First-in-human-Studie: PET-Tracer zeigt hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems

Bei zahlreichen Erkrankungen, zum Beispiel Herzkrankheiten, neurodegenerativen Erkrankungen und bestimmten Tumoren, sind Veränderungen in der Aktivität des sympathischen Nervensystems sichtbar, oft noch bevor es zu strukturellen Schäden kommt.

Deshalb spielt die PET-Bildgebung (PET für Posittronen-Emissions-Tomographie) mit radioaktiv markierten Stoffen, sogenannten Tracern, für die Diagnose, Prognose und Therapie dieser Erkrankungen eine zentrale Rolle. 

Die bisherigen zur Darstellung des sympathischen Nervensystems zugelassenen Tracer weisen jedoch Limitationen hinsichtlich Bildqualität, Sensitivität und diagnostischer Aussagekraft auf. 

Die Nuklearmedizin des UKW entwickelte mit [18F]Fluproxadine einen neuartigen und vielversprechenden PET-Radiotracer zur Darstellung des Noradrenalin-Transporters (NET). Das Transportprotein NET sitzt in der Zellmembran von Nervenzellen, die den Botenstoff Noradrenalin verwenden. Noradrenalin beeinflusst neben Blutdruck und Stressreaktionen auch Stimmung und Konzentration. Der Transporter bestimmt mit, wie lange und wie stark Noradrenalin wirkt. Umfassende Voruntersuchungen des Tracers in Zell- und Tiermodellen verliefen vielversprechend, sodass [18F]Fluproxadin nun im Rahmen einer internationalen Kooperation erstmals im gesunden Menschen eingesetzt wurde.

In der im “Journal Clinical Nuclear Medicine” veröffentlichten First-in-Human-Studie zeigt das Team um Prof. Dr. Takahiro Higuchi nun gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München und Partnern aus Japan, dass eine hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems beim Menschen mit [18F]Fluproxadine sicher und technisch gut möglich ist. Die Strahlenbelastung war akzeptabel, es gab keinen Hinweis auf relevante Nebenwirkungen und der Tracer verteilte sich gut und interpretierbar im Körper. Mit [18F]Fluproxadin konnte die Aktivität des sympathischen Nervensystems sehr präzise sichtbar gemacht werden. 

Weitere Informationen, auch zu den nächsten Forschungsschritten, liefert die Pressemeldung zur Studie.

Publikation: Yamane, Tomohiko; Iimori, Hitoshi; Akamatsu, Go; Ikari, Yasuhiko; Hoda, Yuki; Shimizu, Keiji; Matsumoto, Keiichi; Senda, Michio; Werner, Rudolf A.; Nose, Naoko; Chen, Xinyu; Higuchi, Takahiro. First-In-Human Evaluation of [18F]Fluproxadine for Norepinephrine Transporter PET: Biodistribution, Dosimetry, and Safety. Clinical Nuclear Medicine 51(7):p 555-564, July 2026. | DOI: 10.1097/RLU.0000000000006504

Das Team steht in weißen Kitteln und Hosen um einen PET-Scanner
Prof. Dr. Takahiro Higuchi (3. v. links) und seine Arbeitsgruppe am DZHI Würzburg. © Katrin Heyer

Prof. Dr. Takahiro Higuchi (3. v. links) und seine Arbeitsgruppe am DZHI Würzburg. © Katrin Heyer