Blockierung der Spaltung des Glykoproteins V der Blutplättchen reduziert Blutungen in Mausmodellen für MYH9-assoziierte Erkrankungen

In der in Haematologica veröffentlichten Studie untersuchten die Arbeitsgruppen von Bernhard Nieswandt und Markus Bender aus der Experimentellen Biomedizin I einen neuen therapeutischen Ansatz bei erblich bedingten Blutungsstörungen, insbesondere bei MYH9-verwandten Erkrankungen.

Die Erkrankung wird durch Mutationen im MYH9-Gen verursacht, die zu vergrößerten, funktionell eingeschränkten Blutplättchen (Thrombozyten) und einer erhöhten Blutungsneigung führen.

Bisherige Therapien zielen vor allem auf die Erhöhung der Thrombozytenzahl oder die Hemmung der Fibrinolyse ab. In dieser Arbeit präsentieren die Autoren eine alternative, Thrombozyten-spezifische, antikörperbasierte Therapieoption für die MYH9-assoziierte Erkrankung, mit der funktionelle Defizite der Hämostase gezielt korrigiert werden können. Aufbauend auf früheren Arbeiten zur Rolle des Thrombozytenrezeptors Glykoprotein V (GPV) untersuchten sie, ob die Blockade der Thrombin-vermittelten GPV-Spaltung die Hämostase verbessern kann. 

In mehreren Mausmodellen der MYH9-Erkrankung führte die Hemmung der GPV-Spaltung zu einer beschleunigten und verstärkten Fibrinbildung unter Flussbedingungen sowie zu deutlich verkürzten Blutungszeiten in vivo. Bemerkenswert ist, dass dieser Effekt unabhängig von einer Erhöhung der Thrombozytenzahl auftrat. 

Die Ergebnisse zeigen, dass die gezielte Modulation der GPV-Spaltung einen vielversprechenden, Thrombozyten-spezifischen Therapieansatz darstellt. Perspektivisch könnte dieser Ansatz nicht nur für erbliche Thrombozytenerkrankungen, sondern auch bei erworbenen Thrombozytenfunktionsstörungen klinisch relevant sein.

Publikation
Patricia Öftering, Juliane Baumann, Sarah Beck, Andreas Greinacher, Bernhard Nieswandt, Markus Bender. Blocking platelet glycoprotein V cleavage reduces bleeding in mouse models of MYH9-related disease. Haematologica. 2025 Dec 1;110(12):3099-3103.
doi: 10.3324/haematol.2025.287542

Mikroskopische Bilder aus der Publikation
Die Behandlung mit einem Anti-Glykoprotein-V-Antikörper erhöht die Fibrinbildung im Vollblut von Myh9R702C/+-Mäusen unter Flussbedingungen ex vivo. Zitriertes Vollblut wurde rekalzifiziert und bis zu 6 Minuten bei einer Scherrate von 1.000 s⁻¹ über Kollagen-/Gewebefaktor-Spots perfundiert. Die Blutproben wurden zuvor für 5 Minuten mit AF546-konjugiertem Fibrinogen sowie einem AF647-konjugierten Anti-GPIX-Derivat zur Markierung der Thrombozyten vorinkubiert. Der Maßstabsbalken entspricht 30 µm. Quelle: doi: 10.3324/haematol.2025.287542

Die Behandlung mit einem Anti-Glykoprotein-V-Antikörper erhöht die Fibrinbildung im Vollblut von Myh9R702C/+-Mäusen unter Flussbedingungen ex vivo. Zitriertes Vollblut wurde rekalzifiziert und bis zu 6 Minuten bei einer Scherrate von 1.000 s⁻¹ über Kollagen-/Gewebefaktor-Spots perfundiert. Die Blutproben wurden zuvor für 5 Minuten mit AF546-konjugiertem Fibrinogen sowie einem AF647-konjugierten Anti-GPIX-Derivat zur Markierung der Thrombozyten vorinkubiert. Der Maßstabsbalken entspricht 30 µm. Quelle: doi: 10.3324/haematol.2025.287542