Aktuelle Pressemitteilungen

Vorsicht beim Feuerwerk hilft, um Notaufnahmen entlasten

Würzburg. Die Uniklinik Würzburg (UKW) rät zu besonderer Vorsicht beim Silvesterfeuerwerk. „Gerade Verletzungen an den Händen und Armen oder am Kopf durch Böller führen dazu, dass Patientinnen und Patienten in die Notaufnahmen gebracht werden müssen. Die Belastungen für die Rettungsdienste, aber auch für die Notaufnahmen sind jedoch seit Wochen hoch. Wer also nicht verzichten mag auf die Knallerei: Mit einem besonnenen und vorsichtigem Verhalten beim Feuerwerk kann jeder dazu beitragen, solche Unfälle zu verhindern und eine zusätzliche Belastung der Notaufnahmen zu reduzieren“, so Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor der Würzburger Uniklinik.

Bisher sei es dem UKW gelungen, die Notfallversorgung zu sichern, aber jede Entlastung sei wichtig und helfe den Teams, die auch am Jahreswechsel Dienst haben, so Maschmann. Zudem: Bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen mit denen man im Normalfall eine Arztpraxis aufsuchen würde, wendet man sich am besten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Informationen und regionale Adressen hierzu gibt es online unter www.116117.de. „Dieses System ist eine wichtige Anlaufstelle für erkrankte Menschen, damit die Notaufnahmen und Rettungsdienste ihre Kräfte auf die lebensbedrohlichen Notfälle konzentrieren können, so Maschmann. 

Uniklinik: Das neue „klinikum & wir“ ist da

Die Ausgabe 4/2022 des vom Uniklinikum Würzburg herausgegebenen Magazins ist erschienen. Das Top-Thema beschreibt FLEX4UKW, das neue, flexible Angebot zur Arbeitszeitgestaltung im Pflegebereich. Auch sonst bietet die Publikation einen breiten Überblick über Neuigkeiten der letzten Monate am mainfränkischen Großkrankenhaus.

 

Würzburg. Mit dem FLEX4UKW-Modell können Bewerberinnen und Bewerber für den Pflegebereich am Uniklinikum Würzburg (UKW) selbst über ihre Arbeitszeiten entscheiden. Wie das Mitte November 2022 gestartete Angebot genau aussieht, verdeutlicht das Top-Thema der Ausgabe 4/2022 von klinikum & wir. Das 40-seitige Magazin der Würzburger Universitätsmedizin präsentiert darüber hinaus wegweisende Forschungsergebnisse, Neuigkeiten aus Patientenversorgung und Lehre, preiswürdige Leistungen, Wissenswertes aus der Verwaltung sowie weitere Meldungen aus dem bunten Leben an Unterfrankens Krankenhaus der Maximalversorgung.

Neben den gedruckten Ausgaben, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen im Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es „klinikum & wir“ auch als Webmagazin unter www.ukw.de/presse/magazine 

Testzentrum für Besucher des UKW an Feiertagen geöffnet

Das UKW-Testzentrum öffnet an den Feiertagen (24. bis 26.12.2022, 31.12.2022, 1.1.2023) jeweils von 12:00 bis 17:00 Uhr. Das Testzentrum befindet sich auf dem Altcampus gegenüber der Kinderklinik in Haus „D 25“ und ist entsprechend ausgeschildert.

Hinweisschild zum UKW-Testzentrum.
Das Testzentrum für Besucherinnen und Besucher des UKW ist auch an den Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Es befindet sich auf dem Altcampus gegenüber der Kinderklinik. Foto: UKW/Stefan Dreising

Würzburg. Für Besucherinnen und Besucher der Uniklinik Würzburg gibt es auch an den Feiertagen die Möglichkeit, sich im UKW-Testzentrum vor einem Besuch des Klinikums testen zu lassen. Das UKW-Testzentrum öffnet an den Feiertagen (24. bis 26.12.2022, 31.12.2022, 1.1.2023) jeweils von 12:00 bis 17:00 Uhr. Das Testzentrum befindet sich auf dem Altcampus gegenüber der Kinderklinik in Haus „D 25“ und ist entsprechend ausgeschildert. Hinweis: Es handelt sich nicht um ein öffentliches Testzentrum, es ist ausschließlich ein Angebot für die Besucherinnen und Besucher des UKW für den erforderlichen Nachweis eines negativen Tests, der zum Betreten des Klinikums weiter erforderlich ist.

Für die Zeit vom 23. Dezember 2022 bis 9. Januar 2023 stellt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege den Krankenhäusern in Bayern frei, bei den Besuchern stationärer Patienten auch einen Selbsttest zu akzeptieren. Das UKW muss von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen aufgrund des bestehenden Testzentrums. So kann die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter auf dem bisherigen Stand beibehalten werden. Daher gibt es am UKW auch weiterhin nicht die Möglichkeit, eine Eigenerklärung nach Selbsttestung ohne Aufsicht abzugeben.

Die zahlreichen öffentlichen Corona-Teststellen in Stadt und Landkreis Würzburg haben auch an den Weihnachtsfeiertagen geöffnet, eine vollständige Übersicht aller Teststellen und deren Öffnungszeiten ist auf www.landkreis-wuerzburg.de/Testzentren zu finden.

Hintergrund: Der Zutritt zu Krankenhäusern ist weiterhin nur mit einem aktuellen negativen Corona-Testergebnis möglich. Zudem gilt auch am UKW die FFP-2-Maskenpflicht. Die Besuchszeiten des Klinikums sind von 14 bis 18 Uhr, der letzte Zutritt zum Klinikum ist bis 17.30 Uhr möglich.

Wie Musizierende die Angst vor Auftritten bewältigen können

Für eine interdisziplinär angelegte und im Rahmen des DFG-Clinician Scientist-Programms UNION CVD geförderte Studie sucht das Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) Musikerinnen und Musiker zwischen 18 und 60 Jahren, die unter Auftrittsangst leiden und etwas dagegen unternehmen möchten.

 

Das Bild zeigt die Violine des Studienleiters, Daniel Bellinger, der selbst Hobbymusiker ist.
Bis zu 60 Prozent aller Musikerinnen und Musikern leiden unter Auftrittsangst, die mit starken Symptomen einhergeht und sich negativ auf die künstlerische Leistung auswirkt. In einer Studie werden zur Reduktion der Auftrittsangst am Uniklinikum Würzburg zwei Methoden der Verhaltenstherapie untersucht: Angstkonfrontationstraining in virtueller Realität und ein Entspannungstraining durch progressive Muskelrelaxation. © Daniel Bellinger / Uniklinikum Würzburg

Daniel Bellinger ist Facharzt für Neurologie und Assistenzarzt in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg – und er ist Hobbymusiker, spielt Klavier, Geige und Querflöte. Gelegentlich hat er Lampenfieber, was zwar unangenehm ist, aber durchaus nützlich sein kann. „Denn es weckt uns auf, schärft die Sinne und verschafft uns zusätzliche Energie. Auftrittsangst hingegen verursacht so starke Symptome, dass sich diese oft negativ auf die künstlerische Leistung auswirken“, berichtet der Mediziner. Bis zu 60 Prozent aller Musikerinnen und Musiker leiden unter Auftrittsangst, die oft mit beschleunigtem Herzschlag und erhöhtem Blutdruck sowie Zittern, Übelkeit und der Furcht vor einem Kontrollverlust und Blackout einhergehen. Viele Betroffene versuchen sich mit Betablockern zu beruhigen, nur die wenigstens nehmen professionelle Hilfe in Anspruch.

Angstkonfrontation in virtueller Realität oder Entspannungstraining

Das möchte Daniel Bellinger ändern. Zur Reduktion von Auftrittsangst untersucht er zwei Methoden der Verhaltenstherapie: Ein Angstkonfrontationstraining in virtueller Realität und ein Entspannungstraining durch progressive Muskelrelaxation. Unterstützt wird er bei der Durchführung und Auswertung der Expositionstrainings von der Psychologin Kristin Wehrmann, die ebenfalls Hobbymusikerin ist.

Die Zuordnung zu einer der beiden therapeutischen Interventionen, die im Rahmen der Studie kostenlos angeboten werden, erfolgt randomisiert, das heißt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden einer der beiden Therapien zugeteilt. Gemessen wird die Angst vor und nach der Therapie im Rahmen eines so genannten Behavioural Assessment Tests (BAT). Darunter ist ebenfalls eine Auftrittssituation in Virtueller Realität zu verstehen. Vor, während und nach dem BAT werden zusätzlich Parameter zur Bestimmung von möglichen Biomarkern für den Therapieeffekt erhoben, wie Herzrate und Blutdruck werden dokumentiert und Speichel und Blut gewonnen.

Teilnahme an der Studie ist weiterhin möglich

Der Zeitaufwand zur Studienteilnahme beträgt rund zehn Stunden, verteilt auf sechs Sitzungen über einen Zeitraum von vier Wochen. Hinzu kommt eine weitere Sitzung nach einem Jahr, um die Nachhaltigkeit der Behandlung zu beurteilen. Die genauen Termine am Campus in Würzburg werden individuell abgesprochen.

Weitere Informationen zur Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Clinician Scientist-Programms UNION CVD (Understanding InterOrgan Networks in Cardiac and Vascular Diseases) gefördert wird sowie Hinweise zu den Teilnahmevoraussetzungen finden Interessierte unter www.ukw.de/forschung/forschung-psychiatrie/klinische-studien

Bei Fragen kann unverbindlich das Studienteam vom Zentrum für Psychische Gesundheit des UKW kontaktiert werden unter Tel. 0931/201-76344 oder E-Mail: Auftrittsangst_VR@ukw.de.

Hinweis: In unserem digitalen Adventskalender „Forschende öffnen ihre Türchen“ laden am 21.12. Daniel Bellinger und Kristin Wehrmann ins Zentrum für Psychische Gesundheit ein und stellen die Therapiestudie zur Auftrittsangst vor. Der Film und viele weitere aus der bunten Palette an Forschungsprojekten im UKW können auf www.ukw.de/advent geöffnet werden. 

Das Bild zeigt die Violine des Studienleiters, Daniel Bellinger, der selbst Hobbymusiker ist.
Bis zu 60 Prozent aller Musikerinnen und Musikern leiden unter Auftrittsangst, die mit starken Symptomen einhergeht und sich negativ auf die künstlerische Leistung auswirkt. In einer Studie werden zur Reduktion der Auftrittsangst am Uniklinikum Würzburg zwei Methoden der Verhaltenstherapie untersucht: Angstkonfrontationstraining in virtueller Realität und ein Entspannungstraining durch progressive Muskelrelaxation. © Daniel Bellinger / Uniklinikum Würzburg

COMPASS für hochsensitive Schnelltests

Nur wenige Sekunden braucht ein neu entwickelter Schnelltest, um Krankheitserreger wie SARS-CoV-2 zuverlässig nachzuweisen. Seine Grundlage sind speziell designte magnetische Nanopartikel.

Grafik mit Funktionsweise des neuartigen COMPASS-Tests
Mit dem neuartigen COMPASS-Test lassen sich in wenigen Sekunden Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisen. (Grafik: Dr. Patrick Vogel / Universität Würzburg)

Die gängigen Schnelltests zur Diagnostik von Infektionskrankheiten sind flott, aber nicht wirklich schnell. Zum Beispiel dauert es bei Antigen-Selbsttests, bei PCR-Tests oder bei ELISA-Tests auf das Coronavirus 15 Minuten bis mehrere Stunden, ehe ein belastbares Ergebnis vorliegt.

Wesentlich weniger Zeit braucht dagegen ein neuer und sehr empfindlicher Schnelltest, den ein Team von den Universitäten Würzburg und Erlangen entwickelt hat. Er basiert auf speziell designten magnetischen Nanopartikeln und einer neu entwickelten Messmethodik. Mit einem mobilen Messgerät von der Größe eines Laptops dauert es nur wenige Sekunden, um beispielsweise aus einer Speichelprobe Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 verlässlich nachzuweisen.

Über diesen Fortschritt berichtet das Team im Fachjournal Nature Communications. „Unser Test würde inklusive Probennahme und mit allem Drumherum tatsächlich weniger als eine Minute dauern. Das eröffnet ganz neue Einsatzgebiete, etwa bei Kontrollen am Eingang zu Stadien“, sagt der Würzburger Physiker Dr. Patrick Vogel, Erstautor der Publikation.

Kleinste Veränderungen hoch empfindlich detektiert

Magnetische Nanopartikel, kurz MNPs, finden heutzutage Anwendung in verschiedensten Bereichen. Es handelt sich dabei um Kügelchen aus Eisenoxid, die nur wenige hundert Nanometer groß sind.

Durch die gezielte Modifikation ihrer Oberflächen sind nicht nur ihre magnetischen Eigenschaften einstellbar, sondern auch die Funktionalität ihrer Oberfläche. Das lässt sich zum Beispiel nutzen, um spezifische Antikörper oder Antigene an die Kügelchen zu binden.

Kommt es zu solchen Bindungen, vergrößern sich die Partikel ganz minimal. Um diese nur wenige Nanometer umfassende Änderung messen zu können, hat das Team um Professor Volker Behr und Dr. Patrick Vogel vom Physikalischen Institut der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ein neuartiges Messverfahren entwickelt: die Critical Offset Magnetic PArticle SpectroScopy, kurz COMPASS. Das Verfahren benötigt einen nur geringen messtechnischen Aufwand; es ist schnell und ähnlich sensitiv wie die aufwändigen ELISA-Tests.

Einen realen Anwendungstest haben die Physiker mit der Arbeitsgruppe um Professor Lars Dölken vom JMU-Institut für Virologie und Immunbiologie durchgeführt. Mit einem tragbaren COMPASS-Messgerät konnten sie zeigen, dass der neue Schnelltest Antikörper gegen SARS-CoV-2 in nur wenigen Sekunden mit einem robusten Ergebnis nachweist.

Magnetische Partikel nach Maß gefertigt

Entscheidend für diesen Erfolg ist die spezielle Oberfläche des Partikelsystems. Für dessen Design zeichnet die Arbeitsgruppe um Professor Christoph Alexiou von der Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Erlangen verantwortlich. Die Gruppe ist führend in der Herstellung und Funktionalisierung von Magnetpartikeln.

Das Team aus Erlangen hat die Oberfläche der Partikel so geschickt manipuliert, dass sich dort gezielt verschiedenste Bindungspartner anbringen lassen. Diese können dann wiederum krankheitserregerspezifische Antigene oder Antikörper an sich binden.

Wenn Schnelligkeit und Zuverlässigkeit gefragt sind

„Das neue Messverfahren eröffnet viele Anwendungsmöglichkeiten, bei denen Schnelligkeit und Zuverlässigkeit gefragt sind“, sagt Professor Behr. Dazu gehörten beispielsweise die Erfassung neuartiger viraler Erkrankungen oder das Screening von Nutztieren auf meldepflichtige Erkrankungen.

Eine Anpassung auf neu auftretende Erreger sei tatsächlich recht schnell umsetzbar: „Die Gruppe aus Erlangen hat die Möglichkeit, die Magnetnanopartikel in größerem Maßstab zu produzieren. Soweit die entsprechenden Liganden zur Verfügung stehen, können die Testseren hergestellt werden“, erklärt Professor Behr. Für eine weltweite und große Produktion bedürfe es jedoch eines großen Industriepartners.

Nächste Schritte in der Forschung

Aktuell arbeitet das Team aus der Würzburger Physik daran, den der Messung zugrundeliegenden COMPASS-Effekt physikalisch noch tiefer zu durchdringen, um sein Potential voll ausreizen zu können. Außerdem wird die neuartige Messmethodik jetzt an verschiedenen Anwendungen erprobt.

Publikation

P. Vogel et al., „Critical Offset Magnetic PArticle SpectroScopy for rapid and highly sensitive medical point-of-care diagnostics“, Nature Communications, 13(1), 7320, 2022, Open Access.

https://doi.org/10.1038/s41467-022-34941-y

Ein Vlies, das Chemotherapeutika direkt im Hirn freisetzt

Ein Team der Neurochirurgie am Uniklinikum Würzburg entwickelt gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC) ein neuartiges innovatives Verfahren zur lokalen Chemotherapie von Glioblastomen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,6 Millionen Euro gefördert.

Die Grafik zeigt das Konzept vom GlioGel
Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Silicatforschung (ISC) entwickelt die Neurochirurgie am Uniklinikum Würzburg ein neuartiges Verfahren zur lokalen Chemotherapie von Glioblastomen - ein Vlies, das Chemotherapeutika direkt im Hirn freisetzt. Das Projekt wird vom BMBF mit insgesamt 1,6 Millionen Euro gefördert.
Petrischale mit Gewebe
Das Team der Neurochirurgie am Uniklinikum Würzburg valididert das Drug Delivery System GlioGel an in vitro und ex vivo-Modellen auf Effektivität. © Clara Keller / UKW

Das Glioblastom ist der häufigste und zugleich aggressivste Hirntumor im Erwachsenenalter. Etwa 3.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr daran. Ihnen verbleiben im Schnitt 14 bis 15 Monate Lebenszeit. Charakteristisch für diesen Tumor ist, dass er unkontrolliert in das gesunde Hirngewebe infiltriert. „An den Rändern des ehemaligen Resektionsbereiches entstehen regelhaft Tumorrezidive, die von der Infiltrationszone des Tumors ausgehen. Das heißt, wenn wir den Tumor nach derzeitigem Therapiestandard behandeln, also operativ entfernen, den Bereich anschließend bestrahlen und über mehrere Wochen eine systemische Chemotherapie verabreichen, schaffen wir es aktuell nicht, alle Tumorzellen abzutöten“, erklärt Prof. Dr. Mario Löhr, Leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Uniklinikum Würzburg. 

Kieselgel-basierendes Faservlies zersetzt sich und gibt Therapeutika ab

Aufgrund der ungünstigen Prognose und zudem starken Nebenwirkungen der systemischen Chemotherapie haben Prof. Löhr und Prof. Dr. Carsten Hagemann, Leiter der Sektion Experimentelle Neurochirurgie in der Klinik, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg ein Konzept für ein neuartiges innovatives Behandlungsverfahren entwickelt.

„Da viele Therapeutika die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und daher ineffektiv sind, haben wir überlegt, wie wir die Wirkstoffe lokal applizieren können, um so die Therapieeffizienz zu steigern“, schildert Carsten Hagemann. So entstand gemeinsam mit dem Fraunhofer ISC die Idee eines auf Kieselgel basierenden Faservlies.

Basis dieses neuartigen Drug Delivery Systems ist ein am Fraunhofer ISC entwickeltes Vlies, das bereits medizinisch zugelassen ist. Das Material löst sich im Verlauf der Wundheilung nach sechs bis acht Wochen vollständig auf. „Wir freuen uns sehr, wenn unser Material auch bei der Therapie von Glioblastomen helfen kann“ erklärt Dr. Sofia Dembski, die Leiterin des Teams Biomaterialien am Fraunhofer ISC. Dieses Vlies wird von Fraunhofer-Forschern mit Chemotherapeutika modifiziert und kann danach in die Resektionshöhle eingesetzt werden, also an den ursprünglichen Ort des Tumors. „Die resorbierbaren Kieselgel-Fasern lassen sich einfach an den Resektionsbereich anpassen, zersetzen sich im Laufe der Zeit und geben so konstant die Wirkstoffe lokal ab. Auf diese Weise könne die Konzentration von Chemotherapeutika direkt ihre maximale Wirksamkeit entfalten und ein erneutes Tumorwachstum hemmen, so Hagemann.

Das Team der Würzburger Neurochirurgie, das sich auf die Erforschung von Hirntumoren spezialisiert hat, im speziellen ausgerichtet auf Tumorimmunologie, molekulare Grundlagen gutartiger und bösartiger Hirntumoren bis hin zu innovativen Therapiemethoden, wird dieses Drug Delivery System zunächst an in vitro- und ex vivo-Modellen auf Effektivität validieren. Anschließend ist geplant, in einer tierexperimentellen Studie das lokale zytostatische Wirkstofffreisetzungssystem im Organismus zu untersuchen und so zu prüfen, ob das sog. GlioGel das Überleben verlängern kann.

Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung Die Idee hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung überzeugt. Es fördert seit November 2022 das Projekt mit insgesamt 1,6 Millionen Euro. Offizieller Titel: Lokale Chemotherapie von Glioblastomen durch den Einsatz neuartiger flexibler Wirkstoffträger - GlioGel. 

Gesundheitsmagazin UNI.KLINIK mit Verdauungsproblemen als Schwerpunkt

Die kürzlich erschienene Ausgabe 4/2022 von UNI.KLINIK, dem Gesundheitsmagazin des Universitätsklinikums Würzburg, widmet sich in seinem Titelthema der Behandlung von Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes.

Woran erkennt man Gesundheitsprobleme in Speiseröhre und Magen? Wann ist bei Schluckbeschwerden auch an Achalasie, eine Funktionsstörung der Speiseröhre, zu denken? Und wie viel Sodbrennen ist an den oft üppigen Weihnachtsfeiertagen eigentlich „normal“? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich die vierte Ausgabe des Jahres von UNI.KLINIK.

Das kostenlose Gesundheitsmagazin wird vom Uniklinikum Würzburg (UKW) vierteljährlich herausgegeben.

 

Darüber hinaus thematisiert die aktuelle, 24-seitige Publikation die Hand-Fuß-Mund-Krankheit bei Kindern und erläutert, wie Verbrühungen im Vorschulalter am UKW behandelt werden. Ein anderer Beitrag zeigt auf, wie sich eine starke psychische Widerstandskraft trainieren lässt.

Diese und viele weitere Artikel finden sich in der Webreader-Version: HIER 

Auf www.ukw.de in der Rubrik Magazine https://www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine/ finden Sie alle Ausgaben unserer beiden Magazine UNI.KLINIK und klinikum&wir.