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"Das Forschungsprofil weiter schärfen": Interview mit Medizin-Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch

In der aktuellen Ausgabe des UKW-Magazins spricht Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, u.a. über das neue Forschungsprofil der Würzburger Universitätsmedizin.

Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät.
Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät. Foto: Daniel Peter / Uniklinik Würzburg

Im kommenden Jahr startet die nächste Runde der Exzellenzstrategie. Dabei wird auch das neue Forschungsprofil der medizinischen Fakultät eine wichtige Rolle spielen. Den Prozess hinter den neuen Profilbereichen erklärt Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch im Interview.

 

Herr Prof. Frosch, seit Anfang 2021 sind Sie der erste hauptamtliche Dekan der Medizinischen Fakultät. Seit 2006 haben Sie das Amt nebenamtlich ausgeübt. Was hat sich für Sie geändert?

Prof. Frosch:

Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit lag auch vor 2021 schon überwiegend im Medizinischen Dekanat, jetzt kann ich mich im Hauptamt noch intensiver meinen Aufgaben für die Fakultät widmen. In der hauptamtlichen Funktion ist auch die Unabhängigkeit größer, das tut dem Amt sicher gut. Meine Aufgaben sehe ich darin, die besten Köpfe für die Würzburger Universitätsmedizin zu gewinnen, Impulse zu geben für die strukturelle und die strategische Ausrichtung unserer Fakultät. Es geht auch darum, Netzwerke zu bilden und sich thematisch klug, mit zukunftsgerichteten Fragestellungen und Technologien aufzustellen. Und die Förderung unseres wissenschaftlichen Nachwuchses in der Medizin ist mir ein ganz besonderes Anliegen. Hier haben wir in den letzten Jahren sehr viel erreicht.

 

Die aktuelle und künftige strategische Ausrichtung zeigt sich auch in den neuen Profilbereichen der Fakultät. Wie kam es zu dieser neuen Schwerpunktsetzung?

Prof. Frosch:

Der fakultätsinterne Strategieprozess startete 2019 und wurde sehr breit von der Professorenschaft unserer Fakultät getragen. Das empfand ich als außergewöhnlich. Zwar wurde der Prozesse extern begleitet, aber das große Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen und auch die Offenheit in dem Prozess, neu und über die eigenen wissenschaftlichen Themen und Schwerpunkte hinaus zu denken, sind für mich die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Zudem war der Handlungsdruck deutlich spürbar: zum Beispiel haben wir unser großes Potenzial bei der Einwerbung von Sonderforschungsbereichen nicht voll ausgeschöpft. Bei aller individuellen fachlichen Exzellenz fehlte uns als Fakultät im nationalen Vergleich ein erkennbares Alleinstellungsmerkmal. Deswegen war der Prozess zur Entwicklung einer neuen Forschungsstrategie so wichtig.

 

Die neue Forschungsstrategie ist nun ein völlig neuer Ansatz anstelle der früheren Schwerpunkte, die sehr fachspezifisch orientiert waren…

Prof. Frosch:

Genau. Mit den neuen Profilbereichen können wir klassische fachspezifische Abgrenzungen überwinden und Interdisziplinarität fördern. Mit unseren drei neuen Profilbereichen „Zelluläre Heterogenität“, „Komplexität im Gewebe und System-/Netzwerkerkrankungen“ schaffen wir einerseits einen fachübergreifenden Rahmen, gleichzeitig bleibt aber der Freiraum für exzellente fachspezifische Forschung erhalten. Wir haben die drei Profilbereiche im Wirkungsfeld von den molekularen Mechanismen bis zur Translation graphisch als „Forschungs-Diamanten“ dargestellt. Dieses Prinzip der neuen Profilbereiche prägt schon jetzt den jüngsten SFB „Cardio-Immune Interfaces“ unter der Leitung von Prof. Stefan Frantz oder das vom BMBF geförderte Advanced Clinician Scientist Programm „Interfaces in Translational Research (INTERACT)“. Diese Förderungen sind eine schöne Bestätigung für diesen Ansatz und machen Mut.

 

Die neuen Profilbereiche werden auch in der kommenden Runde der Exzellenzstrategie eine große Rolle spielen?

Prof. Frosch:

Davon gehe ich aus, aber natürlich geht es hier auch um unsere langfristige Strategie und Standortentwicklung. Für die Exzellenzstrategie müssen im kommenden Jahr Anträge fertig gestellt sein. Daran wird mit großer Intensität gearbeitet. Und fest steht schon jetzt: Die medizinische Fakultät Würzburg wird sich hier mit mehr als einem Antrag einbringen.

 

Sie sind seit fast drei Jahren auch Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT). Ein sehr arbeitsintensives Thema war und ist die neue Approbationsordnung. Wie ist hier der Stand?

Prof. Frosch:

Die neue Approbationsordnung wird kommen. Die alte Bundesregierung hatte es nicht mehr geschafft, die Ordnung auf den Weg zu bringen, vor allem deswegen, weil die Finanzierung der Umsetzung nicht mehr mit den Bundesländern geklärt werden konnte. Nun ist die neue Bundesregierung gefordert. Denn die Umsetzung wird sehr teuer, weil das Medizinstudium fundamental verändert wird. Mit dem sogenannten Z-Curriculum werden die Grenzen von Vorklinik und Klinik komplett aufgebrochen, die Lehrinhalte werden neue Themenfelder umfassen, wie digitale Kompetenzen, Wissenschaftskompetenz, ambulante Medizin, Interprofessionalität. Wir werden als Fakultät aber auch erstmals die Möglichkeit haben, eigene Schwerpunkte zu setzen und unser wissenschaftliches und klinisches Profil auch in der Medizinischen Lehre abzubilden. Wie die Entwicklung der neuen Forschungsstrategie wird die Umsetzung der neuen Approbationsordnung zur Fakultätsentwicklung beitragen.

Ein anderer Schwerpunkt unserer Arbeit im MFT in den vergangenen beiden Jahren war die Corona-Pandemie: die Fakultäten haben alles daran gesetzt, die Ausbildung trotz aller Einschränkungen und Kontaktbeschränkungen zu gewährleisten und dafür Sorge zu tragen, dass alle Studierenden ohne Zeitverluste studieren, bzw. das Studium beenden konnten. Dank des großartigen Einsatzes aller Dozierenden – auch hier in Würzburg und hier auch Dank des riesigen Engagements unserer Studiendekanin Frau Prof. König – ist uns dies auch hervorragend gelungen. Der MFT war intensiv mit den Ministerien, insbesondere mit dem Bundesgesundheitsministerium im Austausch. Denn die Approbationsordnung musste auch aufgrund der Pandemie angepasst und Abweichungen in der Ausbildung zugelassen werden. 

 

Blicken wir nochmal nach Würzburg. Welche Themen müssten aus Ihrer Sicht noch stärker angegangenen werden?

Prof. Frosch:

Wir müssen die digitale Infrastruktur weiter ausbauen, damit wir die Forschungsdaten sowohl für die Grundlagenforschung als auch für die klinische Forschung noch besser für den medizinischen Fortschritt nutzbar machen können. Das geht leider nicht auf Knopfdruck und es kostet Geld. Gleichzeitig haben wir schon jetzt Strukturen, die für viele Forschungsinitiativen essentiell sind, wie etwa die Biobank, die finanziell abgesichert werden müssen. In Anbetracht der stagnierenden Mittelzuweisungen des Freistaats und der faktisch aufgrund von Inflation und Tarifsteigerungen jährlichen Haushaltskürzungen im Bereich Forschung und Lehre ist es eine riesige Herausforderung diese für die medizinische Forschung wichtige Infrastruktur zu betreiben, zugleich die Nachwuchsförderung zu finanzieren und exzellente Forschung zu unterstützen. Für eine angemessene finanzielle Ausstattung der Fakultät zu kämpfen, ist leider auch Teil meines Tagesgeschäfts. Aber es gibt auch positive Entwicklungen: aktuell laufen die Vorbereitungen für den Umbau der alten Medizinischen Klinik im Gebäude D20, in das nach einer mehrjährigen Grundsanierung das Institut für Anatomie und Zellbiologie ziehen wird. Wir sind damit auf einem guten Weg, unser Campus-Konzept umzusetzen und z.B. auch mit dem Neubau für das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung auf dem ehemaligen Lukra-Gelände einen medizinischen Forschungs- und Lehrcampus, entstehen zu lassen, der sich sehen lassen kann!

 

Das Gespräch führte Stefan Dreising.

 

Drei neue Profilbereiche der Würzburger Universitätsmedizin: Was steckt hinter den Begriffen?

 

„Zelluläre Heterogenität“

Die Gewebe und Organe des menschlichen Körpers sind aus einer Vielzahl unterschiedlicher Zellen aufgebaut. Modernste technische Entwicklungen im Bereich der Einzelzellanalyse haben in den letzten Jahren gezeigt, dass scheinbar „identische“ Zellen aus einem Spektrum heterogener Subtypen bestehen, welche eine große Bandbreite an unterschiedlichen Funktionen aufweisen: Jüngste Forschungsergebnisse zum Beispiel aus dem Bereich der Immuntherapie und Geweberegeneration legen nahe, dass es oft nur wenige, spezialisierte Zellen sind, welche Krankheitsprozesse steuern können und dadurch im Fokus von Therapieansätzen stehen.

 

„Komplexität im Gewebe“

Gewebe sind Ansammlungen differenzierter Zellen, die eine gemeinsame Funktion erfüllen. Das komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Zelltypen, extrazellulärer Matrixkomponenten und die Interaktion mit Umweltfaktoren und Mikroorganismen auf der Grundlage molekularer Veränderungen ist essenziell für Funktionen des menschlichen Körpers. Durch Störungen der Interaktion und Kommunikation im komplexen Gewebeverband, z.B. durch Tumorzellen entstehen Krankheiten.

 

„System-/Netzwerkerkrankungen“

In höher entwickelten Organismen regulieren miteinander vernetzte Systemfunktionen interne Prozesse und die Reaktion auf externe Einflüsse. Dysregulation innerhalb dieser Netzwerke kann zu komplexen Erkrankungen führen, deren erfolgreiche Therapie von dem Verständnis der zugrundeliegenden, systemischen Mechanismen und Interaktionen abhängt. Ein detailliertes Verständnis der Kommunikationsprozesse zwischen Organsystemen und zwischen Umwelt und Organismus ermöglicht die Identifizierung von Kausalzusammenhängen biologischer Prozesse und somit ein mechanistisches Verständnis komplexer Pathophysiologie. 

Das komplette Magazin gibt es hier.

 

Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät.
Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät. Foto: Daniel Peter / Uniklinik Würzburg

Die neue Ausgabe von klinikum & wir ist da
Titelbild der aktuellen Ausgabe "Klinikum & wir"
Das Titelbild der aktuellen Ausgabe.

An keinem anderen Krankenhaus in Deutschland wurden im Jahr 2021 mehr Gewebe gespendet, wie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Ausgehend von diesem Rekord widmet sich das Topthema von klinikum & wir auch den anderen „Geschenken der Mitmenschlichkeit“ am UKW: Organ-, Stammzell- und Blutspenden.

48 Seiten mit vielfältigen Nachrichten aus der facettenreichen Lebenswelt der Würzburger Universitätsmedizin – das bietet die kürzlich erschienene Ausgabe 1/2022 von klinikum & wir. So beleuchtet das vom Uniklinikum Würzburg herausgegebene Magazin zum Beispiel in seinem Topthema die aktuelle Situation bei Gewebe-, Organ- und Blutspenden an Unterfrankens Krankenhaus der Maximalversorgung.

An keinem anderen Krankenhaus in Deutschland wurden im Jahr 2021 mehr Gewebe gespendet, wie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Ausgehend von diesem Rekord widmet sich das Topthema von klinikum & wir auch den anderen „Geschenken der Mitmenschlichkeit“ am UKW: Organ-, Stammzell und Blutspenden. Die Ausgabe 1/2022 des quartalsweise erscheinenden, kostenlosen Magazins der Universitätsmedizin Würzburg kann jetzt als Webreader online gelesen werden unter www.ukw.de/fileadmin/uk/portal/Webmagazine/klinikum-und-wir/2022-01/webmagazin.

Die reich bebilderte Publikation spannt einen weiten inhaltlichen Bogen: von erfreulichen Personalia über zahlreiche Berichte zu aktuellen Studien und ein Interview zum zukünftigen Forschungsprofil der medizinischen Fakultät bis zum Blick in einen Bergschubraum der Zentren für Operative und Innere Medizin. 

Titelbild der aktuellen Ausgabe "Klinikum & wir"
Das Titelbild der aktuellen Ausgabe.

Online-Infoabend zu familiärem Eierstockkrebs am 27. April

Bei der kostenlosen Veranstaltung stehen acht Expertinnen und Experten neben ihren Fachvorträgen auch für individuelle Fragen zu erblich bedingtem Ovarialkarzinom zur Verfügung.

Dr. Tanja Schlaiß im gespräch.
Zu den Referentinnen des Online-Infoabends gehört Privatdozentin Dr. Tanja Schlaiß, die Koordinatorin des FBREK Würzburg. Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg

Am Mittwoch, den 27. April 2022, lädt das Familiäre Brust- und Eierstockkrebszentrum Würzburg Betroffene, Angehörige und sonstig Interessierte zu einem virtuellen Informationsabend ein. Bei der kostenlosen Veranstaltung stehen acht Expertinnen und Experten neben ihren Fachvorträgen auch für individuelle Fragen zu erblich bedingtem Ovarialkarzinom zur Verfügung.

„In fünf bis zehn Prozent der Fälle von Brust- und Eierstockkrebs handelt es sich um Erkrankungen, die familiär gehäuft auftreten“, berichtet Prof. Dr. Achim Wöckel. Der Direktor der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Betroffene sollten sich dazu möglichst in einer spezialisierten Einrichtung beraten lassen.“ Eine solche Einrichtung ist das schon seit 1996 vom UKW betriebene und kürzlich von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Familiäre Brust- und Eierstockkrebszentrum (FBREK) Würzburg. Es fungiert als Anlaufstelle für Frauen aus dem Raum Nordbayern und aus benachbarten Gebieten.

Am Mittwoch, den 27. April 2022, gibt eine Online-Veranstaltung allen Interessierten einen Einblick in die Tätigkeiten des FBREK Würzburg. Im Fokus steht diesmal das familiär bedingte Ovarialkarzinom. Ab 18:00 Uhr erklären acht Expertinnen und Experten, wann der Verdacht auf eine familiäre Risikosituation vorliegt, wer sich wann und wie testen lassen sollte und was im Fall des Falles die therapeutischen Konsequenzen sind.

Nach den drei Vorträgen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre individuellen Fragen mit den Fachleuten zu diskutieren.

Die Veranstaltung nutzt die Plattform Zoom. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bis 26. April 2022 bei Michaela Roth von der Würzburger Universitäts-Frauenklinik erforderlich unter E-Mail: roth_m@ukw.de.

Das detaillierte Programm findet sich unter www.ukw.de/frauenklinik

 

Dr. Tanja Schlaiß im gespräch.
Zu den Referentinnen des Online-Infoabends gehört Privatdozentin Dr. Tanja Schlaiß, die Koordinatorin des FBREK Würzburg. Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg

Holetschek: Anwendung integrativer Medizin kann Symptome lindern und Lebensqualität verbessern

Bayerns Gesundheitsminister zur Vorstellung der Ergebnisse der IMBAY-Studie: Ziel ist die wirksamste Therapie für die Patientinnen und Patienten.

 

Vorstellung Akteure IMBAY-Studie mit den Ministern Holetschek und Blume
v.l.n.r.: Prof. Dr. Jost Langhorst, StM Klaus Holetschek, Dr. med. Claudia Löffler, Prof. Dr. Matthias Frosch, Xaver Frauenknecht, StM Markus Blume. Bildquelle: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Naturheilkunde und komplementärmedizinische Therapien können helfen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu verbessern - und viele bayerische Kliniken für Akutmedizin nutzen dieses Potential bereits erfolgreich. Auf entsprechende Ergebnisse der IMBAY-Studie (Integrative Medizin in Bayern) der Julius-Maximilians-Universität und des Universitätsklinikums Würzburg sowie des Klinikums Bamberg hat Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Freitag in München hingewiesen.

Holetschek betonte: „Mein Ziel ist es, Patientinnen und Patienten die wirksamste Therapie zukommen zu lassen. Deshalb haben wir die IMBAY-Studie mit rund 360.000 Euro gefördert.“Der Minister ergänzte: „Die Studie hat ergeben, dass die Anwendung der integrativen Medizin nicht nur im ambulanten Bereich, sondern auch in bayerischen Akut-Krankenhäusern weit verbreitet ist. Zwei Teilprojekte haben dabei wissenschaftlich fundiert gezeigt, dass integrativ medizinische Verfahren wirken können und deren Einsatz – zusätzlich zur konventionellen Medizin – einen wertvollen Mehrwert für Patientinnen und Patienten bieten kann. So können sie beispielsweise zur Verminderung von Symptomen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.“

Wissenschaftsminister Markus Blume sagte: „Integrative Medizin ist Realität in der medizinischen Praxis. Sie ist ein wichtiges Puzzleteil einer modernen medizinischen Versorgung. Vor allem für chronisch kranke Patientinnen und Patienten ist sie oft ein Lichtblick – das zeigen uns auch die Studienergebnisse. Es ist deshalb richtig und wichtig, dass wir die Chancen integrativer Medizin noch stärker in den wissenschaftlichen Fokus nehmen und deren Evidenz weiter untersuchen.“

Ein Teilprojekt beurteilte anhand einer randomisiert kontrollierten Studie die Wirksamkeit von Lebensstil-Interventionen bei Patientinnen und Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Der Projektverantwortliche Prof. Dr. med. Jost Langhorst von der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde der Sozialstiftung Bamberg erläuterte: „Für Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn können wir auf wissenschaftlich hohem Niveau zeigen, dass integrativ-naturheilkundliche Therapiekonzepte einen gewichtigen Beitrag in der Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen leisten können.“

In einem weiteren Teilprojekt unter Federführung des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie ging es darum, Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit von ganzheitlichen Empfehlungen zu Veränderungen des Lebensstils und anderen integrativen medizinischen Verfahren bei gastroenterologischen Patientinnen und Patienten mit Reizdarm systematisch zusammenzufassen und kritisch zu bewerten. Dr. med. Claudia Löffler von der Medizinischen Klinik II an der Uniklinik Würzburg fasste die Ergebnisse des Teilprojektes zusammen: „Unsere umfassende internationale Literaturrecherche zeigte, dass es für achtsamkeitsbasierte Interventionen gute Hinweise einer Wirksamkeit zur Behandlung des Reizdarmsyndroms gibt. Für viele andere Verfahren der komplementären Medizin fehlen aber noch belastbare Ergebnisse aus qualitativ guten Studien. Hier besteht für die universitäre Medizin ein großer Forschungsbedarf."

Im dritten Teilprojekt wurden die Internetauftritte der Akutkrankenhäuser in ganz Bayern gesichtet. Dadurch sollte in Erfahrung gebracht werden, wo und wie häufig die integrative Medizin Anwendung findet. Die Projektleiterin Dr. med. Löffler führte aus: „Naturheilkundliche und komplementäre Therapieverfahren gehören zur Versorgungsrealität in bayerischen Akutkrankenhäusern. Ein Großteil dieser Kliniken bietet auf ihren Websites drei oder mehr komplementärmedizinische Verfahren an. Bei Betrachtung unterschiedlicher medizinischer Fachgebiete, waren diese Verfahren in der Psychiatrie und Psychosomatik sowie in der Geburtshilfe und Gynäkologie am häufigsten vertreten.“

 

Holetschek unterstrich: „Wie die IMBAY-Studie zeigt, leisten evidenzbasierte Naturheilverfahren und Komplementärmedizin vor allem bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn einen wertvollen Beitrag. Deshalb ist es wichtig, diese Naturheilverfahren noch stärker in die medizinische Versorgung zu integrieren. Dafür müssen wir Naturheilverfahren vermehrt in den wissenschaftlichen Fokus nehmen.“

 

Der Projektzeitraum der IMBAY-Studie erstreckte sich vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2021. Sie bestand aus drei Teilprojekten.

Pressemitteilung des Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, 8.4.2022

Große Dankbarkeit für die Unterstützung von ukrainischen Familien mit krebskranken Kindern

Vermittlung von Wohnungen, Kleidung, Lebensmittel und psychosoziale Betreuung – die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder e.V. unterstützt die Familien von krebskranken Kindern aus der Ukraine, die an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik behandelt werden.

Vermittlung von Wohnungen, Kleidung, Lebensmittel und psychosoziale Betreuung – die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder e.V. unterstützt die Familien von krebskranken Kindern aus der Ukraine, die an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik behandelt werden.

Aktuell werden mehrere krebskranke, vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtete Kinder an der Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg behandelt. So sind die Familien von fünf dieser Mädchen und Jungen in Wohnungen der Elterninitiative untergebracht. Die Wohnungen, die der Verein aus Spendenmitteln unterhält, befinden sich in Kliniknähe und gewährleisten somit kurze Wege für die Behandlung und Besuche.

Weitere Unterstützung erfahren die Angehörigen durch die Arbeit des psychosozialen Teams der Kinderklinik, bei dem die Elterninitiative die Stelle der leitenden Psychologin, drei Sozialpädagoginnen, eine Sporttherapeutin sowie zwei Erzieherinnen finanziert. Auch im Alltag hilft das das Team der Elterninitiative den Familien bei Bedarf mit Lebensmitteln und Kleidung. 

„Der Krieg in der Ukraine stellt eine besondere Herausforderung dar und es ist uns ein großes Bedürfnis, den geflüchteten Familien mit einem krebskranken Kind in einer solchen extremen Notlage zur Seite zu stehen“, sagt Jana Lorenz-Eck, die Vorsitzende der Elterninitiative. Ihr Dank gilt den vielen Spenderinnen und Spendern, die die Arbeit des Vereins zur Unterstützung der Uni-Kinderklinik seit mehr als 35 Jahren ermöglichen.

In der Residenz: Benefizkonzert der Birgit-Werner-Stiftung zur Unterstützung krebskranker Frauen am 14. Mai

„MUSIK. MUT. FRAUEN.“ - So lautet der Titel für das klassische Benefizkonzert der „Birgit Werner Stiftung“ im Kaisersaal der Residenz Würzburg am 14. Mai und 19 Uhr. Der Kartenerlös und weitere Spenden durch das hochklassige Konzert kommen der Stiftung zugute.

Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler
Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler

Würzburg. „MUSIK. MUT. FRAUEN.“ - So lautet der Titel für das klassische Benefizkonzert der „Birgit Werner Stiftung“ im Kaisersaal der Residenz Würzburg am 14. Mai und 19 Uhr. Das renommierte Stuttgarter Kammerorchester, dirigiert von Nil Venditti wird begleitet von der deutsch-japanischen Pianistin Mona Asuka. Der Kartenerlös und weitere Spenden durch das hochklassige Konzert kommen der Stiftung zugute. Die Birgit-Werner-Stiftung fördert u.a. die Psychoonkologie an der Würzburger Uniklinik und unterstützt junge Frauen, die an Krebs erkrankt sind.-

Namensgeberin der Stiftung ist Dr. Birgit Werner. Die 1981 geborene Medizinerin ist im Jahr 2019 verstorben. Sie regte in ihrem Testament an, aus ihrem Nachlass eine Stiftung ins Leben zu rufen, die sich für die Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft – im beruflichen wie im kulturell-sozialen Umfeld sowie speziell für die Unterstützung für Frauen während einer Krebserkrankung einsetzt. Aus diesem Grund fördert die gemeinnützige Stiftung, die von ihren Eltern daraufhin ins Leben gerufen wurde, auch nachhaltig das Comprehensive Cancer Center am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und finanziert dort eine psychoonkologische Stelle. Hinzu kommen Aktionen für und mit Patientinnen der Würzburger Uniklinik: Das können z.B. spezielle Wünsche sein wie ein Konzertbesuch, die Begleitung zu einer Ausstellung oder ein besonderes Essen. Auch Angehörige von Patientinnen mit einer Tumorerkrankung werden so gezielt unterstützt.

Mit dem Konzert am 14. Mai möchte die Stiftung nun zum einen für Spenden werben aber auch die Arbeit und das Wirken der noch jungen Stiftung in Würzburg und Franken bekannter machen. Das Konzert findet unter den geltenden Corona-bestimmungen statt. Tickets können direkt auf der Homepage der Stiftung erworben werden:

www.birgitwernerstiftung.de

Auch direkt Spenden sind dort möglich.

 Infos auf einem Blick:

MUSIK. MUT. FRAUEN.

Klassisches Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Nil Venditti, am Flügel Mona Asuka im Kaisersaal der Residenz Würzburg.

14. Mai, 19:00

Würzburg, Residenzplatz 2, 97070 Würzburg, Deutschland

Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler
Freuen sich auf das Benefizkonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Residenz am 14. Mai: Dr. Elisabeth Jentschke (CCC Mainfranken, Uniklinik Würzburg), Karl-Heinz und Renate Werner (Birgit-Werner-Stiftung, v.l.). Foto: UKW/Margot Rössler

Uniklinikum Würzburg: Zwei Tage lang neue Erkenntnisse zu ADHS

Am 30. April und 1. Mai dieses Jahres laden der Selbsthilfeverein ADHS Deutschland e.V. und die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg zu einem gemeinsamen Symposium in die Mainfrankensäle nach Veitshöchheim ein. Dort werden Betroffene, Pädagoginnen und Pädagogen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie alle sonstigen Interessierten von Fachleuten über neue Entwicklungen zu diversen Aspekten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) informiert.

Gemeinsam ist besser – so lautet der Titel des diesjährigen ADHS Deutschland Symposiums, der gleichzeitig auch der 8. Bayerische ADHS-Tag ist. Das Motto spielt auf die hier verwirklichte, allseits vorteilhafte Kooperation von Selbsthilfe und Klinik an. Denn die zweitägige Veranstaltung wird gemeinschaftlich organisiert vom ADHS Deutschland e.V. und der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) des Uniklinikums Würzburg (UKW). Am Wochenende vom 30. April und 1. Mai 2022 laden beide Einrichtungen gemeinsam zu aktuellen Informationen aus einem breiten Themenspektrum rund um die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in die Mainfrankensäle in Veitshöchheim bei Würzburg ein. Mit allgemeinverständlichen Vorträgen wollen die sechs Referentinnen und Referenten gleichermaßen Betroffene, Pädagoginnen und Pädagogen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie alle sonstigen Interessierten erreichen. 

Die häufige Abwärtsspirale frühzeitig unterbrechen 

„ADHS ist eine in den letzten Jahren medial sehr kontrovers diskutierte Erkrankung. Die Betroffenen – darunter auch viele Erwachsene – fühlen sich häufig durch ihre Unaufmerksamkeit, Impulsivität oder Überaktivität im Alltag beeinträchtigt“, berichtet Silvia Stein. Die 2. Landesgruppenleiterin der Landesgruppe Bayern des ADHS-Deutschland e.V. und Co-Organisatorin des Symposiums fährt fort: „Bei hoher Symptomausprägung können persönliche, schulische, berufliche wie private Ziele kaum erreicht werden, was langfristig zu einem erhöhten Risiko für weitere Erkrankungen wie Depressionen führen kann. Um diese Abwärtsspirale zu unterbrechen, ist es wichtig, frühzeitig zu informieren und Behandlungsangebote zu unterbreiten.“

Breites Themenspektrum 

Dazu deckt das Themenspektrum der Großveranstaltung den Verlauf von ADHS bei Kindern wie auch Erwachsenen, gesellschaftliche Aspekte sowie Behandlungsmöglichkeiten, wie Verhaltenstherapie, Medikation und weitere Ansätze, ab.

„Der Schulterschluss mit der Selbsthilfe ermöglicht uns einen besonders ganzheitlichen Blick auf diese neurologisch bedingte Erkrankung, die zu den häufigsten psychischen Problemen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gehört“, freut sich Prof. Dr. Marcel Romanos, der Direktor der KJPPP des UKW über die gelebte Kooperation. 

Auch spezielles Kinder- und Jugendprogramm

Neben den Fachvorträgen für Erwachsene bietet das Symposium an beiden Tagen auch ein Kinder- und Jugendprogramm an. Gegliedert in drei Altersgruppen gibt es hier jeweils passende Angebote. „Neben dem Informationsgewinn und der Selbsterfahrung profitieren viele Kinder durch die Gruppenveranstaltungen von der Erkenntnis, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind“, verdeutlicht Silvia Stein.

Schirmherrin des Symposiums ist Staatssekretärin Anna Stolz vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. 

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist als Fortbildung für Lehrkräfte anerkannt und wird zudem durch die Bayerische Landesärztekammer und die Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zertifiziert.

Das Symposium findet am Samstag, den 30. April 2022, von 9:00 bis 16:30 Uhr und am Sonntag, den 1. Mai 2022, von 9:15 bis 12:00 Uhr in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim statt. Alle Details über das Programm, die Kosten und die Online-Anmeldung finden sich unter www.adhs-deutschland.de.

Eine Teilnahme ist nur mit vorhergehender Online-Anmeldung möglich, es wird keine Tageskasse geben.