Aktuelle Pressemitteilungen

Universitäts-Kinderklinik: Neue Notaufnahme eröffnet

In der Universitäts-Kinderklink Würzburg hat am 7. Januar 2020 die neue, hochmoderne Notaufnahme ihre Türen geöffnet. Direkt neben dem Hauptgebäude in Haus D31 auf dem UKW-Campus ist in 14 Monaten Bauzeit ein neues Gebäude mit funktionalen Räumen und erweiterten Diagnosemöglichkeiten entstanden. Das Gebäude mit 140 qm Nutzfläche umfasst neben dem Haupt-Notfallraum zwei weitere Behandlungszimmer. Am 6. Februar fand die offizielle Eröffnungsfeier statt.

Außenansicht neue Notaufnahme
Die neue Notaufnahme liegt unmittelbar vor dem bestehenden Gebäude D13. Im Vordergrund sind die Leiterin der Notaufnahme Priv.-Doz. Dr. Kirsten Glaser sowie der Leitende Oberarzt der KInderklinik Prof. Dr. Johannes Wirbelauer zu sehen.
Klinikdirektor Prof. Dr. Christian Speer moderierte das Programm.
Klinikdirektor Prof. Dr. Christian Speer moderierte das Programm. Foto: Matthias Emmert/UKW.
Besichtigung der Notaufnahme.
Die Leiterin der neuen Notaufnahme Priv.-Doz. Dr. Kirsten Glaser (links) zeigte den Gästen das neue Gebäude. Foto: Matthias Emmert/UKW.

Großzügige und modern ausgestattete Behandlungszimmer sowie ein freundlicher Wartebereich kennzeichnen die neue Notaufnahme. Geleitet wird sie in den ersten Monaten von der in der Kinderintensivmedizin erfahrenen Oberärztin PD Dr. Kirsten Glaser.

Die Notaufnahme ist ideal in die Versorgungsstruktur der bestehenden Kinderklinik eingebunden. Von hier aus können die jungen Patienten nach der Erstversorgung direkt über einen Außenaufzug in die Bettenstationen in Gebäude D31 oder in die wenige Meter entfernt liegende diagnostische Abteilung mit Röntgen, Ultraschall oder MRT transportiert werden. „Die ideale Anbindung der Notaufnahme an die Infrastruktur der Kinderklinik ermöglicht es uns, unseren jungen Patienten eine kindgerechte medizinische Notfallversorgung auf höchstem Niveau zu bieten“, freut sich der Direktor der Universitäts-Kinderklinik Prof. Dr. Christian Speer.

Einzige Anlaufstelle

Die Notaufnahme ist künftig rund-um-die-Uhr die Anlaufstelle für Notfälle im Kindesalter. Bisher wendeten sich Eltern, die in Notsituationen ihre Kinder selbst zur Kinderklinik brachten, je nach Tageszeit an die Notfallambulanz in D31 oder an die nahe gelegene Poliklinik in D6. „Die Versorgung an zwei Standorten führte zu logistischen und personellen Herausforderungen“, erläutert Prof. Dr. Johannes Wirbelauer, Leitender Oberarzt der Kinderklinik und medizinischer Baukoordinator. „Mit der neuen Notaufnahme und ihren erweiterten Funktionen haben wir künftig eine zentrale Anlauf-stelle, die rund um die Uhr für alle Notfälle zur Verfügung steht. Diese Neustrukturierung erleichtert die Arbeitsabläufe und Versorgungsbedingungen für unser Team ungemein“, betont die pflegerische Leitung der Notaufnahme und Poliklinik in der Kinderklinik, Kinderkrankenschwester Helga Beyer.
Neu geregelt wurde auch die Zufahrt zum Gebäude. Die Notaufnahme kann ab sofort von Rettungsfahrzeugen direkt von der Josef-Schneider-Straße aus angefahren werden. Eine Zufahrt über das Klinikumsgelände wie bisher ist nicht mehr nötig.

Gute Zusammenarbeit

Architektonisch war der Neubau insofern eine Herausforderung, als es galt, diesen auf engstem Raum an die Kinderklinik anzugliedern. Geleitet wurde das Projekt vom Architekturbüro Geisel-Schaub sowie der klinikeigenen Bauabteilung. „Bei laufendem Klinikbetrieb zu bauen, stellt immer hohe Anforderungen an alle Beteiligten“, so Prof. Wirbelauer. „Durch eine gute Abstimmung gelang es uns, Klinikbetrieb und Baustelle zu verbinden, ohne dass es zu großen Beeinträchtigungen für Patienten und Mitarbeiter kam.“ Die Bausumme beläuft sich auf 1,7 Millionen Euro.

Wichtiger Teil des Modernisierungsprozesses auf dem Altcampus

Der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Georg Ertl betonte bei der offiziellen Eröffnung: "Die Kinderklinik ist ein zentraler Baustein in der regionalen Versorgungslandschaft. Mit dem Neubau der Notaufnahme stellen wir unseren Auftrag sicher, Kinder und Jugendliche in Würzburg und Umgebung auf höchstem Niveau mit kindgerechter Ausstattung zu versorgen. Die Notaufnahme reiht sich ein in eine Reihe von Baumaßnahmen, mit denen wir zurzeit den Altcampus modernisieren und zukunftsfähig gestalten."

Informationen zur Kinderklinik:

Die Universitäts-Kinderklinik ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung für Kinder und Jugendliche mit 115 Betten. Das Altersspektrum reicht vom Hochrisikofrühgeborenen mit weniger als 500 g Geburtsgewicht bis zum Jugendlichen mit akuten und chronischen Erkrankungen.

Mehr als 70 Ärztinnen und Ärzte, 150 Schwestern und Pfleger sowie 60 weitere Mitarbeiter/-innen betreuen die Patienten. Pro Jahr werden etwa 7.000 Kinder stationär aufgenommen und es erfolgen 3.500 tagesklinische und über 16.000 ambulante Vorstellungen. Es wird erwartet, dass die neue Notaufnahme der Kinderklinik im Jahr ca. 10.000 Kinder und Jugendliche betreuen wird.

 

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Bildquelle: Matthias Emmert/UKW

 

Notarztversorgung im Kreis Main-Spessart: Vorbildliche Kooperation zwischen Universitätsklinikum Würzburg und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB)

Rund 3.800 Ärztinnen und Ärzte an 229 Notarztstandorten im Freistaat stellen sicher, dass die bayerische Bevölkerung rund um die Uhr notärztlich versorgt ist.

Eine vorbildliche Kooperation zur Sicherstellung der notärztlichen Versorgung besteht seit November 2019 im Landkreis Main-Spessart zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und dem Universitätsklinikum Würzburg. Notärzte der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie/Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin des Universitätsklinikums übernehmen dabei zusammen jährlich mehr als 4.000 Dienststunden an den Notarztstandorten Karlstadt und Marktheidenfeld. „In unserem Projekt arbeiten die KVB, der Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung (ZRF) Würzburg und das Universitätsklinikum Würzburg konstruktiv zusammen. Gemeinsames Ziel ist es, den Notarztdienst in Würzburg weiterzuentwickeln und gleichzeitig die notärztliche Besetzung im Landkreis Main-Spessart langfristig auf dem hohen bisherigen Niveau zu sichern“, sagt Manuel Holder, Regionalleiter Nordbayern - Notdienste bei der KVB.

Mit der Kooperation soll die Notarztversorgung in der Region zukunftsfest gemacht werden.
„Auch im Notarztdienst macht sich der Ärztemangel inzwischen bemerkbar und es wird
schwieriger, alle Schichten zu besetzen“, weiß Manuel Holder. Die Teilnahme am Notarztdienst ist freiwillig, eine Verpflichtung gibt es nicht. Zudem haben Arbeitsverdichtung in Praxis und Klinik in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass viele Ärztinnen und Ärzte dem Notarztdienst nicht mehr den gleichen zeitlichen Rahmen einräumen können wie früher.

Dieser Entwicklung wird im Rettungsdienstbereich Würzburg mit kreativen und zielorientierten Lösungen begegnet. „Wir bekennen uns ausdrücklich zur Verantwortung unseres Klinikums, für Würzburg und die Region die notärztliche Versorgung sicher zu stellen“, so Professor Dr. Georg Ertl, ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg und ergänzt: „Wir haben das Projekt in enger Kooperation sorgfältig vorbereitet und sind stolz darauf, dass der Ablauf in den ersten drei Monaten völlig reibungslos war.“ Anja Simon, die kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums ist optimistisch, dass die Kooperation über den Projektzeitraum von zunächst zwei Jahren hinaus reichen wird: „Die gesteckten Ziele wurden schon in der Anfangsphase vollständig erreicht. Es besteht der feste Wille aller Beteiligten auf unbefristete Fortsetzung des Modells.“ Professor Dr. Thomas Wurmb, der Leiter der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin ist von dem Projekt begeistert: „Wir tragen mit unseren Ärztinnen und Ärzten zur Sicherung der notärztlichen Versorgung in Bayern bei“, dies ist eine hohe Motivation für die Mitarbeiter.

Hintergrund: Die Organisation des Notarztdienstes in Bayern

Für die Sicherstellung der notärztlichen Versorgung ist das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr zuständig. Mit dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz (BayRDG) hat das Staatsministerium die KVB zusammen mit den 25 Zweckverbänden für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung und einen Rettungszweckverband mit der flächendeckenden Sicherstellung des bodengebundenen Notarztdienstes im Freistaat beauftragt. Die Finanzierung des Notarztdienstes ist Aufgabe der Krankenkassen und der Unfallversicherungsträger.

 

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Uniklinikum Würzburg: 1.000 Euro für Kiefer- und Gesichtsoperationen bei bedürftigen Kindern

Die Würzburger Allianz-Agentur Avit unterstützt die Bene-Maxilla-Stiftung mit einer Spende. Diese wiederum ermöglicht es der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Uniklinikums Würzburg, kranken Kindern aus armen Nationen durch aufwändige Kiefer- und Gesichtsoperationen das Leben zu erleichtern.

Florian Pfnausch und Benedikt Wolf, die Inhaber der Würzburger Allianz-Agentur Avit, verzichteten im letzten Jahr auf Weihnachtspräsente für ihre Kunden und taten stattdessen in deren Namen Gutes: Unter anderem unterstützten sie die Arbeit der Bene-Maxilla-Stiftung mit 1.000 Euro.

Hauptziel der Würzburger Wohltätigkeitsorganisation ist es, Kinder aus der Dritten Welt mit angeborenen Fehlstellungen oder schweren Erkrankungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich zu unterstützen, die ohne fremde Hilfe keine Chance auf Linderung oder Heilung ihrer Krankheiten haben. Durchgeführt werden die so finanzierten Eingriffe von Prof. Dr. Dr. Alexander Kübler und seinem Team von der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Uniklinikums Würzburg.

Der Scheck wurde Prof. Kübler im Beisein des Stifters Max Leusser am 20. Januar 2020 in der Würzburger Zahnklinik überreicht.

Um noch viel mehr bedürftigen Kindern helfen zu können, freut sich die Bene Maxilla-Stiftung über Spenden auf das Konto:

Bene Maxilla-Stiftung
Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE17 7905 0000 0046 8966 19
SWIFT-BIC: BYLADEM1SWU

 

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Was die Angst kleiner macht

In unheimlichen Situationen kann die bloße Anwesenheit einer unbekannten Person beruhigend wirken. Das zeigt die Studie eines Würzburger Teams, das Angsterkrankungen erforscht.

Alleine auf eine Reise gehen. Stundenlang im Flugzeug sitzen, in zwölf Kilometern Höhe über dem Atlantik. Mit Turbulenzen und allen Unbequemlichkeiten, die zu einem Langstreckenflug eben so dazu gehören. Vor dieser Situation hat Michaela B. Angst. Wäre nur eine Freundin auf der Reise dabei! Dann würde sie sich bestimmt besser fühlen.

Dabei müsste Michaela B. vor der Situation im Flieger gar nicht bange sein. Auf die Freundin als Begleitung könnte sie locker verzichten. Denn es würde ihr schon helfen, wenn einfach irgendjemand neben ihr sitzt. Und dieser Jemand müsste sich nicht einmal mit ihr unterhalten oder sich ihr in anderer Weise zuwenden. Seine bloße Präsenz würde genügen, um die Angst zu verringern.

Das ergibt sich aus einer Studie, die eine Gruppe um Professorin Grit Hein von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg durchgeführt hat. Die Resultate sind im Journal Proceedings of the Royal Society B: Biological Science veröffentlicht.

Physiologische Anspannung über Hautwiderstand gemessen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Angst und die daraus resultierende physiologische Anspannung durch die bloße Anwesenheit einer anderen Person vermindert werden können, auch wenn diese Person unbekannt ist und keine aktive Unterstützung leistet“, erklärt Grit Hein. Sie hat an der JMU eine Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften inne und forscht über Angsterkrankungen.

Die verminderte Angstreaktion trat unabhängig davon auf, ob die unbekannte Person der gleichen oder einer anderen Ethnie angehörte. „Interessanterweise war der angstmindernde Effekt umso stärker, wenn die Probanden die andere Person als weniger ähnlich wahrnahmen – wahrscheinlich, weil sie dann davon ausgingen, dass der andere im Gegensatz zu ihnen selbst keine Angst hat“, so die JMU-Professorin.

In der Studie bekamen die Versuchspersonen über Kopfhörer entweder neutrale oder angsterzeugende Geräusche vorgespielt –das Plätschern von Wasser oder menschliche Schreie. Ihre körperlichen Reaktionen darauf wurden über den Hautwiderstand gemessen – bei Angst verändert sich die elektrische Leitfähigkeit der Haut. War bei den Tests eine unbekannte Person im Raum mit dabei, durfte diese nichts sagen und blieb von der Versuchsperson körperlich abgewandt. Dieses Setting sollte soziale Interaktionen zwischen den beiden verhindern.

Folgestudien mit Männern und Frauen

Bisher wurden nur Frauen in Anwesenheit von Frauen getestet. In Folgestudien möchte das Würzburger Forschungsteam nun auch die Effekte messen, wenn sich Männer mit Männern oder Männer mit Frauen der unheimlichen Situation im Labor aussetzen.

Dabei werden sich eventuell Unterschiede zeigen. „Es gibt Hinweise aus der Stressforschung, dass das Geschlecht der anwesenden Person eine Rolle spielen könnte“, sagt die JMU-Professorin. Die Erkenntnisse aus diesen Forschungen lassen sich womöglich für die Therapie von Angsterkrankungen nutzen.

Kooperation und Förderung

Wesentlichen Anteil an der publizierten Studie hatten die Wissenschaftler Yanyan Qi, Martin Herrmann und Jürgen Deckert. Finanzielle Förderung kam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften.

Publikation

Qi Y, Herrmann M, Bell L, Fackler A, Han S, Deckert J, Hein G: The mere physical presence of another person reduces human autonomic responses to aversive sounds. 22. Januar 2020, Proc. R. Soc. B 287: 20192241. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2019.2241

Kontakt

Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T +49 931 201-77411, hein_g@ ukw.de
Website Prof. Grit Hein: http://grit-hein.

 

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Schlaganfall: Neue Erkenntnisse aus der abgeriegelten Zone

Einem interdisziplinären Forscherteam des Uniklinikums Würzburg ist es gelungen, bei Schlaganfallpatienten winzige Blutproben direkt aus der abgeriegelten Zone zu gewinnen und zu analysieren. Während eines Schlaganfalls ist diese Gehirnzone durch ein Gerinnsel vom restlichen Kreislauf getrennt und stirbt ab. Die Forscher konnten beweisen, dass es genau in dieser Zone sehr früh zu einer Entzündungsreaktion kommt. Diese Erkenntnis wird beeinflussen, wie die Schlaganfallbehandlung weiterentwickelt werden muss.

Beim ischämischen Schlaganfall verschließt ein Blutgerinnsel (Embolus) ein Gefäß im Gehirn und verhindert die ausreichende Durchblutung des dahinterliegenden Areals. In der Folge kommt es dort zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen, allen voran Sauerstoff, und die betroffenen Nervenzellen beginnen, abzusterben. Diese Zusammenhänge sind auch Laien einleuchtend und hinlänglich bekannt. „Es wird aber vermutet, dass sich in der abgeriegelten Zone weitere pathologische Mechanismen abspielen, die einen entscheidenden Einfluss auf das Absterben von Hirngewebe, also das Voranschreiten des Hirninfarkts haben“, erklärt Dr. Alexander Kollikowski vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Prof. Dr. Mirko Pham, der Direktor des Instituts, fährt fort: „Zum Beispiel weiß man aus Versuchen mit Mäusen, dass im Verlauf der Verschlusssituation eine biochemische Signalkaskade startet, die eine schädliche Entzündungsreaktion auslöst.“ Dieser Effekt ließ sich bislang beim Menschen weder direkt bestätigen noch widerlegen. Als Hürde erwies sich bisher, dass für eine entsprechende Beweisführung „ungestörte“ Blutproben aus dem abgeriegelten Infarktbereich benötigt werden, also bevor die Neuroradiologen das Gerinnsel entfernen und das wiedereinströmende Blut die Situation vor Ort massiv verändert.

Modifiziertes Mikrokatheterverfahren und moderne Laboranalytik als Schlüssel

Diese Hürde wurde von einer interdisziplinären Forschergruppe des UKW unter Beteiligung von den beiden oben genannten Experten der Neuroradiologie, der Neurologie (Dr. Michael Schuhmann, Prof. Dr. Wolfgang Müllges, Prof. Dr. Guido Stoll) und dem Institut für Experimentelle Biomedizin (Prof. Dr. Bernhard Nieswandt) genommen. „Hierfür haben wir ein zugelassenes Mikrokatheterverfahren so modifiziert, dass wir kurz vor der Gerinnselentfernung eine winzige Blutprobe aus dem abgeriegelten Kompartiment direkt hinter dem Gerinnsel gewinnen können“, schildert Dr. Kollikowski. Die Probenahme erfolgt also während des zur Entfernung des Gerinnsels ohnehin nötigen minimal-invasiven operativen Eingriffs ohne diesen zu verlängern. Dabei wird ein extrem feiner Katheter – der Durchmesser seiner Öffnung liegt in der Größenordnung eines dicken Haares – durch den Embolus geschoben und saugt auf der anderen Seite eine winzige Blutmenge an. „Zu Hilfe kommt uns hierbei die spezielle Konsistenz der Schlaganfallgerinnsel. Sie sind so weich, dass ein Durchdringen mit dem Mikrokatheter noch möglich ist, aber gleichzeitig so widerstandsfähig, dass die Barriere nicht schon bei diesem Vorgang zerstört wird“, erläutert Dr. Kollikowski.

Entzündungssofortreaktion während des Schlaganfalls bewiesen

Für das Forschungsvorhaben wurde ein aufwändiges Protokoll entwickelt, um winzige Gehirnblutproben standardisiert gewinnen zu können und diese direkt danach sehr nah am Angiographie-OP im Neuroimmunologischen Labor der Neurologischen Klinik des UKW zu analysieren. Damit gelang es zu belegen, und das war nicht unbedingt zu erwarten, dass auch im Menschen eine sofortige massive Entzündungsreaktion im Gehirn stattfindet, die den Tiermodellen sehr ähnlich ist. Die Wissenschaftler konnten erstmals im Menschen Botenstoffe der Entzündung und vor allem eine Invasion der abgeriegelten Zone durch Immunzellen, insbesondere Granulozyten und Lymphozyten, nachweisen. „Dies ist ein wichtiger Schritt der Translation von der Maus zum Menschen, einem zentralen Anliegen des Sonderforschungsbereichs TR 240, in dem diese Arbeit entstanden ist“, führt Prof. Dr. Bernhard Nieswandt, der Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB), aus. Der SFB TR 240 beschäftigt sich mit der Rolle von Blutplättchen und Immunzellen bei Gefäßerkrankungen, wie Schlaganfall und Herzinfarkt.

Laut dem Forscherteam ermöglicht die von ihm etablierte Technik der Probenentnahme von Gehirnblut direkt während des akuten Schlaganfalls das Studium weiterer zentraler Entzündungsmediatoren, die am Infarktwachstum beteiligt sind. Es sei realistisch, dass sich mit diesen Erkenntnissen der Fokus in der Therapieforschung und klinischen Testung auf eine bestimmte Medikamentenklasse richten werde: die Gruppe entzündungshemmender Substanzen.

Eine Strategie für die zukünftige Schlaganfalltherapie

Dadurch zeichnet sich eine Strategie für die Schlaganfalltherapie der Zukunft ab. Ein entzündungshemmendes Medikament wird dem Schlaganfallpatienten möglichst frühzeitig verabreicht, idealerweise schon durch den Notarzt vor Eintreffen im Krankenhaus, um das Absterben des Gehirns zu bremsen bis der Blutfluss durch die operative Wiedereröffnung des Gehirngefäßes wiederhergestellt wird. Zum Wirkungsort innerhalb des abgeriegelten Areals kann das Präparat über Umgehungskreisläufe, die sogenannten Kollateralwege gelangen, mit denen der Körper für eine gewisse Restdurchblutung sorgt, bevor die Nervenzellen endgültig absterben.

In ihrer Studie untersuchten die Würzburger Wissenschaftler im Zeitraum von August 2018 bis Juli 2019 Proben von 151 Patienten. Bei 40 davon waren alle Parameter so, dass die Forscher einen exakten Vergleich mit dem Mausmodell hatten. Die Ergebnisse der Arbeit wurden im Januar 2020 in Annals of Neurology, einer der international führenden Fachzeitschriften für Schlaganfallforschung und Neurowissenschaften, veröffentlicht.

Literatur:
Kollikowski, A. M. et al. Local leukocyte invasion during hyperacute human ischemic stroke. Ann. Neurol. (2020). doi:10.1002/ana.25665

 

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Kinderonkologischer Forschungspreis für Dr. Verena Wiegering

Die Stiftung des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen zeichnete Privatdozentin Dr. Verena Wiegering von der Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg mit dem diesjährigen Erna-Brunner-Preis aus. Der mit 10.000 Euro dotierte Award ehrt die Nachwuchsforscherin für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit aus dem Umfeld der Stammzelltherapie bei Kindern.

Mit dem Erna-Brunner-Preis will die Stiftung des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen den Wissenstransfer beschleunigen. Für die jährlich vergebene Auszeichnung können sich Nachwuchsforscherinnen und -forscher bewerben, die in den letzten zwei Jahren eine hervorragende Arbeit im Gebiet der pädiatrischen Onkologie veröffentlicht haben.

In diesem Jahr sprach die Jury den mit 10.000 Euro dotierten Preis Privatdozentin Dr. Verena Wiegering von der Würzburger Universitätskinderklinik zu. Die Medizinerin aus der Abteilung für pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzellentransplantation wurde geehrt für eine Arbeit, die den Einfluss einer veränderten B-Zell-Entwicklung auf das Auftreten einer chronischen Abstoßungsreaktion nach allogener Stammzelltransplantation bei pädiatrischen Patienten beschreibt. Hierbei zeigten sich große Unterschiede zu den Daten, die von erwachsenen Patienten bekannt sind, insbesondere eine höhere Regenerations-Kapazität im Verlauf. Dies erklärt zumindest teilweise, warum die klinischen Verläufe bei krebskranken Kindern deutlich positiver sind und Abstoßungsreaktion seltener auftreten.

Der Preis wurde Dr. Wiegering am 23. Januar 2020 bei einer Feierstunde in Tübingen von Prof. Hans-Werner Stahl, dem Vorsitzenden der Stiftung des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen, überreicht.

 

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Würzburger Universitätsmedizin: Eine Million Euro für neues Forschungskolleg

Sechs junge Ärztinnen und Ärzte des Uniklinikums Würzburg erhalten in einem Forschungskolleg Freiräume, um systemimmunologische Forschungsprojekte zu bearbeiten. Ermöglicht wurde dies von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung, die das Projekt TWINSIGHT in den kommenden drei Jahren mit insgesamt einer Million Euro fördert.

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung will die Medizinischen Fakultäten und Uniklinika in Deutschland dabei unterstützen, ihren wissenschaftlich hochtalentierten jungen Ärztinnen und Ärzten ein geeignetes Umfeld zur Vertiefung ihrer Forschungsarbeiten zu ermöglichen. Die Nachwuchsforscherinnen und -forscher sollen in die Lage versetzt werden, als sogenannte Clinician Scientists klinische Tätigkeiten und wissenschaftliches Arbeiten in ihrer Berufstätigkeit zu verbinden. Dazu schrieb die Stiftung im vergangenen Jahr erneut die Finanzierung von bundesweit drei Forschungskollegien aus. Pro Forschungskolleg gibt es – verteilt auf drei Jahre – insgesamt eine Million Euro. Eine zweite Dreijahresperiode ist bei positiver Evaluation möglich.

Sechs Ärztinnen und Ärzte in Zweierteams

Eine der drei Förderzusagen ging kürzlich an die Würzburger Universitätsmedizin für das vorgeschlagene Forschungskolleg TWINSIGHT. An diesem sind neben dem Uniklinikum und der Universität weitere Würzburger Forschungseinrichtungen beteiligt. Eingereicht wurde das Projekt federführend von Prof. Dr. Bastian Schilling von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Uniklinikums Würzburg. Er erläutert: „Wir planen, dass in diesem Forschungskolleg sechs Ärztinnen und Ärzte in der frühen Phase ihrer akademischen Laufbahn jeweils als Tandems Freiräume zur Qualifizierung und interdisziplinären Forschung erhalten. Ein Kernelement ist dabei die Arbeit mit systemimmunologischen Ansätzen.“

Immunologische Prozesse mit modernen Technologien besser einordnen

Hintergrund: Immunologische Prozesse spielen für die Entstehung, den Verlauf und die Therapie von Autoimmun-, Infektions-, Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen eine zentrale Rolle. „In der Patientenversorgung stellt jedoch zum einen die Vielfalt der immunologischen Prozesse eine Herausforderung dar. Zum anderen sprechen einzelne Patientinnen und Patienten sehr unterschiedlich auf gleiche Therapieansätze an“, berichtet Prof. Schilling. Nach seinen Angaben müssen daher individuelle Patientenprofile erkannt und in der Therapie berücksichtigt werden. Die Aufklärung solcher Fragen erfordere moderne Technologien, die jedoch noch nicht immer verfügbar seien. „Erschwerend kommt hinzu, dass selbst an Universitätsklinika die Ärzteschaft oftmals nur unzureichend mit diesen Technologien vertraut ist“, so Prof. Dr. Alma Zernecke-Madsen, stellvertretende Sprecherin des Kollegs. Die sechs Medizinerinnen und Mediziner des Forschungskollegs TWINSIGHT sollen helfen, diese Lücke zu schließen.

Über die Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert die medizinische Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte. Sie wurde im Jahr 1983 von der Unternehmerin Else Kröner gegründet und zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Die Stiftung bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell über 50 Millionen Euro ist sie eine der größten Medizin fördernden Stiftungen Deutschlands.

 

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