich und HPV-Test angeboten.
Da diese kombinierte Diagnostik sicherer ist, ist sie nur alle drei Jahre nötig.
Nicht zu viele Sorgen machen
Durch das Screening kann Gebärmutterhalskrebs oft frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Aber es hat nicht nur Vorteile. „Der Nachteil ist, dass viele Frauen unnötig in Sorge versetzt werden“, gibt Wöckel zu bedenken. Seine Botschaft: Das Risiko lässt sich durch die Impfung deutlich reduzieren, aber auch durch das Screening hat man eine sehr gute Kontrolle. Und eine HPV-Infektion geht in den meisten Fällen nach kurzer Zeit von allen wieder weg. „Man sollte deswegen nicht zu sehr besorgt sein.“
Wer sollte sich gegen HPV impfen lassen?
Am besten sollte man Kinder zwischen 9 und 14 Jahren impfen lassen. Versäumte Impfungen sollten bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.
Warum so früh? Zum einen wirkt die Impfung umso besser, je früher sie erfolgt.
Zum anderen kann man sich bereits beim ersten Geschlechtsverkehr anstecken. Trotzdem kann die Impfung auch bei sexuell aktiven Personen noch sinnvoll sein. Nach dem 18. Geburtstag muss man sie selbst bezahlen.
Nicht nur ein Mädchen und Frauenthema!
Zunächst wurde die HPV-Impfung nur für Mädchen empfohlen, da sie das größte Risiko für eine HPV-bedingte Krebserkrankung haben. Aber auch Männer können HPV-bedingt an Krebs erkranken. Humane Papillomviren können Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum, in der Analregion und am Penis auslösen. „HPV ist nur für einen geringen Prozentsatz der Krebserkrankungen von Männern verantwortlich. Dementsprechend ist das Bewusstsein von Männern für HPV-bedinge Erkrankungen gering bis nicht vorhanden“, sagt Prof. Hubert Kübler, Direktor der Klinik für Urologie. Zwar gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen HPV und Prostatakrebs, dem häufigsten Krebs bei Männern, aufzeigen. Klare Belege, dass die Infektion mit dem Virus tatsächlich ursächlich für ein Prostatakarzinom ist, fehlen aber. Sicher ist jedoch: Männer spielen die Hauptrolle bei der Ansteckung. Modellrechnungen zeigen, dass sich HPV-bedingte Erkrankungen in Zukunft noch besser vermeiden lassen, wenn man auch Jungen impft.
www.ukw.de/frauenklinik
www.ukw.de/urologie
Auszug aus "UNI.KLINIK 03_2022"
Aktuelle Pressemitteilungen
Würzburg. Die „Social Days“ sind ein konzernweites Programm der Deutschen Bank zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements ihrer Mitarbeitenden. In diesem Rahmen kam am 13. Oktober dieses Jahres ein Team von neun Führungskräften der Deutschen Bank Region Süd aus Regensburg ans Uniklinikum Würzburg (UKW), um die Dachterrasse der Kinderchirurgie noch kindgerechter zu gestalten. Gemeinsam mit Gabriele Nelkenstock, der Vorsitzenden des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“, malten sie dort bunte Spielfelder auf. Außerdem bauten sie einen Wickeltisch im Aufenthaltsraum auf, damit Eltern auch ihre kleineren Kinder gut versorgen können.
Finanziert mit 1.400 Euro-Spende
Zur Finanzierung des Vorhabens spendeten die Deutsche Bank und die Teammitglieder zusammen insgesamt 1.400 Euro an Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.
Ergänzt wurde das Programm des Aktionsnachmittags durch einen Vortrag von Prof. Dr. Thomas Meyer, dem Leiter der Kinderchirurgie – Kinderurologie und Kindertraumatologie der Chirurgie I des UKW, der den Gästen das breite Spektrum der in seiner Abteilung behandelten Erkrankungen verdeutlichte. Er spannte hierbei den Bogen von der Chirurgie des Früh- und Neugeborenen, über die allgemeine Kinderchirurgie, die minimal-invasive Chirurgie des Kindesalters, die Kindertraumatologie und Kinderurologie bis hin zur Kinderonkologie.
„Das Projekt, für Kinder im Uniklinikum Würzburg etwas Gutes zu tun, ihnen weitere Spielmöglichkeiten und somit Freude zu ermöglichen, hat uns von Anfang an fasziniert. Daher haben wir das von Gabriele Nelkenstock unterstützte Projekt sehr gerne in die Tat umgesetzt“, betont Martín Huber, der Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Süd der Deutschen Bank. Und Gabriele Nelkenstock kommentiert: „Wir sind sehr stolz, dass der Verein Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V. bereits zum zweiten Mal für den ‚Social day‘ der Deutschen Bank ausgesucht wurde. Unter dem Motto ‚Gemeinsam besser‘ hat uns der Tag und die Vorbereitung der Aktion sehr viel Freude bereitet. Herzlichen Dank an das gesamte Team!“
Kostenlose Informationsveranstaltung zum Thema Erste Hilfe im Säuglings- und Kleinkindalter. Anmeldung nicht erforderlich.
Wann: Dienstag, 25. Oktober 2022 um 19:30 Uhr
Ort: Hörsaal der Universitäts-Kinderklinik (Gebäude D31) • Josef Schneider Straße 2, 97080 Würzburg
Referent: Dr. Katharina Ruf, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Veranstalter: KIWI e. V.
Informationen unter 09305/14 15
Würzburg. Das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des Uniklinikums Würzburg (UKW) hat sich mit seinem Projekt „Transfusionsmedizin-Training mit Dummys“, kurz TIMMY, erfolgreich um eine Förderung durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre beworben. Im Rahmen der Ausschreibung „Freiraum 2022“ wurden für Personal- und Sachkosten bis September 2024 knapp 100.000 Euro bewilligt. Privatdozent Dr. Jürgen Kößler vom Institut für Klinische Transfusionsmedizin erläutert: „Mit TIMMY wollen wir ein neues, strukturiertes Praktikum in der Transfusionsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg etablieren. Ein zentraler Punkt dabei ist der Einsatz von mit Kunstblut gefüllten Blutkonserven, so genannten Dummys.“
Bisher beschränkte Trainingsmöglichkeiten
Beim bisher am UKW angebotenen studentischen Transfusionsmedizinischen Praktikum werden nach seinen Worten verfallene Blutkonserven verwendet. Diese seien allerdings zahlenmäßig sehr begrenzt und dürften die Instituts-Laborräumen aus hygiene- und arzneimittelrechtlichen Gründen nicht verlassen. „Deshalb ist das Praktikum bislang lediglich eine Wahlveranstaltung innerhalb des Immunologie-Praktikums, so dass nur ein Teil der Studierenden eines Semesters den Umgang mit Blutkonserven realitätsnah üben kann“, bedauert Dr. Kößler. Durch die geplante Neustrukturierung und den Einsatz von in ausreichender Menge hergestellten Konserven-Dummys sollen künftig alle Würzburger Medizinstudierenden im Lauf ihres Studiums diese Chance bekommen.
Übungen nahe an der Realität
Beim neuen Praktikum wird ansonsten nur mit authentischen Materialien gearbeitet. Dabei spielen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle Schritte durch, die im Vorfeld einer Bluttransfusion notwendig sind. Beispielsweise prüfen sie die Angaben auf Etiketten und Begleitscheinen, sorgen für eine vorschriftsmäßige Patientenidentifikation, üben das korrekte Anbringen von Transfusionssystemen und führen einen so genannten Bedside-Test durch. Bei letzterem werden als zusätzlicher verpflichtender Kontrollschritt direkt am Krankenbett nochmals bestimmte Blutgruppenmerkmale der Empfängerin oder des Empfängers bestimmt.
Im Einklang mit aktuellen Anforderungen an die Lehre
„Mit dem TIMMY-Projekt tragen wir einer Forderung des Arbeitskreises Blut am Robert-Koch-Institut Rechnung, die das Fachgebiet Transfusionsmedizin noch stärker in die medizinische Lehre einbinden will, um Fehltransfusionen entgegenzuwirken“, betont Prof. Dr. Markus Böck, der Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie am UKW. Außerdem harmoniere das Vorhaben mit dem neuen Lernzielkatalog des im Rahmen des Masterplans 2025 reformierten Medizinstudiums. Dieser legt nicht zuletzt die Vermittlung von ärztlichen Kernkompetenzen im Bereich der Transfusionsmedizin fest.
Die Ausarbeitung und Etablierung des neuen Praktikumskonzepts findet in Absprache und mit Unterstützung von Prof. Dr. Sarah König, Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW und Studiendekanin der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg, statt.
Nach seiner Finalisierung in zwei Jahren soll es als Vorbild dienen und für den Transfer an andere Universitäten offenstehen.
Würzburg. Am 12. Oktober 2022 organisierte das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) seinen 5. Tag der Allgemeinmedizin. Die Fortbildungsveranstaltung richtete sich wie gewohnt an Hausärztinnen und Hausärzte, Medizinische Fachangestellte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie Studierende. Sie hatten die Möglichkeit, aus insgesamt 17 Workshops auszuwählen. Auf großen Zuspruch der rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stießen zum Beispiel die Themen „Über- und Fehldiagnostik und -therapie aus endokrinologischer Sicht“, „Long-Covid aus internistischer und neuropsychologischer Sicht“ sowie „Grauer Star, grüner Star, rotes Auge, blaues Auge – wie geht es weiter?“.
Erfolgreiche BeLA-Studierende geehrt
Nach einem Grußwort von Prof. Dr. Sarah König, Studiendekanin der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und einer Begrüßung durch die Leiterinnen des Instituts für Allgemeinmedizin, Prof. Dr. Ildikó Gágyor und Prof. Dr. Anne Simmenroth, fand eine Ehrung der Studierenden Laura Ziegler und Julian Hauptmann statt. Die Stipendiatin und der Stipendiat des Programms „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) in Unterfranken absolvierten in den vergangenen vier Semestern ein Zusatzcurriculum mit Praktika und Abschnitte des Praktischen Jahres in ländlichen Regionen Unterfrankens. Das Programm ist eine Initiative des Bayerischen Gesundheitsministeriums und zielt darauf ab, mehr Medizinstudierende für das Fach Allgemeinmedizin zu begeistern und so langfristig im ländlichen Raum eine flächendeckende hausärztliche Versorgung zu sichern.
Anschließend dankten Prof. Gágyor und Prof. Simmenroth den teilnehmenden hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen für ihre unermüdliche Unterstützung der Lehre und für ihr Engagement in einer wachsenden Zahl an Forschungsprojekten. Prof. Gágyor wies in diesem Zusammenhang auf aktuell laufende klinische Studien zur Behandlung von Atemwegsinfekten und des Post-Covid-Syndroms in der hausärztlichen Praxis hin und warb für Unterstützung.
Gedanken zum ärztlich assistierten Suizid
Den sich anschließenden Hauptvortrag mit dem Titel „Der ärztlich assistierte Suizid: (K)ein Thema für Hausärzt:innen“ übernahm Dr. Sandra Blumenthal vom Institut für Allgemeinmedizin der Berliner Charité. Unter einem ärztlich assistierten Suizid versteht man das Ermöglichen, Fördern oder Nichtverhindern einer Selbsttötung. Dies grenzte die Referentin von indirekter Sterbehilfe, einem Behandlungsabbruch oder einer Tötung auf Verlangen ab. Nach ihren Worten dürfen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland nach der Aufhebung des Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches durch das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2020 Menschen beim Suizid beraten und assistieren. Auch die Berufsordnungen lassen dies derzeit in fast allen Bundesländern – auch in Bayern – zu. Um die dennoch unübersichtliche und rechtlich unbefriedigende Situation weiter zu klären, ist eine neue gesetzliche Regulierung der Beihilfe zur Selbsttötung in der Entwicklung. Entwürfe dazu werden seit diesem Sommer im Bundesrat diskutiert. „Gemeinsam ist ihnen die Überschrift ‚Suizidbeihilfe ermöglichen – aber nicht fördern‘“, verdeutlichte Blumenthal. Sie bedauerte, dass Hausärztinnen und Hausärzte zwar laut dieser Entwürfe bei der Suizidprävention und der Beratung weiterhin beteiligt sein werden, aber bislang nicht in die Gesetzesentwicklung einbezogen wurden.
Graduierung von Suizidalität als eine der Herausforderungen
Eine der Herausforderungen bei den zu führenden Beratungsgesprächen ist laut der Ärztin die Abgrenzung eines krankheitsbedingten Tötungswunsches – zum Beispiel im Rahmen einer depressiven Episode – vom autonomen Wunsch, das Leben zu beenden. „Wir werden immer wieder vor der Entscheidung stehen, ob der Sterbewunsch Ausdruck der Patientenautonomie ist oder von einer psychiatrischen Erkrankung herrührt“, so Dr. Blumenthal.
Um die eigene Beratungsleistung richtig einstufen zu können, riet die Expertin den Zuhörerinnen und Zuhörern, sich Gedanken über ihre persönlichen Einstellungen und Prägungen zu den Themen Tod, Sterben und Leben zu machen sowie sich hierzu mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. „Je nachdem, ob ich christlich sozialisiert bin und den Suizid beispielsweise aus religiösen Gründen kritisch sehe oder – als eine andere Position – die Autonomie des Menschen in den Mittelpunkt stelle, werden die Beratungsgespräche anderes ablaufen“, ist sich Dr. Blumenthal sicher.
Die nächste Corona-Welle baut sich derzeit auf und mit ihr die Diskussionen zu Schutzmaßnahmen. Eine neue Querschnittserhebung der Universitätsmedizin Würzburg zur Immunität bei Kita-Kindern könnte zur Planung zukünftiger präventiver Maßnahmen in Kindertagesstätten beitragen. Denn mit der Ausbreitung der Omikron-Variante des Corona-Virus haben auch die Infektionen bei den 2- bis 6-Jährigen rasch zugenommen.
Bis Juli 2022 hatten 70 Prozent der Kinder Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus erworben
Ein Team aus der Kinderklinik und Poliklinik und dem Institut für Hygiene und Mikrobiologie hat im Juli 2022 bei 277 Kindergartenkindern aus neun Würzburger Kindertagestätten die SARS-CoV-2-Antikörper im Blut bestimmt. Im Vergleich zu Voruntersuchungen im September 2020 und Juli 2021 konnte ein Anstieg der Zahl der Kinder mit neutralisierenden Antikörpern im Blut von 2 Prozent auf knapp 70 Prozent beobachtet werden. Antikörper im Blut weisen meist auf eine frühere Infektion oder Impfung hin. Bei jedem zweiten untersuchten Kind gaben die Eltern eine frühere, durch PCR- und /oder Antigenschnelltest bestätigte SARS-CoV-2-Infektion an. Ein Großteil dieser Infektionen verlief aber mit untypischen, allenfalls leichten Krankheitssymptomen (75,5 %) oder sogar komplett symptomfrei (15,8 %). Die meisten Infektionen (79,1 %) wurden im Zeitraum von Februar bis April 2022 mittels Schnelltest und/oder PCR-Test nachgewiesen. Die Auswertungen wurden jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht (DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0345).
„Dies ist die erste Studie zur Bestimmung von Antikörpern gegen das neue Coronavirus bei Kleinkindern nach der Omikron-Welle in Deutschland“, berichtet Dr. med. Geraldine Engels, Ärztin an der Universitäts-Kinderklinik und Erstautorin der Studie. „Mit der Ausbreitung der Omikron-Variante Anfang 2022 haben auch die Infektionen bei Kindern rasch zugenommen. Doch die genaue Infektionsrate war bisher unbekannt. In der Würzburger Kindergarten Studie* konnten wir nun zeigen, dass sich während und durch die Omikron-Welle eine hohe Immunität gegen das neue Coronavirus bei Kleinkindern entwickelt hat. Zudem waren die meisten Infektionen nur leicht ausgeprägt oder kaum wahrnehmbar.“
Nachweise von Antikörpern stiegen mit zunehmendem Alter an
Bei 69,6% der Kinder hat das Studienteam Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus gefunden. Diese Antikörper können sowohl nach einer SARS-CoV-2 Impfung als auch nach SARS-CoV-2 Infektion nachgewiesen werden. Bei den geimpften Kindern (13,9%) war der Titer der Spike-Antikörper sogar zehnfach höher im Vergleich zu nicht geimpften Kindern, die eine Infektion durchlaufen hatten. Unabhängig vom Impfstatus stieg der Nachweis von Antikörpern mit dem Alter an.
Ergebnisse sind relevant für die Betreuung von Kleinkindern in Kitas und Familien
Prof. Dr. Johannes Liese, Oberarzt an der Kinderklinik und Poliklinik und Leiter des Bereichs Pädiatrische Infektiologie und Immunologie resümiert: „Es ist erfreulich, dass sich nun auch bei Kleinkindern, vor allem durch die meist leicht oder sogar ohne Symptome verlaufenden Infektionen, eine hohe Basis-Immunität gegen das neue Coronavirus etabliert hat. Damit kann bei den meisten Kindern zumindest von einer gewissen Schutzwirkung gegen das neue Coronavirus ausgegangen werden. Aufwändige und belastende Maßnahmen, wie zum Beispiel Reihentestungen asymptomatischer Kinder und/oder Einschränkungen der Kita-Betreuung oder Kita-Schließungen erscheinen in der jetzigen Phase der Corona-Pandemie mit der derzeit zirkulierenden Variante daher nicht mehr gerechtfertigt.“
In einem nächsten Schritt sollen die Daten in eine Publikation des deutschlandweiten Forschungs-Netzwerk Universitätsmedizin zur aktuellen SARS-CoV-2 Antikörperprävalenz in verschiedenen Altersgruppen integriert werden. Zudem soll die Belastung der Eltern und Kinder im Verlauf der Pandemie noch detaillierter ausgewertet werden.
Förderungen
Die Untersuchungen fanden im Rahmen der Wü-KiTa-CoV 2.0 Studie statt, die vom Land Bayern über das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) finanziert wurde, und ist eng verknüpft mit weiteren umfassenden Arbeiten zu Covid-19 in Kitas, die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Freistaat Bayern gefördert wurden.
Kooperationen
An der Seroprävalenzerhebung waren neben der Kinderklinik und Poliklinik und dem Institut für Hygiene und Mikrobiologie waren das Institut für Klinische Epidemiologie der Universität Würzburg sowie die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus beteiligt. Die Messung der Blutproben erfolgte an den Instituten für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin am Klinikum Oldenburg AöR und an der Universitätsmedizin Greifswald.
Link: https://www.aerzteblatt.de/archiv/228013
*Website der Würzburger KiTa-Studien: Wue-KiTa-CoV 2.0; www.med.uni-wuerzburg.de/wuekitacov2/startseite/
Würzburg/Rotterdam/Wien. Gleich drei Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) wurden in diesem Herbst mit namhaften Forschungspreisen aus dem Themenkreis Onkologie und Hämatologie ausgezeichnet.
Erasmus-Hämatologie-Preis für Hermann Einsele
So erhielt Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Klinik, am 5. Oktober den international hoch anerkannten Erasmus-Hämatologie-Preis 2022. Mit dem Award ehrt das Erasmus University Medical Center im niederländischen Rotterdam alle zwei Jahre eine herausragende Forschungspersönlichkeit, die einen entscheidenden Beitrag zur Pathogenese oder Therapie in einem Bereich der Hämatologie geleistet hat. Laut der Begründung der Preisvergabe gilt Prof. Einsele als weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Immuntherapie für hämatologische Malignome. Er sei vor allem für seine Leistungen in der translationalen Forschung und in klinischen Studien auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms bekannt, wobei sein Schwerpunkt auf der CAR-T-Zell-Therapie, den bispezifischen Antikörpern, der Immuntherapie und der Stammzelltransplantation liege. Einsele ist der erste Europäer, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde.
Artur-Pappenheim-Preis für Leo Rasche
Am 8. Oktober 2022 verlieh ferner die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) auf ihrer Jahrestagung in Wien/Österreich ihre zwei Forschungspreise. Diese gingen beide an Wissenschaftler der „Med II“ des UKW. So wurde Privatdozent Dr. Leo Rasche mit dem mit 7.500 Euro dotierten Artur-Pappenheim-Preis geehrt. Der Mediziner konnte aufzeigen, dass hinter dem Rückfall von Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom nach zunächst erfolgreicher CAR-T-Zell-Therapie ein bislang unbekannter Selektions- und damit Resistenzmechanismus stecken kann. Demnach ist die Behandlung zwar in der Lage, Krebszellen mit der Oberflächen-Zielstruktur BCMA erfolgreich aufzuspüren und zu eliminieren. Die verbleibenden Myelom-Zellen ohne BCMA erhalten dadurch allerdings einen so hohen Überlebensvorteil, dass sie sich in der Folge sprunghaft ausbreiten können.
Vincenz-Czerny-Preis für Maik Luu
Als zweiter DGHO-Forschungspreis ging der ebenfalls mit 7.500 Euro dotierte Vincenz-Czerny-Preis an Dr. Maik Luu. Dem Postdoktoranden gelang erstmals der experimentelle Nachweis, dass Stoffwechselprodukte von Darmbakterien die Aktivität der Immunzellen steigern und somit die Effizienz von Krebstherapien positiv beeinflussen können. Zu diesem Themenkreis wurde Dr. Luu bereits Anfang September dieses Jahres auf der gemeinsamen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) und der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) mit dem Jochen R. Kalden Young Immunologist Prize ausgezeichnet.