paper place Archiv 4. Quartal 2025

Hoher Verbesserungsbedarf bei der Umsetzung von Opioid-Empfehlungen

Palliativdienste in Krankenhäusern können Menschen mit schweren, fortgeschrittenen Erkrankungen helfen, indem sie die Einnahme starker Schmerzmittel (sogenannte WHO-Stufe-III-Opioide) empfehlen oder diese verordnen.

Tür des Zentrums für Palliativmedizin mit Aufschrift und Logo

Privatdozentin Dr. Carmen Roch, kommissarische leitende Oberärztin der Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), hat gemeinsam mit einem Team der Comprehensive Cancer Center Allianz WERA untersucht, ob und wie diese Empfehlungen deutschlandweit umgesetzt werden.

Von den 85 kontaktierten Palliativdiensten nahmen 39 vollständig an der Online-Befragung teil. Die Mehrheit der Dienste gab Opioid-Empfehlungen ab, während nur ein kleiner Teil selbst Opioide verschrieb. Über die Hälfte der Befragten berichtete von einem hohen bis sehr hohen Verbesserungsbedarf bei der Umsetzung der Empfehlungen. Häufige Probleme waren, dass die Empfehlungen gar nicht umgesetzt wurden, die Dosis zu niedrig gewählt wurde oder wichtige Medikamente gegen Nebenwirkungen fehlten.

Als Hauptursache wurde die mangelnde Erfahrung bzw. die Zurückhaltung des Stationspersonals gegenüber der Opioidtherapie genannt. Weiterer Verbesserungsbedarf bestand insbesondere bei der systematischen Symptombewertung, dem Einsatz von Bedarfsmedikation, der Kontinuität der Opioidtherapie bei Entlassung sowie in der Sterbephase. Palliativdienste mit reiner Empfehlungsfunktion meldeten signifikant häufiger Abweichungen und einen höheren Verbesserungsbedarf als Dienste mit eigener Verschreibungskompetenz.

Die Studie zeigt, dass es erhebliche Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit zwischen Palliativdiensten und Stationsteams gibt. Gezielte Schulungen könnten dabei helfen, die Empfehlungen besser umzusetzen und Schmerzen sowie andere Symptome effektiver zu lindern.

Publikation
Evelyn Mueller, Susanne Gahr, Annette Schnell, Eva Schildmann, Christopher Boehlke, Carmen Roch. Challenges in opioid therapy implementation: national survey of palliative care consultation services. BMC Palliat Care 24, 262 (2025). https://doi.org/10.1186/s12904-025-01921-0

Tür des Zentrums für Palliativmedizin mit Aufschrift und Logo
Unterschiedliche Epitope stehen im Zusammenhang mit klinischen Phänotypen bei Autoimmun-Nodopathien

Autoimmun-Nodopathien sind autoantikörpervermittelte Unterformen der Immunneuropathien, die mit einer schweren sensomotorischen Polyneuropathie einhergehen.

Mikroskopische Bilder aus der Publikation
Verschiedene Patientenseren zeigen eine unterschiedliche Bindung zu Mutationen mit ganzer oder teilweise Deletion der Ig-Domäne von Contactin-1. (Figure 3 aus Grüner et al., Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm, 2025).

Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt sind, was zum Beispiel Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Muskelschwäche meist an Händen und Füßen verursacht.

Patientinnen und Patienten, die Anti-Contactin-1-Autoantikörper bilden, leiden häufig zusätzlich an einer Glomerulonephritis, eine entzündliche Erkrankung der Nieren, bei der die feinen Filtereinheiten (Glomeruli) geschädigt werden, sodass unter anderem Eiweiß oder Blut in den Urin gelangen und die Nierenfunktion beeinträchtigt sein kann. Auch Diabetes mellitus tritt bei ihnen gehäuft auf. Die unterschiedlichen klinischen Verläufe und Begleiterkrankungen könnten auf verschiedene Epitope der zugrunde liegenden Autoantikörper zurückzuführen sein. Epitope sind Molekülabschnitte, an denen das Immunsystem gezielt bindet. 

In dieser Studie untersuchten die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Carmen Villmann (Institut für klinische Neurobiologie), Prof. Dr. Kathrin Doppler (Neurologische Klinik) und Dr. Hans Maric (Rudolf-Virchow-Zentrum) über Bindung an Deletionsmutanten und Peptid-Microarrays, ob verschiedene Epitope mit bestimmten klinischen Phänotypen assoziiert sind. Die Forschenden fanden heraus, dass dies tatsächlich der Fall ist. Die Studie zeigt, dass die Erkrankung heterogener ist als bislang angenommen. Das Vorliegen verschiedener Epitope innerhalb der Erkrankung deutet auf verschiedene Auslöser der Autoimmunreaktion und verschiedene Effekte der Autoantikörper im Gewebe hin. Die Bestimmung der Epitope könnte somit ein Prognosefaktor für die Erkrankung des einzelnen Patienten sein. 

Publikation
Julia Grüner, Ivan Talucci, Carolin Kurth, Markus Bayer, Luise Appeltshauser, Andreas Steinbrecher, Liis Väli, Sabine Ulrike Vay, Alexander Grimm, Mario Fuchs, Albrecht Günther, Christian Geis, Claudia Sommer, Hans Michael Maric, Carmen Villmann, Kathrin Doppler. Distinct Epitopes Are Associated With Clinical Phenotypes in Autoimmune Nodopathies With Anti-Contactin1 Autoantibodies. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm. 2026 Jan;13(1):e200507. doi: 10.1212/NXI.0000000000200507. Epub 2025 Nov 17. PMID: 41248448; PMCID: PMC12624422.
Zur Publikation

Mikroskopische Bilder aus der Publikation
Verschiedene Patientenseren zeigen eine unterschiedliche Bindung zu Mutationen mit ganzer oder teilweise Deletion der Ig-Domäne von Contactin-1. (Figure 3 aus Grüner et al., Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm, 2025).
Second Hit-Hypothese bei Dystonie: Wie und warum Bewegungsstörungen entstehen

Bei dieser Dystonie ziehen sich die Muskeln unwillkürlich zusammen und der Körper nimmt ungewöhnliche Haltungen ein. Manche Menschen haben eine genetische Veranlagung für diese Bewegungsstörung, aber nicht alle mit diesen Genen entwickeln tatsächlich eine Dystonie.

Lisa Harder-Rauschenberger und Chi Wang Ip stehen in der Bibliothek der Neurologie vor einem Bücherregal und schauen in die Kamera.
Dr. Lisa Harder-Rauschenberger und Prof. Chi Wang Ip von der Neurologischen Klinik und Poliklinik haben im Journal „Movement Disorders“ einen Übersichtsartikel über die Rolle peripherer Nerventraumen und Rückenmarksverletzungen als Auslöser einer Dystonie veröffentlicht.

Deshalb vermuten Forschende – allen voran Dr. Lisa Harder-Rauschenberger und Prof. Dr. Chi Wang Ip aus der Neurologischen Klinik und Poliklinik des UKW – dass zusätzlich ein „zweiter Auslöser“ nötig ist, damit die Krankheit entsteht. 

In ihrem Übersichtsartikel, der im Journal „Movement Disorders“ erschienen ist, fassen sie die aktuelle Forschung zusammen, die zeigt, dass Verletzungen von Nerven oder des Rückenmarks ein solcher zweiter Auslöser sein könnten. Solche Schädigungen verändern nicht nur das betroffene Gewebe, sondern auch die Art und Weise, wie Gehirn, Rückenmark und peripheres Nervensystem miteinander kommunizieren. Dabei spielt das Immunsystem eine wichtige Rolle und es kommt zu Umbauprozessen im Nervensystem. Diese sollen eigentlich dabei helfen, die Verletzung zu kompensieren. Manche dieser Veränderungen können jedoch dazu führen, dass sich Bewegungsabläufe dauerhaft verändern und eine Dystonie ausgelöst oder verschlimmert wird. Harder-Rauschenberger und Ip heben zukünftige Herausforderungen und potenzielle therapeutische Implikationen dystonieauslösender Nerven- und Rückenmarksverletzungen hervor. Ein besseres Verständnis des Zusammenspiels zwischen Nervenverletzung, Rückenmarksverletzung, Neuroinflammation und Dystonie könnte den Weg für neue therapeutische Strategien ebnen. 

Hier geht es zum Interview mit der Autorin Dr. Lisa Harder-Rauschenberger und dem Autor Prof. Dr. Chi Wang Ip zur Rolle von peripheren Nerventraumen und Rückenmarksverletzungen als Auslöser einer Dystonie. 

Publikation:
Lisa Harder-Rauschenberger, Chi Wang Ip. The Second Hit Hypothesis in Animal and Human Dystonia: The Role of Peripheral Nerve Trauma and Spinal Cord Injury. Movement Disorders. October 2025. https://doi.org/10.1002/mds.70087

Lisa Harder-Rauschenberger und Chi Wang Ip stehen in der Bibliothek der Neurologie vor einem Bücherregal und schauen in die Kamera.
Dr. Lisa Harder-Rauschenberger und Prof. Chi Wang Ip von der Neurologischen Klinik und Poliklinik haben im Journal „Movement Disorders“ einen Übersichtsartikel über die Rolle peripherer Nerventraumen und Rückenmarksverletzungen als Auslöser einer Dystonie veröffentlicht.
Multiples Myelom: Empfehlungen, wie neuartigen Therapien am besten in die derzeitige Behandlungslandschaft integriert werden können

Die Behandlungslandschaft für stark vorbehandelte rezidivierte/refraktäre Multiple Myelom-Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren mit der Einführung neuartiger BCMA- und GPRC5D-gerichteter Immuntherapien, darunter CAR-T-Zell-Therapie, bispezifische Antikörper (BsAbs) und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), erheblich verändert.

Abbildung zu den Entscheidungsfaktoren für die Wahl der Behandlung bei Multiplem Myelom
Die Wahl der Behandlung beim Multiplen Myelom richtet sich nach patientenbezogenen Faktoren, Krankheitsmerkmalen, Patientenpräferenzen, vorherigen Therapien, Verfügbarkeit von Medikamenten und den Auswirkungen der vorherigen Behandlung auf die nachfolgende Therapie. HemaSphere, Volume: 9, Issue: 11, First published: 25 November 2025, DOI: (10.1002/hem3.70260)

Die Auswahl und Reihenfolge der Behandlungen wird angesichts der Vielzahl therapeutischer Optionen immer komplexer. 

In dieser Übersicht gibt das European Myeloma Network mit Würzburger Beteiligung Empfehlungen dazu, wie diese neuartigen Therapien unter Verwendung aktueller Erkenntnisse am besten in die derzeitige Behandlungslandschaft integriert werden können. 

Die optimale Behandlungssequenz hängt von verschiedenen patienten- und tumorbezogenen Merkmalen, aber auch von Fragen der Kostenerstattung und Verfügbarkeit ab. Darüber hinaus bestimmen die Mechanismen, die einer Rückfallerkrankung zugrunde liegen (z. B. Antigenverlust, verminderte T-Zell-Fitness oder Auswachsen von T-Zell-resistenten Klonen), die Wirksamkeit einer sequenziellen BCMA- oder GPRC5D-gerichteten Immuntherapie.

BCMA-gerichtete BsAbs und ADCs sollten vorzugsweise vor einer CAR-T-Zelltherapie vermieden werden, da einige Studien gezeigt haben, dass diese Wirkstoffe die klinischen Ergebnisse nach einer CAR-T-Zelltherapie negativ beeinflussen. Daher empfehlen die Autorinnen und Autoren, zunächst eine CAR-T-Zelltherapie zu wählen und BsAbs und/oder Belamaf erst später im Krankheitsverlauf einzusetzen, wenn die Patientinnen und Patienten für eine CAR-T-Zelltherapie in Frage kommen und diese innerhalb kurzer Zeit verfügbar ist. Eine Überbrückungstherapie mit GPRC5D-gerichteten BsAbs (Beginn nach Apherese) kann jedoch in Betracht gezogen werden, um die Tumorlast deutlich zu reduzieren, da sich dadurch die Wirksamkeit einer anschließenden BCMA-gerichteten CAR-T-Zelltherapie verbessern lässt. 

Eine sequenzielle Behandlung mit Wirkstoffen, die auf dasselbe Antigen abzielen, aber unterschiedliche Wirkmechanismen haben, ist zwar möglich, mehrere Studien haben jedoch gezeigt, dass ein Zielwechsel eine wirksamere Strategie ist. Darüber hinaus gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit der sequenziellen Anwendung von BsAbs durch die Schaffung eines BsAb-freien Intervalls verbessert werden kann.

Publikation 
van de Donk, N. W. C. J., Moreau, P., San-Miguel, J. F., Mateos, M. V., Dimopoulos, M. A., Zweegman, S., Gay, F., Engelhardt, M., Mina, R., Zamagni, E., Delforge, M., Beksac, M., Spencer, A., Schjesvold, F., Driessen, C., Kaiser, M., Perrot, A., Wäsch, R., Korst, C. L. B. M., Broijl, A., … EMN Guidelines Committee (2025). Sequencing BCMA- and GPRC5D-targeting immunotherapies in multiple myeloma: Practical guidance from the European Myeloma Network. HemaSphere9(11), e70260. https://doi.org/10.1002/hem3.70260

 

Abbildung zu den Entscheidungsfaktoren für die Wahl der Behandlung bei Multiplem Myelom
Die Wahl der Behandlung beim Multiplen Myelom richtet sich nach patientenbezogenen Faktoren, Krankheitsmerkmalen, Patientenpräferenzen, vorherigen Therapien, Verfügbarkeit von Medikamenten und den Auswirkungen der vorherigen Behandlung auf die nachfolgende Therapie. HemaSphere, Volume: 9, Issue: 11, First published: 25 November 2025, DOI: (10.1002/hem3.70260)
Neue Biomarker helfen, Risiken nach CAR-T-Therapie vorherzusagen

Schwere Nebenwirkungen wie Blutbildungsstörungen und Infektionen sind die Hauptursachen für Todesfälle nach einer CAR-T-Therapie, die nicht durch einen Rückfall verursacht werden.

Grafischer Abstrakt aus der Publikation
Eine gestörte Endothelfunktion und ein überaktiviertes Immunsystem erhöhen das Risiko für Komplikationen nach CAR-T-Therapie. Hohe Werte von sVCAM-1 und sIL-2R vor der Behandlung gehen mit schlechterer Überlebensrate, verzögerter Erholung der weißen Blutkörperchen und häufigeren schweren Infektionen einher und können helfen, das Risiko individuell einzuschätzen. Quelle: doi: 10.1002/hem3.70267

In einer Studie des UKW, des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI und des Universitätsklinikums Leipzig wurden 78 Patienten vor und kurz nach der CAR-T-Infusion untersucht, um Biomarker zu finden, die solche Risiken vorhersagen können. Diese wurde im Fachjournal Hemasphere veröffentlicht.

Es zeigte sich, dass eine gestörte Funktion des Gefäßsystems (Endothel) und ein überaktiviertes Immunsystem besonders wichtige Risikofaktoren sind. Patientinnen und Patienten mit erhöhten Werten der Marker sVCAM-1 und sIL-2R vor der Therapie hatten eine schlechtere Überlebensrate, eine verzögerte Erholung der weißen Blutkörperchen, häufiger schwere Infektionen und die CAR-T-Zellen vermehrten sich im Körper weniger gut. Die Ergebnisse zeigen, dass diese beiden Marker unabhängig von anderen klinischen Faktoren genutzt werden können, um das Risiko für Komplikationen besser einzuschätzen.

Die Studie ist Teil der Arbeit des europäischen IMI imSAVAR-Konsortiums und bringt das Team einen Schritt näher daran, die Sicherheit neuer Immuntherapien weiter zu verbessern.

Publikation: 
Scheller L, Zhou X, Loeffler-Wirth H, Kreuz M, Kadel SK, Schimanski S, Schulze H, Ruckdeschel A, Eisele F, Konetzki V, Jornet Culubret M, Merz M, Mersi J, Waldschmidt J, Danhof S, Köhl U, Kortüm KM, Rasche L, Einsele H, Düll J, Topp MS, Hudecek M, Reiche K, Alb M. Endothelial dysfunction and proinflammatory state determine severe hematotoxicity and inferior outcome of CAR-T therapy. Hemasphere. 2025 Dec 8;9(12):e70267. doi: 10.1002/hem3.70267. PMID: 41368079; PMCID: PMC12684805.
Zur Publikation

Grafischer Abstrakt aus der Publikation
Eine gestörte Endothelfunktion und ein überaktiviertes Immunsystem erhöhen das Risiko für Komplikationen nach CAR-T-Therapie. Hohe Werte von sVCAM-1 und sIL-2R vor der Behandlung gehen mit schlechterer Überlebensrate, verzögerter Erholung der weißen Blutkörperchen und häufigeren schweren Infektionen einher und können helfen, das Risiko individuell einzuschätzen. Quelle: doi: 10.1002/hem3.70267
Einzelzell-Atlas zur Vorhersage von Erfolg und Nebenwirkungen der BCMA-CAR-T-Therapie

CAR-T-Zelltherapien, die auf das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) abzielen, verändern die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit erneut auftretendem oder schwer behandelbarem Multiplen Myelom (RRMM) grundlegend.

Grafischer Abstrakt aus Publikation
CAR-T-Zelltherapien gegen BCMA zeigen bei Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbarem Multiplen Myelom unterschiedliche Wirksamkeit. Cilta-cel führt häufiger zu vollständigen Remissionen aufgrund der Vermehrung bestimmter CAR-T-Zellsubpopulationen, die sowohl für den Therapieerfolg als auch für Nebenwirkungen wichtig sind. Die Ergebnisse geben neue Einblicke, wie diese Therapien wirken und wie ihre Sicherheit verbessert werden könnte. Quelle: doi: 10.1016/j.ccell.2025.10.014

In einer Studie des Uniklinikums Leipzig mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI und der Uniklinik Würzburg mit 61 Patientinnen und Patienten, die entweder idecabtagene vicleucel (Ide-cel) oder ciltacabtagene autoleucel (Cilta-cel) erhielten, wurde mittels Einzellzellsequenzierung zu mehreren Zeitpunkten vor und nach der CAR-T Zelltherapie das Therapieansprechen untersucht. Hier zeigte sich, dass Cilta-cel deutlich bessere Behandlungsergebnisse erzielt: Mehr Patientinnen und Patienten erreichten eine vollständige Remission und die Zeit ohne Krankheitsfortschreiten war länger. Die Studie wurde in Cancer Cell (Cell Press) veröffentlicht.

Analysen einzelner Blutzellen zeigten, dass Cilta-cel mit einer Vermehrung spezieller CD4+ CAR-T-Zellen einhergeht, die sowohl mit einem guten Therapieergebnis als auch mit immunbedingten Nebenwirkungen verbunden sind. Bei Patientinnen und Patienten ohne vollständige Remission zeigten CD8+ T-Zellen dagegen eine eingeschränkte Funktion. Außerdem exprimieren bestimmte Immunzellen, sogenannte plasmazytoide dendritische Zellen, besonders viel BCMA, und gezielte BCMA-Therapien könnten einen neuen Ansatz für die Behandlung einer von diesen Zellen ausgehenden Leukämie darstellen.

Schließlich zeigte sich, dass ein stärkerer Abfall von löslichem BCMA im Blut mit einer besseren CAR-T-Zell-Aktivität und entzündlichen Reaktionen einhergeht. Die Ergebnisse geben damit wichtige Einblicke, welche zellulären Mechanismen die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von BCMA-gerichteten Immuntherapien bestimmen.

Publikation:
Rade M, Fandrei D, Kreuz M, Seiffert S, Grahnert A, Friedrich M, Wiemers T, Born P, Fischer L, Weidner H, Hofbauer LC, Baber R, Wang SY, Bach E, Hoffmann S, Scolnick J, Friedrich M, Keramati F, Brazda P, Sebestyen Z, Kuball J, Alb M, Scheller L, Hudecek M, Einsele H, Metzeler KH, Herling M, Herling CD, Jentzsch M, Franke GN, Boldt A, Köhl U, Platzbecker U, Vucinic V, Reiche K, Merz M. A longitudinal single-cell atlas to predict outcome and toxicity after BCMA-directed CAR T cell therapy in multiple myeloma. Cancer Cell. 2025 Dec 4:S1535-6108(25)00490-8. doi: 10.1016/j.ccell.2025.10.014. Epub ahead of print. PMID: 41349540.
Zur Publikation

Grafischer Abstrakt aus Publikation
CAR-T-Zelltherapien gegen BCMA zeigen bei Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbarem Multiplen Myelom unterschiedliche Wirksamkeit. Cilta-cel führt häufiger zu vollständigen Remissionen aufgrund der Vermehrung bestimmter CAR-T-Zellsubpopulationen, die sowohl für den Therapieerfolg als auch für Nebenwirkungen wichtig sind. Die Ergebnisse geben neue Einblicke, wie diese Therapien wirken und wie ihre Sicherheit verbessert werden könnte. Quelle: doi: 10.1016/j.ccell.2025.10.014
Flexible ConvAD-CAR-T-Zellen überwinden Antigenverlust

Ein häufiger Grund für Rückfälle bei Lymphomen nach einer CAR-T-Zelltherapie ist der sogenannte Antigenverlust: Dabei verlieren die Tumorzellen das Merkmal, das von den CAR-T-Zellen erkannt wird.

grafische Abbildung der Funktionen von Conventional and Adapter Dual CAR-T-Zellen.
ConvAD-CAR-T-Zellen sind gentechnisch veränderte Abwehrzellen, die Krebszellen gezielt bekämpfen. Sie können sowohl ein festes Tumormerkmal erkennen als auch mithilfe spezieller Antikörper flexibel auf verschiedene Zielstrukturen reagieren. So greifen sie mehrere Merkmale von Lymphomzellen an und verhindern, dass der Tumor der Behandlung entkommt.

Daher sind Therapien nötig, die mehrere Zielstrukturen gleichzeitig angreifen können.

In einer Studie, veröffentlicht in Molecular Therapy (Cell Press), hat ein UKW Team CAR-T-Zellen gegen Lymphome weiterentwickelt: Die Zellen tragen zusätzlich einen P329G-Adapter-CAR. Diese dualen ConvAD-CAR-T-Zellen lassen sich mithilfe spezieller Antikörper flexibel auf verschiedene Tumormerkmale ausrichten.

In vorklinischen Lymphommodellen, in denen Tumorzellen ihren Zielstrukturen entkommen, zeigten ConvAD-CAR-T-Zellen in Kombination mit passenden Adapter-Antikörpern eine deutlich höhere Wirksamkeit als herkömmliche CAR-T-Zellen mit fester Zielbindung. Selbst wenn die Tumorzellen zwei Zielmerkmale verloren hatten, blieben die ConvAD-CAR-T-Zellen aktiv und konnten einen Rückfall wirksam verhindern.

Publikation: 
Zeno Riester, Marlena Surowka, Nicole Seifert, Diana Darowski, Arindam Ghosh, Peter Spieler, Justus Weber, Reto Gianotti, Fabian Freitag, Miriam Alb, Thomas Nerreter, Elena Gerhard-Hartmann, Andreas Rosenwald, Markus Sauer, Ekkehard Moessner, Hermann Einsele, Claudia Ferrara-Koller, Christian Klein, Michael Hudecek, Sophia Danhof. Co-expression of an adapter CAR retains efficacy of CAR T cells after single and dual antigen loss in lymphoma. Mol Ther. 2025 Oct 24:S1525-0016(25)00867-6. doi: 10.1016/j.ymthe.2025.10.046  Epub ahead of print. PMID: 41137393.
Zur Publikation

grafische Abbildung der Funktionen von Conventional and Adapter Dual CAR-T-Zellen.
ConvAD-CAR-T-Zellen sind gentechnisch veränderte Abwehrzellen, die Krebszellen gezielt bekämpfen. Sie können sowohl ein festes Tumormerkmal erkennen als auch mithilfe spezieller Antikörper flexibel auf verschiedene Zielstrukturen reagieren. So greifen sie mehrere Merkmale von Lymphomzellen an und verhindern, dass der Tumor der Behandlung entkommt.