Aktuelle Pressemitteilungen

Angriff auf Nebenwegen

Bei Krankheiten wie etwa Krebs ist eine gesteigerte Zellvermehrung ein wesentliches Merkmal. Einem Forschungsteam der Uni Würzburg und zweier Leibniz-Institute ist es jetzt gelungen, indirekt auf diesen Prozess Einfluss zu nehmen.

So unterschiedlich sich Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose, entzündliches Rheuma oder Schuppenflechte, aber auch sämtliche Formen von Krebs auf die Betroffenen auswirken – ein Merkmal ist ihnen allen gemeinsam: Sie alle gehen mit einer gesteigerten Zellvermehrung einher. Dementsprechend müssen die Zellen die Produktion von molekularen Bausteinen kräftig steigern, was zwangsläufig mit einem stark erhöhten Energiebedarf dieser Zellen einhergeht.

Daher ist die Kontrolle über die zelluläre Energiegewinnung und die Produktion molekularer Bausteine eine wichtige Strategie bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen solche Krankheiten. Einem Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ist dabei jetzt ein wichtiger Schritt gelungen. Über bisher ungenutzte pharmakologische Angriffspunkte konnte es Einfluss auf diese zellulären Prozesse nehmen.

Publikation in Nature Communications

Hauptautorin der jetzt in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie ist Antje Gohla, Professorin für Biochemische Pharmakologie am Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie der JMU. Daran beteiligt waren Teams vom Rudolf-Virchow-Zentrum (RVZ) für Integrative und Translationale Bildgebung, dem Biozentrum und dem Institut für Pharmazie der JMU sowie vom Leibniz Institut für Molekulare Pharmakologie-FMP Berlin und dem Leibniz Institut für Analytische Wissenschaften-ISAS Dortmund.

„Ein typischer Angriffspunkt bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe ist die Vorliebe vieler Zellen für Zucker in Form von Glukose als Hauptenergie- und Baustein-Lieferant, denn Glukose kann im Stoffwechsel quasi als Allzweck-Molekül verwendet werden“, erklärt Antje Gohla. Allerdings sei der therapeutische Erfolg dieser Strategie bisher begrenzt.

Dabei sei ein wichtiger Aspekt des menschlichen Stoffwechsels von der Forschung lange Zeit ignoriert worden: „Parallel zu den bereits gut bekannten Ab-, Um-, und Aufbauwegen von Glukose laufen im Untergrund auch verschiedene ‚Reparaturprozesse‘ ab, die für einen kontinuierlichen, reibungslosen Stoffumsatz nötig sind“, erklärt Gohla.

Blockade an wichtigen Reparaturprozessen

Auf diese Prozesse hat sich das Forschungsteam in seiner jetzt veröffentlichten Studie konzentriert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind dafür der Frage nachgegangen, ob sich derartige Reparaturprozesse als Angriffspunkte von Medikamenten eignen könnten. Die Antwort ist eindeutig: „Wir konnten erstmals einen Wirkstoff identifizieren, der zielgerichtet die Aktivität der sogenannten Phosphoglykolat-Phosphatase hemmt, eines wichtigen Reparatur-Enzyms im Zuckerstoffwechsel“, erklärt die Pharmakologin. Im Reagenzglas haben diese Wirkstoffe wie erhofft die Vermehrung von Tumorzellen blockiert.

Phosphatasen gelten prinzipiell als komplizierte pharmakologische Zielstrukturen. Dementsprechend froh ist das Team, dass es ihm gelungen ist, einen strukturell neuartigen Phosphatase-Inhibitor zu identifizieren und zu charakterisieren.

Wichtige Unterstützung aus der Strukturbiologie

Unterstützung erhielt Gohla bei dieser Suche von Expertinnen und Experten aus dem Hochdurchsatz-Screening, der Metabolismus-Analytik, Strukturbiologie und Medizinalchemie. Mit deren Hilfe sei es gelungen, in detaillierten Untersuchungen den molekularen Wirkmechanismus eines Hemmstoffs der Phosphoglykolat-Phosphatase aufzuklären.

Einen wesentlichen Beitrag dazu lieferte Professor Hermann Schindelin vom Rudolf-Virchow-Zentrum durch die Aufklärung der dreidimensionalen Struktur der Phosphoglykolat-Phosphatase im Komplex mit dem Wirkstoff mittels Röngtenkristallstrukturanalyse. „Die Visualisierung des Wirkstoffs in räumlicher Nachbarschaft zum aktiven Zentrum erklärt nicht nur die enzymkinetischen Daten, sondern liefert vor allem einen Startpunkt für die zukünftige Entwicklung einer neuen Generation von Hemmstoffen mit verbesserten Bindungseigenschaften“, führt der Strukturbiologe aus.

Perspektive für neue Therapien

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass es noch bisher ungenutzte pharmakologische Angriffspunkte im zellulären Zuckerstoffwechsel gibt. Während sich die Forschung bislang auf die Haupt-Stoffwechselwege der Glukose konzentriert habe, die auch für viele gesunde Zellen lebenswichtig sind, zielt dieser neue Ansatz auf den gesteigerten Bedarf an Reparaturprozessen im hochaktiven Stoffwechsel krankheitsassoziierter Zellen ab. „Das Konzept ist also, mit einem pharmakologischen Ansatz dafür zu sorgen, dass sich beispielsweise Tumorzellen oder fehlgesteuerte Immunzellen abhängig von ihrer Stoffwechselaktivität durch das Anhäufen toxischer Nebenprodukte selbst ausbremsen oder sogar vergiften“, erklärt Gohla.

Bis der neue Wirkstoff als Medikament zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten oder Krebs eingesetzt werden kann, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Die Autorinnen und Autoren der Studie hoffen jedoch, dass sich auf Basis ihrer grundlegenden Untersuchungen in Zukunft neue Perspektiven bei der Behandlung von Tumoren, Autoimmunkrankheiten oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen auftun.

Originalpublikation

Glycolytic flux control by drugging phosphoglycolate phosphatase. Elisabeth Jeanclos, Jan Schlötzer, Kerstin Hadamek, Natalia Yuan-Chen, Mohammad Alwahsh, Robert Hollmann, Stefanie Fratz, Dilan Yesilyurt-Gerhards, Tina Frankenbach, Daria Engelmann, Angelika Keller, Alexandra Kaestner, Werner Schmitz, Martin Neuenschwander, Roland Hergenröder, Christoph Sotriffer, Jens Peter von Kries, Hermann Schindelin, Antje Gohla. Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-022-34228-2

Kontakt

Prof. Dr. Antje Gohla, Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie, T: +49 931 31-80099, antje.gohla@ uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazine der Universität Würzburg vom 15.11.2022

Weltweit häufig zitiert - Prof. Dr. Hermann Einsele erneut bei Auszeichnung dabei

Ihre Arbeiten werden von anderen Forschenden außergewöhnlich oft zitiert: Erneut erhalten Wissenschaftler der Universität dafür das Prädikat „Highly Cited Researcher“.

Zum wiederholten Male finden sich Professoren der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in der Liste der Highly Cited Researchers. Darunter sind der Mediziner Hermann Einsele, der Zellforscher José Pedro Friedmann Angeli, der Systembiologe Dominic Grün, der RNA-Forscher und Infektionsbiologe Jörg Vogel und der Chemiker Frank Würthner.

Das auf Zitationsdaten spezialisierte Unternehmen Clarivate Analytics hat die aktuelle Highly-Cited-Liste erstellt und am 15. November 2022 veröffentlicht. Grundlage der Auswertung ist laut Clarivate die Datenbank Web of Science. Für 2022 hat das Analyseteam den Zeitraum von Anfang 2011 bis Ende 2021 betrachtet.

Als häufig zitiert gelten Publikationen, die in ihrem Erscheinungsjahr zu den ein Prozent meistzitierten ihres Fachgebiets gehören. Nur wer an besonders vielen Highly Cited Papers beteiligt ist, wird in den exklusiven Kreis der Highly Cited Researchers aufgenommen. 2022 besteht dieser Kreis aus 6.938 Persönlichkeiten weltweit.

Physiker unter den Citation Laureates

Neben der Liste mit den Highly Cited Researchers führt Clarivate Analytics eine weitere Liste mit sogenannten Citation Laureates. Diese kommen aus Sicht der Fachleute für den Nobelpreis in Frage. Dort wird seit 2014 der JMU-Physiker Laurens Molenkamp geführt. Um für diese Liste in Betracht gezogen zu werden, müssen Wissenschaftler Veröffentlichungen vorweisen können, die mehr als 1.000 Mal zitiert wurden. Außerdem müssen ihre Arbeiten mit einer bedeutenden Entdeckung oder einem nobelpreiswürdigen Fortschritt verbunden sein.

Liste der Highly Cited Researchers 2022

Gratulation vom Universitätspräsidenten

JMU-Präsident Paul Pauli gratuliert den Forschern: „Dass so viele Würzburger Wissenschaftler wiederholt zu den Highly Cited Researchers und Citation Laureates zählen, ist auch ein eindrucksvoller Beleg für die internationale Sichtbarkeit unserer Universität. Meinen Glückwunsch an die Ausgezeichneten!“

Prof. Dr. Hermann Einsele

Der Leiter des Lehrstuhls für Innere Medizin II und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II beschäftigt sich mit der Stammzelltransplantation gegen Blutkrebs und das Multiple Myelom und Infektionserkrankungen bei immunabwehrgeschwächten Patienten. Unter seiner Leitung laufen immuntherapeutische Studien für viele Tumorerkrankungen. Einsele hat eine Krebstherapie mit spezifisch veränderten Immunzellen entwickelt und diese erstmals in Europa klinisch eingesetzt. An Auszeichnungen erhielt er unter anderen: 2003 den van Bekkum Award der Europäischen Gesellschaft für Zell- und Stammzelltherapie, 2012 Nobel Lecture Stem Cell Biology/Transplantation, Nobel Forum Karolinska Institute Schweden. 2014 wurde er als Mitglied in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz aufgenommen. 2022 erhielt er als erster Europäer den renommierten Erasmus Hematology Award für besondere Leistungen bei der Immuntherapie von Krebserkrankungen. Er ist Co-Sprecher der Sonderforschungsbereiche 124, 221 und 338 sowie Sprecher des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen WERA mit Hauptstandort Würzburg.

Prof. Dr. José Pedro Friedmann Angeli

Der Professor für Translationale Zellbiologie am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging ist ein Pionier auf dem Gebiet der Ferroptose. Dabei handelt es sich um eine Form des Zelltods, deren Beteiligung an immer mehr physiologischen und krankhaften Prozessen im Organismus zunehmend klar wird. Die Arbeit in seiner Gruppe zielt darauf ab, diejenigen Stoffwechselwege zu verstehen und zu nutzen, die die Ferroptose-Empfindlichkeit regulieren. Das langfristige Ziel dieser Forschung ist es, Krebsarten wie B-Zell-Malignome, Melanome und Neuroblastome, die von Natur aus empfindlich für die Ferroptose sind, gezielt beeinflussen zu können.

Prof. Dr. Dominic Grün

Der Leiter des Lehrstuhls für Computational Biology of Spatial Biomedical Systems und Direktor am Institut für Systemimmunologie erforscht mit hochauflösenden Methoden Prozesse der Zelldifferenzierung im Knochenmark und im Lebergewebe. Seine Arbeitsgruppe hat zahlreiche bioinformatische Algorithmen entwickelt, um Daten zu entschlüsseln, die mittels Einzelzell-RNA-Sequenzierung gewonnen wurden. Mit diesen Methoden konnte der Physiker einen ersten Zelltyp-Atlas der humanen Leber erstellen und zu einem besseren Verständnis der Gewebearchitektur und Zelldifferenzierung in der Leber beitragen. Seine Arbeit wurde 2020 mit dem GlaxoSmithKline-Preis für medizinische Grundlagenforschung ausgezeichnet. Seine Forschung zur Gewebearchitektur des Knochenmarks wird seit 2019 durch einen mit zwei Millionen Euro dotierten ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates gefördert.

Prof. Dr. Jörg Vogel

Der Direktor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung und Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie an der Medizinischen Fakultät der JMU erforscht regulatorische RNA-Moleküle in bakteriellen Krankheitserregern wie Salmonellen und Fusobakterien. Seine Arbeitsgruppe entwickelt neue, auf Hochdurchsatzsequenzierung beruhende Methoden, um RNA-Moleküle in hoher Auflösung zu erfassen und deren Wirkmechanismen zu verstehen. Der Biochemiker und Leibniz-Preisträger von 2017 ist gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) und der Europäischen Molekularbiologie-Organisation EMBO.

Prof. Dr. Frank Würthner

Der Leiter des Lehrstuhls für Organische Chemie II und Gründungsdirektor des Zentrums für Nanosystemchemie der JMU leistete grundlegende Arbeiten in der supramolekularen Materialchemie. Für die organische Elektronik und Photovoltaik entwickelt er supramolekulare Polymere und Nanomaterialien auf Basis von Funktionsfarbstoffen. Nach erfolgreichen Arbeiten zur Umwandlung von Sonnenlicht in Strom beschäftigt sich Würthner – seit 2018 gefördert mit einem ERC Advanced Grant – auch mit Farbstoff-basierten Materialien, die mit Sonnenlicht Brennstoffe erzeugen können. Hier setzt er auf biomimetische Konzepte und synthetische Nanosysteme. Für seine Arbeiten über Farbstoffaggregate verlieh ihm die Gesellschaft Deutscher Chemiker die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze.

Citation Laureate Prof. Dr. Laurens Molenkamp

Dem Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Physik III gelang 2007 die Entdeckung des Quanten-Spin-Hall-Effekts. Molenkamp war außerdem der erste, der die neue Materialklasse der topologischen Isolatoren experimentell realisieren konnte. Seit seinem Durchbruch wird auf diesem Gebiet weltweit intensiv geforscht. Molenkamp erhielt unter anderem 2011 und 2017 jeweils mit 2,5 Millionen Euro dotierte ERC Advanced Grants und 2014 den Leibniz-Preis. 2017 kam die Stern-Gerlach-Medaille hinzu, die höchste Auszeichnung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. 2022 wurde Molenkamp von der Universidad San Martin in Argentinien mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

 

einBlick - Das Online-Magazine der Universität Würzburg vom 15.11.2022 

Top-Wissenschaftlerinnen aus Würzburger Universitätsmedizin

Die Neurologin und Psychiaterin Claudia Sommer sowie die Biologin und Psychologin Andrea Kübler zählen im Research.com-Ranking zu den besten 1.000 Wissenschaftlerinnen der Welt

Zu sehen sind die Porträts der beiden Forscherinnen: Andrea Kübler links und Claudia Sommer rechts.
Prof. Dr. Andrea Kübler vom Lehrstuhl für Psychologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (links) und Prof. Dr. Claudia Sommer von der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Uniklinikum Würzburg zählen im Research.com-Ranking zu den besten 1.000 Wissenschaftlerinnen der Welt und zu den besten 100 in Deutschland. © JMU / UKW

Prof. Dr. Claudia Sommer, Leitende Oberärztin in der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg, und Prof. Dr. Andrea Kübler vom Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Würzburg, Arbeitsbereich Interventionspsychologie, sind im Research.com-Ranking unter den besten 100 weiblichen Wissenschaftlerinnen in Deutschland und unter den besten 1000 weltweit gelistet (https://research.com/scientists-rankings/best-female-scientists/de).

Das Ranking umfasst führende Wissenschaftlerinnen aus allen wichtigen Wissenschaftsbereichen. Die Kriterien für die Aufnahme in die globale Rangliste basieren auf dem H-Index, dem Anteil der in der jeweiligen Disziplin geleisteten Beiträge sowie den Auszeichnungen und Erfolgen der Forscherin.

Die Neurologin und Psychiaterin Claudia Sommer und die Biologin und Psychologin Andrea Kübler haben sogar zwei gemeinsame Projekte. Im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt "VirtualNoPain“ untersuchen sie eine neue Methode für die Schmerztherapie, bei der erstmals die Virtual Reality mit Neurofeedback verknüpft wird. Die Patientinnen und Patienten tauchen in eine computersimulierte Welt ein und lernen, bestimmte Gehirnaktivitäten selbst zu steuern, sodass chronische Schmerzen reguliert werden. Die Hoffnung ist, dass unter anderem Menschen, die unter Fibromyalgie leiden, das Selbstwirksamkeitserleben stärken und lernen die chronischen Schmerzen, die oft Begleiterscheinen von Depressionen oder Angstzuständen sind, wirkungsvoll zu beeinflussen.

In einem anderen Projekt geht es um die Faktoren, die Migräne auslösen und ob und wie Betroffene sich die Wirkung dieser so genannten Trigger abtrainieren können. Konkret sollen die Patientinnen und Patienten mithilfe von videobasierten Testsystemen Aufgaben erledigen, während ihnen Trigger präsentiert werden. Können sie sich selbst beeinflussen und resistenter gegen die Auslöser werden?

Das Ranking widmet sich erstmals ausschließlich Wissenschaftlerinnen. Durch die Beispiele erfolgreicher Forscherinnen sollen Frauen, die eine akademische Laufbahn in Erwägung ziehen, sowie Entscheidungsträger weltweit inspiriert werden. Es soll dazu beitragen, mehr Möglichkeiten und gleiche Chancen für Frauen in der Wissenschaft zu schaffen.

#WomenInScience

Diese Ziele verfolgt auch das Uniklinikum Würzburg mit seiner Serie #WomenInScience, in der forschende Frauen am Uniklinikum vorgestellt werden. Hier geht es zum Porträt von Claudia Sommer, die über weitere Projekte und ihre Faszination an der Forschung berichtet.

Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege: Uniklinik Würzburg startet Projekt „FLEX4UKW“

Neu: Bewerberinnen und Bewerber entscheiden selbst über ihre Arbeitszeiten / Dauerhafte Entlastung für Stationsteams

 

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) schlägt mit der Etablierung des Flexteams „FLEX4UKW“ einen alternativen Weg ein, um inländische Arbeitskräfte für das UKW zu gewinnen. Das Besondere: Diese zusätzlich eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im FLEX4UKW-Team ihre Dienstpläne frei gestalten und bestimmen damit individuell und angepasst an ihre Bedürfnisse ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsumfang.

Außerdem wurde für den FLEX4UKW das UKW in pflegefachlich zusammengehörende Bereiche – sogenannte Cluster – aufgeteilt. Die neuen Beschäftigten im Flexteam entscheiden selbst, in welchem dieser Cluster sie arbeiten möchten – passend zu ihren Qualifikationen, Expertisen und ihren fachlichen Interessen. Das Ziel dabei: Die Stabilität des Dienstplanes für alle Pflegekräfte zu erhöhen. In dieser Woche startet offiziell die Rekrutierungsphase für das Projekt FLEX4UKW. Dahinter steht ein Ansatz, der sich in den Niederlanden bereits bewährt hat. Langfristiges Ziel ist es, umgerechnet rund 160 zusätzliche Vollzeitkräfte hierfür zu gewinnen.

„Wir investieren damit ganz direkt und unmittelbar in bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegeteams an unserem Klinikum. Über das Flexteam wird zukünftig die zielgerichtete und adäquate Kompensation von Personalausfällen sichergestellt. Lang-, mittel- und kurzfristiges Ersetzen von ausgefallenen Diensten durch den Einsatz von flexiblen Arbeitskräften führt zur Dienstplanstabilität. Von der so erzeugten Planungssicherheit profitieren von Anfang an alle – sowohl die Stammteams als auch das Flexteam FLEX4UKW“, betont Marcus Huppertz, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Würzburg.

Kernziel: Stabilität im Dienstplan

FLEX4UKW wählt einen komplett anderen Ansatz in der Rekrutierung als dies bisher der Fall war: „Wir bieten nicht Stellen mit einer festen Stundenanzahl, sondern wir fragen: Wie viele Stunden möchtest du an welchen Tagen arbeiten? Und: Wo möchtest du arbeiten – in welchen Bereichen liegt deine Expertise, an welchem Arbeitsumfeld bist du interessiert? Für die bisherigen Stammteams auf den Stationen und in den Funktionsabteilungen bedeutet das: verlässliche Dienstpläne“, so Huppertz weiter. Er ist fest davon überzeugt, dass die geeigneten Kräfte gefunden werden – beispielsweise Mütter und Väter mit betreuungspflichtigen Kindern, Studentinnen oder Studenten oder Menschen, deren besondere Lebenssituation individuelle Arbeitszeiten erfordern. Huppertz: „Wenn jemand z.B. nur sechs Stunden am Donnerstagnachmittag arbeiten will oder kann, ist dies möglich. Für uns ist der Vorteil dann: genau für diese Zeit haben wir jemanden, der einen Bedarf abdecken kann und der ansonsten nicht da wäre.“ Auch daher gebe es keine festen Begrenzungen für die Anzahl von Stellen im Rahmen von FLEX4UKW.

„Im Mittelpunkt stehen die Bewerberinnen und Bewerber mit ihren Arbeitswünschen“, so Huppertz. Genau das unterscheide FLEX4UKW von anderen Pool-Lösungen. „Andere Kliniken, auch in Deutschland, konnten mit diesem System bereits große Pools aufbauen und zusätzliche Kräfte gewinnen. Das System funktioniert also – auch in einem umkämpften Markt. Das neue Konzept ist eine revolutionäre Hinwendung zum Arbeitsmarkt: Weg vom ´…das UKW sucht…´ hin zum ´…Arbeitsmarkt, was hast du zu bieten…?`. Wir setzen auf nachhaltige Arbeitszufriedenheit über flexible Arbeitszeitangebote, die an Handlungssicherheit gekoppelt ist, weil individuelle Expertisen und Interessen im neuen Arbeitsumfeld maximale Berücksichtigung finden“, so Huppertz weiter. 

Bereits jetzt erste Bewerbungen

„Bereits jetzt gibt es erste Bewerberinnen und Bewerber, obwohl unsere Rekrutierungskampagne nun erst startet“, freut sich Cashanna Schöller, Klinikpflegedienstleitung, die das neue dreiköpfige Flexbüro am UKW künftig leitet. Dort wird die Planung und Verteilung der neuen Kolleginnen und Kollegen koordiniert. „Damit können wir unser Ausfallmanagement völlig neu aufstellen und auch die Kolleginnen und Kollegen entlasten, die bisher mit mühseligem Abtelefonieren zum Einspringen aus dem Frei beschäftigt waren. Stattdessen können wir mit dem Flexteam Unterstützung vermitteln.“ Ein wichtiger Punkt ist zudem: Die neuen Beschäftigten können angeben, in welchen Schwerpunktbereichen, sie tätig sein wollen. Hierfür wurden verschiedene Cluster gebildet. „Hier ist die Größe des Uniklinikums unser entscheidender Vorteil, denn darüber wurde die Aufteilung in verschiedene Cluster erst möglich. Wir haben durch unser vielfältiges Leistungsspektrum vielfältige Einsatzmöglichkeiten, die sowohl Berufseinsteigern als auch erfahrenen Pflegekräften mannigfaltige Einsatzmöglichkeiten bieten“, so Schöller.

Hinter dem Projekt steht ein aufwändiger Planungsprozess, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Pflege und anderen Klinikbereichen eng integriert waren. Hubert Riedmann, Stationsleitung der Intensivstation in der Herz-Thorax-Chirurgie: „Auch, wenn die Belastung auf Station hoch war: Bislang konnten und mussten wir Ausfälle fast immer aus den festen Teams kompensieren. Aber das darf kein Dauerzustand bleiben. Als Stationsleitung ist mir für die Kolleginnen und Kollegen wichtig, dass frei auch wirklich frei bedeutet. Genau diese Entlastung wollen wir mit dem Projekt erreichen. Von entscheidender Bedeutung ist dabei auch, dass ein strukturierter Einarbeitungsprozess die Grundlage für eine erfolgreiche Integration und Bindung bildet.“

FLEX4UKW bietet zudem auch eine Orientierungsphase und mit dem neuen Flex-Büro eine feste Anlaufstelle. Marcus Huppertz: „Im Mittelpunkt steht unser Versprechen an die neuen Kolleginnen: Du entscheidest! Mit diesem Ansatz machen wir ein attraktives Angebot und wir entlasten nachhaltig die bestehenden Teams bei Ausfällen. Denn diese Struktur wird ein fester Bestandteil unseres Klinikums. Sie hilft uns damit auch entscheidend im deutschlandweiten Wettbewerb um Fachkräfte und dabei, unsere festen Teams an uns zu binden. Natürlich sehen wir uns als Supramaximalversorger für die gesamte Region Unterfranken als verantwortlich, hier einen wegweisenden Schritt zu gehen und diesen konsequent zu verfolgen.“

Kampagne:

Um auf diese neue Form der Mitarbeit aufmerksam zu machen, startet das UKW nun eine überregionale Kampagne. Diese beinhaltet Online-Werbung u.a. auf Social Media, City-Plakate, Buswerbung und Flyer-Aktionen.

Mehr Informationen: www.ukw.de/flex4ukw 

Kontakt für Interessierte:

Cashanna Schöller, Leiterin Flex-Büro
Telefon: +49 931 201-57924
Mobil: +49 160 96316520
E-Mail: flexbuero@ukw.de 

Uniklinikum Würzburg: Digitales Myelom-Forum am 19. November 2022

Am Samstag, den 19. November 2022, geben Expertinnen und Experten des Uniklinikums Würzburg erneut einen umfassenden Überblick zum aktuellen Stand der Erforschung, Diagnostik und Therapie des Multiplen Myeloms. Die Online-Konferenz richtet sich an Patientinnen und Patienten, deren Angehörigen sowie alle sonstigen Interessierten.

Würzburg. Seit Beginn der Corona-Pandemie wird das von der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) seit vielen Jahren veranstaltete Myelom-Forum als Online-Konferenz durchgeführt. Die mittlerweile sechste digitale Ausgabe der Traditionsveranstaltung findet am Samstag, den 19. November 2022 statt. „Wie gewohnt geben wir hierbei einen allgemeinverständlichen Überblick über topaktuelle Entwicklungen in Diagnostik und Therapie dieser bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks“, kündigt Prof. Dr. Hermann Einsele an. Der Direktor der „Med II“ und Myelom-Experte fährt fort: „Darüber hinaus widmen wir uns diesmal recht umfangreich komplementärmedizinischen Themen.“ Beispielsweise schildert die Ernährungsberaterin Constanze Wolz, wie wichtig die Ernährung bei onkologischen Erkrankungen ist, während Anna Fleischer vom Schwerpunkt Psychosomatische Medizin der Medizinischen Klinik II unter dem Stichwort Selbstfürsorge zeigt, was Krebspatientinnen und -patienten für sich selbst und ihre Lebensqualität tun können. Außerdem verdeutlicht Prof. Dr. Franziska Jundt, die Leiterin des Zentrums für das Multiple Myelom im Zentrum für Seltene Erkrankungen Referenzzentrum Nordbayern am UKW, den Stellenwert der Bewegungstherapie beim Heilungsprozess.

Diese und sieben weitere Spezialistinnen und Spezialisten des UKW referieren am Veranstaltungstag ab 9:00 Uhr über die Softwareplattform Zoom. Nach jedem Vortrag und bei der abschließenden Diskussionsrunde gegen 12:35 Uhr haben die Teilnehmenden des kostenlosen Forums Gelegenheit, sich per Chat zu Wort zu melden und individuelle Fragen zu stellen. 

Eine Teilnahme an der Onlinekonferenz ist über Computer, Smartphone und Telefon – hier natürlich nur mit Ton-Empfang – möglich. Nach der Anmeldung erhalten die Interessentinnen und Interessenten per E-Mail die Zugangsdaten sowie eine detaillierte technische Anleitung. Anmelden kann man sich bei der Externen Selbsthilfebeauftragten Gabriele Nelkenstock unter E-Mail: selbsthilfe@ ukw.de 

Das genaue Programm findet sich im Veranstaltungskalender unter www.ukw.de/medizinische-klinik-ii. 

 

Kastentext: 

Über das Multiple Myelom

Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen. Sie überfluten den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 5000 bis 6000 Menschen an dieser Untergruppe des Lymphknotenkrebses.

 

Förderung für Optimierung der CAR-T-Zelltherapie beim Multiplen Myelom

Die José Carreras Leukämie-Stiftung fördert präklinisches Forschungsprojekt von Dr. Sophia Danhof vom Uniklinikum Würzburg und Prof. Dr. José Martínez-Climent aus Pamplona mit 366.000 Euro, um die CAR-T-Zelltherapie beim Multiplen Myelom zu verbessern.

Sophia Danhof an der Laborbank
Sophia Danhof skizziert im Labor die Interaktion von Immunzellen mit der CAR-T-Zelltherapie und untersucht, wie man das Multiple Myelom empfindlicher gegen Immuntherapien machen kann. © Kirstin Linkamp / UKW
Sophia Danhof sitzt am Flow Cytometer.
Mithilfe der Durchflusszytometrie, bei der Laser und Fluoreszenzfarbstoffe zum Einsatz kommen, analysiert Sophia Danhof spezifische Strukturen einzelner Zellen. © Kirstin Linkamp / UKW

Wenn Dr. Sophia Danhof ihren Patientinnen und Patienten bei der Erstdiagnose sagen muss, dass sie eine Krebserkrankung haben, die nicht heilbar ist und sie aller Voraussicht daran versterben werden, so ist das jedes Mal aufs Neue frustrierend für die junge Ärztin. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 7.000 Menschen am Multiplen Myelom, das nach Leukämie die zweithäufigste Form von Blutkrebs ist. „Ich kann den Betroffenen jedoch aufrichtig versichern, dass wir alles tun, um ihre Krankheit bestmöglich zu kontrollieren, und darauf hoffen, sie in ein paar Jahren oder Jahrzehnten vielleicht sogar heilen zu können“, berichtet Sophia Danhof. „Und das beflügelt mich.“ Die Internistin und Mutter einer vierjährigen Tochter leitet neben ihrer klinischen Tätigkeit in der Hämatologie am Universitätsklinikum Würzburg ein so genanntes Early Career Project am Würzburger Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum. Hier hat die 36-jährige Nachwuchsgruppenleiterin jetzt gemeinsam mit Prof. Dr. José Martínez-Climent der Universidad de Navarra im spanischen Pamplona eine 36-monatige Förderung der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung von insgesamt 366.000 Euro eingeworben. Ziel ist die Optimierung der CAR-T-Zelltherapie in genetisch determinierten Mausmodellen des Multiplen Myeloms.

Immuntherapie verlängert Remissionsdauer

Die CAR-T-Zelltherapie ist ein großer Hoffnungsträger in der Therapie von Blutkrebs. Dabei werden körpereigene Immunzellen der Betroffenen, die T-Zellen, im Labor mit künstlichen Rezeptoren ausgestattet. Diese chimären Antigenrezeptoren (CAR) helfen den Immunzellen dabei, den Tumor zu erkennen und zu eliminieren. Eine einmalige Infusion von CAR-T-Zellen kann bei bestimmten Blutkrebserkrankungen zu einer dauerhaften Remission, also zum Nachlassen der Symptome, oder gar zur Heilung führen. „Doch leider nicht beim Multiplen Myelom“, erklärt Sophia Danhof. „Die Betroffenen sprechen zwar zunächst auf die CAR-T-Zelltherapie an, doch früher oder später kommt es häufig dennoch zum Rezidiv.“ Ein Grund für die verminderte Immunreaktion könnten genetische Veränderungen sein. Die so genannte MYC-Deregulation zum Beispiel ist eine treibende Mutation, die gehäuft beim Multiplen Myelom auftritt und dazu führt, dass sich die Krebszellen stark vermehren und dem Immunsystem entgehen.

Neuartige Mausmodelle rekapitulieren präzise die menschliche Erkrankung

José Martinez-Climent hat mit seiner Forschungsgruppe in Pamplona sieben Jahre lang dieses Myelom-Modell in Mäusen mit voll kompetentem Immunsystem entwickelt, sodass Sophia Danhof mit ihrer Arbeitsgruppe in Würzburg nun im präklinischen Modell die Situation im Patienten komplett nachstellen und die Interaktion von Immunzellen mit der CAR-T-Zelltherapie genau skizzieren und untersuchen kann. „Wir versuchen aber nicht nur die Immuntherapie genauer zu verstehen, sondern arbeiten auch daran, den Tumor selbst empfindlicher für Immuntherapien zu machen, damit er schlussendlich und hoffentlich komplett verschwindet“, fasst Sophia Danhof ihr Forschungsziel zusammen.

Interaktion von Tumorzellen, CAR-T-Zellen und anderen Immunzellen

Dazu gilt es einen ganzen Strauß an Fragestellungen abzuarbeiten. Wie lange bestehen die CAR-T-Zellen, um das Myelom abzuräumen? Wie entwickeln sich die CAR-T-Zellen? Verändern sie sich mit der Zeit? Können sie ein immunologisches Gedächtnis bilden, damit die Betroffenen ein für alle Mal resistent sind gegen ihr Myelom. Welche Rolle spielen die anderen Immunzellen? Und wie verhalten sich die Tumorzellen? Verstecken sich die Myelomzellen? Wandern sie ab in andere Organe, wo die CAR-T-Zellen schlecht hinkommen? Verlieren sie die Zielstruktur, gegen die die CAR-T-Zellen gerichtet sind? Oder bilden sie Immun-Checkpoints, also Oberflächenmoleküle, mit denen die Tumorzelle der T-Zelle signalisiert, dass sie gar nicht da ist?

Relevanter Beitrag um Heilungschancen beim Multiplen Myelom zu verbessern

„Darüber hinaus werden wir in diesen Tiermodellen Ansätze erproben, wie weiterentwickelte CAR-T-Zellprodukte oder Kombinationen mit anderen Therapeutika die Wirksamkeit der CAR-T-Zelltherapie beim Multiplen Myelom verbessern können“, erläutert Sophia Danhof. Und Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II, ergänzt: „Mit der Universidad de Navarra kooperieren wir bereits erfolgreich im Rahmen der klinischen Studie CARAMBA. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir die hier gewonnenen Erkenntnisse später ebenfalls in die klinische Anwendung bringen. Damit hat das Projekt das Potential, einen relevanten Beitrag zu leisten, um das Multiple Myelom künftig zu einer heilbaren Erkrankung zu machen.“ Und Dr. Ulrike Serini Knoll, Geschäftsführung der José Carreras Leukämie-Stiftung freut sich: „Es wäre wunderbar, mit diesem Projekt dem Ziel von José Carreras einen weiteren Schritt näher zu kommen. Blutkrebs muss heilbar werden. Immer und bei jedem.“ 

Über die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung

Die José Carreras Leukämie-Stiftung fördert wissenschaftliche Forschungs-, Infrastruktur und Sozialprojekte. 1987 erkrankte Stifter José Carreras an Leukämie. Aus Dankbarkeit über die eigene Heilung gründete er 1995 den gemeinnützigen Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. und anschließend die dazugehörige Stiftung. Seither wurden bereits über 235 Millionen Euro an Spenden gesammelt und über 1.400 Projekte finanziert, die den Bau von Forschungs- und Behandlungseinrichtungen, die Erforschung und Heilung von Leukämie und anderer hämato-onkologischer Erkrankungen, die Förderung von jungen Wissenschaftlern im Rahmen von Stipendienprogrammen sowie die Unterstützung der Arbeit von Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen zum Ziel haben. 2019 wurde die José Carreras Leukämie-Stiftung von der Deutschen Universitätsstiftung und dem Stifterverband als Wissenschaftsstiftung des Jahres ausgezeichnet. Der Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. ist Träger des DZI Spenden-Siegels, dem Gütesiegel im deutschen Spendenwesen.

Um weitere Spenden im Kampf gegen Leukämie und andere schwere Knochen- und Bluterkrankungen zu sammeln, lädt José Carreras jedes Jahr gemeinsam mit seinen internationalen und nationalen Künstlerfreunden zur großen José Carreras Gala ein. Die 28. José Carreras Gala findet am Mittwoch, 7. Dezember 2022, in Leipzig statt und wird live ab 20.15 Uhr vom MDR übertragen. Zugesagt haben bereits unter anderem Chris de Burgh, Weltklasse-Geiger David Garrett und die dänische Singer-Songwriterin Aura Dione. Mehr unter www.carreras-stiftung.de

Sophia Danhof an der Laborbank
Sophia Danhof skizziert im Labor die Interaktion von Immunzellen mit der CAR-T-Zelltherapie und untersucht, wie man das Multiple Myelom empfindlicher gegen Immuntherapien machen kann. © Kirstin Linkamp / UKW
Sophia Danhof sitzt am Flow Cytometer.
Mithilfe der Durchflusszytometrie, bei der Laser und Fluoreszenzfarbstoffe zum Einsatz kommen, analysiert Sophia Danhof spezifische Strukturen einzelner Zellen. © Kirstin Linkamp / UKW

Klarer Kurs in bewegten Zeiten

Die strategischen Ziele des UKW sind neu definiert.

Das UKW hat seine strategischen Ziele geschärft und in vier zentralen Aufgabenfeldern neu zusammengefasst. Für die Ausrichtung des UKW stehen diese Themen in den nächsten drei bis fünf Jahren besonders im Vordergrund: „Alterung und Multimorbidität“, „Arbeitgeberattraktivität“, „Innovation / Berufliche Spezialisierung“ sowie „Digitalisierung und Vernetzung.“ Das ist das Ergebnis des aktuellen Strategieprozesses, der durch die Strategiekommission des UKW und den Klinikumsvorstand in den letzten 15 Monaten vorangetrieben wurde. Zuletzt tagte die Strategiekommission des Klinikums Ende Juli 2022. Dabei wurden sowohl die vier genannten Strategiefelder bestätigt als auch erste Schritte zur Umsetzung beschlossen. Die Bandbreite ist groß: Teilweise können bereits konkrete Projekte gestartet werden, in anderen Bereichen bedarf es noch der weiteren konzeptionellen Ausarbeitung bis hin zu Grundsatzbeschlüssen und einer entsprechender Budgetplanung. „Ich danke allen, die an diesem Strategieprozess mitgewirkt haben und die nun die kommenden Umsetzungsschritte vorbereiten und begleiten. Damit haben wir nun wichtige Eckpfeiler für die weitere Entwicklung der Würzburger Universitätsmedizin definiert. Besonders wertvoll ist, dass es Themen sind, die im gegenseitigen Austausch verschiedener Akteure entwickelt wurden“, so Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des UKW. Jedes strategische Thema wurde dabei einem Vorstandsressort zugeordnet. Philip Rieger, Kaufmännischer Direktor des UKW, betont: „Die verschiedenen Strategieebenen stehen natürlich nicht im luftleeren Raum. Sie müssen nun mit den großen Herausforderungen des Alltags, z.B. der Corona-Pandemie oder dem bundesweiten Wettbewerb um Fachkräfte auf den verschiedensten Ebenen verzahnt werden. Auch gilt es nun, aus dem Strategieprozess dauerhaft wichtige Impulse für unsere Strukturen und Arbeitsabläufe mitzunehmen. So können wir uns für die kommenden Aufgaben, auch mit Blick auf das Erweiterungsgelände Nord, weiterhin optimal aufstellen. “Was steckt konkret hinter den einzelnen strategischen Zielen?

1. Alterung und Multimorbidität 

Zusammenfassung: 
Schwerpunkt hierbei ist die Ausrichtung der Leistungen des UKW an den altersbedingten Anforderungen der Patientinnen und Patienten. Zusätzlich soll auch der Blick auf die Anforderungen einer älter werden den Belegschaft geschärft werden.

Projekte und Schwerpunkte:
▶ Planung und Entwicklung eines Zentrums für Altersmedizin (Internistische Geriatrie, Neurologische Geriatrie und Gerontopsychiatrie). Hier können klinische und wissenschaftliche Aktivitäten gebündelt werden, Ausbildung und Weiterbildung einen Schwerpunkt finden etc.
▶ Definition und Umsetzung von baulichen Standards (im Bestand und bei Bauplanungen)
▶ Optimierte Überleitung von geriatrischen Patientinnen und Patienten in Pflegeeinrichtungen 
▶ Schulung, Ausbildung und Weiterbildung, z.B. von Geriaterinnen und Geriatern, generelle Weiterentwicklung der geriatrischen Expertise 
▶ Besetzung der Professur „Prävention und Demenzfolgeerkrankungen“ am ZEP voraussichtlich ab Ende 2023

2. Arbeitgeberattraktivität: Mitarbeiterbindung und Nachwuchssicherung 

Zusammenfassung: 
Hier bündeln sich mehrere Aufgaben, die nun bereichsübergreifend umgesetzt werden sollen. Dazu zählen die Überarbeitung des Markenauftrittes des UKW sowie die Entwicklung strukturierter Personalentwicklungsmaßnahmen aller Berufsgruppen und unterschiedlicher Hierarchieebenen.

Projekte und Schwerpunkte:
▶ Relaunch Karriere-Seite 
▶ Überarbeitung des Corporate Designs des UKW 
▶ Entwicklung einer Contentstrategie für die digitalen Kanäle des UKW 
▶ Einführung eines neuen strukturierten Austrittsmanagements, zudem soll das Thema „Führungskultur“ dauerhaft verankert werden.

3. Innovation/ Berufliche Spezialisierung 

Zusammenfassung:
Als wichtiger Treiber von Innovationen sollen neue standortortübergreifende Kooperationen mit universitären und außeruniversitären Strukturen und Aktivitäten ausgebaut werden. Die Beschäftigten des UKW sollen bei der kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung befähigt und unterstützt werden. 

Projekte und Schwerpunkte: 
▶ Prüfung der organisatorischen Bündelung zu einem Innovationsmanagement 
▶ Weiterer Ausbau und Vernetzung vorhandener forschungsgetriebener Infrastrukturen (z.B. NUM-Netzwerk) 
▶ Weiterentwicklung und Schärfung von Forschungs- und Versorgungsstrukturen mit krankheitsorientierten, integrierten multidisziplinären Organisationsformen, wie etwa DZHI und CCC

4. Digitalisierung/Vernetzung 

Zusammenfassung:
Ablösung noch bestehender papiergestützter Prozesse am UKW. Die Virtualisierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung ausbauen sowie das Thema Digitalisierung gebündelt steuern. 

Projekte und Schwerpunkte:
▶ Einführung und Qualitätssicherung digitaler Arbeitsstrukturen für administrative, klinische, mobile und forschungsbezogene Prozesse (Forschungsdateninfrastruktur) 
▶ Grundgedanke: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern unterstützt Interaktionen
▶ Die Rahmenbedingungen für die Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI) werden gezielt vorangetrieben
▶ Zur Übersicht soll eine „Systemlandkarte Digitalisierung“ entwickelt werden 
▶ Im Rahmen der medizinischen Kooperationen soll zudem der Einsatz von Telemedizinischen Anbindungen und für den weiteren Datenaustausch ausgebaut werden.

Einzelne dieser Themen werden in kommenden Ausgaben von Klinikum & wir je nach Fortgang vertieft vorgestellt. Ein Querschnittsthema ist dabei auch Nachhaltigkeit, das sich durch viele Klinikbereiche zieht. Auch hierzu sind verschiedene Projekte in Planung, die an die bereits bestehenden Maßnahmen anknüpfen.

Auszug aus Klinikum & Wir 3/2022