Männchen und Weibchen lösen Schmerzen unterschiedlich auf

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Robert Blum untersuchte, wie sich neuropathische Schmerzen nach einer Nervenverletzung zurückbilden. Im Fokus stand das Spinalganglion (Dorsal Root Ganglion, DRG), eine zentrale Schaltstelle der Schmerzverarbeitung.

Dabei zeigte sich, dass die unmittelbare Reaktion auf die Verletzung bei männlichen und weiblichen Ratten weitgehend ähnlich verläuft, die Mechanismen der Schmerzrückbildung jedoch geschlechtsspezifisch sind.

Bei weiblichen Tieren blieben Immunreaktionen, insbesondere die Aktivität von Makrophagen, länger bestehen. Bei männlichen Tieren hielten dagegen Aktivierung und Kontakt der Satellitengliazellen zu den Nervenzellen länger an. Trotz dieser Unterschiede löste sich der Schmerz bei beiden Geschlechtern zum gleichen Zeitpunkt auf.

Mithilfe KI-gestützter Analysen und einer umfassenden Untersuchung der Genaktivität konnten die Forschenden zudem zeigen, dass die Schmerzrückbildung nicht einfach eine Rückkehr zum Ausgangszustand nach der Verletzung ist. Stattdessen werden neue, geschlechtsspezifische genetische Programme aktiviert. Hunderte Gene waren während der Schmerzrückbildung unterschiedlich reguliert.

Die in Cell Reports veröffentlichten Ergebnisse verdeutlichen, dass das Geschlecht in der zellulären und molekularen Schmerzbiologie eine größere Rolle spielt als bisher angenommen. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, geschlechtsspezifische Unterschiede künftig stärker in der Schmerzforschung und in der personalisierten Schmerzmedizin zu berücksichtigen.

Ausführliche Details zu dem Forschungsprojekt und wie es weitergeht finden Sie in der Pressemeldung

Publikation: Felicitas Schlott, Beate Hartmannsberger, Thorsten Bischler, Tom Gräfenhan, Alexander Brack, Heike L. Rittner, Annemarie Sodmann, Robert Blum. Sex-specific molecular and cellular phenotypes during resolution of neuropathic pain in dorsal root ganglia. Cell Reports. Volume 45, Issue 6, 2026, 117442, ISSN 2211-1247, https://doi.org/10.1016/j.celrep.2026.117442

Gewebeschnitte sehen wir Mosaik-Kunstwerke auf schwarzem Grund aus
Das Bild zeigt repräsentative Gewebeschnitte von Hinterwurzelganglien (DRG) und hebt durch Markierung und Segmentierung die große, natürliche Variabilität im Aussehen der Schnitte hervor. Neuronen sind grau, Makrophagen gelb und reaktive Satelliten-Gliazellen rot markiert - die Neuronen männlicher Tiere sind in Cyan und die Neuronen weiblicher Tiere in Magenta segmentiert. © Felicitas Schlott und Annemarie Sodmann / UKW
Grafische Zusammenfassung der Schmerzrückbildung  von Verletzung über maximalem Schmerz bis zur Schmerzauflösung - Makrophagen besetzten erst den Raum zwischen Neuron und Gliazelle, dann verlassen sie ihn wieder.
In einem Tiermodell der natürlichen Schmerzrückbildung zeigen lokale Makrophagen und Satellitengliazellen eine ausgeprägte Dynamik. Auf der hochauflösenden Aufnahme ist eine funktionelle Einheit im Spinalganglion (DRG) einer weiblichen Ratte zu sehen, bestehend aus sensorischen Neuronen (cyan), Satellitengliazellen (rot) und lokalen Makrophagen (gelb). Die Makrophagen übernehmen wichtige Aufgaben der Immunabwehr und tragen zur Regulation der Gewebeumgebung bei.
Mitglieder der AG Blum - mittig Robert Blum und Felicitas Schlott mit gebasteltem Doktorhut in der Hand
Mitglieder der AG Blum von der Neurologischen Klinik und Poliklinik am UKW anlässlich der Promotionsverteidigung von Felicitas Schlott - das Forschungsprojekt war Teil ihrer Dissertation: v.l.n.r. Dongdong Sun, Maximilian Koch (jetzt SysMed), Felicitas Schlott, Robert Blum, Annemarie Sodmann, Saskia Moritz und Niels Köhler. © privat / Felicitas Schlott

Das Bild zeigt repräsentative Gewebeschnitte von Hinterwurzelganglien (DRG) und hebt durch Markierung und Segmentierung die große, natürliche Variabilität im Aussehen der Schnitte hervor. Neuronen sind grau, Makrophagen gelb und reaktive Satelliten-Gliazellen rot markiert - die Neuronen männlicher Tiere sind in Cyan und die Neuronen weiblicher Tiere in Magenta segmentiert. © Felicitas Schlott und Annemarie Sodmann / UKW

In einem Tiermodell der natürlichen Schmerzrückbildung zeigen lokale Makrophagen und Satellitengliazellen eine ausgeprägte Dynamik. Auf der hochauflösenden Aufnahme ist eine funktionelle Einheit im Spinalganglion (DRG) einer weiblichen Ratte zu sehen, bestehend aus sensorischen Neuronen (cyan), Satellitengliazellen (rot) und lokalen Makrophagen (gelb). Die Makrophagen übernehmen wichtige Aufgaben der Immunabwehr und tragen zur Regulation der Gewebeumgebung bei.

Mitglieder der AG Blum von der Neurologischen Klinik und Poliklinik am UKW anlässlich der Promotionsverteidigung von Felicitas Schlott - das Forschungsprojekt war Teil ihrer Dissertation: v.l.n.r. Dongdong Sun, Maximilian Koch (jetzt SysMed), Felicitas Schlott, Robert Blum, Annemarie Sodmann, Saskia Moritz und Niels Köhler. © privat / Felicitas Schlott