Depressionen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Hausarztpraxis, aber gleichzeitig sind die Wartezeiten auf eine ambulante Psychotherapie oft monatelang. Um diese Versorgungslücke zu überbrücken, prüfte das Institut für Allgemeinmedizin in einer Studie die Machbarkeit des Psychiatrischen Kurz-Psychotherapie (PKP) Ansatzes in der hausärztlichen Versorgung. Dabei handelt es sich um strukturierte, kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientierte Sprechstundenkarten, die in kurzen Gesprächen eingesetzt werden können.
In der Studie wurden 13 Hausärztinnen und Hausärzte in einer zweistündigen Schulung in Diagnostik und Anwendung der PKP-Karten trainiert; anschließend kamen die Karten über acht Monate bei 33 Patientinnen und Patienten mit leichter bis mittelgradiger Depression zum Einsatz. Die Konsultationen dauerten im Mittel 24 Minuten (Spanne 15–38 Minuten). Vor und nach der Interventionsphase wurden die Ärztinnen und Ärzte zu Kompetenzen, Praxistauglichkeit und Erfahrungen befragt.
Die Ergebnisse sprechen für eine grundsätzlich gute Umsetzbarkeit: Nach der Anwendung fühlten sich mehr Teilnehmende sicherer in der Diagnostik und in der überbrückenden psychotherapeutischen Versorgung. Eine Mehrheit bewertete die Karten als geeignet für das hausärztliche Setting, als effizientes Werkzeug im Praxisalltag und explizit als hilfreich, um die Wartezeit bis zur ambulanten Psychotherapie zu überbrücken. Als Hürden wurden Zeitdruck und Einarbeitungsaufwand genannt, denen durch eine reduzierte Kartenauswahl zu Beginn und ergänzende Schulungsmaterialien wie zum Beispiel Videos begegnet werden könnte.
Insgesamt legen die Autorinnen nahe, dass PKP-Karten ein praxisnaher „roter Faden“ in einer gestuften Depressionsversorgung sein können. Wirksamkeit und Perspektive der Patientinnen und Patienten sollten jedoch in prospektiven Studien systematisch geprüft werden.
Publikation
Beate Deckert, Lisa-Marie Riegel, Maike Krauthausen, Yvonne Kaußner & Anne Simmenroth. Intervention mittels Kurz-Psychotherapie bei Depression: Umsetzbarkeit in der hausärztlichen Praxis. Z Allg Med 101, 429–438 (2025). https://doi.org/10.1007/s44266-025-00460-4