Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Erneutes digitales Update zum Thema Multiples Myelom

Am Samstag, den 20. November 2021, informiert die nächste Ausgabe des Myelom-Forums des Uniklinikums Würzburg ein weiteres Mal über Neuigkeiten bei der Erforschung, Diagnostik und Therapie der bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks. Mittlerweile sehr gut etabliert ist die Durchführung des an Betroffene und deren Angehörige gerichteten Infotages als Webinar.

Das vierte digitale Myelom-Forum des Uniklinikums Würzburg findet am Samstag, den 20. November 2021 statt.

„Die Behandlung des Multiplen Myeloms wird aus verschiedenen Gründen immer komplexer“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW), und zählt auf: „Wir verstehen die Heterogenität dieser bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks immer besser, so dass wir Untergruppen erkennen können, die individualisiert zu therapieren sind. Dafür können wir unter immer mehr zugelassenen Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkprinzipien wählen. Zusammen mit dem Blick auf die persönliche Situation der Patientinnen und Patienten wird es immer anspruchsvoller, zu entscheiden, welcher Behandlungsweg für wen am besten geeignet ist.“ Hinzukomme, dass man durch das jetzt mögliche, längere Überleben der Betroffenen auch Nebeneffekten, wie Kiefernekrosen, noch mehr Aufmerksamkeit schenken müsse. Ein Update zu diesen und vielen weiteren Aspekten gibt es für Patient*innen, Angehörige und alle sonstigen Interessierten am Samstag, den 20. November 2021 bei einer halbtägigen Online-Vortragsveranstaltung des UKW.

 Sechs Vorträge für ein breites Themenspektrum

Beim 4. Digitalen Myelom-Forum referieren neben Prof. Einsele ab 9:30 Uhr fünf weitere Fachleute des Klinikums und der Uni Würzburg über die Softwareplattform Zoom zu Themen aus der Zahn-, Nuklear- und Komplementärmedizin sowie aus der Radiologie und Virologie. Aus dem letztgenannten Bereich wird Prof. Dr. Lars Dölken vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Uni Würzburg verdeutlichen, warum gerade für die immungeschwächten Myelom-Patient*innen eine umfassende Corona-Impfung höchst sinnvoll ist.

Nach jedem Vortrag und bei der abschließenden Diskussionsrunde gegen 11:45 Uhr haben die Teilnehmer*innen Gelegenheit, sich per Chat zu Wort zu melden und individuelle Fragen zu stellen.

Eine Teilnahme an der Onlinekonferenz ist über Computer, Smartphone und Telefon – hier natürlich nur mit Ton-Empfang – möglich. Nach der Anmeldung erhalten die Interessenten per E-Mail die Zugangsdaten und eine detaillierte technische Anleitung.

Die Veranstaltung ist kostenlos, es wird allerdings um eine Spende von zehn Euro zugunsten der Stiftung „Forschung hilft“ (www.forschung-hilft.de) gebeten. Anmelden kann man sich bis spätestens 5. November 2021 unter E-Mail: selbsthilfe@ukw.de.

Das genaue Programm gibt es im Veranstaltungskalender unter www.ukw.de/medizinische

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Gebärmutterhalskrebs: Kooperation mit fatalem Ergebnis

Müssen Viren und Bakterien kooperieren, damit Gebärmutterhalskrebs entsteht? Dieser Frage geht die Infektionsforscherin Cindrilla Chumduri in einem neuen Forschungsprojekt nach. Sie arbeitet dabei mit künstlichen Gewebemodellen.

Das Bild zeigt Gewebe des Gebärmutterhalses, das mit Plattenepithelzellen (grün) ausgekleidet ist, die das endozervikale Säulenepithel (rot) ersetzen. Solche Plattenepithelgewebe sind sehr anfällig für die Besiedlung mit Krankheitserregern und die Entwicklung von Gewebeneubildungen

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit der vierthäufigste Tumor bei Frauen. In Deutschland erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft jedes Jahr rund 4.400 Frauen daran, etwa 1.600 sterben jährlich. Dass in einem Großteil der Fälle – konkret: in etwa 90 Prozent – Viren zu diesen bösartigen Gewebeneubildungen beitragen, dürfte seit 2007 allgemein bekannt sein. In diesem Jahr startete in Deutschland eine Impfkampagne für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Der Impfstoff richtet sich gegen den Auslöser: das Humane Papillomvirus (HPV).

Das Virus allein führt nicht zum Krebs

Dass HPV für den überwiegenden Teil der Krebserkrankungen verantwortlich ist, bedeutet nicht, dass eine Infektion mit dem Virus zwangsläufig eine Erkrankung nach sich zieht: Aktuelle Statistiken gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens eine Infektion durchmachen. Dennoch entwickeln nur 1,6 Prozent von ihnen Gebärmutterhalskrebs.

„Es ist also klar, dass eine HPV-Infektion allein wahrscheinlich keinen Gebärmutterhalskrebs verursachen kann. Es gibt zwar viele mögliche Kofaktoren, die das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöhen, einschließlich Koinfektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheitserregern, aber der relative Beitrag jedes einzelnen ist noch nicht geklärt", sagt Dr. Cindrilla Chumduri. Die Wissenschaftlerin leitet eine Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Gewebeveränderungen nach Infektionen bilden einen ihrer Forschungsschwerpunkte. Dafür entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Team unter anderem lebensechte Organnachbildungen – sogenannte 3D-Organoide, an denen sie die Wechselwirkungen zwischen dem Krankheitserreger und den jeweiligen Geweben sowie die Krankheitsprozesse erforscht.

In einem neuen Forschungsprojekt untersucht Chumduri in den kommenden drei Jahren, welche Faktoren noch dazu kommen müssen, damit eine HPV-Infektion Krebs verursacht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert das Projekt mit rund 400.000 Euro.

Viele Erkrankte sind auch mit Chlamydien infiziert

„Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass Patientinnen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, nicht nur mit dem Humanen Papillomvirus infiziert sind, sondern gleichzeitig auch mit dem bakteriellen Erreger Chlamydia trachomatis“, sagt die Wissenschaftlerin. In früheren Arbeit konnte Chumduri bereits nachweisen, dass Chlamydia trachomatis in infizierten Zellen Schäden am Erbgut verursacht, ohne dass deshalb die sonst üblichen Reparaturmechanismen der Zellen starten.

Auch den programmierten Zelltod, mit dem der Organismus normalerweise verhindert, dass entartete Zellen sich unkontrolliert vermehren, unterdrückt das Bakterium erfolgreich. „Trotz dieser eindeutigen Zusammenhänge zwischen HPV- und Chlamydien-Infektionen und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist deren Rolle bei der Entwicklung von Gewebeneubildungen und den nachfolgenden Schritten der Krebsentstehung bisher nicht untersucht worden“, so Chumduri. Das will sie nun in ihrem neuen Forschungsprojekt ändern.

Für den Mangel an diesen Studien gibt es nach Chumduris Meinung einen einfachen Grund: „Es fehlt an den erforderlichen In-vitro-Infektionsmodellen, die dem natürlichen Gewebe eines Gebärmutterhalses so weit wie möglich entsprechen“, sagt sie. Darüber hinaus würden die meisten Studien auf diesem Gebiet mit Krebszellen durchgeführt, die die physiologischen Interaktionen kaum realistisch widerspiegeln.

Aus diesen Grund hat sie spezielle 3D-Organoid-Modelle entwickelt und verwendet Mausmodelle, die ein gutes Bild davon vermitteln was passiert, wenn in den verschiedenen Gewebsschichten des Gebärmutterhalses sowohl Humane Papillomviren als auch Chlamydien auftreten. Bei der Untersuchung dieser Vorgänge setzt sie auf neueste Technologien wie beispielsweise eine genetische Abstammungsanalyse, die Einzelzell-RNA-Sequenzierung und die sogenannte räumliche Transkriptomik.

Auf diese Weise will Chumduri gemeinsam mit ihrem Team in den kommenden Jahren neue Erkenntnisse über die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs gewinnen und – neben dem Humanen Papillomvirus – weitere Faktoren identifizieren, die zu einer HPV-Infektion hinzukommen müssen, damit das Gewebe tatsächlich entartet.

Kontakt

Dr. Cindrilla Chumduri, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: +49 931 31 86531, cindrilla.chumduri@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Uni Würzburg

30 Jahre DÄVT - Facetten ärztlicher Verhaltenstherapie

Kongressbericht vom 6. Würzburger Psychotherapietag

historisches Portal Psychiatrie

                                            

Corona-Pandemie und traumatisierende Ereignisse wie der Amoklauf in Würzburg mit ihren negativen Auswirkungen auf unsere Psychische Gesundheit verdeutlichen und erhöhen den Bedarf an Psychotherapie in unserer Gesellschaft.

Die Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DÄVT) stellt sich seit 30 Jahren dieser Herausforderung durch Ausbildung von Psychotherapeuten und Definition von Therapiestandards durch Mitwirkung bei der Erstellung nationaler Leitlinien.

Am 11. und 12. September 2021 veranstaltete sie in Würzburg in Verbindung mit dem 6. Würzburger Psychotherapietag anlässlich ihres 30jähriges Bestehens einen Wissenschaftlichen Kongress unter dem Titel: „30 Jahre DÄVT-Facetten ärztlicher Verhaltenstherapie“.

An einem intensiven Wochenende wurden die Facetten der Verhaltenstherapie in ihrer Vielfalt lebendig und anschaulich vorgestellt:  15 Referent*Innen gaben den knapp 100 Teilnehmer*Innen einen Überblick über unterschiedliche Aspekte der Verhaltenstherapie und in 6 Workshops wurde eine Vertiefung einzelner Themen angeboten. Es war die erste Präsenzveranstaltung im Hörsaal des Würzburger Zentrums für psychische Gesundheit mit zusätzlicher Möglichkeit der Teilnahme per Video seit Beginn der Coronapandemie im Frühjahr 2020.

Der Präsident der Würzburger Universität Prof. Paul Pauli, selbst verhaltenstherapeutischer Psychotherapeut, betonte in seinem Grußwort die gesellschaftliche Bedeutung der Psychotherapie und insbesondere der Verhaltenstherapie und ihre lange Tradition am Würzburger Zentrum für Psychische Gesundheit: Diese war bereits 1987 von Prof. Armin Schmidtke, ebenfalls Psychologischer Verhaltenstherapeut,  durch den Aufbau einer eigenen Verhaltenstherapiestation von nationalem Modellcharakter mit Unterstützung namhafter Verhaltenstherapeuten wie Kanfer und Linehan etabliert worden. Erste Stationsärztin dieser Station war Dr. med. Beate Deckert, die aktuelle Präsidentin der DÄVT.

Namhafte Referent*Innen, darunter mehrere Lehrstuhlinhaber*Innen mit herausragender Expertise, bildeten in ihren Vorträgen die vielseitigen Facetten der Verhaltenstherapie eindrucksvoll ab: in Forschung, Lehre, Weiterbildung, in verschiedenen Settings (Praxis, Klinik, Tagesklinik) und in verschiedenen klinischen Fachbereichen, wie Psychiatrie der Erwachsenen, der Kinder und Jugendlichen, in Psychosomatik, Psychologie und fachgebundener Psychotherapie, wie z. B. in der Allgemeinmedizin. Vorsitzende der mit der DÄVT kooperierenden Gesellschaften vermittelten zusätzlich fach- und berufspolitische Einblicke in die verhaltentherapeutische Psychotherapie. Die Symposiums-Vorsitzenden, ehemalige Vorstandsmitglieder der DÄVT, vertraten flankierend alle einzelnen Epochen der 30jährigen Geschichte der Gesellschaft.

Es wurde deutlich, dass psychotherapeutische und darunter vor allem verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze einen zentralen Stellenwert für das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen besitzen und fester Bestandteil der Versorgung sowohl im ambulanten als auch stationärem Setting sind. Die Mischung aus Forschung, Lehre und Praxis der Veranstaltung trug wesentlich zu ihrem Erfolg bei.

 

 

Hintergrund und Details:

Die Verhaltenstherapie ist seit 1987 eine der heute vier Richtlinien-Psychotherapien in Deutschland, neben der Psychoanalyse, der Tiefenpsychologie und der seit 2019 zugelassenen Systemischen Therapie. Die Anfänge der Verhaltenstherapie reichen bis in die Antike zurück:  Aristoteles war überzeugt vom beobachtbaren Verhalten als Quelle des Wissens, so dass man ihn als ersten Vertreter des Behaviorismus verstehen kann, aus dem sich nach vereinzelten früheren Ansätzen (z.B. 1770 Goethe mit der Selbst-Expositionstherapie seiner Höhenangst) im 20. Jahrhundert die klassische Verhaltenstherapie entwickelte. Für seinen Lehrer Platon war das nicht beobachtbare Denken wichtiger für die Erkenntnis. Er kann so als früher Vertreter des Kognitivismus verstanden werden, aus dem sich in letzten Jahrhundert die Rational-emotive Therapie entwickelte. Aus beiden Strömungen fusionierte die heute gebräuchliche Bezeichnung Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bzw. im Angelsächsischen die CBT Cognitive Behavioural Therapy.

Die Geschichte der DÄVT beginnt 1978 als Arbeitsgemeinschaft für Ärztliche Verhaltenstherapie. Es entstand zunächst der Fachverband Klinische Verhaltenstherapie FKV mit dem Ziel, die kassenärztliche Zulassung der VT zu bewirken, die 1987 dann auch als Richtlinien-Psychotherapie anerkannt wurde.  1991 folgte die Gründung der DAVT (Dt. Akademie für Verhaltenstherapie) als wissenschaftlicher und universitärer Verband von Ärzten und Psychologen. Im Vorstand schon damals der heutige Ehrenpräsident der DÄVT Prof. Serge Sulz aus München. Schon ein Jahr später fusionierten DAVT mit FKV zum Deutschen Fachverband Verhaltenstherapie DVT, der bis heute existiert. Im Zusammenhang mit dem neu entstandenen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie kam es kurz darauf zur Gründung der DÄVT, die seit 1993 als Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie im Vereinsregister eingetragen ist.

Die Veranstaltung war inhaltlich organisiert durch die Präsidentin der DÄVT Dr. med. Beate Deckert, Inhaberin einer verhaltenstherapeutischen Lehrpraxis in Würzburg, logistisch unterstützt von Prof. Dr. Jürgen Deckert, dem Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Würzburg. 
Als Veranstaltungsort wurde Würzburg aufgrund seiner eigenen langen Verhaltenstherapie-Geschichte gewählt: 1987 Eröffnung einer verhaltentherapeutischen Psychotherapiestation in der Erwachsenen-Psychiatrie der Universität Würzburg noch im Jahr der Etablierung der Verhaltenstherapie als Richtlinien-Psychotherapie.  Prof. Armin Schmidtke, Psychologischer Verhaltenstherapeut, leitete diese Psychotherapiestation und gewann den Verhaltenstherapie-Pionier Prof. Frederick Kanfer, Psychologe der University of Illinois, zum ersten externen verhaltentherapeutischen Supervisor der damaligen Stationsärzte, einschließlich der heutigen DÄVT-Präsidentin.  Kanfers Verhaltensgleichung, das SORCK-Schema, ist allen psychologischen und ärztlichen Verhaltenstherapeuten als Grundbaustein ihrer täglichen Arbeit bis heute präsent.

 

Im Einzelnen vertraten am Samstag folgende Referent*Innen die Facetten der Ärztlichen Verhaltenstherapie:

Prof. Katharina Domschke, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Freiburg, berichtete über neue Aspekte zur Verhaltenstherapie aus der Forschung, speziell über die „Rolle der Epigenetik“.

Prof. Sabine Herpertz, Direktorin der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heidelberg und Referate -Leiterin Psychotherapie in der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie und Nervenheilkunde, referierte zur Verhaltenstherapie-Facette VT in der Klinik über „Frühe Traumata als Fokus der 3. Welle“ und deren Bedeutung in der Psychiatrie.

Prof. Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie aus Hannover, und Sprecherin des nationalen Psychotherapienetzwerkes von 2008-2016 vertrat die Facette „Verhaltenstherapie in der Psychosomatik“ mit Untersuchungen zur Frage „Wieviel VT braucht die Behandlung der Essstörungen?“.

Im zweiten Veranstaltungsblock führte Prof. Eva Meisenzahl aus Düsseldorf, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Landschaftsverbandes Rheinland und der Heinrich-Heine-Universität, in den wachsenden Beitrag der Digitalisierung in der verhaltentherapeutischen Weiterbildung ein.

Der Würzburger Prof. Marcel Romanos, berichtete als Vertreter der Facette Kinder- und Jugend-Psychiatrie über neue Konzepte zu „Stepped Care in der kinder- und jugendpsychiatrischen Notfallversorgung“.

Privatdozentin Elisabeth Friess, als Leiterin der Tagesklinik am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, beschrieb die „Tagesklink als perfekten Ort für das Verhaltensexperiment“.

Im dritten Veranstaltungsblock   führte die Würzburger Präsidentin der DÄVT Dr. med. Beate Deckert in spezifische Psychiatrisch-Psychotherapeutische Strategien in der Behandlung Depressiver Erkrankungen ein.  

Prof.  Simmenroth mit ihrem Team vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin stellte erste Ergebnisse zur der Anwendung dieser Strategien im fränkischen Hausarzt-Setting vor. 

Prof. Christine Knaevelsrud, Leiterin des Arbeitsbereiches Klinisch-Psychologische Interventionen an der Freien Universität Berlin, griff das Thema Digitalisierung auf und demonstrierte dem Thema ihres Vortrags entsprechend per Livestream die „Nutzung digitaler Medien in der Psychotherapie“.

Im letzten Teil der Veranstaltung berichteten Vertreter kooperierender Gesellschaften über die Zusammenarbeit mit der DÄVT. 

Prof. Michael Linden aus Berlin erläuterte „Die Verhaltenstherapiedefinition des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie“ am Bundesgesundheitsministerium, dessen Mitglied er ist.

Prof. Thomas Messer, Chefarzt der Danuvius Klinik in Pfaffenhofen, beschrieb die Kooperation mit der für die Entwicklung von medizinischen Leitlinien verantwortlichen Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften und Prof. Johannes Kruse als Präsident Past die Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie.

Eine Psychotherapie-Richtlinien übergreifende Besonderheit ist die Kooperation mit der deutschen Balint-Gesellschaft: Privatdozent Dr. Guido Flatten aus Aachen referierte über „Die klassische (tiefenpsychologisch orientierte) Balintgruppe im Dialog mit der (verhaltentherapeutischen) IFA-Gruppe“.

Zum Abschluss des Wissenschaftstages stellte Dr. Hildgund Berneburg als Vorsitzende des Bundesvorstandes der Vereinigung psychotherapeutische und psychosomatisch tätiger Kassenärzte (VPK) die „Entwicklung der VT-Ärztlichen Psychotherapie in den letzten 30 Jahren im ambulanten Versorgungsbereich“ vor.

 

Am Sonntagmorgen wurden folgende 6 Workshops zur Vertiefung angeboten:

  • Weisheitstherapie, Prof. Linden Berlin.
  • VT bei Jugendlichen mit ADHS, Dr. Geissler Würzburg.
  • Entwicklungspsychologische Beratung bei postpartalen psychischen Erkrankungen, Dr. Gehrmann Würzburg.
  • Nutzen und Risiken der Behandlung psychischer Störungen mit Psychopharmaka- gilt heute noch, was gestern gelernt/gelehrt wurde? Prof. Messer Pfaffenhofen.
  • IFA-Gruppe als Schnupperkurs, Dr. C. Ehrig.
  • PKP der Depression-Psychiatrisch-psychotherapeutische Strategien in der Praxis und im Stations-Setting, Dr. C. Algermissen, Blankenburg, und Dr. B. Deckert Würzburg

 

Autoren: Dr. med. Beate Deckert und Prof. Jürgen Deckert, Würzburg

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Uniklinikum Würzburg: Akademie mit neuer Leiterin

Die Akademie des Uniklinikums Würzburg wird seit Anfang Oktober dieses Jahres von Anna Blaschke geleitet. Gemeinsam mit ihrem Team wird die Expertin für Erwachsenenbildung für ein weiterhin breites Angebot an zeitgemäßen Fort- und Weiterbildungen für das Klinikpersonal sorgen.

Die Akademie des Uniklinikums Würzburg (UKW) bildet seit fünf Jahren die verschiedenen an Krankenhäusern beschäftigten Berufs- und Personengruppen fort. Das Angebot richtet sich sowohl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKW, wie auch externe Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Führung des Schulungszentrums übernahm zum 1. Oktober 2021 Anna Blaschke von ihrer Vorgängerin Astrid Kötterl. 

Studium mit Schwerpunkten Bildungsmanagement und Personalentwicklung

Durch ihre bisherige Karriere ist die neue Leiterin auf diese Aufgabe sehr gut vorbereitet. Nach einer Ausbildung zur Bankkaufrau studierte sie ab dem Jahr 2009 Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Personal- und Bildungsmanagement an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. An den Bachelor-Abschluss knüpfte sie an der selben Uni ein Masterstudium in Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Personalentwicklung an, das sie 2014 erfolgreich abschloss. 

Bei Kolping Berufs- und Leitungserfahrungen gesammelt

Anschließend startete Anna Blaschke bei der Bildungseinrichtung Kolping-Mainfranken GmbH in Würzburg als Assistentin der Geschäftsführung und Leiterin des Marketings. Ab 2015 hatte sie dort die stellvertretende Leitung der Akademie inne. Als Verantwortliche in den Bereichen Berufliche Weiterbildung und E-Learning konzipierte sie Lehrgänge und setze diese um. Dabei führte sie verschiedene E- und Blended-Learning-Angebote ein. „Krankenhäuser und andere Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens gehören zu den speziellen Zielgruppen der Kolping-Akademie, so dass ich die entsprechenden Schulungsthemen sehr gut kenne“, schildert Anna Blaschke und fährt fort: „Jetzt freue ich mich darauf, die UKW-Mitarbeitenden und dadurch das Uniklinikum insgesamt kontinuierlich weiterzuentwickeln. Jede Teilnahme an einer Akademie-Veranstaltung ist ein Schritt auf diesem Weg.“

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HIRI-Forscherin ausgezeichnet: ZONTA-Wissenschaftspreis 2021 für Neva Caliskan

Würzburg, 15. Oktober 2021 – Mit dem Wissenschaftspreis 2021 des ZONTA Clubs Würzburg ist Neva Caliskan ausgezeichnet worden. Die Nachwuchsgruppenleiterin am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), die zugleich eine Juniorprofessur der Julius-Maximilians-Universität (JMU) innehat, wurde für ihre exzellenten wissenschaftlichen Leistungen sowie für ihr besonderes Engagement geehrt. Weitere Preise gingen an die Forscherinnen Caroline Morbach (DZHI) und Agnieska Nowak-Król (JMU). Die festliche Zeremonie fand mit Unterstützung des HIRI am 13. Oktober 2021 auf dem Forschungs- und Medizin-Campus Würzburg statt.

Übergabe des Zonta-Preises 2021
Übergabe des Zonta-Preises 2021

„Neva Caliskan hat im Verlauf ihrer noch jungen Wissenschaftskarriere bereits richtungsweisende Erkenntnisse für den Kampf gegen Krankheitserreger gewonnen und ihre Exzellenz auf dem Gebiet der molekularen Infektionsforschung unter Beweis gestellt“, würdigte HIRI-Direktor Jörg Vogel die Molekularbiologin, die seit 2018 am HIRI forscht.

Mit der Preisvergabe unterstützt der ZONTA Club Würzburg herausragend qualifizierte Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Doch es geht um noch mehr, wie die Vereinigung deutlich machte: Sie setzt sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft ein und will auch das Engagement beleuchten, das Frauen über ihre Forschungsarbeit hinaus leisten.

Für Chancengleichheit und Diversität


Entsprechend lang ist die Aktivitätenliste von Caliskan: Sie engagiert sich in der Forschungskommunikation, initiiert neue Vortrags- und Slam-Veranstaltungen oder macht sich als Koordinatorin der „RNA Spotlight Series“ dafür stark, dass Wissenschaftlerinnen und deren persönliche Karrierewege international noch deutlicher sichtbar werden.

„Mein Team und ich wollen das Wissen über die ‚Achillesferse‘ viraler Krankheitserreger wesentlich verbessern“, beschrieb Neva Caliskan ihre Leidenschaft für die Forschung. „Mir liegt darüber hinaus aber auch sehr viel daran, Chancengleichheit und Diversität in meinem Umfeld zu etablieren. Dass ich den ZONTA-Wissenschaftspreis entgegennehmen darf, ist eine schöne Anerkennung meiner Bemühungen, und ich freue mich sehr darüber.“

Der Würzburger ZONTA Club schreibt seinen Wissenschaftspreis in Zusammenarbeit mit den Frauenbeauftragten der JMU bereits seit 1995 aus. Neben Caliskan ging die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung in diesem Jahr auch an Caroline Morbach, Senior Clinician Scientist am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI). Den Preis des Jahres 2020 erhielt nachträglich Agnieska Nowak-Król, Juniorprofessorin am Institut für Anorganische Chemie und Nachwuchsgruppenleiterin am Institut für Nanosystemchemie der JMU.

Über Neva Caliskan

Neva Caliskan studierte Molekularbiologie und Genetik an der Middle East Technical University in Ankara (Türkei) und arbeitete 2005 als Gastwissenschaftlerin am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. 2009 machte sie ihren Masterabschluss an der International Max Planck Research School for Molecular Biology (Göttingen). Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit (2013) arbeitete sie am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, zunächst als Postdoc in der Abteilung für Physikalische Biochemie, von 2015 bis 2017 als Projektleiterin. Seit Januar 2018 leitet sie am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) die Nachwuchsgruppe „Rekodierungsmechanismen in Infektionen“. Zudem hat sie seit Mai 2018 eine Juniorprofessur an der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg inne.

Über ZONTA

ZONTA ist seit 100 Jahren ein weltweit agierender, überparteilicher, überkonfessioneller und weltanschaulich neutraler Zusammenschluss berufstätiger Frauen, die sich dafür einsetzen, die Lebenssituation von Frauen und Mädchen in rechtlicher, politischer, wirtschaftlicher, beruflicher und gesundheitlicher Hinsicht zu verbessern.

Über HIRI

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm verfolgt das Institut das Ziel, innovative therapeutische Ansätze zu entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Uniklinikum Würzburg: Tag der Allgemeinmedizin mit breitem Informationsangebot

Im Oktober dieses Jahres lud das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg zum vierten Mal zu einem Fortbildungstag mit hochrelevanten hausärztlichen Themen ein. Beispielsweise beschäftigte sich der Einführungsvortrag mit adäquaten Antworten auf häufig gestellte, kausale Patientenfragen wie: Warum hat mich diese schwere Krankheit getroffen?

Gastredner Prof. Dr. Norbert Donner-Banzhoff von der Philipps-Universität Marburg, umrahmt von den Leiterinnen des Instituts für Allgemeinmedizin des Uniklinikums Würzburg, Prof. Dr. Ildikó Gágyor (links) und Prof. Dr. Anne Simmenroth.

Auch das Erfüllen der aufwändigen Hygieneanforderungen der Corona-Pandemie konnten das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg (UKW) nicht davon abhalten, am 13. Oktober 2021 den nunmehr 4. Tag der Allgemeinmedizin erneut als Präsenzveranstaltung anzubieten. Hausärzt*innen und Medizinische Fachangestellte sowie Ärzt*innen in Weiterbildung und Studierende waren eingeladen, aus insgesamt 14 Workshops die für sie jeweils interessantesten auszuwählen. Den größten Zuspruch der rund 100 Teilnehmer*innen erfuhren das Disease-Management-Programm bei Diabetes, die ärztliche Leichenschau, die Herausforderungen durch kognitive Alterung und Demenz sowie Antworten auf die Frage „Welche Kinder muss die Kinderklinik unbedingt sehen?“.

Gedanken zum Kausalitätsbedürfnis der Patient*innen

Für den Hauptvortrag vor dem Plenum des Infotages im Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrum konnten Prof. Dr. Ildikó Gágyor und Prof. Dr. Anne Simmenroth, die Leiterinnen des Instituts für Allgemeinmedizin, in diesem Jahr Prof. Dr. Norbert Donner-Banzhoff von der Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin der Philipps-Universität Marburg gewinnen. Der Experte lieferte Denkanstöße zu den Hintergründen und dem Umgang mit dem Kausalitätsbedürfnis vieler Patient*innen. Ein Bedürfnis, das sich in Fragen äußert wie: Warum bin ich von dieser schweren Krankheit betroffen? Warum musste mir das ausgerechnet jetzt passieren? Oder auch: Warum habe ich nicht früher den Notarzt gerufen?

Probabilistische Zusammenhänge

Am Beispiel der Verbindung zwischen Rauchen und Koronaren Herzerkrankungen machte der Gastredner deutlich, dass die in medizinischer Lehre und Alltag zu oft angenommenen – und auch den Patient*innen gegenüber kommunizierten – deterministischen Gesetze völlig fehl am Platze sind. „Tatsächlich sind die Zusammenhänge probabilistisch“, betonte Donner-Banzhoff. Das bedeutet, dass immer nur Aussagen zu gewissen Wahrscheinlichkeiten getroffen werden können. Bezogen auf den Erkrankungsgrund hält es der Professor gerne mit dem britischen Statistiker Sir David Spiegelhalter, der feststellte: Wenn man Krebs hat, ist das zunächst einmal Pech.

Genau hinhören – und möglichst kein Raum für das Thema Schuld

Für die ärztliche Praxis empfahl der Referent den Zuhörer*innen, Warum-Fragen am ehesten mit Formulierungen wie „Es könnte sein, dass…“ zu beantworten. Ganz wichtig sei es ferner, auf keinen Fall Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen zu fördern. „Darüber hinaus ist oft ein genaues Hinhören gefragt, denn unsere Patientinnen und Patienten stellen die Warum-Frage oft indirekt“, riet Prof. Donner-Banzhoff.

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Schwachstelle für Herzproblem entdeckt

Würzburger Forscher machen fehlenden Calciumkanal als Auslöser für Arrhythmien und Herzinsuffizienz beim Barth-Syndrom aus

 

Das Calcium, das über den MCU in die Mitochondrien einströmt, aktiviert den Citratzyklus, der energiereiche Vorstufen für die Atmungskette liefert. Fehlender Calciumkanal bedeutet leere Lager für Energie. Die Verarmung der Speicher und der Mangel an ATP werden dem Herzschlag nicht mehr gerecht.
Edoardo Bertero (links) und Michael Kohlhaas an der Single-Cell-Force-Anlage im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI). © Gregor Schläger

Patienten mit dem Barth-Syndrom dürfen möglicherweise bald aufatmen. Im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) hat Christoph Maack mit seinem Team den Calciumkanal in den Mitochondrien als Ursache für ihre Herzfunktionsstörungen entlarvt. Das Barth-Syndrom geht auf einen Defekt des Tafazzin-Gens zurück, und Tafazzin produziert Cardiolipin, einen wesentlichen Bestandteil der Mitochondrienmembran. Die Erkrankung betrifft meist Jungen im frühen Kindesalter und verursacht Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass durch den Defekt des Cardiolipin der Calciumkanal in Mitochondrien verloren geht. Da Calcium der wichtigste Botenstoff für die Anpassung der Energieproduktion an einen erhöhten Bedarf ist, erklärt dieser Defekt die Unfähigkeit der Barth-Herzen, bei körperlicher Aktivität die Pumpleistung zu steigern, aber auch das Auftreten von Herzrhythmusstörungen. Diese Erkenntnisse, die jetzt im renommierten Journal Circulation der American Heart Association veröffentlicht wurden, sind nicht nur ein Lichtblick in der Behandlung des seltenen Barth-Syndroms, sondern könnten auch zum verbesserten Verständnis und der Behandlung der weiter verbreiteten Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) beitragen.


Das Herz pumpt in der Regel pro Minute vier bis fünf Liter Blut in unseren Körper, bei hoher Belastung sogar bis zu 30 Liter pro Minute, sofern es gesund ist. Bei Jungen, die am Barth-Syndrom leiden, schlägt das Herz bei Anstrengung zwar schneller, der Auswurf kann aber nicht entsprechend gesteigert werden. Die Folge dieser verminderten Herzfunktions-Reserve bei Belastung ist Luftnot. Hinzu kommen Herzrhythmusstörungen, die auch zum plötzlichen Tod führen können.


Weniger Calcium = weniger Energie in Herzmuskelzellen

Der Kardiologe Christoph Maack und der Biologe Jan Dudek forschen bereits seit vielen Jahren an den Krankheitsmechanismen des Barth-Syndroms. Sie fanden heraus, dass die durch den Defekt des Tafazzin-Gens beeinträchtige Energiegewinnung der Herzmuskelzellen mit dem Calciumhaushalt zusammenhängen. Durch die verminderte Calciumaufnahme in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Herzmuskelzelle, wird die Aktivierung des Citratzyklus gestört. Im Citratzyklus werden mithilfe des energieliefernden Coenzym NADH Elektronen für die Produktion des energiereichen Moleküls Adenosintriphosphat (ATP), und über NADPH Elektronen für die Entgiftung von Sauerstoffradikalen hergestellt.


Durch fehlenden Calciumkanal leeren sich die Speicher

Die Forscher aus dem DZHI-Department Translationale Forschung, allen voran Edoardo Bertero, Alexander Nickel und Michael Kohlhaas, haben nun den Mechanismus erkannt, warum sich das Herz-Zeit-Volumen nicht steigern lässt, und warum vermehrt Arrhythmien auftreten.
Früher ging man davon aus, dass das Fehlen von Cardiolipin vor allem der Atmungskette Probleme bereitet und Sauerstoffradikale die Zellen schädigen. Das Cardiolipin ist auch bei vielen anderen Herzkrankheiten durch oxidativen Stress geschädigt. Ein Mangel an diesem Phospholipid stört die Atmungskette, wodurch weniger Energie produziert wird. "Obwohl wir in unseren Studien auch eine moderate Störung der Atmungskette feststellen konnten, haben wir keine übermäßigen Mengen an Radikalen gemessen", erklärt Edoardo Bertero, der Erstautor der Studie. "Stattdessen haben wir beobachtet, dass der Kanal, der für den Calciumimport in die Mitochondrien verantwortlich ist, der so genannte mitochondriale Calcium-Uniporter, kurz MCU, in Mäusen mit Tafazzin-Knockdown fast vollständig verschwunden war. Dies ist wichtig für Patienten mit Barth-Syndrom, weil es erklärt, warum ihre Herzen nicht in der Lage sind, ihre Auswurfleistung bei körperlicher Anstrengung zu erhöhen; aber auch für die allgemeine Herzphysiologie, weil es eine bisher nicht gewürdigte Funktion von Cardiolipin aufdeckt, nämlich die Stabilisierung des MCU-Protein-Komplexes.“


Entdeckung führt zu besserem Verständnis des Barth-Syndroms


Maack fügt hinzu: „Die Gen- und Proteinstruktur des mitochondrialen Calciumkanals ist erst seit zehn Jahren bekannt. Das Barth-Syndrom ist die erste uns bekannte Erkrankung, bei der ein relevanter Defekt des MCU in Herzzellen deren Funktion nachhaltig beeinträchtigt.“ Mit dieser Entdeckung liefern die Forscher des DZHI einen wichtigen Therapieansatz, möglicherweise nicht nur bei der Behandlung des Barth-Syndroms, sondern auch bei anderen Herzerkrankungen mit erhaltener Pumpfunktion, und im speziellen bei anderen genetischen Kardiomyopathien. „Hilfreich könnte vielleicht die Gabe von SGLT2-Hemmern sein. Sie reduzieren das Natrium in der Zelle, dadurch wird weniger Calcium aus den Mitochondrien herausgeholt, die Energiespeicher bleiben länger voll, sodass das Herz bei erhöhter Belastung besser mithalten kann“, spekuliert Maack. Dies müsse aber erst noch untersucht werden. Weniger empfehlenswert seien Wirkstoffe, die die Pumpkraft des Herzens steigern, indem sie das Natrium erhöhen, wie zum Beispiel das seit Jahrzehnten verwandte Digitalis.
In der Vergangenheit wurden Jungen mit Barth-Syndrom oft nicht älter als drei Jahre. Sie starben an Herzversagen oder Infektionen. Aber mit einer verbesserten Diagnose und einer angemessenen medizinischen Behandlung und Überwachung aller Symptome ist die Überlebensrate und die Zukunft dieser Menschen viel besser. „Genau das motiviert mich und spornt mich an. Die Krankheit ist zwar selten. Registriert sind etwa 300 Fälle weltweit. Wir gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Und was zählt ist das Schicksal jedes einzelnen“, betont Maack.


Die Arbeiten entstanden in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Gruppen in Homburg/Saar, Göttingen und Würzburg. Gefördert wurden die Forschungsarbeiten durch die Margret Elisabeth Strauß-Projektförderung der Deutschen Herzstiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), den European Research Council (ERC) sowie die US-amerikanische Barth Syndrome Foundation.


Weitere Informationen zur Erkrankung: www.barthsyndrome.org


Publikation in AHA Journal Circulation: Loss of Mitochondrial Ca2+ Uniporter Limits Inotropic Reserve and Provides Trigger and Substrate for Arrhythmias in Barth Syndrome Cardiomyopathy
Edoardo Bertero, Alexander Nickel, Michael Kohlhaas, Mathias Hohl, Vasco Sequeira, Carolin Brune, Julia Schwemmlein, Marco Abeßer, Kai Schuh, Ilona Kutschka. Christopher Carlein, Kai Münker, Sarah Atighetchi, Andreas Müller, Andrey Kazakov, Reinhard Kappl, Karina von der Malsburg, Martin van der Laan, Anna-Florentine Schiuma, Michael Böhm, Ulrich Laufs, Markus Hoth, Peter Rehling, Michaela Kuhn ,Jan Dudek, Alexander von der Malsburg, Leticia Prates Roma and Christoph Maack
Originally published14 Oct 2021 https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.053755

 

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