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Corona: Auf der Suche nach der Schwachstelle

Die Würzburger Strukturbiologin Dr. Andrea Thorn leitet ein internationales Netzwerk zur Erforschung des Coronavirus. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind wesentlich für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten.

Das Coronavirus – genau gesagt: SARS-CoV-2 – hält die Welt in Atem. Wie schafft es das Virus, an seine Wirtszelle im Körper des Menschen anzudocken? Auf welche Weise gelangt es in das Zellinnere? Wie nutzt es die Zellstrukturen für seine Vermehrung? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Hochdruck. Sie hoffen unter anderem, die entscheidende Stelle zu entdecken, an der sich der Vermehrungszyklus von SARS-CoV-2 mit einem neuen Wirkstoff blockieren lässt. Zwar ist vieles über diesen Prozess schon heute bekannt, doch im Detail mangelt es an vielen Stellen noch an Wissen.

Die fehlenden Details zu liefern: Diese Aufgabe hat sich Dr. Andrea Thorn gestellt. Gemeinsam mit ihrem Team leitet sie die „Coronavirus Structural Task Force“ – ein internationales Netzwerk von Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Strukturbiologie. Ihr Ziel ist es, das bisher bekannte Wissen über die Molekülstrukturen des Coronavirus zu validieren und die noch offenen Lücken zu schließen oder – wie sie sagt: „Alles rausholen, was geht“.

Frau Dr. Thorn, wie groß sind denn die Lücken im Wissen über das jetzt grassierende Coronavirus? „Da gibt es leider noch viele ungeklärte Details. Auf atomarer Ebene ist längst nicht alles bekannt. Zwar wissen wir beispielsweise, dass das Virus-Erbgut 28 Proteine kodiert, die unterschiedliche Aufgaben beim Befall der Wirtszelle übernehmen. Sie unterdrücken etwa das Immunsystem oder programmieren die Zelle so, dass sie die Viren vermehrt. Von diesen 28 Proteinen kennt man aber nur von ungefähr der Hälfte die Strukturen - dabei sind die molekularen Strukturen potenzielle Angriffspunkte für Medikamente. Darüber hinaus interagiert das Virus mit rund weiteren 150 Proteinen der Wirtszelle. Darüber ist ebenfalls noch sehr wenig bekannt.“

Die Kunst, aus Daten ein exaktes Bild zu erzeugen

Strukturbiologen arbeiten – wie der Name bereits sagt – daran, die exakte Struktur großer biologischer Moleküle, wie beispielsweise von Proteinen, auf atomarer Ebene zu entschlüsseln und darzustellen. Die Synchrotron-Messungen, mit denen sie arbeiten, produzieren keine Bilder im landläufigen Sinne. Sie liefern stattdessen gewaltige Mengen an Daten. Die Kunst der Strukturbiologen besteht darin, aus diesen Daten dreidimensionale Modelle der Moleküle zu gewinnen. Anhand dieser Strukturen können beispielsweise Bioinformatiker gezielt nach Wirkstoffen suchen, die an die jeweiligen Moleküle andocken und diese blockieren. So können sie am Rechner in kurzer Zeit Tausende von Substanzen auf ihre mögliche Eignung untersuchen. Außerdem lassen diese Strukturen genaue Rückschlüsse auf die Funktion der Proteine, zum Beispiel bei der Infektion von Wirtszellen zu.

 
Forschung an SARS zu früh eingestellt

Parallel mit der Ausbreitung des neuen Coronavirus nimmt die Forschungsaktivität auf diesem Gebiet zu. Wöchentlich erhalten Andrea Thorn und ihr Team Informationen über neue Strukturen, die sie am Computer bearbeiten. Gleichzeitig durchforsten sie bereits vorhandene Daten, kontrollieren deren Validität oder verbessern bestehende Strukturlösungen. Denn Coronaviren – und speziell das SARS-Virus – sind keine neuen Entdeckungen. Bereits 2002/2003 hatte ein SARS-Virus eine Pandemie ausgelöst, an der weltweit fast 800 Menschen gestorben sind. Nachdem die Zahl der Neuinfizierten im Sommer 2003 stark zurückging, erklärte die WHO am 19. Mai 2004 die Pandemie für beendet.

Frau Dr. Thorn, das Coronavirus, mit dem wir es heute zu tun haben, ist nicht gänzlich unbekannt. Hilft Ihnen das bei Ihrer Arbeit? „Tatsächlich sind sich die beiden SARS-Coronaviren in ihrem Erbgut und ihren Molekülstrukturen sehr ähnlich. Dass die Krankheitsverläufe und das Ausbreitungsverhalten so stark voneinander abweichen, ist aber durch die Unterschiede bedingt. Wir arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, diese Unterschiede auch strukturell zu identifizieren. Leider hat man mit dem Ende der Pandemie vor 15 Jahren die Forschung an SARS-Viren wieder zurückgefahren. Hätte man die Forschung kontinuierlich fortgeführt, gäbe es möglicherweise heute ein wirksames Medikament.“

Suche nach einem geeigneten Medikament

An solch einem Medikament will Andrea Thorn in nächster Zeit forschen. Einen entsprechenden Antrag hat sie bereits gemeinsam mit Kollegen aus Lübeck und Berlin beim Bundesministerium für Bildung und Forschung eingereicht. Im Blickpunkt des Teams steht eine spezielle Protease – ein Enzym aus der Wirtszelle des Coronavirus, das dem Virus bei der Vermehrung hilft. Mithilfe eines Arzneimittel-Screenings hoffen die Wissenschaftler einen Stoff zu identifizieren, der diese Protease hemmt. Dann könnte das Virus keine weiteren Kopien seiner selbst mehr herstellen.

Wie lange SARS-CoV-2 noch die Welt in Atem hält, vermag auch Andrea Thorn nicht abzuschätzen. Von der Zukunft nach der Coronakrise hat sich aus Sicht der Wissenschaft allerdings sehr genaue Vorstellungen: „Wir haben bereits in den wenigen Wochen, die die Task Force jetzt existiert, gesehen, dass die verschiedenen Arbeitsgruppen eng zusammengerückt sind. Strukturbiologen und Modellentwickler haben eine neue Wissensbasis geschaffen und ihre Methoden verbessert. Diese Erfahrungen sind auf zukünftige Projekte übertragbar.“

Zur Person

Andrea Thorn hat an der Universität Erlangen Molecular Science studiert und anschließend an der Universität Göttingen promoviert. Weitere Stationen ihrer akademischen Laufbahn waren Cambridge, Oxford und die Universität Hamburg. Seit 2019 ist sie assoziierte Gruppenleiterin am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg als Teil der Forschungsgruppe von Professor Hermann Schindelin. Ihre Gruppe entwickelt Methoden und Software, um Strukturen aus experimentellen Daten zu lösen.

Die Coronavirus Structural Task Force hat Andrea Thorn ins Leben gerufen, kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO die Ausbreitung des neuen Coronavirus zur Pandemie erklärt hatte. Mit dem gebündelten Wissen und den Fähigkeiten der Strukturbiologie will sie dazu beitragen, dem Virus Einhalt zu gebieten.

Kontakt

Dr. Andrea Thorn, T: +49 931 31-83677, andrea.thorn@ virchow.uni-wuerzburg.de 
Andrea Thorns Homepage: https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/forschung/assoziierte-forschungsgruppen/ag-thorn/

Die Task Force-Homepage: www.insidecorona.de

 

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Corona stellt Sucht-Selbsthilfe vor große Probleme

Die Corona-Kontaktsperre verhindert die reguläre Gruppenarbeit der Sucht-Selbsthilfe-Partner des Uniklinikums Würzburg. Derzeit arbeiten alle Beteiligten mit Hochdruck daran, alternative Wege bei der Kommunikation und Unterstützung der Suchtkranken zu gehen.

„Die Kontaktbeschränkungen wegen des Coronavirus haben die Arbeit der mit dem Uniklinikum Würzburg kooperierenden Selbsthilfegruppen massiv erschwert, da persönliche Treffen vielfach von zentraler Bedeutung sind“, berichtet Gabriele Nelkenstock. Die externe Selbsthilfebeauftragte des Klinikums fährt fort: „Speziell die Suchthilfe steht aktuell vor besonders großen Herausforderungen“.

Kontaktsperre: Ein ideales Umfeld für Suchtmittelmissbrauch

Eine bundesweit agierende Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Alkohol- und Medikamentenabhängige ist der zum Deutschen Caritas-Verband gehörende Kreuzbund. In der Region Würzburg arbeitet der Kreuzbund eng mit der Würzburger Suchtselbsthilfegemeinschaft Phönix zusammen. Armin Reuther, der Leiter der Kreuzbundgruppe Kitzingen 1, findet deutliche Worte für die derzeitige Situation: „Die Corona-Pandemie schafft ein ideales Umfeld für Suchtmittelmissbrauch: Angst vor dem Unbekannten, fehlende Unterstützung, Isolation, finanzielle Unsicherheit und Langeweile begünstigen den Griff zum Suchtmittel.“ Die zum Infektionsschutz erlassene Kontaktsperre zwinge die Menschen dazu, mehr als sonst zu Hause zu bleiben. Die Gefahr für Suchtkranke, in alte Muster zu verfallen, sei gewaltig.

Auch Manfred Marold, der Leiter der Kreuzbundgruppe Lohr 1, macht sich große Sorgen über die Effekte des mangelnden Kontakts: „Über Jahre mit großem Engagement aufgebaute, gesundheitlich wirksame Strukturen, wie Gruppen-Gesprächsabende, Selbsthilfeinformationsdienste, Fortbildungen und gesellige Veranstaltungen müssen derzeit leider unterbleiben. Dabei sind gerade die Gruppengespräche ein unverzichtbarer Beitrag für das Gelingen unseres Alltags.“ Jeder Gruppenabend bedeute eine Kräftigung und Hilfestellung für die nächsten Tage und trage zur persönlichen Stabilisierung in der Suchterkrankung bei. Einige seiner Gruppenmitglieder haben nach seinen Worten sonst kaum soziale Kontakte. Für sie seien die nun fehlenden Treffen ein echter Verlust mit steigender Rückfallgefahr. Auch langfristige Folgen der Unterbrechung der Gruppenarbeit sind nach seinen Worten denkbar. „So mancher wird nach der längeren Pause, wie sie sich jetzt abzeichnet, vielleicht keine Motivation mehr haben, sich in einer Gruppe Hilfe zu suchen“, befürchtet Marold.

Ziel: Sichere virtuelle Räume schaffen

Welche Auswege aus der Misere gibt es? „Während der Corona-Krise ist die Selbsthilfe aufgefordert, den Kontakt zu den Gruppenmitgliedern in anderen Formen zu leben“, betont Susanne Wundling. Die pädagogische Mitarbeiterin des Aktivbüros der Stadt Würzburg berichtet: „Die Selbsthilfegruppen haben begonnen, Telefonketten zu bilden oder sich in Video- und Telefonkonferenzen zu treffen.“ Allerdings sei es trotz der Krisensituation wichtig, den Datenschutz nicht aus den Augen zu verlieren. „Das Aktivbüro der Stadt Würzburg und andere Selbsthilfekontaktstellen entwickeln deshalb momentan mit Nachdruck sichere virtuelle Räume, in welche die Gruppen ihre Treffen verlagern können“, schildert Wundling. Nach ihren Angaben werden in Kürze die ersten Onlinetreffpunkte zur Verfügung stehen.

Verstärkte Nutzung von Telefon und Sozialen Medien

Unabhängig davon haben sich auch die Suchthilfe-Gruppen der Region zwischenzeitlich schon um Lösungen bemüht. „Zwischen den Gruppenmitgliedern finden verstärkt Kontakte per Telefon und Sozialen Medien statt“, berichtet Armin Reuther. Darüber hinaus verweist er auf den deutschlandweiten Kreuzbund-Chat Sucht-Selbsthilfe unter www.kreuzbund.de. „Diese seit Anfang dieses Jahres existierende Austauschplattform wird von Suchtkranken oder deren Angehörigen moderiert, die über Gruppenerfahrungen in der Sucht-Selbsthilfe des Kreuzbundes verfügen“, schildert der Kitzinger Gruppenleiter. Manfred Marold empfiehlt ferner die „Mutmach-Börse“ der Selbsthilfekoordinationsstelle Bayern. Das Online-Angebot unter www.seko-byern.de will Anlaufstellen und kreative Möglichkeiten aufzeigen, die dabei helfen, Kontakte aufrechtzuerhalten, Netzwerke zu knüpfen und in dieser Zeit nicht die Hoffnung zu verlieren.

„Diese Kommunikationsmöglichkeiten können vielleicht dazu beitragen, die gruppenlose Zeit zu überbrücken und die negativen Folgen abzumildern“, hofft Manfred Marold und fährt fort: „Sollte es zu einem Rückfall kommen, steht uns leider nur die Möglichkeit von Telefonaten mit den Betroffenen selbst und deren Angehörigen zur Verfügung. Da wir eng mit den psychosozialen Beratungsstellen der Caritas und Suchthilfekliniken zusammenarbeiten, können wir weiterhin mithelfen, eine professionelle Hilfe zu organisieren.“

UKW: Erster digitaler Qualitätszirkel der Selbsthilfe

Am Uniklinikum Würzburg (UKW) sieht man die Herausforderungen der Pandemie auch als Chance, die Services der Selbsthilfe weiterzuentwickeln. „Als ‚Selbsthilfefreundliches Krankenhaus‘ versuchen wir – gemeinsam mit unseren Partnern und den Selbsthilfegruppen – jetzt verstärkt digitale Angebote zu erarbeiten“, sagt Gabriele Nelkenstock und ergänzt: „Auch nach der Coronakrise wollen wir diese Projekte weiter ausbauen. Ob zur Vernetzung über große Entfernungen hinweg, zur Kommunikation in Chats und Foren oder zur Verbesserung des eigenen Krankheitsmanagements – es ist richtig und wichtig, dass wir diese Chance auch langfristig nutzen.“ Als erstes Ergebnis dieser Bemühungen findet der nächste Selbsthilfe-Qualitätszirkel des UKW am 25. April 2020 als Videokonferenz statt. „Da die dafür erforderliche Software auf dem Server des Uniklinikums liegt, sind wir auch im Bereich des Datenschutzes auf der sicheren Seite“, unterstreicht die externe Selbsthilfebeauftragte des UKW.

 

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Versorgung von dringlichen Fällen und Notfällen am UKW ist gesichert

Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) werden seit mehreren Wochen Patienten mit COVID-19 Infektionen in größerem Umfang auf der Infektionsstation und den Intensivstationen behandelt.

Um weitere Kapazitäten für einen möglichen Massenanfall von COVID 19-Patienten vorzuhalten, ist die nicht notfallmäßige oder anderweitig dringende Patientenbehandlung deutschlandweit und so auch im UKW eingeschränkt.

Planbare Operationen und Eingriffe am Uniklinikum werden von den Ärztinnen und Ärzten der jeweiligen Kliniken differenziert bewertet und gegebenenfalls abgesagt.

Wichtig ist, dass dringliche Operationen und Eingriffe weiterhin durchgeführt werden – nicht nur die Versorgung von Notfällen!

Das Uniklinikum weist darauf hin, dass die Versorgung von Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen, auch die, die nicht mit COVID-19 verbunden sind, weiterhin auf dem üblichen hohen Niveau und ohne ein besonderes Risiko für eine Infektion im Krankenhaus gesichert ist.

Um die Sicherheit aller Patienten zu gewährleisten, hat das UKW umfassende Vorkehrungen getroffen: Diese gehen von umfassender Mundschutzpflicht, verstärkten Hygienemaßnahmen bis hin zu intensiver Aufklärung und Schulung der Mitarbeiter und schneller Reaktion auf veränderte Bedingungen/Vorgaben durch eine täglich tagende Task Force.

Patienten, die sich wegen ihrer Erkrankung in dauerhafter Behandlung des UKW befinden, werden gebeten, mit der für sie zuständigen Klinik zur Abstimmung der Behandlung Kontakt zu halten. Patienten, die akut Symptome aufweisen, die mit einer schwerwiegenden Erkrankung zusammenhängen könnten, werden dringend gebeten, mit ihrem Hausarzt und/oder direkt mit dem Notarzt Kontakt aufzunehmen und sich gegebenenfalls in die Klinik zu begeben.

Uniklinikum Würzburg: Breite seelsorgerische Betreuung auch während der Corona-Pandemie

Das Ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg unterstützt auch unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie die Patienten, deren Angehörige und das Klinikpersonal.

Die Maßnahmen zum Infektionsschutz im Rahmen der Corona-Pandemie haben die Arbeit des Ökumenischen Seelsorgeteams am Uniklinikum Würzburg (UKW) zwar erschwert, aber keineswegs zum Erliegen gebracht. „Trotz des allgemeinen Besuchsverbots können wir auch weiterhin zu den Patienten gehen“, betont Pater Maximilian Bauer, der zusammen mit Pfarrer Jürgen Floß die Seelsorge am Klinikum leitet. Dafür wurde das Team nach seinen Worten von der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW umfassend in den derzeit geltenden Hygieneregeln geschult. Für den Umgang mit Covid-19-Patienten erlernten die Seelsorgerinnen und Seelsorger ferner das sichere An- und Ablegen von Schutzkleidung. „Dass unsere Krankenbesuche auch in Corona-Zeiten so vergleichsweise reibungslos funktionieren, liegt nicht zuletzt auch an dem über viele Jahre aufgebauten Vertrauensverhältnis zum ärztlichen und pflegerischen Personal“, betont Pastoralreferent Christian Hohm, Mitglied des Ökumenischen Seelsorgeteams, das derzeit aus 14 Frauen und Männern besteht.

Viele Patienten leiden unter der Isolation

Bei den Gesprächen mit den Patienten offenbart sich dem Seelsorgeteam ein ganzes Bündel an Nöten. „Viele fragen sich sorgenvoll, wie die Entwicklung der Corona-Pandemie weitergeht und ob wir auch in Deutschland so schreckliche Zustände wie in Italien bekommen werden“, schildert Gemeindereferent Peter Kees. Viele litten zudem unter der Isolation und der damit einhergehenden Vereinsamung. „Wichtige Hoffnungsträger für die Genesung dürfen nicht kommen, es fehlt die Ansprache – und ein Telefongespräch ersetzt keinen Besuch“, unterstreicht Kees.

Durch eine persönliche Präsenz der Teammitglieder sind nicht nur Besuche im Krankenzimmer weiterhin möglich, sondern auch Segen und Gebet, Krankensalbung, Kommunion und Abendmahl, die Begleitung von Sterbenden sowie der Abschied von Verstorbenen.

Ruhen muss allerdings derzeit der Dienst der Ehrenamtlichen im Besuchsdienst und bei der Kommunionspendung. „Mit dieser Maßnahme reduzieren wir zum Schutz der Patienten die Anzahl ihrer Außenkontakte. Außerdem arbeiten wir damit der Angst vor Ansteckung entgegen“, erläutert Maximilian Bauer.

Wie viele Einrichtungen nutzt auch das Seelsorgeteam seit Beginn der Corona-Krise verstärkt Homeoffice-Möglichkeiten. „Die sich dadurch ergebenden Einschränkungen im direkten Kontakt versuchen wir durch Telefonate zu kompensieren“, sagt Christian Hohm.

Gottesdienste nur noch per TV-Übertragung

Einen deutlichen Einschnitt gibt es bei der Gestaltung der Gottesdienste im Raum der Stille des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) und in der Katholischen Klinikkapelle. Diese werden zwar weiterhin, gerade auch über Ostern, gefeiert – nur leider ohne direkte Beteiligung der Gemeinde. Allerdings werden die Predigtgottesdienste und Messfeiern – wie auch schon „vor Corona“ – über die kostenfreien Kanäle 34 und 35 des Klinikfernsehens in die Krankenzimmer übertragen. Die genauen Gottesdiensttermine und weitere Informationen über die Angebote der Seelsorge können über den TV-Kanal 35 eingesehen werden.

Mittler zwischen Kranken und Angehörigen

Besonders im Blick hat das Seelsorgeteam die Unterstützung und Begleitung von Angehörigen, die aktuell nicht zu ihren kranken Verwandten dürfen. „Hier läuft die Kommunikation vielfach per Telefon und E-Mail“, berichtet Jürgen Floß. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger überbringen dann zum Beispiel Grüße der Angehörigen im Sinne von ‚Wir denken an dich und beten für dich‘. Manche Familien schreiben auch Briefe mit der Bitte, diese den Patienten vorzulesen. „Für die Angehörigen ist es manchmal nur schwer auszuhalten, dass sie nicht zu ihren Lieben können“, weiß Pastoralreferentin Andrea Lorey und fährt fort: „Unser Dienst ist ihnen da eine Erleichterung.“

Entlastende Gespräche auch für das Personal

Auch auf Seiten der Pflegekräfte und des ärztlichen Personals besteht nach den Beobachtungen des Seelsorgeteams derzeit ein erhöhter Bedarf an entlastenden und unterstützenden Gesprächen – gerade bei den Bereichen, die in die Versorgung von Corona-Patienten eingebunden sind. „Neben dem Gefühl einer drohenden Arbeitsüberlastung und der Sorge um ausreichenden Nachschub an Schutzausrüstung quält viele Beschäftigte die Angst, das Virus nach Hause in die Familien zu tragen“, berichtet Pater Maximilian, und Jürgen Floß fügt hinzu: „Regelmäßige Präsenz auf den betroffenen Stationen ist uns daher besonders wichtig.“ Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, ist dem Seelsorgeteam zutiefst dankbar für seinen großen Einsatz in diesen für Patienten und Personal so schweren Zeiten.

 

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Uniklinikum Würzburg: Atemmasken der Feuerwehr schützen OP-Teams

In einer deutschlandweit beispiellosen Amtshilfe stellt die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg dem Uniklinikum Würzburg Überdruck-Atemschutzmasken der höchsten Sicherheitsstufe zur Verfügung. Mit dieser Ausrüstung können auch bei Corona-Infizierten unaufschiebbare Eingriffe im Nasen-, Mund- und Rachenbereich durchgeführt werden – ohne die OP-Teams zu gefährden.

Operationsteams, die bei mit dem Coronavirus infizierten Patienten unaufschiebbare Eingriffe im Nasen-, Mund- und Rachenbereich durchführen, setzen sich einem besonderen Gesundheitsrisiko aus. „Wir haben ernstzunehmende Berichte über Häufungen von schweren bis hin zu tödlichen Covid-19-Verläufen bei Kollegen aus der Hals-Nasen-Ohren-Medizin in China, Italien und dem Iran“, schildert Dr. Dr. Hartmut Böhm. Der Geschäftsführende Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie (MKG) des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Man vermutet, dass der Eintritt einer hohen initialen Virusmenge oder die häufige Konfrontation mit dem Virus den Krankheitsverlauf besonders schwer werden lassen.“ Gerade die unmittelbare Nähe zur Nasen- und Rachenschleimhaut und das bei vielen Operationen im oberen Respirationstrakt entstehende, vermutlich stark virenbeladene Aerosol lassen nach seinen Worten ein hohes Gefährdungspotenzial für HNO- und MKG-Ärztinnen und -Ärzte wahrscheinlich erscheinen.

30 Maskensätze im Kreislauf

Ein wirksamer Schutz gegen diese Virenattacke können umgebungsluftunabhängige Überdruck-Atemmasken mit Atemregler sein. „Leider verfügen wir bislang nicht über eigene solche Geräte. Und auf dem Markt sind sie gegenwärtig nur äußerst schwer und nicht in ausreichender Menge erhältlich“, bedauert Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW. Im Gegensatz dazu ist die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg sehr gut mit diesem Maskentyp ausgestattet. In diesem Anwendungsbereich schützen sie die Einsatzkräfte vor Feuer, Rauch und Gefahrstoffen. Einer Kooperationsidee von Dr. Böhm folgend, wandte sich Prof. Ertl Ende März dieses Jahres mit einem Amtshilfeersuchen an Dr. Roland Demke, den Leiter der Würzburger Feuerwehrschule. Mit vollem Erfolg: Die Schule stellte dem UKW umgehend 30 Maskensätze zur Verfügung – inklusive eines Wiederaufbereitungskreislaufs. „Diese Atemschutzgeräte der höchsten Schutzstufe sind so hergestellt, dass sie nach jedem Einsatz gereinigt, desinfiziert, geprüft und wiederverwendet werden können“, beschreibt Dr. Demke. Zum „Amtshilfe-Service“ seiner Schule gehört es auch, die benutzten Masken am Klinikum abzuholen, sie in der Feuerwehrschule in der Weißenburgstraße im Würzburger Stadtteil Zellerau vorschriftsmäßig aufzubereiten und zum erneuten Gebrauch, hygienisch in Folienbeuteln eingeschweißt, wieder an den Kliniken anzuliefern.

Luftversorgung aus der „Steckdose“

Für den Krankenhauseinsatz wurden die Geräte technisch adaptiert. Dr. Demke erläutert: „Grundsätzlich ähnelt das System der Luftversorgung von Tauchern. Bei der Feuerwehr wird die Atemluft in Stahlflaschen auf dem Rücken mitgeführt. Der Feuerwehrmann atmet über die Vollschutzmaske, die über einen Atemregler und einen Schlauch mit der Flasche verbunden ist. Mit einer cleveren Idee gelang es den UKW-Technikern, den Atemregler statt an eine Stahlflasche per Zuleitungsschlauch an das gebäudeintegrierte Luftleitungssystem der Klinik anzuschließen. Dadurch fällt nicht nur die körperliche Belastung durch das Tragen der Stahlflasche weg, sondern auch deren begrenzter Luftvorrat als limitierende Größe.“
Nach Schulungen der OP-Teams im Gebrauch der Überdruck-Atemmasken durch Experten der Feuerwehrschule liefen zwischenzeitlich in den OP-Sälen der MKG und der HNO-Klinik des UKW eine Reihe von Testoperationen mit coronafreien Patienten. Die dabei gemachten Erfahrungen sind durchweg positiv. „Das Gesichtsfeld ist vollkommen ausreichend und durch den Überdruck in der Maske atmet es sich viel leichter, als durch eine hochgradig filternde Maske, die einen recht starken Atemwiderstand aufweist“, berichtet Privat-Dozent Dr. Stephan Hackenberg, der Stellvertretende Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen.

Einsatz nur bei Notfalleingriffen

Der Einsatz der Masken soll auf vergleichsweise wenige Notfalleingriffe beschränkt werden. Dr. Böhm skizziert das aktuelle Vorgehen: „Um die Gefährdung für das Personal so gering wie möglich zu halten, führen wir bei Patienten, die dringend eine Operation benötigen, drei Tage und einen Tag vor dem geplanten Eingriff jeweils einen Rachenabstrich durch. In der Zeit dazwischen bleiben sie in einer Art Quarantäne in unserer Klinik. Bei zwei negativen Abstrichen können wir beruhigt mit normaler Schutzkleidung arbeiten. Ist ein Test positiv oder bleibt in Notfällen keine Zeit für eine Testung, verwenden wir jetzt die Atemschutzmasken der Feuerwehr.“

Erste solche Kooperation in Deutschland

In der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg findet – wie in allen bayerischen Schulen – seit dem 16. März 2020 aufgrund der Corona-Krise bis auf Weiteres kein Ausbildungsbetrieb mehr statt. Dies vereinfachte laut Dr. Demke die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung der Masken. „Unser Gerätebestand und unsere Reserven sind allerdings so angelegt, dass wir die Unterstützung des Uniklinikums auch nach einer Wiederaufnahme des Ausbildungsbetriebes aufrechterhalten können“, verspricht der Schulleiter. Seines Wissens ist es das erste Mal in Deutschland, dass so eine Zusammenarbeit praktiziert wird. Dieses „Würzburger Modell“ ließe sich nach seiner Einschätzung bei Bedarf von anderen Städten mit ähnlichen Konditionen kopieren.

Ein mustergültiger lokaler Schulterschluss

„Wir sind schlichtweg begeistert von der Bereitwilligkeit, Schnelligkeit, Professionalität und Freundlichkeit, mit der uns die Würzburger Feuerwehrschule beigesprungen ist“, fasst Prof. Ertl die bei dem Vorhaben gemachten Erfahrungen zusammen. „Ich bedanke mich speziell im Namen der durch die Masken jetzt optimal geschützten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf’s Herzlichste für diesen mustergültigen lokalen Schulterschluss“, so der Ärztliche Direktor.

 

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Gemeinsam gegen Corona an bayerischen Universitätsklinika: Über 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Universitätsklinikum Würzburg sichern tagtäglich umfassende Patientenversorgung

Wissenschaftsminister Bernd Sibler dankt Reinigungskräften: „Ohne Sie alle würde das Universitätsklinikum Würzburg nicht laufen“

WÜRZBURG/MÜNCHEN. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) leisten täglich über 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen unverzichtbaren Beitrag im Kampf gegen das Corona-Virus. Neben dem medizinischen Personal ist der große Einsatz von vielen Kräften in verschiedensten Bereichen gefragt. Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Reinigungskräften zu. Bei diesen bedankte sich Wissenschaftsminister Bernd Sibler Anfang der Woche in Würzburg besonders: „Jeder von uns bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Klinikums stehen jedoch in vorderster Reihe. Ohne Sie alle würde das Universitätsklinikum Würzburg nicht laufen.“ Sibler besuchte in den vergangenen Tagen bayerische Universitätsklinika, um sich bei verschiedenen Berufsgruppen besonders zu bedanken. In Würzburg standen die Reinigungskräfte im Fokus.

Der strikten Einhaltung der ohnehin durchweg höchsten Hygiene- und Sauberkeitsstandards, die in den Universitätsklinika gelten, komme angesichts der Corona-Pandemie eine absolut essentielle Bedeutung zu, so der Minister. „Dafür sorgen Sie, die Reinigungskräfte, jeden Tag. Sie helfen entscheidend mit, damit die Grundvoraussetzungen für die Arbeit in einem Klinikum gegeben sind.“

Enge Abstimmung und ständiger Austausch notwendig

Die Reinigungskräfte müssen aufgrund des ständigen Bestrebens, den Schutz der Patientinnen und Patienten im Klinikum in höchstmöglichem Maß sicherzustellen, immer wieder weitere und auch neue Maßnahmen ergreifen. Die hygienischen Vorgaben sind entsprechend den unterschiedlichen Bereichen des Klinikums streng zu beachten, gerade auch in den Schleusenbereichen zwischen OP-Bereich und den Stationen. Eine enge Abstimmung und ein ständiger Austausch mit dem Pflegepersonal ist wichtiger denn je für die Sicherung der Keimfreiheit. Darüber hinaus müssen die Reinigungskräfte – auch zu ihrem eigenen Schutz – entsprechende Schutzkleidung tragen, was die körperlich ohnehin anstrengende Arbeit erschwert.

Spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet

Das Universitätsklinikum Würzburg hat bereits im Januar eine AG SARS eingerichtet, die sich speziell mit Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Corona-Virus beschäftigt. Eine fachübergreifende Task Force „SARS unter katastrophenmedizinischen Aspekten“ hat darüber hinaus einen Katastrophenplan für einen stark erhöhten Bedarf an Beatmungsplätzen ausgearbeitet, sodass die Kapazitäten schrittweise von rund 80 auf über 140 Plätze erhöht werden können. Die Task Force tauscht sich täglich aus, erhebt den jeweils aktuellen Status in von der Corona-Pandemie betroffenen Bereichen und setzt entsprechende Maßnahmen, insbesondere auch den von der Bayerischen Staatsregierung erlassenen Notfallplan Corona-Pandemie, um. Mit den umliegenden Krankenhäusern und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern/ Würzburg organisiert das UKW die stationäre wie ambulante Versorgung von Corona-Patientinnen und -Patienten und arbeitet insbesondere auch mit den Altenheimen eng zusammen. „Die Region ist uns immer wichtig, aber in einer solchen Krisensituation ist der über Jahrzehnte gewachsene Zusammenhalt von größter Bedeutung“, meinte Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Würzburg. Einen hohen Stellenwert haben am UKW zudem die interne und externe Kommunikation, sowohl im Sinne einer umfassenden Aufklärung als auch Beruhigung.

Ebenso wie das Universitätsklinikum Würzburg setzen auch die weiteren fünf Universitätsklinika im Freistaat und das Deutsche Herzzentrum alles daran, um der Corona-Pandemie zu begegnen: Staatsregierung und Universitätsklinika stehen in täglichem Austausch, etwa zur Zahl der verfügbaren Betten – aktuell halten die Universitätsklinika und das Deutsche Herzzentrum insgesamt rund 3.000 insbesondere für Corona-Patientinnen und -Patienten frei. „In dieser Ausnahmesituation brauchen wir jede helfende Hand!“, so der Minister.

Julia Graf, stellv. Pressesprecherin, 089 2186 2621

 

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Uniklinikum Würzburg: Neue Leitlinie zu gutartigen Tumoren der Hirnanhangdrüse entwickelt

Eine neue Leitlinie setzt erstmals Standards bei der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von hormoninaktiven Tumoren der Hirnanhangdrüse. Die erarbeiteten Empfehlungen helfen unter anderem, eine Unter- oder Überversorgung zu vermeiden. Hauptakteure beim Erstellen des Dokuments waren unter anderem zwei Experten des Uniklinikums Würzburg: Prof. Dr. Martin Fassnacht, der Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, sowie Privatdozent Dr. Timo Deutschbein, Oberarzt in der Endokrinologie.

Eine neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), die unter Beteiligung von zwölf weiteren Fachgesellschaften im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erarbeitet wurde, liefert Medizinerinnen und Medizinern wichtige Informationen und Entscheidungshilfen bei der Untersuchung und Behandlung hormoninaktiver Hypophysentumoren. Die Federführung bei der Publikation hatte – neben Dr. Cornelia Jaursch-Hancke von der DKD Helios Klinik Wiesbaden – Prof. Dr. Martin Fassnacht, der Leiter der Endokrinologie und Diabetologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Außerdem wirkte Privatdozent Dr. Timo Deutschbein, Oberarzt in der Endokrinologie und der Leiter der endokrinologischen Hypophysenambulanz des UKW, als Leitliniensekretär maßgeblich bei der Erstellung mit.

Häufig, aber klinisch oft unauffällig

„Tumoren der Hirnanhangdrüse können in jedem Lebensalter auftreten und sind bei Erwachsenen häufig. Wir vermuten, dass zehn Prozent der Allgemeinbevölkerung betroffen sind“, schildert Prof. Fassnacht. Allerdings seien viele der Tumoren klinisch nicht auffällig und würden oft auch nur zufällig entdeckt. „Hypophysentumoren sind in den allermeisten Fällen gutartig; es handelt sich in der Regel um sogenannte Adenome. Allerdings kann es durchaus sein, dass umliegendes Gewebe durch die Raumforderung beeinträchtigt wird“, erläutert Prof. Fassnacht. Und das kann nach seinen Worten wiederum zu Symptomen wie zum Beispiel Sehstörungen führen. „Eine viel häufigere Folge des Tumors sind jedoch hormonelle Veränderungen. Werden zu viele oder zu wenige Hormone gebildet, können sehr unterschiedliche Beschwerden auftreten – beispielsweise Abgeschlagenheit, Frieren, Kreislaufstörungen, niedriger Blutdruck, Muskelschwäche oder eine Fettstoffwechselstörung“ ergänzt Dr. Deutschbein.

Behandlungsbedarf abhängig von Größe und Beschwerden

Nicht alle Hypophysentumoren müssen behandelt werden. Ob eine Behandlung nötig ist, hängt von ihrer Größe ab und davon, ob sie Beschwerden verursachen. Bislang gab es bei der Diagnostik und Therapie von Hypophysenadenomen allerdings kein standardisiertes Vorgehen. „Durch die klaren Empfehlungen der Leitlinie stellen wir sicher, dass nicht einfach ‚irgendwelche‘ Hormonuntersuchungen veranlasst werden, sondern die klinischen Befunde, die Begleiterkrankungen und die Einnahme von Medikamenten mitberücksichtigt werden“, berichtet Dr. Jaursch-Hancke.

Unter- und Überversorgung vermeiden

Die Leitlinie hilft, sowohl eine Unter-, wie auch eine Überdiagnostik zu vermeiden. Gleiches gilt für die Therapie. Laut der Leitlinie sollte in jedem Fall ein erfahrenes interdisziplinäres Team, zu dem mindestens Fachleute aus Endokrinologie, Neurochirurgie und Neuroradiologie gehören sollten, die Behandlung steuern.

Details im Internet

Im Internet sind die Leitlinie selbst sowie je nach Zielgruppe abgestufte Versionen veröffentlicht:
• S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie klinisch hormoninaktiver Hypophysentumoren: www.endokrinologie.net/files/download/089-002l_S2k_Diagnostik-Therapie-hormonaktiver-Hypophsenadenome_2020-02.pdf
• Kurzversion der S2k-Leitlinie: www.endokrinologie.net/files/download/089-002k_S2k_Diagnostik-Therapie-hormonaktiver-Hypophsenadenome_2020-02.pdf
• Patienteninformation zur Leitlinie: www.endokrinologie.net/files/download/patienteninformation-leitlinie-hormoninakive-hypophysenadenome.pdf

 

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