paper place Archiv 4. Quartal 2025

Wie Myosin die Herzfunktion steuert – neue Einblicke aus dem schlagenden Herzen

Die präzise Regulation des Motorproteins Myosin ist entscheidend für das Zusammenspiel von Kontraktion und Relaxation des Herzmuskels. Dabei übernimmt Myosin, das aus einem langen Schaft und zwei Köpfen besteht, nicht nur die Kraftentwicklung, sondern fungiert auch als mechanischer Sensor während des Herzzyklus.

Um sowohl die normale Herzfunktion als auch krankhafte Veränderungen besser zu verstehen, ist es wichtig, die dynamischen Abläufe direkt im lebenden Herzen zu untersuchen.

In dieser Arbeit hat die Translationale Forschung des DZHI gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Japan erstmals die zeitliche Regulation der Myosinköpfe - die „Greifarme“ des Myosins, die ATP in mechanische Arbeit umwandeln und so den Herzschlag antreiben - im schlagenden Herzen in vivo analysiert – und mit etablierten Modellen aus In-vitro- und Ex-vivo-Studien verglichen. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede, insbesondere bei diastolischer Dysfunktion, also wenn sich die Herzkammer in der Diastole nicht ausreichend entspannen und füllen kann, obwohl die Pumpkraft oft noch normal ist.

In der ersten Studie wurde die Aktivierung und Deaktivierung von Myosin in einem Mausmodell der ernährungsinduzierten Adipositas (fettreiche, zuckerreiche Diät) mit moderater Beeinträchtigung von Kontraktion und Relaxation untersucht. In einer zweiten Studie wurde die Myosinregulation in einem neuartigen Mausmodell der hypertrophen Kardiomyopathie untersucht, das auf einer Trunkationsmutation im sarkomerischen Gen beruht, welches für das kardiale Myosin-bindende Protein C (Mybpc3; Deletion von Exon 33) kodiert. 

Mithilfe von in vivo Small-Angle X-ray Scattering (SAXS) in Kombination mit Druck-Volumen-Analysen konnte gezeigt werden, dass die Myosinregulation innerhalb der linken Herzkammer räumlich stark variiert – über alle Schichten der Herzwand hinweg, vom Epikard bis zum Subendokard. Dabei unterschieden sich das Verhalten der Myosinköpfe sowohl in der Systole als auch in der Diastole deutlich zwischen den einzelnen Herzschichten.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Aktivierung und Deaktivierung von Myosin fein auf die mechanischen Anforderungen und die Arbeit jeder Myokardschicht abgestimmt ist. Eine regionale Fehlregulation der Myosinfilamente trägt wesentlich zu gestörter Muskelrelaxation bei und eröffnet neue Perspektiven für gezielte therapeutische Ansätze bei Herzerkrankungen.

Publikation 
James T Pearson, Mark T Waddingham, Hirotsugu Tsuchimochi, Takashi Sonobe, Nozomi Tokuhara, Kentaro Hirose, MD Junayed Nayeem, Yoshitaka Fujihara, Kohki Aoyama, Christoph Maack, Vasco Sequeira. Myosin motor dynamics and cardiac function: Insights from in vivo small-angle X-ray scattering and pressure-volume analysis. J Physiol. First published: 10 November 2025 https://doi.org/10.1113/JP287759

Antibiotika-Dosierung bei Patientinnen und Patienten mit Nierenschwäche

Das Antibiotikum Piperacillin/Tazobactam (PTZ) wird häufig bei schweren bakteriellen Infektionen eingesetzt. Weil es über die Nieren ausgeschieden wird, erhalten Betroffene mit Nierenschwäche in der Regel niedrigere Dosen. Ob diese reduzierten Mengen als übliche Kurzinfusion aber immer ausreichen, war bislang unklar.

Ein Tropf mit klarer Flüssigkeit am Krankenbett

Die Forschenden rund um Emma Dohmann und Güzin Surat bestimmten bei drei Patientengruppen mit unterschiedlich starker Nierenschwäche die Konzentration des Antibiotikums im Blut und verglichen diese Werte mit den sogenannten pharmakodynamischen Zielgrößen – also mit dem, was notwendig ist, damit das Medikament die Erreger zuverlässig hemmen kann.

Das Ergebnis: Für normale Infektionen war die Wahrscheinlichkeit, dass die empfohlene Standarddosierung ausreicht, sehr hoch – über 90 Prozent der Patientinnen und Patienten erreichten mit verabreichten Kurzinfusionen die erforderlichen Wirkstoffspiegel. Anders sah es jedoch bei schwierigen Infektionen aus, bei denen eine höhere oder dauerhaft wirksame Medikamentenkonzentration nötig ist. Hier lag die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen, unter 15 Prozent – ein Hinweis darauf, dass viele dieser Patienten möglicherweise unterdosiert sind.

Mittels Computersimulationen konnte demonstriert werden, dass eine kontinuierliche Infusion des Medikaments auch bei reduzierter Nierenleistung die anvisierten Zielwerte sicherstellen kann. Vor allem bei Patientinnen und Patienten mit einer mittleren Nierenschwäche (eGFR 30–40 ml/min) ließen sich damit deutlich bessere Werte erzielen.

„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass man bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen nicht pauschal die Antibiotikadosis senken sollte“, erklärt Letztautorin Dr. Güzin Surat, Oberärztin in der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship (AMS) und Gründerin der AMS des Netzwerks AMS-MAN. „Gerade bei schweren Infektionen kann das Risiko bestehen, dass die Konzentration des Medikaments zu niedrig ist und die Bakterien dadurch nicht vollständig abgetötet und damit unnötig Resistenzen geschürt werden.“

Publikation
Emma Dohmann, Stefan Hagel, Max Kurlbaum, Paul Schellong, Oliver Scherf-Clavel, Güzin Surat. Probability of pharmacokinetic/pharmacodynamic target attainment for different piperacillin/tazobactam dosing regimens in renally impaired patients in a non-intensive care unit setting. Br J Clin Pharmacol. 2025 Nov;91(11):3070-3081. https://doi.org/10.1002/bcp.70153

Ein Tropf mit klarer Flüssigkeit am Krankenbett
Neuer Therapieansatz bei chronischen Wunden: Probiotische Bakterien zeigen vielversprechende Ergebnisse

Chronische Wunden sind ein wachsendes Gesundheitsproblem: In Deutschland leiden bereits ein bis zwei Millionen Menschen an schlecht heilenden Wunden – Tendenz steigend. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa, das durch die Bildung eines schützenden Biofilms die Heilung zusätzlich hemmt.

Aufnahme einer chronischen Wunde vor der Behandlung und 10 Tage später, in denen die Wunde mit Milchsäurebakterien behandelt wurde.
Milchsäurebakterien fördern die Wundheilung tragen zur Beseitigung von Pseudomonas aeruginosa bei, ohne Resistenzen zu begünstigen

Forscherinnen und Forscher der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie haben nun einen vielversprechenden Ansatz gefunden, um dieses widerstandsfähige Bakterium zu bekämpfen. 

Zwei ältere Patientinnen und Patienten mit lang bestehenden, infizierten Wunden wurden zusätzlich zur Standardbehandlung mit einem Lactobacillus-haltigen Pulver behandelt. Bereits nach wenigen Tagen verbesserten sich Geruch und Belag der Wunden deutlich, und nach ein bis zwei Wochen zeigte sich neues, gesundes Gewebe. In Kontrollabstrichen war Pseudomonas aeruginosa nicht mehr nachweisbar. Die Behandlung wurde gut vertragen, Nebenwirkungen traten nicht auf. Auch bei weiteren Patientinnen und Patienten konnten ähnliche Verbesserungen beobachtet werden.

„Milchsäurebakterien können schädliche Keime wie Pseudomonas aeruginosa schwächen, indem sie deren Biofilme stören, Entzündungen reduzieren und Zellen der Wundheilung aktivieren“, erklärt Dr. Tassilo Dege, Erstautor der im Journal of the American Academy of Dermatology veröffentlichten Fallbeobachtung. 

Labormodelle mit menschlicher Haut bestätigten diese Ergebnisse: Lactobazillen schwächen den Biofilm der Pseudomonas-Bakterien, stören deren Kommunikation und fördern gleichzeitig die Aktivität von Keratinozyten und Fibroblasten – zentrale Zellen der Wundheilung. Auch in Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass Stoffwechselprodukte der Lactobazillen die Bakterienzahl und Entzündung in der Wunde reduzieren. 

Die Anwendung probiotischer Bakterien könnte sich also künftig als wirksame und sichere Ergänzung in der Behandlung chronischer Wunden etablieren – ein Schritt hin zu einer heilungsfördernden, resistenzfreien Therapie.

Weitere klinische Studien sollen nun klären, wie sich dieser innovative Ansatz in der Praxis bewährt.

Details zum Fallbeispiel liefert die Pressemeldung

Publikation: Tassilo Dege, Andreas Kerstan, Matthias Goebeler, Astrid Schmieder. Clinical pearl: Topical Lactobacillus application to disrupt Pseudomonas aeruginosa biofilms and promote healing in chronic wounds, Journal of the American Academy of Dermatology, 2025, ISSN 0190-9622, https://doi.org/10.1016/j.jaad.2025.12.071

Aufnahme einer chronischen Wunde vor der Behandlung und 10 Tage später, in denen die Wunde mit Milchsäurebakterien behandelt wurde.
Milchsäurebakterien fördern die Wundheilung tragen zur Beseitigung von Pseudomonas aeruginosa bei, ohne Resistenzen zu begünstigen
Wie eine Nickelallergie auf Zellebene beginnt

Trotz vieler Vorsorgemaßnahmen* in den letzten 20 Jahren zählt die Kontaktallergie auf das Metall Nickel weiterhin zu den relevanten Volkskrankheiten. In Europa, China und Nordamerika hat Nickelallergie nach wie vor eine Inzidenz von über zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Graphical Abstract der Untersuchungen
Mithilfe von scRNA-Seq wurden die Zelltypen untersucht, die die frühen und späten Entzündungsreaktionen bei der Ni2+-Allergie beim Menschen vermitteln. Die frühe Reaktionsfähigkeit wurde hauptsächlich durch TLR4+TAGLN−-Endothelzellen vermittelt, die indirekt TLR4−KRT16+ Keratinozyten und CCR7+DCN+ DCs aktivierten. Die späte Reaktionsfähigkeit wurde entscheidend durch die Infiltration von KLF2+ zentralen Gedächtnis-T-Zellen und TLR4+CD163+CCR7− DC3-Zellen vorangetrieben. CCR7 = C-C-Chemokinrezeptor Typ 7; DC = dendritische Zellen; EC = Endothelzellen; IF, Immunfluoreszenz; KC =Keratinozyten; KLF2 = Krüppel-like Faktor 2; Ni2+ = Nickel; scRNA-Seq = Einzelzell-RNA-Sequenzierung; SELL = L-Selektin; TAGLN = Transgelin; TCM = zentrale Gedächtnis-T-Zelle; Th = T-Helferzelle; TLR4 = Toll-like-Rezeptor 4. Aus: M. Schmidt, A. Knorz, K. Meder, et al., “ Single Cell Analysis Reveals Dynamic Changes of Distinct Cell Populations in Human Nickel Allergy,” Allergy (2025): 1–11, https://doi.org/10.1111/all.70108. Reproduziert im Einklang mit den Copyright Richtlinien des Verlags.

Damit sich eine Nickelallergie entwickelt, müssen im Körper zwei Schritte ablaufen. Zunächst reagiert das angeborene Immunsystem innerhalb weniger Stunden nach dem ersten Hautkontakt mit Nickel. Das geschieht unbemerkt und ohne sichtbare Symptome. Nickelionen binden dabei an den Oberflächenrezeptor Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4), ein bestimmter „Frühwarnsensor“ der Immunabwehr in der Haut. In einem zweiten Schritt bildet das Immunsystem unter Vermittlung antigenpräsentierender dendritischer Zellen (DC) sogenannte „T-Killer-Zellen“. Diese nickelspezifischen Abwehrzellen sorgen im Zusammenspiel mit anderen Immunzellen dafür, dass es zwei bis drei Tage nach dem Kontakt zu einer allergischen Reaktion kommt. Typische Symptome sind dann ein stark juckender Hautausschlag mit Rötungen, Schwellungen und kleinen Bläschen.

Bislang war unklar, welche residenten Zelltypen der Haut an der frühen Aktivierung des angeborenen Immunsystems beteiligt sind und ob eventuell in der Haut verbliebene nickel-spezifische T-Gedächtniszellen in nickel-sensibilisierten Patienten direkt zum Entzündungsgeschehen beitragen.

In einer aktuellen Studie hat ein Forschungsteam um Prof. Dr. Marc Schmidt Einzelzellisolate aus Hautbiopsien von nickel-sensibilisierten Patientinnen und Patienten untersucht. Die Hautproben wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach einem Nickelkontakt entnommen. Dabei zeigte sich, dass in der frühen Phase vor allem TLR4-positive Endothelzellen eine wichtige Rolle spielen. Diese Zellen setzen einen entzündungsfördernden Botenstoff (Interleukin-6) frei, der die Immunreaktion durch sekundäre Aktivierung suprabasaler Keratinozyten in der Epidermis weiter verstärkt. Gleichzeitig werden nach und nach weitere Haut- und Immunzellen aktiviert (zunächst nickel-spezifische DCN/CCL21-positive, dann TLR4/CD14/CD163-positive DC-Populationen). Im späteren Verlauf wandern spezielle Gedächtniszellen des Immunsystems (nickel-spezifische, zentrale KLF2/CCR7/SELL-positive T Gedächtniszellen) aus dem Blut in die Haut ein. Dort entwickeln sie sich zu aggressiven T-Killer-Zellen, die schließlich die typischen Beschwerden der Nickelallergie auslösen.

Die Ergebnisse der Studie helfen, das Zusammenspiel der beteiligten Zellen bei der Nickelallergie besser zu verstehen. Langfristig könnten sie dazu beitragen, neue Möglichkeiten zur Vorbeugung oder Behandlung von Nickelallergien und ähnlichen allergischen Hautreaktionen zu entwickeln.

* Die Verwendung von Nickel ist inzwischen stark reguliert, besonders bei Produkten, die direkten Hautkontakt haben wie Modeschmuck und Piercings. Seit Juli 2025 gelten auch neue EU-weite Höchstgehalte für Nickel in bestimmten Lebensmitteln wie Nüssen, Schokolade und Säuglingsnahrung. 

Publikation:
Marc Schmidt, Andrea Knorz, Katharina Meder, Simon Goller, Fabian Imdahl, Yamila Rocca, Matthias Goebeler, Pierre Khoueiry “ Single Cell Analysis Reveals Dynamic Changes of Distinct Cell Populations in Human Nickel Allergy,” Allergy (2025): 1–11, https://doi.org/10.1111/all.70108.

Graphical Abstract der Untersuchungen
Mithilfe von scRNA-Seq wurden die Zelltypen untersucht, die die frühen und späten Entzündungsreaktionen bei der Ni2+-Allergie beim Menschen vermitteln. Die frühe Reaktionsfähigkeit wurde hauptsächlich durch TLR4+TAGLN−-Endothelzellen vermittelt, die indirekt TLR4−KRT16+ Keratinozyten und CCR7+DCN+ DCs aktivierten. Die späte Reaktionsfähigkeit wurde entscheidend durch die Infiltration von KLF2+ zentralen Gedächtnis-T-Zellen und TLR4+CD163+CCR7− DC3-Zellen vorangetrieben. CCR7 = C-C-Chemokinrezeptor Typ 7; DC = dendritische Zellen; EC = Endothelzellen; IF, Immunfluoreszenz; KC =Keratinozyten; KLF2 = Krüppel-like Faktor 2; Ni2+ = Nickel; scRNA-Seq = Einzelzell-RNA-Sequenzierung; SELL = L-Selektin; TAGLN = Transgelin; TCM = zentrale Gedächtnis-T-Zelle; Th = T-Helferzelle; TLR4 = Toll-like-Rezeptor 4. Aus: M. Schmidt, A. Knorz, K. Meder, et al., “ Single Cell Analysis Reveals Dynamic Changes of Distinct Cell Populations in Human Nickel Allergy,” Allergy (2025): 1–11, https://doi.org/10.1111/all.70108. Reproduziert im Einklang mit den Copyright Richtlinien des Verlags.
Resistenzhemmung beim schwarzen Hautkrebs mittels ERK5 Inhibition

Das Melanom, auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt, ist die tödlichste Form von Hautkrebs. Wie die meisten Krebsarten, sind diese Tumoren widerstandsfähig und finden oft „Hintertüren“, um die Wirkung von Medikamenten zu umgehen, wodurch sie behandlungsresistent werden.

Marc Schmidt steht in einem weißen Kittel in seinem Büro
Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Marc Schmidt.

In einer in Cell Death & Disease veröffentlichten Studie untersuchten Forschende der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Marc Schmidt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie eine dieser „Hintertüren“, die durch den stressaktivierten MEK5/ERK5-Signalweg vermittelt wird. Dieser Signalweg steuert unter therapeutischer Anwendung zielgerichteter Therapien die Funktion zentraler Proteine, die am Überleben und der Teilung der Tumorzellen beteiligt sind. Durch die Blockierung dieses Signalwegs - in Kombination mit gängigen zielgerichteten Therapien– wird eine „Notbremse“ aktiviert. Dadurch werden die Krebszellen in einem Zustand gefangen, in dem sie sich nicht mehr teilen können. 

Diese Erkenntnisse könnten für zukünftige Melanomtherapien von großer Bedeutung sein. Durch die Kombination bestehender Medikamente mit neuen Inhibitoren des MEK5/ERK5 Signalwegs könnten Therapieresistenzen effektiv vermieden und zielgerichtete Therapien neuen Patientengruppen zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus könnte der Ansatz auch Patienten mit bestehender Behandlungsresistenz bessere Überlebenschancen bieten.

Publikation:
Rupesh Paudel, Simon Goller, Felix Deutzmann, Alina Gillitzer, Katharina Meder, Andrea Knorz, David Schrama, Matthias Goebeler & Marc Schmidt. MEK5/ERK5 inhibition sensitizes NRAS-mutant melanoma to MAPK-targeted therapy by preventing Cyclin D/CDK4-mediated G1/S progression. Cell Death Dis 16, 689 (2025). https://doi.org/10.1038/s41419-025-08036-7

Marc Schmidt steht in einem weißen Kittel in seinem Büro
Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Marc Schmidt.
Telemedizin auf Intensivstationen: Großer Forschungsbedarf trotz Potenzial

Telemedizinische Konzepte – etwa die Fernüberwachung von Patientinnen und Patienten, digitale Datenübertragung und die Beratung durch Spezialisten aus der Ferne – gelten als wichtige Bausteine, um den Herausforderungen steigender Patientenzahlen, zunehmender Spezialisierung und Fachkräftemangel gerecht zu werden.

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) im Rahmen des vom Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) geförderten Projekts UTN (Universitäres Telemedizin-Netzwerk) zeigt: Telemedizin auf Intensivstationen hat zwar ein erhebliches Potenzial, doch die wissenschaftliche Evidenz für konkrete patientenrelevante Vorteile ist bislang nicht eindeutig belegt 

In der in PLOS Digital Health veröffentlichten Übersichtsarbeit wurden 26 kontrollierte Studien mit über zwei Millionen intensivmedizinischen Fällen analysiert. Dabei zeigte sich, dass die vorhandenen Studien hinsichtlich Methodik, untersuchter Modelle und Messgrößen sehr unterschiedlich sind, sodass eine quantitative Zusammenfassung (Meta-Analyse) nicht möglich war. Wichtige Fragen – etwa zu Auswirkungen auf Sterblichkeit, Aufenthaltsdauer oder Lebensqualität – bleiben daher offen. 

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass nicht nur die technische Umsetzung, sondern vor allem methodisch hochwertige, patientenzentrierte Studien benötigt werden, um den wirklichen Nutzen der Tele-Intensivmedizin zu klären und die effektivsten Modelle zu identifizieren. 

Weitere Informationen, auch zur Expertise in Tele-Intensivmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie liefert die Pressemeldung

Publikation
Tamara Pscheidl, Carina Benstoem, Kelly Ansems, Lena Saal-Bauernschubert, Anne Ritter, Ana-Mihaela Zorger, Karolina Dahms, Sandra Dohmen, Eva Steinfeld, Julia Dormann, Claire Iannizzi, Nicole Skoetz, Heidrun Janka, Maria-Inti Metzendorf, Carla Nau, Miriam Stegemann, Patrick Meybohm, Falk von Dincklage, Sven Laudi, Falk Fichtner, Stephanie Weibel. Telemedicine in adult intensive care: A systematic review of patient-relevant outcomes and methodological considerations. PLOS Digit Health. 2025 Dec 15;4(12):e0001126. https://doi.org/10.1371/journal.pdig.0001126

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW
Ursachen der präoperativen Anämie

Eine Anämie, umgangssprachlich auch Blutarmut genannt, schwächt den Körper bereits im Normalzustand. Während einer Operation steht der Körper zusätzlich unter Stress, sodass das Risiko für Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Probleme und Infektionen steigt.

Eine Schwester nimmt einem Patienten Blut ab.
Jeder Dritte, der sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterzieht, leidet unter Blutarmut. © Daniel Peter / UKW

Da die Organe und das Gewebe schlechter mit Sauerstoff versorgt werden, verzögert sich auch die Wundheilung. Schließlich benötigen anämische Patientinnen und Patienten häufiger Bluttransfusionen, was weitere Risiken birgt.

Oft wird Eisenmangel als Hauptgrund für diese Blutarmut angesehen. Deshalb beschränkt sich die präoperative Behandlung im Rahmen des „Patient Blood Managements“ bisher auf die Gabe von Eisenpräparaten. Das Auffüllen der Eisenspeicher fördert die Bildung neuer Blutzellen, verbessert die Sauerstoffversorgung und verringert den Transfusionsbedarf.

Tatsächlich kann eine Anämie jedoch viele verschiedene Ursachen haben. Um diese besser zu verstehen und die Behandlung gezielter zu gestalten, wurde in der internationalen, multizentrischen, prospektiven ALICE-Studie untersucht, wie häufig Anämie vor größeren Operationen auftritt und welche Gründe dafür verantwortlich sind.

Ergebnis: Von den 2.830 Patientinnen und Patienten aus 79 Krankenhäusern in 20 Ländern auf fünf Kontinenten hatte jeder Dritte eine Anämie. Mehr als die Hälfte von ihnen (55,2 Prozent) wies einen Eisenmangel auf, 7,7 Prozent einen Vitamin-B12-Mangel, 14,5 Prozent einen Folsäuremangel und 8,7 Prozent eine chronische Nierenerkrankung. Zudem zeigte sich, dass eine präoperative Anämie das Risiko für Bluttransfusionen um das Dreifache, die Komplikationsrate um das Zweieinhalbfache und die Sterblichkeit um das Fünffache erhöht.

Die Autoren sind sich einig, dass es entscheidend für die Zukunft ist, eine präoperative Anämie, die mit einer so hohen Häufigkeit auftritt und einen erheblichen Einfluss auf das operative Ergebnis hat, nicht mehr zu ignorieren. Zudem müsse neben dem Eisenmangel auch ein Vitamin-B12- und Folsäuremangel diagnostisch und therapeutisch berücksichtigt werden.

Zur Pressemeldung 

Publikation: 
Suma Choorapoikayil, David M. Baron, Donat R. Spahn, Sigismond Lasocki, Daniela Boryshchuk, Lusine Yeghiazaryan, Martin Posch, Elvira Bisbe, Philipp Metnitz, Martin Reichmayr, Kai Zacharowski, Patrick Meybohm; German Society of Anaesthesiology and Intensive Care (GSAIC) Trials Group; SFAR research network; Supportive Anaesthesia Trainee-led Audit and Research Network (SATURN); ALICE study collaborators (2025). The aetiology and prevalence of preoperative anaemia in patients undergoing major surgery (ALICE): an international, prospective, observational cohort study. Lancet Glob Health. 2025 Dec;13(12):e2041-e2050

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Eine Schwester nimmt einem Patienten Blut ab.
Jeder Dritte, der sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterzieht, leidet unter Blutarmut. © Daniel Peter / UKW