Aktuelle Pressemitteilungen

Wieder neue Fotos aus aller Welt im Uniklinikum Würzburg

Nach einer Unterbrechung während der Corona-Pandemie präsentiert der Bosch Rexroth Fotoclub seit Mai dieses Jahres wieder neue Werke in den Häusern A3 und A4 des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg. Thema sind erneut „Aufnahmen aus aller Welt“.

Seit dem Jahr 2015 stellen Mitglieder des Bosch Rexroth Fotoclub kontinuierlich ausgewählte Werke auf den Stationen und Fluren sowie in den Wartebereichen der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) aus. Verteilt in den Häusern A3 und A4 des Zentrums für Innere Medizin an der Oberdürrbacher Straße, sorgen die meist farbenprächtigen Fotografien für willkommene Seherlebnisse an den ansonsten neutralen Wänden. 

Von Zeit zu Zeit tauscht der Fotoclub einen Teil der rund 100 kostenlos zur Verfügung gestellten Bilder aus. Nach einer Unterbrechung dieser wohletablierten Praxis in den letzten zwei Jahren durch die Corona-Pandemie wurden im Mai 2022 wieder 64 neue Fotos geliefert und aufgehängt. Damit steigt die Gesamtzahl der bisher präsentierten Bilder auf knapp 400.

In den vergangenen Jahren zeigte sich, dass die Aufnahmen mehr sind, als „nur“ ein abwechslungsreicher Wandschmuck. So nutzen sie viele Besucherinnen und Besucher als Orientierungshilfe – und manchen Patientinnen und Patienten dienen sie als Ansporn und Wegmarke für ihre Gehübungen. 

„Auch beim Personal kommen die ästhetisch abgelichteten Natur- und Objektschönheiten sowie die meist positiven Bildstimmungen sehr gut an“, berichtet Heidrun Bönig. Die Stammzellkoordinatorin der Medizinischen Klinik II organisiert seitens des UKW die Schau.

Harnwegsinfekten auf der Spur

2,4 Millionen Euro stellt der Bund für eine neue Forschungsgruppe an der Universität Würzburg zur Verfügung. Dr. Carmen Aguilar wird damit nach neuen Therapieansätzen gegen eine sehr häufige bakterielle Infektionskrankheit suchen.

Etwa jede zweite Frau erkrankt einmal in ihrem Leben an einer Harnwegsinfektion. Meist ist das uropathogene Bakterium Escherichia coli (UPEC) die Ursache. Der übermäßige Einsatz von Antibiotika in den vergangenen vier Jahrzehnten hat dazu geführt, dass Bakterienstämme wie UPEC vermehrt gegen die gängigen Antibiotika resistent geworden sind, was insbesondere die Behandlung der häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen erschwert. Daher werden dringend neue alternative Behandlungsmöglichkeiten benötigt.

Im Mai 2022 hat an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) eine neue Nachwuchsforschungsgruppe unter Leitung von Dr. Carmen Aguilar ihre Arbeit aufgenommen. Ihr Ziel ist es, innovative Ansätze gegen wiederkehrende Harnwegsinfektionen und antibiotikaresistente UPEC-Stämme zu entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat Aguilar für die Etablierung ihrer Gruppe zum Forschungsprojekt FiRe-UPec: Exploiting host pathways to treat antibiotic resistant uropathogenic Escherichia coli infections rund 2,4 Millionen Euro bewilligt.

Innovative Ansätze gegen häufig wiederkehrende Infektionen

Die meisten Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten zielen auf den Erreger selbst. Weil aber die Reaktion des Wirtes für den Verlauf einer Infektion ebenso wichtig ist, stellen wirtsbasierte Therapeutika einen innovativen Ansatz zur Bekämpfung von Infektionen dar. „Unsere Forschung zielt darauf ab, Wirtszellfaktoren zu identifizieren, welche UPEC-Infektionen kontrollieren, und dieses Wissen zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze zu nutzen“, erklärt Dr. Carmen Aguilar.

Die Gruppe wird am Zentrum für Infektionsforschung (ZINF) und dem Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) der Universität Würzburg angesiedelt sein. „Ich freue mich sehr, dass wir durch die Förderung des BMBFs eine neue Nachwuchsgruppe in der Infektionsforschung für die JMU Würzburg gewinnen konnten. Die Forschung von Frau Dr. Aguilar zu Signalwegen in Wirtszellen verspricht, innovative neue Strategien zur Bekämpfung von Harnwegsinfektionen zu identifizieren, und hat viele Anknüpfungspunkte an die RNA- und Infektionsforschung hier in Würzburg“, sagt Professorin Cynthia Sharma, Sprecherin des ZINF und Leiterin des Lehrstuhls für Molekulare Infektionsbiologie II.

Forschung an komplexen Infektionsmodellen

Um den Ort der UPEC-Infektionen, das menschliche Blasenepithel, möglichst realistisch nachzubilden, wird die Gruppe zunächst Blasenorganoide – Mini-Versionen des menschlichen Organs – erzeugen. Sie wird dabei eng mit Klinikern des Universitätsklinikums Würzburg zusammenarbeiten.

Anschließend dienen diese komplexen Modelle dazu, potenzielle neue Wirkstoffe in einem klein angelegten Wirkstoffscreening zu testen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den microRNAs des Wirts: „MicroRNAs sind kleine RNA-Moleküle, die eine wichtige Rolle bei vielen zellulären Prozessen spielen, indem sie die Genexpression der Wirtszelle regulieren", erklärt Aguilar.

Ihre Forschungsgruppe sucht nach microRNAs, die eine hemmende Wirkung auf die Infektion ausüben, um deren Eignung als neue Medikamente zu testen. Aguilar ist zuversichtlich: „Die Manipulation von microRNAs oder deren nachgeschaltete Signalwege stellt einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von Harnwegsinfektionen dar."

Ein genauerer Blick in eine einzelne Zelle

Interessanterweise können sich UPEC in einigen Zellen des Blasenepithels vermehren, in anderen jedoch nicht. Dort verharren sie in einer Art „wachstumslosen Zustand“ und sind deshalb teilweise resistent gegen Antibiotika. In der Folge können sie zu wiederkehrenden Infektionen führen. Das Team um Aguilar will daher die wirtszellulären Faktoren bestimmen, die für diesen Phänotyp verantwortlich sind.

Darüber hinaus wird die Gruppe nach einem bestimmten Zelltyp suchen, der von UPEC bevorzugt angegriffen wird und dessen erfolgreiches Überleben oder Vermehren ermöglicht. „Der Grund, warum wir dies untersuchen, ist, dass solche ‚stillen‘ Bakterien ein Hochrisikofaktor für die Entwicklung wiederkehrender Harnwegsinfektionen sind. Um diese Infektionen zu bekämpfen, ist es wichtig, die verantwortlichen Wirtszellfaktoren zu identifizieren und zu verstehen“, sagt Aguilar.

Um dies zu erreichen, wird die Gruppe eine spezielle Technik namens Einzelzell-RNA-seq einsetzen, mit der sie anhand des RNA-Gehalts jeder einzelnen Zelle feststellen kann, welche Gene aktiv sind. Diese Arbeiten werden auch vom neuen Single-Cell Center Würzburg, das unter der Leitung von Professor Jörg Vogel steht, gefördert.

Optimales wissenschaftliches Umfeld in Würzburg

„Die Entschlüsselung der Signalwege, die für das bakterielle Wachstum in den Blasenzellen verantwortlich sind, wird neue zelluläre Faktoren aufdecken, die mit neuen oder bereits vorhandenen Medikamenten angegangen werden könnten“, sagt Aguilar.

Die neue Nachwuchsgruppe von Dr. Carmen Aguilar profitiert von ihrer umfassenden Expertise auf dem Gebiet der Infektionsbiologie. Ihre Gruppe wird eng mit Expertinnen und Experten der Infektions- und RNA-Biologie an der JMU sowie mit Klinikerinnen und Klinikern des Universitätsklinikums Würzburg zusammenarbeiten.

Profitieren wird sie auch von der starken Expertise auf dem Gebiet der Einzelzellbiologie in Würzburg am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). Dessen Direktor, Professor Jörg Vogel sagt dazu: „Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Dr. Aguilar, da sie mit uns ein wichtiges Ziel gemein hat: die Bekämpfung von Infektionskrankheiten des Menschen über RNA-basierte Ansätze.“ Damit ist das Team bestens gerüstet, um die Entwicklung innovativer Therapieansätze zur Bekämpfung wiederkehrender Harnwegsinfektionen durch antibiotikaresistente UPEC-Stämme anzustreben.

Zur Person

Dr. Carmen Aguilar studierte Biologie und Biotechnologie an der Universität von Cordoba (Spanien). Im Jahr 2014 schloss sie ihre Promotion auf dem Gebiet der Biowissenschaften und der Agrar- und Ernährungswissenschaften ab. Von 2015 bis 2021 war sie als Postdoc an der JMU Würzburg tätig. Mit der Förderung durch das BMBF wird sie nun ihre unabhängige Nachwuchsgruppe am IMIB/ZINF in Würzburg starten.

Kontakt

Dr. Carmen Aguilar, Institut für Molekulare Infektionsbiologie / Zentrum für Infektionsforschung, T: +49 931 31-88028, E-Mail: carmen.aguilar@ uni-wuerzburg.deNews Allgemein

Pressemitteilung der Universität Würzburg

Große Fortschritte dank Mini-Organen

Mit lebensechten Organnachbildungen – sogenannten 3D-Organoiden – lassen sich Krankheitsprozesse gut erforschen. Ein Team der Universität Würzburg hat jetzt eine Art Bauplan für solch ein Modell des Gebärmutterhalses vorgestellt.

Ein paar Stammzellen, diverse Wachstumsfaktoren, vier bis sechs Wochen Zeit – und natürlich jede Menge Expertise braucht es, um im Labor eine zwar verkleinerte, aber doch lebensechte und funktionsfähige Nachbildung eines Gebärmutterhalses zu erzeugen.Wie der Prozess im Detail abläuft, zeigt eine neue Publikation, die jetzt in der Fachzeitschrift Nature Protocols erschienen ist. Verantwortlich dafür ist Dr. Cindrilla Chumduri, Arbeitsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Die Infektions- und Krebsbiologin forscht schon seit Langem an den physiologischen Prozessen im Gebärmutterhalsgewebe. Sie interessiert sich vor allem dafür, unter welchen Bedingungen sich dort Krebs entwickelt.„Bislang hat der Wissenschaft ein System gefehlt, das die zellulären, physiologischen und funktionellen Eigenschaften der verschiedenen Zelltypen im Gebärmutterhals gut widerspiegelt“, sagt Chumduri. Dies habe die Untersuchung der normalen Physiologie, der Krankheitsentwicklung und von Infektionsprozessen erschwert.Mit den von ihr entwickelten, dreidimensionalen Organoiden eröffnen sich ihren Worten nach jetzt „neue Möglichkeiten zur Erforschung der Biologie des Gebärmutterhalses, von Infektionen und von der Entstehung von Krebs“. Neue Anwendungen in der personalisierten Medizin, die Suche nach neuen Wirkstoffen, Eingriffe am Genom, die Modellierung von Krankheiten: All dies könnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Hilfe der Organoide jetzt sehr viel leichter als bisher in die Tat umsetzen.

Der Gebärmutterhals hat viele Funktionen

Der Gebärmutterhals ist ein kompliziertes Gebilde. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört es, einerseits die Passage von Spermien in die Gebärmutterhöhle zu ermöglichen, damit die Befruchtung der Eizelle stattfinden kann. Andererseits muss er den weiblichen Fortbildungstrakt vor gefährlichen Eindringlingen wie Pilze, Viren und Bakterien und vor aufsteigenden Infektionen schützen. Darüber hinaus muss er am Ende einer Schwangerschaft dazu in der Lage sein, sich deutlich zu erweitern, damit der Fötus ihn passieren kann.Anatomisch gesehen bildet der Gebärmutterhals das Bindeglied zwischen Gebärmutterhöhle und Vagina. Er besteht aus dem sogenannten Endozervix, der an die Gebärmutter angrenzt, und dem Ektozervix, der in die Vagina hineinragt. Diese werden von unterschiedlichen Zelltypen ausgekleidet: Während im Endozervix ein säulenförmiges Epithel vorliegt, findet sich im Ektozervix ein mehrschichtiges Plattenepithel. Wo die beiden Bereiche ineinander übergehen, bilden sie eine Übergangszone und sind besonders anfällig für Infektionen und Gewebeneubildungen. Beispielsweise haben die meisten Gebärmutterhalskrebserkrankungen dort ihren Ursprung.

Stammzellen als Ausgangsmaterial

Für die Entwicklung der 3D-Organoide des Gebärmutterhalses haben Cindrilla Chumduri und ihr Team adulte epitheliale Stammzellen als Ausgangsmaterial verwendet. Diese wurden in Biopsien sowohl dem Endo- als auch dem Ektozervix entnommen. Mit Hilfe einzigartiger Kombinationen von Wachstumsfaktoren sowie unterschiedlicher Kultivierungsverfahren haben sie daraus die natürliche dreidimensionale Gewebearchitektur und -zusammensetzung sowie die funktionellen Eigenschaften des ursprünglichen Gewebes rekapituliert und über einen langen Zeitraum erhalten können.In weitergehenden Experimenten haben die Wissenschaftlerinnen die Stammzellen zusätzlich genetisch manipuliert. „Wir haben den Stammzellen Gene des Humanen Papillomvirus HPV implantiert, die dafür verantwortlich sind, dass sich Krebs entwickelt“, sagt Chumduri. Damit ließe sich möglicherweise ein Rätsel lösen, an dem sich die Wissenschaft schon lange die Zähne ausbeißt.

Verhängnisvolle Koinfektionen

Denn obwohl bekannt ist, dass HPV für den überwiegenden Teil der Krebserkrankungen am Gebärmutterhals die treibende Kraft ist, ist eine Infektion mit dem Virus nicht gleichbedeutend mit einer bösartigen Gewebeneubildung: Aktuelle Statistiken gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion durchmachen. Dennoch entwickeln nur 1,6 Prozent von ihnen Gebärmutterhalskrebs.Vermutet wird nun, dass es weitere Faktoren gibt, die das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöhen, beispielsweise eine Koinfektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheitserregern, wie etwa dem bakteriellen Erreger Chlamydia trachomatis. Die gentechnisch veränderten menschlichen ektozervikalen Organoide ermöglichen Chumduri und ihrem Team nun, die langfristigen Auswirkungen einer Virusinfektion auf das Plattenepithel des Gebärmutterhalses und den Beitrag von Koinfektionen mit anderen Erregern, wie Chlamydia trachomatis, genauer zu untersuchen.

Großes Potenzial für weitere Fortschritte

„Endozervikale und ektozervikale Organoide sind ideale, nahezu physiologische 3D-Epithelgewebe zur Untersuchung und Modellierung der Biologie des Gebärmutterhalses, der Interaktionen zwischen Wirt und Krankheitserreger und der Krankheitsentwicklung“, ist sich die Wissenschaftlerin sicher. Darüber hinaus seien sie ideal, um die Reaktion des Organs auf antibiotikaresistente Krankheitserreger zu erforschen.Außerdem ermöglichen es Organoide, die Reaktion des Gebärmutterhalsepithels auf hormonelle Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Stammzellregeneration, die Schleimproduktion und die angeborene Abwehr von Krankheitserregern zu untersuchen. Ihre langfristige Kultivierbarkeit biete die einzigartige Chance, chronische oder wiederholte Infektionen und deren Einfluss auf die Wirtszellen genauer unter die Lupe zu nehmen.Cindrilla Chumduri jedenfalls ist davon überzeugt: „Insgesamt bieten das Organoidmodell des Gebärmutterhalses ein großes Potenzial für weitere Fortschritte bei der Erforschung der Biologie des weiblichen Fortpflanzungstrakts.“

Originalpublikation

Gurumurthy, R.K., Koster, S., Kumar, N. et al. Patient-derived and mouse endo-ectocervical organoid generation, genetic manipulation and applications to model infection. Nat Protoc (2022). doi.org/10.1038/s41596-022-00695-6

Kontakt

Dr. Cindrilla Chumduri, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: +49 931 31 86531, cindrilla.chumduri@uni-wuerzburg.dePressemitteilung der Universität Würzburg

Pressemitteilung der Universität Würzburg

Herzinsuffizienz: Verheiratete leben länger

Fabian Kerwagen hat beim Heart Failure Kongress 2022 seine Forschungsergebnisse vorgestellt: Unverheiratet zu sein ist mit einem höheren Sterberisiko bei PatientInnen mit Herzinsuffizienz verbunden

Das Bild zeigt den angehenden Kardiologen Fabian Kerwagen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg
Fabian Kerwagen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz hat seine Forschungsergebnisse zu unverheirateten Herzinsuffizienz-PatientInnen auf dem Heart Failure Kongress 2022 vorgestellt.

Würzburg. Unverheiratete Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz haben weniger Vertrauen in den Umgang mit ihrer Erkrankung und sind in ihrer sozialen Teilhabe stärker eingeschränkt als Verheiratete. „Diese Unterschiede könnten zu der beobachteten schlechteren Langzeitüberlebensrate bei unverheirateten Patientinnen und Patienten beitragen“, erklärt Dr. Fabian Kerwagen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI). Seine Forschungsergebnisse hat der angehende Kardiologe und Nachwuchswissenschaftler heute auf der Heart Failure 2022, einem wissenschaftlichen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), vorgestellt. Soziale Unterstützung helfe Menschen bei der Bewältigung von Langzeiterkrankungen. Fabian Kerwagen nennt Beispiele: „Ehepartner können bei der korrekten und regelmäßigen Einnahme der Medikamente unterstützen, Motivation spenden und eine Vorbildfunktion bei der Entwicklung gesunder Verhaltensweisen einnehmen, was sich alles auf die Lebenserwartung auswirken kann.“

Unverheirateten fehlt es häufiger an Selbstwirksamkeit und sozialer Interaktion

Frühere Studien haben gezeigt, dass unverheiratete Personen sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch beim Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit eine schlechtere Überlebensprognose haben. Fabian Kerwagen wollte wissen, wie sich der Familienstand bei einer chronischen Herzinsuffizienz auswirkt und analysierte Daten aus der erweiterten INH-Studie (E-INH = Extended Interdisciplinary Network Heart Failure). An der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten E-INH-Studie nahmen 1.022 Personen teil, die zwischen den Jahren 2004 und 2007 aufgrund einer dekompensierten Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Von den 1.008 Betroffenen, die Angaben zum Familienstand machten, waren 633 (63 %) verheiratet und 375 (37 %) unverheiratet, davon 195 verwitwet, 96 nie verheiratet und 84 getrennt lebend oder geschieden.

Zu Beginn der Studie wurden die Lebensqualität, die sozialen Einschränkungen und die sogenannte Selbstwirksamkeit mit dem Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire erhoben. Dieser Fragebogen wurde speziell für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz entwickelt. Soziale Einschränkungen beziehen sich auf das Ausmaß, in dem die Folgen einer Herzinsuffizienz die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigen, wie zum Beispiel die Ausübung von Hobbys und Freizeitaktivitäten oder die Interaktion mit Freunden und Familie. Selbstwirksamkeit beschreibt die Einschätzung der Betroffenen, inwiefern sie sich in der Lage fühlen, eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz zu verhindern und Komplikationen zu bewältigen. Es gab keine Unterschiede zwischen verheirateten und unverheirateten Patientinnen und Patienten hinsichtlich der allgemeinen Lebensqualität. Allerdings schnitt die unverheiratete Gruppe bei den sozialen Einschränkungen und der Selbstwirksamkeit schlechter ab als die verheiratete Gruppe.

Während der zehnjährigen Nachbeobachtungszeit starben insgesamt 67% der Patientinnen und Patienten. Unverheiratete hatten dabei im Vergleich zu Verheirateten ein um ca. 60 Prozent höheres Todesrisiko, wobei verwitwete Probandinnen und Probanden das höchste Risiko aufwiesen.

Gesundheits-App soll Betroffene unterstützen

Fabian Kerwagen resümiert: „Der Zusammenhang zwischen Ehe und Langlebigkeit illustriert, wie wichtig soziale Unterstützung für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz ist – ein Thema, das durch die soziale Distanzierung während der COVID-19 Pandemie noch an Bedeutung gewonnen hat.“ Seine Empfehlung: „Das soziale Umfeld sollte bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz berücksichtigt und einbezogen werden. Strukturierte Behandlungsprogramme mit spezialisierten Herzinsuffizienz-Pflegekräften oder Selbsthilfegruppen für Herzinsuffizienz können dabei helfen, um mögliche Lücken zu schließen.“ Aufklärung über das Leben mit einer Herzinsuffizienz sei von entscheidender Bedeutung, gleichzeitig aber müsse auch das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in ihre Fähigkeiten zur Selbstversorgung gestärkt werden. Sein Blick in die Zukunft: „Wir arbeiten an einer digitalen Gesundheitsanwendung für das Smartphone, die Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz weitere Unterstützung beim täglichen Umgang mit ihrer Erkrankung bieten soll.“

Fabian Kerwagen hat die Analysen im Rahmen seines Clinician Scientist Programms „UNION-CVD“ (Understanding InterOrgan Networks in Cardiac and Vascular Diseases) durchgeführt. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Stipendium bietet eine strukturierte wissenschaftliche Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte unter dem Dach des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) der Universität Würzburg.

Veränderungen im Zellskelett der Thrombozyten beeinflussen Blutstillung

WissenschaftlerInnen aus Würzburg, Greifswald, Tübingen und Dublin etablieren im Rahmen des SFB/TRR240 eine biophysikalische Plattform um die mechanischen Eigenschaften von Thrombozyten der Maus und des Menschen zu untersuchen.

Das Bild zeigt links Markus Bender und rechts Juliane Baumann vom UKW.
Erstautorin Juliane Baumann und Letztautor Markus Bender vom Institut für Experimentelle Biomedizin des Uniklinikums Würzburg freuen sich über ihre Publikation zum Zellskelett der Thrombozyten. © Kirstin Linkamp / UKW
Das Bild zeigt einen nicht aktivierten Thrombozyten unterm Mikroskop und als Grafik.
Im Rahmen des Projekts A06 im SFB/TRR240 wurde anhand neu entwickelter biophysikalischer Methoden gezeigt, dass das Zellskelett von Thrombozyten in seiner Funktion, Kräfte auszuüben, eingeschränkt ist Die Punktmutation im MYH9-Gen beeinträchtigt die Funktion des Myosin IIA, welches in den Blutplättchen ähnlich wie in einem Muskel die Kraft vermittelt. © UKW

Als Paradebeispiel für einen Sonderforschungsbereich Transregio (TRR) bezeichnen Juliane Baumann und Dr. Markus Bender vom Institut für Experimentelle Biomedizin des Uniklinikums Würzburg ihr Projekt A06 im TRR240 „Platelets“. In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Standorten gemeinsam ihre Expertise eingebracht, um eine biophysikalische Plattform zu etablieren, die es erlaubt, die mechanischen Eigenschaften von Blutplättchen, den so genannten Thrombozyten, der Maus und des Menschen zu analysieren und die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung zu transferieren. BiologInnen, MedizinerInnen, PharmazeutInnen, PhysikerInnen und BiomedizinerInnen aus Würzburg, Greifswald, Tübingen und Dublin haben in dreieinhalb Jahren herausgefunden, dass die erhöhte Blutungsneigung bei Menschen mit einem Defekt im Gen MYH9 (Myosin heavy chain 9) nicht auf eine reduzierte Thrombozytenanzahl zurückzuführen ist, sondern darauf, dass die Thrombozyten in ihrer Kraftausübung beeinträchtigt sind. Die Ergebnisse wurden jetzt in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

Mutationen im MYH9-Gen führen zu Blutverlusten

Generelles Ziel des SFB/TRR240 „Platelets“ ist es, die komplexen und unzureichend verstandenen Funktionen von Thrombozyten zu entschlüsseln. Dadurch erhofft man sich neue Erkenntnisse, die eine bessere Behandlung von Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, akutes Lungenversagen und Krebs ermöglichen. Im Projekt A06 standen die MYH9-assoziierten Erkrankungen im Fokus. Das Gen MYH9 ist verantwortlich für das kontraktile Protein Myosin IIA. Inzwischen sind mehr als 40 Mutationen in diesem Gen bekannt, die zu vier unterschiedlichen Syndromen führen. Charakteristisch für alle ist eine leichte bis moderate Blutungsneigung. Je nach Mutation können Nierenversagen, Hörverlust und ein Katarakt, im Volksmund als grauer Star bekannt, hinzukommen. Die Erkrankung ist selten, die Prävalenz, das Vorkommen dieser Erkrankung, wird jedoch unterschätzt. „Oft fällt die erhöhte Blutungsneigung erst durch eine stark anhaltende Monatsblutung bei Frauen, Blutergüsse oder Komplikationen bei einer Operation auf“, erklärt Juliane Baumann, die gemeinsam mit Laura Sachs von der Universität Greifswald Erstautorin ist. „Ist die Blutungsneigung bekannt, wird vor einer Operation Tranexamsäure zur Vorbeugung gegeben. Warum dieses Antifibrinolytikum hilft, das konnten wir jetzt im Mausmodell zeigen.“

Zunächst galt es herauszufinden, warum sich Wunden bei MYH9-PatientInnen nicht so gut verschließen wie bei Gesunden. „Dazu haben wir die Thrombozyten von drei verschiedenen Mauslinien untersucht, die jene Punktmutation tragen, die am häufigsten in MYH9-Patientinnen und Patienten vorkommen: R702C, D1424N, E1841K. Unsere Untersuchungen haben wir auch an Thrombozyten von Patienten mit der Mutation D1424N und E1841K durchgeführt, die unsere Ergebnisse in der Maus bestätigen“, berichtet Prof. Dr. Andreas Greinacher, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin der Universität Greifswald, einem nationalen Referenzzentrum für die Diagnostik angeborener Thrombozytopenien beim Menschen.

„Drei Mauslinien und zwei Patienten - dieser breite und translationale Ansatz ist neben der fach- und standortübergreifenden Zusammenarbeit eine Stärke des Projekts“, kommentiert Dr. Markus Bender, der gemeinsam mit Dr. Raghavendra Palankar aus Greifswald Letztautor der Publikation ist. Deren Hauptaussage lautet: Die erhöhte Blutungsneigung ist nicht auf Signalwege oder reduzierte Thrombozytenanzahl zurückzuführen, sondern auf Defekte im Zellskelett der Blutplättchen.

Thrombozyten fehlt es an Kraft

Bei einer Verletzung eines Blutgefäßes werden Thrombozyten aktiviert, die sich an die Wunde heften und diese verschließen. Über der Wunde bildet sich ein Netz, das Fibrin genannt wird. Die Thrombozyten binden mit ihren Rezeptoren an den Fibrinfasern, verdichten das Netz, sodass es kompakt und stabil wird. „Diese Kraftausübung wird benötigt, um den hämostatischen Verschluss zu generieren, die Blutstillung“, erklärt Juliane Baumann, deren Arbeit im Projekt ihre Dissertation umfasst. „Nachdem wir neue biophysikalische Methoden für die Kraftmessungen etabliert haben, konnten wir sehen, dass das Zellskelett in seiner Funktion, Kräfte auszuüben, eingeschränkt ist. Die Punktmutation im MYH9-Gen beeinträchtigt die Funktion des Myosin IIA, welches in Thrombozyten ähnlich wie in einem Muskel die Kraft vermittelt“, ergänzt Dr. Raghavendra Palankar. Eine reduzierte Kraftausübung ist also verantwortlich für die erhöhte Blutungsneigung bei Mutationen im MYH9-Gen. Die Gabe von Tranexamsäure wiederum kann den Defekt der Thrombozyten und die dadurch beeinträchtigte hämostatische Funktion durch eine Stabilisierung der Fibrinstruktur aufheben.

„Damit haben wir die Aufgabe in diesem Verbundprojekt, eine Plattform zu entwickeln, um Thrombozyten biophysikalisch zu charakterisieren, erfüllt. Darauf möchten wir gern aufbauen und versuchen zu verstehen, wie einzelne Medikamente und weitere Erkrankungen die Mechanik der Zelle beeinflussen können, resümiert Dr. Markus Bender. Dr. Raghavendra Palankar pflichtet ihm bei: „Die etablierten biophysikalischen Techniken können für eine Vielzahl von Forschungsuntersuchungen zu Thrombozyten-assoziierten Erkrankungen, Screening der Auswirkungen von Medikamenten und Pathogenen auf die Thrombozytenmechanik verwendet werden.“

Publikation: Baumann J, Sachs L, Otto O, Schoen I, Nestler P, Zaninetti C, Kenny M, Kranz R, von Eysmondt H, Rodriguez J, Schäffer TE, Nagy Z, Greinacher A, Palankar R, Bender M. Reduced platelet forces underlie impaired hemostasis in mouse models of MYH9-related disease. Sci Adv. 2022 May 20;8(20):eabn2627. doi: 10.1126/sciadv.abn2627. Epub 2022 May 18. PMID: 35584211.

www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abn2627

Uniklinikum Würzburg: Fachweiterbildung Notfallpflege absolviert

Zwei Pflegekräfte des Uniklinikums Würzburg schließen erfolgreich berufsbegleitende Fachweiterbildung Notfallpflege ab.

Laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) sind Zentrale Notaufnahmen (ZNA) in Kliniken verpflichtet, qualifiziertes Fachpersonal vorzuhalten. Für dieses Ziel wurde unter anderem die Fachweiterbildung Notfallpflege aufgelegt. Melanie Grigoleit und Harald Wolf sind die ersten Beschäftigten des Uniklinikums Würzburg (UKW), die an der zweijährigen, berufsbegleitenden Weiterbildung teilnahmen und sie im April dieses Jahres erfolgreich abschlossen. 

720 Stunden Theorie, 1800 Stunden Praxis

Die beiden Pflegekräfte aus dem ZNA-Team des UKW absolvierten dazu 720 Stunden Theorie-Unterricht am Bildungszentrum des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim. Hinzu kamen 1800 Stunden an Praxiseinsätzen, bei denen sie Erfahrungen im Rettungsdienst, in der Anästhesie, auf der Intensivstation und in unterschiedlichen Notaufnahmen des UKW sammeln konnten. Melanie Grigoleit und Harald Wolf dürfen nun die geschützte Bezeichnung der Notfallpflegerin beziehungsweise des Notfallpflegers tragen.

Bereit für komplexe Herausforderungen

„Die pflegerische Versorgung von Notfallpatientinnen und -patienten ist sehr komplex und entwickelt sich kontinuierlich weiter“, berichtet Marcus Huppertz. Der Pflegedirektor des UKW fährt fort: „Um auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen adäquat eingehen und diese begleiten zu können, sind bei unseren Kolleginnen und Kollegen neben umfassendem Fachwissen auch persönliche und soziale Kompetenzen gefragt.“ Nach seinen Worten ist die Fachweiterbildung ein wichtiger Baustein, um die Qualität der Patientenversorgung zu sichern und weiter zu verbessern.

Verdienstmedaillen für die Professoren Ertl und Heidland

Beim Stiftungsfest der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) am 11. Mai dieses Jahres wurden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um die Hochschule verdient gemacht haben. Unter den mit der Julius-Maximilians-Verdienstmedaille Geehrten fanden sich mit Prof. Dr. Georg Ertl und Prof. Dr. August Heidland auch zwei ehemalige Führungskräfte des Uniklinikums Würzburg (UKW).

Laut der Laudatio sorgte Prof. Ertl als ehemaliger Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW unter anderem dafür, dass das Klinikum eine herausragende Perspektive für seine strukturelle und bauliche Weiterentwicklung erhielt. Weitere Hintergründe zu seiner Ehrung gibt es hier:

www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/verdienstmedaille-fuer-georg-ertl


Prof. Heidland baute am UKW eine hoch angesehene Nephrologie auf. Außerdem initiierte er die Aktion „Würzburger Gelehrtentafeln“, bei der seit dem Jahr 2015 öffentlich angebrachte Tafeln über bedeutende Persönlichkeiten aus der Universitätsgeschichte informieren. Hier geht es zu seiner Laudatio: www.uniwuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/verdienstmedaille-fuer-august-heidland

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 12.05.2022.