Aktuelle Pressemitteilungen

Kochkurs des Uniklinikums Würzburg: Gesundes Genießen für Menschen mit Krebs

Mitte März dieses Jahres fand der erste Patientenkochkurs des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken statt. Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Integrierte Krebszentrum zeigte den Teilnehmerinnen – maßgeblich unterstützt von Sternekoch Bernhard Reiser – wie köstlich gesunde Ernährung in der Onkologie sein kann.

„Ernährung in der Onkologie – Mit Genuss Körper und Seele stärken“ heißt ein aktuelles Informations- und Weiterbildungsmodul des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken. „Unser Ziel dabei ist es, Krebspatientinnen und -patienten darin zu unterstützen, aus der Flut an Ernährungsratschlägen die für sie persönlich wertvollen Informationen herauszufiltern“, sagt Dr. Claudia Löffler. Die Ärztin ist eine der Expertinnen für komplementäre Onkologie des am Uniklinikum Würzburg (UKW) angesiedelten Integrierten Krebszentrums. Als ersten Schritt auf diesem Weg veranstaltete das CCC Mainfranken im März dieses Jahres einen theoretischen Workshop. Die Teilnehmerinnen – 15 Frauen des Vereins Frauenselbsthilfe nach Krebs – beschäftigten sich unter Leitung der UKW-Ernährungswissenschaftlerin Lisa Schiffmann mit Fragen wie: Was ist überhaupt gesundes Essen? Worauf sollte man besonders achten? Was sagen die Fachgesellschaften? Was ist Mangelernährung, wie viele Patientinnen und Patienten sind davon betroffen – und warum ist sie unbedingt zu vermeiden? Außerdem wurde herausgearbeitet, warum Krebsdiäten in der Regel nicht zu empfehlen sind.

Auf Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe achten

Wenige Tage später ging es von der Theorie in die Praxis: Unter Anleitung des mainfränkischen Sternkochs Bernhard Reiser durften die Krebspatientinnen in dessen Kochmanufaktur in Dettelbach selbst die Kochlöffel schwingen. Laut Reiser, der als Botschafter das CCC Mainfranken unterstützt, fängt gesunde und genussreiche Ernährung bei hochwertigen, nachhaltigen und fair erzeugten Lebensmitteln an und hört beim Spaß am Essen noch lange nicht auf. Da es gerade während einer Tumortherapie wichtig ist, auf eine ausreichende Versorgung mit Nähr- und Mineralstoffen sowie Vitaminen zu achten, hatte der „Soulfood“-Experte im Kurs viele Ideen und Anregungen zur Anreicherung der Ernährung parat. Dazu zählten zum Beispiel Lupinen im Kartoffelstampf, ein reichhaltiges, mildes Kokoscurry sowie der Einsatz wertvoller Pflanzenöle. Außerdem hatte Reiser eigens für die Kursteilnehmerinnen Rezepte mit geschmacksneutraler medizinischer Trinknahrung entwickelt. „So werden Berührungsängste mit dem Thema künstliche Ernährung abgebaut und es zeigte sich, dass auch hierbei der Genuss nicht zu kurz kommen muss“, kommentiert Dr. Löffler.
Neben der Frage, welche Lebensmittel am besten auf den Tisch kommen sollten, spielte beim Kochkurs auch die Art der Zubereitung eine entscheidende Rolle. Schließlich lassen sich durch ein schonendes Vorgehen Geschmack und Inhaltsstoffe besser erhalten.

Fortsetzung in größerem Zusammenhang

Die meisten der vorgestellten Gerichte sind mit kleinem Aufwand für jede/n gut nachzukochen, so dass die Pilot-Teilnehmerinnen motiviert und mit vielen neuen Ideen nach Hause gingen. Nach diesen positiven Erfahrungen sind sich die Initiatoren des Projektes Bernhard Reiser, Lisa Schiffmann und Dr. Claudia Löffler sicher, dass die Veranstaltung weitergehen sollte und freuen sich schon auf die Fortsetzung. Es ist geplant, dass ab Mitte 2018 das Modul Ernährung als ein Teil des Projektes „Ressourcentraining in der Onkologie“ stattfindet, bei dem die Patientinnen und Patienten zusätzlich Wissenswertes aus den Bereichen Bewegung, Entspannung und naturheilkundliche Selbsthilfestrategien erfahren.

KOI: Ein neuer Blog zur Komplementären Onkologie

Ein Weg, über die komplementären Leistungen und Informationsangebote des CCC Mainfranken auf dem Laufenden zu bleiben, ist der neue Blog „KOI – Komplementäre Onkologie Integrativ“, der auf der Homepage des CCC Mainfranken (www.ccc.uni-wuerzburg.de) unter der Rubrik Aktuelles zu finden ist.

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Am Uniklinikum Würzburg mitentwickeltes Anti-Leukämiemedikament in den USA zur Behandlung bei minimaler Resterkrankung zugelassen

Ende März dieses Jahres erteilte die US-amerikanische Food and Drug Administration in einem beschleunigten Verfahren die Zulassung des Immuntherapeutikums Blinatumomab für die Behandlung von Patienten mit minimaler Resterkrankung bei Akuter lymphatischer Leukämie. Das Medikament wurde am Uniklinikum Würzburg maßgeblich mitentwickelt.

Ende Januar dieses Jahres erschien in der Fachzeitschrift Blood der US-amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie die Publikation zu einer von den Uniklinika Frankfurt und Würzburg aus geleiteten europa-weiten Studie, bei der Patienten mit einer minimalen Resterkrankung von Akuter Lymphatischer Leukämie erfolgreich mit dem Antikörper-Medikament Blinatumomab behandelt wurden. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) berichtete hierrüber in einer Presseinformation am 8. Februar 2018. Jetzt, am 29. März dieses Jahres, gab die US-amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) nach einem beschleunigten Verfahren grünes Licht für einen generellen Einsatz des Immuntherapeutikums bei dieser Indikation. Für anders gelagerte Indikationen bestanden schon vorher Marktzulassungen von Blinatumomab – sowohl in den USA, wie auch in der EU.

Die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) ist eine Form von bösartigem Blutkrebs. Bei 40 bis 50 Prozent der mit Chemotherapeutika behandelten Patienten bleibt mindestens eine minimale Resterkrankung (Minimal Residual Disease – MRD) bestehen. Patienten mit MRD-positiver Erkrankung erleiden praktisch immer ein klinisches Rezidiv. Durch die jetzt regulär mögliche Gabe von Blinatumomab lässt sich die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Hochrisiko-Gruppe in den USA deutlich verbessern.
In Deutschland steht Blinatumomab zur Zeit für die MRD-positive ALL nur im Rahmen klinischer Studien zur Verfügung. Mit einer regulären Zulassung durch die europäische Zulassungsbehörde für die EU wird im Lauf dieses Jahres gerechnet.
An der Erfindung, Entwicklung und klinischen Erprobung von Blinatumomab entscheidend beteiligt waren Prof. Dr. Ralf Bargou, der Direktor des am UKW angesiedelten Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken, Dr. Marie-Elisabeth Goebeler, die Leiterin der Early Clinical Trial Unit am UKW, sowie Prof. Dr. Max Topp, der Leiter des Bereichs Hämatologie an der Medizinischen Klinik II des Würzburger Uniklinikums.


Über den Wirkstoff Blinatumomab
Blinatumomab gehört zu einer neuen Klasse von so genannten bispezifischen Antikörpern, die direkt das menschliche Immunsystem gegen Tumorzellen wirken lassen. Es spannt die körpereigenen T-Zellen, eine Form der Lymphozyten, ein, um Leukämiezellen zu vernichten. Diese „Killer“ können in der Regel Krebszellen nicht von gesunden Zellen unterscheiden und greifen sie deshalb auch nicht an. Den Forschern gelang es, diese biochemische Blindheit zu überwinden, indem sie gentechnisch einen Antikörper designten, der einerseits in der Lage ist, an der Krebszelle anzudocken und andererseits an T-Zellen binden kann. Mit Hilfe dieses „Adapters“ werden die Abwehrzellen aktiviert, sie erkennen die schädlichen Zellen und können sie in der Folge zerstören.

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2. Patienteninformationstag zu Prostatakrebs am Uniklinikum Würzburg

Das Prostatakarzinom-Zentrum des Uniklinikums Würzburg lädt am Samstag, den 21. April 2018, alle Interessierten zu einem Patienteninformationstag ein. Im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin referieren neun Experten über aktuelle Aspekte aus Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Selbsthilfe.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Männer in Deutschland. „Nicht zuletzt die hohe Beteiligung an unserem ersten diesbezüglichen Patienteninformationstag im vergangenen Jahr bestätigte uns das ungebrochen hohe Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit“, berichtet Prof. Dr. Hubert Kübler, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Deshalb ist für den 21. April 2018 eine Neuauflage der Veranstaltung geplant: Das von der Deutschen Krebshilfe zertifizierte Prostatakarzinomzentrum des UKW lädt an diesem Samstag wieder alle Interessierten dazu ein, wissenswerte Hintergründe und neueste Erkenntnisse über die Volkskrankheit zu erfahren. Zwischen 10:00 und 14:00 Uhr werden insgesamt neun ausgewiesene Experten im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) an der Oberdürrbacher Straße zu diversen Aspekten referieren und die Fragen der Zuhörer/innen beantworten.

Aktuelles zur Diagnostik mit PSA und PSMA

Beispielsweise wird Dr. Arkadius Kocot über die „Renaissance des PSA-Wertes in der Prostatakrebsvorsorge“ sprechen. „Über kaum einen Tumormarker wird so intensiv und kontrovers diskutiert, wie über das Prostataspezifische-Antigen“, weiß der Leitende Oberarzt der urologischen Klinik des UKW und fährt fort: „Fakt ist allerdings, dass die Langzeit-Nachverfolgung von PSA-basierten Screening-Studien zeigt, dass durch den Einsatz des PSA-Werts die Sterblichkeit am Prostatakarzinom reduziert werden kann.“
Mit dem PSA in Verbindung steht das Prostata-spezifische Membran Antigen (PSMA). Dieses Molekül ist auf der Oberfläche gesunder Prostatazellen vorhanden, sehr viel mehr aber auf Prostatakrebs-Zellen. Im restlichen Körper kommt das Protein kaum vor. „PSMA ist deshalb ein ideales Zielmolekül für die Diagnostik und zugleich auch für zielgerichtete Therapien von Prostatakrebs“, sagt Prof. Andreas Buck. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des UKW wird beim Infotag der Frage nachgehen, ob ein PET-CT mit PSMA heute schon als Diagnosestandard bezeichnet werden kann.

Präzision und Sicherheit durch multiparametrisches MRT und Fusionsbiopsie

Auch in der Primärdiagnostik des Prostatakrebses gab es in den letzten Jahren deutliche Veränderungen. Die Einführung der multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT) ist eine dieser neuen Entwicklungen. Prof. Dr. Thorsten Bley, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des UKW, wird diesbezüglich eine aktuelle Übersicht geben und die Vorteile dieser diagnostischen Technik darstellen.
Durch die hochauflösende mpMRT ist es möglich, bösartige Veränderungen in der Prostata mit hoher Genauigkeit zu identifizieren. Anschließend können diese Veränderungen mithilfe einer Probenentnahme aus der Prostata – einer Biopsie – weiter abgeklärt werden. Lukas Koneval von der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des UKW wird über die Technik und die Vorteile der moderne Fusionsbiospie der Prostata berichten.

Aktuelle Therapieoptionen: medikamentös, radiologisch, operativ

Wie die Diagnostik, so wandelt sich derzeit auch die Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms. Neue Substanzen bestimmen zunehmend den klinischen Alltag. Welche Chancen diese Wirkstoffe bieten und welche neuen Herausforderungen sich dadurch ergeben, erläutert die UKW-Urologin Dr. Anna Seitz. Weitere Vorträge widmen sich dem „State of the Art“ bei operativen Verfahren und in der Strahlentherapie. Beispielsweise wurde von Prof. Kübler bei seinem Amtsantritt Anfang vergangenen Jahres die nerverhaltende radikale Prostatektomie mit sogenanntem Intraoperativem Schnellschnitt-Monitoring am UKW eingeführt. „Durch diese Technik können die neurovaskulären Strukturen, die für die Potenz der Männer zuständig sind, bei einem Großteil der Patienten erhalten bleiben – und zwar ohne die onkologische Sicherheit der Operation zu gefährden“, unterstreicht der Klinikdirektor.

Auch Selbsthilfe und Bewegung sind Themen

Am Patienteninformationstag werden auch komplementäre Gesichtspunkte angesprochen, wie zum Beispiel die Leistungen der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Würzburg. Außerdem wird Lisa Schiffmann von der Ambulanten Ernährungsberatung für Krebspatienten des UKW Möglichkeiten aufzeigen, wie betroffene Patienten durch Sport und Bewegung die Krebserkrankung positiv beeinflussen können.
Die Teilnahme am Patienteninfotag ist kostenlos, das detaillierte Programm gibt es unter www.urologie.ukw.de, Rubrik „Veranstaltungen“.

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Die Weltspitze der Myelom-Forschung und -Therapie traf sich am Uniklinikum Würzburg

Knapp 200 internationale Experten kamen Mitte März beim „4th Würzburg Myeloma Workshop“ am Uniklinikum Würzburg zusammen, um sich über aktuelle Forschungserkenntnisse und modernste Therapieoptionen bei Multiplem Myelom auszutauschen. Für die von der bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks betroffenen Patienten gab es hoffnungsvolle Botschaften.

Am 16. und 17. März dieses Jahres veranstaltete die Medizinische Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) den 4. Würzburger Myelom-Workshop mit fast 200 Zuhörerinnen und Zuhörern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und der Tschechischen Republik. „Ich bin stolz darauf, dass es uns wieder gelungen ist, diesem Expertenkreis an den beiden Tagen eine 30-köpfige Rednerliste zu bieten, die fast die gesamte europäische und US-amerikanische Weltspitze zum Thema Multiples Myelom umfasste“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Direktor der Medizinischen Klinik II und Leiter des Workshops ist selbst ein international anerkannter Spezialist für die schwierig zu behandelnde, bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks.

Für einen Teil der Patienten ist eine Heilung möglich

Aus den beim Workshop vorgestellten aktuellen Daten lassen sich ermutigende Schlüsse ziehen. „Wir verfügen jetzt über so effektive Methoden, dass es möglich ist, einen Teil der Patienten so zu therapieren, dass selbst mit den empfindlichsten Diagnosemethoden keine Krankheitsaktivität mehr nachweisbar ist“, berichtet Prof. Einsele und fährt fort: „Für diese Patientengruppe ist die Prognose sehr gut und wir haben die begründete Hoffnung, dass sich die generelle Heilungswahrscheinlichkeit bei Multiplem Myelom in naher Zukunft deutlich verbessern wird.“

Diverse neue Elemente für noch mehr Behandlungserfolg

Zu den auf dem Workshop vorgestellten und diskutierten innovativen Behandlungselementen zählen neue Wirkstoffe, die vor und nach den Stammzelltransplantationen gegeben werden. Außerdem wurde deutlich, dass die doppelte Stammzelltransplantation heute als Standard anzusehen ist: Zahlreiche Studien zeigen, dass Myelompatienten einen Überlebensvorteil haben, wenn ein paar Monate nach der ersten Transplantation eine zweite durchgeführt wird. Darüber hinaus finden auch Immuntherapien, wie sie zum Beispiel am UKW energisch vorangetrieben werden, zunehmend den Weg in die Behandlung von Multiplem Myelom. „Im Moment kommen diese zwar vornehmlich bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung zum Einsatz, aber es ist abzusehen, dass wir bald auch in früheren Stadien mit Immunpräparaten arbeiten werden“, kündigt Prof. Einsele an.

Fruchtbare kontroverse Diskussionen

Besonders lebhaft und spannend wurde es im Workshop bei den so genannten „Hot-Topic-Diskussionen“, bei denen zwei Sprecher mit unterschiedlichen Meinungen gegeneinander antraten. Eines dieser kontroversen Themen betraf die Frage nach der optimalen Behandlungsdauer.

Über das Multiple Myelom

Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen. Sie überfluten den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3.500 Menschen an dieser Untergruppe des Lymphknotenkrebses.

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Universitätskinderklinik Würzburg: Komplikationsrisiko nach Stammzelltransplantation frühzeitig erkennen

Biomarker im Blut von Stammzelltransplantierten zeigen an, bei wem das Risiko einer unerwünschten, im Extremfall lebensbedrohlichen Immunreaktion besteht. Das ist das kürzlich veröffentlichte Ergebnis eines internationalen Forschungskonsortiums. Die Würzburger Universitätskinderklinik ist die bislang einzige deutsche Kinderklinik, die sich an dem Vorhaben beteiligt.

Für Kinder und Erwachsene mit einer Hochrisikoleukämie ist die Stammzelltransplantation eine wichtige Therapieoption. Allerdings besteht bei diesem Austausch des eigenen Immunsystems gegen ein neues Blut-bildendes System von einem gesunden Spender die Gefahr, dass sich die Spenderzellen gegen den Körper des Patienten richten. Diese Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion, oder auf Englisch Graft-versus-Host-Disease (GvHD), ist besonders tückisch, weil sie ganz unvermittelt auftreten kann und manchmal von einer Infektion nur schwer zu unterscheiden ist. Schwere Verläufe sind lebensbedrohlich.
Vor diesem Hintergrund analysierte ein internationales Konsortium Biomarker im Blut der Patienten, die es erlauben, noch vor dem Auftreten der eigentlichen Probleme Patienten mit hohem Risiko für eine GvHD zu erkennen. Die Ergebnisse wurden Mitte März dieses Jahres in der internationalen Fachzeitschrift Blood veröffentlicht.

Weltweit 23 MAGIC-Zentren

Seit dem Jahr 2014 untersucht das Mt. Sinai Acute GvHD International Consortium, abgekürzt MAGIC, Proben von Kindern und Erwachsenen nach einer Stammzelltransplantation und vergleicht die Ergebnisse mit dem klinischen Verlauf der Patienten. Geleitet von den New Yorker Ärzten Prof. John Levine und Prof. Jamie Ferrara arbeiten weltweit 23 Zentren zusammen. Die Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) nimmt als bisher einzige Kinderklinik Deutschlands an diesem Projekt teil. Die jungen Patientinnen und Patienten erhalten am UKW ihre Stammzelltransplantationen auf der Station Schatzinsel. Privatdozent Dr. Matthias Wölfl, Oberarzt dieser Station und Coautor des Fachartikels, erläutert die Bedeutung der Forschungserkenntnisse: „Eine schwere GvHD ist wie ein Eisberg: Man sieht nur einen kleinen Teil und den oft auch erst sehr spät. Durch den MAGIC-Algorithmus haben wir jetzt ein Sonar, das uns auch vor den nicht sichtbaren Teilen frühzeitig warnt.“

Proteine als Warnzeichen

Prof. Ferrara und Prof. Levine entdeckten, dass bei einer Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion frühe Schäden im Darm auftreten können, wodurch die Proteine Reg3alpha und ST2 ins Blut abgegeben werden. Auf diesen Markern basiert der Erkennungsalgorithmus, der im internationalen Konsortium getestet wurde. Die sich abzeichnenden Vorteile für die Patienten sind nach Angaben von Dr. Wölfl groß: „Zum einen können Risikopatienten früher als solche erkannt werden und Gegenmaßnahmen intensiviert werden, zum anderen kann bei Patienten ohne Risikofaktoren die intensive immunsupprimierende Therapie schneller reduziert werden.“

Die Arbeit an der Universitätskinderklinik wurde unterstützt durch die Aktion Regenbogen für Leukämie- und Tumorkranke Kinder Main-Tauber e.V. Die deutschen MAGIC-Zentren werden – federführend über das Uniklinikum Regensburg – von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung gefördert.

Literatur:

Blood. 2018 Mar 15. pii: blood-2018-01-822957. doi: 10.1182/blood-2018-01-822957. MAGIC biomarkers predict long term outcomes for steroid-resistant acute GVHD. Major-Monfried H, Renteria AS, Pawarode A, Reddy P, Ayuk F, Holler E, Efebera YA, Hogan WJ, Wölfl M, Qayed M, Hexner EO, Wudhikarn K, Ordemann R, Young R, Shah J, Hartwell MJ, Chaudhry M, Aziz M, Etra A, Yanik GA, Kröger N, Weber D, Chen YB, Nakamura R, Rösler W, Kitko CL, Harris AC, Pulsipher M, Reshef R, Kowalyk S, Morales G, Torres I, Özbek U, Ferrara JLM, Levine JE.

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Uniklinikum Würzburg: Großes Interesse an der Eröffnung der Kunstausstellung aus Belarus

Die Vernissage zur Ausstellung „Erweiterte Realitäten“ am 16. März dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg stieß auf hohes Besucherinteresse. Drei Monate lang sind jetzt Werke der Belarussischen Staatlichen Akademie der Künste und der Künstlervereinigung Studentisches Zentrum für aktuelle Kunst „Alla prima“ aus Minsk im Zentrum für Operative Medizin zu sehen.

Fast 50 Interessierte kamen am 16. März dieses Jahres zur Eröffnung der Schau „Erweiterte Realitäten“ in die Magistrale des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) des Uniklinikums Würzburg (UKW). Ihnen bot sich in 38 Werken – überwiegend Gemälde und Grafiken – ein facettenreiches Bild zeitgenössischer Kunst aus der Republik Belarus. Geschaffen wurden die Arbeiten von zwölf Künstlerinnen und Künstlern der Belarussischen Staatlichen Akademie der Künste und des Studentischen Zentrums für aktuelle Kunst „Alla prima“, beide aus Minsk.

Getragen vom Geist der Völkerverständigung

Bei den Ansprachen anlässlich der Vernissage wurde deutlich, dass das Ausstellungsprojekt getragen wird von einem Geist der Verständigung zwischen Belarus und Deutschland. Generalkonsul Andrei Kulazhanka, der Leiter des Generalkonsulats der Republik Belarus in München, betonte, dass diese Freundschaft nicht zuletzt auf dem hohen Engagement deutscher Medizinerinnen und Mediziner beruht, die sich wie Prof. Dr. Christoph Reiners, Nuklearmediziner und ehemaliger Ärztlicher Direktor des UKW, für die Betroffenen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl einsetzten.

Den Denkraum mit Kunst erweitern

Die Kuratorin der Schau, Dr. Ekaterina Kenigsberg, arbeitete bei ihrem Ausstellungsrundgang heraus, wie es darstellender Kunst immer wieder gelingt, durch die persönliche Wahrnehmung und Interpretation des Betrachters den Denkraum zu erweitern, den Pluralismus zu stärken und so gleichsam zu „erweiterten Realitäten“ zu kommen.
Prof. Reiners dankte im Namen des UKW für dieses Projekt und rechnete vor, dass dessen Botschaften allein über die Patienten-, Besucher- und Mitarbeiterzahlen des ZOM die Chance haben, in den kommenden drei Monaten bis zum Ausstellungsende am 13. Juli mehrere Zehntausend Menschen zu erreichen.

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Neue Akteure der Atherosklerose identifiziert

Schlaganfall und Herzinfarkt sind Todesursache Nummer 1 in den westlichen Ländern. Mit einer speziellen Technik haben Wissenschaftler aus Würzburg jetzt ein verbessertes Bild der beteiligten Zellen und deren Aktivität gewonnen.

Atherosklerose stellt in westlichen Ländern die häufigste Krankheits- und Todesursache dar. In Deutschland ist sie mit dafür verantwortlich, dass jedes Jahr rund 300.000 Menschen einen Herzinfarkt und gut 270.000 Menschen einen Schlaganfall erleiden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Atherosklerose in diesen Ländern für gut die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich ist.

Publikation in Circulation Research

Bei der Suche nach den Auslösern dieser Krankheit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg jetzt einen Fortschritt erzielt: Sie haben erstmals in den betroffenen Gefäßen die Immunzellpopulationen genau untersucht, die in dem Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle spielen. Ihre Ergebnisse stellen sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Circulation Research vor.

„Wir haben mit Hilfe der Einzelzell-RNA-Sequenzierung drei unterschiedliche Makrophagen-Populationen identifiziert, die auf unterschiedliche Art und Weise Einfluss auf die Entwicklung einer Atherosklerose nehmen könnten. Darunter ist auch eine bisher nicht beschriebene Makrophagen-Population“, schildert Clement Cochain das zentrale Ergebnis der jetzt veröffentlichten Studie. Diese Populationen waren zu unterschiedlichen Phasen der Krankheit  und auch in unterschiedlichen Modellen der Erkrankung nachweisbar.
Die Studie wurde von Professorin Alma Zernecke-Madsen mit ihrem Team am Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin II an der Würzburger Universitätsklinik  in enger Zusammenarbeit mit dem Team um Dr. Emmanuel Saliba am 2017 an der Universität Würzburg gegründeten Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), einem Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) , durchgeführt.

Plaques mit fatalen Folgen

Während Risikofaktoren einer Atherosklerose gut bekannt sind – zu viel Fett im Essen, zu wenig Bewegung, zu viele Zigaretten – wirft das genaue Geschehen in den betroffenen Blutgefäßen noch zahlreiche Fragen auf. Am Anfang der Entwicklung stehen häufig winzige Schädigungen der inneren Gefäßwand, die zu einer chronischen Entzündung führen.
In der Folge lagern sich Fette und andere Bestandteile des Blutes an den Gefäßwänden ab, und aus dem Blut wandern Zellen des Immunsystems an die geschädigte Stelle und produzieren Signalstoffe, die weitere Immunzellen herbei rufen. Sogenannte atherosklerotische Plaques entstehen und verstopfen die Blutgefäße zunehmend. Lösen sie sich, können die Plaques mit dem Kreislauf wandern und an anderer Stelle, beispielsweise im Bein oder im Kopf die Durchblutung blockieren.

Genaues Bild der beteiligten Zellen

„Man hat bislang schon vermutet, dass verschiedene Unterarten von Makrophagen in atherosklerotischen Gefäßen am Werk sind und dort unterschiedliche Aufgaben übernehmen“, erklären Clement Cochain und Alma Zernecke-Madsen. Diese zu identifizieren sei jedoch in der Vergangenheit immer daran gescheitert, dass es an den entsprechenden Markern gefehlt habe. Bessere Ergebnisse konnte das Würzburger Team jetzt dank der Einzelzell-RNA-Sequenzierung erzielen.
Bei dieser Technik werden in einzelnen Zellen die RNA-Moleküle isoliert und per Hochdurchsatzsequenzierung analysiert. Die so gewonnenen Daten liefern Informationen über die Genexpression jeder einzelnen Zelle und geben so Auskunft über ihre jeweils ganz speziellen Funktionen, erläutert Dr. Emmanuel Saliba.

Zellen aus der Aorta entnommen

Konkret haben die Wissenschaftler Zellen aus einer gesunden und einer atherosklerotischen Aorta entnommen und sequenziert. Ausschließlich in dem erkrankten Gefäß fanden sie zwei Arten von Makrophagen, Monozyten und sogenannte, von Monozyten abstammende, dendritische Zellen; in gesunden Gefäßen konnten ortsansässige Makrophagen identifiziert werden. Daneben waren zahlreiche andere Immunzellen nachweisbar.
Monozyten sind Teil des Immunsystems, die im Blutstrom zirkulieren, bevor sie ins Gewebe wandern und sich zu spezifischen Gewebsmakrophagen weiter differenzieren. Diese gehören ebenfalls zum zellulären Immunsystem und bleiben über mehrere Monate im menschlichen Körper.
Die jetzt gewonnen Daten liefern nach Aussage der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein zuvor unbekanntes Abbild der Immunzellen in atherosklerotischer Plaques während einer Atherosklerose. „Diese Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten, diese Zellpopulationen und ihre jeweiligen Funktionen im Geschehen einer Atherosklerose jetzt genauer zu erforschen“, sagt Alma Zernecke-Madsen.

Stichwort Atherosklerose

Während die Arteriosklerose auch außerhalb der Fachwelt inzwischen bekannt ist, ruft die Atherosklerose dort häufig noch Stirnrunzeln hervor. Tatsächlich bildet Arteriosklerose den Oberbegriff und steht für Verhärtung des Bindegewebes der Schlagadern. In der großen Mehrzahl der Fälle werden diese Verhärtungen  durch eine Atherosklerose ausgelöst, wobei dieser Begriff vor allem im englischen Sprachgebrauch allgemein für die Beschreibung der Erkrankung verwendet wird.

Single-Cell RNA-Seq Reveals the Transcriptional Landscape and Heterogeneity of Aortic Macrophages in Murine Atherosclerosis. Clément Cochain, Ehsan Vafadarnejad, Panagiota Arampatzi, Jaroslav Pelisek, Holger Winkels, Klaus Ley, Dennis Wolf, Antoine-Emmanuel Saliba, Alma Zernecke. Circulation Research, DOI: 10.1161/CIRCRESAHA.117.312509

Kontakt

Prof. Dr. Alma Zernecke-Madsen, Institut für Experimentelle Biomedizin, Telefon +49-931–201 48331, alma.zernecke@ uni-wuerzburg.de