Aktuelle Pressemitteilungen

Psychischen Erkrankungen vorbeugen

Angsterkrankungen, Depression, ADHS, Selbstverletzungen – viele Kinder und Jugendliche leiden an psychischen Erkrankungen. Für eine bessere Prävention wurde in Würzburg das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung psychische Gesundheit gegründet.

 

Kinder und Jugendliche in Deutschland sind in einem erschreckend hohen Ausmaß von psychischen Erkrankungen betroffen. Das ist durch verschiedene Studien belegt. Eine repräsentative Erhebung des Robert-Koch-Instituts (Berlin) zum Beispiel gibt an, dass jedes fünfte Kind Symptome von psychischen Erkrankungen zeigt. Auch Untersuchungen über 20 Jahre hinweg belegen, dass mindestens 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter psychischen Störungen wie Angsterkrankungen, Depression und Suchterkrankungen leiden.

Oft stellen sich außerdem Folgekrankheiten ein, so dass viele Betroffene ihr Leben lang mit Einschränkungen zu kämpfen haben. Das bedeutet erhebliche Belastungen für die individuelle Lebensqualität und Persönlichkeitsentwicklung, die schulische und berufliche Leistungsfähigkeit, aber auch für familiäre und andere soziale Beziehungen.

Der in den vergangenen Jahren beobachtete deutliche Zuwachs an Krankschreibungen bei Erwachsenen wegen psychischer Erkrankungen belegt diese Problematik. Solche negativen Entwicklungen, die sich bis ins Erwachsenenalter hinein fortsetzen, gilt es frühzeitig zu erkennen und präventiv zu verhindern.

Aus gutem Grund fordern darum das Bundesforschungsministerium und andere Institutionen, der Prävention psychischer Krankheiten einen höheren Stellenwert einzuräumen. Um auf diesem Feld für Fortschritte zu sorgen, hat die Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit (DZPP) gegründet.

Getragen wird das Zentrum von den JMU-Fakultäten für Medizin und Humanwissenschaften. Die Leitung wurde Professor Marcel Romanos, dem Direktor der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik, zusammen mit Professor Paul Pauli, dem Leiter des Lehrstuhls für Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, übertragen. Bayerns Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm hat die Schirmherrschaft übernommen.

Das Zentrum verfolgt das Ziel, Präventionsprogramme zur Verringerung psychischer Erkrankungen zu entwickeln, ihre Effektivität zu evaluieren und sie in der Fläche verfügbar zu machen. Zudem berät das DZPP Betroffene, Familienangehörige, Schulen und andere Institutionen. Damit bildet das DZPP ein Scharnier zwischen Grundlagenforschung und Versorgungsstrukturen.

Eine Million Euro für Neubau auf dem Campus Nord von Sternstunden e.V.

Das neue Zentrum wird auf dem Campus Nord in einen Neubau der Universität Würzburg einziehen. Dafür stellt der Würzburger Förderverein Menschenskinder e.V. eine Million Euro zur Verfügung. Der Verein hat das Geld bei der Initiative Sternstunden e.V. eingeworben, einer Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks.

Baubeginn für das Sternstunden-Präventionszentrum ist voraussichtlich Ende 2020, die Bauzeit ist auf ein Jahr veranschlagt. Die Universität wird das Gebäude auf einem neu zu erschließenden Baufeld im Matthias-Lexer-Weg errichten, östlich des Zentrums für Sprachen. In dem dreigeschossigen Neubau erhält das DZPP eine Nutzfläche von rund 230 Quadratmetern. Der restliche Platz ist für weitere Nutzer aus der Universität vorgesehen.

Würzburg als bundesweit einzigartiger Standort

Bei der Prävention psychischer Krankheiten spielen Angsterkrankungen eine zentrale Rolle. Sie sind die häufigste psychische Störung und regelhaft Vorläufer von depressiven und anderen psychischen Erkrankungen. Zudem ist das Erleben von Angst ein typisches Merkmal vieler weiterer psychischer Störungen und tritt auch häufig infolge somatischer Erkrankungen auf. Die Prävention von Angsterkrankungen dürfte also breit gefächerte positive Auswirkungen haben.

Weil es in Würzburg insbesondere in Bezug auf Angsterkrankungen eine in Deutschland einzigartige interdisziplinäre Forschungsinfrastruktur gibt, wurde der Name „Deutsches Zentrum“ mit Bedacht gewählt.

Hier arbeiten im Interdisziplinären Zentrum für Angsterkrankungen (IZA) nicht nur Würzburger Kliniken und Institute aus Medizin, Psychologie, Sonderpädagogik und Pädagogik Hand in Hand. Ins IZA integriert sind auch alle stationären psychiatrischen und kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken in Unterfranken sowie weitere aus Bayern und Baden-Württemberg. Außerdem sind hochrangige Forschende aus Berlin, Freiburg, Tübingen, Frankfurt und anderen Städten eingebunden.

In Würzburg werden schon jetzt viele Fragen zur Prävention erforscht, hier bestehen umfangreiche Erfahrungen mit der Durchführung von Präventionsprojekten. Würzburger Einrichtungen sind außerdem seit vielen Jahren immer wieder an großen Forschungsverbünden im nationalen Netzwerkverbund „Psychische Störungen“ beteiligt.

Erste Präventionsprogramme laufen an

Die Mitglieder des DZPP werden in den kommenden Monaten die Vernetzung mit Kindergärten, Schulen, Fachärzten, Ämtern, Beratungsstellen und anderen Akteuren weiter vorantreiben. Sie werden auch Forschungsfragen definieren und gemeinsam neue Projekte anstoßen.

Erste Präventionsprogramme laufen bereits an – etwa das Programm DUDE, das von der Kaufmännischen Krankenkasse KKH gefördert wird. DUDE steht für „Du und deine Emotionen“. Mit Hilfe dieses Programm sollen Kinder lernen, ihre Emotionen zu regulieren. Die Fachleute gehen davon aus, dass dies ein wirksamer Schutz vor selbstverletzenden Verhaltensweisen und emotionalen Störungen ist. Solche körperlichen Autoaggressionen treten in Deutschland bei bis zu 20 Prozent der Schulkinder auf.

Das Programm DUDE wird im Lauf des Jahres 2020 an 1.500 nordbayerischen Schülerinnen und Schülern im Alter von 12 bis 14 Jahren evaluiert werden. Die Teilnehmer werden dann im Verlauf erneut kontaktiert und zu ihrer Gesundheitssituation befragt, um den langfristigen Nutzen des Programms zu untersuchen.

In welchem Lebensalter Präventionsprogramme sinnvoll sind, ist gut bekannt. Um beispielsweise Sozialverhaltensstörungen zu verhindern, ist eine Intervention bereits im Kindergartenalter denkbar. Um sozialen Phobien effektiv zu begegnen, sollte man bei Acht- bis Zwölfjährigen ansetzen, und eine Prävention von psychotischen Störungen macht ab etwa dem 14. Lebensjahr Sinn. Auch der Übergang ins Erwachsenenalter ist eine „Hochrisikophase“, in der geeignete Interventionen einen Nutzen bieten. Wichtig und sinnvoll sind auch präventive Interventionen nach besonderen Lebensereignissen, etwa nach schweren Erkrankungen oder Unfällen, die psychische Erkrankungen auslösen können und den Verlauf der Genesung negativ beeinflussen.


Gründungsmitglieder des DZPP

• Prof. Dr. Jürgen Deckert (Psychiatrie, Zentrum für Psychische Gesundheit)
• Prof. Dr. Andreas Dörpinghaus (Systematische Bildungswissenschaft)
• Prof. Dr. Ildiko Gagyor (Allgemeinmedizin)
• Prof. Dr. Helge Hebestreit (Pädiatrie, Präventionsmedizin, Zentrum Seltene Erkrankungen)
• Prof. Dr. Peter Heuschmann (Klinische Epidemiologie und Biometrie)
• Prof. Dr. Thomas Keil (Prävention und Gesundheitsförderung)
• Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider (Entwicklungspsychiatrie)
• Prof. Dr. Paul Pauli (Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie)
• Prof. Dr. Christoph Ratz (Sonderpädagogik)
• Prof. Dr. Marcel Romanos (Kinder- und Jugendpsychiatrie)
• Prof. Dr. Anne Simmenroth (Allgemeinmedizin)
• Prof. Dr. Achim Wöckel (Frauenheilkunde und Geburtshilfe)

Assoziiertes Gründungsmitglied:

• Prof. Dr. Silke Neuderth (Angewandte Sozialwissenschaften, Hochschule für angewandte Wissenschaften, FHWS Würzburg-Schweinfurt).

 

Link zur Pressemitteilung

Organspende: Bundestagsabgeordnete diskutierten am Uniklinikum Würzburg

Zustimmungs- oder Widerspruchslösung? Bundestagsabgeordnete berieten sich mit Experten des Uniklinikums Würzburg und einem Betroffenenvertreter über die Zukunft der Organspende in Deutschland.

 

Nur 36 Prozent der Deutschen besitzen einen Organspendeausweis. Die Zahl der gespendeten Organe deckt den Bedarf in Deutschland bei weitem nicht ab. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn strebt deshalb eine „doppelte Widerspruchslösung“ an. Demnach sollen alle Volljährigen als Organspender gelten, ein Widerspruch ist aber jederzeit durch den Betroffenen oder seine nächsten Angehörigen möglich. Bisher sind Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt. Der Gesetzentwurf der Neuregelung wird kontrovers diskutiert – auch am Uniklinikum Würzburg (UKW). So trafen sich am 2. Dezember dieses Jahres die Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar, Paul Lehrieder und Prof. Dr. Andrew Ullmann mit Experten des Klinikums zu einer Gesprächsrunde zu diesem Themenkomplex. Von Seiten der Betroffenen nahm Heiner Röschert teil, der seit dem Jahr 2016 einem Netzwerk für Angehörige von Organspendern vorsteht.

Die Teilnehmer/innen tauschten in einer lebhaften Diskussion ihre Argumente für und gegen die Zustimmungs- und die Widerspruchslösung aus. Konsens bestand in dem Wunsch nach einem Rahmen, in dem sich jede/r Einzelne zur Organspende positioniert – ansonsten werden die Angehörigen zur Entscheidung gezwungen.

„Wir freuen uns immer, wenn sich Politikerinnen und Politiker gerade bei so wichtigen gesundheitspolitischen Weichenstellungen für unsere praxisnahen Perspektiven interessieren“, betont Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, und fährt fort: „Dabei hoffen wir, dass wir stichhaltige Argumente liefern und zu profunden Entscheidungen beitragen können.“

Die zweite und dritte Lesung des aktuellen Gesetzentwurfes wird für die erste Sitzungswoche des Bundestages im Januar 2020 erwartet.

 

Link zur Pressemitteilung

Praxisphasen sind ein wichtiger Bestandteil des Studiums an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW, Stuttgart). Schließlich bestreiten die Studierenden die Hälfte ihres Studiums beim Praxispartner. Vor diesem Hintergrund zeichnet die DHBW jährlich Praxispartner aus, die in den Kernfeldern Theorie-Praxis-Transfer, Betreuungskonzept und Unterstützungsmaßnahmen zu Studienbeginn besonders überzeugen können. Mit seinem Konzept „1000 Wege. Deine Entscheidung – das vielfältige Duale Studium am Universitätsklinikum Würzburg“ gewann das mainfränkische Krankenhaus der Supramaximalversorgung in diesem Jahr den „Dualen Partner Award“ in der Kategorie Gesundheit.

Die Jury hob unter anderem die eng verzahnten Rückmeldungsmechanismen am Würzburger Uniklinikum hervor: Dank regelmäßiger Feedbackgespräche und bereichsübergreifender Präsentationen vor Führungskräften lernen die Studierenden von Anfang an, sich im Arbeitsalltag zurechtzufinden. In diesem Theorie-Praxis-Transfer erwerben sie sowohl soziale, wie auch fachliche Kompetenzen.

Daneben lobte die Jury die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Studierenden während der Praxisphasen. Durch diese lernen sie den kompletten Prozess der Patientenbehandlung kennen und sind nach ihrem Studium bestens für ihre Tätigkeit am Klinikum ausgebildet.
Die Preisverleihung fand am 28. November 2019 vor mehr als 200 Gästen im Beisein der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in Stuttgart statt. Verliehen wurde der Award in insgesamt neun Kategorien. Eine Fachjury hatte zuvor aus mehr als 100 Einreichungen 33 Konzepte nominiert und schließlich neun Gewinner gekürt.

 

Link zur Pressemitteilung

Uniklinikum Würzburg als „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ ausgezeichnet

Der Lohn eines mittlerweile gut einjährigen kooperativen Prozesses: Das bundesweite Netzwerk „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ zeichnete das Uniklinikum Würzburg bei einem Festakt in Gegenwart von Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm und Oberbürgermeister Christian Schuchardt als „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ aus.

 

Das Datum war mit Bedacht gewählt: Am 5. Dezember 2019, dem internationalen Tag des Ehrenamtes, überreichte Antje Liesener, Koordinatorin des bundesweiten Netzwerks „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ die Urkunde zum „Selbsthilfefreundlichen Krankenhaus“ an Prof. Dr. Georg Ertl, den Ärztlichen Direktor des Uniklinikums Würzburg (UKW). Dies war der vorläufige Höhepunkt eines aufwändigen Prozesses, in dem das unterfränkische Krankenhaus der Supramaximalversorgung seit gut einem Jahr danach strebt, seine Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe noch weiter zu optimieren.

Als Leitschnur auf diesem Weg dienten vom Netzwerk „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung“ vorgegebene Qualitätskriterien. Diese wurden von Vertreter/innen aus Selbsthilfegruppen, von Mitarbeiter/innen der Selbsthilfekontaktstellen des Aktivbüros der Stadt Würzburg und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Unterfranken e.V. sowie von UKW-Beschäftigten in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Leben gefüllt.

Selbsthilfe als anerkannter Partner in der Patientenbetreuung

„Wir sind nicht mehr dasselbe Krankenhaus wie vor dem Prozess für die heutige Auszeichnung“, sagte Prof. Ertl vor den rund 200 Gästen des Festakts im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin des UKW. So seien die Voraussetzungen geschaffen und vielfach schon umgesetzt worden, dass von nun an das Erfahrungswissen und die Betroffenenkompetenz der Selbsthilfe noch stärker und strukturierter in das ärztliche und pflegerische Handeln am UKW einfließen können. Dr. Renate Fiedler, eine der beiden Selbsthilfevertreterinnen des UKW, drückte es so aus: „Die Selbsthilfe hat ihr Schattendasein beendet und ist nun ein anerkannter Partner in der Patientenbetreuung am Uniklinikum Würzburg.“

Antje Liesener betonte in ihrer Ansprache die gewaltigen Dimensionen, die ein solcher kooperativer Prozess an einem so großen Krankenhaus, wie dem UKW, einnimmt. „Diese Auszeichnung ist wortwörtlich schwer verdient“, unterstrich die Netzwerkkoordinatorin und fuhr fort: „Sie signalisieren damit: Bei uns steht wirklich der Mensch im Mittelpunkt.“


Weitere Zitate von Redner/innen des Festakts:

„Die Selbsthilfe ist eine wichtige Stütze im Gesundungsprozess. Über das sogenannte Empowerment hat sie nachweislich positive Effekte auf die Lebensqualität und -länge der Betroffenen.“
Prof. Dr. Georg Ertl, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg

„Die Auszeichnung des Uniklinikums Würzburg ist ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg der Selbsthilfe in Würzburg.“
Christian Schuchardt, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg.

„Heute ist nicht der Abschluss, sondern ein Schritt in einem Prozess.“
Dr. Hülya Düber, Sozialreferentin der Stadt Würzburg

„Ich hoffe, dass das Uniklinikum Würzburg als Leuchtturmprojekt in die gesamte Region ausstrahlt.“
Kathrin Speck, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Unterfranken

„Heute wissen auch die Krankenkassen: Wenn es die Selbsthilfe nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Das war nicht immer so.“
Barbara Stamm, Bayerische Landtagspräsidentin a. D.

 

Link zur Pressemitteilung

Qualitätsbericht zum Download

Bestnote für 3. Auflage der Nationalen Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz

Erst kürzlich wurde die dritte Auflage der Nationalen Versorgungs-leitlinien (NVL) zur chronischen Herzinsuffizienz veröffentlicht. Erstmalig hat mit dieser NVL eine Leitlinie den Rekordwert von 15 von 18 möglichen Punkten bei Leitlinienwatch erreicht. Die Initiative bewertet medizinische Behandlungsleitlinien auf ihre Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Als 181. bewertete Leitlinie wurde die NVL in der nun aktualisierten Fassung mit dieser Bestnote bewertet und das, obwohl 20 von 35 Leitlinienautoren Interessenkonflikte angaben. Laut Leitlinienwatch wurden diese jedoch in der NVL-Gruppe detailliert diskutiert und dokumentiert. Insgesamt bescheinigt Leitlinienwatch der NVL-Gruppe einen sehr transparenten Umgang mit diesem sensiblen Problem. Mit Prof. Dr. Georg Ertl und Prof. Dr. Stefan Störk kommen zwei der Autoren der NVL aus dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI).

„Eine wesentliche Aufgabe des DZHI ist auch, aktuelle Forschungsergebnisse in die Patientenversorgung zu bringen. Eine Maßnahme dafür ist es, diese in Leitlinien einzubringen, in diesem Fall in die für Deutschland besonders wichtige Nationale Versorgungsleitlinie“, sagt Prof. Dr. Georg Ertl, Ärztlicher Direkter des Universitätsklinikums Würzburg und Gründer des DZHI.

Nationale Versorgungsleitlinien sind Entscheidungshilfen für Ärzte über die angemessene Vorgehensweise bei speziellen gesundheitlichen Problemen im Rahmen der strukturierten medizinischen Versorgung und damit eine Orientierungshilfe im Sinne von Handlungs- und Entscheidungs-vorschlägen, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder sogar muss.

„In der dritten Ausgabe haben wir die Inhalte zu Diagnostik, Therapieplanung, nicht-medikamentöser Therapie, Komorbiditäten, akuter Dekompensation, Rehabilitation und Palliativversorgung komplett überarbeitet“, erklärt Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Herzinsuffizienz-Ambulanz und Klinischen Forschung am DZHI. „Die Leitlinie wurde unter Einbeziehung von mehr als 20 Fachdisziplinen und Patientenvertretern erarbeitet. Sie fokussiert insbesondere auf die Übergänge zwischen primär- und spezialfachärztlicher Versorgung sowie zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. So wird insbesondere auch der Einsatz von spezialisiertem Herzinsuffizienz-Assistenz-Personal empfohlen. Damit ist die Leitlinie ein zentrales Element der Versorgung von herzinsuffizienten Menschen im ambulanten Bereich.“

Die Leitlinie, Patientenmaterialien und weitere Dokumente sind frei verfügbar auf den Internetseiten des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) www.herzinsuffizienz.versorgungsleitlinien.de. Das ÄZQ ist eine gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Es unterstützt die Gesellschafter bei der Förderung und Sicherung der Qualität der ärztlichen Berufsausübung.

Leitlinienwatch.de ist eine gemeinsame Initiative von Mezis, NeurologyFirst und Transparency International Deutschland. Die Initiative bewertet medizinische Behandlungsleitlinien auf ihre Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Ihr Punktesystem bewertet Maßnahmen, mit denen der Einfluss von Interessenkonflikten reduziert wird. Die dritte Auflage der NVL Herzinsuffizienz wurde mit einer Bestnote ausgezeichnet, obwohl die Bewerter den hohen Anteil der kardiologischen Experten mit mutmaßlich Leitlinien-relevanten Interessenkonflikten weiterhin kritisch sehen. Die Heranziehung der erheblich interessenkonfliktbelasteten Leitlinien der European Society of Cardiology und anderer kardiologischer Leitlinien als Quell-Leitlinien sei nicht unproblematisch. „Jedoch werden nach unseren Stichproben diese Quellen kritisch und differenziert bewertet“, heißt es in dem Kommentar. „Auch sonst werden verschiedene Maßnahmen zur Reduktion industrieller Einflussnahme getroffen. Darunter sind insbesondere die unabhängige Leitlinienkoordination sowie die Evidenzaufbereitung durch unabhängige Methodiker des ÄZQ positiv hervorzuheben.“

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF und hier ein Informationsblatt des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) zu den wichtigsten Änderungen der 3. Auflage der Nationalen Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz.

 

Für die 49 Kinder jagte ein Abenteuer das nächste: Erst eine Entdeckungsreise durch die Kinderchirurgie, dann ging es zum Gipsen in die Zentrale Notaufnahme. Der Oberkurs der Physiotherapieschule hatte bewegungstherapeutische Lauf-, Hüpf und Denkspiele entwickelt, die die Kinder begeistert ausprobierten.

Kreativ sein und lernen

Für weihnachtliche Stimmung sorgte das Engelbasteln mit Naturmaterialien und Gips gemeinsam mit der Ergotherapie. Neben dem Ausleben ihrer Kreativität konnten die Kinder so auch ihre motorischen Fähigkeiten testen.

Abschließend sahen sich die Kinder einen Film über den Blutkreislauf an und erlernten in einem Mini-Kurs die Grundlagen der Wiederbelebung. Prof. Ralf-Ingo Ernestus hieß als Stellvertretender Ärztlicher Direktor die Kinder herzlich willkommen.
Ein gesundes Frühstück, Zwischensnacks, Getränke und ein leckeres Mittagessen für die wissbegierigen Kleinen ergänzten das Programm und sorgten für die nötige Grundlage dieses ereignisreichen Tages.

 

Link zur Pressemitteilung

Würzburg randomisiert 100. Patienten für Studie zum Herz- und Nierenschutz

Ob er die Tablette mit dem SGLT-2-Hemmer Empagliflozin bekommt oder ein Placebo, ein Scheinmedikament ohne Wirkung, weiß weder der Patient noch das Studienteam des Uniklinikums Würzburg. Doch die Hoffnung ist groß, dass die Studie künftig vielen Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung hilft. Ernst Sawitsch (73) ist der hundertste Teilnehmer, der heute am Uniklinikum Würzburg für die internationale klinische EMPA-KIDNEY Studie randomisiert wurde, also auf eine Kontroll- oder Vergleichsgruppe verteilt wurde. Er ist einer von 5.000, an denen weltweit untersucht wird, ob die tägliche Einnahme einer Empagliflozin-Tablette eine Verschlechterung der Nierenerkrankung oder den Tod infolge einer Herzerkrankung bei Patienten mit einer Nierenerkrankung verhindern kann. Die internationale Studie wird von der Universität Oxford in Kooperation mit der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Uniklinikums Würzburg (UKW) koordiniert.

Das EMPA-KIDNEY-Team am Uniklinikum Würzburg begrüßt den 100sten Probanden in der Studie zum Herz- und Nieren-schutz. Von links nach rechts: Dr. Susanne Brenner, Dr. Maria Lazariotou, Anja Knoppe, Ernst Sawitsch, Dr. Sharang Ghavam-pour und Katrin Weyer. Auf dem Bild fehlen Kirsten Hofmann und Prof. Dr. Christoph Wanner. © Kirstin Linkamp

In der großen klinischen EMPA-REG OUTCOME Studie, in der Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung und Typ-2-Diabetes untersucht wurden, haben Würzburger Forscher bereits nachgewiesen, dass Empagliflozin nicht nur den Blutzucker senkt, sondern auch die Todesfälle infolge einer Herzerkrankung reduziert und positive Auswirkungen auf die Nieren hat. Nun bauen neue klinische Studien wie EMPA-KIDNEY auf diese wichtigen Ergebnisse auf. Sie sollen zeigen, ob das Diabetes-Medikament Empagliflozin auch bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung einen Herz- und Nierenschutz aufweist.

„Wir haben große Hoffnungen, dass Empagliflozin positive Auswirkungen auf die Niere hat, die Notwendigkeit einer Dialysebehandlung verringern und schlussendlich Leben retten kann“, sagt Professor Dr. Christoph Wanner, Leiter der Klinischen Prüfung und der Nephrologie am UKW.

Insgesamt werden 5.000 Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung in den USA, Kanada, China, Japan, Malaysia, Großbritannien und Deutschland untersucht. In Deutschland nehmen 35 Zentren an der EMPA-KIDNEY Studie teil. Die deutsche Studienzentrale ist in der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Uniklinikums Würzburg angesiedelt und wird vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg unterstützt. Bis Ende 2019 sollen bundesweit insgesamt 1.250 Patienten rekrutiert werden. „Die Studienteilnehmer werden innerhalb der ersten sechs Monate zu drei Zeitpunkten im Studienzentrum gesehen und im weiteren Studienverlauf alle sechs Monate. Bei jeder Studienvisite werden Blutdruck und Nierenfunktion gemessen und Informationen zum Gesundheitsstatus erfasst. Bei einigen Visiten wird zusätzlich der Spontanurin untersucht“, erklärt die Studienärztin Dr. Susanne Brenner.

Für den hundertsten Probanden, Ernst Sawitsch, ist die Teilnahme an der Studie eine Selbstverständlichkeit. „Ich sehe darin einen großen Wert, nicht nur für mich, auch für andere“, äußert der 73-Jährige. Der Schausteller hat seit den 1980er Jahren bereits vier Herzinfarkte erlitten. Die daraus resultierende Herzschwäche und die zahlreichen Tabletten haben seine Nieren geschwächt. Durch die Studie erhofft er sich, dass er seinen augenblicklich stabilen Gesundheitsstand halten und noch viele Jahre auf dem Weihnachtsmarkt in Würzburg Mützen und Schals verkaufen kann.

Empagliflozin wurde ursprünglich zur Behandlung von Diabetespatienten entwickelt. Der SGLT-2 Hemmer (Natrium-Glukose-Transporter-2-Hemmer) sorgt dafür, dass vermehrt Blutzucker - etwa 10 Teelöffel pro Tag - über den Urin ausgeschieden wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Dies kann zu einer leichten Abnahme von Gewicht und Blutdruck führen. Gleichzeitig werden Niere und Kreislauf entscheidend entlastet. „Unser Lebensstil ist von zu hohem Kohlenhydrat- und Zuckerkonsum bei unzureichender Bewegung geprägt, weshalb Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck zunehmen, die wiederum zu Herz- und Nierenerkrankungen führen“, resümiert Dr. Susanne Brenner. „SGLT-2-Hemmern scheinen diese Erkrankungsspirale zu durchbrechen.“

Pressemitteilung als PDF