Aktuelle Pressemitteilungen

Zum CRPS-Weltaufmerksamkeitstag: Das Uniklinikum Würzburg therapiert und erforscht das seltene Schmerzsyndrom

Am 1. November dieses Jahres wird weltweit auf die Existenz und die Herausforderungen des komplexen regionalen Schmerzsyndroms hingewiesen. Die seltene Erkrankung gehört zu den Behandlungs- und Forschungsschwerpunkten des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin des Uniklinikums Würzburg.

Zur Behandlung des CRPS am ZiS des Uniklinikums Würzburg gehört auch eine spezielle Physiotherapie, die zu guten Erfolgen mit Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit führt. Beispielsweise lernt das Gehirn bei der Spiegeltherapie über die gesunde Extremität wieder eine normale schmerzarme Wahrnehmung und Bewegung der erkrankten Extremität.

Am Montag, den 1. November 2021, ist der jährliche CRPS Orange Day – ein internationaler Aktions- und Informationstag, der auf das Complex Regional Pain Syndrome, also das komplexe regionale Schmerzsyndrom, aufmerksam machen will. Die früher auch als Morbus Sudeck bezeichnete, seltene Erkrankung ist gekennzeichnet von anhaltenden, starken Schmerzen an Armen oder Beinen nach Verletzungen oder Operationen. Oft sind die betroffenen Glieder massiv geschwollen oder schweißig, bläulich-rötlich verfärbt sowie entweder deutlich wärmer oder kälter als die Gegenseite. In Deutschland gibt es schätzungsweise zwischen 10.000 und 40.000 Betroffene.

Überregionale Anlaufstelle und breite Forschung in Würzburg

„Gerne nehmen wir den weltweiten Aufklärungstag zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass unser Zentrum eine überregionale Anlaufstelle für die Behandlung von CRPS ist“, sagt Prof. Dr. Heike Rittner, die Leiterin des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) des Uniklinikums Würzburg (UKW). Nach ihren Worten wird am ZiS für CRPS-Patientinnen und -Patienten individuell eine interdisziplinäre multimodale Therapie zusammengestellt. „Außerdem können wir eine besondere Betreuung im Rahmen klinischer Verlaufsstudien anbieten“, ergänzt die Schmerzexpertin. Generell sei das Forschungsengagement zum komplexen regionalen Schmerzsyndrom als Teil der klinischen Forschungsgruppe KFO5001 ResolvePAIN am UKW sehr breit aufgestellt.

Neu: Spezielle ambulante Patientenschulung

Brandneu im CRPS-Portfolio des ZiS ist eine eigene ambulante Patientenschulung, die sowohl den medizinisch-medikamentösen Bereich, wie auch psychosoziale und physiotherapeutische Aspekte abdeckt. Expertinnen und Experten für die Erkrankung erklären dabei die Hintergründe und zeigen besondere Übungen für die CRPS-Behandlung, wie das Graded Motor Imagery.

„Orange Day“ heißt der immer am ersten Montag im November stattfindende Infotag übrigens, weil in vielen Aktionen weltweit orange beleuchtete Bauwerke sowie orange Kleidung und Schleifen visuell auf die Krankheit aufmerksam machen.

Pressemitteilung als PDF.

Einladung zum Würzburger Philosophicum am Do. 28. Oktober 18.00 Uhr c.t. bis 20.00 Uhr; Das Prinzip Verantwortung: Ökologie und Medizin

Hiermit möchten wir Sie sehr herzlich zu unserem Philosophicum im Wintersemester einladen. Das Semesterthema widmet sich der Ökologie, dem Klimawandel und den gesundheitlichen Folgen, stellt die Frage nach der Verantwortung für die Medizin und ist damit hochaktuell.

Unser Programm finden Sie in der Anlage. Nähere Informationen zum Philosophicum, unser Konzept und die ausgearbeiteten und exzellenten Vorträge von Prof. Dr. phil. Johann-Heinrich Königshausen, Mitbegründer des Philosophicums, finden Sie unter www.ukw.de/philosophicum.

Erfreulicherweise können wir unsere Veranstaltung zum Wintersemester sowohl vor Ort am Universitätsklinikum Würzburg abhalten (hier gilt die 3 G Regel), als auch über Zoom, hierfür erhalten Sie den Link mit dieser Einladung. Außerdem finden Sie die Vorträge auf dem Youtubekanal des Würzburger Philosophicum unter der Voraussetzung, dass unsere Referent*innen jeweils damit einverstanden sind. Eine separate Anmeldung für die Veranstaltungen ist mit Ausnahme des Präsenzseminars nicht erforderlich.  

Beginn der Veranstaltungsreihe:

Donnerstag, 28.10.2021 18.00 c.t. - 19.45 Uhr

Referent:
Prof. Dr. Michael Kühl (Lehrstuhlinhaber Institut für Biochemie und Molekulare Biologie der Universität Ulm) (zugeschaltet über Zoom)

Titel des Vortrags: Das Prinzip Verantwortung: Der Klimawandel und seine gesundheitlichen Folgen

Prof. Dr. Michael Kühl ist Biochemiker und Direktor des Instituts für Biochemie und Molekulare Biologie an der Universität Ulm. Neben seiner Tätigkeit in Forschung und Lehre an der Medizinischen Fakultät engagiert er sich seit Jahren in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimawandel. Er ist Vorstandsmitglied des Ulmer Initiativkreises für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie Mitglied im Fachkollegium der Scientists for Future, in der Impulsgruppe Nachhaltigkeit der Stadt Blaustein und im Klimaschutzbeirat der Stadt Ulm. Zusammen mit seiner Frau betreibt er den Umweltblog.

Studierende, Philosophen, Mediziner, Ärzte und Interessierte reflektieren und diskutieren unser Schwerpunktthema transdisziplinär mit Bezug zu Praxis, Klinik, Forschung und verwandten Fächern. Die Veranstaltungen sind bewusst interaktiv gehalten und schließen neben dem Vortrag eine offene Diskussion ein. Besonders begrüßen wir dazu Studierende anderer Hochschulen, Kolleg*innen aus Klinik und Praxis sowie an der Thematik Interessierte.

Zusätzlich ist unser Auftritt auf Meetup eingerichtet und steht auf Wunsch zur Verfügung unter https://www.meetup.com/de-DE/wuerzburger-philosophicum. Dort können sich Interessent*innen des Würzburger Philosophicums austauschen und über die Veranstaltungen diskutieren. Sie finden hier außerdem unter anderem alle Veranstaltungen, die in diesem Semester noch stattfinden, und werden, wenn Sie unserer Gruppe beitreten, über den Newsletter hinaus über weitere Veranstaltungen informiert. Geplant ist beispielsweise eine zusätzliche Veranstaltung des Philosophicums am Internationalen Tag der Philosophie, 18. November 2021, an der Universitätsklinik Würzburg.

Über Ihre Teilnahme und Mitwirkung an der Diskussion freut sich sehr

Ihr Philosophicumsteam -

Carla Winter, Judith Kleiss, Hannah Gauger, Charlotte Göttmann, Gloria Griebel, Harriet Hahn, Antonia Mortsch, Camila Malkewitz, Michael Gabler, Till Gallasch, Valentin Metzner, Hans Aster, Jonas Daub, Michael Schmidt, Johannes Königshausen und Thomas Bohrer

Veranstaltungsprogramm als PDF.

Brustkrebs-Forum 2021: Von deeskalierten Therapien und ästhetischen onkoplastischen Operationen

Am Dienstag, den 30. November 2021, veranstaltet die Würzburger Universitätsfrauenklinik für alle Interessierten ihr 8. Brustkrebs-Forum. Ein Schwerpunkt dabei ist die derzeit vielfach propagierte Deeskalation: Bei welchen Patientinnen und wie können belastende Eingriffe und Therapien minimiert werden – und das möglichst ohne Effektivitätsverlust?

Prof. Dr. Achim Wöckel (links), Prof. Dr. Ute-Susann Albert und Prof. Dr. Rafael Jakubietz sind die Experten des Brustkrebs-Forums 2021.

Das jährliche Brustkrebs-Forum der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) ist für Patientinnen und deren Angehörige eine Chance, sich aus erster Hand über Neuerungen in der Therapie sowie weitere relevante Entwicklungen und Themen rund um das Mammakarzinom zu informieren. Die diesjährige Neuauflage am Dienstag, den 30. November, findet – wie schon in 2020 – als Online-Veranstaltung statt. Über die Videokonferenz-Plattform Zoom werden ab 18:00 Uhr drei Kurzvorträge angeboten.

Therapievielfalt reduzieren, Nebenwirkungen ersparen

Zunächst werden Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik, und Prof. Dr. Ute-Susann Albert, die in seinem Team den Bereich Senologie leitet, über neue chemo-, strahlen- und immuntherapeutische Behandlungswege referieren. „Nachdem in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer weitere Therapien entwickelt und zum Nutzen der Patientinnen eingesetzt wurden, hat sich beim Behandlungserfolg mittlerweile ein gewisses Plateau eingestellt“, berichtet Prof. Wöckel und fährt fort: „Deshalb geht es derzeit unter dem Stichwort Deeskalation darum, die individuell verabreichte Therapievielfalt möglichst wieder zu reduzieren und so den Patientinnen Nebenwirkungen zu ersparen – natürlich ohne Effektivitätsverlust.“

Das Körperbild erhalten

Ein wichtiger Partner der Frauenklinik ist die Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie. „Die moderne Onkoplastik ist in der Lage, einem hohen Prozentsatz der Brustkrebspatientinnen ihre Brust und somit das eigene Körperbild zu erhalten“, schildert Prof. Wöckel. Wie heute onkologische und rekonstruktive chirurgische Maßnahmen vereint werden, erläutert beim Brustkrebs-Forum Prof. Dr. Rafael Jakubietz, der Leiter der Plastischen und ästhetischen Chirurgie des UKW.

Da die Teilnehmerzahl der kostenlosen Veranstaltung begrenzt ist, ist eine Anmeldung bis spätestens 15. November 2021 wichtig. Wer sich rechtzeitig anmeldet, erhält per E-Mail die Zugangsdaten und eine detaillierte Anleitung zum technischen Ablauf. Für die Anmeldung kontaktieren alle Interessierten Gabriele Nelkenstock, die externe Selbsthilfebeauftragte des UKW, unter E-Mail: selbsthilfe@ukw.de oder Tel: 0931 / 88079447.

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Sieben Slammer streiten um den Sieg

Am 5. November 2021 laden die Universität Würzburg und die Hochschule Würzburg-Schweinfurt zu einer Neuauflage des Science Slams ein. Sieben Kandidaten präsentieren ihre Forschung – so kurz, wie unterhaltsam.

In einem Vortrag von maximal sieben Minuten Länge das eigene Forschungsgebiet einem Laienpublikum präsentieren – also möglichst allgemeinverständlich, ohne dabei allzu stark zu vereinfachen, und im Idealfall auch noch unterhaltsam, ohne deswegen in Klamauk zu verfallen: Das ist die Herausforderung beim Science Slams.

Dieser stellen sich jetzt sieben Kandidaten vom Professor über den (fast) fertigen Doktor bis zum Alumnus in einer Veranstaltung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Organisiert hat den Science Slam das Alumnibüro der Universität in Kooperation mit der Stadt Würzburg und der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS).

Zeit und Ort

Der Slam findet statt in hybrider Form am Freitag, 5. November, im Zentralen Hörsaal- und Seminargebäude (Z6) am Hubland Campus der Universität statt; Beginn ist um 19 Uhr. Hybrid bedeutet: „Es werden zum einen Zuschauerinnen und Zuschauer im Hörsaal vor Ort sein. Zum anderen können Interessierte den Slam vor ihrem eigenen Bildschirm genießen“, erklärt Michaela Thiel, Alumni-Beauftragte der Uni Würzburg. Wer vor Ort mit dabei sein will, muss die 3G plus-Regeln befolgen, also entweder geimpft, genesen oder aktuell getestet sein.

Eingeleitet wird der Slam vom letztjährigen Gewinner, Dr. Diego D’Angelo, Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Würzburg.

Die weiteren Teilnehmer sind

  • Der Gewinner 2020 leitet den Slam ein: Diego D’Angelo (Philosophie, JMU)
  • Prof. Dr. Heike Jüngst, (Studiengangsleitung Fach- und Medienübersetzen, FHWS)
  • Prof. Dr. Olaf Hoos (Sportwissenschaften, JMU)
  • Dr. Sebastian Markert (Alumnus der Biologie, heute Johns Hopkins University)
  • Prof. Dr. Markus H. Zink (Ingenieurswissenschaften, FHWS)
  • Prof. Dr. Jochen Griesbach (Archäologie, JMU)
  • Dr. Stefan Röttig (Philosophie, JMU)

An der Wahl des Gewinners sind selbstverständlich beide Zuschauergruppen beteiligt, zum einen durch die Lautstärke ihres Applauses, zum anderen durch die Vergabe von Zoom-Umfragepunkten.

Durch den Abend führt wie schon in den Vorjahren Alumnus und Radiomoderator Johannes Keppner.

Vorverkauf gestartet

Karten können zum Preis von drei Euro für den Zoom-Science Slam und von sechs Euro für die Teilnahme vor Ort erworben werden:

https://go.uniwue.de/zoomscienceslam2021

https://go.uniwue.de/praesenzscienceslam2021

Der Erlös kommt dem Deutschlandstipendium zugute, mit dem Studierende mit guten Studienleistungen gefördert werden, die sich neben ihrem Studium ehrenamtlich engagieren.

Aktuelle Informationen sowie Kurzportraits der diesjährigen Slammer sind auf der Website des Alumnibüros (https://www.uni-wuerzburg.de/alumni/veranstaltungen/science-slam/ ) der Universität Würzburg zu finden.

Kontakt

Universität Würzburg, Alumnibüro, T: +49 931 31 83150, E-Mail: alumni@ uni-wuerzburg.de

Uniklinikum Würzburg: Erneutes digitales Update zum Thema Multiples Myelom

Am Samstag, den 20. November 2021, informiert die nächste Ausgabe des Myelom-Forums des Uniklinikums Würzburg ein weiteres Mal über Neuigkeiten bei der Erforschung, Diagnostik und Therapie der bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks. Mittlerweile sehr gut etabliert ist die Durchführung des an Betroffene und deren Angehörige gerichteten Infotages als Webinar.

Das vierte digitale Myelom-Forum des Uniklinikums Würzburg findet am Samstag, den 20. November 2021 statt.

„Die Behandlung des Multiplen Myeloms wird aus verschiedenen Gründen immer komplexer“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW), und zählt auf: „Wir verstehen die Heterogenität dieser bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks immer besser, so dass wir Untergruppen erkennen können, die individualisiert zu therapieren sind. Dafür können wir unter immer mehr zugelassenen Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkprinzipien wählen. Zusammen mit dem Blick auf die persönliche Situation der Patientinnen und Patienten wird es immer anspruchsvoller, zu entscheiden, welcher Behandlungsweg für wen am besten geeignet ist.“ Hinzukomme, dass man durch das jetzt mögliche, längere Überleben der Betroffenen auch Nebeneffekten, wie Kiefernekrosen, noch mehr Aufmerksamkeit schenken müsse. Ein Update zu diesen und vielen weiteren Aspekten gibt es für Patient*innen, Angehörige und alle sonstigen Interessierten am Samstag, den 20. November 2021 bei einer halbtägigen Online-Vortragsveranstaltung des UKW.

 Sechs Vorträge für ein breites Themenspektrum

Beim 4. Digitalen Myelom-Forum referieren neben Prof. Einsele ab 9:30 Uhr fünf weitere Fachleute des Klinikums und der Uni Würzburg über die Softwareplattform Zoom zu Themen aus der Zahn-, Nuklear- und Komplementärmedizin sowie aus der Radiologie und Virologie. Aus dem letztgenannten Bereich wird Prof. Dr. Lars Dölken vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Uni Würzburg verdeutlichen, warum gerade für die immungeschwächten Myelom-Patient*innen eine umfassende Corona-Impfung höchst sinnvoll ist.

Nach jedem Vortrag und bei der abschließenden Diskussionsrunde gegen 11:45 Uhr haben die Teilnehmer*innen Gelegenheit, sich per Chat zu Wort zu melden und individuelle Fragen zu stellen.

Eine Teilnahme an der Onlinekonferenz ist über Computer, Smartphone und Telefon – hier natürlich nur mit Ton-Empfang – möglich. Nach der Anmeldung erhalten die Interessenten per E-Mail die Zugangsdaten und eine detaillierte technische Anleitung.

Die Veranstaltung ist kostenlos, es wird allerdings um eine Spende von zehn Euro zugunsten der Stiftung „Forschung hilft“ (www.forschung-hilft.de) gebeten. Anmelden kann man sich bis spätestens 5. November 2021 unter E-Mail: selbsthilfe@ukw.de.

Das genaue Programm gibt es im Veranstaltungskalender unter www.ukw.de/medizinische

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Gebärmutterhalskrebs: Kooperation mit fatalem Ergebnis

Müssen Viren und Bakterien kooperieren, damit Gebärmutterhalskrebs entsteht? Dieser Frage geht die Infektionsforscherin Cindrilla Chumduri in einem neuen Forschungsprojekt nach. Sie arbeitet dabei mit künstlichen Gewebemodellen.

Das Bild zeigt Gewebe des Gebärmutterhalses, das mit Plattenepithelzellen (grün) ausgekleidet ist, die das endozervikale Säulenepithel (rot) ersetzen. Solche Plattenepithelgewebe sind sehr anfällig für die Besiedlung mit Krankheitserregern und die Entwicklung von Gewebeneubildungen

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit der vierthäufigste Tumor bei Frauen. In Deutschland erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft jedes Jahr rund 4.400 Frauen daran, etwa 1.600 sterben jährlich. Dass in einem Großteil der Fälle – konkret: in etwa 90 Prozent – Viren zu diesen bösartigen Gewebeneubildungen beitragen, dürfte seit 2007 allgemein bekannt sein. In diesem Jahr startete in Deutschland eine Impfkampagne für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Der Impfstoff richtet sich gegen den Auslöser: das Humane Papillomvirus (HPV).

Das Virus allein führt nicht zum Krebs

Dass HPV für den überwiegenden Teil der Krebserkrankungen verantwortlich ist, bedeutet nicht, dass eine Infektion mit dem Virus zwangsläufig eine Erkrankung nach sich zieht: Aktuelle Statistiken gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens eine Infektion durchmachen. Dennoch entwickeln nur 1,6 Prozent von ihnen Gebärmutterhalskrebs.

„Es ist also klar, dass eine HPV-Infektion allein wahrscheinlich keinen Gebärmutterhalskrebs verursachen kann. Es gibt zwar viele mögliche Kofaktoren, die das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöhen, einschließlich Koinfektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheitserregern, aber der relative Beitrag jedes einzelnen ist noch nicht geklärt", sagt Dr. Cindrilla Chumduri. Die Wissenschaftlerin leitet eine Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Gewebeveränderungen nach Infektionen bilden einen ihrer Forschungsschwerpunkte. Dafür entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Team unter anderem lebensechte Organnachbildungen – sogenannte 3D-Organoide, an denen sie die Wechselwirkungen zwischen dem Krankheitserreger und den jeweiligen Geweben sowie die Krankheitsprozesse erforscht.

In einem neuen Forschungsprojekt untersucht Chumduri in den kommenden drei Jahren, welche Faktoren noch dazu kommen müssen, damit eine HPV-Infektion Krebs verursacht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert das Projekt mit rund 400.000 Euro.

Viele Erkrankte sind auch mit Chlamydien infiziert

„Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass Patientinnen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, nicht nur mit dem Humanen Papillomvirus infiziert sind, sondern gleichzeitig auch mit dem bakteriellen Erreger Chlamydia trachomatis“, sagt die Wissenschaftlerin. In früheren Arbeit konnte Chumduri bereits nachweisen, dass Chlamydia trachomatis in infizierten Zellen Schäden am Erbgut verursacht, ohne dass deshalb die sonst üblichen Reparaturmechanismen der Zellen starten.

Auch den programmierten Zelltod, mit dem der Organismus normalerweise verhindert, dass entartete Zellen sich unkontrolliert vermehren, unterdrückt das Bakterium erfolgreich. „Trotz dieser eindeutigen Zusammenhänge zwischen HPV- und Chlamydien-Infektionen und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist deren Rolle bei der Entwicklung von Gewebeneubildungen und den nachfolgenden Schritten der Krebsentstehung bisher nicht untersucht worden“, so Chumduri. Das will sie nun in ihrem neuen Forschungsprojekt ändern.

Für den Mangel an diesen Studien gibt es nach Chumduris Meinung einen einfachen Grund: „Es fehlt an den erforderlichen In-vitro-Infektionsmodellen, die dem natürlichen Gewebe eines Gebärmutterhalses so weit wie möglich entsprechen“, sagt sie. Darüber hinaus würden die meisten Studien auf diesem Gebiet mit Krebszellen durchgeführt, die die physiologischen Interaktionen kaum realistisch widerspiegeln.

Aus diesen Grund hat sie spezielle 3D-Organoid-Modelle entwickelt und verwendet Mausmodelle, die ein gutes Bild davon vermitteln was passiert, wenn in den verschiedenen Gewebsschichten des Gebärmutterhalses sowohl Humane Papillomviren als auch Chlamydien auftreten. Bei der Untersuchung dieser Vorgänge setzt sie auf neueste Technologien wie beispielsweise eine genetische Abstammungsanalyse, die Einzelzell-RNA-Sequenzierung und die sogenannte räumliche Transkriptomik.

Auf diese Weise will Chumduri gemeinsam mit ihrem Team in den kommenden Jahren neue Erkenntnisse über die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs gewinnen und – neben dem Humanen Papillomvirus – weitere Faktoren identifizieren, die zu einer HPV-Infektion hinzukommen müssen, damit das Gewebe tatsächlich entartet.

Kontakt

Dr. Cindrilla Chumduri, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: +49 931 31 86531, cindrilla.chumduri@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Uni Würzburg

30 Jahre DÄVT - Facetten ärztlicher Verhaltenstherapie

Kongressbericht vom 6. Würzburger Psychotherapietag

historisches Portal Psychiatrie

                                            

Corona-Pandemie und traumatisierende Ereignisse wie der Amoklauf in Würzburg mit ihren negativen Auswirkungen auf unsere Psychische Gesundheit verdeutlichen und erhöhen den Bedarf an Psychotherapie in unserer Gesellschaft.

Die Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DÄVT) stellt sich seit 30 Jahren dieser Herausforderung durch Ausbildung von Psychotherapeuten und Definition von Therapiestandards durch Mitwirkung bei der Erstellung nationaler Leitlinien.

Am 11. und 12. September 2021 veranstaltete sie in Würzburg in Verbindung mit dem 6. Würzburger Psychotherapietag anlässlich ihres 30jähriges Bestehens einen Wissenschaftlichen Kongress unter dem Titel: „30 Jahre DÄVT-Facetten ärztlicher Verhaltenstherapie“.

An einem intensiven Wochenende wurden die Facetten der Verhaltenstherapie in ihrer Vielfalt lebendig und anschaulich vorgestellt:  15 Referent*Innen gaben den knapp 100 Teilnehmer*Innen einen Überblick über unterschiedliche Aspekte der Verhaltenstherapie und in 6 Workshops wurde eine Vertiefung einzelner Themen angeboten. Es war die erste Präsenzveranstaltung im Hörsaal des Würzburger Zentrums für psychische Gesundheit mit zusätzlicher Möglichkeit der Teilnahme per Video seit Beginn der Coronapandemie im Frühjahr 2020.

Der Präsident der Würzburger Universität Prof. Paul Pauli, selbst verhaltenstherapeutischer Psychotherapeut, betonte in seinem Grußwort die gesellschaftliche Bedeutung der Psychotherapie und insbesondere der Verhaltenstherapie und ihre lange Tradition am Würzburger Zentrum für Psychische Gesundheit: Diese war bereits 1987 von Prof. Armin Schmidtke, ebenfalls Psychologischer Verhaltenstherapeut,  durch den Aufbau einer eigenen Verhaltenstherapiestation von nationalem Modellcharakter mit Unterstützung namhafter Verhaltenstherapeuten wie Kanfer und Linehan etabliert worden. Erste Stationsärztin dieser Station war Dr. med. Beate Deckert, die aktuelle Präsidentin der DÄVT.

Namhafte Referent*Innen, darunter mehrere Lehrstuhlinhaber*Innen mit herausragender Expertise, bildeten in ihren Vorträgen die vielseitigen Facetten der Verhaltenstherapie eindrucksvoll ab: in Forschung, Lehre, Weiterbildung, in verschiedenen Settings (Praxis, Klinik, Tagesklinik) und in verschiedenen klinischen Fachbereichen, wie Psychiatrie der Erwachsenen, der Kinder und Jugendlichen, in Psychosomatik, Psychologie und fachgebundener Psychotherapie, wie z. B. in der Allgemeinmedizin. Vorsitzende der mit der DÄVT kooperierenden Gesellschaften vermittelten zusätzlich fach- und berufspolitische Einblicke in die verhaltentherapeutische Psychotherapie. Die Symposiums-Vorsitzenden, ehemalige Vorstandsmitglieder der DÄVT, vertraten flankierend alle einzelnen Epochen der 30jährigen Geschichte der Gesellschaft.

Es wurde deutlich, dass psychotherapeutische und darunter vor allem verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze einen zentralen Stellenwert für das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen besitzen und fester Bestandteil der Versorgung sowohl im ambulanten als auch stationärem Setting sind. Die Mischung aus Forschung, Lehre und Praxis der Veranstaltung trug wesentlich zu ihrem Erfolg bei.

 

 

Hintergrund und Details:

Die Verhaltenstherapie ist seit 1987 eine der heute vier Richtlinien-Psychotherapien in Deutschland, neben der Psychoanalyse, der Tiefenpsychologie und der seit 2019 zugelassenen Systemischen Therapie. Die Anfänge der Verhaltenstherapie reichen bis in die Antike zurück:  Aristoteles war überzeugt vom beobachtbaren Verhalten als Quelle des Wissens, so dass man ihn als ersten Vertreter des Behaviorismus verstehen kann, aus dem sich nach vereinzelten früheren Ansätzen (z.B. 1770 Goethe mit der Selbst-Expositionstherapie seiner Höhenangst) im 20. Jahrhundert die klassische Verhaltenstherapie entwickelte. Für seinen Lehrer Platon war das nicht beobachtbare Denken wichtiger für die Erkenntnis. Er kann so als früher Vertreter des Kognitivismus verstanden werden, aus dem sich in letzten Jahrhundert die Rational-emotive Therapie entwickelte. Aus beiden Strömungen fusionierte die heute gebräuchliche Bezeichnung Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bzw. im Angelsächsischen die CBT Cognitive Behavioural Therapy.

Die Geschichte der DÄVT beginnt 1978 als Arbeitsgemeinschaft für Ärztliche Verhaltenstherapie. Es entstand zunächst der Fachverband Klinische Verhaltenstherapie FKV mit dem Ziel, die kassenärztliche Zulassung der VT zu bewirken, die 1987 dann auch als Richtlinien-Psychotherapie anerkannt wurde.  1991 folgte die Gründung der DAVT (Dt. Akademie für Verhaltenstherapie) als wissenschaftlicher und universitärer Verband von Ärzten und Psychologen. Im Vorstand schon damals der heutige Ehrenpräsident der DÄVT Prof. Serge Sulz aus München. Schon ein Jahr später fusionierten DAVT mit FKV zum Deutschen Fachverband Verhaltenstherapie DVT, der bis heute existiert. Im Zusammenhang mit dem neu entstandenen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie kam es kurz darauf zur Gründung der DÄVT, die seit 1993 als Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie im Vereinsregister eingetragen ist.

Die Veranstaltung war inhaltlich organisiert durch die Präsidentin der DÄVT Dr. med. Beate Deckert, Inhaberin einer verhaltenstherapeutischen Lehrpraxis in Würzburg, logistisch unterstützt von Prof. Dr. Jürgen Deckert, dem Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Würzburg. 
Als Veranstaltungsort wurde Würzburg aufgrund seiner eigenen langen Verhaltenstherapie-Geschichte gewählt: 1987 Eröffnung einer verhaltentherapeutischen Psychotherapiestation in der Erwachsenen-Psychiatrie der Universität Würzburg noch im Jahr der Etablierung der Verhaltenstherapie als Richtlinien-Psychotherapie.  Prof. Armin Schmidtke, Psychologischer Verhaltenstherapeut, leitete diese Psychotherapiestation und gewann den Verhaltenstherapie-Pionier Prof. Frederick Kanfer, Psychologe der University of Illinois, zum ersten externen verhaltentherapeutischen Supervisor der damaligen Stationsärzte, einschließlich der heutigen DÄVT-Präsidentin.  Kanfers Verhaltensgleichung, das SORCK-Schema, ist allen psychologischen und ärztlichen Verhaltenstherapeuten als Grundbaustein ihrer täglichen Arbeit bis heute präsent.

 

Im Einzelnen vertraten am Samstag folgende Referent*Innen die Facetten der Ärztlichen Verhaltenstherapie:

Prof. Katharina Domschke, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Freiburg, berichtete über neue Aspekte zur Verhaltenstherapie aus der Forschung, speziell über die „Rolle der Epigenetik“.

Prof. Sabine Herpertz, Direktorin der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heidelberg und Referate -Leiterin Psychotherapie in der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie und Nervenheilkunde, referierte zur Verhaltenstherapie-Facette VT in der Klinik über „Frühe Traumata als Fokus der 3. Welle“ und deren Bedeutung in der Psychiatrie.

Prof. Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie aus Hannover, und Sprecherin des nationalen Psychotherapienetzwerkes von 2008-2016 vertrat die Facette „Verhaltenstherapie in der Psychosomatik“ mit Untersuchungen zur Frage „Wieviel VT braucht die Behandlung der Essstörungen?“.

Im zweiten Veranstaltungsblock führte Prof. Eva Meisenzahl aus Düsseldorf, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Landschaftsverbandes Rheinland und der Heinrich-Heine-Universität, in den wachsenden Beitrag der Digitalisierung in der verhaltentherapeutischen Weiterbildung ein.

Der Würzburger Prof. Marcel Romanos, berichtete als Vertreter der Facette Kinder- und Jugend-Psychiatrie über neue Konzepte zu „Stepped Care in der kinder- und jugendpsychiatrischen Notfallversorgung“.

Privatdozentin Elisabeth Friess, als Leiterin der Tagesklinik am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, beschrieb die „Tagesklink als perfekten Ort für das Verhaltensexperiment“.

Im dritten Veranstaltungsblock   führte die Würzburger Präsidentin der DÄVT Dr. med. Beate Deckert in spezifische Psychiatrisch-Psychotherapeutische Strategien in der Behandlung Depressiver Erkrankungen ein.  

Prof.  Simmenroth mit ihrem Team vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin stellte erste Ergebnisse zur der Anwendung dieser Strategien im fränkischen Hausarzt-Setting vor. 

Prof. Christine Knaevelsrud, Leiterin des Arbeitsbereiches Klinisch-Psychologische Interventionen an der Freien Universität Berlin, griff das Thema Digitalisierung auf und demonstrierte dem Thema ihres Vortrags entsprechend per Livestream die „Nutzung digitaler Medien in der Psychotherapie“.

Im letzten Teil der Veranstaltung berichteten Vertreter kooperierender Gesellschaften über die Zusammenarbeit mit der DÄVT. 

Prof. Michael Linden aus Berlin erläuterte „Die Verhaltenstherapiedefinition des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie“ am Bundesgesundheitsministerium, dessen Mitglied er ist.

Prof. Thomas Messer, Chefarzt der Danuvius Klinik in Pfaffenhofen, beschrieb die Kooperation mit der für die Entwicklung von medizinischen Leitlinien verantwortlichen Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften und Prof. Johannes Kruse als Präsident Past die Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie.

Eine Psychotherapie-Richtlinien übergreifende Besonderheit ist die Kooperation mit der deutschen Balint-Gesellschaft: Privatdozent Dr. Guido Flatten aus Aachen referierte über „Die klassische (tiefenpsychologisch orientierte) Balintgruppe im Dialog mit der (verhaltentherapeutischen) IFA-Gruppe“.

Zum Abschluss des Wissenschaftstages stellte Dr. Hildgund Berneburg als Vorsitzende des Bundesvorstandes der Vereinigung psychotherapeutische und psychosomatisch tätiger Kassenärzte (VPK) die „Entwicklung der VT-Ärztlichen Psychotherapie in den letzten 30 Jahren im ambulanten Versorgungsbereich“ vor.

 

Am Sonntagmorgen wurden folgende 6 Workshops zur Vertiefung angeboten:

  • Weisheitstherapie, Prof. Linden Berlin.
  • VT bei Jugendlichen mit ADHS, Dr. Geissler Würzburg.
  • Entwicklungspsychologische Beratung bei postpartalen psychischen Erkrankungen, Dr. Gehrmann Würzburg.
  • Nutzen und Risiken der Behandlung psychischer Störungen mit Psychopharmaka- gilt heute noch, was gestern gelernt/gelehrt wurde? Prof. Messer Pfaffenhofen.
  • IFA-Gruppe als Schnupperkurs, Dr. C. Ehrig.
  • PKP der Depression-Psychiatrisch-psychotherapeutische Strategien in der Praxis und im Stations-Setting, Dr. C. Algermissen, Blankenburg, und Dr. B. Deckert Würzburg

 

Autoren: Dr. med. Beate Deckert und Prof. Jürgen Deckert, Würzburg

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