Chronischer Hypoparathyreoidismus: Beschwerden trotz guter Laborwerte

Der chronische Hypoparathyreoidismus (HypoPT) ist eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Bei dieser seltenen Erkrankung produziert der Körper zu wenig Parathormon, wodurch der Kalzium- und Phosphathaushalt gestört wird.

Die Standardbehandlung besteht meist aus Kalzium und aktivem Vitamin D. Dennoch berichten viele Betroffene trotz scheinbar guter Blutwerte über anhaltende Beschwerden.

Um ein umfassenderes Bild davon zu erhalten, wie die Erkrankung das Leben der Betroffenen beeinflusst untersuchte eine Studie unter der Leitung von Stefanie Hahner und Carmina Fuss, wie Menschen mit HypoPT ihre Gesundheit und Lebensqualität erleben und welche Komplikationen im Alltag auftreten. Dazu wurden Patientinnen und Patienten aus mehreren spezialisierten Zentren in Deutschland befragt. Neben medizinischen Daten wurden auch die subjektive Gesundheit, die Leistungsfähigkeit im Alltag, Beschwerden und bereits aufgetretene Folgeerkrankungen erfasst. 

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Betroffene ihre Gesundheit als eingeschränkt empfinden. Häufig genannt wurden Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie Muskelbeschwerden. Viele berichteten außerdem, dass sie sich im Berufs- und Privatleben weniger belastbar fühlen und ihre Lebensqualität durch die Erkrankung beeinträchtigt ist. Auffällig war, dass diese Beschwerden auch bei Patientinnen und Patienten vorkamen, deren Blutwerte im empfohlenen Bereich lagen. Das deutet darauf hin, dass die übliche Behandlung zwar den Kalziumspiegel stabilisieren kann, die Erkrankung aber nicht immer vollständig ausgleicht. 

Ein überraschendes Ergebnis betrifft die Psyche: Angst scheint ein zentrales Symptom des chronischen Hypoparathyreoidismus zu sein. Da die erhöhte Angstbelastung auch im Vergleich zu Menschen nach Schilddrüsenoperation ohne Hypoparathyreoidismus nachweisbar war, spricht vieles dafür, dass sie zumindest teilweise eine Folge des fehlenden Parathormons und nicht nur der chronischen Erkrankung ist.

Darüber hinaus zeigte die Studie, dass Komplikationen wie Nierensteine, Nierenverkalkungen oder eine eingeschränkte Nierenfunktion vergleichsweise häufig auftreten. Auch deshalb betonen die Autorinnen und Autoren, dass Menschen mit chronischem Hypoparathyreoidismus regelmäßig kontrolliert werden sollten – nicht nur anhand der Laborwerte, sondern auch im Hinblick auf ihr Wohlbefinden und mögliche Langzeitfolgen. Eine individuelle Betreuung und regelmäßige Nachsorge können dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit dieser seltenen Erkrankung weiter zu verbessern.

Publikation: Carmina T. Fuss, Sarah Engbers, Nicole Reisch, Anke Hannemann, Henry Völzke, Hans J. Grabe, Matthias Nauck, Michael Droste, Holger S. Willenberg, Nada Rayes, Martin Fassnacht, Marcus Quinkler 
Stefanie Hahner. Subjective health status, life performance and complications in chronic hypoparathyroidism - a German multicenter survey. Front Endocrinol (Lausanne). 2026 Mar 31;17:1723640. doi: 10.3389/fendo.2026.1723640