paper place Archiv 1. Quartal 2026

VS-4718 sensibilisiert PSMB5-mutiertes multiples Myelom für Carfilzomib

In einer experimentellen Studie beschäftigten sich Forschende der Universitätsmedizin Würzburg mit neuen Therapieansätzen beim Multiplen Myelom, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks.

Zwar haben sogenannte Proteasom-Inhibitoren die Behandlung in den letzten Jahren deutlich verbessert, doch viele Patientinnen und Patienten entwickeln im Verlauf Resistenzen gegen diese Medikamente. Zudem sind die Therapien oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

Vor diesem Hintergrund untersuchten die Forschenden eine neue Wirkstoffkombination: den Inhibitor VS-4718, der bestimmte Signalwege in Krebszellen blockiert, allein sowie in Kombination mit dem etablierten Medikament Carfilzomib. Ziel war es, herauszufinden, ob sich dadurch die Wirksamkeit steigern und gleichzeitig die Belastung für gesunde Zellen reduzieren lässt.

Die Ergebnisse zeigen, dass VS-4718 bereits allein das Wachstum von Myelomzellen deutlich hemmen kann. Besonders interessant ist jedoch die Kombinationstherapie: In vielen untersuchten Zellmodellen verstärkten sich die Effekte beider Wirkstoffe gegenseitig („mehr als additiv“). Das bedeutet, dass die Krebszellen stärker geschädigt wurden, als es durch die Summe der Einzelwirkungen zu erwarten gewesen wäre.

Ein wichtiger Befund ist zudem, dass die Kombination auch bei solchen Myelomzellen wirksam war, die bereits Resistenzen gegenüber Proteasom-Inhibitoren entwickelt hatten. Durch die Zugabe von VS-4718 konnten diese Zellen wieder empfindlicher gegenüber Carfilzomib gemacht werden. Gleichzeitig blieb die Wirkung auf gesunde Immunzellen vergleichsweise gering, was auf ein günstigeres Nebenwirkungsprofil hindeutet.

Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass diese Wirkstoffkombination ein vielversprechender Ansatz für zukünftige Therapien sein könnte – insbesondere für Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren oder rückfälligen Krankheitsverläufen. Da es sich jedoch um Laboruntersuchungen an Zellmodellen handelt, sind weitere klinische Studien notwendig, um Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen zu bestätigen.

Publikation: Ellen Leich-Zbat, Sofia Catalina Heredia-Guerrero, Marietheres Evers, Thorsten Stühmer, Tina Grieb, Hilka Rauert-Wunderlich, Ralf C. Bargou, Andreas Rosenwald, Manik Chatterjee & Daniela Brünnert. VS-4718 enhances apoptosis induced by low-dose carfilzomib and overcomes carfilzomib resistance in PSMB5-mutated proteasome inhibitor resistant multiple myeloma. Sci Rep 16, 9197 (2026). doi.org/10.1038/s41598-026-43205-4

Neuartige Magnesiumphosphat-Zementpaste ermöglicht wirksame Verstärkung von Pedikelschrauben in osteoporotischem Knochen

In der klinischen Praxis werden Schrauben in der Wirbelsäule (Pedikelschrauben) häufig mit Knochenzement aus Polymethylmethacrylat (PMMA) verstärkt.

Dieser Zement ist allerdings sehr fest und steif, sodass er eher wie eine zusätzliche Versteifung wirkt als wie echter Knochenersatz. Dadurch können in angrenzenden Wirbelabschnitten häufiger Brüche nach einer Instrumentierung entstehen. Ein neuer experimenteller Knochenzement aus Magnesiumphosphat könnte hier eine bessere Alternative sein, da er günstigere biomechanische Eigenschaften besitzt und sich über dünne Kanülen gut einspritzen lässt. Allerdings wurde dieser Zement bisher noch kaum systematisch untersucht.

Maximilian Heilig, Philipp Heilig, Martin Cornelius Jordan, Rainer Heribert Meffert, Uwe Gbureck und Stefanie Hoelscher-Doht setzten spezielle, an den Spitzen gefensterte Wirbelschrauben in künstliche Knochenblöcke ein, die eine unterschiedliche Dichte der Knochenbälkchen (wie bei unterschiedlich ausgeprägter Osteoporose) auswiesen. Diese Schrauben wurden anschließend mit dem neuen Magnesiumphosphat-Zement stabilisiert. Danach wurde getestet, wie stabil die Konstruktion unter Belastung ist. Zusätzlich wurde gemessen, wie viel Kraft nötig ist, um den Zement je nach verwendeter Spritze einzubringen. 

Das Einbringen des Zements war in allen getesteten Knochen möglich. Dadurch wurden die Schrauben in allen Fällen stabiler. Wie stark dieser Effekt war, hing davon ab, wie dicht bzw. fest der Knochen war: In „weicherem“ Knochen brachte die Verstärkung teilweise andere Effekte als in „härterem“. Ein klarer Grenzwert, ab wann man den Zement einsetzen sollte, ließ sich nicht feststellen.

Der neue Magnesiumphosphat-Zement ließ sich zuverlässig verwenden, um Schrauben in der Wirbelsäule zu stabilisieren. Insgesamt führte er zu einer besseren mechanischen Stabilität. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser gut verträgliche und abbaubare Knochenzement künftig eine mögliche Alternative zu herkömmlichem PMMA-Zement bei Wirbelsäulenoperationen sein könnte.

Publikation: Maximilian Heilig, Philipp Heilig, Martin Cornelius Jordan, Rainer Heribert Meffert, Uwe Gbureck und Stefanie Hoelscher-Doht. A novel magnesium phosphate cement paste enables effective augmentation of pedicle screws in osteoporotic bone. International Orthopaedics. 2026 Apr;50(4):865-871. DOI: 10.1007/s00264-026-06794-3. PMID: 41894009.

Biomechanische Untersuchung zur Stabilität retrograder kanülierter Schrauben bei Mittelhandknochenfrakturen

Biomechanische Studien zu Mittelhandfrakturen konzentrierten sich vor allem darauf, wie viel maximale Kraft unterschiedliche Stabilisierungstechniken aushalten, bevor sie versagen.

Sechs verschiedene Röntgenbilder
Röntgenaufnahmen von Schweinepräparaten der Gruppen 1, 2 und 3, die die verschiedenen verwendeten Implantate zeigen. (a, c, e) zeigen die erzeugten Frakturen. (b–d) zeigen ein Präparat, das mit einem teilweise oder vollständig mit Gewinde versehenen Schrauben stabilisiert wurde. Der Eintrittspunkt der Schrauben wurde im dorsalen Drittel der Gelenkfläche gewählt, um die Knorpelschädigung zu minimieren. (f) zeigt eine Probe, die mit der 2,0-TriLock-Handplatte behandelt wurde. Ziel war es, eine nahezu bikortikale Länge der Schrauben zu erreichen.

Wie stabil diese Techniken bei wiederholten physiologischen Belastungen sind, die bei Bewegungen der Finger wie dem Faustschluss oder der Fingerstreckung ohne maximale Krafteinwirkung auftreten, wurde dagegen bisher kaum untersucht. Die vorliegende Studie der Chirurgie II unter der Leitung von Prof. Dr. Stefanie Hölscher-Doht aus der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie beschäftigte sich deshalb mit verschiedenen Methoden zur Behandlung von Schaftfrakturen der Mittelhand und untersuchte insbesondere die Stabilität sogenannter kanülierter Kompressionsschrauben. Diese speziellen Schrauben werden im Inneren des Knochens eingebracht und mit kleinen Metallplatten verglichen.

Für die biomechanischen Testungen wurden standardisiert erzeugte Knochenbrüche an Schweineknochen und menschlichen Mittelhandknochen mit unterschiedlichen Implantaten versorgt: entweder mit in den Knochen versenkbaren Schrauben (Teil- oder durchgehendes Gewinde) oder mit einer kleinen Handplatte. Anschließend wurden die Knochen tausendfach zyklisch belastet, um die Bewegungen und die Stabilität der Versorgung zu testen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Platten die Bruchstelle bei wiederholter Belastung etwas besser stabilisierten und weniger Bewegung zuließen. Allerdings hielten vollständig gewindete Schrauben bei sehr hohen Belastungen insgesamt mehr Kraft aus als die Teilgewinde-Schrauben oder die Platten. Eine klare Überlegenheit der Platten konnte insgesamt nicht nachgewiesen werden.

Die Autorin und Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass kanülierte Kompressionsschrauben eine gute und stabile Alternative zur Plattenosteosynthese bei schrägen Mittelhandbrüchen darstellen. Besonders vollständig gewindete Schrauben scheinen eine hohe Stabilität zu bieten. Wichtig für den Behandlungserfolg ist vor allem, dass die Schraube möglichst fest und lang im stabilen Knochen verankert wird.

Publikation: Maximilian Heilig, Julian Wagenhäuser, Henner Huflage, Philipp Heilig, Martin Cornelius Jordan, Rafael Gregor Jakubietz, Rainer Heribert Meffert, Stefanie Hoelscher-Doht. Sufficient stability using retrograde cannulated screws in a metacarpal fracture model: a biomechanical evaluation. Front Bioeng Biotechnol. 2026 Jan 5;13:1714404. doi: 10.3389/fbioe.2025.1714404

Sechs verschiedene Röntgenbilder
Röntgenaufnahmen von Schweinepräparaten der Gruppen 1, 2 und 3, die die verschiedenen verwendeten Implantate zeigen. (a, c, e) zeigen die erzeugten Frakturen. (b–d) zeigen ein Präparat, das mit einem teilweise oder vollständig mit Gewinde versehenen Schrauben stabilisiert wurde. Der Eintrittspunkt der Schrauben wurde im dorsalen Drittel der Gelenkfläche gewählt, um die Knorpelschädigung zu minimieren. (f) zeigt eine Probe, die mit der 2,0-TriLock-Handplatte behandelt wurde. Ziel war es, eine nahezu bikortikale Länge der Schrauben zu erreichen.
Drei von vier PJ- Studierende haben im Medizinstudium sexuelle Belästigung erlebt

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – etwa in Form unerwünschter sexueller Kommentare, Annäherungen oder Handlungen – stellt ein bekanntes und auch in der medizinischen Ausbildung relevantes Problem dar.

Frühere Studien zeigen, dass entsprechende Erfahrungen erhebliche Auswirkungen auf die Betroffenen haben können: Sie sind mit einer erhöhten psychischen Belastung verbunden, verstärken Stress und Angst und können das Lernen sowie die berufliche Entwicklung beeinträchtigen. Zudem tragen sie zur Entstehung von Burnout bei.

Als besonders herausfordernd gilt der Umgang mit solchen Vorfällen im Kontext der stark hierarchisch geprägten Strukturen des medizinischen Systems. Diese erschweren es Betroffenen häufig, Grenzüberschreitungen zu adressieren oder zu melden – insbesondere aufgrund bestehender Abhängigkeitsverhältnisse und möglicher negativer Konsequenzen. 

Sabine Drossard, Oberärztin in der Kinderchirurgie des UKW, hat gemeinsam mit den Studierenden Michelle Förstel und Maximilian Vogt von den Universitäten Heidelberg und Dresden und in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) in einer Querschnittstudie das Ausmaß und die Formen sexueller Belästigung unter Medizinstudierenden in Deutschland untersucht. In einer anonymen Online-Umfrage unter Medizinstudierenden in ganz Deutschland wurden Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Art der Vorfälle, Tätergruppen und der Umgang mit Vorfällen sowie deren Auswirkungen erfasst. Insgesamt nahmen 5681 Studierende teil. Durch die große Stichprobe waren erstmals auch Subgruppenanalysen möglich wie etwa von Studierenden im Praktischen Jahr (PJ) und betroffenen männlichen Studenten. Insgesamt handelt es sich bei dem Datensatz um den größten der bislang zu dem Thema in Deutschland erstellt wurde. 

Insgesamt gaben 42 % der Medizinstudierenden an, im Laufe des Studiums mindestens einmal sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Dabei zeigte sich ein deutlicher Anstieg mit zunehmender Ausbildungsdauer: Während der Anteil in den frühen Studienphasen niedriger lag, gaben im Praktischen Jahr (PJ) bereits 66 % der Studierenden entsprechende Erfahrungen an. Besonders betroffen waren weibliche Studierende – drei von vier Studentinnen im PJ berichteten von sexueller Belästigung

Das Verhalten ging unter Anderem von ärztlichem Personal, aber auch von Patientinnen und Patienten sowie Mitstudierenden aus. Zu den Risikobereichen zählen neben praktischem Unterricht mit Patientinnen und Patienten das Pflegepraktikum, Famulaturen, das PJ sowie Einsätze im OP. Die Mehrheit der Vorfälle wurden nicht gemeldet – unter anderem aus Angst vor negativen Konsequenzen, Abhängigkeit von Vorgesetzten und Unsicherheit bei der Einschätzung des Erlebten. 

Sexuelle Belästigung im Medizinstudium ist mehr als eine individuelle Erfahrung – sie ist Ausdruck institutionalisierter Machtdynamiken. Strukturelle Reformen sind dringend notwendig

„Unsere Ergebnisse bestätigen internationale Studien“, sagt Sabine Drossard. „Sexuelle Belästigung ist ein häufiges und strukturelles Problem in der Medizin, das vor allem – aber nicht nur - Frauen betrifft. Hierarchien verstärken das Risiko und fehlende Unterstützungssysteme erschweren den Umgang.“ Gefährlich sei die Normalisierung solcher Erfahrungen im Klinikalltag.

Dass auch Patientinnen und Patienten eine relevante und bislang häufig unterschätzte Tätergruppe darstellen unterstreicht die besondere Verantwortung von Lehrenden im klinischen Kontext: Sie sollten für die spezifischen Risiken, denen Studierende ausgesetzt sind, sensibilisiert sein, proaktiv über mögliche Grenzüberschreitungen aufklären und ein konsequentes, nicht tolerierendes Vorgehen gegenüber entsprechendem Verhalten etablieren. Gleichzeitig ist es entscheidend, Studierende in solchen Situationen aktiv zu unterstützen, ihre Handlungssicherheit zu stärken und sie bei Bedarf gezielt an geeignete Beratungs- und Unterstützungsangebote – etwa der Universität oder des Universitätsklinikums – zu verweisen.

Vor diesem Hintergrund betont das Autorenteam die Notwendigkeit gezielter Verbesserungen: Erforderlich sind insbesondere wirksame Präventionsprogramme, klar definierte und niedrigschwellige Meldewege sowie verlässliche Schutzstrukturen für Studierende. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bestehen hierfür bereits etablierte Angebote, etwa durch eine Beratungsstelle für Beschäftigte mit der Möglichkeit zur anonymen Meldung. Im deutschlandweiten Vergleich zeigt sich das UKW damit strukturell gut aufgestellt.

Nicht zuletzt bedarf es jedoch eines nachhaltigen kulturellen Wandels im medizinischen System, um Grenzüberschreitungen konsequent entgegenzuwirken.

Die Studie wurde im Journal BMC Medical Education veröffentlicht. Kurze Zeit später erschien die Vorarbeit zur Studie, die Sabine Drossard noch in Augsburg durchgeführt hat: Im Rahmen einer qualitativen Arbeit hat die Kinderchirurgin Interviews mit Studierenden im Praktischen Jahr geführt und hierbei differenzierte Einblicke in das Erleben der Studierenden erhalten: #MEDToo – sexual harassment in medical education: perceptions and coping strategies of medical students in Germany, a qualitative study | BMC Medical Education | Springer Nature Link 

Basierend auf den Ergebnissen dieser Arbeiten hat Sabine Drossard ein gezielt auf die Bedürfnisse der Studierenden zugeschnittenes Lehrprojekt zur Stärkung von Medizinstudierenden im Umgang mit Grenzüberschreitungen im Klinikalltag entwickelt, das im Sommersemester 2025 erstmalig am UKW durchgeführt und nun als Wahlangebot verstetigt wurde. Zusätzlich gibt es eine Informationsveranstaltung für Medizinstudierende, ebenfalls erstmalig im Sommersemester 2025, in der unter anderem die Beratungsangebote von UKW und Universität vorgestellt werden. 

Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Webseite www.medtoo.de übersichtlich und laienverständlich aufbereitet. 

Zum Interview mit Sabine Drossard zur aktuellen Studie

Zum Porträt von Sabine Drosssard in der UKW-Serie WomenInScience

Beratungsstelle für Beschäftigte des UKW

Webseite der Universität zum Sexismus in der Medizinischen Lehre

Anonyme Meldestelle der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd): https://www.bvmd.de/gleichstellung/

Publikation: Michelle Förstel, Maximilian Vogt und Sabine Drossard. Sexual harassment at German medical schools – a national cross-sectional study. BMC Med Educ 26, 558 (2026). doi.org/10.1186/s12909-026-08890-9

 

 

 

Bekämpfung des humanen Cytomegalievirus bei Empfängern allogener Stammzelltransplantationen im Prophylaxe-Zeitalter

Viele Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens mit dem humanen Cytomegalovirus (CMV) an. Für gesunde Menschen ist das Virus, das zur Familie der Herpesviren gehört, harmlos, denn es wird vom Immunsystem in Schach gehalten. Es kann jedoch gefährlich werden, wenn das Immunsystem nicht richtig funktioniert oder noch nicht vollständig entwickelt ist.

Nach einer allogenen Stammzelltransplantation bleibt das CMV zum Beispiel eine klinisch hochrelevante Komplikation, selbst wenn moderne Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden. Ein solches Medikament ist Letermovir, das die Zahl schwerer CMV-Infektionen deutlich reduzieren kann. Allerdings zeigt sich, dass das Virus oft erst später wieder aktiv wird – nämlich nach dem Absetzen der Prophylaxe. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Immunsystem des Körpers bereits teilweise erholt, insbesondere der Teil, der Antikörper bildet.

Ein Team unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Sabrina Kraus und Dr. Chris Lauruschkat von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II untersuchte, wie sich die Abwehrreaktionen gegen CMV entwickeln. Dabei wurde sowohl die Antikörperantwort als auch das Verhalten relevanter Immunzellen betrachtet. Ziel war es herauszufinden, welche Kombinationen dieser Faktoren dazu beitragen, das Virus gut zu kontrollieren, und welche eher mit einer klinisch relevanten Infektion verbunden sind.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Reaktivierung des Virus in einer späteren Phase, also nach der Prophylaxe, oft mit einer bereits ausgeprägten Antikörperantwort einhergeht. Bei Patientinnen und Patienten ohne Behandlung gegen CMV tritt die Antikörperantwort eher früh auf und ist von einem bestimmten Antikörpertyp (IgG) geprägt. Bei klinisch relevanten Infektionen ist dagegen häufiger ein anderer, unreiferer Antikörpertyp, Immunglobulin M (IgM), beteiligt.

Höhere IgG-Spiegel gingen hierbei mit einer Zunahme spezieller natürlicher Killerzellen (sogenannter „memory-like“ NK-Zellen) einher, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von CMV spielen. Dies spricht für ein enges Zusammenspiel humoraler und angeboren-zellulärer Immunität bei der Kontrolle von CMV nach einer allogenen Stammzelltransplantation. 

Auch eine bestimmte Untergruppe von T-Zellen (Vδ1+ γδ-T-Zellen) scheint dabei eine Rolle zu spielen. Diese Zellen könnten zusammen mit den NK-Zellen als zusätzliche Hinweise darauf dienen, wie gut sich das Immunsystem nach der Transplantation erholt hat und wie effektiv es gegen CMV vorgehen kann.

Insgesamt trägt die Arbeit dazu bei, die Immunreaktion gegen CMV nach einer Stammzelltransplantation im Zeitalter moderner Prophylaxe besser zu verstehen. Sie zeigt, dass es für die Einschätzung des Infektionsrisikos nicht ausreicht, nur klassische Immunparameter zu betrachten. Stattdessen könnten in Zukunft auch Antikörperprofile sowie bestimmte Zelltypen des Immunsystems genutzt werden, um gefährdete Patientinnen und Patienten genauer zu erkennen. Das eröffnet Möglichkeiten für individuell angepasste Kontrollen und neue, gezieltere Behandlungsstrategien.

Die Studie ist Teil der Arbeit innerhalb der DFG-Forschungsgruppe 2830 (Sprecher: Prof. Dr. L. Dölken) und bring das Team einen Schritt näher daran, die Sicherheit der allogenen Stammzelltransplantation weiter zu verbessern. 

Publikation: Chris D. Lauruschkat, Hannah Görge, Kerstin Knies, Benedikt Weißbrich, Lars Dölken, Carolin Köchel, Nina Imhof, Magdalena Huber, Hartmut Hengel, Hermann Einsele, Sebastian Wurster, Sabrina Kraus. Human cytomegalovirus control in allogeneic stem cell transplant recipients in the letermovir era – emerging humoral and cellular players. Haematologica.Vol. 111 No. 4 (2026): April, 2026 https://doi.org/10.3324/haematol.2025.288237

 

Neue Forschungsergebnisse zur Entstehung von Angststörungen und deren biologischen Grundlagen

Im Mittelpunkt der in Nature Genetics veröffentlichte Studie stehen genetische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass Angststörungen nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen sind.

Collage von vier einzelnen Porträts
Prof. Jürgen Deckert (2. v.l.) ist u. a. Letztautor der genetischen Studie zu Angsterkrankungen. Aus Würzburg waren außerdem Privatdozentin Heike Weber (2.v.r), Prof. Angelika Erhardt-Lehmann und Prof. Paul Pauli an dem internationalen Forschungsprojekt beteiligt. Collage mit Bildern von Main-Post (Thomas Obermeier), JMU (Jonas Blank), UKW

Stattdessen entsteht eine erhöhte Anfälligkeit durch das Zusammenspiel vieler genetischer Varianten, die jeweils nur kleine Effekte haben, sowie durch Umwelt- und Entwicklungsfaktoren.

Die Studie macht deutlich, dass diese genetischen Risikofaktoren mit bestimmten Hirnprozessen und Signalwegen verknüpft sind, die an der Verarbeitung von Bedrohung, Stress und Emotionsregulation beteiligt sind. Besonders betroffen sind dabei Netzwerke im Gehirn, die die Reaktion auf Angst steuern und normalerweise helfen, Angst angemessen zu regulieren.

Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass Angststörungen als komplexe, biologisch mitgeprägte Erkrankungen zu verstehen sind, bei denen viele kleine Einflussfaktoren zusammenwirken. Dieses bessere Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen soll langfristig dazu beitragen, gezieltere und individuellere Präventions- und Behandlungsansätze zu entwickeln.

Weitere Details liefert die Pressemeldung

Publikation: Strom, N.I., Verhulst, B., Bacanu, SA. et al. Genome-wide association study of major anxiety disorders in 122,341 European-ancestry cases identifies 58 loci and highlights GABAergic signaling. Nat Genet (2026). https://doi.org/10.1038/s41588-025-02485-8

Collage von vier einzelnen Porträts
Prof. Jürgen Deckert (2. v.l.) ist u. a. Letztautor der genetischen Studie zu Angsterkrankungen. Aus Würzburg waren außerdem Privatdozentin Heike Weber (2.v.r), Prof. Angelika Erhardt-Lehmann und Prof. Paul Pauli an dem internationalen Forschungsprojekt beteiligt. Collage mit Bildern von Main-Post (Thomas Obermeier), JMU (Jonas Blank), UKW
Schwache Handkraft als Warnsignal für psychische Erkrankungen

Die Griffstärke gilt bereits als allgemeiner Marker für körperliche Fitness und wird zunehmend auch im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit betrachtet.

Person hält elektronischen Manometer, andere Person misst die Zeit
Für die Studie wurden in Bern und Boston einheitliche elektronische Manometer verwendet sowie eine identische Messmethodik. Hier eine Szene aus der Schweiz. © Phil Wenger

Kann die Handkraft also als einfach messbarer körperlicher Parameter Hinweise auf psychische Erkrankungen liefern? Das wurde in einer internationalen Studie unter der Leitung von Sebastian Walther untersucht. 

Die Studie zeigt, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie im Durchschnitt eine geringere Handkraft aufweisen als gesunde Vergleichspersonen. Besonders interessant ist dabei, dass diese reduzierte Muskelkraft nicht nur während einer akuten depressiven Episode besteht, sondern auch nach überstandener Erkrankung fortbestehen kann.

Dies deutet darauf hin, dass psychische Erkrankungen möglicherweise mit längerfristigen körperlichen Veränderungen verbunden sind, die über die eigentliche Krankheitsphase hinausreichen. Die Forschenden diskutieren daher, ob die Handkraft als einfaches Warnsignal für psychische Belastungen oder auch für eine eingeschränkte körperliche Gesundheit dienen könnte.

Gleichzeitig betonen sie, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um zu klären, ob die verminderte Handkraft ursächlich mit der Erkrankung zusammenhängt oder durch Faktoren wie reduzierte Aktivität oder veränderte motorische Kontrolle entsteht.

Insgesamt legt die Studie nahe, dass ein so einfacher Test wie die Messung der Handkraft künftig helfen könnte, psychische Erkrankungen besser einzuordnen und deren körperliche Auswirkungen früher zu erkennen.

Zur Pressemeldung

Publikation: Sofie von Känel, Anastasia Pavlidou, Niluja Nadesalingam, Victoria Chapellier, Melanie G. Nuoffer, Lydia Maderthaner, Alexandra Kyrou, Alexios Malifatouratzis, Florian Wüthrich, Stephanie Lefebvre, Victor Pokorny, Zachary Anderson, Stewart A. Shankman, Vijay A. Mittal, Sebastian Walther. Transdiagnostic Patterns of Grip Strength in Schizophrenia, Current Depression, and Remitted Depression. JAMA Psychiatry. Published Online: March 18, 2026, doi: 10.1001/jamapsychiatry.2026.0144

Person hält elektronischen Manometer, andere Person misst die Zeit
Für die Studie wurden in Bern und Boston einheitliche elektronische Manometer verwendet sowie eine identische Messmethodik. Hier eine Szene aus der Schweiz. © Phil Wenger